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5. Oktober 2015

The Martian

Fuck you, Mars.

Wenn schon, denn schon – scheinen sich zuletzt Ridley Scott, Matt Damon und Jessica Chastain zu denken. Nachdem Ridley Scott 30 Jahre nach Blade Runner mit Prometheus zum Sci-Fi-Genre zurückkehrte und derzeit dessen Fortsetzung Alien: Paradise Lost plant, greift er nun mit der Romanadaption The Martian erneut nach den Sternen. Auch Jessica Chastain mimt erneut ein NASA-Mitglied nach Interstellar, in dem sich Matt Damon wie hier bereits in einen Raumanzug zwängte, um den einzigen Menschen auf einen fremden Planeten zu spielen. Im Vergleich zu Prometheus und Interstellar legt The Martian allerdings den Fokus auf „Science“ statt „Fiction“ – selbst wenn sich der Film speziell in seinem letzten Drittel vollends Hollywood ergibt.

Die Handlung setzt auf dem Mars, genauer der Ebene Acidalia Planitia, ein. Die bemannte Ares-III-Mission rund um ihren Commander Lewis (Jessica Chastain) sieht sich durch einen nahenden Sturm gezwungen, gut zehn Tage früher als geplant die Heimreise gen Erde anzutreten. Auf dem Weg zu ihrer Landefähre verlieren die Crew-Mitglieder ihren Botaniker Mark Watney (Matt Damon), den sie für tot halten und daraufhin zurücklassen. Nur: Watney hat den Sturm überlebt – und sieht sich nun allein auf Mars mit der Suche nach Lebensmittel und Sauerstoff konfrontiert. Eine Kommunikation zur Erde scheint nicht möglich, doch dort bleiben Watneys Überlebensversuche auf dem roten Planeten nicht verborgen. Aber wie kann NASA ihm helfen?

Fortan wechselt The Martian die Schauplätze zwischen Watney in der Ares-Station auf dem Mars und den NASA-Einrichtungen auf der Erde. Dort debattieren NASA-Direktor Teddy Sanders (Jeff Daniels), Marsmissions-Leiter Vincent Kapoor (Chiwetel Ejiofur), Ares-Flugdirektor Mitch Henderson (Sean Bean) sowie NASA-Sprecherin Annie Montrose (Kristen Wiig) über den Umgang mit Watneys Überleben. Während dieser auf der Erde öffentlich wird, hält NASA Watneys Crew (Michael Peña, Kate Mara, Sebastian Stan, Aksel Hennie) im Dunkeln. Der Botaniker installiert derweil ein Grünhaus in der Stationsküche und sucht nach Mitteln und Wegen, wie er so lange überleben kann, bis die nächste Ares-Mission in vier Jahren eintreffen wird.

Im wissenschaftlichen Aspekt dieses Umstands findet sich die große Stärke des Films, ungeachtet dessen, dass natürlich alles, was in The Martian passiert, dennoch klar der gängigen Hollywood-Dramaturgie folgt. Wenn Watney jedoch tüftelt, wie er genug Kartoffeln anbauen kann und seinen Rover mit ausreichend Energie ausstattet oder mit der Erde kommuniziert, liegt all dem klar eine wissenschaftliche Basis zugrunde. Selbst wenn diese nach und nach und insbesondere im Schlussakt vollends den Pathos-Gesetzen des Blockbuster-Kinos geopfert wird. Und auch wenn man The Martian nicht wirklich vorhalten kann, zu verkopft an seine Geschichte heranzugehen, stellen sich gerade in der zweiten Hälfte Längen ein.

Hinzu kommt ein Überfluss an Figuren, die teils wie Kristen Wiigs PR-Tante oder Donald Glover in einer “Troy goes Abed”-Gedächtnisperformance als NASA-Schreibtisch-Nerd Rich Purnell nicht wirklich nötig gewesen wären, da selbst für die anderen Charaktere wie die Ares-Crew oder NASA-Leiter außer Kapoor wenig im Film zu tun ist. The Martian ist vielmehr die Mark Watney Show – was dieser dadurch untermauert, dass er sich selbst per Kamera dokumentiert und dabei quälend-schlechte Einzeiler auf SchleFaZ-Niveau raushaut (“With cool, dry wit like that, I could be an action hero”, wussten schon die Simpsons). Auch sonst geraten die Dialoge im Film wenig eindrücklich, dafür gefällt das jordanische Wadi Rum erneut als Mars-Kulisse.

