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10. November 2017

La La Land

How about: all for you and none for me?

Es gibt drei bemerkenswerte Szenen in Damien Chazelles Debütfilm Whiplash, in denen die Hauptfigur, ein Musiker, eine Kinoangestellte zu einem Date einlädt, mit ihr auf dieses Date geht und anschließend die Beziehung mit ihr beendet, weil sie sich auf ihre Musik fokussieren will. Ein Subplot im minimalsten Sinne, mit dem ausschließlichen Hintersinn, dem Publikum eine Figur zu zeigen, die etwas erhält, das sie für ihre Ziele opfern kann. Nicht, dass es dieses Opfers gebraucht hätte, um die Motivation des Charakters zu verstehen, geschweige denn, dass die geopferte Beziehung zuvor irgendeine Relevanz gehabt hätte, so flüchtig wie sie skizziert wurde. Es wundert nicht, dass Chazelle dasselbe Schema in seinem Folgefilm La La Land erneut fährt.

Die Hälfte des Films ist beinahe rum, als die aufstrebende Schauspielerin Mia (Emma Stone) plötzlich einen Freund an die Seite gestellt bekommt, den die Handlung zuvor weder gezeigt noch referiert hat. Während eines Dinners mit dem Freund sagt sich Mia von diesem los, weil sie eigentlich zeitgleich eine Verabredung mit dem aufstrebenden Jazz-Musiker Sebastian (Ryan Gosling) hat, zu dem sie eilt, um mit ihm eine Romanze zu beginnen. Sinn und Zweck des Deux-ex-machina-Freundes von Mia ist erneut, dem Publikum zu veranschaulichen, wie ernst es der Figur mit etwas ist, was auch zuvor bereits deutlich geworden war. Es ist absehbar, dass Damien Chazelle auch in seinem nächsten Film wohl wieder eine ähnliche Szene integrieren wird.

La La Land ist ein Musical voller Misstöne – sowohl narrativ, als auch was seine Musik angeht. Beginnend mit einer relevanzlosen Eröffnungsnummer, die zwar auf das Thema der aufstrebenden Stars in Los Angeles verweist, allerdings mit völlig falschem Kontext. Passend, dass in der Szenerie des Autostaus die zwei Hauptfiguren anwesend sind, aber an dieser nicht teilnehmen. Statt die Szene zum späteren Zeitpunkt einzuführen und auf einen der Charaktere zu fokussieren, ist sie so deplatziert und verschenkt. Gibt aber den Ton an, für die folgenden katastrophalen Musikstücke von Justin Hurwitz. Ein Musical ist letztlich nur so gut wie seine Lieder – und die von La La Land hat man bereits vergessen, bevor sie überhaupt beginnen.

Das liegt zum einen daran, dass die Textzeilen nicht atmen können, da sie einerseits zu schnell vorgetragen und andererseits von der Musik übertönt werden. In Musicals wie West Side Story erhalten die Song-Passagen entsprechend Raum zur Entfaltung, die Musik begleitet den Text. In La La Land verkommt alles zu einem unübersichtlichen Einerlei, exemplarisch zum Ende einer Hausparty, in der sich die Kamera irgendwann in den Pool stürzt. Ähnlich verhält es sich mit den Tanzpassagen, die in anderen Musical-Filmen Aussagekraft besitzen, während sie bei Chazelle lediglich Beiwerk sind im Zerrbild dessen, was vom Regisseur als Musical begriffen wird. Wo der Film bei Musik und Tanz versagt, trifft dies auch auf die Handlung zu.

Sie mag keinen Jazz, verrät Mia später. Folgt eingangs in einer Szene aber doch den Piano-Klängen von Sebastian. Beide Figuren begegnen sich nur kurz, erinnern sich natürlich sofort Monate danach aneinander, als sie sich zufällig wieder sehen. Mia will Schauspielerin sein, wandert jedoch von einem erfolglosen Casting zum nächsten. Die dienen wohl der humorvollen Auflockerung in ihrer desinteressierten Ignoranz der Figur, besitzen aber wie alles im Film keine wirkliche Botschaft, da sich die Handlung diesem Thema nicht widmen mag. Ein gelungenes Gegenbeispiel lieferte dieses Jahr eine Casting-Szene in der Netflix-Serie GLOW, die etwas aussagte und zugleich Humor besaß. Beide Dinge müssen sich also nicht zwingend ausschließen.

Sebastian scheitert ebenso in der Verwirklichung seines Traums, befindet sich im Verlauf des Films allerdings ausschließlich in verschiedenen Stadien der Untreue zu seinen Idealen. Egal ob er Weihnachtslieder in einem Restaurant spielt oder in der Jazz-Pop-Band eines Bekannten (John Legend). La La Land will von diesen Träumern in der Traumfabrik Hollywood erzählen, dies macht schon der Autostau zu Beginn klar. Am Ende erreichen beide Figuren ihre Träume, wie sie dies geschafft haben, ist bei Sebastian letztlich noch unklarer als bei Mia. Letztere inszeniert ein eigenes Theaterstück – ein Misserfolg, der dann als Basis für Erfolg dient, indem er ihr ein Casting beschert, das ihre Karriere zum Weltruhm ebnen soll (wie auch immer).

Bezeichnend ist, dass die entscheidende Szene in dem persönlichen Stück nicht zu sehen ist. Beim Casting soll Mia dafür eine Geschichte erzählen. Chazelle nutzt dies, um zu einem der vergessenswerten Liedern von Hurwitz zu schneiden, ehe eine 0815-Überblende wieder die zwei Hauptfiguren auf die Leinwand zaubert. In der durchschnittlichen High-School-Komödie She’s All That gibt es eine ähnliche Szene, in der die Figur von Freddie Prinze Jr. während einer Performance-Show auf die Bühne muss – nur nutzt der Film dies für einen gelungenen Einblick in den Charakter der Figur, der ihre Werte zur Schau stellt. Ähnlich dürfte die Szene in Mias Stück funktioniert haben, der Film zeigt sie dem Zuschauer allerdings nur leider nicht.

