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12. Oktober 2014

Gone Girl

You. Fucking. Bitch.

Vermutlich lesen nur wenige auf mehrstündigen Flügen Literatur von Aristoteles bis Thomas Mann. Vielmehr wird auf dem Flughafen der Buchladen durchstöbert, auf der Suche nach leichter Trivialliteratur. Beispielsweise nach Dan Browns The Da Vinci Code (aka Sakrileg) oder Stieg Larssons Män som hatar kvinnor (aka Verblendung). Es versteht sich von selbst, dass beide Romane – erfolgreich – fürs Kino adaptiert wurden. Und weil Män som hatar kvinnor lediglich ein schwedischer Film war, musste dieser natürlich ein US-Remake erhalten. Für dieses stand vor drei Jahren David Fincher bereit, einst verantwortlich für Werke wie The Game oder Se7en, zuletzt jedoch darauf beschränkt, Massenphänomene zu adaptieren.

Nachdem er sich in The Social Network dem „Kulturgut“ Facebook widmete und die Stieg-Larsson-Verfilmung The Girl with the Dragon Tattoo ablieferte, wanderte David Fincher gleich weiter zum nächsten Bestseller auf Groschenromanniveau. Wochenlang stand Gillian Flynns Krimi Gone Girl vor zwei Jahren an der Bestseller-Spitze, verkaufte zwei Millionen Exemplare. Ein gefundenes Fressen also für Fincher, um auch diese Flugzeuglektüre in ein 140-Minuten-Epos zu verwandeln. Das Ergebnis begeisterte Kritiker wie Zuschauer – bei denen Fincher jeweils Narrenfreiheit genießt – sogleich im Sturm. Dumm also für den Regisseur, dass die Inszenierung von Fifty Shades of Grey bereits an Kollegin Sam Taylor-Johnson vergeben wurde.

In weiten Teilen ähneln sich dabei The Girl with the Dragon Tattoo und Gone Girl, steht hier wie da doch das Verschwinden einer Blondine im Mittelpunkt. Am Morgen ihres fünften Hochzeitstages scheint Amy Dunne (Rosamund Pike) aus ihrem Haus gekidnappt worden zu sein. Ihr Ehemann  Nick (Ben Affleck) schaltet sogleich die Polizei ein und beginnt am nächsten Tag mit seinen Schwiegereltern und Zwillingsschwester Margo (Carrie Coon) eine mediale Suchaktion. Doch je mehr Tage vergehen, desto stärker wiegt bei Medien und Polizei der Verdacht, dass Nick selbst am Verschwinden seiner Frau nicht unschuldig ist. Und mit fortlaufender Dauer kommen immer mehr Geheimnisse der beiden Eheleute ans Tageslicht – was nicht folgenlos bleibt.

Da, darauf lässt das Echo der Resonanz zum Film schließen, Gone Girl primär oder ausschließlich über seine „Twists“ funktioniert, sollen diese an dieser Stelle nicht vorweg genommen werden. Sie fangen mit Beginn des zweiten Akts an, wissen dem müden Handlungsverlauf jedoch auch keine Würze zu geben. Vielmehr manövriert sich Finchers Film in seiner zweiten Hälfte dank seiner Wendungen gewissermaßen in eine Sackgasse, aus der es für ihn im weiteren Verlauf keinen Ausweg mehr gibt. Hauptsächlich deswegen, weil Gone Girl seinen vermeintlichen Twist über die Charakterisierung der Figuren stellt – wodurch die Wendung letztlich verpufft. Insbesondere auf eine Motivation für die etwaigen Handlungen muss der Zuschauer verzichten.

Das Thema von Buch wie Film – das Drehbuch schrieb die Romanautorin selbst – dreht sich dabei nach Angaben von Gillian Flynn um die Dynamik von Langzeitbeziehungen und die Lügen, mit denen sich Partner in einer Ehe gegenseitig begegnen. In Rückblenden sehen wir dabei verschiedene Stadien von Nick und Amys Beziehung: vom ersten Kennenlernen zum Heiratsantrag bis hin zu ersten Eheproblemen als Folge der wirtschaftlichen Rezession. Beide verlieren ihren Job und als Nicks Mutter erkrankt, ziehen sie von New York nach Missouri. Als ein Kommentar auf die Institution Ehe kann der Film dabei aber genauso schlecht gelesen werden wie auf die Dynamik zwischen zwei Beziehungspartnern. Zu willkürlich gerät Gone Girl hierzu.

