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27. Oktober 2017

The Meyerowitz Stories (New and Selected)

Was that a spot?

Künstler sind oft exzentrisch – von Vincent van Gogh bis hin zu Salvador Dali. Hierin liegt wohl auch mit ein Faktor für die Faszination mit jenen Künstlern. Der Bildhauer Harold Meyerowitz (Dustin Hoffman) ist ebenfalls leicht exzentrisch, wenn er im Trenchcoat Sohn Danny (Adam Sandler) und Enkelin Eliza (Grace Van Patten) daheim empfängt. Die Faszination der Kunstwelt mit ihm hält sich inzwischen jedoch in Grenzen. Auch deswegen organisieren Danny und seine Schwester Jean (Elizabeth Marvel) eine Retrospektive für den Vater, der aktuell plant, sein Haus sowie Kunstbestand aufzulösen. Noah Baumbach erzählt in seinem neuen Film The Meyerowitz Stories (New and Selected) in Auszügen aus dem Leben dieser Familie.

Zu ihr gehört auch Matthew (Ben Stiller), der jüngste Sohn Harolds, der aus der Ehe mit seiner zweiten Frau stammt. Er ist der Gegenentwurf zu seinem Halbbruder: Beruflich erfolgreich als Finanzberater genießt er die Zuneigung seines Vaters, auch wenn er diesen in seiner Heimat New York als Angelito eher selten besucht. Danny hingegen hat nur eine gescheiterte Karriere als Pianist vorzuweisen, seit Elizas Geburt hat er gar nicht gearbeitet, sondern war Hausmann. Da die Tochter nun selbst ein Filmstudium beginnt, können auch die Eltern endlich ihre gescheiterte Ehe offiziell machen. Was Danny wiederum obdachlos macht, weshalb er vorerst bei Harold und dessen vierter Ehefrau und Alt-Hippie Maureen (Emma Thompson) unterkommt.

Weitestgehend erinnert The Meyerowitz Stories dabei an eine Mischung aus Woody Allen und Wes Anderson, der Humor ist subtil und nuanciert. Baumbachs Film dreht sich im Kern um die Beziehung von Eltern zu ihren Kindern. So hat Danny zwar weder eine Arbeit noch eine Bleibe, dafür aber ein sehr inniges Verhältnis zu seiner jugendlichen Tochter, die er bereitwillig bei ihren pornografischen Avantgarde-Kurzfilmen unterstützt. Die Beziehung von Danny und Eliza kontrastiert dabei die von Danny zum eigenen Vater. Von Harold wurde Danny meist außen vor gelassen, was mit dadurch begünstigt war, dass Letzterer zumeist bei seiner Mutter und getrennt vom Vater lebte. Der wiederum konzentriert sein Interesse auf Matthew.

Zwar ist Matthew selbst kein Künstler, kommt aber ganz nach dem Vater. Der Kontakt zu Harold ist ähnlich eingeschränkt wie der zum eigenen Sohn, der bei der Ex-Frau lebt. Per Facetime kommuniziert Matthew zwischendurch, ist aber mehr unterwegs als im Leben des Sohnes präsent. Missgunst von Danny und Jean ist dennoch kaum vorhanden, auch wenn Matthew später vom großen (Halb-)Bruder vorgeworfen wird: “You make me feel real bad about myself.” Noch weniger leicht hatte es Jean, die den Brüdern bei einem offenen Austausch gesteht, sie würden nie nachvollziehen können “what it means to be me in the family”. Obschon weniger geliebt als Matthew sind es trotzdem gerade Danny und Jean, die sich mehr um Harold kümmern.

Der weiß dies wenig zu schätzen, selbst als er im Verlauf stürzt und Zeit im Krankenhaus verbringt. Baumbach nutzt diesen Umstand, um die drei Geschwister, speziell die Brüder, wieder einander näher zu bringen. Dabei steht Adam Sandler im Zentrum, der eine seiner seltenen ernsthaften Rollen spielt und dabei wie jeher überzeugt. Das gefällige Ensemble, zu dem auch Judd Hirsch als Harolds erfolgreicherer Kunstkollege L.J. Shapiro gehört, trägt den Film die meiste Zeit insgesamt sehr gut. Garniert mit kurzweiligen Gast-Auftritten von Sigourney Weaver, Candice Bergen und Adam Driver. Nur wenn The Meyerowitz Stories gegen Ende zeitweilig eine emotionale Richtung einschlägt, fällt speziell Ben Stiller leicht aus dem Rahmen.

Ob es für die Beziehung von Harold zu seinen Kindern zu spät ist, bleibt dabei offen. Zumindest die der Geschwister untereinander wirkt jedoch zum Schluss der Geschichte(n) gestärkt. “It’s always been the same, same old story”, sang Cat Stevens in seinem Evergreen “Father and Son” über das schwierige Verhältnis eines Vaters zu seinem Sohn. Noah Baumbach inszeniert seine Version dieser Beziehung mit seiner gewohnten unernsten Ernsthaftigkeit, der im Vergleich zu seinen letzten Filmen Frances Ha und Mistress America – mit Muse und Freundin Greta Gerwig – etwas die Leichtigkeit fehlt. Exzentrisch genug ist The Meyerowitz Stories aber allemal. Womit ihm eine gewisse Faszination nicht abgesprochen werden kann.

6.5/10

24. September 2016

That’s My Boy [Der Chaos-Dad]

Wazzzzuuuupppp?!

Filme von Adam Sandler laufen seit jeher unter dem Motto „Gib dem Affen Zucker“. Der New Yorker Comedian füttert seit Anbeginn seiner Karriere dem Publikum seinen infantilen Humor, der mal mehr, mal weniger offensichtlich propagiert wurde und in den jüngsten Jahren zuletzt mit Jack & Jill seinen Höhepunkt erreichte. Umso erstaunlicher, dass Sandler dennoch zu den bestbezahlten Schauspielern gehört, in einer Liga mit Tom Cruise. Dabei ist er keinesfalls ein Nulltalent, wie sich in Filmen à la Punch-Drunk Love oder Reign Over Me zeigt. In Funny People hat er selbst seinen eigenen Status als Komiker hochgenommen. Und dennoch dreht er weiter diese Filme.

