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29. Juli 2010

Grown Ups

And … shift.

Gute Freunde kann niemand trennen, besang einst Kaiser Franz. Ein Motto, das auch in Hollywood Gehör findet, sei es in Massenkombos wie dem Rat, Brat oder Frat Pack, Filmduos wie Tim Burton und Johnny Depp oder einem Freundeskreis, der sich immer mal wieder bei sich selbst bedient. Einen solchen Freundeskreis hat auch Adam Sandler, einer von Amerikas größten Comedians, der bewusst immer wieder mit Freunden von früher arbeitet. So spielte er in Funny People zuletzt unter der Regie seines ehemaligen Mitbewohners Judd Apatow und in seinem jüngsten Film Grown Ups an der Seite jahrelanger Freunde. Wie so viele amerikanische Comedians diente Sandler zu Beginn seiner Karriere die legendäre Show Saturday Night Live als Sprungbrett. Anfang der Neunziger sollte Sandler Bestandteil der „Bad Boys of Saturday Night Live“ sein, einer Gruppe, die noch Chris Rock, David Spade, Rob Schneider und den inzwischen verstorbenen Chris Farley einschloss. In Grown Ups wird diese Gruppe nun wieder zusammengeführt.

Wenn man so will, füllt - sprichwörtlich - Kevin James die Fußstapfen von Farley aus, seinen „Neuling“-Status merkt man jedoch nicht wirklich. Dies hat weniger mit seiner gelungenen Integration zu tun als mit der Tatsache, dass Grown Ups sich nie anfühlt wie ein Film über eine Gruppe von jahrzehntelangen Freunden. Es ist bezeichnender Weise eine Beerdigung, die sie wieder in ihre Heimatstadt bringt. Ihr ehemaliger Basketball-Coach verstarb, das strahlende Vorbild von Lenny (Adam Sandler), Kurt (Chris Rock), Eric (Kevin James), Marcus (David Spade) und Rob (Rob Schneider). Gemeinsam mit ihren kaputten Familien trudeln sie nun ein, um die gute alte Zeit zu reminiszieren. Dies hat jedoch weniger mit male bonding oder coming of age zu tun, wie man von einer derartigen Prämisse erwarten würde. Stattdessen beschränkt sich Regisseur Dennis Dugan, Sandlers go-to-guy mit seiner fünften Zusammenarbeit - die nächsten Projekte inszeniert er ebenfalls -, auf krude Gags, die fortan dazu verdammt sind, in der Endlosschleife zu landen.

Der beliebteste Vertreter dieser wiederkehrenden Gags ist dabei Robs Affinität für ältere Frauen, die zum gern aufgenommenen Aufhänger verkommt, dabei allerdings bereits bei ihrer Einführung keine Spur lustig war. Einen ähnlichen Gag kriegt James’ Eric verpasst, wenn seine Frau (Maria Bello) auch nach vier Jahren noch den gemeinsamen Sohn stillt. Wieso dies so ist, bleibt unklar, ähnlich wie das aggressive Verhalten von Erics Tochter, die Heimchen-Funktion von Rocks Marcus oder die Verzogenheit von Lennys Kindern, wo dieser ihnen doch eine Kindheit wie die eigene wünscht. Wo die anderen Vier mehr Slacker darstellen, gibt Sandler passender Weise den Erfolgsmenschen. Einen wohlhabenden Hollywood-Agenten, der jedoch ob seines asiatischen Kindermädchens beschämt ist und diese als Austauschstudentin zu verkaufen versucht (ein weiterer fehlgeleiteter running gag). Grown Ups schafft es nicht eine Geschichte zu erzählen, nutzt das Erzählgerüst lediglich als roten Faden, um eine thematische Einordnung für die müden Sketche zu erhalten.