Es fehlt dem Film an einem konsistenten Ton, eine verspielte Planetarium-Tanzszene als müde Hommage an Rebel Without a Cause verkommt zum Selbstzweck, trifft im Verlauf dann auf konventionellen Rom-Com-Humor bei Musikproben zwischen den Figuren von Ryan Gosling und John Legend. La La Land wird von Chazelle als kruder Mix aus West Side Story und Crazy Stupid Love inszeniert, konstant lediglich in seiner Uninspiriertheit, die sich von der Mise en Scène über die durch sich selbst ertränkte Musik bis hin zu den blassen Darstellerleistungen niederschlägt. Es fällt mir nicht nur schwer, dem Film positive Aspekte abzugewinnen, es ist vielmehr schlichtweg nicht möglich, da ihm jedem guten Willen zum Trotz keine solchen innewohnen.

Der Hype um den Film, kulminierend in so abstrusen wie folgerichtigen 14 Oscar-Nominierungen, ist selbsterklärend in Zeiten, wo Transformers-Filme immerzu die Milliarden-Dollar-Grenze sprengen und Disney sowie Marvel mit ihren Star Wars- und Superhelden-Werken stets dieselbe Geschichte erzählen und mit jedem Serieneintrag aufs Neue für ihre vermeintliche Originalität gelobt werden. “They worship everything and they value nothing”, kommentiert es La La Land an einer Stelle passend selbst. Das Positive ist, dass der Film bereits jetzt zum Jahresende nahezu vergessen ist. Und in Zukunft noch weniger eine Rolle in der Kinogeschichte spielten wird. Ein Opfer ohne Relevanz also – damit kennt sich Damien Chazelle ja aus.

0/10

9. Juli 2016

Popstar: Never Stop Never Stopping

Boom, parent trap!

Branchenkomödien können eine delikate Angelegenheit sein, da sie Dinge karikieren, die in der Regel bereits für sich oft nah an der Lächerlichkeit sind. Insofern eint Popstar: Never Stop Never Stopping, der zweite Kinofilm von The Lonely Island, relativ viel mit Ben Stillers Zoolander. Beide setzen eine ziemlich minderbemittelte, aber nichtsdestotrotz (oder gerade deswegen) von der Öffentlichkeit geliebte Figur in ein narzisstisches Medienumfeld. Wo Stiller das männliche Model Derek Zoolander mimte, schlüpft SNL-Veteran Andy Samberg in die Rolle des Popstars Conner4real, der nach einem Zwist mit seiner lange Jahre erfolgreichen Band The Style Boyz ein Solo-Projekt startete, dessen zweites Album inzwischen sehnsüchtig erwartet wird.

Die Co-Stars Akiva Schaffer und Jorma Taccone inszenieren Popstar: Never Stop Never Stopping dabei als Mockumentary, die sich vom Stil her weniger an This Is Spinal Tap orientiert als vielmehr an Andy Sambergs HBO-Kurzfilm 7 Days In Hell aus dem vergangenen Jahr. Der Film folgt dabei als Dokumentation den Wochen vor Conners Album-Release sowie der kurz danach beginnenden Tournee und all den Widrigkeiten, die sich für den Musik-Star in der Folge ergeben. Unterfüttert wird dieses „Archivmaterial“ mit Talking Heads anderer Musikgrößen, von Usher über Questlove bis hin zu RZA oder Carrie Underwood sowie Conners engerem Zirkel, darunter Band-Manager Harry (Tim Meadows) und Publizistin Paula (Sarah Silverman).

Conner selbst lebt dabei das Leben eines durchweg gepamperten Stars, der von Ja-Sagern umgeben ist. Ein Großteil der Entourage, wie sie im Trailer auftauchte (u.a. Will Forte als privater Dudelsack-Spieler), fiel dem Schnitt zur Last. Kurz erwähnt wird Roadie Zippy (Bill Hader), am prominentesten kommt noch Privatkoch Tyrus Quash (Justin Timberlake) daher. Im Zentrum steht jedoch Conner und sein drohender Album-Flop. Der bahnt sich bereits an, als der Star einen Deal mit einem Küchenwaren-Hersteller eingeht, der das Album des Künstlers automatisch in all seine Applikationen herunterlädt. Das “Songs of Innocence”-Debakel von U2 und iTunes lässt grüßen. Aber auch mit dem Album-Inhalt selbst tut sich Conner keinen Gefallen.

Mit 100 Produzenten arbeitete er zusammen, um lauter Hits zu garantieren. Doch zünden wollen die Songs nicht. Sei es seine Gleichberechtigungshymne Equal Rights, in der Conner zwar die Ehe von Homosexuellen befürwortet, sich selbst von dieser Gruppe jedoch distanziert (“Not gay”). Die Folge sind “mixed reviews”, wie es Conner kurz darauf selbst bei der Lektüre der Kritiken nennt, die von Negativwertungen bis hin zu Shit-Emojis reichen. Da hilft auch nicht Conners fingierte Beziehung zu einem britischen Film-Starlet (Imogen Poots), weshalb Harry kurzerhand die Reißlinie zieht. Er engagiert den aufstrebenden Rapper Hunter (Chris Redd) als Opening Act für die Tour – nur entwickelt sich der daraufhin verstärkt zum eigentlichen Star.

Vom umjubelten VIP gerät Conner immer mehr ins Abseits. Als einziger Freund, wenn auch nicht gewürdigt, erweist sich sein DJ Owen (Jorma Taccone), mit dem er einst bei den Style Boyz auftrat. Bis zu dem Moment, wo er Lawrence (Akiva Schaffer), das dritte Mitglied, durch seinen Egoismus verprellte. Der lebt seither auf einer Farm, während Owen alles daran setzt, die beiden ehemaligen Freunde getreu dem Lindsay-Lohan-Film The Parent Trap in einen Raum zu bringen, um sich auszusöhnen. Denn eine Reunion der Style Boyz geht nur als Trio, wie Lawrence später erläutert. “Like a tricycle. You take one wheel away, what do you got? Nothing!” Insofern ist die Richtung – und das Ende – des Films weitestgehend vorgegeben.

