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18. September 2010

Kurz & Knackig: US-Serien Teil IV

Better Off Ted - Season Two

Friendship. It’s the same as stealing.

Manche Serien haben es nicht leicht. Sie kämpfen und widersetzen sich, durchaus geschätzt, aber nicht wirklich angenommen. Better Off Ted ist so eine die-hard-Serie, deren Finalfolgen der ersten Staffel bereits ausgesetzt und schließlich in den Sommer verschoben wurden. Nach langem Hin und Her wurde die Sitcom von Victor Fresco doch für weitere 13 Episoden verlängert - nur damit sich das Spiel dann wiederholte. Die letzten zwei Folgen wurden nicht ausgestrahlt, die Serie dieses Mal nicht für eine weitere Staffel verlängert. Immerhin zeigte sich ABC kulant genug, die verbliebenen Folgen erneut im Sommer doch noch zu senden. Was umso erfreulicher ist, da sie sehr gelungen sind. Mit Better Off Ted verlässt nun eine Serie die Showbühne, die nicht nur Potential hatte, sondern dies bisweilen auch mehr als gekonnt zur Schau stellte. Letztlich war es aber wohl ihre Inkonsistenz, die ihr zum Verhängnis wurde - war der Wechsel zwischen „Durchschnitt“ und der Preisklasse darüber doch zu stark.

Bei Veridian Dynamics ist alles beim Alten. Immer noch arbeitet Ted (Jay Harrington) für seine Vorgesetzte Veronica (Portia de Rossi) - und manchmal auch gegen sie - um das Wohl der Entwicklungsfirma, die sich zuallererst einmal um sich selbst kümmern - und dann um niemanden mehr. Hier versuchen die nerdigen Wissenschaftler Phil (Jonathan Slavin) und Lem (Malcolm Barrett) sich an neuen nützlichen Erfindungen - wenn sie nicht gerade irrwitzige und eigensinnige Ideen in die Tat umzusetzen. Des Weiteren bleibt die sexuelle Spannung zwischen Ted und seiner Mitarbeiterin Linda (Andrea Anders) bestehen, die jedoch nie vollends kanalisiert wird. In der zweiten Staffel geht es dabei weniger um einfallsreiche Erfindungen wie noch im Vorjahr, sondern eher um bürokratische Eitelkeiten, wie vermeintliche sexuelle Belästigung (The Great Repression) oder die Freiheit, jeden zu beschimpfen (The Impertence of Communicationizing). Bedauerlicherweise nehmen sich gleichzeitig jedoch die Veridian-Dynamics-Werbespots etwas zurück.

Den Vorwurf der Durchschnittlichkeit muss sich die zweite Staffel von Better Off Ted über weite Strecken zu Recht gefallen lassen. Nur selten schöpft die Show ihr Potential vollends aus, obschon es jederzeit vorhanden wäre. Erkennbar machen dies Folgen wie It's My Party and I'll Lie If I Want To oder die nahezu perfekte Episode Change We Can’t Believe In. Leider knüpfen die übrigen Geschichten aber nicht an dieses Niveau an. Woher diese abweichende Qualität kommt, ist fraglich, letztlich scheint sie der Serie jedoch das Genick gebrochen zu haben. Insofern ist es nachvollziehbar, dass bei lediglich 2,5 Millionen Zuschauern zuletzt (weniger als die Hälfte, die noch die Pilot-Folge gesehen hatte) nun der Saft abgedreht wird bei Veridian Dynamics. Immerhin sind viele der Darsteller versorgt. Der sympathische Harrington wird neben Bill Pullman die Hauptrolle in der NBC-Serie Nathan vs. Nurture übernehmen und die brillante Portia de Rossi wartet auf den Arrested Development Kinofilm, der 2012 erscheinen soll.

7.5/10

Futurama - Season Six

As if Futurama has never been cancelled by idiots.

Was haben Matt Groenings Futurama und Seth MacFarlanes Family Guy gemeinsam? Beide wurden von der Fox Broadcasting Company abgesetzt und später wieder ins Leben gerufen. Während sich Family Guy wieder munter auf Fox austobt, wurde Futurama an Comedy Central weitergereicht. Nachdem die 16 Folgen der fünften Staffel in Form von 4 Filmen a 4 Episoden herausgebracht wurden (von denen eigentlich nur Bender’s Big Score als gelungen angesehen werden kann), kehrt die sechste Staffel zu klassischen Einzelepisoden zurück. In 12 Folgen dürfen nun also Fry, Leela und Bender wieder mit ihrem Planet Express Raumschiff durch die Galaxie fliegen und dabei nicht nur dem Ende der Erde, sondern auch den Beziehungsproblemen der Hauptfiguren ins Auge blicken. Hierbei kann vorab schon konstatiert werden, dass die Einzelauswertung der Serie sehr viel gesünder bekommt, als ihr letztjähriges Filmkonzept. Zwar ist Futurama nicht auf altem Niveau, aber etwas Nostalgie blitzt durchaus auf - good news everyone.

Die auffälligste Veränderung dürfte sich in der Beziehung zwischen Fry und Leela finden. Diese wird jedoch nicht kontinuierlich thematisiert, so dass in manchen Episoden der Eindruck entsteht, die Beiden wären nicht zusammen, während sie es in anderen Folgen ziemlich eindeutig sind. Das Hin und Her der Zwei ist dabei so nervig wie eh und je, wenn auch in abgeschwächter Form nun nicht mehr ganz so präsent. Ähnlich verhält es sich jedoch, als Bender in Proposition Infinity mit Amy gepaart wird, was zwar physisch keinen Sinn macht, dafür aber immerhin politisch verwertbar wird, wenn Verweise auf die kalifornische Proposition 8 eingespeist werden. Auch sonst werden kulturelle Aspekte aufgegriffen, beispielweise der Hype ums iPad in Attack of the Killer App oder Lolcat in The Darn Katz!. Ansonsten treibt es die Charaktere in Folgen wie In-A-Gadda-Da-Leela, The Duh-Vinci-Code oder A Clockwork Origin auf fremde Planeten, beziehungsweise in The Late Philip J. Fry in fremde Zeiten auf der Erde.

