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28. August 2020

Vivarium

Coffee?

Das Elterndasein kann die Hölle sein – in Lorcan Finnegans Vivarium darf dies gerne bildhaft verstanden werden. Eigentlich sind darin Gemma (Imogen Poots) und Tom (Jesse Eisenberg) nur auf der Suche nach einem gemeinsamen Haus, was sie dann jedoch erwartet, ist ein 18 Jahre währendes Martyrium in der als Metapher dienenden Wohnanlage “Yonder”. Diese beherberge eigentlich eine bunt gemischte Nachbarschaft, versichert dem Paar der schrullige Makler Martin (Jonathan Aris). Zudem sei die Lage zur Großstadt ideal: “Near enough. And far enough. Just the right distance.” Obschon nicht wirklich interessiert, werfen Gemma und Tom doch einen Blick nach dort drüben (engl. yonder) – bereuen dies aber bereits alsbald.

“Quality family houses. Forever”, preist sich Yonder an. Seines Zeichens eine gleichförmige Reihenhaussiedlung, in der nicht nur jedes Haus identisch aussieht, sondern jeder Raum darin der Mise en abyme folgt, indem er ein Bild des jeweiligen Zimmers beherbergt. Nach einer Führung durch den Garten ist Martin plötzlich verschwunden, Gemma und Tom wiederum in Yonder gestrandet, ein verkehrstechnischer Ausweg für ihr Auto unauffindbar. Stattdessen erwartet sie ein Paket mit einem neugeborenen Jungen darin. “Raise the child and be released”, lautet eine Botschaft. Ihre Freiheit scheint das junge Paar somit erst wiederzuerlangen, wenn der Nachwuchs groß genug ist, dass er auf eigenen Beinen stehen kann.

Finnegan inszeniert diese Eltern-Metapher über weite Strecken ziemlich plakativ, beispielsweise wenn Gemma und Tom die Hausnummer 9 zugeteilt bekommen, gemäß der neun Höllenkreise aus Dantes „Göttlicher Komödie“, oder das vermeintliche Idyll von Yonder ins Gegensätzliche verkehrt wird durch seine multiplikatorische Verzerrung. Vivarium kondensiert dieses scheinbare Fegefeuer nochmals durch die Tatsache, dass das aufzuziehende Kind durchaus schneller altert als in der Realität. Nach einem Zeitsprung von 98 Tagen ist es bereits so groß wie ein Sechsjähriger, folglich darf davon ausgegangen werden, dass mit Ablauf eines Jahres die Volljährigkeit erreicht wäre – obschon die psychische Entwicklung nicht der physischen entspricht.

Gemma und Tom lassen sich nur bedingt auf ihre Elternrolle ein, gefüttert wird das Kind, weil es erst dann aufhört zu schreien. Ansonsten referiert Tom den Jungen nur als “it”, während etwaige Mutter-Anreden gegenüber Gemma stets von dieser mit “not your mother”-Repliken abgekanzelt werden. Prinzipiell eine verständliche Haltung, die nach fast 100 Tagen und einem unveränderten Status quo – obschon Tom in einer Sisyphus-Beschäftigung Hoffnung zu schöpfen beginnt – aber etwas naiv erscheint. Warum sich nicht einfach in der Aufgabe verlieren, die Elternrolle annehmen? Zumal die Lage keine Alternativen liefert. Vivarium bietet seinen beiden Figuren nur wenig Entlastung, zugleich wird auch von ihnen kaum eine solche besorgt.

“It’s only horrible sometimes”, hatte Gemma in ihrer Funktion als Lehrerin einer ihrer Grundschülerinnen mit auf den Weg gegeben, als diese einen toten Vogel vor der Schule fand. Ähnlich ließe sich die Aussage auf das Elterndasein münzen und die augenscheinliche Hölle, in einem biederen Vorort gefangen, ein Kind auf Kosten der eigenen Freiheit erziehen zu müssen. Während Jesse Eisenberg grundsätzlich ideal für die Rolle des narzisstischen Arschlochs zu passen scheint, allerdings keinerlei Nuancen in seiner Darstellung von Tom findet, erscheint Gemmas Widerstreben angesichts ihrer pädagogischen Qualifikation etwas überraschend, wird jedoch ebenfalls nicht sonderlich von Imogen Poots im Verlauf vertieft.