Selbst wenn wenig Erinnerungswürdiges im Film geschieht und die Figuren – selbst Watney – kaum über eine eindimensionale Zeichnung hinauskommen, wissen die Beteiligtem mit ihrem Produkt mehr zu überzeugen als in ihren Sci-Fi-Vorgängerproduktionen. Weniger Figuren und eine geringere Laufzeit mit einem ausgefeilteren Skript hätten Ridley Scotts jüngstem Werk wohl gut zu Gesicht gestanden. An dem kitschigen Ende führt derweil wohl kein Weg vorbei, wobei die Prämisse von The Martian natürlich auch wenig Raum für Alternativen lässt, die für einen Blockbuster dieser Größenordnung rentabel wären. Womöglich haben sich die Beteiligten angesichts des Sci-Fi-Genres in anderen Worten aber auch bloß gedacht: Wenn schon, denn schon.

7/10

8. November 2009

2012

We’re gonna need a bigger plane. 

Er gilt als der Master of Desaster und die Rede ist bei weitem nicht von Michael Bay. Niemand zerstört so gerne und genüsslich wie der Sindelfinger Roland Emmerich. Egal ob die Hauptstädte der Erde durch eine sommerliche, außerirdische Invasion dran glauben müssen oder eine mutierte Riesenechse New York City zerlegt. Roland kennt keine Gnade. Nachdem ihn sein Wahl-Lokalpatriotismus mit The Patriot in etwas überzogen-pathetische Gefilde getrieben hatte, versuchte Emmerich parallel zur Rot-Grünen Bundesregierung eine politische Botschaft mit seinem liebsten Hobby bzw. Beruf in Einklang zu bringen. In The Day After Tomorrow stellte Wissenschaftler Dennis Quaid fest, dass die Erde den Bach runtergehen wird. Von wegen Klimawandel, globale Erwärmung und so. Ein Szenario, dass nun in Emmerichs neustem Film 2012 ein Echo erfährt. Hier darf Wissenschaftler Chiwetel Ejiofor dem US-Präsidenten die „frohe“ Botschaft bringen, dass die Menschheit so 2009 ist. 

 Zum ersten Mal seit er in Hollywood arbeitet hatte sich Emmerich nach einem Film gleich wieder ans Steuer gesetzt. Vielleicht auch deshalb, weil 10.000 BC alles andere als gelungen war. Und obschon Emmerich mit dem Zerstören der Erde eigentlich abgeschlossen hatte, lieferte ihm sein Filmkomponist nach dem Urzeit-Actioner ein Drehbuch, dass der Schwabe nicht ablehnen konnte. Nach dem Motto „wenn ich die Welt nicht zerstöre, zerstört sie ein Anderer“ rief sich Emmerich ins Gedächtnis, dass niemand die Welt so gut zerstört wie er. Gesagt getan und mehrere Tausend Digitaleffekte später ist sie nun fertig gestellt: Emmerichs Interpretation einer Maya-Prophezeiung, die vorsieht, dass wir alle am 21. Dezember 2012 sterben. Im Gegensatz zu The Day After Tomorrow also ein unverschuldetes Sterben, was die Bezüge zur Gegenwart auf ein Mindestmaß beschränkt. Weshalb der Film auch besser in den USA ankommen könnte, selbst wenn Emmerich das tollste Land der Erde – nach eigenem Selbstverständnis – als Erstes sprichwörtlich den Bach runtergehen lässt.

Die Prophezeiung der Mayas dreht sich nun um Sonnenstürme, die für eine Überhitzung des Erdkerns sorgen – so zumindest die aktuelle Deutung. Emmerich lässt daher die Erdkruste zerfallen, was zu Erdbeben, Vulkanausbrüchen und Riesentsunamis führt. Ein Doomsday-Szenario, von dem der US-amerikanische Geologe Dr. Adrian Helmsley (Chiwetel Ejiofor) 2009 mittels eines indischen Kollegen in Kenntnis gesetzt wird. Die US-Regierung wird informiert und baut in Abstimmung mit den anderen großen Nationen – die Kleinen müssen sich um sich selbst kümmern – Riesenarchen, deren Plätze für 1 Milliarde Euro, pro Person versteht sich, auf den Markt geschmissen werden. Etwas von dem Ottonormalbürger nichts mitbekommt, man will ja keine Panik verursachen. Aber als sich Helmsley in seinen Kalkulationen irrt und die Kacke statt kurz vor Weihnachten 2012 bereits im Sommer desselben Jahres am Dampfen ist – warum haben die Mayas das nicht gewusst? -, muss alles Schlag auf Schlag gehen. Mittendrin der gescheiterte Schriftsteller Jackson Curtis (John Cusack), der eigentlich nur wieder eine richtige Beziehung zu seiner Ex-Frau (Amanda Peet) und den gemeinsamen Kindern haben möchte.
  Nun macht der deutsche Regisseur keinen Hehl aus seinen Ambitionen und räumt seinem Prolog zum Weltuntergang lediglich so viel Raum ein, wie absolut nötig ist. Ganz kurz wird die Vorbereitungsphase abgehandelt, ehe Emmerich zum Punkt kommt. Nach einigen Erdbeben stürzt der Deutsche schließlich erst Los Angeles und dann die ganze Westküste der Vereinigten Staaten ins Unglück. Curtis, der während eines Camping-Ausflugs mit seinen Kindern dank dem überdrehten Radiomoderator Charlie (Woody Harrelson) vom Ende der Welt und den Archen Kenntnis erhalten hat, schnappt sich kurzerhand seine Familie und rettet sich mit einer Stretch-Limo (!) aus dem zusammenstürzenden L.A. Spätestens hier wird klar, dass Emmerich seinen Film vollkommen selbstironisch ausgelegt hat. Was jetzt beginnt, wird sich die kommende Stunde fortsetzen und 2012 zur teuersten Komödie aller Zeiten werden lassen.