So dient die Beerdigung für einen gemeinsamen Wochenendaufenthalt, der zur Streitfrage zwischen Lenny und seiner Designer-Frau (Salma Hayek) führt, die jedoch in einer kurzen Szene gleich wieder unter den Teppich gekehrt wird. Wie ohnehin die weiblichen Darsteller, zu denen auch SNL-Veteranin Maya Rudolph gehört, zu Randfiguren degradiert werden. Die Ideenlosigkeit von Grown Ups angesichts der Anwesenheit der „Bad Boys of SNL“ ist fast schon erschreckend, jedoch weit weniger erschütternd, wie die nie aufkommende freundschaftliche Atmosphäre aller Beteiligten. Traurig wird es dann speziell in den Szenen, wenn flache Gags bis zum Umfallen ausspielt werden (beispielsweise wenn Sandler und James einen schlafenden Spade über eine Minute ins Gesicht schlagen). Es bleibt zu Hoffen, dass Sandlers nächstes Projekt Just Go with It mit Jennifer Aniston und Nicole Kidman dank Star-Potential ähnlich gelungen endet wie Anger Management.

4/10

30. August 2007

I Now Pronounce You Chuck and Larry

I don’t want to piss Mel Gibson off.

Ich weiß gar nicht, was ich sagen, beziehungsweise schreiben soll. Nicht weil es sich hier um eine Adam-Sandler-Komödie handelt (denn ich bin ein Fan von ihm), nur ist I Now Pronounce You Chuck and Larry so unglaublich schlecht. Dabei stand der Film unter guten Vorzeichen, war doch Dennis Dugan der Regisseur, der mit Sandler bereits bei Happy Gilmore und Big Daddy zusammenarbeitete. Dazu kam dann auch noch Alexander Payne, welcher für Sideways einen Oscar für das beste Drehbuch gewonnen hat (!), und in diesem Film zusammen mit seinem Drehbuchpartner Jim Taylor und Barry Fanaro (Men in Black 2) die Handlung und die Dialoge lieferte. Payne und Taylor Involvierung ist dann eigentlich auch der größte Schock. Der Humor ist in seinem Grundton zwar durchaus typisch für Sandler und seine Filme, doch selbst dieses Niveau unterbietet der Film noch.

Chuck (Adam Sandler) ist ein Hugh-Heffner-Typ, der jede Nacht mit zwei bis zwölf Frauen verbringt (vor allem seit er im Feuerwehrkalender zum Mr. Februar gekürt wurde). Dem notorisch Kaugummikauenden Macho Chuck wird sein bester Freund, der gutmütige Witwer Larry (Kevin James), gegenüber gestellt. Beide arbeiten als Feuerwehrmänner in New York und als Larry bei einem Einsatz das Leben von Chuck rettet, schuldet dieser Larry natürlich etwas. Weil der Staat im Falle von Larrys Tod seine Rente nicht auf seine Kinder, sondern nur auf seinen Ehepartner übertragen will, erklärt Chuck sich bereit, Larry zu heiraten. Als der Staat die Beiden überprüft, suchen sie Hilfe bei Anwältin Alex (Jessica Biel), in die sich Chuck verknallt. Nur denkt die, dass Chuck schwul sei, während sich die Lage um das vermeintliche Schwulenpärchen immer mehr zuspitzt.

Fortan lässt es der Film sich nicht nehmen, sich jedes Schwulen- beziehungsweise Homosexuellen-Klischees zu bedienen (kulminierend in einem Cameo von *N Sync-Mitglied Lance Bass). Da werden Schwule teilweise dann doch mit Transvestiten in einen Topf geworfen und von der Seife, die in der Dusche auf den Boden fällt, bis hin zum Begrapschen von Alex’ Brüsten ist wirklich alles dabei. Die Grundbotschaft des Films (Akzeptanz und Gleichheit) schimmert lediglich gegen Ende kurz durch. Selbst als Hetero fühlt man sich da „angegriffen“, zumindest jedoch der gute (Film-)Geschmack. Wie immer bei Adam-Sandler-Filmen tauchen dann irgendwann auch noch David Spade und Rob Schneider (Letzterer ziemlich rassistisch als Stereotyp-Asiate) auf. Ein ganz schlimmer Film, selten bis gar nicht komisch und schlichtweg zum Verdammen.

2/10