Vivarium funktioniert prinzipiell wegen seiner Metapher, die zwar selten sonderlich subversiv gerät, aber dennoch weitestgehend unterhaltsam. Aus der Prämisse hätte sicher etwas mehr gemacht werden können, der Film, obschon nur 90 Minuten lang, verliert sich etwas in seinem Übergang vom zweiten zum dritten Akt. Generell wäre das Konzept vermutlich als halb so lange Episode à la The Twilight Zone etwas runder geraten, Finnegans Film ist in einem von Corona-geprägten Filmjahr dann aber doch originell genug, um zu den gelungeneren Beiträgen des Jahres zu zählen. Elternschaft kann mühselig sein, Soren Kierkegaard verglich Mühsal mit einer Straße: Es müsse zu etwas führen und gangbar sein – sonst wird es zur Einbahnstraße.

7/10

1. Oktober 2014

Filmtagebuch: September 2014

BURT’S BUZZ
(CDN 2013, Jody Shapiro)
5.5/10

DON’T BE A MENACE TO SOUTH CENTRAL WHILE
DRINKING YOUR JUICE IN THE HOOD

[HIP HOP HOOD – IM VIERTEL IST DIE HÖLLE LOS]
(USA 1996, Paris Barclay)

3.5/10

FATHER OF THE BRIDE [VATER DER BRAUT]
(USA 1991, Charles Shyer)

6/10

FATHER OF THE BRIDE PART II
[EIN GESCHENK DES HIMMELS – VATER DER BRAUT 2]
(USA 1995, Charles Shyer)

5/10

FRANK
(UK/IRL 2014, Lenny Abrahamson)
1/10

GHOST SHIP
(USA/AUS 2002, Steve Beck)
5/10

L’ÉTRANGE COULEUR DES LARMES DE TON CORPS
[THE STRANGE COLOR OF YOUR BODY’S TEARS]
(B/F/L 2013, Hélène Cattet/Bruno Forzani)

1/10

LABOR DAY
(USA 2013, Jason Reitman)
5.5/10

LOST – SEASON 5
(USA 2009, Jack Bender u.a.)
7.5/10

LOST – SEASON 6
(USA 2010, Jack Bender u.a.)
7.5/10

KICK-ASS 2
(USA/UK 2013, Jeff Wadlow)
2.5/10

MAD MAX
(AUS 1979, George Miller)
7.5/10

MAD MAX 2: THE ROAD WARRIOR
[MAD MAX 2 – DER VOLLSTRECKER]
(AUS 1981, George Miller)

6.5/10

MAD MAX BEYOND THUNDERDOME
[MAD MAX – JENSEITS DER DONNERKUPPEL]
(AUS 1985, George Miller)

5.5/10

MANAKAMANA
(USA/NEP 2013, Stephanie Spray/Pacho Velez)
7/10

NEEDFUL THINGS
(USA 1993, Fraser Clarke Heston)
4.5/10

NEIGHBORS [BAD NEIGHBORS]
(USA 2014, Nicholas Stoller)

3.5/10

NIGHT MOVES
(USA 2013, Kelly Reichardt)
3.5/10

ORPHAN BLACK – SEASON 1
(CDN 2013, John Fawcett u.a.)
7/10

PHILOMENA
(UK/USA/F 2013, Stephen Frears)
6/10

RAMSAY’S KITCHEN NIGHTMARES – SEASON 1
(UK 2004, Christine Hall)
7.5/10

THE ROVER
(AUS/USA 2014, David Michôd)
5.5/10

3. Oktober 2010

The Social Network

Do you think I deserve your full attention?

