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22. Oktober 2009

Futurama - Season One

Bite my shiny metal ass!

Welche Möglichkeiten stehen einem talentierten Mann wie Matt Groening offen, wenn er mit The Simpsons eine der pop-kulturellen Serien schlechthin erschaffen hat? Natürlich eine neue pop-kulturelle Serie zu kreieren. Mitte der neunziger Jahre überlegte sich Groening die Basiselemente für seine Sci-Fi-Sitcom Futurama, die schließlich 1999 das Licht der Welt erblickte. Groening kämpfte hart dafür, dass er innerhalb der Show dieselben kreativen Freiheiten besaß, wie sie Fox seiner Zeit den Simpsons gewährte. Bis 2003 wurden vier Staffeln ausgestrahlt, ehe die Serie letztlich nach über achtzig Folgen eingestellt wurde. Zuletzt wurden vier Direct-to-DVD-Filme produziert, die jeweils ein Handlungsszenario von vier Folgen umspannt. Das Ergebnis ist nur leidlich gelungen und erklärt, weshalb etwaige Sender inzwischen vorziehen, die vier Filme im Folgenformat als fünfte Staffel auszustrahlen. Immerhin liefen die DVD-Verkäufe derart gut, dass eine neue Staffel geordert wurde, was Futurama nach Family Guy zur zweiten Fox-Serie macht, die nach ihrer Einstellung wieder ins Leben gerufen wurde.

Die Prämisse der Serie ist im groben identisch mit der von Mike Judges Idiocracy. Ein scheinbarer Loser der Gegenwart wird durch kryonische Maßnahmen eingefroren und wacht schließlich in der Zukunft wieder auf. Groenings und Judges Visionen unterscheiden sich jedoch darin, dass Luke Wilsons Figur nun der schlauste Mensch der Welt ist, während Groenings Fry weiterhin denselben Status als Idiot und Loser inne hat wie 1999. Als Fry schließlich eintausend Jahre später aufwacht, muss er sich in der Pilotfolge Space Pilot 3000 damit auseinandersetzen, dass er auch in der Zukunft nur ein Lieferjunge ist. Gemeinsam mit der Zyklopin Leela und dem Roboter Bender heuert Fry schließlich beim Paketlieferdienst seines in die Jahre gekommenen Nachfahrens Prof. Farnsworth an. Die dreizehn Folgen der ersten Staffel konzentrieren sich dann primär auf die Kollisionen von Leelas pflichtbewusstem Charakter mit Frys Nichtsnutzerei und Benders anarchischem Lebensstil. Genauso wenig wie The Simpsons verfügt auch Futurama über eine Art roten Faden, sieht man von Frys Akklimatisierung in der Zukunft einmal ab.

Die Serie ist durchzogen mit pop-kulturellen Anspielungen an Vertreter aus Film, Fernsehen und Literatur. Einige Folgen wie Mars University widmen sich etwas expliziter (hier Animal House) ihren Genrevertretern, andere wie When Aliens Attack mit einer Anspielung auf Independence Day dagegen eher kurz. Doch eine Groening-Serie wäre keine Groening-Serie, wenn er nicht auch etwas Sozialkritik üben würde. Am deutlichsten wird dies wohl in A Big Piece of Garbage, wo die Müllpolitik der New Yorker Stadtbevölkerung – stellvertretend für die ganz Amerikas oder generell wohl auch der Welt – an den Pranger gestellt wird. Weitere Anspielungen finden sich zudem durch etwaige Gastauftritte, die hauptsächlich durch die am Leben erhaltenen Köpfe (ehemaliger) Berühmtheiten verkörpert werden (u.a. Pamela Anderson, die Beastie Boys). Alle hier angesprochenen Eigenschaften der Serie – die Medienreferenzen, Sozialkritik, Gaststars – sollten in den kommenden drei Staffel nochmals zunehmen und dazu beitragen, Futurama neben Shows wie The Simpsons oder South Park zu etablieren.