Ein Wiedersehen gibt es mit vielen der liebgewonnen Figuren wie Mom, Scruffy, Kif und Zapp Brannigan, bis hin zu Elzar, Calculon, Lrrr und Hypnotoad. Die Qualität der Folgen bewegt sich dabei wie angesprochen auf einem höheren Niveau als zuletzt Into the Green Wild Yonder, bleibt jedoch hinter den guten alten Zeiten der ersten Staffel zurück. Es ist der zweiten Hälfte der sechsten Staffel (bzw. der ersten Hälfte der sechsten Staffel) zu verdanken, dass sich Futurama noch in die Durchschnittlichkeit rettet, fielen gerade die kulturellen Episoden (Proposition 8/iPad) besonders schwach aus. Seinen Höhepunkt findet das sechste Jahr in A Clockwork Origin, wenn die Evolutionstheorie auf einem fremden Planeten mit Nanobots nachgespielt wird. Gastsprecher machen sich auch dieses Mal wieder rar, sieht man von George Takei ab, der inzwischen fast schon zur Requisite gezählt werden darf (dabei gäbe es ja Potential bei Comedy Central). Immerhin haben die verbleibenden 14 Episoden, die ab November bis 2011 ausgestrahlt werden, somit Luft nach oben.

7/10

True Blood - Season Three

Trash is as trash does.

Über True Blood sprach man ja zuletzt sehr häufig, nicht nur weil die beiden Hauptdarsteller Anna Paquin und Stephen Moyer erstens zusammen und zweitens verlobt sind, sondern wegen der Tatsache, dass die Paquin ihr Coming Out hatte - sozusagen. Bisexuell sei sie und irgendwie passte das ganz zu ihrer HBO-Serienfigur der Sookie Stackhouse. Diese ist im dritten Jahr besonders nervtötend, wenn sie ihr Gänseblümchen-Spiel mit Vampir-Lover Bill (Ich lieb ihn, Ich lieb ihn nicht, Ich lieb ihn, Ich lieb ihn nicht, ∞) bis(s) zum Erbrechen - ja, ich musste diesen lahmen Wortwitz nochmals auswälzen - fortführtt. Immerhin: HBO propagiertt im dritten Jahr weniger Sex, Sex, Sex (aber keine Sorge, die Paquin streckt dennoch ihre Titten in die Kamera) und dafür vermehrt: Gore, Gore, Gore. Süßer die Vampire nie zerspringen, als Umtextung des Weihnachtsklassikers. Es zerbersten die Vampire en masse in der dritten Staffel, wie auch sonst Schädel eingedroschen werden und sonstiger Splatter-Scheiß über den Bildschirm trifft. Geilo!

Man vergisst fast, dass es eine Handlung (lies: „Handlung“) gibt. Bill (Stephen Moyer) hält also um Sookies (Anna Paquin) Hand an, wird jedoch von Mississippis Vampirkönig Russell Edgington (Denis O’Hare) entführt - durch Werwölfe! Aber nein, kein Taylor Lautner ist am Start, dafür jedoch Joe Manganiello als Alcide - der Werwolf, dem die Frauen vertrauen. Es gibt ne Buchse voll neuer Figuren: Neben Alcide auch die Wer-Pantherin Crystal (Lindsay Pulsipher), die schwule Hexe Jesus (Kevin Alejandro) und Sam Merlottes (Sam Trammell) kleiner Bruder und Gestaltwandler Tommy (Marshall Allman). Man könnte fast meinen, normale Leute gibt es nicht mehr in Bon Temps und vermutlich denkt die emotional (und auch körperlich) total gefickte Tara (Rutina Wesley) genau dasselbe. Dabei kochen die Figuren meist ihr eigenes Süppchen. Jason (Ryan Kwanten) versucht sich als Hilfssheriff, Tara versucht, ihren soziopathischen Vampir-Stecher loszuwerden, Sam versucht, mit seiner white trash Familie zu Recht zu kommen und Sookie - egal.

Grob dem dritten Band Club Dead von Schriftstellerin Charlaine Harris folgend, ist die Haupthandlung die on-and-off-Beziehung zwischen Sookie und Bill, sowie Erics (Alexander Skarsgård) Versuch, sich an Russell Edgington, dem Mörder seines Vaters, zu rächen. Derweil folgen Nebenfiguren wie Lafayette (Nelsan Ellis), Hoyt (Jim Parrack) und Arlene (Carrie Preston) ihrer eigenen Story. Viele Nebenkriegsschauplätze, die ausgelutscht werden wie sonst etwas. Wofür Alan Ball hier zwölf Episoden braucht, hätte wieder mal locker in der Hälfte erzählt werden können. Am gelungensten ist da noch Everything Is Broken, aber auch das Staffelfinale Evil Is Going On gefällt - weil es so schlecht ist, dass es dank Trash-Faktor schon wieder unterhält. Wie sagt es Jason im Finale so schön: “Sometimes the right thing to do is the wrong thing. And I know I did the right thing“. Aber: True Blood steigert sich im Vergleich zur lahmen zweiten Staffel. Und wenn der Trash-Faktor des Staffelfinales fortlebt, wird das noch eine grandiose Serie. Trash is as trash does.

7.5/10

Entourage - Season Seven

I don't care if Justin Bieber calls and wants me to negotiate the rights to his virginity.