Wer darunter leidet, keine Freunde zu haben, kann sich seit ein paar Jahren am Bildschirm trösten: Facebook verspricht Abhilfe. David Fincher hat diese moderne Variante des Selbstbetrugs zum Inhalt seines neuesten Films The Social Network gemacht. Zuletzt nahm sich schon South Park dieses Themas – man sollte eigentlich eher von einem Problem sprechen – in der Episode “You Have 0 Friends” an. Anstatt ihre Freizeit gemeinsam zu verbringen, hängen Cartman, Kenny und Kyle vor ihren Rechnern herum und facebooken mit ihren Freunden. Widerstrebend wird auch Stan in das soziale Netzwerk gezwängt – und sieht sich daraufhin mit Fragen seitens seiner Familie konfrontiert wie etwa: „Laut deinem Facebook-Profil sind wir keine Freunde.“

Freundschaft und Freizeit findet im 21. Jahrhundert verstärkt online statt. Facebook und Twitter lösen als Kommunikationsmittel das Telefonieren ab, wie in den 1990ern die E-Mail den Brief zu verdrängen begann. Dabei erfand Facebook nicht das Rad neu und ist per se auch nicht sonderlich kreativ. Dennoch verzeichnet es seit seinem Start am 4. Februar 2004 inzwischen über 500 Millionen Mitglieder – und ist aus dem sozialen Leben der Amerikaner nicht mehr wegzudenken. Man mag sich fragen, wie die Menschen ohne Facebook auskamen, wie Petrus vor fast 2.000 Jahren in Rom mit Jakobus und den anderen Jüngern Jesu in Kontakt blieb? Keine Möglichkeit, auszudrücken, ob es  „gefällt“, dass Petrus erster Papst ist.

Mehr schlecht als recht überlebte unsere Zivilisation also bis zum Jahr 2004. Nach dreieinhalb Jahren war Facebook bereits 15 Milliarden Dollar wert, sein Gründer Mark Zuckerberg ist inzwischen der jüngste Selfmade-Milliardär aller Zeiten. Letztes Jahr erschien das Buch “The Accidental Billionaires” von Ben Mezrich. Es beschreibt die Anfänge der Facebook-Gründer um Zuckerberg und seinen Harvard-Kommilitonen und besten Freund Eduardo Saverin. David Fincher nahm sich nun des Stoffes an, wollte ihn so schnell wie möglich verfilmen und zeitnah als The Social Network ins Kino bringen. Der Film erzählt die Geschichte von Mark Zuckerberg (dargestellt von Jesse Eisenberg) und wie er das wichtigste soziale Netzwerk der Gegenwart schuf.

Fincher beginnt mit jenem Abend des 28. Oktober 2003, als Marks  Freundin Erica (Rooney Mara) mit ihm Schluss macht, weil er sie von oben herab behandelt. Sie will seine Faszination für die Studentenverbindungen in Harvard nicht teilen. Dabei bestimmen doch diese, ob man es später zu etwas bringt. Mit zwei Bier intus und gekränktem Stolz wird mit seinen Mitbewohnern und Kumpel Eduardo (Andrew Garfield) “Facemash”, ein Hot-or-Not-Ranking der Kommilitoninnen, erstellt. Innerhalb weniger Stunden legen Zuckerberg & Co. das Campus-Netz lahm, erregen die Aufmerksamkeit der Uni und einer elitären Clique rund um die Zwillinge Cameron und Tyler Winklevoss (Armie Hammer) sowie Divya Narendra (Max Minghella).

Das Trio heuert Zuckerberg an, ein soziales Netzwerk zu programmieren. Er wird neugierig, beginnt zu tüfteln – und klaut ihnen schlussendlich einfach die Idee. So, wie er Facebook einige Jahre später seinem Mitarbeiter und ehemals besten Freund Eduardo klauen wird. Zwischen diesen beiden Handlungssträngen und den in Rückblenden erzählten, früheren Ereignissen, driftet Fincher hin und her. Man erfährt, dass Zuckerberg, dieser Nerd, der auch im Winter mit kurzer Hose und Badeschlappen über den Campus hampelt, wenn er schon kein narzisstisches Arschloch ist, sich zumindest wie eines aufführt. So lautet zumindest das Urteil seiner Anwältin (Rashida Jones); und man kann ihre Antipathie als Zuschauer nachvollziehen.