Und warum auch nicht, solange es das Publikum einem dankt. Immerhin war Grown Ups vor ein paar Jahren sein bisher erfolgreichster Film. Nun also That’s My Boy, eine R-Rated-Comedy über Verführung Minderjähriger, Sex, Drugs und Rock’n’Roll. Darin spielt sich Sandler quasi selbst, einen Endvierziger mit infantilem Auftreten, den einst seine Mathe-Lehrerin verführte, die kurz vor ihrer 30-jährigen Haftstrafe ein gemeinsames Kind zur Welt brachte, das den Namen Han Solo erhielt. Jener Han Solo nennt sich nun Todd Petersen (Andy Samberg), ist ein aufstrebender Hedgefond-Manager und mit der adretten Jamie (Leighton Meester) verlobt.

Es folgt der unerwartete Auftritt seines Vaters Donny (Adam Sandler), der nur wenige Tage Zeit hat, seine Steuerschuld von $43,000 zu begleichen, will er nicht ins Gefängnis wandern. Eine Reality-TV-Zusammenführung von Donny, Han Solo und dessen inhaftierter Mutter (Susan Sarandon) soll als finanzieller Ausgleich dienen – nur muss Todd, der seinen Schwiegereltern in spe erzählte, seine Eltern seien gestorben, erst Vertrauen zu seinem Vater gewinnen. Damit ist die Bühne für Sandler bereitet, um als Todds bester Freund und ehemals Lebensretter die Hochzeitsgesellschaft an sich zu reißen und seinem so vulgären wie chauvinistischen Humor freien Lauf zu lassen.

Das anschließende Handlungsgerüst ist ausgesprochen rudimentär und letztlich nur eine Ausrede für  alle möglichen platten Zoten primär visueller Natur. Von wirklichen Gags lässt sich nur bedingt reden, handelt es sich bei Sandlers Humor eher um den eines Pennälers. So kriegen Leute einen Baseball auf den Kehlkopf gezimmert, kotzen und onanieren auf Hochzeitskleider, pissen oder scheißen sich ein, haben Sex mit Seniorinnen oder prügeln sich mit irischen Priestern. Das Ganze ist zu keinem Zeitpunkt subtil, stets geradeheraus. Und wenn Sandler in nasaler Quengelstimme lospalavert, fragt man sich oft selbst, warum man gerade lacht.

Und hier gelangt diese Kritik bereits in eine Sackgasse, denn wirklich erklärt werden kann kaum, warum That’s My Boy die lustigste Komödie von 2012 war. Wie man es dreht und wendet, am Ende kommt bei Sean Anders’ Vehikel kein guter Film heraus. Letztlich ist dies nicht einmal eine Anarcho-Komödie im Stile von Hot Rod oder Anchorman, wo auf Genrekonventionen gepfiffen und nach eigenem Gusto klamaukt wird. Dafür fehlt Sandlers Film das Talent und die Brillanz eines Will Ferrell oder Adam McKay. Am ehesten ist der Film daher noch mit Piranha 3DD zu vergleichen, die andere Nonsense-Komödie von 2012, die lediglich dem Affen Zucker geben wollte.

Avancierte dort David Hasselhoff zur Geheimwaffe, nimmt sich hier Vanilla Ice herrlich selbst auf die Schippe. Eine wilde Partynacht mit ihm, Sandler und Samberg avanciert zum Highlight des Films. Dessen horrendes Budget von 70 Millionen Dollar dürfte neben Sandlers Gage auch auf die Lizenzierungsrechte des Soundtracks zurückzuführen sein. Dort geben sich unter anderem KISS, Def Leppard, Rush, Van Halen, Foreigner, Tom Petty und Meat Loaf die Ehre. Somit lässt sich rational nicht erklären, was That’s My Boy auszeichnet, dessen Humor so eigen und schwer spezifizierbar ist. Aber wen interessiert, warum man lachen muss, solange man lacht?

7.5/10

1. Mai 2015

Filmtagebuch: April 2015

THE ABCS OF DEATH 2
(USA/NZ/IL/CDN/J 2014, Chris Nash u.a.)
1/10

ACTRESS
(USA 2014, Robert Greene)
5.5/10

ADIEU AU LANGAGE [GOODBYE TO LANGUAGE]
(CH/F 2014, Jean-Luc Godard)

1/10

ALI
(USA 2001, Michael Mann)
6/10

AVENGERS: AGE OF ULTRON
(USA 2015, Joss Whedon)
3.5/10

THE BABADOOK
(AUS/CDN 2014, Jennifer Kent)
5.5/10

BANDITS [BANDITEN!]
(USA 2001, Barry Levinson)

5/10

BETTER CALL SAUL – SEASON 1
(USA 2014, Colin Bucksey u.a.)
7.5/10

CAPTAIN AMERICA: THE WINTER SOLDIER
(USA 2014, Anthony Russo/Joe Russo)
6/10

DAREDEVIL [DIRECTOR’S CUT]
(USA 2003, Mark Steven Johnson)

6.5/10

MARVEL’S DAREDEVIL
(USA 2015, Phil Abraham u.a.)
7.5/10

GHOSTBUSTERS
(USA 1984, Ivan Reitman)
8.5/10

GHOSTBUSTERS II
(USA 1989, Ivan Reitman)
7.5/10

A GIRL WALKS HOME ALONE AT NIGHT
(USA 2014, Ana Lily Amirpour)
7/10

GOING OVERBOARD
(USA 1989, Valerie Breiman)
1/10

GROWN UPS [KINDSKÖPFE]
(USA 2010, Dennis dugan)

4.5/10

INTERSTELLAR
(USA/UK/CDN 2014, Christopher Nolan)
3.5/10

JACK AND JILL
(USA 2011, Dennis Dugan)
3.5/10

JIAO YOU [STRAY DOGS]
(RC/F 2013, Tsai Ming Liang)

4/10

JUST GO WITH IT [MEINE ERFUNDENE FRAU]
(USA 2011, Dennis Dugan)

6/10

KITCHEN NIGHTMARES (U.S.) – SEASON 4
(USA 2011, Jay Hunter u.a.)
8/10

MEN, WOMEN & CHILDREN [#ZEITGEIST]
(USA 2014, Jason Reitman)