Von seiner Geschichte her will Popstar: Never Stop Never Stopping nur bedingt funktionieren, zu inkohärent ist diese inszeniert. So amüsant die namhaften Cameos auch sind, wirkt ihr Input zur musikalischen Bedeutung der Style Boyz oder von Conners Catchphrases (“Doinkdedoink”) nicht allzu glaubwürdig. Eine mehr interaktive Herangehensweise à la Entourage wäre hier überzeugender gewesen. Insofern hangelt sich der Film ein wenig von Vignette zu Vignette, die mal mehr und mal weniger zünden. Zugleich sollte man schon ein Fan von The Lonely Island und deren Humor sein, wie in Hot Rod oder den SNL Digital Shorts zu sehen. Der heimliche Star, so erklärt sich wohl auch die Herangehensweise an den Film, sollen aber die Songs sein.

Schließlich waren es Lieder wie Jizz In My Pants (153 Millionen Aufrufe) oder Like a Boss (142 Mio.), mit denen The Lonely Island sich auf YouTube einen Namen gemacht haben. Und eines kann man der Gruppe wahrlich nicht vorwerfen: dass es an guten Beats mangelt. Egal ob I’m So Humble mit YOLO-Co-Star Adam Levine oder Mona Lisa (“You’re an overrated piece of shit”), die Tracks gehen ins Ohr – auch wenn sie nicht zu den unsterblichen Stücken von The Lonely Island avancieren werden. Aber egal ob es die Hologramm-Show zu I’m So Humble ist oder der genial choreografierte Bühnenauftritt zu The Finest Girl (“Fuck Bin Laden”) – The Lonely Island wissen, wie sie sich und ihre infantil-vulgäre Musik amüsant inszenieren.

Im Gegensatz zu Hot Rod brennen sie allerdings nicht gerade ein Gag-Feuerwerk ab, etwas mehr Arbeit hätten sie also durchaus in ihre Charaktere stecken können. So ist Popstar: Never Stop Never Stopping eine leidlich gelungene Persiflage auf den modernen Pop-Zirkus, jenseits hier und da auftauchender Verballhornung von Branding und Selbstvermarktung. Ein Blick hinter die Kulissen wie im vergangenen Jahr Beyond the Lights will der Film sicher auch nicht sein, eine vollends überzeugende Branchenkomödie ist er allerdings ebenso wenig. “It’s the thought that counts”, erklärt Conner in einer späteren Szene einen Fauxpas gegenüber Owen. Und in gewisser Weise ließe sich dies auch über Popstar: Never Stop Never Stopping sagen.

7/10

1. Februar 2015

Filmtagebuch: Januar 2015

THE AMAZING SPIDER-MAN
(USA 2012, Marc Webb)
5.5/10

THE AMAZING SPIDER-MAN 2
(USA 2014, Marc Webb)
5/10

ART AND CRAFT
(USA 2014, Sam Cullman/Jennifer Grausman/Mark Becker)
5.5/10

BATMAN: UNDER THE RED HOOD
(USA 2010, Brandon Vietti)
7/10

THE BEACH
(USA/UK 2000, Danny Boyle)
6/10

THE BOX
(USA 2009, Richard Kelly)
4/10

BROKEDOWN PALACE
(USA 1999, Jonathan Kaplan)
4.5/10

THE DEFIANT ONES [FLUCHT IN KETTEN]
(USA 1958, Stanley Kramer)

7.5/10

FRIDAY NIGHT LIGHTS – SEASON 1
(USA 2006/07, Jeffrey Reiner u.a.)
7/10

FRIDAY NIGHT LIGHTS – SEASON 2
(USA 2007/08, Jeffrey Reiner u.a.)
6/10

FRIENDS – SEASON 6
(USA 1999/2000, Gary Halvorson u.a.)
7.5/10

FRIENDS – SEASON 7
(USA 2000/2001, Gary Halvorson u.a.)
7.5/10

FRIENDS – SEASON 8
(USA 2001/2002, Gary Halvorson u.a.)
7.5/10

GRUDGE MATCH [ZWEI VOM ALTEN SCHLAG]
(USA 2013, Peter Segal)

5/10

THE IMMIGRANT
(USA 2013, James Gray)
6/10

JACKASS: THE MOVIE
(USA 2002, Jeff Tremaine)
5.5/10

JUMANJI
(USA 1995, Joe Johnston)
5.5/10

JUSTICE LEAGUE: CRISIS ON TWO EARTHS
(USA 2010, Sam Liu/Lauren Montgomery)
6/10

JUSTICE LEAGUE: THE FLASHPOINT PARADOX
(USA 2013, Jay Oliva)
6/10

JUSTICE LEAGUE: THRONE OF ATLANTIS
(USA 2015, Ethan Spaulding)
5.5/10

JUSTICE LEAGUE: WAR
(USA 2014, Jay Oliva)
5.5/10

LAGGIES
(USA 2014, Lynn Shelton)
4.5/10

LOVE IS STRANGE
(USA/F/BR/GR 2014, Ira Sachs)
5.5/10

NEED FOR SPEED
(USA/RP/IRL/UK 2014, Scott Waugh)
3/10

THE OMEN
(USA/UK 1976, Richard Donner)
4/10

PARDÉ [CLOSED CURTAIN]
(IR 2013, Jafar Panahi/Kambuzia Partovi)

3/10

RETURN TO PARADISE [FÜR DAS LEBEN EINES FREUNDES]
(USA 1998, Joseph Ruben)

6.5/10

SPIDER-MAN
(USA 2002, Sam Raimi)
7.5/10

TROPIC THUNDER
(USA/UK/D 2008, Ben Stiller)
6.5/10

VIRUNGA
(UK/CG 2014, Orlando von Einsiedel)
5.5/10

Retrospektive: Top Five 2008


SWEENEY TODD: THE DEMON BARBER OF FLEET STREET
(UK/USA 2007, Tim Burton)
8/10

SOUTHLAND TALES
(USA/F/D 2006, Richard Kelly)
8.5/10

IN BRUGES [BRÜGGE SEHEN... UND STERBEN?]
(UK/USA 2008, Martin McDonagh)

8.5/10

INTO THE WILD
(USA 2007, Sean Penn)
8.5/10

LE SCAPHANDRE ET LE PAPILLON [SCHMETTERLING UND TAUCHERGLOCKE]
(F/USA 2007, Julian Schnabel)

9.5/10

9. November 2010

Easy A

Just once I want my life to be like an 80's movie.