Allerdings ist in der ersten Staffel noch nicht alles Gold was glänzt. Zwar unterhalten alle Folgen, wobei sich die meisten eher im leicht überdurchschnittlichen Bereich befinden. Neben dem Piloten Space Pilot 3000 sind es lediglich Love’s Labours Lost in Space und Fry and the Slurm Factory die wirklich herauszustechen vermögen. Mit Hell is Other Robots hingegen erreicht die Serie ihren „Tiefpunkt“ (die Folge selbst ist grundsätzlich aber nicht schlechter als vier, fünf andere). Für eine Auftaktstaffel ist das recht ordentlich und der Einbezug von Figuren wie Zapp Brannigan, Kiff, Mom oder Calculon sollte sich auch Jahre später noch bezahlt machen. Es ist jene erste Staffel, die noch relativ zaghaft mit ihrer Umwelt umgeht. Bender ist weitaus freundlicher und romantischer, als man ihn später antreffen wird und die Zuneigung von Fry zu Leela taucht bis auf A Flight to Remember glücklicherweise auch nicht sonderlich auf. Alles in allem eine gelungene Serie, die ihren Platz im Fernsehen gefunden hat.

7.5/10

5. April 2009

Futurama: Into the Wild Green Yonder

Protecting the environment IS a crime.

Nun ist es soweit und aller Voraussicht nach ist Futurama zu ihrem Ende gekommen. Die fünfte Staffel, die in Form von vier DVD-Verfilmungen erschienen ist, fand mit Into the Wild Green Yonder ihren Abschluss. Einen sehr betrüblichen Abschluss, denn ein derartig flaches, uninspiriertes, lustloses und unlustiges Finale hätte man der Serie weder gewünscht noch zugetraut. War die Serie einst frisch und witzig, wirkt sie nunmehr alt und vertrocknet. Abgesehen von Bender’s Big Score konnte keiner der Filme überzeugen, selbst wenn Bender’s Game nochmals eine Verbesserung gegenüber dem schon enttäuschenden The Beast With A Billion Backs darstellte.

Die große Thematik der letzten vier Abenteuer ist der Umweltschutz. Ein aktuelles Thema, nicht zuletzt durch die von Prominenten geförderten Dokumentarfilme An Unconveniant Truth und The Eleventh Hour. Die Polkappen schmelzen, die globale Erwärmung findet statt und das Ozonloch wächst. Unsere Erde selbst ist von Müll umzingelt, quasi einer eigenen kleinen Müllatmosphäre, bestehend aus Satelliten und Raumschiffschrott. „Take that you stupid mother nature“, erklärt da Leo Wong, Amys Vater, als er plant Planeten und deren Lebensformen in die Luft zu jagen, um einen intergalaktischen Minigolfplatz zu errichten. Das können und wollen sich eine Gruppe von radikalen feministischen Ökos, angeführt von Leela, nicht gefallen lassen. Als „Feministas“ werden sie zu Untergrundrebellen, die es mit dem Großindustriellen aufnehmen.

Da hat man sie, die sozial- und politikkritische Komponente des Filmes. Auf Kosten jeglicher amüsanten Szene, denn weder Leela noch ihre „Feministas“ sind sonderlich unterhaltsam. Daher wurde wohl der Subplot um Fry eingebaut, der nach einem unglücklichen Zusammenstoß die Gedanken seiner Mitmenschen lesen kann (und letztlich – wie so oft – als Retter der Erde hochstilisiert wird). Im Westen nichts Neues und das wenn dann nur sehr oberflächliche Konzept wird runtergespult ohne wirkliche Emotion. Nach fünfzig Minuten wird es kurz lustig, doch hält dieser Moment nur einige Minuten, ehe Into the Wild Green Yonder erneut in seinem lustlosen Abgrund verschwindet.

Es wirkt so, als wäre der gesamte Film ein sehr gezwungenes Projekt. Etwas, zu dem man vertraglich verpflichtet war, obwohl man zum einen keinen Elan hatte eine neue Geschichte zu erzählen und zum anderen nicht wusste, was und wie man es dann zu erzählen hätte. So wird wieder mal die Robotermafia eingebaut, Hypnotoad, Scruffy und natürlich Zapp Brannigan – ohne das eine dieser Figuren eine höhere Funktion hätte, als einfach nur im Bild zu sein. Im Prinzip sind sie nichts als leere Hüllen und gesellen sich dadurch hervorragend zu den anderen, etablierten Charakteren wie Fry und Bender. Man platziert sie in dutzende kleine Szenerien, die nichts mit einander zu tun haben und für sich genommen keinen Sinn ergeben. Wenn man wissen möchte, wie man ein Denkmal zerstört, kann man es hier beobachten.

