1. August 2009

Roswell - Season Three

If you help me graduate this year, then you won't have to see me next year.

„Previously on Roswell” … was hab ich diesen Satz nicht gerne gehört und höre ihn auch heute noch gerne. Und dazu Didos „Here With Me“, welches ich genauso gerne höre, speziell in Verbindung mit der Titelsequenz von Jason Katims Roswell. Nach einer herausragenden ersten Staffel und einer zumindest noch überzeugenden zweiten Staffel sah die Serie um drei Außerirdische in Roswell, New Mexico in ihrem dritten Ausstrahlungsjahr ihrem Ende entgegen. Die dritte Staffel hadert mit mehreren Problemen, zuvorderst dem, dass es keinen roten Faden gibt. Unzählige kleinere Nebenhandlungen spielen sich ab, tauchen einige Episoden lang auf, nur um innerhalb weniger Folgen abgespult zu werden. Und dies nicht einmal zufriedenstellend. Ging es im ersten Jahr noch um Max (Jason Behr) und Liz (Shiri Appleby), um Michael (Brendan Fehr) und Maria (Majandra Delfino) und die Offenbarung ihrer außerirdischen Herkunft, so tritt die Serie nunmehr auf der Stelle.

Indem Max das Leben von Liz rettete, trat er die Ereigniskette der Serie los. Hierbei sah er nicht nur den Ermittlungen von Sheriff Valenti (William Sadler) auseinander gesetzt, sondern hatte auch das FBI auf seinen Fersen. Das war Spannung, das war Drama, das waren Emotionen. In der zweiten Staffel hatte die Serie dann eine andere Wendung genommen, die grundsätzlich zu begrüßen war. Mit Tess (Emilie de Ravin) kam ein viertes Alien hinzu und mit ihr die Prämisse der Serie. Max sei eigentlich Zan, der König von Antar. Jener Planet, auf dem er gemeinsam mit Tess als Königin herrschte, wurde von Max’ Schwester Isabelle (Katherine Heigl) für ihre Liebe zum verfeindeten Kavar verraten. Um die Bevölkerung von Antar zu retten, wurden genetische Duplikate der königlichen Vier erstellt und auf die Erde in Sicherheit gebracht. Nun erhielt die Existenz von Max, Michael und Isabelle eine Bedeutung – die Befreiung ihres antarischen Volkes. Umso dramatischer die Ereignisse der Serie, die Tess und Liz gegeneinander ausspielten und darin endeten, dass Erstere schwanger fliehen musste, nachdem sie den gemeinsamen Freund Alex (Colin Hanks) auf dem Gewissen hatte.

Was würde nun die dritte Staffel bereit halten? Letztlich war es Altbekanntes. In der Auftaktfolge Busted eröffnet sich, dass Max glaubt, sein Sohn sei in Gefahr. Gemeinsam mit Liz – mit der er wieder zusammen ist – sucht er nach einem Raumschiff, mit welchem er nach Antar fliegen kann, um seinem Fleisch und Blut beizustehen. Aus dem Raumschiff wird jedoch nichts. Damit hat sich dann auch die Handlung um die Rettung seines Sohnes erledigt. Scheinbar muss dieser wohl selber klarkommen, denn seine Existenz spielt für Max im Folgenden keine wirkliche Rolle mehr. Stattdessen wird Isabelles Beziehung zu Jesse (Adam Rodriguez), dem Kanzleipartner ihres Vaters, zum Problem. Doch Max und Michael können die Hochzeit der beiden nicht verhindern. Fortan kommt es darauf an, Jesse nichts von Isabelles Herkunft wissen zu lassen. Speziell dann nicht, als Kavar mal wieder auf der Bildfläche erscheint. Doch auch diese Handlungsebene verläuft sich nach wenigen Folgen. Ein symptomatisches Dilemma der gesamten Staffel, die nie wirklich einen Fokus finden will, sondern sich unentwegt für neue Dinge interessiert.

Den Vogel schießt man dann mit der mehr als unnötigen Doppelfolge Panacea und Chant Down Babylon ab. Hier kommt aus heiterem Himmel Morgan Fairchild in einer Gastrolle als Liebesgespielin auf, die Max dazu nötigt ihren sterbenskranken Ehemann zu retten, nur damit Max anschließend stirbt, um seinen Körper neu zu manifestieren. Der Inhalt der beiden Folgen ist von keinerlei Belang, weder für die dritte Staffel noch für die Serie oder überhaupt irgendetwas auf dieser Welt (oder Universum). Roswell tritt auf der Stelle, weiß nicht so recht wohin und hadert sichtlich mit der Tatsache, dass die Show nicht für eine vierte Staffel verlängert wurde. Was machen, was erzählen? Und wie? Dies scheint die große Frage gewesen zu sein. Volles Kommando auf die Klimax also. Ein Raumschiff stürzt ab, Tess ist wieder da. Mit Max’ Sohn. Das wieso und weshalb offenbart die Planlosigkeit der Autoren. Musste Tess Ende der zweiten Staffel nicht den Planeten verlassen, weil ihr Sohn auf der Erde nicht überleben konnte, will uns Katims nun weismachen, dass Zan – so der Name des Kindes – zu hundert Prozent menschlich ist (bei Tess und Max selbst handelt es sich um Hybriden, genetisch ist dies folglich möglich) und er deshalb von Kavar als Thronfolger abgelehnt wurde.

