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29. Oktober 2016

American Honey

Everybody get choices / I choose to get money, I’m stuck to this bread.
(E-40, “Choices”)


Der erste Eindruck kann weitreichende Folgen haben. Sei es im Jobinterview oder in der Eröffnung eines Films. So wussten schon die musikalisch perfekt unterlegten und narrativ die Marschroute vorgebenden Einstiege in Drive und Spring Breakers zu überzeugen. Und auch Andrea Arnolds jüngster Film American Honey beginnt mit einem gefälligen ersten Eindruck, indem das Bild ein Format von 1.37:1 präsentiert. So erfreulich dieses inzwischen kaum mehr vorzufindende Bildformat auch ist, kristallisiert sich in der folgenden fast dreistündigen Laufzeit heraus, dass American Honey sonderlich mehr nicht zu bieten hat. Selbst wenn sich der Feuilleton wie so oft beim Independent-Darling Andrea Arnold mal wieder im Lob überschlägt.

Im Zentrum der Geschichte steht die 18-jährige Star (Sasha Lane), die mit ihren zwei jüngeren Geschwistern Dumpster Diving betreibt und am Existenzminimum lebt. Bis sie im Supermarkt auf Jake (Shia LaBeouf) und seine White-Trash-Truppe von Handlungsreisenden Jugendlichen trifft, die für die leicht bekleidete Anführerin Krystal (Riley Keough) mit Zeitschriftenabos hausieren gehen. Angetan von der zelebrierten Freiheit ihrer Altersgenossen lädt Star ihre Geschwister bei ihrer abgewrackten Mutter ab und schließt sich Jakes Gruppe an. Von Krystal wegen ihrer sexuellen Avancen zu Jake eher skeptisch beäugt, schickt sich dieser an, Star in die richtige Technik für ihre Arbeit einzulernen, während das Mädchen nach Größerem strebt.

So kann American Honey, den Arnold zum Großteil mit Laiendarstellern – darunter auch Newcomerin Sasha Lane – drehte, im Grunde als White Trash Road Movie gesehen werden, das sicher gerne Porträt einer Generation ohne echte Träume und dementsprechend Coming-of-Age-Story zugleich wäre. Für Star sind Jake und die anderen Teenager ein Ausweg aus der Einbahnstraße ihres Lebens. Ihre kaputte Mutter hat die jüngeren Geschwister der Ältesten aufgebürdet, die für sich selbst befürchten muss, ein ähnliches Schicksal zu erleiden. Bezeichnend eine spätere Szene, in der Star in einer ärmlichen Gegend ein Magazin-Abo verkaufen will, nur um den Kindern des Haushalts gegenüber zu stehen, da die Mutter sich in ihrem Drogenrausch verliert.

Als Folge kauft Star für die Kinder ein, ihre eigene Herkunft reflektierend. Nur lässt die Figur ihre beiden Geschwister für ihr eigenes vermeintliches Wohl eingangs im Stich und in einer ungewissen Zukunft. Nicht der einzige Widerspruch, denn so knapp das Geld in Stars Haushalt ist, für mehrere Tätowierungen und Hunde reicht es dennoch. Jegliche Verpflichtung gegenüber ihrer Familie kann die 18-Jährige dann opfern, als die designierte Romanze mit Jake und das Leben mit seinem Trupp (endlich) Freiheit verspricht. Die kommt natürlich nicht umsonst, wie Krystal ihr klarmacht. Verkauft sie nicht genug Abonnements, wird sie auf der Straße ausgesetzt. Ungeschickt ist daher, dass Star mit Jakes Verkaufsmethode hadert.

Der kritisiert die übrigen Verkäufer für ihre auf Mitleid basierenden Strategie, arbeitet aber selbst mit einer. Wo die einen ihre an Krebs verstorbene Mutter oder den im Irak gefallenen Vater anführen, lügt Jake hinsichtlich eines Uni-Stipendiums, das er durch das Abo erlangen will. Statt auf Schmerz rührt sein Lügenkonstrukt auf Hoffnung, wird von Star aber dennoch abgelehnt (obschon sie selbst ihre eigene Flucht vor den Geschwistern mit einer Lüge einleitete). Star versucht ihre Abos durch Ehrlichkeit zu verkaufen, reagiert aber dennoch schnippisch, wenn dies ergebnislos bleibt. Erfolgreich ist sie dann, wenn dieser Erfolg auf sexuellen Untertönen gegenüber ihrem Kunden fußt, sei es mit einer Gruppe Cowboys oder einem Ölfeldarbeiter.

Inwieweit Prostitution beim Überleben der Jugendlichen eine Rolle spielt, lässt Arnold offen. Ob die rund ein Dutzend Personen umfassende Gruppe, die sich täglich Marihuana und Alkohol hingibt, tatsächlich von ihren Abo-Verkäufen leben kann, ist mehr als fraglich. So gesehen ist es eine teuer erkaufte Freiheit, die die Charaktere in American Honey an den Tag legen. Wobei sich der Film um sie ohnehin nicht wirklich schert. Jenseits von Star und Jake interessiert sich Arnold kaum für ihr Ensemble, selbst Krystal kommt über die Rolle einer eindimensionalen romantischen Widersacherin kaum hinaus. Was umso erstaunlicher ist, da der Film mit ausufernden 160 Minuten Zeit genug hätte, um auch die anderen Figuren zu begleiten.