Hinsichtlich des Endes war klar, dass Fry und Leela nun endlich zusammengeführt werden müssen. Ein absehbares Ereignis, welchem sich die Macher – so behaupteten sie zumindest 2008 – entsprechend nähern wollten. In Into the Wild Green Yonder verkommt dies dann zu einem „I love you, Leela“ und einer Erwiderung von dieser gegenüber dem schuseligen Zeitreisenden. Warum sollte man auch näher darauf eingehen, dass die Einäugige nun ihren Schwarm endlich in ihr Herz schließt? Immerhin hat man sich nicht die Mühe gemacht, in den achtzig Minuten zuvor irgendetwas auf irgendeine Weise den Zuschauern näher zu bringen. Zwar verfügt der Abschluss der Serie über den einen oder anderen Lacher (viele allein durch Snoop Doggs Auftritt), aber für Futurama-Verhältnisse ist dieses „Finale“ einfach nur blamabel und eine Schande. Vielleicht hätte man doch auf diese Form der fünften Staffel verzichten sollen.

3/10

18. November 2008

Futurama: Bender’s Game

I didn’t see it coming.

Ich könnte ja jetzt wieder anfangen wie groß doch Matt Groening und wie lange er schon im Geschäft ist. Dass er The Simpsons erschaffen hat und auch Futurama. Und sowieso und überhaupt. Aber das war ja bereits meine Einleitung zu Bender’s Big Score und The Beast with a Billion Backs. Von daher kann man sich das auch schenken. Nur soviel: die fünfte Staffel von Futurama neigt sich dem Ende zu. Anstatt 16 Episoden regulär auszustrahlen, hatten die Macher die Idee, vier Filme zu produzieren, die aus jeweils vier Folgen bestehen würden. Mit Bender’s Game erschien nun der dritte und vorletzte dieser Filme. Im Gegensatz zu TBWABB knüpft der Film jedoch nicht unmittelbar an seinen Vorgänger an, sondern bewegt sich auf eigenständigem Terrain. Zum Inhalt wird dunkle Antimaterie gesetzt, deren Monopol Mom und ihre drei missratenen Söhne besitzen. Die Preise steigen exorbitant, zu verdanken einem ominösen Kristall, der sich in Moms Besitz befindet. Erschaffen hatte diesen einst Prof. Farnsworth, ebenso wie einen Gegenkristall. Ziel der „Planet Express“-Crew und somit des Filmes ist es, beide Kristalle zusammen zu führen, damit Mom Einhalt geboten werden kann. Außerdem fließen auch noch Leelas ungezügelte Aggressionsschübe in die Handlung mit ein, wie auch die Rasser der Nibbler Teil im Geschehen findet. Seinen Titel nimmt der Film jedoch von Benders Abenteuer, welches sich im Grunde von dem der Anderen unterscheidet. Als Cubert und Dwight mit Freunden Dungeons & Dragons spielen, muss Bender die Erkenntnis machen, dass er keine Vorstellungskraft hat. Nach starken Bemühungen verliert sich Bender letztlich in seiner eigenen Phantasiewelt. Eine zusätzliche Handlung, welche die zwölfte Folge ausmachen soll.

Im Vergleich zu den beiden vorherigen Filmen ist Bender’s Game inhaltlich mehr als schwach. Schlimmer noch, er eigentlich gar keine richtige Handlung und wirkt mehr als zusammengeschustert. Am deutlichsten wird dies durch die beiden parallel stattfindenden Handlungen von Leela, Fry und dem Professor einerseits, sowie Bender andererseits. Seine Klimax findet das ganze dann in der Phantasieepisode, die grundsätzlich nicht mehr ist, als ein Abklatsch von Peter Jacksons Lord of the Rings, gewürzt mit einigen Dungeons & Dragons-Anspielungen. Es sind ohnehin die filmischen Referenzen, die den neuesten Futurama-Film auszuzeichnen wissen. Neben Lord of the Rings werden auch The Jetsons, 2001: A Space Odyssey, One Flew Over the Cuckoo’s Nest oder The Fly referiert. In jenen Anspielungen finden sich auch die Höhepunkte des Filmes, der sonst wenig bis gar nichts zu bieten hat. Allen voran natürlich die Sequenz im HAl Institute for Criminally Insane Robots. Ich könnte immer noch schwören, dass der Psychiaterroboter von Alan Rickman synchronisiert wird. Hier findet sich auch die gelungene Wiedervereinigung mit Roberto, in der amüsantesten Szene von Bender’s Game, die mich sicherlich eine geschlagene Minute lang hat Lachen lassen. Neben Cubert und Dwight kehren auch die in TBWABB noch vermissten Scruffy (allerdings nur kurz) und Morbo zurück. Auch Nibbler und seine Brüder bilden mit Mom und ihren Söhnen einen essentiellen Teil der Geschichte. Dafür muss man dieses Mal auf Kiff, die Robotermafia und erneut Hypnotoad und all die anderen Nebenfiguren verzichten. Dass sich jedoch nicht alle Figuren des Universums auf eine Folge oder einen Film vereinen lassen, ist nachvollziehbar und verständlich.