Und obschon es wohl überspitzt wäre, zu sagen, es handele sich um einen Kitschroman, greift Flynn dennoch auf viele bekannte Klischees zurück, die einer vermeintlichen Originalität, die dem Film mitunter von mancher Seite unterstellt wurde, Einhalt gebietet. Obendrein wirkt Gone Girl wenig gelungen besetzt, was zwar bisweilen im Falle von Carrie Coon und Tyler Perry wenig dramatisch ist, gerade bei Neil Patrick Harris und insbesondere Rosamund Pike jedoch zum Laster wird. Anstelle von Letzterer wäre vielleicht Reese Witherspoone, die am Ende nur zu den Produzenten zählt, eine geschicktere Wahl gewesen. Wobei auch dies Gone Girl nicht mehr Qualität verliehen hätte, die der Film gerade im Drehbuch vermissen lässt.

Abgesehen von einigen so gelungenen wie willkommenen humorvollen Auflockerungen überzeugt Finchers jüngster Film am meisten als Schablone von Ben Afflecks Medien-Dasein. Wie der Schauspieler wird auch Nick Dunne in Gone Girl medial seziert, kritisch beäugt und allmählich unter die Räder geworfen. Eine Erfahrung, die Affleck im Zuge seiner (Post-)Bennifer-Jahre am eigenen Leib gemacht hat – und die er hier nochmals durchleben darf. Dennoch verkommt Gillian Flynns Werk selbst hier nicht zu einer vollen Medienschelte, selbst wenn es insbesondere den Fernsehjournalismus in kein gutes Licht rückt. Immerhin findet sich hier gegenüber den anderen Themen des Films eine Motivation und zugleich eine authentische Einordnung.

Und auch wenn die Handlung nicht allzu spannend gerät und das Finale eher beschämend ausfällt weiß der Film trotz seiner fast zweieinhalbstündigen Laufzeit nicht zu langweilen. Technisch ist Gone Girl selten ein Vorwurf zu machen, auch wenn die für Finchers Werke inzwischen übliche Farbpalette, die oft ins Braune und Grüne abfällt, zumindest mich wenig begeistert. Als Unterhaltung auf mehrstündigen Flügen ist Gone Girl somit sicher nicht verkehrt und wider Erwarten ist der Film unterm Strich gegenüber The Girl with the Dragon Tattoo sogar eine Steigerung für David Fincher. Der – und das ist vielleicht am bedauernswertesten – scheint sich nun endgültig als Regisseur für Filme von Trivialliteratur und Groschenromanen zu etablieren.

5.5/10

27. Mai 2010

How I Met Your Mother - Season Five

There’s no way we can ever be together…right now.

Es gibt Menschen, die benötigen eine exorbitant lange Exposition, um zu ihrer Pointe zu gelangen. Wäre How I Met Your Mother ein Mensch, würde die Serie in diese Kategorie fallen. So lässt sich nach vier Jahren fragen, warum sich Carter Bays und Craig Thomas überhaupt noch die Mühe machen, ihre Episoden von Bob Saget einleiten zu lassen. Denn klar ist: Hauptfigur Ted (Josh Radnor) wird die Mutter seiner Kinder erst dann finden, wenn CBS beginnt, der Sitcom den ersten Nagel in den Sarg zu schlagen. Bis dahin bleibt alles beim Alten und konzentriert sich auf die fünf New Yorker Freunde und ihre Beziehungsprobleme. Gewohnheiten werden groß geschrieben, weshalb die Serie nicht die Pfade verlässt, die andere Serien vor ihr bereits beschritten haben. Daher war bereits im Vorjahr klar, dass die Beziehung zweier Freunden zeitlich begrenzt war.

Natürlich waren Robin (Cobie Smulders) und Barney (Neil Patrick Harris) nicht für die Ewigkeit, sondern nur ein paar Episoden gemacht. Stattdessen also heißt es auch für sie wieder back to business und ab ins Single-Dasein. Für Robin steht schon ihr neuer Co-Moderator Don (Benjamin Koldyke) bereit, mit dem sie sich im Laufe dieser Staffel intensiver einlässt. Während Barney wieder das macht, was er am besten kann: Frauen aufreißen. Ted hingegen beginnt seinen Job als Uniprofessor zu genießen und Marshall (Jason Segel) pflegt mit Lily (Alyson Hannigan) das Motto: Trautes Heim, Glück allein. Ein roter Faden lässt sich kaum finden, vielmehr ist die fünfte Staffel von kleinen Subhandlungen durchzogen. Neben Robins Beziehungen zählt hierzu auch Teds Kauf (s)eines Traumhauses unter der Prämisse: Geschenkt ist noch zu teuer.