2/10

MISSION: IMPOSSIBLE – GHOST PROTOCOL
(USA/UAE/CZ 2011, Brad Bird)
6/10

PAYCHECK
(USA/CDN 2003, John Woo)
4/10

THE PHANTOM
(USA/AUS 1996, Simon Wincer)
5.5/10

STARRY EYES
(USA/B 2014, Kevin Kölsch/Dennis Widmyer)
1.5/10

TAKERS
(USA 2010, John Luessenhop)
6/10

THAT’S MY BOY [DER CHAOS-DAD]
(USA 2012, Sean Anders)

7.5/10

V/H/S: VIRAL
(USA 2014, Justin Benson u.a.)
1/10

THE WEDDING SINGER [EINE HOCHZEIT ZUM VERLIEBEN]
(USA 1998, Frank Coraci)

7.5/10

Retrospektive: The Fast & the Furious


THE FAST AND THE FURIOUS
(USA/D 2001, Rob Cohen)
7/10

2 FAST 2 FURIOUS
(USA 2003, John Singleton)
5.5/10

THE FAST AND THE FURIOUS: TOKYO DRIFT
(USA/D 2006, Justin Lin)
5.5/10

FAST & FURIOUS
(USA/J 2009, Justin Lin)
6.5/10

FAST FIVE [FAST & FURIOUS FIVE]
(USA 2011, Justin Lin)

7.5/10

FAST & FURIOUS 6
(USA 2013, Justin Lin)
6.5/10

FURIOUS 7 [FAST & FURIOUS 7]
(USA/J 2015, James Wan)

6/10

1. April 2015

Filmtagebuch: März 2015

APPROPRIATE BEHAVIOR
(UK 2014, Desiree Akhavan)
6.5/10

THE BIG SLEEP [TOTE SCHLAFEN FEST]
(USA 1946, Howard Hawks)

5.5/10

CHEF [KISS THE COOK: SO SCHMECKT DAS LEBEN]
(USA 2014, Jon Favreau)

2.5/10

CLIFFHANGER
(USA/I/F 1993, Renny Harlin)
7.5/10

DIVERGENT [DIE BESTIMMUNG – DIVERGENT]
(USA 2014, Neil Burger)

5.5/10

FOUR BROTHERS
(USA 2005, John Singleton)
5.5/10

FOXCATCHER
(USA 2014, Bennett Miller)
5.5/10

HALLOWEEN H20: 20 YEARS LATER
(USA 2008, Steve Miner)
4/10

TO HAVE AND HAVE NOT [HABEN UND NICHTHABEN]
(USA 1944, Howard Hawks)

6/10

IDENTITY [IDENTITÄT]
(USA 2003, James Mangold)

4/10

THE INTERVIEW
(USA 2014, Evan Goldberg/Seth Rogen)
6.5/10

JACK THE GIANT SLAYER [JACK AND THE GIANTS]
(USA 2013, Bryan Singer)

2.5/10

THE PRESTIGE
(USA/UK 2006, Christopher Nolan)
5.5/10

REAL STEEL
(USA/IND 2011, Shawn Levy)
6.5/10

SHOOTER
(USA 2007, Antoine Fuqua)
5.5/10

Retrospektive: Rocky


ROCKY
(USA 1976, John G. Avildsen)
9/10

ROCKY II
(USA 1979, Sylvester Stallone)
8/10

ROCKY III
(USA 1982, Sylvester Stallone)
6.5/10

ROCKY IV
(USA 1985, Sylvester Stallone)
5.5/10

ROCKY V
(USA 1990, John G. Avildsen)
5.5/10

ROCKY BALBOA
(USA 2006, Sylvester Stallone)
6.5/10

Werkschau: Adam Sandler


AIRHEADS
(USA 1994, Michael Lehmann)
6/10

BILLY MADISON
(USA 1995, Tamra Davis)
6.5/10

HAPPY GILMORE
(USA 1996, Dennis Dugan)
9/10

BULLETPROOF
(USA 1996, Ernest R. Dickerson)
5/10

THE WATERBOY
(USA 1998, Frank Coraci)
6.5/10

BIG DADDY
(USA 1999, Dennis Dugan)
8.5/10

LITTLE NICKY
(USA 2002, Steven Brill)
1.5/10

PUNCH-DRUNK LOVE
(USA 2002, Paul Thomas Anderson)
6/10

MR. DEEDS
(USA 2002, Steven Brill)
5.5/10

ANGER MANAGEMENT [DIE WUTPROBE]
(USA 2003, Peter Segal)

6/10

50 FIRST DATES
(USA 2004, Peter Segal)
6.5/10

SPANGLISH
(USA 2004, James L. Brooks)
5.5/10

THE LONGEST YARD [SPIEL OHNE REGELN]
(USA 2005, Peter Segal)

6/10

CLICK [KLICK]
(USA 2006, Frank Coraci)

4.5/10

REIGN OVER ME [DIE LIEBE IN MIR]
(USA 2007, Mike Binder)

7.5/10

I NOW PRONOUNCE YOU CHUCK AND LARRY
[CHUCK & LARRY – WIE FEUER UND FLAMME]
(USA 2007, Dennis Dugan)
2.5/10

YOU DONT MESS WITH THE ZOHAN [LEG DICH NICHT MIT ZOHAN AN]
(USA 2008, Dennis Dugan)
5.5/10

BEDTIME STORIES
(USA 2008, Adam Shankman)
4.5/10

HOTEL TRANSYLVANIA
(USA 2012, Genndy Tartakovsky)
5.5/10

6. September 2014

Blended [Urlaubsreif]

We used to have gas. But now we’re out.

Im Ausland – und vermutlich auch in den USA – ist Adam Sandler ein Phänomen. Ein Kassenmagnet, und das mit eher bescheidenen Filmen. Zotig geht es bei Sandler oft zu, Pointen müssen die Witze dabei nicht zwingend haben. Product Placement ist willkommen und wird durch Furz-, Kotz- und Pisswitze ergänzt. Sandlers letzte zehn Film spielten insgesamt eine Milliarde Dollar Gewinn ein und dennoch gilt sein Jüngster, Blended (bei uns: Urlaubsreif), als Flop. Sogar als Beginn von Sandlers Kassenära-Ende. Was verwundert. Der Film lief in den USA zwar für Sandlers Verhältnisse wenig erfolgreich (startete dabei aber zur selben Zeit wie X-Men: Days of Future Past und Godzilla), spielte aber dennoch das Dreifache seiner Kosten ein.