Stattdessen verliert sich American Honey etwas in Repetition, zwischen dem Gezicke von Star und Jake, ihren sexuellen Versöhnungen, Eifersüchteleien und Gewaltausbrüchen. Sonderlich viel zu sagen hat Arnold dabei nicht. Die Gruppe um Star entstammt der finanziell schwachen Gesellschaftsschicht, der trotz ihrer weißen Hautfarbe eine wenig rosige Zukunft blüht. Trotz ihres musikalischen Faibles für Rap-Musik bestehen die Träume dieser jungen Menschen dabei weniger aus Ruhm und Reichtum, sondern drehen sich um die Unabhängigkeit im eigenen Haus inklusive einem Stück Land. Die Freiheit versprechende Illusion des Vagabunden-Daseins wird aber konterkariert von der Drogenabhängigkeit der Jugendlichen, der sie auch so verfallen wären.

Auf 90 Minuten komprimiert besäße das vermutlich sogar eine mitreißende und bewegende Aussagekraft einer Generation ohne Zukunft und Träume, auf fast die doppelte Laufzeit ausgedehnt verliert sich diese Botschaft jedoch verstärkt, da Arnold ihrer Geschichte wenig Neues einimpfen kann. Und selbst das, was vorliegt, arbeitet die Auteurin nicht aus. So ist unklar, was Star an Jake und Jake an Star findet, jenseits einer rein körperlichen sexuellen Anziehung. Die Charaktere in American Honey besitzen keine Seele, sondern ordnen sich den dramaturgischen Wünschen der Regisseurin unter. So sagt Jake zwar, Krystal sei nett wenn man sie erst kennenlernt, der Film gibt einem hierzu in 160 Minuten allerdings nicht die Chance.

Vielleicht waren die wenig ausgearbeiteten Figuren auch nötig, damit sie Laiendarsteller spielen konnten. Die machen ihren Job dann in ihrer geringen Präsenz solide, allen voran natürlich Sasha Lane. Dennoch vermag American Honey nicht an das Generationenporträt eines Kids oder Spring Breakers heranzureichen. Zu leblos sind hierzu die Charaktere geraten, zu schwach die Botschaft, die der Film in seiner überbordenden Laufzeit versucht, dem Zuschauer zu vermitteln. Am Ende bleibt von American Honey also zuvorderst das klassische 4:3-Bildformat durch das Seitenverhältnis 1.37:1 positiv im Bewusstsein. Und die Erkenntnis, dass an dem Sprichwort der erste Eindruck zählt, womöglich doch mehr dran ist als man gedacht hat.

6/10

8. Februar 2011

Constantine

That’s called pain. Get used to it.

Seit fast 20 Jahren gibt es das DC-Imprint Vertigo, welches 1993 das Licht der Welt erblickte, um Comics mit etwas reiferem Inhalt inklusive graphischer Gewalt für ein älteres Publikum interessant zu machen. Für Vertigo entstanden dabei so geschätzte Werke wie Y: The Last Man, 100 Bullets, sowie Neil Gaimans The Sandman und Garth Ennis’ Preacher. Doch das bekannteste Kind des Imprints ist Hellblazer, das seine ersten Schritte 1988 noch unter Leitung von DC tätigte, ehe es zu Vertigo überging und damit zu dessen längstwährendem Titel avanciert. Dabei verdankt Hellblazer seine Existenz keinem Geringeren als Comic-Guru Alan Moore.

Denn es war Moore, der John Constantine 1985 als Nebenfigur für The Saga of the Swamp Thing erfand, ehe dem okkultistischen Detektiv drei Jahre später unter Federführung von Jamie Delano eine eigene Comic-Reihe gewährt wurde. Über die Jahre hinweg würden sich auch Neil Gaiman, Brian Azzarello, Andy Diggle sowie Garth Ennis an dem Liverpooler Kettenraucher versuchen. Speziell der von Ennis geschriebene Handlungsbogen Dangerous Habits wurde zu einem Klassiker der Hellblazer-Serie und bildete elf Jahre nach seinem Erscheinen 2005 das Handlungsgerüst der Comic-Adaption Constantine von Francis Lawrence.

Was seine Charakterzeichnung angeht, ist John Constantine - dessen äußeres Erscheinungsbild dem britischen Sänger Sting nachempfunden wurde - nicht zwingend eine ausgesprochen sympathische Figur. Für Constantines eigensinnige Handlungen zahlen letztlich oft seine Freunde und Bekannten den Preis. Wenn es in der nach dem Titelhelden benannten Kinoversion an einer Stelle (aus dem Kontext) gerissen heißt: “I don’t need another ghost following me around”, dann ist dies als Anspielung auf die unzähligen Geister von Constantines Freunden zu verstehen, die ihn in Hellblazer verfolgen und kontinuierlich an seine Fehler erinnern.

“He’s more about manipulating people than using magic”, beschreibt Karen Berger, Chefredakteurin von Vertigo, den englischen Anti-Helden. So ist Constantine auch kein klassischer Comic-Held mit übermenschlichen Fähigkeiten, sondern ein Kerl aus Fleisch und Blut, der mittels schwarzer Magie, Okkultismus sowie Esoterik und, vielmehr noch, dank Cleverness dem Teufel und Co. immer wieder ein Schnippchen schlägt. Anders dagegen in Constantine, der umbenannt wurde, um Verwechslungen des Publikums mit der Hellraiser-Serie (wie Hellblazer ursprünglich heißen sollte) und dem im Jahr zuvor gestarteten Hellboy vorzubeugen.