Zuckerberg wäre ja so gern Mitglied in einer der „wichtigen“ Verbindungen, andererseits sagt er oft, was er denkt, und stößt damit nicht nur Fremde, sondern sogar seine Freundin vor den Kopf. Das ist jedoch nicht die Person Mark Zuckerberg, und leider nicht einmal irgendeine Person. Drehbuchautor Aaron Sorkin, seines Zeichens Schöpfer der renommierten Fernseh-Polit-Dramas The West Wing, verliert sich dabei ein ums andere Mal in vielen geschwätzigen Dialogen, die in ihrer Spitzfindigkeit David Fincher vielleicht glauben lassen, dass sie in Verbindung mit seinem technischen Können aus The Social Network den Citizen Kane der John-Hughes-Filme gemacht haben. Wirkliche Figuren sollte der Zuschauer aber hier nicht wirklich erwarten.

Sie alle – von Mark über Eduardo bis hin zum Napster-Gründer Sean Parker (Ex-’N Sync-Sänger Justin Timberlake) – bleiben blass, frei von jedwedem Charakter. Man fragt sich vergeblich, warum Erica überhaupt mit Zuckerberg eine Beziehung eingegangen ist, was einen extrovertierten Menschen wie Eduardo zum besten Freund eines derart selbstverliebten Ekels machte oder was eigentlich nicht nur Harvard-Studenten, sondern überhaupt eine halbe Milliarde Menschen an so etwas wie Facebook finden. Das hat dann auch wenig mit Zeitgeist zu tun oder mit Momentaufnahmen unserer Generation. Facebook ist letztlich nur eine gefragte Modeerscheinung, bis ein anderer spinnerter Nerd in Badeschlappen das nächste Internet-Tool erfindet.

Warum sich Sorkin so ausführlich mit den Winklevoss-Zwillingen beschäftigt, ist auch unklar, verschwinden diese doch alsbald von der Bildfläche. Womöglich tauchen sie nur als Ideengeber für Facebook auf, das Zuckerberg die ersehnte Anerkennung bringen soll. Er ist in seiner Sehnsucht nach Anerkennung ein Geplagter, jemand, der es nicht sich, sondern den Anderen beweisen will. Eine faustische Figur, die letztlich ihrem Mephisto ins wenn schon nicht finanzielle, doch soziale Verderben folgt. Dabei ist der interessanteste Aspekt von The Social Network nicht Facebooks Erfindung, sondern die Freundschaft zweier Männer, die das überbordende Ego eines von ihnen zerstört. Etwas, worüber die Figuren aber nicht sinnieren.

So zeigt der Film einen Mann mit vielen Arschkriechern um sich, aber ohne Freunde. Einen Twen, der zwar im Geld schwimmt, aber ein sozialer Aussätziger bleibt. Wie immer es um die Psyche des realen Mark Zuckerberg bestellt sein mag, sein filmisches Pendant hätte durchaus mit etwas (mehr) Leben ausgestattet werden können. Ebenso der gesamte Film mit einer wirklichen Handlung. Denn so gut er auch von Fincher fotografiert ist – von technischer Seite lässt sich kein Vorwurf machen –, vermittelt er letztlich nicht mehr Informationen als einschlägige Wikipedia-Einträge und verliert sich stattdessen in Geschwätzigkeit und Belanglosigkeit. Oder, wie es Stan in South Park so treffend formuliert hat: “Dude, fuck Facebook, seriously.”

6.5/10

11. Dezember 2009

Zombieland

Twelve's the new twenty.

„This summer, when you think vacation, think National Lampoon’s Vacation. See the real America. It’s friendly. It’s educational. And most of all…it’s fun”, proklamierte 1983 der Trailer zu National Lampoon’s Vacation. Jetzt, 26 Jahre später, schickt sich eine Zombiekomödie an, zum Crossbreed aus Harold Ramis’ Klassiker des amerikanischen Road-Trips und Shaun of the Dead, der hier Pate stehenden britischen Zombiekomödie, zu werden. Man mische eine amerikanische „Familie“ aus vier Kaukasiern (2 Männer, 2 Frauen), eine Reise mit dem Auto zu einem Freizeitpark und jede Menge vergnügliches Zombiegekloppe – fertig ist ein Komödienhit. Zudem einer, der bereits seine Fortsetzung gegreenlighted bekommt, bevor der Vorgänger überhaupt weltweit vollständig gestartet ist. Dementsprechend kann man die erfolgreichsten Komödien des Jahres (The Hangover allen voran) daran erkennen, dass in den kommenden Jahren die 2 hintendran gehängt wird und die Chose startet neu.