Erzählt wird die Geschichte der jeweils allein erziehenden Jim (Adam Sandler) und Lauren (Drew Barrymore), die sich bei einem Blind Date treffen und bald wieder getrennte Wege gehen. Da Jims Chef und Laurens Kollegin, ein Paar, sich trennen, kaufen beide ohne es zu wissen günstig deren geplatzte Afrika-Reise. Dort müssen Jim und seine drei Töchter sowie Lauren und ihre zwei Söhne nun wider Willen dasselbe Zimmer und dieselben Aktivitäten teilen. Hierbei schafft es Lauren, die Mädchen über den Tod ihrer Mutter hinwegzutrösten und Jim es, die Jungs bei den richtigen Hörnern zu packen. Und obendrein merken beide Elternteile, dass sie vielleicht doch mehr gemein haben, als sie bei ihrer ersten Begegnung dachten.

Man muss nun kein Sandlerologe sein, um zu wissen wie Blended verläuft. Das Rom-Com-Gesetz behält Gültigkeit. Was Blended aber von anderen Sandler-Werken – der Film ähnelt dabei eher Just Go With It und Click statt Grown Ups oder Jack & Jill – unterscheidet beziehungsweise auszeichnet, ist neben dem moderaten Budget (es ist Sandlers günstigster Film seit 15 Jahren) vor allem die immer wieder eingestreuten emotionalen Momente. In die Karten spielt dem Film dabei die Darstellung von Jim als Witwer und die Rolle, in der er sich dadurch wiederfindet. Die älteste Teenager-Tochter Hilary (Bella Thorne) wird als Tomboy erzogen, “Larry” gerufen und zur Sportmaschine erzogen, wo sie doch gerade ihre Weiblichkeit entdeckt.

Die Zweitjüngste Tochter heißt schlicht Espn (Emma Fuhrmann) nach Jims Lieblingssender und dann ist da noch Lou (Alyvia Alyn Lind). Alle drei teilen sich denselben Jungenhaarschnitt, den sie Jims Friseur verdanken, der schon Opa und Uropa bediente. Während die aufgeweckte Lou nach einer Mutterfigur lechzt, kann sich Espn noch nicht von der alten lösen und behält diese als unsichtbaren Begleiter. Probleme, wie sie Lauren nicht kennt. Sie hadert mit ihrem für die Babysitterin schwärmenden Ältesten Brendan (Braxton Beckham) und ihren ADHS-Jüngling Tyler (Kyle Red Silverstein). Ihr Ex-Mann Mark (schmierig wie immer: Joel McHale) ist ihr keine große Hilfe und vernachlässigt den Nachwuchs, wo sich ihm eine Möglichkeit bietet.

Auf ihrer Afrikareise dürfen beide Elternteile, die sicher nicht von ungefähr das gegensätzliche Geschlecht gegenüber ihren Kindern haben, ihre Stärken beim Nachwuchs des anderen ausleben. Jim gibt väterliche Ratschläge, zu denen Mark nicht im Stande ist, und Lauren steht mütterlich zur Seite, was der eigentlichen Erzeugerin verwehrt blieb. Hierbei berühren insbesondere die Szenen zwischen den Frauen, was auch daran liegen mag, dass hier ein Todesfall kaschiert werden muss. Blended reibt einem diese emotionalen Momente nicht aufdringlich ins Gesicht, sondern streut sie immer mal wieder in die einzelnen Sequenzen ein, die prinzipiell auf Lacher gebürstet sind. Und dies mit weitaus mehr Pointen als sonst bei Sandler-Filmen üblich.

Ebenfalls unüblich ist, dass selbst comic relief-Nebenfiguren eine emotionale Katharsis durchlaufen dürfen. In der Tat geht der Film trotz seiner Karikierung erstaunlich aufrichtig mit einem von Kevin Nealon und Jessica Lowe gespielten Pärchen um (alter Mann und junger Feger), mit denen sich Jim, Lauren & Co. den Esstisch teilen müssen. Sonderliche Tiefe bleibt da zwar bei den Hotelangestellten wie Mfana (Abdoulaye N’Gom) und Nickens (Terry Crew) aus, dennoch sorgen diese mit Running Gags ebenfalls für liebenswerte Augenblicke (“They’re blending over there!”). Das Ganze, man muss es für einen Sandler-Film vermutlich nochmals betonen, ohne Pipi-Kaka-Witze, die man sonst von dem New Yorker Comedian gewöhnt ist.

Dem Film spielt dabei in die Karten, dass er gut besetzt ist. So überzeugen die Kinderdarsteller, vom vermeintlich hässlichen Schwan Bella Thorne bis zum “Heartbreaker” Alyvia Alyn Lind. Selbst Gastauftritte von Shaquille O’Neill fallen nicht aus der Rolle und die Chemie zwischen Barrymore und Sandler stimmt nach zwei Filmen (The Wedding Singer, 50 First Dates) ohnehin. Hier macht es sich bezahlt, dass Sandler für den Regieposten statt auf Dennis Dugan wieder auf Frank Coraci (The Wedding Singer, Click) gesetzt hat. Entsprechend stehen Emotionen vor Zoten – was dem Film fraglos zum Vorteil gereicht. Dass Blended, wie so viele Sandler-Werke, etwas zu lang gerät (ohne dabei Längen zu haben), ist verzeihenswert.

Insofern ist es bedauerlich, dass der Film aufgrund seiner Konkurrenz unter seinen Möglichkeiten lief – speziell in seiner Heimat (Blended spielte, für einen Sandler-Film ungewöhnlich, fast doppelt so viel im Ausland ein). Ein Flop ist der Film dank seines sparsamen Budgets aber keineswegs und von seiner Inszenierung her vielmehr sogar ein Schritt in die richtige Richtung. So anarchisch-vergnüglich Werke wie That’s My Boy auch sind. Unterm Strich bleibt eine unterschätzte Sommerkomödie, die zugleich die Lachmuskeln bewegt wie auf die Tränendrüse drückt. Und angesichts eines bislang erschreckend schwachen Kinojahres kann und muss sogar konstatiert werden, dass Blended zu den besten Filmen des Jahres zu zählen ist.

7.5/10

29. Juli 2010

Grown Ups

And … shift.