So wurde der blonde Okkultist aus dem Liverpool der Thatcher-Ära zum schwarzhaarigen Exorzisten aus Los Angeles. Seinen Job übt Constantine (Keanu Reeves) auch nur deswegen aus, weil er als Kind von seiner Fähigkeit - er kann Engel und Dämonen sehen - in den Suizid getrieben wurde und sich nun versucht, (s)einen Weg in den Himmel zu erheilen. Adrett gekleidet im schwarzen Anzug gibt Reeves den Helden wider Willen. Besonders dramatisch wird das religiöse Erbe der begangenen Todsünde, da Constantine, hier wird das Handlungsgerüst von Garth Ennis aus Dangerous Habits aufgegriffen, an Lungenkrebs im Endstadium leidet.

Eine überzeugende Wahl, repräsentiert der Erzählbogen doch im Grunde alles, wofür Hellblazer steht. Ausgesprochen schwarzhumorig zeigt sich Constantine hier im Finale von seiner besten Seite, wenn er dem Tod vorerst von der Klinge springt, indem er Luzifer, Azazel und Belzebub gegeneinander ausspielt. Besonders interessant wird Ellis’ Geschichte dadurch, dass Constantine angesichts seines drohenden Todes Hilfe nicht nur bei der einen Seite (in Form von Erzengel Gabriel), sondern auch der anderen (die Dämonin Ellie) sucht. In Constantine scheitert die Einbindung von Dangerous Habits letztlich am Versuch, mehr zu erzählen als nötig ist.

So macht Francis Lawrence, der mit diesem Film sein Regiedebüt feierte, erfreulicherweise keinen Hehl daraus, dass Constantine entgegen der Gewohnheit anderer Comic-Verfilmungen keine Origin-Story erzählen will. Zumindest so halb, wird später schließlich dennoch, wenn auch per Rückblende, eine fiktive Origin-Story eingebaut und versucht, mit der Haupthandlung in Korrespondenz zu bringen. Knapp zusammengefasst ist dies auch der Grund, warum Constantine als stimmig-stringentes Werk zum Scheitern verurteilt ist. Anstatt sich auf das individuelle Schicksal seines Helden zu fokussieren, wird die ganze Welt in Gefahr gebracht.

In einer vollkommen unerheblichen Nebenhandlung stößt ein Mexikaner in der Wüste auf die von den Nazis entdeckte Heilige Lanze, im Englischen weitaus plakativer “Spear of Destiny” genannt. Mit ihr stapft er nach Los Angeles, wo sie im perfiden Plan von Erzengel Gabriel (Tilda Swinton) dazu dienen soll, Luzifers (Peter Stormare) Sohn Mammon aus dem Leib eines Mediums, hier: Mordkommissarin Angela (Rachel Weisz), zu befreien, damit dieser die Hölle auf Erden entfacht und nur noch diejenigen in den Genuss von Gottes Gnade kommen, die sie auch verdienen. Und das alles nur, damit die Weltenrettung zur Katharsis des Helden verkommen kann.

“I love the fact that the movie never bothered to try to explain itself”, ist Produzent Akiva Goldsman voll des Lobes. Was an sich in Ordnung ginge, wenn das, was der Film zeigt, zumindest einem bestimmten Sinn folgt. Stattdessen wird Constantine vollgemüllt (anders lässt es sich nicht sagen) mit eigens erfundenen Figuren wie Hennessy (Pruitt Taylor Vince) und Beeman (Max Baker), die zwar, wie im Finale auch Chas (Shia LaBeouf), für die Handlungen von Constantine ihr Leben lassen dürfen, ohne dass dies jedoch entsprechend innerhalb der Geschichte gewürdigt würde. So sterben sie lediglich den obligatorischen Tod der ersetzbaren Figuren.

Selbst wenn Hennessys Tod eine charmante Hommage an Jamie Delanos erste Hellblazer-Ausgabe Hunger darstellt (wie auch später noch nett aber durchweg nutzlos weiter reminisziert wird, zum Beispiel aus Feast of Friends), negiert Lawrences Debüt nahezu alles, was das Vertigo-Comic eigentlich auszeichnet. Da zeigt sich Constanine zu Beginn als lässig-cooler Exorzist, von dem es dann später für den Comic-fremden Zuschauer plötzlich heißt, dass seine Seele für Luzifer so begehrenswert ist, dass er sie sich persönlich abholen würde. Was im Finale dann nur dazu dient, eine Situation zu klären, die Constantine alleine nicht bereinigen konnte.

Das trostlose und heruntergekommene Liverpool der achtziger Jahre weicht der erstaunlich leeren Multikulti-Metropole Los Angeles, wo sich Constantine in sinnlosen Szenen vor Tankstellen mit Fliegenmonstern kloppt oder andernorts Gwen Stefanis Ehemann Gavin Rossdale mit einem christlichen Schlagring die Dämonenfresse poliert. Die Handlung bringt das genauso wenig weiter wie die überflüssigen Integrationen bekannter Hellblazer-Figuren wie Papa Midnite (Djimon Hounsou) oder Shia LaBoeufs Chas. Dass die viel interessantere Figur, Ellie (Michelle Monaghan), der Schere zum Opfer fiel (bis auf eine Szene im dritten Akt), spricht Bände.

Vom düsteren Charakter der Vorlage, die sehr viel mehr in der Realität verordnet war als dies bei Constantine mit seinen pseudo-Schock-Elementen der Fall ist, bleibt nicht mehr viel übrig oder geht unter in all den Weihwasser-Granaten- und Halbkopf-Dämonen-Szenen. Zudem will die schlecht ausgearbeitete (da von den Drehbuchautoren erdachte) Handlung um die Heilige Lanze nicht mit dem von Ennis’ übernommenen Gerüst bezüglich Constantines Krebs harmonisieren. Hinzu kommt, dass Figuren wie Hennessy oder Beeman schlicht zu wenig eingeführt wurden, als dass sie für das Publikum (oder Constantine) von Bedeutung wären.