Wahrscheinlich bleibt es ein ewiges Mysterium, dass bei allen Redundanzen der Serie eine konstante Beziehung zweier Figuren unattraktiv erscheint. Selbst Marshall und Lily wurden kurzzeitig auseinander gebracht und das Abenteuer von Robin und Barney ist ebenfalls so schnell vorbei wie es begann. Auch Ted, obschon mit einigen Verabredungen versehen, bleibt weiterhin Single - vielleicht auch, weil er wie in The Wedding Bride, noch zu sehr seinen eigenen Ballast mit sich herumschleppt. Dennoch wirkt es so, als würden Bays und Thomas ihrer Show nicht zutrauen, dass Ted mit einer neuen Figur funktionieren könnte. Schließlich wäre grundsätzlich nichts Verwerfliches daran, wenn man ihm zehn bis zwölf Episoden eine feste Freundin an die Seite stellt, da Say Cheese verdeutlichte, dass seine Romanzen auch die Anderen nerven.

Ein paar Rückbesinnungen finden dann doch Einzug in die neue Staffel. Zum einen gibt es mit Slapsgiving 2: Revenge of the Slap die Rückkehr von … naja, Slapsgiving. Zum anderen treten im fünften Jahr wieder vermehrt - und primär in der zweiten Staffelhälfte - GastdarstellerInnen auf. Und sogar relativ Namhafte mit Amy Adams, Rachel Bilson, Jennifer Lopez, Malin Åkerman und Amanda Peet, sowie den Herren Peter Bogdanovichv und Jason Lewis. Gerade die Rückkehr einiger bekannter Gesichter ist eine erfreuliche Entwicklung, die How I Met Your Mother wieder etwas Leben einhaucht. Denn wirklich steigern kann sich die Show im Vergleich zu den vergangenen beiden Jahren nicht. Sie hält weiterhin ein durchschnittliches Niveau, diesmal mit Robin 101 als alleinigem Höhepunkt einer Staffel, die ihre besten Episoden im Mittelteil aufweist.

Letztlich sind daher Marshall und Lily die einzigen Figuren, die sich merklich weiterentwickeln (auch wenn dies erst im Staffelfinale Doppelgangers geschieht). Ted mit seinem Hauskauf und Robin mit ihrer Beziehung zu Don machen zwar einen Schritt in die richtige Richtung - ähnlich wie Barney mit seiner Akzeptanz -, bleiben vorerst jedoch dort stecken, wo sie sich seit einer Weile befinden. Was dazu führt, dass sich wie jedes Jahr die Frage stellt, wie lange die Show noch überleben kann? Die Figuren werden nicht jünger und die Sitcom hat schließlich auch nicht zu enden, nur weil Ted nun die Mutter seiner Kinder gefunden hat. Denn wie er diese kennenlernt braucht nicht gleich das Ende des Weges zu sein, sondern kann stattdessen einfach zur Station dorthin verkommen. Bis dahin heißt es wohl wie beim Dinner for One: same procedure as last year.

7/10

20. Mai 2009

How I Met Your Mother - Season Four

The place where the possible and the impossible meet to become...the possimpible.

“Kids”, ertönt die Stimme von Bob Saget aus dem Fernseher, wenn ein alter Ted Mosby seinen Kindern die Geschichte erzählt, wie er ihre Mutter traf. Dabei spielte die Prämisse von How I Met Your Mother in der Serie noch nie eine Rolle. Denn im Nachhinein erzählt die Sitcom von Carter Bays und Craig Thomas weniger die Geschichte, wie Ted (Josh Radnor) die Mutter seiner Kinder traf, sondern vom Alltag und den Problemen seiner Clique. Jobwechsel, verblasste Liebe, wieder entflammte Liebe, nicht erwiderte Liebe und eine mysteriöse Ziege, die gerne unangekündigt vorbei schaut. So konnte How I Met Your Mother in den letzten vier Jahre bedingt das Friends-Vakuum gefüllt. Oder versuchte es zumindest. Denn an ihr Vorbild reicht How I Met Your Mother auch dieses Jahr nicht heran.