Gute Freunde kann niemand trennen, besang einst Kaiser Franz. Ein Motto, das auch in Hollywood Gehör findet, sei es in Massenkombos wie dem Rat, Brat oder Frat Pack, Filmduos wie Tim Burton und Johnny Depp oder einem Freundeskreis, der sich immer mal wieder bei sich selbst bedient. Einen solchen Freundeskreis hat auch Adam Sandler, einer von Amerikas größten Comedians, der bewusst immer wieder mit Freunden von früher arbeitet. So spielte er in Funny People zuletzt unter der Regie seines ehemaligen Mitbewohners Judd Apatow und in seinem jüngsten Film Grown Ups an der Seite jahrelanger Freunde. Wie so viele amerikanische Comedians diente Sandler zu Beginn seiner Karriere die legendäre Show Saturday Night Live als Sprungbrett. Anfang der Neunziger sollte Sandler Bestandteil der „Bad Boys of Saturday Night Live“ sein, einer Gruppe, die noch Chris Rock, David Spade, Rob Schneider und den inzwischen verstorbenen Chris Farley einschloss. In Grown Ups wird diese Gruppe nun wieder zusammengeführt.

Wenn man so will, füllt - sprichwörtlich - Kevin James die Fußstapfen von Farley aus, seinen „Neuling“-Status merkt man jedoch nicht wirklich. Dies hat weniger mit seiner gelungenen Integration zu tun als mit der Tatsache, dass Grown Ups sich nie anfühlt wie ein Film über eine Gruppe von jahrzehntelangen Freunden. Es ist bezeichnender Weise eine Beerdigung, die sie wieder in ihre Heimatstadt bringt. Ihr ehemaliger Basketball-Coach verstarb, das strahlende Vorbild von Lenny (Adam Sandler), Kurt (Chris Rock), Eric (Kevin James), Marcus (David Spade) und Rob (Rob Schneider). Gemeinsam mit ihren kaputten Familien trudeln sie nun ein, um die gute alte Zeit zu reminiszieren. Dies hat jedoch weniger mit male bonding oder coming of age zu tun, wie man von einer derartigen Prämisse erwarten würde. Stattdessen beschränkt sich Regisseur Dennis Dugan, Sandlers go-to-guy mit seiner fünften Zusammenarbeit - die nächsten Projekte inszeniert er ebenfalls -, auf krude Gags, die fortan dazu verdammt sind, in der Endlosschleife zu landen.

Der beliebteste Vertreter dieser wiederkehrenden Gags ist dabei Robs Affinität für ältere Frauen, die zum gern aufgenommenen Aufhänger verkommt, dabei allerdings bereits bei ihrer Einführung keine Spur lustig war. Einen ähnlichen Gag kriegt James’ Eric verpasst, wenn seine Frau (Maria Bello) auch nach vier Jahren noch den gemeinsamen Sohn stillt. Wieso dies so ist, bleibt unklar, ähnlich wie das aggressive Verhalten von Erics Tochter, die Heimchen-Funktion von Rocks Marcus oder die Verzogenheit von Lennys Kindern, wo dieser ihnen doch eine Kindheit wie die eigene wünscht. Wo die anderen Vier mehr Slacker darstellen, gibt Sandler passender Weise den Erfolgsmenschen. Einen wohlhabenden Hollywood-Agenten, der jedoch ob seines asiatischen Kindermädchens beschämt ist und diese als Austauschstudentin zu verkaufen versucht (ein weiterer fehlgeleiteter running gag). Grown Ups schafft es nicht eine Geschichte zu erzählen, nutzt das Erzählgerüst lediglich als roten Faden, um eine thematische Einordnung für die müden Sketche zu erhalten.

So dient die Beerdigung für einen gemeinsamen Wochenendaufenthalt, der zur Streitfrage zwischen Lenny und seiner Designer-Frau (Salma Hayek) führt, die jedoch in einer kurzen Szene gleich wieder unter den Teppich gekehrt wird. Wie ohnehin die weiblichen Darsteller, zu denen auch SNL-Veteranin Maya Rudolph gehört, zu Randfiguren degradiert werden. Die Ideenlosigkeit von Grown Ups angesichts der Anwesenheit der „Bad Boys of SNL“ ist fast schon erschreckend, jedoch weit weniger erschütternd, wie die nie aufkommende freundschaftliche Atmosphäre aller Beteiligten. Traurig wird es dann speziell in den Szenen, wenn flache Gags bis zum Umfallen ausspielt werden (beispielsweise wenn Sandler und James einen schlafenden Spade über eine Minute ins Gesicht schlagen). Es bleibt zu Hoffen, dass Sandlers nächstes Projekt Just Go with It mit Jennifer Aniston und Nicole Kidman dank Star-Potential ähnlich gelungen endet wie Anger Management.

4/10

9. August 2008

You Don’t Mess with the Zohan

Soon the whole world will be silky-smooth!

Seitdem 1948 der Staat Israel ausgerufen wurde, besteht ein Konflikt zwischen den Israelis und den Palästinensern, die sich ihres Landes beraubt fühlten. Bis zum heutigen Tag herrscht der Nahostkonflikt und kostet immer wieder unschuldige Leben auf beiden Seiten. Nunmehr macht sich ein amerikanischer Comedian auf, um den Konflikt zu beenden und beiden Völkern Frieden zu bescheren. Zugegeben, dies wäre zuviel des Lobes und vollkommen utopisch, aber man muss You Don’t Mess With The Zohan doch eingestehen, dass seine Moral der Geschichte weitaus griffiger und tragfähiger ist, als es bei I Now Pronounce You Chuck & Larry der Fall gewesen ist. Vielleicht bin ich selbst zu alt geworden oder Adam Sandler lässt nur sehr nach. Mit Anger Management lieferte der New Yorker Comedian zum letzten Mal eine wirklich gelungene Komödie ab, die an seine großen Erfolge Big Daddy, Billy Madison oder Happy Gilmore erinnern konnte. Weder The Longest Yard noch Click wussten vollends zu überzeugen, auch wenn nunmehr die Besetzung in Sandlers Filmen namhafter wurden. In gewissem Sinne war Chuck & Larry dann der Supergau, uninspiriert und ein einziges verklemmtes Schwulenklischee, dennoch oder vielleicht deswegen relativ erfolgreich. Man mochte es allerdings kaum glauben, dass damals wirklich Oscarpreisträger Alexander Payne für das Drehbuch verantwortlich war. Und wenn man in der Eröffnungssequenz von Zohan beim Drehbuch den Namen Judd Apatow liest, weckt dies fraglos gemischte Gefühle. Vor acht Jahren entstand der erste Entwurf zu Zohan, an welchem Apatow gemeinsam mit Sandler und Robert Smigel schrieb. Das Projekt wurde nach den Terroranschlägen des 11. September wegen seiner terroristischen Thematik erst einmal auf Eis gelegt und Apatow war in den folgenden Jahren nicht mehr an der Entwicklung beteiligt. Was jetzt wirklich Apatow im Film ist und was nicht, lässt sich nicht sagen.