Immer wieder, oder besser gesagt die ganze Zeit, können Curtis und seine Patchwork-Familie – der neue Freund seiner Ex-Frau, Gordon (Thomas McCarthy), darf mit und dankt es, indem er praktischerweise Flugerfahrung hat – in letzter Sekunde den zerstörerischen Erdmassen entfliehen. Dass Curtis derweil für seinen Sohn von „Jackson“ wieder zu „Dad“ avanciert, ist ein nettes Zubrot. Die Flucht der Familie Curtis ist dabei fernab jeglicher Realität von Emmerich inszeniert, natürlich ihrer eigenen Lächerlichkeit bewusst und kostet diese mit Vergnügen aus. Wo Klosers Drehbuch bei 10,000 BC noch jenseits jeglichen guten Geschmacks war – und auch nicht mehr als Trash durchgehen konnte -, funktionieren speziell die Dialoge dieses Mal erstaunlich gut. Gerade weil sie wirken, wie etwas, das von den Figuren erwartet, aber von ihnen auch bewusst so wahrgenommen wird. Da blufft Curtis auch seine kleine Tochter nicht, wenn er sie zur Beruhigung fragt, ob er ängstlich aussieht, während hinter ihm der Yellowstone Nationalpark in Flammen aufgeht.

Weitaus dramatischer und seriöser geht es dagegen bei Helmsley zu. Zwar kommentiert Emmerich auch diesen Handlungsstrang gerade im Finale sehr selbstironisch, doch primär hier findet sich die emotionale Keule des Regisseurs. Abschiedsanrufe an den eigenen Vater führen zu einer Massenaussöhnung von Vätern mit ihren Kindern, die auch vor dem US-Präsidenten (Danny Glover) selbst nicht Halt macht. Dabei sollte man sich nicht wundern, wenn alle Figuren in 2012 am Ende über drei Ecken entweder verwandt oder bekannt miteinander sind. Im Auge des Massen-Genozids der Menschheit ist es eben wirklich eine kleine Welt, in der man fortan lebt. Nach gut anderthalb Stunden beginnt Emmerich dann sein Katastrophenfilm-Schema beiseite zu legen. Die Zerstörungswut, die gerade noch das Weiße Haus und den Petersdom befallen hat, nimmt ab und die Handlung selbst beruhigt sich etwas, als sie an ihrem Endpunkt im chinesischen Hochgebirge anlangt. Und scheinbar endet mit den Katastrophen auch der Humor, der 2012 bisher so überraschend gut im Rennen gehalten hat. Stattdessen beginnt das letzte Reise-nach-Jerusalem-Spiel in der Geschichte der Menschheit. Plötzlich also die Kehrtwende und die Handlung wird dramatisch. Es wird gebettelt, gefleht und geweint. Emmerich verirrt sich nun in eine überlange Referenz an Filme wie Wolfgang Petersens Poseidon, wenn sich das Schauspiel auf der Arche schließlich fortsetzt. Unspannend ist das nicht, auch wenn klar ist wie das Ganze ausgehen wird, aber seine Längen hat es nichtsdestotrotz. Eine halbe Stunde weniger hätte hier alles andere als geschadet, speziell da vieles im Finale unnötig hinausgezögert wird, wahrscheinlich um dem Film mehr Tiefe zu verleihen. Hier verliert sich Emmerich etwas und zerstört die überaus gelungene Unterhaltung zuvor, wenn er nach all dem Jux aus dem Nichts heraus ein ernstes Gesicht aufsetzt. Zwar setzen sich bis zum Schluss die überzogenen Spielereien fort, verkommen jedoch nur zu comic relief in dieser überbordenden Dramatik. Dabei konnte Emmerich mit 2012 einiges wieder wett machen, was er letztes Jahr seinen Zuschauern mit seinem Wüste-an-Gletscher-Vehikel noch eingebrockt hatte.