Schnell frühstückt man die geplante Hochzeit mit Stella (Sarah Chalke) ab, da ohnehin feststand, dass sie nur eine Randnotiz in Teds Leben einnehmen würde. Weshalb die Klimax auch nur leidlich unterhaltsam ausfällt. Letztlich wird der Architekt in einer wenig innovativen Wendung für Stellas Ex vor dem Altar stehen gelassen. Im weiteren Verlauf der Staffel hat Ted dann auch nicht mehr sonderlich viel mit Frauen am Hut, sodass sich Affären wie im Vorjahr mit Gaststars á la Mandy Moore nicht ergeben. Stattdessen rückt Teds Karriereknick in den Fokus. Nachdem seinem Jobverlust versucht er sich als Selbstständiger durchzuschlagen. Dies gelingt mehr schlecht als recht, dient jedoch (natürlich) als Aufhänger, für die (versprochene) Bekanntschaft von Ted und der zukünftigen Gattin.

Auch für Robin (Cobie Smulders) hält das Berufsleben neue Herausforderungen bereit. Zuerst wechselt sie nach Japan, nur um schließlich erneut in New York nach Arbeit zu suchen, um die Ausweisung zu vermeiden. Am Ende landet sie in einer Morgensendung, was besonders amüsant in The Front Porch zum Thema wird, wenn sich zwar alle verabreden, um die Sendung zu schauen (die sehr spektakulär verläuft), nur um letztlich nichts mitzukriegen. Im Berufsleben der anderen tut sich dagegen nichts, auch wenn Marshall (Jason Segel) kurz befürchtet, eventuell entlassen zu werden. Ansonsten besteht die vierte Staffel aus weitestgehend zusammenhangslosen Episoden. Den Tiefpunkt markieren redundante Folgen wie The Best Burger in New York oder Sorry, Bro.

Eine kleine Nebenhandlung wird in der Fortführung von Barneys (Neil Patrick Harris) Gefühlen für Robin eröffnet. Es ist jedoch wie in Happily Ever After meist Barneys eigenes Verschulden, dass aus einer Beziehung nichts wird. Abgesehen davon zählt Neil Patrick Harris aber auch dieses Jahr wieder zu den uneingeschränkten Höhepunkten der Serie. Allein sein phänomenales Video Resümee aus The Possimpible ist für die Ewigkeit gemacht. Aber auch sonst wissen speziell die Folgen, die sich mehr als die anderen um ihn drehen, aus der Masse hervorzustechen. Murtaugh ist hierfür ein exzellentes Beispiel, wenn Barney versucht zu beweisen, dass er (und damit auch Ted) noch nicht „zu alt für diesen Scheiß“ ist. Hierzu zählen auch andere Episoden, wie The Fight oder The Naked Man.

Im Gegensatz zu den anderen Figuren nimmt Lily (Alyson Hannigan) in diesem Jahr den letzten Platz in der Rangliste der Freunde ein. Offensichtlich ist das Potential für die Figur an seine Grenzen gestoßen, wird die Einbindung von Lily in abgedrehte Aktionen im Gegensatz zu den anderen Charakteren immer geringer. Sie ist es auch, die neben Radnor am meisten Probleme hat, mit den meist besser aufgelegten Kollegen Harris, Segel und Smulders mitzuhalten. Dies kann aber auch daran liegen, dass ihre Figuren etwas ernsthafter geraten als die anderen. Lily, weil sie Ehefrau und als Lehrerin zudem eine Mutterfigur ist, während Ted danach strebt, endlich sesshaft zu werden. Was letztlich zu einer erwachsenen Haltung führt, wie im Staffelfinale The Leap zu sehen war.