Anti-Held und Erzähler der Geschichte von Regisseur Ruben Fleischer ist ein übervorsichtiger Nerd, der aufgrund seines Reiseziels den Spitznamen Columbus, Ohio (Jesse Eisenberg) erhält. Er hält sich an das Motto aus Stand By Me („Have Gun Will Travel reads the card of a man. A knight without armor in a savage land.“) und zieht mit Flinte und Trolley durch das post-apokalyptische Amerika. Um das Buddy-Gespann zu komplettieren wird dem Weichei Columbus der extracoole Tallahassee (wie immer herrlich: Woody Harrelson) an die Seite gestellt. Tallahassee macht sich ein Vergnügen an der kreativen Beseitigung der lebenden Toten, schließlich haben diese auch seinen kleinen Sohn auf dem Gewissen. Eine später vermeintlich emotionale Szene, die einen jedoch in all dem sonstigen Nonsens-Klamauk überraschend kalt lässt. Das Testosteron-Duo wird schließlich noch von dem Schwesterpärchen Wichita (Emma Stone) und Little Rock (Abigail Breslin) unterstützt, die es sich zum Ziel gesetzt haben, den kalifornischen Freizeitpark Pacific Playground zu erreichen.

Ein Alibi-Subplot – Tallahassee sehnt sich nach Amerikas letztem Twinkie – führt dann dazu, dass während der Reise durch verweste Straßen gelegentlich angehalten wird, um den ein oder anderen Zombie auf möglichst amüsante Art und Weise umzunieten. Schließlich ist es ein groß angekündigter Cameo, der endlich die Überleitung bildet zur eigentlichen Station von Zombieland. Für eine Komödie die keine anderthalb Stunden geht, weist Fleischers Film gerade in seiner Mitte unwahrscheinliche Längen auf. Eine Zerstörungsorgie in einem Souvenirshop amerikanischer Ureinwohner wird hier exzessive ausgedehnt, ehe man ganze zehn Minuten mit dem nur leidlich lustigen Cameo-Gast verschwendet. Lediglich dessen Exposition und Verabschiedung wollen einige Lacher aus einem heraus kitzeln. Ein Manko, das Zombieland eigentlich durch die gesamte Laufzeit hindurch begleitet. Einige Szenen von Tallahassee sind zu überzogen auf cool getrimmt, andere Szenen aufgrund ihrer Redundanz bereits langweilig.

Wo manch andere Komödie ihre fehlgeleiteten Witze durch die enorme Gagdichte ausgleichen kann, fallen einem Zombieland’s gelungene Szenen wie Kakteen in der Wüste auf. Ideen wie der Zombie Kill of the Week oder Tallahassees Achterbahnfahrt sind in der Tat ganz lustig, können jedoch all die Leerstellen, die sich sonst auftun, nicht vollends überdecken. Da Humor jedoch eine subjektive Sache ist, kann man Fleischer und seinen Drehbuchautoren hier wohl keinen Vorwurf machen. Daher kann Zombieland ein gewisser Charme somit nicht abgesprochen werden. Dieser gründet zu einem Großteil auch auf der gefälligen Besetzung, von der Eisenberg als Michael Cera für Arme als schwächstes Glied der Kette herausragt. Hätte Fleischer sich auf ein tatsächliches Zombieland beschränkt – indem der Titel Abenteuer in einem Themenpark (Itchy & Scratchy Land lässt grüßen) und nicht in den USA referieren würde -, wäre seinem Film wohl mehr geholfen gewesen. So ist Zombieland eine nette Komödie geworden. Mehr aber auch nicht.