Als Mann seines Vertrauens verpflichtete Sandler erneut Dennis Dugan, den Regisseur der für Big Daddy und Happy Gilmore verantwortlich war, aber auch für Chuck & Larry. Erzählt wird die Geschichte des erfolgreichsten Mossad-Agenten, Zohan Dvir (Adam Sandler), der des Tötens überdrüssig ist. Wo besteht der Sinn immer wieder den palästinischen Top-Terroristen, das Phantom (John Turturro), zu fangen, wenn die israelische Regierung hinterher einen Agententausch mit dem Fein eingeht? Dennoch lässt sich Zohan zu einer Mission breitschlagen, hat er doch inzwischen eine eigene Agenda. Er will nach New York auswandern und unter Hairstylist Paul Mitchell seine Liebe für Haare ausleben. Die Offenbarung seines Traumes führt bei seinen Eltern nur zu Lachkrämpfen, Zohan wird als „Schwuchtel“ verunglimpft. Da wird es Zohan zu viel und er stellt kurzerhand seinen eigenen Tod. Doch in New York wird er auch bei Paul Mitchell nur ausgelacht, mit seiner extravaganten Art eckt der Israeli, der sich nun nach zwei Hunden im Flugzeug Scrappy Coco nennt, überall an. Während einem Disco-Abend wird er von dem jugendlichen Israeli Oori (Ido Mosseri) erkannt und daraufhin im israelischen Viertel eingeführt. In einem kleinen Frisörladen könnte sich Zohan künstlerisch ausleben – das Dumme daran: er liegt auf der palästinischen Seite des Viertels. Dieses teilen sich beide feindlichen Völker nämlich – allerdings auf friedliche Art. Die Inhaberin des Frisörladens, Dalia (Emmanuelle Chriqui), reagiert verhalten auf Zohans Frisörwunsch, doch dieser wartet nur auf seine Chance. Als diese kommt, nimmt er sie wahr und wird in kurzer Zeit zum angesagtesten Hairstylisten in New York. Lediglich der Taxifahrer Salim (Rob Schneider) droht sein Geheimnis aufzudecken, kennen sich Salim und Zohan doch noch aus alten Zeiten.

Wie insbesondere durch Sacha Baron Cohen bekannt sein dürfte, ist es im Grunde nur politisch korrekt über Juden Witze zu machen, wenn man selbst einer ist. Und Sandler macht in Zohan vor keiner der beiden Kulturen Halt, seine Witze auf Kosten der Israelis sitzen ebenso wie die gegenüber den Palästinensern. Allen voran ist hier der – durchaus gelungene – running gag bezüglich Hummus zu nennen. Bei dem Dip, der im nahen Ost – sowohl bei Israelis, als auch Palästinensern – sehr beliebt ist, gibt es für Sandler kein Halten. Der Kichererbsenbrei wird unentwegt zweckentfremdet und dient Zohan für ziemlich alles, vom Zahnputzmittel bis hin zum Haarverfestiger. Ähnlich amüsant sind Salims Versuche über die Terroristen-Hotline der Hisbollah eine Bombe zu bestellen. Aufgrund von Friedensgesprächen mit Israel ist diese kurzfristig außer Betrieb. Es sind jedoch nicht nur die kindischen Ideen (eine Katze dient einem Hacky Sack-Spiel), die zum Lachen anregen, sondern auch der eine oder andere politische Seitenhieb. Zohan reagiert entrüstet, als er erfährt, dass das Phantom für zwei Mossad-Agenten eingetauscht wurde. „Warum hab ich ihn dann überhaupt festgenommen?“, fragt Zohan. Der Austausch von Agenten kommt im realen Nahostkonflikt durchaus vor. Die ernste Thematik einer Auseinandersetzung zwischen beiden Parteien über ihren Konflikt wird dabei zu Beginn ähnlich abgehandelt, wie bei Steven Spielberg in Munich geschehen. Das Henne-und-Ei-Problem findet keine Lösung, es ist durchaus nicht alles Schwarz und Weiß, wie ein Terrorist Zohan erklären will, ehe dieser ihn verprügelt. Doch wie Spielberg umgeht der Film das Problem – zu diesem Zeitpunkt. Erst in New York beschäftigt sich Zohan dank der Palästinenserin Dalia eindringlicher mit dem Konflikt seines Landes. Sein Viertel beweist ihm dabei, dass beide Völker durchaus koexistieren können, nicht nur dank einem gemeinsamen sexuellen Interesse an Laura Bush oder dem Hacky Sack-Spiel. Die Loslösung von seiner Heimat initiiert neue Blickwinkel.

Jetzt ist es aber nicht so, als wollte You Don’t Mess With The Zohan zum politischen Statement verkommen, vielmehr erzählt Sandler die Geschichte eines Mannes, der versucht seinem Traum zu folgen, trotz aller Widrigkeiten. Als brachialer Kampfkoloss, der schwimmt wie ein Delphin, Kugeln mit seinem Nasenloch stoppen kann und ohnehin keinen Schmerz spürt, macht Sandler ebenso Spaß, wie als überkandidelter Scrappy Coco, der ein ums andere Mal zu viel die Hüfte schwingt und sein übergroßes Genital in Position bringt. Ob Sandler sich bei Zohan von den beiden Kult-Figuren Borat und Brüno seines britischen Kollegen Sacha Baron Cohen inspirieren ließ, ist ungewiss. Während Borat bereits 2000 in der Ali G Show auftrat, war Brüno erst 2003 Bestandteil des Programmes. Aber Sandlers Zohan ist auch so eine individuelle Figur, die sich mit den beiden Cohenschen Charakteren nicht unbedingt vergleichen lässt. Sex- und triebgesteuert ist für Zohan alles eine sexuelle Anspielung, seinen Avancen erliegen dabei meist ältere und beleibtere Frauen und damit gänzlich ein anderes Klientel wie zuvor seiner Figur Larry in Chuck & Larry. Lediglich Dalia widersteht seinen Flirtversuchen, doch das Genre setzt voraus, dass sie ihm am Ende doch erliegt. Wieso und weshalb wird durch den Film nicht klar, da beide relativ wenig gemeinsame Zeit allein verbringen (und Zohan die gesamte Kundschaft vögelt). Aber es spielt auch keine Rolle, denn Zohan ist der Star und auch in fast allen Szenen enthalten. Die Ausnahme bilden die Momente mit seinen Antagonisten, Salim und Grant Walbridge. Letzterer wird gespielt von Boxansager Michael Buffer und wer Buffer vom Boxen nicht kennt, wird wenig Spaß an seinen Auftritten haben. Im gewissen Sinne ist Zohan eine Rückbesinnung, da Sandler auf einen hauptsächlich unbekannten Cast setzt. Die weibliche Hauptrolle wird weder von Kate Beckinsale noch von Jessica Biel gespielt, sondern von Emmanuelle Chriqui (Entourage), die ihre Funktion als eye candy mehr als erfüllt.