Dass es ebenso schwer ist, vier Folgen zu einem funktionierenden Film zu vereinbaren, ist auch klar. Aber man hätte sich hier weitaus mehr Mühe geben können und müssen. Diese Versatzstücke verschiedener Handlungselemente wollen sich nicht so recht zu einem glaubwürdigen Gesamtbild zusammenfügen. Das gelingt ja selbst der durchschnittlichen Family Guy-Folge besser und das mag was heißen. So drängt sich auch der Vergleich mit Family Guy dieses Mal sehr auf, denn abgesehen von einigen – zugegeben durchaus gelungenen – Momenten animiert Bender’s Game nicht wirklich zum Lachen, geschweige denn zum Unterhalten. Hatte ich bei TBWABB noch darauf gehofft, hier eine stringente Geschichte präsentiert zu bekommen, wurde ich bitter enttäuscht. Alle Entwicklungen innerhalb des Filmes wirken gezwungen und aufgesetzt. Nur selten erreicht der Film wirklich den Standard von Futurama und ist daher als Enttäuschung anzusehen. Diesmal will ich aber die Hoffnung äußern, dass Into the Wild Green Yonder als Abschluss des Futurama-Franchises eine Steigerung darzustellen vermag. Zudem sollte das gewählte Ende für alle Figuren – speziell natürlich Fry und Leela – möglichst authentisch innerhalb des Groening’schen Universums sein. Letztlich hebt sich Bender’s Game dann tatsächlich über TBWABB, weniger wegen der eigentlichen Handlung, sondern einzig und allein deswegen, weil er öfters zum Lachen animiert, als es dem Vorgänger gelungen war.

5.5/10

15. August 2008

Futurama: The Beast with a Billion Backs

What’s going on here? I was told there’d be sugar syrup.

Unter den Zeichentrickgestaltern Amerikas ist er vielleicht gemeinsam mit Walt Disney einer der großen der Großen: Matt Groening. Seit Jahren wird seine Tochter-Serie The Simpsons mit Preisen überschüttet und gelobt ob ihrer ständigen pop-kulturellen Referenz. Im Windschatten von den gelben Springfeldianern erschuf Groening im Jahr 1999 dann schließlich noch Futurama. Die Serie um Philip J. Fry spielt wie der Titel es erahnen lässt in der Zukunft. Vier Staffeln liefen seiner Zeit auf Fox, ehe man die Serie inoffiziell absetzte. Doch es gab letztes Jahr eine gute Nachricht für alle Fans: Futurama erhielt eine fünfte Staffel. Diese wird zwar nicht im Fernsehen ausgestrahlt und ist im weitesten Sinne nicht einmal eine Staffel, aber darüber tröstet man sich hinweg. Vier Filme in Form von vier zusammenhängenden Folgen wurden produziert und im Abstand von einigen Monaten veröffentlicht. Der erste dieser vier Filme war Bender’s Big Score und beschäftigte sich mit nackten Aliens, welche mit Hilfe von Bender und Fry die Schätze der Vergangenheit raubten. Grundsätzlich gesehen war BBS ein Konglomerat von verschiedenen Themen innerhalb der Serienstruktur. Mehrfach reiste man in der Zeit (erst so kommt das Grundgerüst der Serie ja zu Stande) und mehrfach wurde die Beziehung zwischen Fry und Leela thematisiert. Trotz ihrer Redundanz gelang es BBS durch viele geniale Einfälle über seine gesamte Lauflänge zu unterhalten, auch wenn der Versuch vier Folgen zu einem zusammenhängenden Film zu vereinbaren als gescheitert angesehen werden muss. Der zweite Film und die nächsten vier Folgen der fünften Staffel finden sich nun also in The Beast With A Billion Backs, eingeleitet von einer sehr liebevollen Steamboat Willie-Referenz.