6/10

20. November 2007

The Hunting Party

Only the most ridiculous parts of the story are true.

Wenn sich Amerikaner ernsten Themen widmen wollen, geht das doch meistens eher in die Hose. Zu sehr orientiert sich das Kino dort an seinem Kunden und dieser ist nun mal dem Mainstream zugeneigt. Unterhaltung ist das magische Wort und diese finden die Jungs meistens wenn Sachen in die Luft fliegen oder gehörig auf die Nase geboxt wird und Frauen bei Herz-Schmerz-Liebesgeschichten – dies kann mitunter katastrophale Ergebnisse wie Pearl Harbour nach sich ziehen. In Zeiten des Krieges wird dann jedoch gerne mal von der Showbranche der moralische Finger gehoben, nach Sam Mendes Jarhead folgten eine kleine Flut von Irakkriegsdramen, welche sich dieses Jahr mit Brian De Palmas Redacted und Paul Haggis’ In the Valley of Elah fortsetzen, aber auch anderen Krisengebieten wird sich von seitens Edward Zwick in Blood Diamond oder Richard Shepard mit The Hunting Party gewidmet. Shepard, welcher nach einer Zeit in Los Angeles zurück nach New York wanderte um dort Filme seinem Gusto entsprechend zu drehen, konnte vor zwei Jahren mit der Killer-Zote The Matador um Pierce Brosnan und Greg Kinnear begeistern und widmet sich dieses Jahr den Nachwehen des Bosnien-Konfliktes basierend auf einem Artikel von Scott Anderson im Esquire Magazin.

Simon Hunt (Richard Gere) ist Kriegsberichterstatter in Bosnien 1995 und wagt sich mit seinem Kameramann Duck (Terrence Howard) wegen des Nervenkitzels gerne in den Kugelhagel. Als er jedoch zu einem Massaker der Serben in ein muslimisches Dorf fahren muss, wo er seine schwangere Geliebte vergewaltigt und erschossen vorfindet, brennen bei ihm die Sicherungen durch und er poltert vor laufender Kamera los. Natürlich kostet Simon dies seinen Job und er geht in den folgenden fünf Jahren die Karriereleiter des Journalisten ganz nach unten, während es um seinen Kameramann Duck besser bestellt ist. Als dieser mit seinem Chef und dem Praktikanten und zugleich Chef des Vizepräsidenten des Senders, Benjamin (Jesse Eisenberg), fünf Jahre später nach Sarajevo zurückkehrt, trifft er wieder auf Simon. Dieser lockt Duck dazu, ihn auf der Suche nach dem Kriegsverbrecher Nummer 1, nur „Fuchs“ genannt, zu unterstützen. Duck und Benjamin beißen an und bald sehen sich die drei mit indischen Polizisten und paranoiden UN-Beamten konfrontiert, während sich die Schlinge um den Fuchs scheinbar immer enger schnürt.

Wie erwähnt basiert Shepards Film auf dem Artikel von Scott Anderson im Esquire (bei Interesse hier nachlesbar) und kokettiert vor Beginn und am Ende mit Details zur Glaubhaftigkeit des ganzen. Dabei erzählt Andersons Artikel nicht dieselbe, sondern eine ähnliche Geschichte. Fünf Journalisten, aus dem Bosnienkonflikt miteinander bekannt, trafen sich im Jahr 2000 fünf Jahre später in Sarajevo wieder, um der alten Zeiten willen. Drei von ihnen – darunter Anderson – Amerikaner, dazu ein Holländer und eine Belgier. Nach einigen Slibowitz diskutierten die Freunde dann, den als Kriegsverbrecher gesuchten Dr. Radovan Karadzic ausfindig zu machen. Gerüchten zu Folge hielt dieser sich Celibici auf. In zwei Tagen wollten die Journalisten im Rausch das vollbringen, was Amerikaner und zwanzigtausend NATO-Soldaten nicht geschafft hatten. Sie fuhren schließlich nach Celibici und meldeten sich bei der Internationalen Polizei an, welche in der Tat keine Anklagepunkte für die gesuchten Kriegsverbrecher bekommen hatte. Und die Gruppe begegnete auch dem UN-Sicherheitsoffizier Boris, der die fünf in der Tat für ein CIA-Hit-Team hielt, genauso wie sein Kontaktmann Dragan. Die Journalisten spielten mit, sahen sich aber kurz darauf einem echten, unbenannt bleibenden, CIA-Mann gegenüber. Die Tatsache, dass fünf Journalisten innerhalb einer Woche einen Kontaktmann zu Karadzic gefunden hatten und dies den Amerikanern, der UNO und der NATO in fünf Jahren nicht gelungen zu sein scheint, lässt dem Leser das offensichtliche Fazit der Geschichte offen.