Doch ein Adam Sandler-Film wäre kein Sandler-Film, wenn er nicht mit seinen Freunden aufwarten würde. Gastauftritte haben unter anderem George Takei, Mariah Carey, Kevin James, John McEnroe und Chris Rock. Bei letzterem ist der Humor in der Taxi-Szene jedoch mehr als derbe und fehl platziert. Des Weiteren darf natürlich Rob Schneider nicht fehlen, Allen Covert, Peter Dante und Jonathan Loughran sucht mag dagegen vergebens. Um es direkt zu sagen: You Don’t Mess With The Zohan ist keine grandiose Komödie, aber sie ist ein Weg zur Besserung in Adam Sandlers Karriere. Natürlich ist die Story schwachsinnig und im Grunde nicht vorhanden, der Humor recht infantil und die Dialoge dümmlich – aber es ist auch eine Adam Sandler Komödie. Es erschließt sich einem nach Filmen wie Punch-Drunk Love oder Reign Over Me nicht, warum Sandler so viele dümmliche Komödien dreht, aber mit ihnen bedient er wohl lediglich seine Fanbase. Da ich selbst zu dieser zähle, mag manch einem meine Bewertung zu positiv erscheinen, nach lahmeren Werken wie Chuck & Larry oder Longest Yard ist Zohan aber eine Verbesserung. Inspiriert wurde der Film dabei von wahren Begebenheiten, traten doch die drei israelischen Arbib-Brüder Nezi, Shaoul und Shalom aus der Armee aus, um in Kalifornien einen Frisörladen zu eröffnen. Der Bonus auf dem Ganzen ist dann der Soundtrack, der neben einigen hebräischen Stücken vor allem durch Pop-Musik der Neunziger besticht. Wer nicht zuviel erwartet, wird wenig enttäuscht. Dugans Film verfügt über einige lustige Momente und den Hauch einer politischen Botschaft.

6.5/10 - erschienen bei Wicked-Vision

17. Oktober 2007

Reign Over Me

I was stuck in Charlie world, I couldn't leave.

Vom Leben gebeutelte Figuren – damit hat Regisseur Mike Binder bereits in Man About Town und The Upside of Anger bereits das Publikum konfrontiert. Jedoch nicht in dem Ausmaß, wie er es dieses Jahr mit Reign Over Me getan hat. Seine Geschichte über die Nachwirkungen des 11. September lief kaum bis gar nicht in den deutschen Kinos. Aber das Michael-Bay-Bashing aus Snow Cake soll an dieser Stelle nicht nochmals wiederholt werden. Jedenfalls setzt sich Binder hier mit einem extrem ambitionierten Thema auseinander. Einem Thema, bei dem man als Regisseur schnell mal alles falsch machen und viele Leute vor den Kopf stoßen kann. Ursprünglich sollten Tom Cruise (Charlie) und Javier Bardem (Alan) die Hauptrollen spielen und zum Glück haben sie es nicht getan. Der überschätzte Tom Cruise lehnte das Projekt ab und der talentierte Bardem schlug stattdessen Adam Sandler vor, schied wenig später jedoch selber aus dem Projekt aus. Sandler, von der Rolle zuerst zurückgeschreckt, sagte schließlich doch zu und spielte die zweite Hauptrolle neben Don Cheadle.

Alan Johnson (Don Cheadle) ist Zahnarzt, mit seinem Job und seinem Leben jedoch unzufrieden. Von den Kollegen in seiner Praxis nicht geschätzt und von seiner Frau an der kurzen Leine gehalten, vermisst Alan den Freiraum und schreibt dies seinen fehlenden Freunden zu. Mit diesen Problemen und anderen, beispielsweise einer Patientin (Saffron Burrows), die ihn oral befriedigen möchte, belästigt Alan gerne seine Psychiaterkollegin Angela (Liv Tyler) - außerhalb ihrer Praxis. Frischen Wind erhält Alans Leben, als er auf seinen Studienfreund Charlie Fineman (Adam Sandler) trifft. Alan geht distanziert mit Charlie um, hat dieser doch bei den Terroranschlägen vom 11. September seine Frau und drei Töchter verloren. Doch Charlie erkennt Alan zu Beginn überhaupt nicht und es stellt sich heraus, dass er alles was zu seiner Vergangenheit gehört, insbesondere seine Familie, verdrängt und verleugnet. Alan, der von Charlies unermesslichem Freiraum sehr angetan ist und dadurch in Streit mit seiner Frau (Jada Pinket-Smith) gerät, versucht alles, um Charlie wieder in die Gesellschaft einzugliedern und sich dem Leben erneut zu öffnen.