Wenn die Hauptfigur einer Serie - oder in diesem Fall: Sitcom - überflüssig wird, hat besagte Show ein Problem. Ein großes Problem. Dabei trat dies bereits in der sechsten Staffel auf. Als Hollywood-Star Vincent Chase (Adrian Grenier) zur „blassesten aller Nebenfiguren degradiert“ wurde. Weitere Urteile waren Perspektivlosigkeit und eine fehlende Handlung. Keine Erkältung, sondern wohl eher ein krebsartiges Geschwür. Quo vadis, Entourage? Serien-Schöpfer Doug Ellis verliert sich nicht nur in (s)einer Perspektiv-, sondern verstärkt in einer Planlosigkeit. Probleme werden gezwungen heraufbeschworen, aus Gründen, die nicht nur keiner kennt, sondern die im Grunde nicht nötig waren. Vinnies Karriere zog wieder an, Drama (Kevin Dillon) hatte seine Fernsehserie, Turtle seine berühmte Freundin Jamie-Lynn Sigler und Eric (Kevin Connolly) feierte Verlobung mit seiner großen Liebe, Sloan (Emmanuelle Chriqui). Was wünscht man sich mehr? Quoten. Produzent Marky Mark zwingt die Serie in zwei weitere Staffeln - und damit an den Abgrund.

Tabula Rasa also. Drama ist die TV-Show los, Turtle die Freundin und Vince die Rehabilitation. Das, was die Macher eine Handlung nennen, ist schnell umrissen. Drama versucht (s)eine neue Fernsehserie zu kreieren, schlägt das vermeintlich gute Exposé von Billy Walsh (Rhys Coiro) jedoch (vorerst) aus. Turtles eigenes Chaffeur-Unternehmen scheitert, auch wenn Ex-Fahrerin Alex (Dania Ramirez) ihn zwischen ihre Beine und zu einer mexikanischen Tequila-Firma führt. Eric wiederum verliert sich in Eifersüchteleien zwischen seinem Kollegen Scott (Scott Caan) und Vince. Und Letzterer beginnt eine Liaison mit Porno-Darstellerin Sasha Grey und startet eine Karriere als Kokssüchtiger. Last but not least wäre da noch Ari (Jeremy Piven) zu nennen, der eigentlich nur eines will: Sein eigenes L.A.-Football-Team. Doch seine ehrgeizige Agentin Lizzie Grant (Autumn Reeser) macht ihm einen Strich durch die Rechnung - indem sie und Aris Nemesis Amanda Daniels (Carla Gugino) ihn zerstören wollen.

Die meisten dieser Handlungsstränge werden früh eingeführt und stagnieren dann bis zum bitteren Ende. Ein mühseliges Szenario, das durch die wachsende Animosität gegenüber Vinnies Figur noch anstrengender wird. Da hilft auch nicht, dass Ellis mit Namen wie John Stamos, Nick Cassavetes, Peter Berg, Jessica Simpson, Christina Aguilera, Sean Combs, Eminem, John Cleese oder US-Sport-Gesichtern wie Mark Cuban, Chris Bosh und Co. versucht das Showbusiness vertretbarer zu machen. Es tut weh, den sich bemühenden Ari leiden zu sehen. Und es schmerzt noch mehr, wenn eine unsympathische Figur wie E plötzlich zu den Sympathischen zählt. Nach annehmbarem Start driftet Entourage in seiner siebten und schwächsten Staffel in die Bedeutungslosigkeit ab. Stunted und Dramedy sind noch die gelungeneren Folgen, während die grausige zweite Hälfte und die Ankündigung, dass die achte (und letzte Staffel) wohl nur über sechs Folgen verfügt, ein rasches Ende nur umso schneller herbeisehnen lässt.

7/10

Covert Affairs - Season One

Blind guy leading you around the CIA. Insert ironic joke here.

Mit Ende des Kalten Krieges schien auch der Bedarf an Spionage-Filmen zurück zu gehen, auch wenn Martin Campbell 1995 Pierce Brosnan in GoldenEye erneut auf die Russen losließ. Dass der von Matt Damon verkörperte Jason Bourne dem Genre neues Leben eingehaucht hat, lässt sich leider nicht leugnen, obschon die Bourne-Reihe selbst eher … lassen wir das. Auch dieses Jahr tummeln sich wieder Spezial- und Geheimagenten in der Filmwelt, sei es Tom Cruise in Knight & Day oder Angelina Jolie in Salt. Es verwundert also nicht sonderlich, dass Bourne Identity-Regisseur Doug Liman, zugleich auch verantwortlich für die Agenten-Action-Komödie Mr. and Mrs. Smith, als ausführender Produzent der Agenten-Serie Covert Affairs auf dem Fernsehsender USA Network fungiert. Über fünf Millionen Amerikaner begeisterten sich wöchentlich für die Serie, in der Altersgruppe zwischen 18 und 49 war Covert Affairs sogar Spitzenreiter bei den Produktionen fürs Kabelfernsehen.

Der ausschlaggebende Sichtungsgrund findet sich in Piper Perabo. Die Coyote Ugly-Darstellerin verkörpert CIA-Rookie Annie Walker, die von der Ausbildung direkt ins kalte Wasser in Langley geworfen wird. Hier trifft sie auf Augie (Christopher Gorham), einen blinden Technik-Spezialisten, und auf ihre Vorgesetzte Joan Campbell (Kari Matchett), die mit dem Abteilungsleiter Arthur Campbell (Peter Gallagher) verheiratet ist. Zur CIA trieb die Sprachwissenschaftlerin Annie eine verflossene Liebe. Zwei Jahre zuvor hatte sie in Sri Lanka den charmanten Ben Mercer (Eion Bailey) kennen und lieben gelernt. Doch nach wenigen Wochen verschwand dieser eines Morgens. Eine Beziehung, von der die CIA weiß, war Mercer doch einst selbst Agent, der inzwischen untergetaucht ist. Annie wird fortan zumindest unterschwellig als Spielball benutzt, um Mercer aus der Reserve zu locken, der seiner eigenen Agenda folgt, die sich immer öfter mit Annies Missionen kreuzt. Dass ein Maulwurf Interna an die Presse verrät, hilft dabei wenig.