Dabei hat der Film seine Momente, sei es die durchaus stimmige Charaktereinführung mittels des Exorzismus (“This is John Constantine, asshole”), der immerhin interessant inszenierte Ausflug in die Hölle, sowie zuvorderst die vielen Anspielungen zu Dangerous Habits, allen voran die exzellent besetzte Tilda Swinton. Den Engel Gabriel androgyn mit einer derart passenden Person zu besetzen war vielleicht der gelungenste Schachzug der Comic-Adaption. Wo mit Abstrichen auch Weisz und Stormare (Letzterer mit ordentlichem Camp-Faktor) überzeugen, bleibt LaBeouf fehlbesetzt wie eh und je und Reeves gewohnt austauschbar.

Constantine scheitert bereits an seiner Marktausrichtung. Erst als die Titelfigur vom Briten zum US-Amerikaner wurde, zeigten die Produzenten überhaupt Interesse. Der Wechsel über den Atlantik tat dem Hellblazer-Universum zusätzlich Abbruch und ließ den Plot am Ende so austauschbar werden, wie die darstellerischen Fähigkeiten ihres Hauptdarstellers. Eine reine, in Liverpool lokalisierte, Adaption von Dangerous Habits mit Daniel Craig oder Rhys Ifans in der Hauptrolle wäre dem Film sicher zum Vorteil gereicht. “There’s more than one road to hell”, erklärt Constantine am Ende von Going for It zynisch. Und Constantine ist eine dieser Straßen.

4.5/10

24. Juni 2009

Transformers: Revenge of the Fallen

Manchmal sieht man Filme mit beteiligten Personen, die man nicht abkann. Und dann kommt gelegentlich auch alles zusammen, wenn mit Shitty LaPuff, Michael Bay und Megan Fox gleich drei Bratzen auf einem Haufen einen erwarten. Da weiß man gar nicht, wem man zuerst in die Fresse schlagen möchte. Wobei das in Transformers: Revenge of the Fallen die Schrottberge aus dem Hause Hasbro erledigen. Immer wieder schön zu sehen, dass Michael Bay mit jedem Film seine künstlerische Grenzen neu versteht auszuloten. Insgesamt kann gesagt werden, dass eine ordentliche Ethanol-geschwängerte Party das Gehirn der Zuschauer weit weniger angreift, als Bays aktuelle Spielzeugverfilmung. Noch mehr Zeter und Mordio findet sich in meiner Besprechung zum Film beim MANIFEST.

1/10

23. Mai 2008

Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull

Dasvidanja, Dr. Jones.

Wenn man sich etwas mit Raiders of the Lost Ark beschäftigt, dann erfährt man, dass laut Produzent George Lucas niemand in Hollywood das Drehbuch verfilmen wollte, dass es von allen Studios abgelehnt wurde. Gleichzeitig aber wurde scheinbar ein Fünf-Filme-Vertrag abgeschlossen für die Indiana-Jones-Reihe – es versteht sich von selbst, dass man bei Zweifeln an einem Filmprojekt immer gleich dafür sorgt, wenn schon dann richtig unterzugehen. Lucas behauptet auch allen ernstes, dass Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull aussieht, es wäre es drei und nicht zwanzig Jahre nach Indiana Jones and the Last Crusade gedreht worden. Frank Marshall erdreistet sich zu der Aussage, dass CGI im vierten Abenteuer des Archäologen nur dort angewendet wurde, wo sie nötig gewesen sei. Wer den Film gesehen hat, kann sich nur auf den Arm genommen fühlen, von solcherlei Aussagen. Regisseur Steven Spielberg selbst kam auf die Idee zu einem neuen Abenteuer, als ihn sein Sohn vor wenigen Jahren auf die verbleibenden beiden Teile ansprach.

Angeblich wurde – wie man jetzt behauptet – seit neunzehn Jahren versucht, an einem Drehbuch zu schreiben. Vor zwei Jahren soll Hauptdarsteller Harrison Ford gemeint haben, wenn der Film bis 2008 nicht zu Stande kommt, werde er ihn überhaupt nicht mehr drehen. Dies hat dann scheinbar dazu geführt, dass Spielberg händeringend nach einem Drehbuch gesucht haben soll. Dennoch soll bereits 2002 M. Night Shyamalan mit einem Drehbuchentwurf beauftragt worden sein, nach ihm auch Oscarpreisträger Stephen Gaghan und im selben Jahr schließlich auch Frank Darabont. Dessen Skript – welches Indys Vater und Bruder einbezog, die von Sean Connery und Kevin Costner hätten gespielt werden soll – wurde von Spielberg geliebt und von Lucas verabscheut. Letzten Endes schrieb Spielberg-Spezi David Koepp (War of the Worlds, The Lost World) das Drehbuch und nahm ein bisschen was aus all den vorherigen Entwürfen auf.

Man merkt schon, hier sagt jeder etwas anderes und wie es Mulder immer so schön formulierte: die Wahrheit ist irgendwo da draußen. Von jemandem wie George Lucas kann man sie zumindest nicht erfahren, der Mann hat sich jeglichen Respekt mit der DVD-Veröffentlichung der Star-Wars-Trilogie verspielt. Seine Intention an einem vierten Indiana Jones-Abenteuer dürfte, wie immer bei ihm, die reine Geldmacherei gewesen sein. Was Spielberg zu diesem Projekt trieb, liegt auch auf der Hand: die Karriere von seinem Zieh-Sohn Shia LaBeouf muss weiter angekurbelt werden. Da reicht es nicht aus ihn in sämtlichen DreamWorks-Produktionen unterzubringen und vor Kingdom of the Crystal Skull noch eben den Teaser zu dessen neuem Film Eagle Eye zu schneiden. Zudem gab der Oscarpreisträger kund, dass der Film lediglich ein Zugeständnis an die Fans sei. Der einzige, dem das Projekt wirklich etwas zu bedeuten schien, scheint Ford gewesen zu sein und man merkt ihm seinen Spaß, seine Motivation und seinen Elan in jeder einzelnen Minute an. Indiana Jones geht auf die 60 zu, aber Ford sorgt dafür, dass man es der Figur in keiner Sekunde anmerkt.