Unterm Strich gesehen hält How I Met Your Mother ihr Niveau. Höhepunkte sind die Folgen The Possimpible und The Three Days Rule. Dicht gefolgt von Murtaugh und Three Days of Snow. Der Rest bewegt sich meist auf einem durchschnittlichen Niveau. Namhafte Gaststars, außer Laura Prepon und Robert Wisdom, sind diesmal nicht der Fall. Umso überraschender ist somit die Entwicklung, die die Serie genommen hat. Stand im Vorjahr nicht fest, dass sie verlängert werden würde, so übertrifft die Zuschauerzahl der vierten sogar die Werte der ersten Staffel. Dementsprechend steht einer fünften Staffel folglich nichts im Wege. Fraglich bleibt dennoch, wie lange sich die Show noch halten wird. Denn ewig können Craig Thomas und Carter Bays nicht an der eigentlichen Prämisse vorbei erzählen.

7/10

31. Mai 2008

How I Met Your Mother - Season Three

You did it. You did it, didn’t you? Did you? You didn’t do it. Yes, you did.

Mit den amerikanischen Serien und Sitcoms ist das immer so eine Sache, denn manchmal mag man manche Serien allein wegen des Piloten nicht besonders, dabei gewinnen sie erst in den kommenden Folgen so richtig an Charme. So wie bei Entourage. Bedauerlicherweise baute die dritte Staffel der in Australien zum Kult aufgestiegenen Serie How I Met Your Mother im Vergleich zum Vorjahr wieder ab, nur wenige Episoden wussten zu überzeugen. Am gelungensten fiel da noch Little Boys aus, während auch die Fortführung der Ohrfeigenwette in Slapsgiving, Everything Must Go oder Sandcastles in the Sand gefielen. Gerade letztgenannte Folge gibt zwei der Freunden eine entscheidende Richtung vor.

Im Gegensatz zu den Vorgängern wartete die dritte Staffel auch mit einigen Gaststars á la Will & Grace auf. Neben Enrique Iglesias, Heidi Klum, Britney Spears und James Van Der Beek gaben sich auch Mandy Moore, Lindsay Price und John Cho die Ehre. Dies erhöht zumindest kurzzeitig den Genuss, auch wenn gerade Britney Spears unter Beweis stellte, dass sie gänzlich frei von jeglichem Schauspieltalent ist. Ähnlich verhält es sich auch mit Iglesias oder Klum, die neben einigen Modelkolleginnen wie Alessandra Ambrosio in The Yips auftreten darf. Sarah Chalke wiederum ersetzte nachträglich Alicia Silverstone, die ursprünglich für die wiederkehrende Rolle einer Dermatologin vorgesehen war, durch die Beteiligung von Britney Spears jedoch absagte.

Im Finale der zweiten Staffel fand die Hochzeit zwischen Marshall (Jason Segel) und Lily (Alyson Hannigan) statt, zudem trennten sich Hauptprotagonist Ted (Josh Radnor) und Robin (Cobie Smulders) voneinander. Sehr zur Freude von Barney (Neil Patrick Harris), der nun endlich seinen Wingman zurück hat. Die Handlung setzt nach ein paar Wochen wieder ein, als Robin kehrt Argentinien zurückkehrt - mit Gael (Enrique Iglesias), einem Windsurfenden Masseur im Gepäck. Bei Ted wiederum sorgt ein Vorfall zu Beginn dafür, dass er in der Mitte der Staffel die Dermatologin Stella (Sarah Chalke) kennen und lieben lernt. Unterdessen planen Marshall und Lily ihren Auszug aus der WG und den Kauf einer eigenen, gewöhnungsbedürftigen Wohnung.

Nach den ersten beiden Staffeln ist es etwas enttäuschend zu sehen, wie „abgekühlt“ Robin und Ted miteinander umgehen. Während Robin sich in verschiedenen Episoden sehr reif und erwachsen gibt, beispielsweise in der Beziehung zu Gael, verwundert Sandcastles in the Sand doch umso mehr ob ihres Verhaltens. Hier wollten die Serienschöpfer wohl auf Biegen und Brechen ein dramatisches Szenario für die nächsten Folgen - und viel wichtiger: für die nächste Staffel - erschaffen. Ein fader und etwas unglaubwürdiger Nachgeschmack bleibt dennoch. Ebenso störend gerät die ständige Thematisierung von Marshall und Lilys finanziellen Engpässen. Vor allem, da beide trotz alledem dauernd Geld ausgeben.