Inhaltlich knüpft der zweite Film direkt an den ersten an. Das Loch zwischen den Galaxien, das von Bender hervorgerufen wurde, ist immer noch da. Insofern wird eine Brücke zwischen Folge 1 und Folge 8 geschlagen und eine gewisse Stringenz innerhalb der „Staffel“ bewahrt. Der Beginn des Films erinnert an Star Trek: Generations, findet doch eine Hochzeit zweier Mitglieder statt. Amy und Kif heiraten, doch dieses Ereignis ist im Grunde unwichtig für den Verlauf der Handlung. Ein anderen Paar ist von größerer Bedeutung: Fry und seine neue Freundin Colleen (gesprochen von Brittany Murphy). Als Fry mit Colleen zusammenzieht, stellt er fest, dass diese polygamisch veranlagt ist. Neben ihm selbst unterhält sie noch drei weitere Beziehungen, was Fry letztlich zu dumm wird. Deprimiert sucht er Selbstmord und strebt diesen mit Hilfe eines Übergangs durch das Galaxieloch an. Bender hingegen krönt sich zu Calculons Stalker und steigt dadurch in die Liga der Roboter auf, ist jedoch enttäuscht, dass man nicht das Ende der Menschheit forciert. Jenseits dieser Galaxie trifft Fry dann schließlich auf das übernatürliche Wesen, welches sich selbst Yivu nennt. Als dieses versucht mit seinen Milliarden von Tentakeln die Erde zu besetzen, müssen Leela und die anderen um ihr Leben kämpfen. Auch in TBWABB finden sich etliche Ansätze aus der Serie wieder, zu Beginn beispielsweise Frys Pech mit seinen Freundinnen. Während Colleen sich wie die Faust aufs Auge präsentiert, scheitert die Beziehung letztlich an ihrem Ursprung. Im Angesicht eines nahenden Todes hatten sich Fry und Colleen gefunden – wie auch Colleen und ihre anderen Liebhaber. Dabei spielt die Beziehung der beiden praktisch nur in Folge Fünf eine Rolle und zwar die des Auslösers für Frys Flucht. Hier findet sich immerhin eine bessere Wahl, als zum x-ten Male Leela diesen Auslöser anzudichten.

Im Gegensatz zu Bender’s Big Score verliert sich The Beast With A Billion Backs aber zu sehr in Einzelheiten. Viele kleine Puzzlestücke wollen kein wirklich funktionierendes Bild ergeben. Das Loch in der Galaxie bildet den Aufhänger zu Beginn, wird dann aber außer Acht gelassen nachdem man versucht hat Bender hindurch zu schicken. Bender wiederum krönt sich zu Calculons Stalker, tritt in die Liga der Roboter ein, will die Menschheit zerstören, dann aber wieder doch nicht. Für die meisten der Figuren (Amy, Prof. Farnsworth, Dr. Wernstrom) findet sich eine Nebenhandlung, die sie gelegentlich ins Zentrum rücken lässt, andere Figuren, darunter Hermes und Leela, tauchen diesmal fast vollständig unter. Die Motivation von Fry und Bender wirkt dabei insbesondere zu gezwungen, viel zu ad hoc und grundsätzlich ins Leere verlaufend. Dabei ist die Figur von Yivu und ihr Einbezug in die Geschichte nicht einmal schlecht. Der Fokus hierauf in der siebten Folge ist sicherlich gelungen, wobei nicht wirklich der Charakter von Yivu deutlich wird. Er ist einsam, durchaus, die Frage, wieso ein so einsames Wesen, fernab von jedwedem Kontakt, im Stande ist so anspruchslos zu lieben, wird von den Machern nicht beantwortet. Auch die Tatsache, dass Yivu scheinbar einst Pate stand, für die menschliche Vorstellung des Himmels, zieht in ihrer Konsequenz nach sich, dass bereits Kontakt zwischen Yivu und der Erde stattgefunden hat.