In elf Episoden darf sich Annie nun in In- und Auslandsmissionen behaupten, dabei neben Augie primär Unterstützung erfahrend durch Kollege Jai Wilcox (Sendhil Ramamurthy), der nach der Pilotfolge Eric Livelys identisch aufgebauten Conrad Sheehan ersetzt. Ansonsten wartet die Serie mit Nebenfiguren wie Emmanuelle Vaugier als Journalistin mit internen Informationen und kleineren Gastdarstellern wie Oded Fehr (The Mummy), Sienna Guillory (Eragon), Eriq La Salle (ER), Lauren Holly (Dumb and Dumber) oder Anna Chlumsky (In the Loop) auf. Nun reißt Covert Affairs bei weitem keine Bäume aus und an sich findet sich die gelungenste Episode bereits in Pilot, dem Serienauftakt. Was Limans Serie dafür auszeichnet, ist ihre durchschnittliche Konstanz und insbesondere das harmonisch-sympathisch aufspielende Duo Perabo und Gorham. Gerade Letzterer verkörpert den blinden Augie durchaus überzeugend, was für manch schwach ausgearbeitete Handlung entschädigt. Kein Wunder also, dass die Serie eine zweite Staffel erfährt.

7/10

22. Oktober 2009

Futurama - Season One

Bite my shiny metal ass!

Welche Möglichkeiten stehen einem talentierten Mann wie Matt Groening offen, wenn er mit The Simpsons eine der pop-kulturellen Serien schlechthin erschaffen hat? Natürlich eine neue pop-kulturelle Serie zu kreieren. Mitte der neunziger Jahre überlegte sich Groening die Basiselemente für seine Sci-Fi-Sitcom Futurama, die schließlich 1999 das Licht der Welt erblickte. Groening kämpfte hart dafür, dass er innerhalb der Show dieselben kreativen Freiheiten besaß, wie sie Fox seiner Zeit den Simpsons gewährte. Bis 2003 wurden vier Staffeln ausgestrahlt, ehe die Serie letztlich nach über achtzig Folgen eingestellt wurde. Zuletzt wurden vier Direct-to-DVD-Filme produziert, die jeweils ein Handlungsszenario von vier Folgen umspannt. Das Ergebnis ist nur leidlich gelungen und erklärt, weshalb etwaige Sender inzwischen vorziehen, die vier Filme im Folgenformat als fünfte Staffel auszustrahlen. Immerhin liefen die DVD-Verkäufe derart gut, dass eine neue Staffel geordert wurde, was Futurama nach Family Guy zur zweiten Fox-Serie macht, die nach ihrer Einstellung wieder ins Leben gerufen wurde.

Die Prämisse der Serie ist im groben identisch mit der von Mike Judges Idiocracy. Ein scheinbarer Loser der Gegenwart wird durch kryonische Maßnahmen eingefroren und wacht schließlich in der Zukunft wieder auf. Groenings und Judges Visionen unterscheiden sich jedoch darin, dass Luke Wilsons Figur nun der schlauste Mensch der Welt ist, während Groenings Fry weiterhin denselben Status als Idiot und Loser inne hat wie 1999. Als Fry schließlich eintausend Jahre später aufwacht, muss er sich in der Pilotfolge Space Pilot 3000 damit auseinandersetzen, dass er auch in der Zukunft nur ein Lieferjunge ist. Gemeinsam mit der Zyklopin Leela und dem Roboter Bender heuert Fry schließlich beim Paketlieferdienst seines in die Jahre gekommenen Nachfahrens Prof. Farnsworth an. Die dreizehn Folgen der ersten Staffel konzentrieren sich dann primär auf die Kollisionen von Leelas pflichtbewusstem Charakter mit Frys Nichtsnutzerei und Benders anarchischem Lebensstil. Genauso wenig wie The Simpsons verfügt auch Futurama über eine Art roten Faden, sieht man von Frys Akklimatisierung in der Zukunft einmal ab.

Die Serie ist durchzogen mit pop-kulturellen Anspielungen an Vertreter aus Film, Fernsehen und Literatur. Einige Folgen wie Mars University widmen sich etwas expliziter (hier Animal House) ihren Genrevertretern, andere wie When Aliens Attack mit einer Anspielung auf Independence Day dagegen eher kurz. Doch eine Groening-Serie wäre keine Groening-Serie, wenn er nicht auch etwas Sozialkritik üben würde. Am deutlichsten wird dies wohl in A Big Piece of Garbage, wo die Müllpolitik der New Yorker Stadtbevölkerung – stellvertretend für die ganz Amerikas oder generell wohl auch der Welt – an den Pranger gestellt wird. Weitere Anspielungen finden sich zudem durch etwaige Gastauftritte, die hauptsächlich durch die am Leben erhaltenen Köpfe (ehemaliger) Berühmtheiten verkörpert werden (u.a. Pamela Anderson, die Beastie Boys). Alle hier angesprochenen Eigenschaften der Serie – die Medienreferenzen, Sozialkritik, Gaststars – sollten in den kommenden drei Staffel nochmals zunehmen und dazu beitragen, Futurama neben Shows wie The Simpsons oder South Park zu etablieren.

Allerdings ist in der ersten Staffel noch nicht alles Gold was glänzt. Zwar unterhalten alle Folgen, wobei sich die meisten eher im leicht überdurchschnittlichen Bereich befinden. Neben dem Piloten Space Pilot 3000 sind es lediglich Love’s Labours Lost in Space und Fry and the Slurm Factory die wirklich herauszustechen vermögen. Mit Hell is Other Robots hingegen erreicht die Serie ihren „Tiefpunkt“ (die Folge selbst ist grundsätzlich aber nicht schlechter als vier, fünf andere). Für eine Auftaktstaffel ist das recht ordentlich und der Einbezug von Figuren wie Zapp Brannigan, Kiff, Mom oder Calculon sollte sich auch Jahre später noch bezahlt machen. Es ist jene erste Staffel, die noch relativ zaghaft mit ihrer Umwelt umgeht. Bender ist weitaus freundlicher und romantischer, als man ihn später antreffen wird und die Zuneigung von Fry zu Leela taucht bis auf A Flight to Remember glücklicherweise auch nicht sonderlich auf. Alles in allem eine gelungene Serie, die ihren Platz im Fernsehen gefunden hat.

7.5/10

5. April 2009

Futurama: Into the Wild Green Yonder

Protecting the environment IS a crime.

