11. Dezember 2009

Zombieland

Twelve's the new twenty.

„This summer, when you think vacation, think National Lampoon’s Vacation. See the real America. It’s friendly. It’s educational. And most of all…it’s fun”, proklamierte 1983 der Trailer zu National Lampoon’s Vacation. Jetzt, 26 Jahre später, schickt sich eine Zombiekomödie an, zum Crossbreed aus Harold Ramis’ Klassiker des amerikanischen Road-Trips und Shaun of the Dead, der hier Pate stehenden britischen Zombiekomödie, zu werden. Man mische eine amerikanische „Familie“ aus vier Kaukasiern (2 Männer, 2 Frauen), eine Reise mit dem Auto zu einem Freizeitpark und jede Menge vergnügliches Zombiegekloppe – fertig ist ein Komödienhit. Zudem einer, der bereits seine Fortsetzung gegreenlighted bekommt, bevor der Vorgänger überhaupt weltweit vollständig gestartet ist. Dementsprechend kann man die erfolgreichsten Komödien des Jahres (The Hangover allen voran) daran erkennen, dass in den kommenden Jahren die 2 hintendran gehängt wird und die Chose startet neu.

Anti-Held und Erzähler der Geschichte von Regisseur Ruben Fleischer ist ein übervorsichtiger Nerd, der aufgrund seines Reiseziels den Spitznamen Columbus, Ohio (Jesse Eisenberg) erhält. Er hält sich an das Motto aus Stand By Me („Have Gun Will Travel reads the card of a man. A knight without armor in a savage land.“) und zieht mit Flinte und Trolley durch das post-apokalyptische Amerika. Um das Buddy-Gespann zu komplettieren wird dem Weichei Columbus der extracoole Tallahassee (wie immer herrlich: Woody Harrelson) an die Seite gestellt. Tallahassee macht sich ein Vergnügen an der kreativen Beseitigung der lebenden Toten, schließlich haben diese auch seinen kleinen Sohn auf dem Gewissen. Eine später vermeintlich emotionale Szene, die einen jedoch in all dem sonstigen Nonsens-Klamauk überraschend kalt lässt. Das Testosteron-Duo wird schließlich noch von dem Schwesterpärchen Wichita (Emma Stone) und Little Rock (Abigail Breslin) unterstützt, die es sich zum Ziel gesetzt haben, den kalifornischen Freizeitpark Pacific Playground zu erreichen.

Ein Alibi-Subplot – Tallahassee sehnt sich nach Amerikas letztem Twinkie – führt dann dazu, dass während der Reise durch verweste Straßen gelegentlich angehalten wird, um den ein oder anderen Zombie auf möglichst amüsante Art und Weise umzunieten. Schließlich ist es ein groß angekündigter Cameo, der endlich die Überleitung bildet zur eigentlichen Station von Zombieland. Für eine Komödie die keine anderthalb Stunden geht, weist Fleischers Film gerade in seiner Mitte unwahrscheinliche Längen auf. Eine Zerstörungsorgie in einem Souvenirshop amerikanischer Ureinwohner wird hier exzessive ausgedehnt, ehe man ganze zehn Minuten mit dem nur leidlich lustigen Cameo-Gast verschwendet. Lediglich dessen Exposition und Verabschiedung wollen einige Lacher aus einem heraus kitzeln. Ein Manko, das Zombieland eigentlich durch die gesamte Laufzeit hindurch begleitet. Einige Szenen von Tallahassee sind zu überzogen auf cool getrimmt, andere Szenen aufgrund ihrer Redundanz bereits langweilig.

Wo manch andere Komödie ihre fehlgeleiteten Witze durch die enorme Gagdichte ausgleichen kann, fallen einem Zombieland’s gelungene Szenen wie Kakteen in der Wüste auf. Ideen wie der Zombie Kill of the Week oder Tallahassees Achterbahnfahrt sind in der Tat ganz lustig, können jedoch all die Leerstellen, die sich sonst auftun, nicht vollends überdecken. Da Humor jedoch eine subjektive Sache ist, kann man Fleischer und seinen Drehbuchautoren hier wohl keinen Vorwurf machen. Daher kann Zombieland ein gewisser Charme somit nicht abgesprochen werden. Dieser gründet zu einem Großteil auch auf der gefälligen Besetzung, von der Eisenberg als Michael Cera für Arme als schwächstes Glied der Kette herausragt. Hätte Fleischer sich auf ein tatsächliches Zombieland beschränkt – indem der Titel Abenteuer in einem Themenpark (Itchy & Scratchy Land lässt grüßen) und nicht in den USA referieren würde -, wäre seinem Film wohl mehr geholfen gewesen. So ist Zombieland eine nette Komödie geworden. Mehr aber auch nicht.

6/10

Kommentare:

  1. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  2. Apropos Referenzen, National Lampoons und so.;)

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  3. Stimme dir in deiner kritik zu.
    im film schmunzelt man mehr, als dass man herrlich lacht. es fehlen einfach brüller, die einem tränen in die augen schiessen.
    vorallem sind die meisten witze hervorsehbar und wenig einfallsreich, weil man diese schon in anderen zombiefilmen oder komödien gesehen hat.
    ausserdem fehlen mir, ganz ehrlich, im film die zombies. hört sich jetzt zwar paradox an, aber irgendwie tauchen die zombies immer nur kurz auf, um dann genau so schnell umgebracht zu werden. sie helfen in dem film der story nicht. sie dienen mehr nur als überblende in eine neue szene. das finde ich schade, denn in einem zombiefilm will ich, dass die zombies die hauptrolle spielen und nicht nur dazu dienen, die längen des films zu verschleiern. im rückblick kommt mir der film wie ein familiendrama vor :-)

    ausserdem hätte es mehr blut geben können hehhehe

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  4. Ok, sehe ich - wie gesagt - anders, gerade was den Cameo angeht. Nichts desto trotz aber eine faire Besprechung. Da hätte ich schlimmeres erwartet. ;-)

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  5. Das ist immer noch besser als das, was ich nach dem Trailer gedacht hätte. Wird mich dann aber wahrscheinlich trotzdem nicht ins Kino locken.

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