Unter dem Strich gesehen lässt sich die über-Thematik von The Beast With A Billion Backs als die Liebe ausmachen. Yivu sehnt sich nach Liebe und er schenkt zugleich Liebe. Zudem dreht sich in den Beziehungen von Fry und Amy alles um die Liebe, letztlich auch in Benders Hass-Liebe zur Menschheit respektive Fry. Doch die Bedeutungsschwere dieser Liebe vermag es leidlich die vier Folgen zusammen zu halten. Während in Bender’s Big Score eine gewisse kohärente Stringenz vorhanden war, lässt der zweite Film dergleichen vermissen. Es finden sich selbstverständlich wieder einige sehr gelungene Ideen und Anspielungen, allein durch die Beteiligung von Brittany Murphy und Stephen Hawking (der sich selbst spricht), aber besonders in den letzten drei Folgen beziehungsweise Vierteln sind diese gelungenen Momente rar gesät. Immerhin finden nunmehr auch andere Figuren des Futurama-Kosmos Einzug in das Geschehen. Während sie im ersten Film noch fehlten, tauchen Calculon und Lrrr dieses Mal auf. Besonders Calculon kommt eine größere Rolle zu. Verzichten muss man jedoch auf Nibbler, Hyperchicken, Scruffy und wieder einmal Cubert Farnsworth. Gerade wo letzterer abgeblieben ist, wäre durchaus eine Thematisierung wert. Die bisherige Entwicklung und bestehende Ankündigung deutet allerdings darauf hin, dass so ziemlich jede Figur der Serie in einem der Filme zum Einsatz kommen wird. Insgesamt lässt sich jedoch sagen, dass der zweite Futurama-Film im Vergleich zum Vorgänger stark abbaut. Die Handlung hätte im Grunde genauso gut in eine einzelne Episode gepasst, besonders die Szenen mit der Liga der Roboter wirken viel zu gedehnt. Als nette Kost für zwischendurch eignet sich für Fans auch The Beast With A Billion Backs, aber eine besondere Erwähnung im Kanon der Serie verdient er nicht. Immerhin verspricht Bender’s Game eine eigenständige Geschichte.

5/10

4. Dezember 2007

Futurama: Bender’s Big Score

Stupid naked aliens.

Eine der großartigsten Zeichentrickserien ging vor vier Jahren bedauerlicherweise zu Ende. Die Rede ist von Matt Groenings Futurama, der Schwesterserie der Simpsons, welche den Abenteuern des kryonisch eingefrorenen Philip J. Fry im Jahr 3000 folgte. Dort traf er auf die einäugige Pilotin Leela und dem anarchistischen Roboter Bender, mit welchen er gemeinsam für seinen entfernten Neffen Professor Hubert Farnsworth einen Paketlieferservice leitete. Die Serie schaffte es dann schließlich von 1999 bis 2003 über vier Staffeln zu 72 Episoden, mit wiederkehrenden Figuren wie Dr. John Zoidberg, Amy Wong, Hermes Conrad oder so liebenswürdige Charaktere wie Elzar, dem vierarmige Chefkoch, Lrrr, Herrscher des Planeten Omicron Persei 8 oder dem verruchten Weltraum Major Zapp Brannigan. Da die Folgen auf dem US-Fernsehsender FOX jedoch immer wieder durch Sportsendungen unterbrochen wurden, entschied man sich im Jahr 2003 die Produktion der Serie einzustellen, auch wenn die Serie nie offiziell eingestellt worden ist. Dieses Jahr kam jedoch auf DVD ein knapp anderthalb Stunden dauerndes Abenteuer heraus, welche laut Groening der erste von vier Filmen ist, welcher jeweils vier Episoden umfassen soll, sodass indirekt eine fünfte Staffel mit sechzehn Episoden produziert wird.

