29. Januar 2008

Talk To Me

Wake up, goddammit!

Wer kennt sie nicht, die Radiomoderatoren, die zwischen den Musikeinspielungen für Unterhaltung sorgen (sollen). Im Gegensatz zu Fernsehmoderatoren haben sie in den wenigsten Fällen ein Drehbuch vor sich liegen oder einen vorgegebenen Text und sprechen daher frei nach Schnauze. Es ergibt sich daraus von selbst, dass nicht jeder Mensch zum Radiomoderator geboren ist, schließlich gilt es seine Hörer, zu denen man keinen direkten Kontakt hat, auf der Sendefrequenz zu halten. Seinen Höhepunkt hatte das Radio ohne Frage in den Zeiten, als es noch keinen Fernseher gab, bzw. sich diesen nicht jeder leisten konnte. Dagegen war ein Transistorradio billiger zu haben und stellte oftmals den einzigen Kontakt zur Außenwelt dar, sprich es hielt Informationen nicht nur über die Stadt, sondern auch über das Land parat. Und wie in den meisten Medien gibt es auch immer wieder im Radiowesen solche Menschen, die als Provokateure dienen, in den häufigsten Fällen weil sie gegen das Establishment vorgehen. Welche Bedeutung da für die Masse ein Radiomoderator haben kann, bzw. inwiefern es einer solchen Person oftmals gelingt Menschen gegen sich aufzubringen, wurde bereits in Verfilmungen von einschlägigen Erfahrungen einiger Radiomoderatoren aufgezeigt. Egal ob es sich dabei um einen bloßen exzentrischen Spaßmacher wie Howard Stern in Private Parts handelt, oder um jemanden wie Alan Berg, der durch seine sozial-gesellschaftliche Kritik Vorlage für Oliver Stones Talk Radio war, spielt dabei keine Rolle, in machen Fällen wie bei Arthur Cronauer in Good Morning, Vietnam ist es eine Mischung aus beidem.

Es gibt wohl keinen Afroamerikaner, der ein größerer Fan von Johnny Carsons Tonight Show ist, als Dewey Hughes (Chiwetel Ejiofor). Von Carson hat er sich seinen Gang und seine Klamottenwahl abgeschaut, weswegen Hughes unter seinen farbigen Mitbürgern schon fast als Weißer gilt. Als Hughes seinen älteren Bruder im Gefängnis besucht und dabei den dortigen Insassen und DJ Petey Greene (Don Cheadle) kennen lernt, will dieser einen Job bei dem Radiosender A-WOL, für den Hughes arbeitet. Anhand eines psychologischen Tricks wird Greene vorzeitig entlassen und behellt Hughes schließlich an seiner Arbeitsstelle, wird jedoch von diesem in seine Schranken verwiesen. Da der Sender sinkende Zuhörerzahlen verzeichnet und sich primär an der farbigen Bevölkerung seiner Stadt Washington D.C. ausrichtet, setzt Hughes durch, dass Greene eine Probestunde auf Sendung gehen darf, nachdem dieser tagelang vor dem Sender demonstriert hat. Auch wenn Greenes offene Art kein Blatt vor den Mund zu nehmen bei dem Chef des Senders (Martin Sheen) zuerst nicht besonders gut ankommt, findet er dennoch Gehör bei seinen Hörern. Als Reverend King einem Attentat zum Opfer fällt und sich die Stadt in einem Aufstand zu verlieren scheint, ist es Greene, der seine Brüder und Schwestern von den Strassen weg und zum Radio hinlocken kann. Seine Fangemeinde beginnt zu wachsen und Hughes sieht das Potential, welches in Greene steckt und möchte diesen zu dem größten Komiker Amerikas aufbauen. Dabei ignoriert er nicht nur Greenes eigene Wünsche, sondern auch dessen Alkoholismus.