In Richard Linklaters Dazed and Confused lehnt Wooderson in einer Szene an einer Bowlinghalle und sagt beim Anblick der vorbeilaufenden Mädchen sagt: “That's what I love about these high school girls, man. I get older, they stay the same age“. Eine passende Paraphrasierung eines Genres, welches sich wie kein anderes kaum gewandelt hat. Egal ob The Last Picture ShowClueless oder Superbad - überall lassen sie sich finden: die Jocks, die Nerds, die Stoners. Die High School ist für die einen die beste Zeit, die sie vielleicht jemals haben werden, für die anderen dagegen eine Hölle, die durchstanden werden muss. Die Sprache und Umgebung ändert sich, doch die Struktur der High School bleibt gleich. Umso schwerer für einen Genrefilm, aus der Masse herauszustechen. Mit Easy A ist Regisseur Will Gluck dies gelungen: eine herausragende High-School-Komödie.

Hier haben wir Olive (Emma Stone), eine liebenswerte Bilderbuch-Teenagerin, die gut aussieht und als Einzige in ihrer Klasse das zu behandelnde Buch (The Scarlet Letter) gelesen hat. Zudem verfügt sie über Eltern (Stanley Tucci, Patricia Clarkson), für die die Beschreibung „liberal“ noch eine Beleidigung wäre. Problematisch wird Olives Leben, als sie ihr Wochenende allein in ihrem Zimmer verbringt und Natasha Bedingfields „Pocketful of Sunshine“ lauscht. Von ihrer Freundin Rhiannon (Alyson Michalka) befragt, lässt sich Olive jedoch zu der Behauptung hinreißen, sie hätte ihre Jungfräulichkeit an einen Studenten verloren. Ihre christliche Mitschülerin Marianne (Amanda Bynes) überhört dies und verbreitet das Gerücht wie ein Lauffeuer. Fortan gilt die unscheinbare Olive als Schulhofschlampe und denkt sich daher: Ist der Ruf erst ruiniert…

Amüsanterweise ist Easy A eine Teenie-Komödie, in der dauernd über Sex geredet wird, ohne dass die Figuren (zumindest nicht Olive) Sex haben. Während Olive mit ihrer neuen Bekanntheit relativ gut leben kann, verselbstständigt sich diese bald. Von der Schulhof-Hierarchie geplagte Jungs wie der homosexuelle Brandon (Dan Byrd) entlohnen Olive dafür, dass sie behaupten können, sexuelle Beziehungen mit ihr gehabt zu haben. Was sich als soziale Bereicherung für die Jungs herausstellt, wird für Olive zum Problem. Sie verliert durch ihr Verhalten nicht nur Rhiannon, sondern macht sich auch noch Marianne zur Nemesis. Glucks Film spielt sehr gelungen mit der Macht, die Worte an einer High School haben. Ähnlich wie so mancher seiner Genrevorgänger - man denke nur an Finchs Reputation in American Pie - spielt Easy A gekonnt mit Gerüchten.

Dabei hat der Film natürlich fraglos Schwachpunkte in seiner Konstruktion, angefangen mit der Interaktion aller Figuren. Dass Olive nur mit den Nerds, Dorks und Geeks in die Kiste zu steigen scheint, fällt der Beletage scheinbar nicht auf. Genauso wie das Interesse von Olives Jugendschwarm Todd (Penn Badgley) an ihr so plötzlich auftaucht, dass sie selbst nachfragt, wo es herrührt. Auch ihre Unfähigkeit, mit ihren ultraliberalen und unkomplizierten Eltern oder ihrem charmant-freundlichen Lieblingslehrer (Thomas Hayden Church) über die Verselbstständigung ihres Rufes zu reden, überrascht. Und ohnehin ist Olives Familie geradezu pervers perfekt (bis hin zum adoptierten afroamerikanischen Bruder). Dass man all diese Dinge einfach schluckt und sie, obschon sie einem auffallen, nicht hinterfragt, liegt an dem gefälligen Darstellerensemble.

Während sich Penn Badley, Thomas Hayden Church, Malcolm McDowell und Cam Gigandet mit ihren kleineren Nebenrollen zufrieden geben, spielen Stanley Tucci und Patricia Clarkson erfrischend charmant. Dennoch steht und fällt Easy A mit Emma Stone in ihrer ersten Hauptrolle, die sie mit einer Leichtigkeit schultert, die man ihr nach ihren Rollen in Superbad oder The House Bunny problemlos zugetraut hat. Man folgt ihr durch all die Ungerechtigkeiten der High-School-Welt, beobachtet amüsiert, wie sie auf einer Party versucht mit Brandon Sex zu vertonen oder verfolgt bewegt, wie sie einen ihrer „Kunden“ darauf hinweist, dass er tatsächlich die Chance auf ein echtes Date mit ihr gehabt hätte. Denn letztlich will auch Olive nur von jemandem geliebt werden. Nicht für das, was man von ihr denkt oder gehört hat, sondern für die Person, die sie wirklich ist.

Allzu tiefsinnig will Glucks Schulkomödie dann aber doch nicht sein. Vielmehr versucht Easy A eine unbekümmerte Komödie zu sein, die gerne so wäre wie die Werke von John Hughes und daher vermutlich auch ihre natürliche Unnatürlichkeit bezieht. Trotz der vorhandenen inhaltlichen Mängel überzeugt der Film jedoch durch seinen Charme, den nicht nur das Ensemble ausstrahlt. So ist das Finale eine einzige Aneinanderreihung von netten Hommagen an einige 80er-Genrevertreter und auch Natasha Bedingfields „Pocketful of Sunshine“ verkommt zum gelungenen Running Gag. Insofern ist Easy A nicht nur ein würdiger Genre-Vertreter, sondern durch seine Inszenierung und Besetzung gar ein Herausragender. Oder wie es Wooderson vermutlich ausdrücken würde: That's what I love about these high school movies, man. I get older, they stay the same.