Ergänzt wird dies dann von Teds Verhalten, welches den Zuschauer besonders im Staffelfinale (Miracles) erstaunen mag. Mal hü mal hott, die Figur agiert je nachdem wie sie grad lustig ist, nicht aber nach einem festen Schema. Damit wären die negativen Punkte der dritten Staffel kurz umrissen, welche die positiven Momente ziemlich drücken. Einer dieser positiven Faktoren ist Jason Segel, der sich dieses Jahr sehr viel lustiger gibt als zuvor. An Neil Patrick Harris kommt er (und auch sonst niemand bei How I Met Your Mother) trotzdem nicht heran. Alles in allem baut die Serie wieder ab und wird in der vierten Staffel hoffentlich wieder besser werden. Dann aber bitte ohne eine Beteiligung von Britney Spears.

7/10

11. Mai 2008

How I Met Your Mother - Season Two

I had the time of my life - true story.

Das Seriengelaber auf diesem Blog lässt sich als redundant beschreiben, denn zur zweiten Staffel von How I Met Your Mother lässt sich wieder mal nur mit Worten ausdrücken, was bereits auf viele andere Serien zutrafen. Hieß es neulich bei der vierten Staffel von Scrubs noch, dass manche Serien (siehe Entourage) mit der Zeit besser und andere (siehe Prison Break) schlechter werden, so trifft dies im weitesten Sinne auch auf das zweite Jahr von How I Met Your Mother zu. Obschon sich Lily (Alyson Hannigan) und Marshall (Jason Segel) am Ende der ersten Staffel relativ spontan trennen, sind es besonders die Folgen des ersten Drittels, die in der zweiten Staffel der Sitcom besonders überzeugen können.

Nach dem schwachen Cliffhanger des Vorjahres steigert sich die Serie glücklicher Weise sogleich und lässt im zweiten Jahr Hänger, wie sie im ersten Jahr noch auftraten, vermissen. Allerdings gelingt es auch dem Staffelfinale, das als Doppelfolge daherkommt, auf keiner sonderlich hohen Note zu enden. Im Gegenteil, findet auch hier wieder eine sehr spontane Aktion statt. Die Finalfolgen behandeln die langersehnte Hochzeit von Lily und Marshall, ohne dass diese an Konkurrenzprodukte wie die Hochzeitsfolge von Scrubs (My Best Friend’s Wedding) heranreichen kann. Am Gesamteindruck der zweiten Staffel ändert dies wenig, die eine Steigerung darstellt (auch wenn die Quoten überraschend zurück gingen).

Trotz der Trennung von Lily und Marshall dreht sich auch im zweiten Jahr alles um die Beziehung von Robin (Cobie Smulders) und Hauptfigur Ted (Josh Radnor), die im vorangegangenen Staffelfinale endlich zusammenkamen. Da bereits in der Pilot-Folge klargestellt wurde, dass Robin nicht die Titelgebende Mutter von Teds Kindern ist, wird somit frühzeitig hervorgehoben, dass die Suche nach die Mutter im zweiten Jahr hinten angestellt wird (dementsprechend selten, vier Mal, tauchen die Kinder im Vorspann auch auf). Eine Entwicklung der Show, die auch in den anschließenden Staffeln Einzug in den Serienverlauf finden und zugleich bei den Zuschauern jede Menge Geduld einfordern wird.

Nachdem sich Lily und Marshall schnell wieder versöhnen, wird ein business as usual zelebriert, als sei nie etwas vorgefallen. Auch die Beziehung zwischen Robin und Ted wird als äußerst konstant (im Vergleich zum Vorjahr) dargestellt, sodass man in vielen Episoden nicht einmal merkt, dass sie sich in einer Beziehung befinden. Ärger kommt dann gegen Ende der Staffel auf, wenn Robin Ted mit seiner Vergangenheit konfrontiert und vice versa. Ein wirklicher Unterschied zwischen dem „glücklichen“ und dem „elenden“ Ted der ersten Staffel ist jedoch kaum bemerkbar. Dass die Freundschaft zwischen ihm und Robin im Vordergrund steht, lässt erahnen, welchen Weg ihre Beziehung geht.

Weiterhin das Herzstück der Serie ist Neil Patrick Harris’ Barney Stinson, für dessen Darstellung er zu Recht im letzten Jahr mit einer Emmy-Nominierung bedacht wurde. Da Ted und Robin endlich zusammenkommen, wird sowohl sein “Suit up!“ als auch sein “Hi, have you met Ted?“ in dieser Staffel hinfällig. Dafür gewinnen “Legendary“, “Awesome“ und “True Story“ an Verwendung und sind durchaus passende Worte, um diese Figur von Craig Thomas und Carter Bays zu beschreiben. In der zweiten Staffel bekommt dann auch Barney mehr Herz, seine wahre Freundschaft zu den anderen wird unter Beweis gestellt und er ist letztlich der hauptsächliche Finanzier von Lily und Marshalls Hochzeit.