Das ist der mit Abstand größte Verdienst, den man Kingdom zusprechen kann, denn er geht in jeder Einstellung ehrenvoll mit seiner Figur um und feiert diese. Kaum zwei Tage in den Kinos sorgte das neueste (und letzte?) Abenteuer des amerikanischen Archäologen für eine Spaltung der Fans. Die einen finden ihn gut, exzellent, genauso wie die Trilogie – die anderen sind enttäuscht. Vom Drehbuch, von Spielberg, vom Gesamtpaket. Bei Rotten Tomatoes hält Kingdom eine Wertung von 78% und nimmt damit den letzten Platz in der Tetralogie ein (hinter Temple of Doom mit 86%). Bei IMDb (7.5/10) und Metacritic (5.2/10) sieht das ganze noch schlechter aus – Tendenz nach unten. Vierhundert Millionen Dollar muss der Film einspielen, damit Paramount kein Verlustgeschäft macht – so wie die Schlangen an den Kinos aussahen, dürfte er diese Summe fast am ersten Wochenende einspielt haben. In den USA spielte er zumindest am verlängerten Memorial Day Wochenende 150 Millionen Dollar ein – beinahe seine Produktionskosten.

Hatte Raiders noch 20 Millionen Dollar gekostet, kam Spielberg bei Kingdom nicht unter 185 Millionen Dollar aus. Hauptgrund dürften die Actionszenen und allen voran die digitalen Effekte von ILM gewesen sein. Herhalten musste das Geld für animierte Tiere, die keinerlei Zweck erfüllen, Matte Paintings und Comichafte Elemente. Dabei hätte man gerade letztere sehr viel gelungener auf herkömmlich Weise erzeugen können. Der vierte Teil hat an demselben Problem wie Planet Terror zu knabbern, er ist besser als er sein sollte. Da die Indiana-Jones-Reihe eine verklärte B-Movie-Hommage ist, sind die digitalen Effekte (Stichwort: Indy schaut mit dem Rücken zum Publikum auf …) viel zu bombastisch und groß geraten. Sie hätten sich sehr leicht auch mit Miniaturmodellen erreichen lassen und damit wäre auch der Charme der Serie erhalten geblieben. Vielleicht befürchtete Lucas auch lediglich, dass das gegenwärtige Kinopublikum das Interesse an altmodischen Filmen verlieren würde, wo ja bereits Schwarzweiß-Filme inzwischen verpönt sind.

Über die Matte Paintings lässt sich streiten, sie stören nicht wirklich, verleihen dem Film jedoch im Vergleich zur Trilogie, die gewollt staubig und dreckig daherkam einen neuen, praktisch innovativen Ton (und grenzt sich damit von den ersten drei Teilen hab). Gerade deshalb wird auch die Lucas'sche Bemerkung zum Aussehen des Filmes (siehe oben) ad absurdum geführt. Eventuell ist dieser Look aber auch beabsichtigt, um explizit den vierten Teil von der Trilogie abzugrenzen, somit ein Zeichen, dass er als eigenständiger Film funktionieren möchte, losgelöst von seinem Setting in den dreißiger Jahren. Dahingehend würde sich dann auch der Einsatz von CGI-Tierchen inklusive Animatronics erklären, wenn ein digitales Erdmännchen zu Beginn des Filmes die Loslösung von der nationalsozialistischen Gefahr bedeutet. Die Affen später verstehen sich zum einen als Referenz zum Äffchen aus Raiders, als auch im Kontext ihrer Szene als Hommage an die Tarzan-Abenteuer der vierziger und fünfziger Jahre, die den Schauspielern Johnny Weissmüller, Lex Barker und Gordon Scott damals zu Ruhm verhalfen. Ein Punkt, der viel zur Akzeptanz des neuen Abenteuers beizutragen hat.

Um was geht es eigentlich im vierten Teil? Indy hat zu Beginn des Filmes Probleme mit den Sowjets, die ihn extra aus Mexiko geholt haben, weil sie Informationen bedürfen. Eingeführt wird die Szenerie wie es sich gehört mit dem Paramount-Hügel-Übergang und Spielberg führt Indy wieder zuerst mit dessen Schatten ein. Der Zeitsprung in die Fünfziger zuvor ist ebenfalls gelungen, jetzt wird die Antagonistin eingeführt: Colonel Dr. Irina Spalko (Cate Blanchett). Erahnte man in den Trailerbildern, dass Blanchett ihre Spalko mit dümmlicher Frisur zur Witzfigur abstempelt, wird sie das Publikum in den kommenden zwei Stunden vom Gegenteil überzeugen. Spalko ist ein ernst zu nehmender Gegner, neben Mola Ram wahrscheinlich der gefährlichste, mit dem es Indy bisher zu tun hatte. Blanchett spielt die Figur frei beschwingt, ihr russischer Akzent überzeugt ebenso wie sie selbst (und wird auch schön von Arianne Borbach, die synchronisierte Zweitsichtung lässt grüßen, transferiert). Wirkt Ford zu Beginn des Filmes so alt wie er im wahren Leben ist, wird er mit jeder fortschreitenden Einstellung jünger und mehr zu Indy. Man merkt, hier steckt sein Herzblut drin. Ford spielt nicht Indy, nein, er ist Indy. Im Gegensatz zur Trilogie ist das Artefakt zu Beginn kein MacGuffin, sondern hängt mit dem finalen Artefakt respektive der Filmhandlung zusammen.