7.5/10

18. Oktober 2010

Classic Scene: Superbad - "People don't forget."

DIE SZENERIE: In drei Wochen feiern die Außenseiter Seth (Jonah Hill) und Evan (Michael Cera) ihren High-School-Abschluss. Um nicht als Jungfrauen aufs College zu gehen, versuchen sie auf Teufel komm raus ihre Unschuld zu verlieren. Die Chance dazu bietet sich, als Seths Schwarm Jules eine Party gibt. Da Evans und Seths Kumpel Fogell am selben Tag einen falschen Führerschein bekommen soll, lässt sich Seth dazu überreden, für die gesamte Party Alkohol zu besorgen. Sofort sucht er Evan während dessen Sportunterricht auf, um ihn über die Ereignisse und den geplanten Verlauf des Abends zu informieren.

EXT. SCHOOL FIELD - DAY

Evan is standing alone amidst the rest of his gym class as they play soccer.

GYM TEACHER: Go to the ball, guys. Evan, get into the game.

Evan tries to put in some effort and claps his hands encouragingly.

EVAN: Kick it over to me.

The class pass him without paying him any attention. Seth is jogging towards Evan.

GYM TEACHER: Seth! Get off the field!

Seth stops right in front of Evan, panting.

EVAN: Dude, get out of here. They’re gonna make me run laps again.

SETH (out of breath, worked up): Dude, just fucking listen, okay? Jules and her stupid fucking friend came up to me and they asked me to buy her alcohol. But not just her, for her whole party. You know what that means? By some divine miracle, we were paired up and she actually thought of me. Thought of me enough to decide I was the guy she would trust with the whole fun-ness of her party. She wants to fuck me. She wants my dick in or around her mouth.

Seth is still panting.

EVAN: Did you ever think that maybe she’s just using you to get her alcohol? She doesn’t want your dick.

SETH: Yes. Of course I thought of that. That’s like the first thing that came to my mind. Just listen.

INT. FOODS AND NUITRITION ROOM (FLASHBACK)

The same scene as before with Seth and Jules in class.

JULES: My older brother always says, like, the nastiest shit. Like he called my “hymen” until I was 12. (pauses) Seth, I wanna blow you.

EXT. SCHOOL FIELD - PRESENT

EVAN: She didn’t say that. Come on.

SETH: Ah, she didn’t say the second part, but the first one - She’s got an older brother. And she could have asked him but she asked me. She looked me in the eyes and said: “Seth, mama’s making a pubie salad. And I need some Seth’s Own dressing.” She’s D.T.F. She’s down to fuck, man. P in vagi. She wants to…”

Seth looks behind his back where a pass is played in the soccer game. He intervenes and kicks the ball aside.

SETH (cont.): …fuck, man. Tonight is the night that fucking is an actual possibility.

EVAN: You just sound like an idiot. You’re not gonna be able to sleep with her, man.

SETH: No. Dude, I know I talk a lot of shit, okay? But she’s gonna be at the party and she’s gonna be drunk. And she likes me at least a little. Enough to get with me. At the very least, I’ll make out with her. Two weeks, handjob. Month, blowjob. Whatever, whatever. And then I make her my girlfriend. And I’ve got, like, two solid months of sex. By the time college rolls around I’ll be like the Iron Chef of pounding vag.

Evan looks at the progress of the game.

EVAN: Can we talk about this later?

The soccer ball rolls towards them. They both watch as it rolls by.

CLASSMATE: What the hell, Evan? We’re down two points.

Evan has his hands in his pockets, making no movement whatsoever.

EVAN: Fucking calm down, Greg. It’s soccer. It’s soccer.

GREG: Fuck you, man.

SETH: Hey, Greg, why don’t you go piss your pants again?

GREG: That was, like, eight years ago, asshole.

Greg turns around and joins the game again.

SETH (shouts after him): People don’t forget.

Seth turns to Evan.

SETH (cont.): Do you wanna hear the best part? Becca. You do the same thing with her. When you guys are shitfaced at the party, you get with her. This is our last party as high school people. I’ve fully ignored my hate for Becca in coming up with this plan. I’m flexing nuts. Just fucking come with me on this voyage and just stop being a pussy for once and we can fucking fuck some girls already.

EVAN: I should buy Becca alcohol?

SETH: Yeah, man, it’ll be pimp. That way you know she’ll be drunk. You know when you hear girls say: “Ah, I was so shitfaced last night. I shouldn’t have fucked that guy.” We could be that mistake!

Evan ponders the issue.

EVAN: Have you talked to Fogell?

SETH: All right, you talk to Becca. I’ll talk to that retard, Fogell. Don’t worry.

Seth turns to leave the field finally.

GYM TEACHER (O.S.): Seth, get off the field!

The ball rolls over to Seth.

SETH: Goal.

He kicks the ball off the field and then runs away.

GYM TEACHER (O.S.): You’re getting that.

SETH (O.S.): No, I’m not!

11. Dezember 2009

Zombieland

Twelve's the new twenty.

„This summer, when you think vacation, think National Lampoon’s Vacation. See the real America. It’s friendly. It’s educational. And most of all…it’s fun”, proklamierte 1983 der Trailer zu National Lampoon’s Vacation. Jetzt, 26 Jahre später, schickt sich eine Zombiekomödie an, zum Crossbreed aus Harold Ramis’ Klassiker des amerikanischen Road-Trips und Shaun of the Dead, der hier Pate stehenden britischen Zombiekomödie, zu werden. Man mische eine amerikanische „Familie“ aus vier Kaukasiern (2 Männer, 2 Frauen), eine Reise mit dem Auto zu einem Freizeitpark und jede Menge vergnügliches Zombiegekloppe – fertig ist ein Komödienhit. Zudem einer, der bereits seine Fortsetzung gegreenlighted bekommt, bevor der Vorgänger überhaupt weltweit vollständig gestartet ist. Dementsprechend kann man die erfolgreichsten Komödien des Jahres (The Hangover allen voran) daran erkennen, dass in den kommenden Jahren die 2 hintendran gehängt wird und die Chose startet neu.