Konträrer könnten diese beiden Figuren - Alan und Charlie - nicht sein. Alan, gut situiert, lebt mit seiner schönen Frau und seinen beiden Töchtern in einem großen Apartment. Sein Alltag bestimmt sich durch Arbeit, der Pflege seiner Eltern und geruhsamen Abenden mit seiner Frau Daheim. Das dies mit der Zeit eintönig ist, wird jedem klar und daher erklärt Alan gegenüber Angela auch, was ihm fehlt: Zeit unter Männern. Mit Freunden abhängen, einfach gelegentlich sowohl vom Berufs-, wie Familienleben ausspannen. Doch außer seiner Familie hat Alan eigentlich niemanden. Hier ist der erste kleine Schwachpunkt der Geschichte, denn wieso jemand wie Alan keinen einzigen Freund hat, wird aus seiner Charakterisierung nicht deutlich. Er ist so gut aussehend, dass ihn eine noch besser aussehende Patientin in seiner Praxis oral befriedigen will und beweist in seinem Umgang mit Angela, dass er sehr wohl sozial aktiv sein kann. Jeden Abend mit seiner Frau zu verbringen kann da verständlicherweise auf Dauer langweilen – wobei Binder Alans Frau Janeane noch weniger charakterisiert und in keiner Weise andeutet, wieso auch diese keine Freundinnen zu haben scheint.

Auch Charlie hat keine Freunde - jedoch nicht weil er nicht kann, sondern weil er nicht will. Er spielt in einer Band in einem Punk-Laden und kann in seinen Interessensgebieten problemlos mit Menschen sozial interagieren. Aber er lebt in seiner eigenen kleinen Welt, einer Welt wo er alle Erinnerungen an seine Freunde und Familie ausgeklammert hat. Charlies bester Freund eröffnet Alan in einer Szene, weshalb Charlie so gut mit ihm, Alan, kann: weil Alan nichts über Charlies Leben weiß. Die letzten 15 Jahre in seinem Leben, inklusive Hochzeit und die Geburt der drei Töchter, hat Alan verpasst, erst aus der Zeitung überhaupt von deren Tod erfahren. Für Charlie ist Alan also einfach der alte Kumpel von der Schule, der nichts von ihm weiß, außer das, was er ihm erzählt. Und so hat Charlie keine Probleme Alan mit zu seinen Gigs oder einem Mel-Brooks-Marathon mitzunehmen und die Nächte bei sich zu Hause an der PlayStation durchzuzocken. Charlie teilt sein Leben in dieser Phase mit Alan und behält seinen Kummer und Schmerz. Alan hingegen will auch dies mit ihm teilen und seinem Freund ebenso zuhören, wie dieser ihm.

Manche Mängel, darunter die Einbindung der psychisch angeknacksten Donna (Saffron Burrows), stoßen etwas übel auf. Als Gesamtwerk bleibt Reign Over Me jedoch ein schönes Werk über Akzeptanz, Schmerz, Verlust, Bewältigung und Freundschaft. Dabei wird der Film getragen von seinen exzellenten Darstellern Cheadle und Sandler, später auch noch unterstützt von Donald Sutherland. Charlies Welt ist faszinierend, anziehend und abstoßend zugleich - die Freundschaft zu Alan das Herzstück des Filmes. Binder verziert sein Werk mit lustigen Charakteren und rockiger Musik und es gelingt ihm, dem Thema der Nachwehen von 9/11 gerecht zu werden. Exemplifizierend an Charlie erörtert er, was der Terroranschlag für die New Yorker bedeutet und erarbeitet Charlies Kummer mit Fingerspitzengefühl und äußerst diskret. In vielen rührenden Szenen beweist der Film trotz seiner gegebenen Schwächen sein enormes Potential und ist durch sein Nebenthema einer starken und Kraft gebenden Freundschaft einer der Filme dieses Kinojahres.

8/10

30. August 2007

I Now Pronounce You Chuck and Larry

I don’t want to piss Mel Gibson off.

Ich weiß gar nicht, was ich sagen, beziehungsweise schreiben soll. Nicht weil es sich hier um eine Adam-Sandler-Komödie handelt (denn ich bin ein Fan von ihm), nur ist I Now Pronounce You Chuck and Larry so unglaublich schlecht. Dabei stand der Film unter guten Vorzeichen, war doch Dennis Dugan der Regisseur, der mit Sandler bereits bei Happy Gilmore und Big Daddy zusammenarbeitete. Dazu kam dann auch noch Alexander Payne, welcher für Sideways einen Oscar für das beste Drehbuch gewonnen hat (!), und in diesem Film zusammen mit seinem Drehbuchpartner Jim Taylor und Barry Fanaro (Men in Black 2) die Handlung und die Dialoge lieferte. Payne und Taylor Involvierung ist dann eigentlich auch der größte Schock. Der Humor ist in seinem Grundton zwar durchaus typisch für Sandler und seine Filme, doch selbst dieses Niveau unterbietet der Film noch.

Chuck (Adam Sandler) ist ein Hugh-Heffner-Typ, der jede Nacht mit zwei bis zwölf Frauen verbringt (vor allem seit er im Feuerwehrkalender zum Mr. Februar gekürt wurde). Dem notorisch Kaugummikauenden Macho Chuck wird sein bester Freund, der gutmütige Witwer Larry (Kevin James), gegenüber gestellt. Beide arbeiten als Feuerwehrmänner in New York und als Larry bei einem Einsatz das Leben von Chuck rettet, schuldet dieser Larry natürlich etwas. Weil der Staat im Falle von Larrys Tod seine Rente nicht auf seine Kinder, sondern nur auf seinen Ehepartner übertragen will, erklärt Chuck sich bereit, Larry zu heiraten. Als der Staat die Beiden überprüft, suchen sie Hilfe bei Anwältin Alex (Jessica Biel), in die sich Chuck verknallt. Nur denkt die, dass Chuck schwul sei, während sich die Lage um das vermeintliche Schwulenpärchen immer mehr zuspitzt.

Fortan lässt es der Film sich nicht nehmen, sich jedes Schwulen- beziehungsweise Homosexuellen-Klischees zu bedienen (kulminierend in einem Cameo von *N Sync-Mitglied Lance Bass). Da werden Schwule teilweise dann doch mit Transvestiten in einen Topf geworfen und von der Seife, die in der Dusche auf den Boden fällt, bis hin zum Begrapschen von Alex’ Brüsten ist wirklich alles dabei. Die Grundbotschaft des Films (Akzeptanz und Gleichheit) schimmert lediglich gegen Ende kurz durch. Selbst als Hetero fühlt man sich da „angegriffen“, zumindest jedoch der gute (Film-)Geschmack. Wie immer bei Adam-Sandler-Filmen tauchen dann irgendwann auch noch David Spade und Rob Schneider (Letzterer ziemlich rassistisch als Stereotyp-Asiate) auf. Ein ganz schlimmer Film, selten bis gar nicht komisch und schlichtweg zum Verdammen.

2/10