Die Einleitung ist jedenfalls der stimmigste Teil des Filmes, ähnelt am meisten der Trilogie und macht perfekt Laune. Hieran knüpft sich eine Hommage an das Kino der fünfziger Jahre, welches die Gefahr des Kalten Krieges und die darauf resultierende Angst vor Nuklearwaffen (Godzilla, Them!) geschickt zu rezitieren weiß. Wer Fan der Sitcom Scrubs ist, darf sich auf einen Cameo der besonderen Art freuen: Fords The Fugitive-Genosse Neil Flynn taucht im Film auf. Entgegen von Thomas-Nero Wolff wird er aber von Michael Iwannek (u.a. Matthew Perry) gesprochen – was dem Spaß jedoch keinen Abbruch bereitet. Bevor weiter auf den Film eingegangen wird lässt sich noch sagen, dass obschon natürlich die Originalfassung vorzuziehen wäre, die Synchronisation eine gute Arbeit geleistet hat. Von Borbach bis zu Wolfgang Pampel (Ford) und David Turba (LaBeouf), sie alle leisten verhältnismäßig gute Arbeit, auch wenn man den Stimmen ihre durch die Aufnahmestudios verliehene Sterilität anmerkt.

Spielberg knüpft eiligst an die nächste Referenz an. Was als fragwürdige Einführung der Figur von Mutt Williams (Shia LaBeouf) erscheint, ist per se gesehen fast logisch. 1953 erschien The Wild One, Elvis beherrscht die Musikcharts, da ist es nur verständlich, dass ein Jungspund wie Mutt sich an diesen beiden Charakteren orientiert und modelliert. Dass es sich bei LaBeouf um keinen guten Schauspieler handelt, lässt sich allein an der Tatsache ablesen, dass er 90% seiner Rollen inzwischen Papa Spielberg zu verdanken hat. Dabei darf man ihn nicht mit seiner Figur Mutt Williams verwechseln, die durchaus besser gelungen ist, als es LaBeoufs Schauspiel erwarten lässt. Er weiß jedoch im Vergleich zu Transformers und Disturbia weitaus besser zu überzeugen, dennoch wäre ein Joseph Gordon-Levitt die bessere Wahl gewesen, von einem Kevin Costner als kleinem Bruder ganz zu schweigen. Allgemein lässt sich jedoch sagen, dass der Transfer in die fünfziger Jahre mehr als gelungen ist, die Stimmung, der Look, das Verhalten, alles fügt sich zu einem größeren Ganzen zusammen und funktioniert. Die heraufbeschworene Gefahr des Kommunismus scheint allgegenwärtig, macht selbst in Indys obligatorischer Ruhephase am Marshall College nicht halt.

Hier unterläuft Spielberg ein kleiner Fauxpas, wenn er Jim Broadbent in einer verschandelten Rolle als Marcus Brody Verschnitt für den bedauerlicherweise verstorbenen Denholm Elliott auflaufen lässt. Noch unverständlicher ist lediglich, weshalb beide Figuren sich in der synchronisierten Version Siezen, obschon sie selbst erklärte, jahrelange Freunde sind. Die nächste „Actionszene“ wartet auf, Spielberg schraubt das Tempo hoch in seinem neuesten Film, die Momente am Marshall College selbst verweisen wiederum mehrfach auf frühere Ereignisse der Trilogie. Wie immer wird Indy auf die Suche nach einem Artefakt geschickt, für das er sich selbst kaum interessiert. War es die eigene Regierung, ein Dorfoberhaupt oder ein ominöser Finanzier, von selbst war Indy nie der Auslöser. Am ehesten spiegelt Kingdom hier noch Crusade wieder, geht es doch weniger um das Artefakt, als vielmehr um eine Rettungsaktion, welche wiederum mit ebenjenem Artefakt verbunden ist.

Das Artefakt selbst jedoch, ist wie gesagt das Problem des Filmes, zumindest wird es die Durchschiffung von Skylla und Charybdis für das Publikum werden. Wer unbeschadet durchgelangt, wird an dem Film seinen Narren fressen können. Vielleicht hat man sich mit der gewählten Thematik keinen Gefallen getan, auch wenn diese nicht sonderlich unglaubwürdiger wie die vorangegangenen Teile scheinen mag. Kingdom selbst ist hier lediglich Kind seiner Zeit: der Fünfziger. Der Trailer offenbart es bereits teilweise, die Ereignisse von Roswell im Jahre 1947 spielen eine Rolle im Film, und zwar grundsätzlich. In den fünfziger Jahren kamen in Hollywood erstmals Filme über Fliegende Untertassen und Außerirdische in die Kinos. Dazu zählt neben der ersten Adaption von H.G. Wells The War of the Worlds auch The Day the Earth Stood Still oder Earth vs. the Flying Saucers. Im Jahrzehnt von Sputnik 1 befürchteten die Menschen eine Invasion aus dem All und würde Kingdom nicht 2008, sondern 1958 in die Kinos kommen, wäre seine Handlung nichts Besonderes gewesen. Dies ist der Schlüssel zur Erkenntnis des gesamten Filmes, eine Erkenntnis, welche sich mir offen gestanden bei der ersten Sichtung nicht erschließen wollte.