Die Charaktere werden nicht vernachlässigt, was ob des Weltuntergangs im Hintergrund durchaus beachtlich ist. Besonders bei der Patchwork-Familie haben sich Kloser und Emmerich Mühe gegeben, gerade in Bezug auf die Konstellation von Curtis, Gordon und Curtis’ Sohn Noah (Liam James). Zwar verflacht das Ganze dann gegen Ende wieder in Klischeemuster, ähnlich wie im Falle des anderen Handlungsstrangs um Thandiwe Newtons Figur der First Daughter, generell sind die Bemühungen, den Figuren eine entsprechende Tiefe und Glaubwürdigkeit, auch oder gerade in diesem teils nicht ernst zu nehmendem Umfeld, zu verleihen aber sehr löblich. Die in Vielfalt vorhandenen Spezialeffekte sind hierbei nicht unbedingt state of the art, überzeugen jedoch im Kontext des Filmes ausreichend, um keine Augenbrauen hochschnellen zu lassen. Weitaus nerviger sind dagegen fehlbesetzte Figuren wie Danny Glover – passenderweise bemühte Emmerich sich die Staatsoberhäupter authentisch zu besetzen, vom afroamerikanischen US-Präsidenten bis hin zur weiblichen Bundeskanzlerin – geraten.

Was 2012 auszeichnet, ist die Tatsache, dass er die meiste Zeit total Gaga daherkommt und dies auch gewollt. Das hat in diesem Zusammenhang nichts mehr mit einem schlechten Drehbuch zu tun, weil es weitestgehend das sein will, was es ist. Das sollte man Emmerich anrechnen und letztlich ändert daran auch die Überlänge und überschwängliche Dramatik im dritten Akt nicht sonderlich viel. Insofern konsolidiert sich der Schwabe mit seinem neuesten/letzten Desasterfilmle, das hinsichtlich seiner Stärken und Schwächen in etwa auf eine Stufe neben Godzilla zu stellen wäre. Sollte dies wirklich Emmerichs Abschied vom Genre darstellen, so ist es ein gebührender Abschied in all seiner Kompromisslosigkeit. Denn wie oft haben sich Filmemacher schon getraut, die ganze Menschheit zur Unterhaltung auszurotten? Ein Vorhaben, dasswohl nur aus einer deutsch-österreichischen Kollaboration wie der von Emmerich und Kloser stammen kann. Wer sich an zweieinhalb Stunden Explosionen und Katastrophen erfreuen kann und dabei im Gegensatz zu einem Michael-Bay-Film auch etwas von seinen Figuren mitnehmen möchte, der ist bei 2012 fraglos an der richtigen Adresse. 

6/10

29. Januar 2008

Talk To Me

Wake up, goddammit!

Wer kennt sie nicht, die Radiomoderatoren, die zwischen den Musikeinspielungen für Unterhaltung sorgen (sollen). Im Gegensatz zu Fernsehmoderatoren haben sie in den wenigsten Fällen ein Drehbuch vor sich liegen oder einen vorgegebenen Text und sprechen daher frei nach Schnauze. Es ergibt sich daraus von selbst, dass nicht jeder Mensch zum Radiomoderator geboren ist, schließlich gilt es seine Hörer, zu denen man keinen direkten Kontakt hat, auf der Sendefrequenz zu halten. Seinen Höhepunkt hatte das Radio ohne Frage in den Zeiten, als es noch keinen Fernseher gab, bzw. sich diesen nicht jeder leisten konnte. Dagegen war ein Transistorradio billiger zu haben und stellte oftmals den einzigen Kontakt zur Außenwelt dar, sprich es hielt Informationen nicht nur über die Stadt, sondern auch über das Land parat. Und wie in den meisten Medien gibt es auch immer wieder im Radiowesen solche Menschen, die als Provokateure dienen, in den häufigsten Fällen weil sie gegen das Establishment vorgehen. Welche Bedeutung da für die Masse ein Radiomoderator haben kann, bzw. inwiefern es einer solchen Person oftmals gelingt Menschen gegen sich aufzubringen, wurde bereits in Verfilmungen von einschlägigen Erfahrungen einiger Radiomoderatoren aufgezeigt. Egal ob es sich dabei um einen bloßen exzentrischen Spaßmacher wie Howard Stern in Private Parts handelt, oder um jemanden wie Alan Berg, der durch seine sozial-gesellschaftliche Kritik Vorlage für Oliver Stones Talk Radio war, spielt dabei keine Rolle, in machen Fällen wie bei Arthur Cronauer in Good Morning, Vietnam ist es eine Mischung aus beidem.