Der Höhepunkt, nicht nur der zweiten Staffel, sondern der bisherigen Serie, ist die neunte Folge Slap Bet, die einen der gelungensten running gags einbaut, den die neuere Fernsehgeschichte entwickelt hat. Die Serie lebt von solchen Einfällen und weiß durch diese zu gefallen, auch wenn sie in keiner Regelmäßigkeit aufzutreten pflegen, wie man es eben von Scrubs in der dritten und vierten Staffel gewohnt ist oder auch bei Friends - dem großen Vorbild - immer wieder antraf. Ähnlich gelungen wie Slap Bet fiel ansonsten nur noch World’s Greatest Couple aus, die übrigen Folgen bewegten sich auf einem durchschnittlichen oder überdurchschnittlichen Niveau. Insgesamt also eine leichte Verbesserung zum Vorjahr.

7.5/10

29. April 2008

How I Met Your Mother - Season One

Come on, if you don’t laugh it just seems mean.

Der perfekte Freundeskreis besteht meist aus vier Leuten, so zu bewundern in den Sitcoms Seinfeld oder Scrubs. Der ultimative Freundeskreis bestand aus sechs Personen, drei Männer und drei Frauen: David Cranes Friends. Am 22. September 1994 begann ein neues Serienphänomen, welches einige Jahre später allen Darstellern ein Episodengehalt von einer Million Dollar bescheren sollte. Nach zehn konstant guten Staffeln verabschiedete sich die Serie am 6. Mai 2004, gut zehn Jahre nach ihrem Start. Am 19. September 2005, elf Jahre nach dem Beginn von Friends, feierte eine Serie ihre Premiere, die sich um fünf Freunde in New York dreht, die mit Beziehungsproblemen zu kämpfen haben: How I Met Your Mother von Craig Thomas und Carter Bays.

Die Serie läuft in den USA inzwischen in ihrer dritten Staffel und sorgt aktuell deswegen für Gesprächsstoff, weil Britney Spears einen Gastauftritt feiern wird. Jener Gastauftritt der umstrittenen Sängerin sorgte wiederum dafür, dass Alicia Silverstone, die in derselben Episode auftreten sollte, ihr Engagement zurückzog und von Sarah Chalke ersetzt wurde. Der große Unterschied zu Friends ist, dass How I Met Your Mother (kurz: HIMYM) einen der Freunde als Erzähler hat, der als Zentrum der Handlung fungiert. Hier gibt es keine sechs Freunden, von denen keiner mehr Aufmerksamkeit erhält als der andere, stattdessen ist Architekt Ted Mosby (Josh Radnor) der Mittelpunkt der Serie, nicht nur weil, sein alter Ego jede Folge narrativ 25 Jahre in der Zukunft für seine Kinder einleitet.

Die Prämisse der Serie ist in ihrem Titel enthalten. Der zukünftige Ted, der aus dem Off von Bob Saget gesprochen wird, erzählt seinen beiden Kindern, wie er ihre Mutter kennen lernte (engl. How I met your mother). Allerdings schweift die Show bereits nach den ersten Folgen ab und es geht fortan weniger darum, wie Ted seine spätere Frau kennenlernte, sondern um seinen Single-Status, sowie das Beziehungsleben seiner vier Freunde. Denn der Gegenwart-Ted lebt im New York City des Jahres 2005 in einer Wohngemeinschaft mit seinem besten Freund Marshall (Jason Segel) und dessen Freundin Lily (Alyson Hannigan), die sich allesamt auf dem College begegnet sind. Mit ihrer neunjährigen Beziehung und aktuellen Verlobung stellen Marshall und Lily den Fels in der Brandung dar.