Anti-Held und Erzähler der Geschichte von Regisseur Ruben Fleischer ist ein übervorsichtiger Nerd, der aufgrund seines Reiseziels den Spitznamen Columbus, Ohio (Jesse Eisenberg) erhält. Er hält sich an das Motto aus Stand By Me („Have Gun Will Travel reads the card of a man. A knight without armor in a savage land.“) und zieht mit Flinte und Trolley durch das post-apokalyptische Amerika. Um das Buddy-Gespann zu komplettieren wird dem Weichei Columbus der extracoole Tallahassee (wie immer herrlich: Woody Harrelson) an die Seite gestellt. Tallahassee macht sich ein Vergnügen an der kreativen Beseitigung der lebenden Toten, schließlich haben diese auch seinen kleinen Sohn auf dem Gewissen. Eine später vermeintlich emotionale Szene, die einen jedoch in all dem sonstigen Nonsens-Klamauk überraschend kalt lässt. Das Testosteron-Duo wird schließlich noch von dem Schwesterpärchen Wichita (Emma Stone) und Little Rock (Abigail Breslin) unterstützt, die es sich zum Ziel gesetzt haben, den kalifornischen Freizeitpark Pacific Playground zu erreichen.

Ein Alibi-Subplot – Tallahassee sehnt sich nach Amerikas letztem Twinkie – führt dann dazu, dass während der Reise durch verweste Straßen gelegentlich angehalten wird, um den ein oder anderen Zombie auf möglichst amüsante Art und Weise umzunieten. Schließlich ist es ein groß angekündigter Cameo, der endlich die Überleitung bildet zur eigentlichen Station von Zombieland. Für eine Komödie die keine anderthalb Stunden geht, weist Fleischers Film gerade in seiner Mitte unwahrscheinliche Längen auf. Eine Zerstörungsorgie in einem Souvenirshop amerikanischer Ureinwohner wird hier exzessive ausgedehnt, ehe man ganze zehn Minuten mit dem nur leidlich lustigen Cameo-Gast verschwendet. Lediglich dessen Exposition und Verabschiedung wollen einige Lacher aus einem heraus kitzeln. Ein Manko, das Zombieland eigentlich durch die gesamte Laufzeit hindurch begleitet. Einige Szenen von Tallahassee sind zu überzogen auf cool getrimmt, andere Szenen aufgrund ihrer Redundanz bereits langweilig.

Wo manch andere Komödie ihre fehlgeleiteten Witze durch die enorme Gagdichte ausgleichen kann, fallen einem Zombieland’s gelungene Szenen wie Kakteen in der Wüste auf. Ideen wie der Zombie Kill of the Week oder Tallahassees Achterbahnfahrt sind in der Tat ganz lustig, können jedoch all die Leerstellen, die sich sonst auftun, nicht vollends überdecken. Da Humor jedoch eine subjektive Sache ist, kann man Fleischer und seinen Drehbuchautoren hier wohl keinen Vorwurf machen. Daher kann Zombieland ein gewisser Charme somit nicht abgesprochen werden. Dieser gründet zu einem Großteil auch auf der gefälligen Besetzung, von der Eisenberg als Michael Cera für Arme als schwächstes Glied der Kette herausragt. Hätte Fleischer sich auf ein tatsächliches Zombieland beschränkt – indem der Titel Abenteuer in einem Themenpark (Itchy & Scratchy Land lässt grüßen) und nicht in den USA referieren würde -, wäre seinem Film wohl mehr geholfen gewesen. So ist Zombieland eine nette Komödie geworden. Mehr aber auch nicht.

6/10

8. Oktober 2008

The House Bunny

My heart is pounding like a nail!

Sie sind meist blond, jung und mit zwei schlagenden Argumenten versehen: die Playboy Bunnies von Hugh Hefner. Gelegentlich wird ein Bunny auch zum Playmate und generell liebt es der gute Hugh ein paar von seinen blonden Girlies bei sich zu Hause unterzubringen. Bei sich zu Hause meint The Playboy Mansion und jene Mädchen aus dem Playboy Mansion haben es inzwischen sogar auf eine eigene Fernsehshow gebracht. In eben jener Show stellen sie bereitwillig ihren beschränkten Geist zur Schau, so wie sie wohl auch ihren Körper dem guten Hugh zur Schau stellen. Es ist ein einfaches, luxuriöses Leben, ohne Sorgen und ohne großes eigenständiges Denken. Finanziert von all den Männern, die sich am Aussehen jener Mädchen in Hefners Heftreihe ergötzen. Wirklich beschweren kann man sich also nicht über deren Lebensstandard. Doch was würde wohl einem solchen Playboy Bunny widerfahren, wenn es urplötzlich aus seiner gewohnten Umgebung gerissen würde?

Kann ein eingepferchtes Bunny in freier Wildbahn überhaupt überleben? Kann es eigenständig denken und für sich selbst sorgen? Dieser Frage sind Kirsten Smith und Karen McCullah Lutz, die beiden Autorinnen von Legally Blonde, nachgegangen. Während sie in Legally Blonde versuchten mit dem Vorurteil des blöden Blondchens aufzuräumen, folgt nun die Kehrtwendung. Denn in The House Bunny zelebrieren sie gerade zu die Dummheit ihrer Hauptfigur. Das Erstaunliche dabei ist noch die Tatsache, dass sich Hefner und seine Bunnies selbst nicht zu Schade sind, an ihrem eigenen Denkmal zu rütteln und dem Klischee Nahrung zu geben. Denn entgegen jeglicher möglichen Prämisse ist The House Bunny frei von Moral oder Schutz seiner Protagonistin. Aber vielleicht ist ja auch dieses Fehlen einer Prämisse die eigentliche Prämisse des Filmes.