Nun ist es soweit und aller Voraussicht nach ist Futurama zu ihrem Ende gekommen. Die fünfte Staffel, die in Form von vier DVD-Verfilmungen erschienen ist, fand mit Into the Wild Green Yonder ihren Abschluss. Einen sehr betrüblichen Abschluss, denn ein derartig flaches, uninspiriertes, lustloses und unlustiges Finale hätte man der Serie weder gewünscht noch zugetraut. War die Serie einst frisch und witzig, wirkt sie nunmehr alt und vertrocknet. Abgesehen von Bender’s Big Score konnte keiner der Filme überzeugen, selbst wenn Bender’s Game nochmals eine Verbesserung gegenüber dem schon enttäuschenden The Beast With A Billion Backs darstellte.

Die große Thematik der letzten vier Abenteuer ist der Umweltschutz. Ein aktuelles Thema, nicht zuletzt durch die von Prominenten geförderten Dokumentarfilme An Unconveniant Truth und The Eleventh Hour. Die Polkappen schmelzen, die globale Erwärmung findet statt und das Ozonloch wächst. Unsere Erde selbst ist von Müll umzingelt, quasi einer eigenen kleinen Müllatmosphäre, bestehend aus Satelliten und Raumschiffschrott. „Take that you stupid mother nature“, erklärt da Leo Wong, Amys Vater, als er plant Planeten und deren Lebensformen in die Luft zu jagen, um einen intergalaktischen Minigolfplatz zu errichten. Das können und wollen sich eine Gruppe von radikalen feministischen Ökos, angeführt von Leela, nicht gefallen lassen. Als „Feministas“ werden sie zu Untergrundrebellen, die es mit dem Großindustriellen aufnehmen.

Da hat man sie, die sozial- und politikkritische Komponente des Filmes. Auf Kosten jeglicher amüsanten Szene, denn weder Leela noch ihre „Feministas“ sind sonderlich unterhaltsam. Daher wurde wohl der Subplot um Fry eingebaut, der nach einem unglücklichen Zusammenstoß die Gedanken seiner Mitmenschen lesen kann (und letztlich – wie so oft – als Retter der Erde hochstilisiert wird). Im Westen nichts Neues und das wenn dann nur sehr oberflächliche Konzept wird runtergespult ohne wirkliche Emotion. Nach fünfzig Minuten wird es kurz lustig, doch hält dieser Moment nur einige Minuten, ehe Into the Wild Green Yonder erneut in seinem lustlosen Abgrund verschwindet.

Es wirkt so, als wäre der gesamte Film ein sehr gezwungenes Projekt. Etwas, zu dem man vertraglich verpflichtet war, obwohl man zum einen keinen Elan hatte eine neue Geschichte zu erzählen und zum anderen nicht wusste, was und wie man es dann zu erzählen hätte. So wird wieder mal die Robotermafia eingebaut, Hypnotoad, Scruffy und natürlich Zapp Brannigan – ohne das eine dieser Figuren eine höhere Funktion hätte, als einfach nur im Bild zu sein. Im Prinzip sind sie nichts als leere Hüllen und gesellen sich dadurch hervorragend zu den anderen, etablierten Charakteren wie Fry und Bender. Man platziert sie in dutzende kleine Szenerien, die nichts mit einander zu tun haben und für sich genommen keinen Sinn ergeben. Wenn man wissen möchte, wie man ein Denkmal zerstört, kann man es hier beobachten.

Hinsichtlich des Endes war klar, dass Fry und Leela nun endlich zusammengeführt werden müssen. Ein absehbares Ereignis, welchem sich die Macher – so behaupteten sie zumindest 2008 – entsprechend nähern wollten. In Into the Wild Green Yonder verkommt dies dann zu einem „I love you, Leela“ und einer Erwiderung von dieser gegenüber dem schuseligen Zeitreisenden. Warum sollte man auch näher darauf eingehen, dass die Einäugige nun ihren Schwarm endlich in ihr Herz schließt? Immerhin hat man sich nicht die Mühe gemacht, in den achtzig Minuten zuvor irgendetwas auf irgendeine Weise den Zuschauern näher zu bringen. Zwar verfügt der Abschluss der Serie über den einen oder anderen Lacher (viele allein durch Snoop Doggs Auftritt), aber für Futurama-Verhältnisse ist dieses „Finale“ einfach nur blamabel und eine Schande. Vielleicht hätte man doch auf diese Form der fünften Staffel verzichten sollen.

3/10

18. November 2008

Futurama: Bender’s Game

I didn’t see it coming.

Ich könnte ja jetzt wieder anfangen wie groß doch Matt Groening und wie lange er schon im Geschäft ist. Dass er The Simpsons erschaffen hat und auch Futurama. Und sowieso und überhaupt. Aber das war ja bereits meine Einleitung zu Bender’s Big Score und The Beast with a Billion Backs. Von daher kann man sich das auch schenken. Nur soviel: die fünfte Staffel von Futurama neigt sich dem Ende zu. Anstatt 16 Episoden regulär auszustrahlen, hatten die Macher die Idee, vier Filme zu produzieren, die aus jeweils vier Folgen bestehen würden. Mit Bender’s Game erschien nun der dritte und vorletzte dieser Filme. Im Gegensatz zu TBWABB knüpft der Film jedoch nicht unmittelbar an seinen Vorgänger an, sondern bewegt sich auf eigenständigem Terrain. Zum Inhalt wird dunkle Antimaterie gesetzt, deren Monopol Mom und ihre drei missratenen Söhne besitzen. Die Preise steigen exorbitant, zu verdanken einem ominösen Kristall, der sich in Moms Besitz befindet. Erschaffen hatte diesen einst Prof. Farnsworth, ebenso wie einen Gegenkristall. Ziel der „Planet Express“-Crew und somit des Filmes ist es, beide Kristalle zusammen zu führen, damit Mom Einhalt geboten werden kann. Außerdem fließen auch noch Leelas ungezügelte Aggressionsschübe in die Handlung mit ein, wie auch die Rasser der Nibbler Teil im Geschehen findet. Seinen Titel nimmt der Film jedoch von Benders Abenteuer, welches sich im Grunde von dem der Anderen unterscheidet. Als Cubert und Dwight mit Freunden Dungeons & Dragons spielen, muss Bender die Erkenntnis machen, dass er keine Vorstellungskraft hat. Nach starken Bemühungen verliert sich Bender letztlich in seiner eigenen Phantasiewelt. Eine zusätzliche Handlung, welche die zwölfte Folge ausmachen soll.