Doch man kann von einem Indiana Jones Ende der fünfziger Jahre nicht dasselbe erwarten wie von einem Indiana Jones am Vorabend des Zweiten Weltkrieges. Es ist eine andere Zeit, eine andere Ära, andere Ängste, andere Umstände. Auch das Dr. Jones mehrfach und fast ausschließlich körperliche Unterstützung von Jungspund Mutt erhält, sollte man nicht verdammen. Der gute Professor geht auf die Sechzig zu, Spielberg huldigt den alten Indy oft, aber nicht ständig. Gerade diese Szenen sind im Grunde glaubwürdig und das Ende lässt zumindest hoffen, dass den Fans ein Indy-Franchise ohne Indy erspart bleibt. Der Film selbst hat ein etwas schwächeres Drehbuch, wie die Trilogie-Teile, unnötige Figuren wie Ray Winstone, Jim Broadbent und John Hurt, ist in der Mitte etwas zu rührselig, besitzt zu viel digitalen Schnick-Schnack und das Ende ist wie beschrieben grenzwertig, gewinnt jedoch vielleicht bei mehrmaligem Sehen dazu. Der Rest ist total Indy, die Ochiophobie, der Patriotismus, der Charme, der Zynismus, die Action, das Abenteuer. Mit dem vierten Film verhält es sich wie bei mancher Geburt: es ist zwar nicht unbedingt ein Wunschkind, doch „lieben“ tut man es dennoch. Ein durchaus würdiger Teil der Reihe. Nun ist aber auch gut.

6.5/10 - erschienen bei Wicked-Vision

[Edit: Der Text wurde nach der Zweitsichtung zum größten Teil geändert, daher weichen die Kommentare vom Inhalt der Review stark ab]

10. Dezember 2007

Transformers

Are you on drugs?

Spielzeug kennen wir ja alle und dass Mädchen gerne mit Puppen spielen ist sicherlich ein Klischee, welches sich jedoch bewährt hat. Jungs spielen dafür mit anderen Dingen, am liebsten mit denen sie Schießereien simulieren oder die sie kaputt machen können – gerne auch beides zusammen. Die japanische Spielzeugfirma TakaraTomy und ihr amerikanischer Partner Hasbro entwickelten 1984 eine Spielzeugreihe, die sich Transformers nannte und aus Autos, Helikoptern und anderem Kram bestand, dass man durch Ziehen und Schieben in humanoid wirkende Roboter verwandeln konnte. Und mit diesen Robotern wurden dann Schießereien und Kämpfe simuliert, um den Gegner „kaputt“ zu machen. Somit waren die Transformers wie geschaffen für Jungen und wie man weiß, gibt es kein Land dass lieber Schießereien und Kämpfe hat, bis was kaputt geht, als die US and A. In Zeiten von S.S. und Michael Bay war es somit auch nur eine Frage der Zeit, bis die Hasbro Spielzeugreihe für die große Leinwand verfilmt werden würde. In den Staaten hat sich der Film vorerst auch in den Top 20 der erfolgreichsten Filme aller Zeiten mit einem Einspiel von über 300 Millionen Dollar etabliert, weltweit waren es insgesamt 700 Millionen, ein Sequel ist damit so sicher, wie die Konfession des Papstes.

Aufgepasst! Es gibt einen Würfel und der hat in einer Galaxie, weit weit entfernt, eine Rasse intelligenter humanoider Roboter erschaffen. Wegen der Macht des Würfels gab es aber zwischen diesen Robotern Krieg und sie spalteten sich in zwei Lager: die friedliebenden Autobots rund um ihren Anführer Optimus Prime, sowie die an der Macht stehenden fiesen Decepticons, deren Herrscher Megabot ist. Doch der Würfel ging in den Unweiten des Universums verloren, bis er von einem Hobbit gefunden wurde. Nein, Spaß, er ist nur auf der Erde gelandet. Dumm sind aber weder die Autobots, noch die Decepticons, und daher verlagern sie ihren Krieg auf die Erde und wer den Würfel in seine Hände bekommt, der wird eben wieder der Herrscher sein (bis der Würfel wieder verloren wird). Den Schlüssel zum Aufenthaltsort des Würfels hat der unscheinbare Sam Wickedywittwick (Shia LaBeouf) und daher entbrannt ein Wettlauf um ihn, in welchen schließlich auch die US-Regierung eingreift. Doch werden sie rechtzeitig kommen? Und wer sind überhaupt sie? Und spielt Xeno dabei auch eine Rolle? Hat Tom Cruise seinen Bunker rechtzeitig gebaut? Alle Antworten enthält dieser Film.

Ich wollte den Film „objektiv“ beurteilen, oder so objektiv wie man eben rangehen kann und daher widme ich mich erstmal den Dingen, die mir gefallen haben. Ohne Frage dürfte Transformers in High Definition und mit DTS-Sound ein audio-visueller Orgasmus für jeden Cineasten sein, das zeigt schon die Anfangseinstellung, in der noch nichts zu sehen ist. Der erste Angriff auf eine Militärbasis in Katar ist auch noch schön und gut und die Vorstellung des Protagonisten auch vertretbar. Hier wird da klassische Setting aufgebaut: der Loser-Nerd, der nur Loser zu Freunden hat, der beliebteste Schüler der Schule, gut aussehend und Quarterback, sowie die ultrascharfe Biene, die auf den Quarterback steht. Willkommen in den klischeehaften Highschool der USA! Richtig zum Lachen hat mich dann auch der Porsche-Witz von Sams Vater und die Musikauswahl von Sams Auto Bumblebee gebracht, sowie ein falscher Aufdruck auf einem Decepticon-Polizeiwagen, welcher lautet „to punish and enslave“. Köstlich! Dazu kommt natürlich noch Megan Fox, die zwar nicht schauspielern kann, aber von jemand der so aussieht wie sie, erwartet man das auch nicht. Man schaue sich nur diesen Bauch und diese Brüste an und fragt sich, warum die Transformers nicht wegen ihr Krieg geführt haben.