Es gibt wohl keinen Afroamerikaner, der ein größerer Fan von Johnny Carsons Tonight Show ist, als Dewey Hughes (Chiwetel Ejiofor). Von Carson hat er sich seinen Gang und seine Klamottenwahl abgeschaut, weswegen Hughes unter seinen farbigen Mitbürgern schon fast als Weißer gilt. Als Hughes seinen älteren Bruder im Gefängnis besucht und dabei den dortigen Insassen und DJ Petey Greene (Don Cheadle) kennen lernt, will dieser einen Job bei dem Radiosender A-WOL, für den Hughes arbeitet. Anhand eines psychologischen Tricks wird Greene vorzeitig entlassen und behellt Hughes schließlich an seiner Arbeitsstelle, wird jedoch von diesem in seine Schranken verwiesen. Da der Sender sinkende Zuhörerzahlen verzeichnet und sich primär an der farbigen Bevölkerung seiner Stadt Washington D.C. ausrichtet, setzt Hughes durch, dass Greene eine Probestunde auf Sendung gehen darf, nachdem dieser tagelang vor dem Sender demonstriert hat. Auch wenn Greenes offene Art kein Blatt vor den Mund zu nehmen bei dem Chef des Senders (Martin Sheen) zuerst nicht besonders gut ankommt, findet er dennoch Gehör bei seinen Hörern. Als Reverend King einem Attentat zum Opfer fällt und sich die Stadt in einem Aufstand zu verlieren scheint, ist es Greene, der seine Brüder und Schwestern von den Strassen weg und zum Radio hinlocken kann. Seine Fangemeinde beginnt zu wachsen und Hughes sieht das Potential, welches in Greene steckt und möchte diesen zu dem größten Komiker Amerikas aufbauen. Dabei ignoriert er nicht nur Greenes eigene Wünsche, sondern auch dessen Alkoholismus.

Die an Talk To Me Beteiligten Personen sagen dem normalen Kinogänger nicht sonderlich viel, denn bisher konnten die Autoren Michael Genet und Rick Famuyiwa ebenso wenig auf sich aufmerksam machen, wie die frühere Schauspielerin und jetzige Regisseurin Kasi Lemmons. Es ist daher wohl allein Hauptdarsteller und Produzent Don Cheadle zu verdanken, dass der Film überhaupt entstand und so bekannte Kollegen wie Chiwetel Ejiofur und Martin Sheen für die Nebenrollen gewinnen konnte. Und es verwundert, wenn man sieht dass Lemmons Film in den USA lediglich 4,5 Millionen Dollar eingespielt hat, wenn man die Fangemeine von Greene betrachtet, zumindest so wie sie im Film selbst dargestellt wird. Es lässt sich also sagen, dass Talk To Me – zumindest finanziell betrachtet – ein Flop ist und auch bedeutsame Auszeichnungen konnte der Film nicht einfahren. Cheadle mag vielleicht darauf spekuliert haben eventuell zumindest eine Golden Globe Nominierung zu erhalten, doch dafür ist seine Darstellung dieser amerikanischen Radiogröße und eindimensional. Nur weil man eine historisch interessante Person spielt, wird man deswegen nicht gleich mit einer Award Nominierung bedacht. Auch Ejiofur scheint die meiste Zeit des Filmes über unterfordert zu sein, sodass Talk To Me wohl nicht mehr und nicht weniger ist als afroamerikanisches Kino für Afroamerikaner.

Das mangelnde Talent des kreativen Personals zeigt sich in einer sehr spannungsarmen Inszenierung der entscheidenden Phase von Greenes Leben, da der Film in der Mitte von Greene zu dessen Manager Hughes wechselt, ohne dabei jedoch beiden Figuren selbst ausreichend Tiefe verliehen zu haben. Dramatisch ist hierbei vor allem auch die Beleuchtung des Filmes, da Szenen in dunklen geschlossenen Räumen so schlecht belichtet sind, dass man – mit Verlaub – Cheadle und Ejiofur fast gar nicht mehr ausmachen kann. Inhaltlich gesehen kann Talk To Me nichts sonderlich interessantes bieten, da die Klimax des Films nur mäßig spannend ist und die Geschichte des Radiomoderators, der sich gegen seine Vorgesetzten stellt und bei den Hörern ankommt, weil er polarisiert, bereits ausgiebig (und besser) in den zuvor erwähnten Filmen abgehandelt wurde. Ein durchschnittlicher Film, der kaum Aufmerksamkeit finden wird und somit seine eigene Entstehung lediglich fragwürdig erscheinen lässt. Das Interessanteste scheint mir noch zu sein, wer eigentlich immer die Tipps für die Sneak postet, da diese in den seltensten Fällen, bzw. im Grunde nie zutreffend sind. „Durchdringend gedankenvoll“ ist an Talk To Me gar nichts und auch wenn man schlecht den Tipp „Durchschnittlich“ posten kann, sollte man doch etwas wählen, was mehr dem wirklichen Film entspricht, als der Meinung des Verleihers.