Im Vergleich zu den beiden vorherigen Filmen ist Bender’s Game inhaltlich mehr als schwach. Schlimmer noch, er eigentlich gar keine richtige Handlung und wirkt mehr als zusammengeschustert. Am deutlichsten wird dies durch die beiden parallel stattfindenden Handlungen von Leela, Fry und dem Professor einerseits, sowie Bender andererseits. Seine Klimax findet das ganze dann in der Phantasieepisode, die grundsätzlich nicht mehr ist, als ein Abklatsch von Peter Jacksons Lord of the Rings, gewürzt mit einigen Dungeons & Dragons-Anspielungen. Es sind ohnehin die filmischen Referenzen, die den neuesten Futurama-Film auszuzeichnen wissen. Neben Lord of the Rings werden auch The Jetsons, 2001: A Space Odyssey, One Flew Over the Cuckoo’s Nest oder The Fly referiert. In jenen Anspielungen finden sich auch die Höhepunkte des Filmes, der sonst wenig bis gar nichts zu bieten hat. Allen voran natürlich die Sequenz im HAl Institute for Criminally Insane Robots. Ich könnte immer noch schwören, dass der Psychiaterroboter von Alan Rickman synchronisiert wird. Hier findet sich auch die gelungene Wiedervereinigung mit Roberto, in der amüsantesten Szene von Bender’s Game, die mich sicherlich eine geschlagene Minute lang hat Lachen lassen. Neben Cubert und Dwight kehren auch die in TBWABB noch vermissten Scruffy (allerdings nur kurz) und Morbo zurück. Auch Nibbler und seine Brüder bilden mit Mom und ihren Söhnen einen essentiellen Teil der Geschichte. Dafür muss man dieses Mal auf Kiff, die Robotermafia und erneut Hypnotoad und all die anderen Nebenfiguren verzichten. Dass sich jedoch nicht alle Figuren des Universums auf eine Folge oder einen Film vereinen lassen, ist nachvollziehbar und verständlich.

Dass es ebenso schwer ist, vier Folgen zu einem funktionierenden Film zu vereinbaren, ist auch klar. Aber man hätte sich hier weitaus mehr Mühe geben können und müssen. Diese Versatzstücke verschiedener Handlungselemente wollen sich nicht so recht zu einem glaubwürdigen Gesamtbild zusammenfügen. Das gelingt ja selbst der durchschnittlichen Family Guy-Folge besser und das mag was heißen. So drängt sich auch der Vergleich mit Family Guy dieses Mal sehr auf, denn abgesehen von einigen – zugegeben durchaus gelungenen – Momenten animiert Bender’s Game nicht wirklich zum Lachen, geschweige denn zum Unterhalten. Hatte ich bei TBWABB noch darauf gehofft, hier eine stringente Geschichte präsentiert zu bekommen, wurde ich bitter enttäuscht. Alle Entwicklungen innerhalb des Filmes wirken gezwungen und aufgesetzt. Nur selten erreicht der Film wirklich den Standard von Futurama und ist daher als Enttäuschung anzusehen. Diesmal will ich aber die Hoffnung äußern, dass Into the Wild Green Yonder als Abschluss des Futurama-Franchises eine Steigerung darzustellen vermag. Zudem sollte das gewählte Ende für alle Figuren – speziell natürlich Fry und Leela – möglichst authentisch innerhalb des Groening’schen Universums sein. Letztlich hebt sich Bender’s Game dann tatsächlich über TBWABB, weniger wegen der eigentlichen Handlung, sondern einzig und allein deswegen, weil er öfters zum Lachen animiert, als es dem Vorgänger gelungen war.

5.5/10

15. August 2008

Futurama: The Beast with a Billion Backs

What’s going on here? I was told there’d be sugar syrup.

Unter den Zeichentrickgestaltern Amerikas ist er vielleicht gemeinsam mit Walt Disney einer der großen der Großen: Matt Groening. Seit Jahren wird seine Tochter-Serie The Simpsons mit Preisen überschüttet und gelobt ob ihrer ständigen pop-kulturellen Referenz. Im Windschatten von den gelben Springfeldianern erschuf Groening im Jahr 1999 dann schließlich noch Futurama. Die Serie um Philip J. Fry spielt wie der Titel es erahnen lässt in der Zukunft. Vier Staffeln liefen seiner Zeit auf Fox, ehe man die Serie inoffiziell absetzte. Doch es gab letztes Jahr eine gute Nachricht für alle Fans: Futurama erhielt eine fünfte Staffel. Diese wird zwar nicht im Fernsehen ausgestrahlt und ist im weitesten Sinne nicht einmal eine Staffel, aber darüber tröstet man sich hinweg. Vier Filme in Form von vier zusammenhängenden Folgen wurden produziert und im Abstand von einigen Monaten veröffentlicht. Der erste dieser vier Filme war Bender’s Big Score und beschäftigte sich mit nackten Aliens, welche mit Hilfe von Bender und Fry die Schätze der Vergangenheit raubten. Grundsätzlich gesehen war BBS ein Konglomerat von verschiedenen Themen innerhalb der Serienstruktur. Mehrfach reiste man in der Zeit (erst so kommt das Grundgerüst der Serie ja zu Stande) und mehrfach wurde die Beziehung zwischen Fry und Leela thematisiert. Trotz ihrer Redundanz gelang es BBS durch viele geniale Einfälle über seine gesamte Lauflänge zu unterhalten, auch wenn der Versuch vier Folgen zu einem zusammenhängenden Film zu vereinbaren als gescheitert angesehen werden muss. Der zweite Film und die nächsten vier Folgen der fünften Staffel finden sich nun also in The Beast With A Billion Backs, eingeleitet von einer sehr liebevollen Steamboat Willie-Referenz.