Zu Beginn des Films eröffnet Prof. Farnsworth die Neuigkeit, dass mit der Einstellung des Lieferservices von Seiten der BOX Company ein Fehler gemacht wurde, welchen die neue Direktion eingesehen hat und die alten Produzenten zu Torgo’s Executive Puder verarbeitet hat, welches sich für alles verwenden lässt. Bei der daraus resultierenden Feier köpft sich Hermes bei einem Limbo-Wettkampf bedauerlicherweise selbst und verliert nicht nur seinen Kopf, sondern auch seine Frau. Fry, Leela und Bender haben derweil ein anderes Problem, denn bei einer Lieferung auf dem Planeten der FKK-Strände wurde die gesamte Crew Opfer von Spam-Mail-Vertretern. Wieder in Neu-New-York angekommen wird Bender dadurch prompt anfällig für einen Virus, den er sich runterlädt und im Glauben die spanische Lotterie gewonnen zu haben, überschreibt Prof. Farnsworth schließlich das Planet-Express-Unternehmen dem nackten Alien Nudar und seinen beiden Spießgesellen. Diese machen schließlich eine Bender-Tätowierung auf Frys Hinterteil ausfindig, welche die Daten des Zeit-Raum-Kontinuums enthält, sodass Nudar Bender endlos in die Vergangenheit reisen lässt, um die Schätze der Welt zu rauben. Währenddessen verliebt sich Leela in den dusseligen Lars, der im Kopf-Museum nach Charles de Gaulle und anderen Persönlichkeiten sieht.

Der Humor von Bender’s Big Score hält sich die Waage, wahrhaft geniale Momente finden ihr Pendant in recht lahmen Szenen, die Mehrheit des Filmes entspricht jedoch dem Serienniveau. Dabei ist der Futurama-Film kein Film als solcher und darf deswegen nicht mit dem desaströsen Simpsons-Film verglichen werden. Bender’s Big Score ist an sich nur eine Aneinanderreihung von vier inhaltlich zusammenhängenden Folgen und dient dem höheren Ziel mit drei weiteren Filmen eine indirekte fünfte Staffel zu formen. So gesehen ist das Projekt von Matt Groening durchaus gelungen, auch wenn viele Ideen wie das der Zeitreise bereits mehrfach in der Serie thematisiert wurden. Es werden jedoch einige nette – für sich genommen jedoch unwichtige – Analogien zu Hintergründen in der Serie getroffen. Auch die Verweise zu Star Wars und Terminator sind recht gelungen. Im zweiten Akt gehen einem Nudar und seine beiden Kumpel dann doch langsam auf die Nerven, weswegen der Übergang zum dritten Akt nicht schnell genug erfolgen kann. Auch die zweite große Thematik des Filmes, die „Liebes“-Geschichte zwischen Fry und Leela wurde schon zum Erbrechen in der Serie thematisiert, sodass man mitunter den Eindruck hat, dass den Machern die Ideen ausgegangen zu sein scheinen (was die Einstellung der Serie „rechtfertigen“ würde).

Die meisten Charaktere des Futurama-Universums finden Einzug in diesen Film, darunter natürlich Zapp Brannigan und Kiff, aber auch Elzar, Mr. Panucci, die Nibbler, die Robotermafia und Robot Santa, sowie Al Gore und Richard Nixon, Scruffy, Hypnotoad und Morbo, der morbide Nachrichtensprecher. Andere großartige Figuren wie Calculon, ebenjener Lrrr, Flexo, Leonard Nimoy oder Slurm MacKenzie fehlen leider – vielleicht tauchen sie jedoch in einem der anderen drei Filme auf. Bedenkt man, dass die großen Themen des Filmes etwas ausgelutscht sind (und dies auch an manchen Stellen erkennen lassen), ist Bender’s Big Score dennoch ein gelungener Film, der ebenjenen Charme besitzt, welcher den Simpsons bei ihrer Verfilmung abgegangen ist. Für Fans der Serie ist dieses Werk jedoch sicherlich ein Muss, dass mit Gastsprechrollen von Al Gore, Mark Hamill und Coolio (kennt den noch einer?) aufzuwarten weiß und die Wartezeit auf die übrigen drei Filme, bzw. den nächsten nur noch schlimmer macht. Matt Groening darf sich jedoch seines Platzes in den Zeichentrickannalen fraglos sicher sein.

7.5/10

30. Juli 2007

The Simpsons Movie

I'll teach you to laugh at something that's funny!