5/10

17. Dezember 2007

American Gangster

Either you're somebody, or you ain't nobody.

Kein Land steht so zu sich selbst, wie die Vereinigten Staaten von Amerika. Und nichts liebt der Amerikaner mehr als seinen American Way of Life. Dass dieser nicht immer vom Tellerwäscher zum Millionär verlaufen muss ist dabei auch den Amerikanern bewusst. Während 1980 Richard Gere bereits als American Gigolo über die Leinwand spazierte, Christian Bale als American Psycho Menschen zerstückelte, Edward Norton in American History X eine Geschichtstunde erfährt, verlor Jason Biggs seine Jungfräulichkeit in American Pie an einen Apfelkuchen und Kevin Spacey sein Leben in American Beauty. Ingesamt gibt es über dreißig Filme mit dem Attribut „American“, der letzte von ihnen ist nunmehr der von Ridley Scott inszenierte American Gangster. Durch den Zusatz des „American“ ist bereits ersichtlich, dass es sich hier um eine Geschichte handeln soll, die so wohl nur explizit in America stattfinden könne, dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Dabei basierte Autor Steven Zaillian sein Drehbuch auf eine wahre amerikanische Geschichte – die Geschichte von dem afro-amerikanischen Drogenbaron Frank Lucas.

Der 62jährige Bumpy Johnson ist so etwas wie der Robin Hood vom New Yorker schwarzen Stadtteil Harlem in den 60er Jahren. Als er seinem Fahrer und Leibwächter Frank Lucas (Denzel Washington) in einem Rabattladen eine Moralpredigt über die Verdrängung des Einzelhändlers durch günstigere asiatische Produkte hält, erleidet er einen Schlaganfall. Frank, für den Bumpy wie ein Vater war, übernimmt seine Geschäfte und sieht durch den Drogenkonsum amerikanischer Militärs in Vietnam seine Chance gekommen. Er fliegt nach Bangkok und schließt dort einen Vertrag mit einem vietnamesischen Heroinbauern ab. Zurück in Harlem verkauft sein absolut reines Heroin unter dem Markennamen „Blue Magic“ zum halben Preis und erregt damit Missgunst nicht nur beim Mafiapaten Cattano (Armand Assante) und dem Dealer Nicky Barnes (Cuba Gooding Jr.), sondern startet auch einen Privatkrieg mit dem korrupten Drogenermittler Trupo (Josh Brolin). – Währenddessen sieht sich Polizeiermittler Richie Roberts (Russell Crowe) durch seine Ehrlichkeit im Polizeiwesen allein auf weitere Flur, bekommt jedoch vom Polizeichef seine eigenen Männer und stößt dabei unweigerlich auf die neue Szenedroge „Blue Magic“.

Die Entstehungsgeschichte von American Gangster ist dabei schon wieder fast einen eigenen Film wert. Ursprünglich begannen die Planungen zum Projekt bereits im Jahre 2000, als in einem New Yorker Magazin ein Artikel über Frank Lucas erschien und die Universal Studios sich die Rechte sicherten. Zwei Jahre später präsentierte Autor Steven Zaillian Ridley Scott dann seinen 170seitigen Drehbuchentwurf, welchen Scott in zwei Filme umwandeln wollte. Da er sich jedoch nicht sofort zu dem Projekt bekannte, welches damals noch Tru Blu hieß, begannen ein Jahr später erfolglos gebliebene Verhandlungen mit Brian De Palma, ehe 2004 die Dreharbeiten beginnen sollten, mit Denzel Washington in der Hauptrolle und Antoine Fuqua als Regisseur. Nachdem Fuqua jedoch die Dreharbeiten nach Toronto verschieben wollte, stieg das Budget immer weiter an und am Ende wurd Tru Blu erst einmal auf Eis gelegt, was Hauptdarsteller Washington dank seines Play-or-Pay-Vertrages dennoch sein Geld einbrachte. Nachdem man 2005 erst Peter Berg und dann Terry George in Betracht gezogen und das Drehbuch umgeschrieben hatte, begannen die Dreharbeiten schließlich Anfang 2006 – mit dem ursprünglichen Drehbuch von Zaillian und Scott als Regisseur.