Inhaltlich knüpft der zweite Film direkt an den ersten an. Das Loch zwischen den Galaxien, das von Bender hervorgerufen wurde, ist immer noch da. Insofern wird eine Brücke zwischen Folge 1 und Folge 8 geschlagen und eine gewisse Stringenz innerhalb der „Staffel“ bewahrt. Der Beginn des Films erinnert an Star Trek: Generations, findet doch eine Hochzeit zweier Mitglieder statt. Amy und Kif heiraten, doch dieses Ereignis ist im Grunde unwichtig für den Verlauf der Handlung. Ein anderen Paar ist von größerer Bedeutung: Fry und seine neue Freundin Colleen (gesprochen von Brittany Murphy). Als Fry mit Colleen zusammenzieht, stellt er fest, dass diese polygamisch veranlagt ist. Neben ihm selbst unterhält sie noch drei weitere Beziehungen, was Fry letztlich zu dumm wird. Deprimiert sucht er Selbstmord und strebt diesen mit Hilfe eines Übergangs durch das Galaxieloch an. Bender hingegen krönt sich zu Calculons Stalker und steigt dadurch in die Liga der Roboter auf, ist jedoch enttäuscht, dass man nicht das Ende der Menschheit forciert. Jenseits dieser Galaxie trifft Fry dann schließlich auf das übernatürliche Wesen, welches sich selbst Yivu nennt. Als dieses versucht mit seinen Milliarden von Tentakeln die Erde zu besetzen, müssen Leela und die anderen um ihr Leben kämpfen. Auch in TBWABB finden sich etliche Ansätze aus der Serie wieder, zu Beginn beispielsweise Frys Pech mit seinen Freundinnen. Während Colleen sich wie die Faust aufs Auge präsentiert, scheitert die Beziehung letztlich an ihrem Ursprung. Im Angesicht eines nahenden Todes hatten sich Fry und Colleen gefunden – wie auch Colleen und ihre anderen Liebhaber. Dabei spielt die Beziehung der beiden praktisch nur in Folge Fünf eine Rolle und zwar die des Auslösers für Frys Flucht. Hier findet sich immerhin eine bessere Wahl, als zum x-ten Male Leela diesen Auslöser anzudichten.

Im Gegensatz zu Bender’s Big Score verliert sich The Beast With A Billion Backs aber zu sehr in Einzelheiten. Viele kleine Puzzlestücke wollen kein wirklich funktionierendes Bild ergeben. Das Loch in der Galaxie bildet den Aufhänger zu Beginn, wird dann aber außer Acht gelassen nachdem man versucht hat Bender hindurch zu schicken. Bender wiederum krönt sich zu Calculons Stalker, tritt in die Liga der Roboter ein, will die Menschheit zerstören, dann aber wieder doch nicht. Für die meisten der Figuren (Amy, Prof. Farnsworth, Dr. Wernstrom) findet sich eine Nebenhandlung, die sie gelegentlich ins Zentrum rücken lässt, andere Figuren, darunter Hermes und Leela, tauchen diesmal fast vollständig unter. Die Motivation von Fry und Bender wirkt dabei insbesondere zu gezwungen, viel zu ad hoc und grundsätzlich ins Leere verlaufend. Dabei ist die Figur von Yivu und ihr Einbezug in die Geschichte nicht einmal schlecht. Der Fokus hierauf in der siebten Folge ist sicherlich gelungen, wobei nicht wirklich der Charakter von Yivu deutlich wird. Er ist einsam, durchaus, die Frage, wieso ein so einsames Wesen, fernab von jedwedem Kontakt, im Stande ist so anspruchslos zu lieben, wird von den Machern nicht beantwortet. Auch die Tatsache, dass Yivu scheinbar einst Pate stand, für die menschliche Vorstellung des Himmels, zieht in ihrer Konsequenz nach sich, dass bereits Kontakt zwischen Yivu und der Erde stattgefunden hat.

Unter dem Strich gesehen lässt sich die über-Thematik von The Beast With A Billion Backs als die Liebe ausmachen. Yivu sehnt sich nach Liebe und er schenkt zugleich Liebe. Zudem dreht sich in den Beziehungen von Fry und Amy alles um die Liebe, letztlich auch in Benders Hass-Liebe zur Menschheit respektive Fry. Doch die Bedeutungsschwere dieser Liebe vermag es leidlich die vier Folgen zusammen zu halten. Während in Bender’s Big Score eine gewisse kohärente Stringenz vorhanden war, lässt der zweite Film dergleichen vermissen. Es finden sich selbstverständlich wieder einige sehr gelungene Ideen und Anspielungen, allein durch die Beteiligung von Brittany Murphy und Stephen Hawking (der sich selbst spricht), aber besonders in den letzten drei Folgen beziehungsweise Vierteln sind diese gelungenen Momente rar gesät. Immerhin finden nunmehr auch andere Figuren des Futurama-Kosmos Einzug in das Geschehen. Während sie im ersten Film noch fehlten, tauchen Calculon und Lrrr dieses Mal auf. Besonders Calculon kommt eine größere Rolle zu. Verzichten muss man jedoch auf Nibbler, Hyperchicken, Scruffy und wieder einmal Cubert Farnsworth. Gerade wo letzterer abgeblieben ist, wäre durchaus eine Thematisierung wert. Die bisherige Entwicklung und bestehende Ankündigung deutet allerdings darauf hin, dass so ziemlich jede Figur der Serie in einem der Filme zum Einsatz kommen wird. Insgesamt lässt sich jedoch sagen, dass der zweite Futurama-Film im Vergleich zum Vorgänger stark abbaut. Die Handlung hätte im Grunde genauso gut in eine einzelne Episode gepasst, besonders die Szenen mit der Liga der Roboter wirken viel zu gedehnt. Als nette Kost für zwischendurch eignet sich für Fans auch The Beast With A Billion Backs, aber eine besondere Erwähnung im Kanon der Serie verdient er nicht. Immerhin verspricht Bender’s Game eine eigenständige Geschichte.