Diesen vor Sarkasmus triefenden Artikel, der sehr unterhaltsam und in seiner Botschaft essentiell ist, hat Shepard nunmehr für die Leinwand verarbeitet und sich dabei an Andrew Niccol’s Lord of War orientiert. Eine an sich ernste Geschichte durch gehörig zynische Untertöne zur Satire werden zu lassen. Dumm nur, dass Shepard dabei scheitert, auch wenn seine Geschichte an manche gelungenen Aspekte von Lord of War anzuknüpfen vermag. Woran Shepard scheitert, ist seine Ernsthaftigkeit, denn The Hunting Party ist zu ernst, um Satire zu sein und zu komisch um ein ernsthafter Thriller zu sein. Da eröffnet Shepard mit einer sehr unterhaltsamen Einleitung in der ein kiffender Gere mit Howard durch die Strassen rennt um wenige Minuten später in ernsten Bilden die zerschossenen Balkone und Häuser Sarajevos zu zeigen. Ein lustiger Ausraster von Geres Figur wird mit dem grausamen Bild einer erschossenen Schwangeren verknüpft. Dies hat Lord of War nicht versucht, sondern sich ganz auf den zynischen Charakter seiner Geschichte konzentriert. Shepard will dem humorvollen Aspekt von Andersons Artikel jedoch einen kriegskritischen Unterton verleihen, kommt damit jedoch beim Zuschauer nicht an. Wenn er aus dem Informanten Dragan die sieben Stunden lang vergewaltigte Mirjana macht, verliert er sich in seiner moralischen Botschaft (vor allem da Diane Kruger mit grauenhaftem serbischen Akzent redet).

Hätte man sich auf den Artikel und seinen Inhalt beschränkt, fünf Journalisten, die eigentlich Urlaub am Strand machen wollen, dann aus dem Suff heraus beschließen einen der meistgesuchten Kriegsverbrecher Europas ausfindig zu machen und dabei als Special Ops Team des CIA verwechselt werden, dann wäre ein großartiger Film dabei herausgekommen. Denn Shepard hat mit The Matador bewiesen, dass er diese Art von Humor umsetzen kann und hätte mit Greg Kinnear auch schon einen der Journalisten perfekt casten können. Die echten Journalisten waren weder zweimal kurz davor umgebracht zu werden, noch haben sie den Kriegsverbrecher gestellt. Elemente wie der Zwerg oder der Killer des Fuchses gehören vielleicht in den Bosnienkrieg, jedoch nicht in die Geschichte von Anderson. Dabei ist es bezeichnend, dass sich Hunt im Film erst gegen den Bosniengenozid stellt, als seine eigene Geliebte umgebracht wird – Musterbeispiel hierfür ist Duck, den dies nicht sonderlich gekümmert hat und auf den ein gut bezahlter Job und eine noch besser aussehende Freundin warten (aus welchem Grund diese eingefügt wurde, ist ebenso wie bei Krugers Figur ein Rätsel). Was bleibt ist ein zum Teil ernster Film über den Bosnienkrieg und seine Nachwirkungen und ein zum Teil lustiger Film über eine abgedrehte Verwechslungsgeschichte. Beides zusammen (und mit diesem Ende!) lässt sich jedoch nicht vereinbaren und so hat Shepard aus einer Geschichte mit höchstem Unterhaltungswert einen Film gemacht, der weder das eine noch das andere darstellt.

5.5/10