Somit wird in Four Aliens and a Baby mal eben das Ende der zweiten Staffel versucht ad absurdum zu führen. Wirklich klappen will dies jedoch nicht. Dennoch zählt die Folge zum Höhepunkt der finalen Staffel, fast ausschließlich wegen de Ravins großartigem Schauspiel. Abgesehen davon wollen nur die wenigsten Episoden wirklich überzeugen, selbst wenn mit Samuel Rising erneut die Weihnachtsfolge besonders schön und ergreifend (wenn auch redundant) ausgefallen ist. Trotz allem offenbaren sich mehrere Logiklöcher, die sich Roswell in der Eile seines Niedergangs selbst geschaufelt hat. Besonders enttäuschend ist hier das Serienfinale The Graduation, in welchem die Vorkommnisse der zweiten Staffel im Grunde mit Füßen getreten werden. Die Gruppe begibt sich schließlich auf die Flucht vor dem FBI, Max „verscherbelt“ seinen Sohn vorab und scheißt im wahrsten Sinne des Wortes auf sein Volk bzw. Antar. Sicherlich ist das schön romantisch, wenn Max und Liz als Ehepaar in den Sonnenuntergang fliehen, wohin ihr Weg letztlich führen soll bleibt unklar. Denn dass das FBI aufgibt, hat man im Verlauf der letzten dreißig Jahre gesehen, ist nicht der Fall. Offenbar wollen die Kids also fortan fliehen, bis sie an Altersschwäche sterben müssen.

Eines Abschlusses würdig ist das Finale somit nicht. Zu viele Fragen bleiben offen. Da ist die Zukunft des antarischen Volkes (um welches sich die Serienmacher trotz der Integrierung scheinbar nie gekümmert haben) nur das am wenigsten wichtigste Detail. Das fühlt sich alles viel zu unfertig an, als dass man wirklich Abschied nehmen könne. Wie zum Beispiel von Scrubs, das in seinen finalen Minuten – ähnlich einem Six Feet Under – äußerst gelungen „Auf Wiedersehen“ gesagt hat. Da sind Kyles plötzliche Identifizierung mit den Aliens und Valentis überraschende Einstellung im Sheriffs-Department nur die Spitze des wenig nachvollziehbaren Eisberges. Was der dritten Staffel am meisten gefehlt hat, war ein roter Faden. Max’ Sorge um seinen Sohn, Isabelles Liebe zu Jesse, deren Hochzeit, Kavars Auftauchen, Liz’ „Infektion“, Max’ „Tod“ und die Rückkehr von Tess – dies alles sind derart viele Subplots (die meisten beanspruchen zwei bis drei Folgen), dass man sich nie wirklich in einem der Handlungsstränge verlieren will. Gerade dann nicht, wenn eine Folge wie Busted auch noch die Ereignisse des Sommers im Schnelldurchlauf durchspult. Hier wäre sicherlich mehr drin gewesen, ein ehrenvollerer und insbesondere zumindest halbwegs logischer Abschluss für eine der innovativsten Serien um die Jahrtausendwende.

Etwas mehr hatte man sich von der dritten und letzten Staffel dieser doch ungemein sympathischen Serie versprechen können. Nichtsdestotrotz sind einem die Figuren natürlich ans Herz gewachsen. Ganz besonders Kyle, der nie wirklich im Rampenlicht stand – auch dieses Jahr nicht – und der stets im Vergleich zu allen anderen Figuren zurück zu stecken hat. Generell verdient sich die Serie ein Lob, weil nach de Ravin im vorangegangenen Jahr mit Adam Rodriguez erneut eine neue Figur gelungen und glaubhaft in das Ensemble integriert werden konnte. Umso schöner natürlich der Gastauftritt von de Ravin in der vorletzten Episode. Was von Roswell bleibt, sind drei ungemein schöne Jahre, die leider mit jeder Staffel abgebaut haben. Am meisten natürlich dieses Mal der Fall. Zwar wissen die meisten Folgen zu unterhalten, doch wirken sie oft zu lang, da sie wenig bis nichts zu erzählen haben. So kommt die abschließende Staffel nicht über einen unterdurchschnittlichen Status hinweg – was sie sich dank des unrühmlichen Serienfinales im Nachhinein auch verdient hat. Bedauerlich, dass außer Katherine Heigl niemand wirklich den Durchbruch geschafft hat. Letztlich teilt sich die Show hier aber nur das Schicksal, welches auch andere Erfolgsserien (z.B. Dawson’s Creek, aber auch E.R.) heimgesucht hat. Trotz allem sind sie einem ungemein ans Herz gewachsen, diese Aliens. Bis demnächst, in Roswell.

6/10

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