Big Trouble in Little Harlem also sozusagen und eigentlich interessanter wie der Film, ist dann doch irgendwie das sich drehende Personalkarussell. Dass Fuqua wegen seiner Arbeit an Training Day mit Washington zusammen geschmissen wurde, geschah allein aus dem Grund, da Fuqua Oscarpotential in der Geschichte für seine Wenigkeit und Washingtons sah. Zu der Zeit sollte Benicio del Toro noch Richie Roberts spielen, ehe Tru Blu kurzzeitig erstarb. Als man dann mit Terry George verhandelte, war dessen Hotel Rwanda Spezi Don Cheadle plötzlich als Frank Lucas im Gespräch, ehe man zu Washington zurückkehrte, den man ja ohnehin bezahlen musste. Dass es am Ende doch Ridley Scott wurde, der wiederum seinen Spezi Russell Crowe ins Boot holte (obwohl auch Brad Pitt im Gespräch war) und es bei einem Film blieb, erscheint für sich gesehen als ein typisches American Ending.

Dass Problem in American Gangster ist dabei nicht einmal sein Schwimmen in der Masse der Gangsterfilme und dass er sich bei jedwedem Klischee des Genre bedient, sondern wohl in dem Grund, aus welchem Scott an sich zwei Filme geplant hatte. Die Länge von fast zweieinhalb Stunden fällt dabei auch nicht weiter ins Gewicht, wenn man sie ähnlich gut genutzt hätte wie beispielsweise bei Scarface. Das Problem ist die doppelte Darstellung von Frank Lucas und Richie Roberts in ein und demselben Film. Scott, bzw. Zaillian, versucht beiden gleich viel Platz einzuräumen, die Geschichte von beiden Männern zu erzählen. Dadurch dass Scott jedoch alle fünf Minuten vom aufsteigenden Drogenbaron zum fürs Sorgerecht streitenden Polizisten schneidet kommt kein rechter Schwung in die Geschichte. Das Leben und die Ermittlungen von Richie Roberts, dessen größtes Laster seine Unkorrumpiertheit ist und der seinen Sohn nicht aus den Augen verlieren will, hätten mit etwaiger Ausarbeitung gut und gerne einen eigenen Film ausfüllen können – auch wenn für einen solchen del Toro sicherlich die bessere Wahl als Crowe gewesen wäre.

Wenn man seinen Film American Gangster nennt, dann muss man auch den Fokus auf diesen American Gangster legen und nicht auf die Jugendfreundschaften von Richie Roberts mit der Mafia. Äußerst ironisch verkommt es dabei, dass Lucas sich wie ein Brutus gegen seinen Oheim Bumpy stellt, wenn dieser seine letzten Worte gegen Sony und Toshiba und ihre Verdrängung amerikanischer Produkte durch billigeres asiatisches Material richtet. Kurz darauf wird Frank selber sein Heroin aus Asien einschmuggeln und es zu günstigen Preisen gegen seine amerikanischen Kollegen verkaufen. Was hätte Bumpy wohl dazu gesagt? Wie gesagt, kommt zu keinem Zeitpunkt Zug in die Geschichte, die sich auf zu vielen Nebenschauplätzen verliert, die für die eigentliche Handlung keine Rolle spielen. Dazu gehören neben Richie’s Freundschaft mit der Mafia die Streitigkeiten zwischen Frank mit Cattano und Nicky Barnes. Auch die zu Beginn eingesetzte Vielzahl von Rückblenden, die in kurzen Bildern zeigen sollen, dass das Leben als Gangster verdammt gefährlich ist – denn wer hätte das gedacht, mal ehrlich – sind so unnötig wie ein Kropf am Hals.

So schön das auch anzusehen ist, wenn man hier Cuba Gooding Jr. und dort Armand Assante und Carla Gugino sieht, für die Handlung sind sie unerheblich. Crowe spielt unter Wert, wahrscheinlich lediglich auf Wunsch von Scott bei dem Projekt überhaupt mit und Washington spult ebenfalls sein übliches Programm ab. Wie bei Al Pacino wirkt hier jede Rolle gleich, sei es nun Man on Fire, Training Day oder American Gangster, da zieht sich ein schauspielerischer roter Faden durch, der Mann scheint mit seinem Latein (sprich Talent) am Ende. Dass dabei eine Golden-Globe-Nominierung herausspringt, wie auch für Scott, Brian Glazer ist in der Traumfabrik nicht mehr verwunderlich, wenn man die letztjährige Verleihung gesehen hat. Immerhin hat es Zaillian nicht für eine Nominierung geschafft was wiederum bezeichnend ist. Dass Scott mit seinem Film einen Mörder und Drogendealer so positiv darstellt und dies in einem lahmen Ende auflöst, den Film mit Amerikas Hip Hop Elite (Rza, Common, T.I.) pfeffert, soll an dieser Stelle unkommentiert bleiben (auch wenn ich es nicht gutheiße). Was man mit American Gangster am Ende überhaupt wollte, lässt sich nicht genau sagen, da er wie mein Bloggerkollege Equilibrium so treffen sagte „spektakulär unspektakulär“ ist – vielleicht war es nur für die Oscars, wie Fuqua erkannt hatte.