Mit 27 Jahren wünscht sich Playboy Bunny Shelley (Anna Faris) eigentlich nichts als sich für den Playboy ausziehen zu dürfen. Doch da ihr eine Kollegin dies missgönnt, inszeniert diese eine Intrige, welche sowohl Shelley als auch Hugh Hefner im Glauben lässt, die andere Person hat kein Interesse mehr an einem Zusammenwohnen. Diese Konstellation ist dabei nicht mehr als bloße Ausgangsbasis für Fred Wolfs zweiten Spielfilm. Von den anderen Bunnies erfährt man nicht viel und auch die Motivation von Shelleys Nebenbuhlerin wird eher sporadisch begründet. Hier hätte man sich durchaus noch ein wenig zelebrierende Aufdeckung jener Scheinwelt gewünscht, ein bisschen tiefer-schürfendes Kratzen an jener dumm-debilen Oberfläche der zeitgenössischen Pop-Medienwelt. Vielleicht war dies auch die Voraussetzung dafür, dass man überhaupt mit Hefner und seinem Playboy-Franchise arbeiten durfte, wer weiß dass schon. Stattdessen konzentriert The House Bunny vielmehr allzu lange darauf, hässlichen Mädchen ihr eigenes Aussehen vorzuhalten.

Das Traurige daran ist, dass hier nicht einmal eine wirkliche Botschaft transferiert wird – denn am Ende läuft es darauf hinaus, dass in der Tat nur eine Veränderung am eigenen Aussehen zu dauerhafter Popularität führt. Eine ätzende Botschaft an das jugendliche weibliche Publikum des Filmes, denn auch wenn später eine Einsicht bei den Damen stattfindet, führt dies dennoch zu einer hybriden Mischung aus individuellem, aufgebretzelten Stil. Dass die Popularität dabei nicht wirklich der Rückkehr zur eigenen Persönlichkeit zu verdanken, sondern eher Relikt aus der zuvor propagierten Oberflächlichkeit ist, unterschlägt Wolf in seinem Film. Denn das Selbstbewusstsein zum eigenen Charakter entwickelten die Filmfiguren erst, als sie ihr Aussehen den Wünschen ihres Umfeldes anpassten. Popularität auf Kosten von Individualität ist hier das Motto.

Auch beißt sich die hier gezeigte Darstellung von arroganten, dummen, oberflächlichen Studenten in einer Szene, mit ebenjenen studienaktiven Studenten in anderen. Die Ernsthaftigkeit jener Einstellungen, die bei den „Arschloch“-Studenten ein gewisses Maß an Intelligenz durchaus erkennbar macht, sorgt nur für größeres Unverständnis in jenen Momenten, in welchen sie sich wie die letzten Idioten verhalten. Getoppt wird das Ganze nur noch davon, dass Natalie (Emma Stone) am Ende mit ihrem Schwarm zusammenkommt, der sie erst wahrnahm als sie praktisch ihre Persönlichkeit verkauft hat. Von jenem Standpunkt aus ist The House Bunny ein wenig gelungener Film, der durchaus eine fragwürdige soziale Komponente mit sich bringt. Glücklicherweise versucht der Film dies über weite Strecken auch gar nicht zu tun, sondern ergötzt sich vielmehr daran seine Protagonistin Shelley ob ihrer Dummheit bloßzustellen.

Dass dies nur auf eine liebenswürdige Art und Weise möglich ist, erschließt sich von selbst. Wenn Shelley durch Los Angeles stolziert, bei der Alkoholkontrolle das Wort „blasen“ sprichwörtlich nimmt und sich letztlich einer Studentenvereinigung aufdrängt, da sie das Haus an The Playboy Mansion erinnert, kann man dem blonden Püppchen kaum etwas wirklich übel nehmen. Es ist hierbei auch Anna Faris, welche die Rolle meisterlich trägt und ihr das nötige Maß an Seele verleiht. Wie es scheint ist Faris auf die Rolle der Dumpfbacke inzwischen festgelegt, was Rollen in der Scary Movie-Reihe, sowie in Lost in Translation oder Just Friends bestätigen.

Neben Faris’ Shelley sind es jedoch auch die Nebenfiguren, die herausragen aus dieser durchschnittlichen Komödienzote. Wobei es durchaus amüsant ist, dass man glaubt Emma Stone „hässlicher“ zu machen, indem man ihr die Haare zusammenbindet und eine Brille verpasst. Zudem sagt dies auch – wie so oft in Hollywood – ein eindeutiges Bild über uns Brillenträger aus. Verklemmte Bibliothekarinnen, prüde Tussis – sie alle kriegen eine Brille verpasst. Hollywoods Botschaft: Brillen sind nicht sexy. Aber nun gut, zu viel sollte man nicht aus Wolfs Film lesen, sondern geht einem das Vergnügen flöten. Und dieses kann man durchaus haben, selbst wenn die Witze nicht wirklich neu und auch Anna Faris ungewöhnlich unsexy ist. Dafür machen Kat Dennings und Katherine McPhee einiges wett und wissen durch ihr Aussehen ebenso zu unterhalten wie die diesmal erstaunlich ansehnliche Rumer Willis (Tochter von Bruce).

Die Handlung des Filmes ist ebenso wie ihr Ende so vorhersehbar, wie die Figur von Colin Hanks (Sohn von Tom) überflüssig. Dennoch hat The House Bunny seinen Charme, dem man sich dann schlecht entziehen kann, wenn man sich erstmal auf diese seichte Komödie eingelassen hat. Die zeitgenössische Musik weiß dabei geschickt die einzelnen Einstellungen zu untermalen und ohnehin ist hier alles ungemein kurzlebig. So kurzlebig, dass man sich nicht wirklich an diesem nichts sagenden Film stören kann. Dabei ist das ganze fraglos eher etwas an die feminine Welt ausgerichtet respektive nichts für die harten Macho-Kerle, denen das Mundwasser bei Wanted und Co. flöten geht. Eine wahrhaftige Kinoempfehlung muss man jedoch ebenso wenig aussprechen, denn auf DVD oder irgendwann mal auf RTL oder ProSieben tut es das Ganze dann auch.