Ted hingegen hat mit den Frauen weniger Glück und ist der abendlichen Bar-Touren mit seinem Kumpel Barney (Neil Patrick Harris) überdrüssig. Barney selbst ist quasi eine fleischgewordene Mischung aus den beiden Friends-Charakteren von Chandler und Joey: der Sarkasmus des Ersteren gepaart sich mit der Geilheit des Letzteren. Ohne Frage ist die Figur des Barney Stinson das Highlight von HIMYM. Sein Witz, sein Charme, sein ganzes Verhalten sorgt für die meisten Lacher und lässt sich im Grunde in vier Worte zusammenfassen, die da lauten: “Awesome“, “Legendary“ und - meinen persönlichen Favoriten - “Suit up“. Ein herrliches Spin-Off wäre mal eine Serie, die sich allein um Joey Tribiani, Barney Stinson und Scrubs’ Todd dreht - drei unwahrscheinlich rallige, aber herzliche Typen.

In diese Vierergruppe stößt zu Beginn der Serie die TV-Moderatorin Robin Scherbatzky (Cobie Smulders), in die sich Ted verliebt und beim ersten Date mit einem Liebesgeständnis herausplatzt. Fortan sind scheinbar alle romantischen Ambitionen ad acta gelegt, doch Robin wird platonisch in die Clique installiert. Diese Beziehungsschwebe macht in etwa zwei Drittel der ersten Staffel aus, gerät dann aber im Mittelteil auf die Ersatzbank, als Ted die Konditorin Victoria (Ashley Williams) trifft. Auch die Beziehung zwischen Lily und Marshall ist weitaus weniger gefestigt, als man zu Beginn von How I Met Your Mother den Eindruck hat. Serien-Star Barney wiederum hat keinerlei Interesse an einer festen Bindung, dessen Ursache die spätere Flashback-Folge Game Night genauer beleuchten wird.

Dadurch, dass sich How I Met Your Mother auf eine Figur konzentriert, geht sie ein sehr viel größeres Risiko ein, als es seinerzeit bei Friends der Fall war. Doch glücklicherweise ist Ted, obschon bisweilen sehr anstrengend, grundsätzlich ein liebenswürdiger Charakter, der nun mit 28 in ein Alter gekommen ist, wo er sich nach familiärer Geborgenheit sehnt, sprich einer Frau und Kindern. Dabei ist er allerdings weiterhin selbst noch ein Kind im Körper eines Mannes. Worin sich die Serie noch von ihrem Vorbild unterscheidet, ist die Tatsache, dass man bis auf Robin - und mit Abstrichen auch im Ansatz noch Marshall - wenig bis gar nichts über das berufliche Leben der Figuren erfährt. Erst in der zweiten Staffel wird man einen Blick in das Arbeitsleben von Barney, Ted und Lily erhalten.

Josh Radnor gibt dabei eine überzeugende Vorstellung als Ted und ist, obwohl Hauptdarsteller der Serie, derjenige mit der geringsten Erfahrung. Zuvor als Gaststar in Serien wie ER und Six Feet Under aufgetreten, hat auch die ebenso überzeugende Kanadierin Cobie Smulders bereits Serien-Erfahrung durch Shows wie The L Word. Jason Segel wiederum ist ein Protege von Judd Apatow, der in dessen Serie Freaks and Geeks mitgewirkt hat und nunmehr in der von Apatow produzierten Komödie Forgetting Sarah Marshall zu sehen sein wird. Alyson Hannigan ist dagegen aus der Schule von Joss Whedon durch dessen Kult-Serie Buffy hervorgegangen und hat einschlägige Kino-Erfahrung durch Nonsens-Komödien wie die American Pie-Filme oder Date Movie gesammelt.

Höhepunkt Neil Patrick Harris wurde dagegen im zarten Alter von 16 Jahren durch die Serie Doogie Howser M.D. bekannt. Inzwischen lebt Harris von HIMYM und die Serie von ihm beziehungsweise seiner Figur (zu Recht erhielt er für seine Darstellung eine Emmy-Nominierung). Zwar kein Ersatz für die Brillanz von Friends, ist How I Met Your Mother dennoch gelungene Unterhaltung, die von ihren Charakteren lebt und sich meist auf einem konstant guten Level bewegt. Flacht die Staffel gerade am Ende stark hab, findet sich ihre gelungenste Folge in Sweet Taste of Liberty, die viele Stärken der Sitcom überzeugend vereint. Der perfekte Freundeskreis besteht eben aus vier, der ultimative aus sechs Freunden. Vielleicht haben Thomas und Bays einfach einen Freund zuviel eingeladen.

7/10