5.5/10

2. September 2007

Serenity

Secrets are not my concern. Keeping them is.

Wie im Post zu Firefly berichtet, wurde die Serie - von ihren Fans vergöttert - nach elf der vorgesehenen vierzehn Episoden eingestellt. Dies geschah im Dezember 2002. Serienschöpfer Joss Whedon, gab jedoch den Kampf um die Serie nicht auf und entwickelte ein Filmkonzept, um Firefly gebührend ausklingen zu lassen, da einige Fragen aufgrund der nichtvorhanden Staffeln offen blieben. Sein Konzept wurde von Universal Pictures sofort aufgegriffen und gut ein halbes Jahr, nachdem die Serie von Fox eingestellt worden war, begannen die Planungen für den Kinofilm, bei welchem der gesamte Seriencast sprichwörtlich an Bord sein würde.

Bei für einen Weltraumfilm relativ geringen Kosten von vierzig Millionen Dollar, gelang es Whedon nicht nur den Charme der Serie aufrecht zu erhalten und zu verbessern (weniger Western, mehr Sci-Fi), sondern auch seine Kosten wieder einzuspielen. Ein erstaunliches Ergebnis, bedenkt man, dass der Film primär für die Fans der Serie gedreht worden war, was sozusagen ein Novum darstellte. Ich berichtete ebenfalls im anderen Post, dass ich Firefly vor meinem Kinobesuch nicht kannte (sie wurde schließlich auch nicht in Deutschland ausgestrahlt) und jetzt im Nachhinein stelle ich zu meinem Erstaunen fest, wie gut Serenity für sich doch funktioniert.

Die Handlung des Filmes knüpft nämlich mit einer Unterbrechung von mehreren Monaten an die aus dem Staffelfinale von Firefly an, mit teilweise direkten Querverweisen oder Verbindungen. Trotz allem bedarf es für Serenity keinerlei Vorkenntnisse der Serie, denn ich konnte der Geschichte selbst bei meinem ersten Kinobesuch folgen. Somit funktioniert Serenity wirklich genauso gut für Diejenigen, welche die Serie weder gesehen noch von ihr gehört haben. Für alle Fans stellt der Film sicherlich ein besonderes Schmankerl dar, denn er trifft nicht nur auf alle neun Charaktere der Serie wieder, sondern auch ihre jeweiligen Eigenheiten.

Das Whedon dies in seinem Drehbuch und der filmischen Umsetzung im wahrsten Sinne des Wortes perfekt umsetzen konnte, verdient in der Tat ein Extralob. Auf der Vorgeschichte der Serie aufbauend, gelangte River (Summer Glau) in die Hände der Allianz. Simon (Sean Maher) kann sie befreien und gemeinsam fliehen sie an Bord der „Serenity“ unter Führung von Malcolm Reynolds (Nathan Fillion). Die Flucht von River zwingt die Allianz dazu, einen namenlosen Attentäter (Chiwetel Ejiofor) auf ihre Fährte zu setzen, während die Crew versucht das Geheimnis der Allianz zu knacken und ihr eigenes Leben aus der Gefahrenzone zu schaffen.

Zudem wird geklärt, wie es mit Mal und Inora (Morena Baccarin), sowie mit Kaylee (Jewel Staite) und Simon weitergeht (oder ob überhaupt etwas „geht“).  Bedauerlicherweise bleiben auch nach dem Film noch offene Fragen, z.B. was es mit der Vergangenheit von Book (Ron Glass) auf sich hat oder wie die linearere Struktur der Allianz (welche sicher nicht von ungefähr dem Lucasschen Imperium ähnelt) aussieht. Aber es wird dafür Licht in die zentrale Frage von River und dem Interesse der Allianz an ihr gebracht, zudem erfährt der Zuschauer auch mehr über die Reaver, welche im Film eine bedeutendere Rolle als in der Serie spielen.

Ein Gewinn ist dabei vor allem Chiwetel Ejiofur, der den namenlosen Attentäter der Allianz in schauspielerischer Perfektion verkörpert. Unkenrufe eines Sequels wurden im letzten Jahr mit den Verkaufszahlen der in den USA erschienenen Collector’s Edition in Verbindung gebracht. Das Ganze scheint generell nicht ausgeschlossen zu sein. Daher kann ich alle nur dazu aufrufen, sich doch ein Exemplar des Filmes zu beschaffen, damit die „Serenity“ noch einmal fliegen darf. Zu dem Film selber lässt sich dann auch nicht viel mehr anfügen. Einer der größten Space-Abenteuer und ein ganz toller Film, welcher jedem gefallen dürfte.

9/10