5/10

4. Dezember 2007

Futurama: Bender’s Big Score

Stupid naked aliens.

Eine der großartigsten Zeichentrickserien ging vor vier Jahren bedauerlicherweise zu Ende. Die Rede ist von Matt Groenings Futurama, der Schwesterserie der Simpsons, welche den Abenteuern des kryonisch eingefrorenen Philip J. Fry im Jahr 3000 folgte. Dort traf er auf die einäugige Pilotin Leela und dem anarchistischen Roboter Bender, mit welchen er gemeinsam für seinen entfernten Neffen Professor Hubert Farnsworth einen Paketlieferservice leitete. Die Serie schaffte es dann schließlich von 1999 bis 2003 über vier Staffeln zu 72 Episoden, mit wiederkehrenden Figuren wie Dr. John Zoidberg, Amy Wong, Hermes Conrad oder so liebenswürdige Charaktere wie Elzar, dem vierarmige Chefkoch, Lrrr, Herrscher des Planeten Omicron Persei 8 oder dem verruchten Weltraum Major Zapp Brannigan. Da die Folgen auf dem US-Fernsehsender FOX jedoch immer wieder durch Sportsendungen unterbrochen wurden, entschied man sich im Jahr 2003 die Produktion der Serie einzustellen, auch wenn die Serie nie offiziell eingestellt worden ist. Dieses Jahr kam jedoch auf DVD ein knapp anderthalb Stunden dauerndes Abenteuer heraus, welche laut Groening der erste von vier Filmen ist, welcher jeweils vier Episoden umfassen soll, sodass indirekt eine fünfte Staffel mit sechzehn Episoden produziert wird.

Zu Beginn des Films eröffnet Prof. Farnsworth die Neuigkeit, dass mit der Einstellung des Lieferservices von Seiten der BOX Company ein Fehler gemacht wurde, welchen die neue Direktion eingesehen hat und die alten Produzenten zu Torgo’s Executive Puder verarbeitet hat, welches sich für alles verwenden lässt. Bei der daraus resultierenden Feier köpft sich Hermes bei einem Limbo-Wettkampf bedauerlicherweise selbst und verliert nicht nur seinen Kopf, sondern auch seine Frau. Fry, Leela und Bender haben derweil ein anderes Problem, denn bei einer Lieferung auf dem Planeten der FKK-Strände wurde die gesamte Crew Opfer von Spam-Mail-Vertretern. Wieder in Neu-New-York angekommen wird Bender dadurch prompt anfällig für einen Virus, den er sich runterlädt und im Glauben die spanische Lotterie gewonnen zu haben, überschreibt Prof. Farnsworth schließlich das Planet-Express-Unternehmen dem nackten Alien Nudar und seinen beiden Spießgesellen. Diese machen schließlich eine Bender-Tätowierung auf Frys Hinterteil ausfindig, welche die Daten des Zeit-Raum-Kontinuums enthält, sodass Nudar Bender endlos in die Vergangenheit reisen lässt, um die Schätze der Welt zu rauben. Währenddessen verliebt sich Leela in den dusseligen Lars, der im Kopf-Museum nach Charles de Gaulle und anderen Persönlichkeiten sieht.

Der Humor von Bender’s Big Score hält sich die Waage, wahrhaft geniale Momente finden ihr Pendant in recht lahmen Szenen, die Mehrheit des Filmes entspricht jedoch dem Serienniveau. Dabei ist der Futurama-Film kein Film als solcher und darf deswegen nicht mit dem desaströsen Simpsons-Film verglichen werden. Bender’s Big Score ist an sich nur eine Aneinanderreihung von vier inhaltlich zusammenhängenden Folgen und dient dem höheren Ziel mit drei weiteren Filmen eine indirekte fünfte Staffel zu formen. So gesehen ist das Projekt von Matt Groening durchaus gelungen, auch wenn viele Ideen wie das der Zeitreise bereits mehrfach in der Serie thematisiert wurden. Es werden jedoch einige nette – für sich genommen jedoch unwichtige – Analogien zu Hintergründen in der Serie getroffen. Auch die Verweise zu Star Wars und Terminator sind recht gelungen. Im zweiten Akt gehen einem Nudar und seine beiden Kumpel dann doch langsam auf die Nerven, weswegen der Übergang zum dritten Akt nicht schnell genug erfolgen kann. Auch die zweite große Thematik des Filmes, die „Liebes“-Geschichte zwischen Fry und Leela wurde schon zum Erbrechen in der Serie thematisiert, sodass man mitunter den Eindruck hat, dass den Machern die Ideen ausgegangen zu sein scheinen (was die Einstellung der Serie „rechtfertigen“ würde).

Die meisten Charaktere des Futurama-Universums finden Einzug in diesen Film, darunter natürlich Zapp Brannigan und Kiff, aber auch Elzar, Mr. Panucci, die Nibbler, die Robotermafia und Robot Santa, sowie Al Gore und Richard Nixon, Scruffy, Hypnotoad und Morbo, der morbide Nachrichtensprecher. Andere großartige Figuren wie Calculon, ebenjener Lrrr, Flexo, Leonard Nimoy oder Slurm MacKenzie fehlen leider – vielleicht tauchen sie jedoch in einem der anderen drei Filme auf. Bedenkt man, dass die großen Themen des Filmes etwas ausgelutscht sind (und dies auch an manchen Stellen erkennen lassen), ist Bender’s Big Score dennoch ein gelungener Film, der ebenjenen Charme besitzt, welcher den Simpsons bei ihrer Verfilmung abgegangen ist. Für Fans der Serie ist dieses Werk jedoch sicherlich ein Muss, dass mit Gastsprechrollen von Al Gore, Mark Hamill und Coolio (kennt den noch einer?) aufzuwarten weiß und die Wartezeit auf die übrigen drei Filme, bzw. den nächsten nur noch schlimmer macht. Matt Groening darf sich jedoch seines Platzes in den Zeichentrickannalen fraglos sicher sein.

7.5/10