6.5/10

24. September 2007

Superbad

McLovin in da fuckin’ house!

Der amerikanische Filmkritiker Sean Burns von Philadelphia Weekly behauptete, dass 2007 das Jahr sei, in welchem Seth Rogen und Judd Apatow die Filmkomödie gerettet haben. Zurückführen lässt sich dieses Statement auf Apatow’s im Juni gestarteten Knocked Up, der in den USA ein ebenso großer sleeper hit war, wie der zwei Monate später gestartete Superbad. Nicht nur zementierten beide Filme den durch The 40-Year-Old Virgin neu errungenen Comedy-Status von Apatow, sondern sie verhalfen sowohl Seth Rogen zum Durchbruch, als auch den beiden Hauptdarstellern Jonah Hill und Michael Cera. Dass Superbad die erfolgreichste High-School-Komödie aller Zeiten ist, passt da irgendwie ins Bild.

Die Teenager Seth (Jonah Hill), Evan (Michael Cera) und Fogell (Christopher Mintz-Plasse) sind das, was man im Allgemeinen als Nerds bezeichnet. Keiner von ihnen sieht sonderlich gut aus und hinzu kommt, dass sie bei ihren Mitschülern und besonders Mitschülerinnen nicht unbedingt beliebt sind. Hinzu kommt, dass sie in drei Wochen ihren Schulabschluss machen und noch immer nicht ihre Unschuld verloren haben. Aber was noch viel schlimmer ist: Seth und Evan sind Freunde seit Kindestagen und werden in wenigen Monaten durch den Besuch unterschiedlicher Universitäten getrennt. Da kommt es gerade recht, dass Seth auf die Party der kessen Jules (Emma Stone) eingeladen wird.

Als Ausgleich soll er den Alkohol für die Party besorgen, schließlich erhält Fogell am selben Tag (s)einen gefälschten Ausweis. Und da auch Evans Schwarm Becca (Martha MacIsaac) sich für die Party angekündigt hat, lautet Seths Plan, die Damen so abzufüllen, dass sie sich zu allen Schandtaten bereit erklären (“We could be that mistake!”). Erste Probleme treten auf, als Fogells Ausweis ihn zu einem 25-jährigen Hawaiianer namens „McLovin“ deklariert. Als er dann beim Alkoholeinkauf von den durchgeknallten Streifenpolizisten Slater (Bill Hader) und Michaels (Seth Rogen) abgeführt, während Seth und Evan andere Mittel finden müssen, um an Alkohol zu kommen, nimmt der Abend ungeahnte Entwicklungen.

Das Drehbuch zum Film schrieben Nebendarsteller Seth Rogen und sein Jugendfreund Evan Goldberg mit 13 Jahren. Die autobiographischen Elemente schlagen sich in den der zentralen Figuren nieder, die nach Rogen, Goldberg und ihrem Freund Sam Fogell benannt wurden. Und wer kann sich nicht an ein derartiges „Party“-Erlebnis erinnern, das Evan in der Pause Becca euphemistisch vorschwärmt? Wenn auch nicht alle, so kommen einem viele Momente des Films sehr vertraut vor. Schließlich dreht sich die Pubertät, beziehungsweise deren Endphase insbesondere um Partys, Alkohol und Sex - meist in Verbindung miteinander. Den Kern von Superbad bildet jedoch die Freundschaft von Seth und Evan.

Während die sich anbahnende Trennung der beiden zu emotionalen Ausbrüchen führt und damit dem Film eine gewisse charakterliche Tiefe verleiht, konzentriert sich Fogells nächtlicher Patrouillenausflug mit Slater und Michaels darauf, Brachialhumor zu zelebrieren. Rogen und SNL-Mitglied Hader spielen die beiden Anti-Bullen, die im Dienst trinken und bei roten Ampeln das Blaulicht aktivieren, mit soviel Hingabe und Spaß, dass sie den drei Jungdarstellern bisweilen sogar die Schau stehlen. Eine nette Ergänzung, aber aufgrund fehlender Präsenz unterfordert, stellt Emma Stone dar, die Jahre später durch ihre eigene High-School-Komödie Easy A ebenfalls vollends den Durchbruch in Hollywood schaffen sollte.

Während Mottolas Debütfilm zwar dem klassischen Ein-Tages-Szenario á la American Graffiti oder Dazed and Confused folgt, konterkariert sein Soundtrack etwas den klassischen Gentrebeitrag. Weniger auf Kontemporärmusik ausgelegt, als sich für peppigen Funk und Soul entscheidend, spiegelt die Musik mehr die Stimmung des Filmes wider, als die Zeit, in der er spielt. Löblich ist ebenso die sehr zur Schau gestellte und durchaus auch homoerotisch konnotierte Freundschaft der beiden Hauptfiguren, wie man sie eher selten in der Branche findet. Dementsprechend ist es für Seth weitaus tragischer, in Zukunft von Evan getrennt zu sein, als möglicherweise als Jungfrau aufs College zu gehen.

In seiner Summe ist Superbad nicht nur eine grandiose High School Komödie, mit unvergesslichen Figuren, sowie viel Charme und Herz, sondern auch zu recht die gelungenste Komödie des Filmjahres 2007. Der einzige Vorwurf, den man dem Drehbuch von Rogen und Goldberg machen kann, ist die fast zweistündige Laufzeit, die speziell während Evans und Seths Ausflug zu Marks (Kevin Corrigan) Hausparty ein paar Längen aufweist, wie man auch Exposition und Epilog hätte straffen können. Allerdings ist dies Jammern auf hohem Niveau, machen die Beteiligten doch die meiste Zeit alles richtig. Vielleicht haben Rogen und Apatow 2007 nicht die Filmkomödie gerettet, aber immerhin die Filmkomödie 2007.

9.5/10