Im Jahre 1989 hat der Zeichner Matt Groening für den Produzenten James L. Brooks etwas geschaffen, was Jahre später zum Kulturgut der Welt werden und Homer Simpsons zum Idealbild des Amerikaners außerhalb von Amerika machen sollte: die Simpsons. Mit ihrem einzigartigen frechen Humor immer frei Schnauze gewann die Serie das Herz des einfachen Mannes, wie das des New York Times Redakteures und hat die deutsche Jugend (und auch so manchen Erwachsenen) in Deutschland wöchentlich abends zu unterhalten gewusst. Mit gut 400 Folgen gehen die Simpsons nunmehr in ihre 19. Staffel und um bei der Wahrheit zu bleiben: vom alten Glanz ist nicht mehr viel übrig.

Jahr für Jahr und Staffel für Staffel bauen die Simpsons stark ab, die Witze werden billiger, die Ideen einfallsloser, die Wiederholungen häufen sich. Die letzte richtig gute Staffel war die achte, bis zur 14. hat man sich noch wacker schlagen und mit aufstrebender Konkurrenz wie Futurama (ebenfalls von Groening) und den neuen Wunderkindern Matt Stone und Trey Parker rund um South Park mithalten können. Das ist jedoch auch bereits fünf Jahre her und die letzte Staffel war schon gar nicht mehr erträglich. Wieso also ein Kinofilm? fragt man sich da. Normalerweise kommen Kinoverfilmungen dann zu Stande, wenn die Serie auf ihrem Höhepunkt steht (s. X-Files oder demnächst Sex and the City) - bei den Simpsons kann dies jedoch nicht der Fall sein, eher will man wohl versuchen die alte Liebe neu zu entflammen.

Zu dieser schweren Aufgabe wurden dann neben 15 (!) Autoren auch ein Budget von 75 Millionen Dollar veranschlagt. 2001 begannen die Arbeiten am Drehbuch und all dies ließ hoffen, dass The Simpsons Movie tatsächlich bestrebt war eine alte Liebe wieder zum Leben zu erwecken. Das Ergebnis lässt sich mit diesen Fakten im Hinterkopf nur als desaströs beschreiben. Der Film ist von seiner Länge her viermal so lang wie eine durchschnittliche Simpsons-Folge und bietet eine Handlung, wie sie so in etwa bereits in gut einem Dutzend Folgen im Fernsehen serviert wurde. Springfield steht am Rande einer Katastrophe und das Zünglein an der Waage ist wie immer Homer.

Selbstverständlich versiebt er es, wird fortan von der Bevölkerung gehasst und muss mit seiner Familie fliehen. Der Simpsonsche Road-Trip lässt sich in jeder einzelnen Staffel wiederfinden, sei es Brasilien oder Florida. Auch andere Elemente der Serie finden Einzug, Entfremdung von Marge und Bart zu Homer, ein love interest für Lisa und rabiate Action für Maggie. Das dabei andere liebenswerte Figuren (bsp. Mr. Burns oder Apu) zu kurz kommen, ist vorprogrammiert. So gut wie jeder darf zwar mal sein Gesicht ins Bild halten, aber dies funktioniert hier so wenig, wie es beim komprimierten Harry Potter dieses Jahr im Kino funktioniert hat. Hier wäre weniger mal wieder mehr gewesen und mancherlei Gastauftritte wie der von Green Day hätte man sich ebenso getrost schenken können.

Das alles ist jedoch nur halb so schlimm, hätte wenigstens die Komik gestimmt. Zugegebenermaßen fand ich fünf oder sechs Witze richtig gut, dass waren die alten Simpsons und auch die meisten der restlichen Witze befanden sich noch in dem Niveau des Zeitfensters der 8.-14. Staffel, aber wirklich gut/lustig waren sie auch nicht. Etwas zum Schmunzeln, aber nicht wirklich zum Lachen. Da kann man von 15 Autoren, u.a. Harvard-Absolventen, sicherlich mehr erwarten. Und fünf Lacher in einem Kinofilm machen diesen nicht zum Meisterwerk (wie das geht zeigt z.B. Hot Fuzz!).

Am Ende lässt sich sagen, dass The Simpsons Movie nicht schlechter ist wie jede andere Folge die Abends auf Pro Sieben läuft - wirklich gut (oder besser) ist er aber auch nicht und erreicht nicht mal ansatzweise die Klasse der ersten Jahre. So verkommt er zu einem Film, den keiner wirklich gebraucht hat und der so schnell aus dem Gedächtnis verschwindet, wie er darin Einzug erhalten hat.

3.5/10