Die an Talk To Me Beteiligten Personen sagen dem normalen Kinogänger nicht sonderlich viel, denn bisher konnten die Autoren Michael Genet und Rick Famuyiwa ebenso wenig auf sich aufmerksam machen, wie die frühere Schauspielerin und jetzige Regisseurin Kasi Lemmons. Es ist daher wohl allein Hauptdarsteller und Produzent Don Cheadle zu verdanken, dass der Film überhaupt entstand und so bekannte Kollegen wie Chiwetel Ejiofur und Martin Sheen für die Nebenrollen gewinnen konnte. Und es verwundert, wenn man sieht dass Lemmons Film in den USA lediglich 4,5 Millionen Dollar eingespielt hat, wenn man die Fangemeine von Greene betrachtet, zumindest so wie sie im Film selbst dargestellt wird. Es lässt sich also sagen, dass Talk To Me – zumindest finanziell betrachtet – ein Flop ist und auch bedeutsame Auszeichnungen konnte der Film nicht einfahren. Cheadle mag vielleicht darauf spekuliert haben eventuell zumindest eine Golden Globe Nominierung zu erhalten, doch dafür ist seine Darstellung dieser amerikanischen Radiogröße und eindimensional. Nur weil man eine historisch interessante Person spielt, wird man deswegen nicht gleich mit einer Award Nominierung bedacht. Auch Ejiofur scheint die meiste Zeit des Filmes über unterfordert zu sein, sodass Talk To Me wohl nicht mehr und nicht weniger ist als afroamerikanisches Kino für Afroamerikaner.

Das mangelnde Talent des kreativen Personals zeigt sich in einer sehr spannungsarmen Inszenierung der entscheidenden Phase von Greenes Leben, da der Film in der Mitte von Greene zu dessen Manager Hughes wechselt, ohne dabei jedoch beiden Figuren selbst ausreichend Tiefe verliehen zu haben. Dramatisch ist hierbei vor allem auch die Beleuchtung des Filmes, da Szenen in dunklen geschlossenen Räumen so schlecht belichtet sind, dass man – mit Verlaub – Cheadle und Ejiofur fast gar nicht mehr ausmachen kann. Hier zeigt sich Simmons mangelnde Erfahrung und es verwundert wieso sie überhaupt von Cheadle für ein solches Projekt ausgewählt wurde. Inhaltlich gesehen kann Talk To Me nichts sonderlich interessantes bieten, da der Klimax des Filmes nur mäßig spannend ist und die Geschichte des Radiomoderators, der sich gegen seine Vorgesetzten stellt und bei den Hörern ankommt, weil er polarisiert, bereits ausgiebig (und besser) in den zuvor erwähnten Filmen abgehandelt wurde und hier lediglich eine farbige Variante zu den anderen Versionen darstellt. Am Ende lässt sich sagen, dass man dem Film nicht einmal vorwerfen kann, sein Potential verschenkt zu haben, da er solches von vorneherein nicht besessen zu haben schient. Ein durchschnittlicher Film, der kaum Aufmerksamkeit finden wird und somit seine eigene Entstehung lediglich fragwürdig erscheinen lässt. Das Interessanteste scheint mir noch zu sein, wer eigentlich immer die Tipps für die Sneak postet, da diese in den seltensten Fällen, bzw. im Grunde nie zutreffend sind. „Durchdringend gedankenvoll“ ist an Talk To Me gar nichts und auch wenn man schlecht den Tipp „Durchschnittlich“ posten kann, sollte man doch etwas wählen, was mehr dem wirklichen Film entspricht, als der Meinung des Verleihers.

5/10

Kommentare:

  1. Gut, scheine ich ja nichts verpasst zu haben - aber immerhin noch besser als der deutsche crap, der z.Z. in den Sneaks läuft, oder?

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  2. Naja, kommt immer drauf an, er war wirklich nicht besonders spannend, durchschnittlich eben.

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  3. Danke für die Warnung, das klingt mir nach Leih-DVD in einem halben Jahr, wo doch der Film in Berlin auch nur in zwei Kinos läuft. Der Trailer sah recht gut aus, da waren wohl schon alle Höhepunkte enthalten! Es gibt allerdings Schlimmeres als Sneak-Film. Ich habe zum Glück eine gute Sneak in Berlin erwischt, wo dieses Jahr schon Once, Control und Into The Wild liefen.

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