Nun denn, das waren leider schon die positiven Aspekte, so traurig das auch ist. Vornweg lässt sich sagen, dass sich Transformers das, was man vertretbar als „Handlung“ bezeichnen kann, wild zusammengeklaut ist. Schon der Anfang ist 1:1 von Lord of the Rings geklaut, teilweise sogar in der Wortwahl, da kann man dann nur noch den Kopf schütteln. Ein Würfel/Ring, wegen dem Krieg ausbricht und der alles Gute in Verdammnis reißt, beherrscht von einem Roboter der aussieht wie Sauron? Meine Fresse. Und dann noch von Terminator – Judgement Day klauen, wenn sich Bumblebee und ein als Polizist daherkommender Decepticon darum schlagen, wer zuerst an den entscheidenden Teenager rankommt. Armselig ist das, nicht mal eine eigenständige Geschichte kann man hier erzählen. Die Musik von Steve Jablonsky klingt dabei als hätte er einfach den Soundtrack von The Rock rückwärts aufgenommen und Bay geschickt. Jedenfalls lässt er sich nicht von allen anderen Bay-Soundtracks unterscheiden. Aber die Musik ist halb so wild bei dem ganzen, passende pathetische Unterstützung zu dem Rest des Filmes.

Autobots und Decepticons, humanoide Roboter, die sich wegen einem Würfel kloppen. Das ist Science-Fiction, damit kann ich leben. Warum da der eine ein Sauron-Bot und ein anderer ein Gremlin-Bot ist, egal. Science-Fiction, da muss nicht alles logisch sein. Bei allem anderen erwarte ich das schon. Vor allem die US-Regierung agiert im Film abwegig, da werden unidentifizierte Helikopter in Armeebasen landen gelassen und außerirdische Maschinen müssen menschliche Programme hacken. Cedric the Entertainer kann einen Wagen verkaufen, ohne die Papiere zu diesem zu besitzen und der Verteidigungsminister erklärt sich in der Öffentlichkeit über einen Angriff auf eine Militärbasis, dessen Ausmaße und Überlebende noch nicht bekannt sind. Irgendwann hab ich aufgehört zu zählen, aber alles, angefangen von Sektion 7, von der keiner was weiß bis hin zu den fünf Marines, die allesamt von Anfang bis Ende überleben und sich alleine erfolgreich gegen die Decepticons-Armada stellen, ist einfach nur so lächerlich, wie es der ganze Filme im Endeffekt ist. War die erste halbe Stunde noch so schlecht, dass sie schon wieder gut war, machte der Film ab der Mitte überhaupt keinen Sinn mehr. Schwer erträglich ist auch diese dauernde Glorifizierung des Militärs, no sacrifice - no victory!, was für eine grauenhafte Botschaft an Kinder und Jugendliche, besonders in Zeiten von wöchentlichen Amokläufen.

Die Decepticons sehen so aus, wie böse Roboter aussehen müssen und die Autobots wusseln mit ihrer Slangsprache herum und „pinkeln“ sogar auf Regierungsbeamte. Hihi, da lachen wir alle herzlich. Dazu kommt noch Anthony Anderson als zu fett geratener Steve Urkel. Und Optimus Prime ist von allen Beteiligten die größte Niete, da fragt man sich, was das für ein Anführer sein soll, der zuschaut wie einer seiner „Soldaten“ entführt wird und der am Ende von seinem Gegner beinah zerstört wird, wenn nicht so ein menschlicher Teenager kommt und das Universum im Alleingang rettet. Ich glaube ehrlich, dass am Ende Sam und die fünf Marines um Josh Duhamel mehr Decepticons zerstört haben, als die gesamten Autobots zusammen. Der größte Verlierer des Jahres scheint dabei Zack Ward zu sein, der hier und in Postal gleich in zwei schrecklichen Filmen auftreten musste. Bei Shia LaBeouf nehm ich das schließlich gar nicht mehr so übel, ein schlechter Film braucht einen schlechten Hauptdarsteller – da haben sich am Ende zwei gefunden (ich befürchte wieder Schlimmes für Indy nächstes Jahr *seufz*). Dass man mit einem Film, der kein richtiges Drehbuch, von einer Handlung ganz zu schweigen, aufweisen kann, soviel Geld verdient, ist schon erstaunlich. Künstlerisch wertvoll ist dass jedoch nicht und finde ich es bezeichnende Ironie, das Bay am Ende im Abspann von Linkin Park „What I’ve Done“ spielt.

1.5/10

24. August 2007

Disturbia

Your mum ist hot.

Hier haben wir einen weiteren Film aus dem diesjährigen Fantasy Filmfestprogramm, der ab dem 20. September regulär in den deutschen Kinos laufen wird. Neben Transformers markiert Disturbia die zweite große Shia LaBeouf Plage in diesem Kinosommer und wie in fast jedem anderen LaBeouf-Film ist auch hier Steven Spielberg für sein Casting verantwortlich. Scheinbar hat der gute Shia extrem korrumpierendes Material über Mr. Spielberg, denn an seinem schauspielerischen Taltent kann es nicht liegen, dass dieser Schlaks in beinah jedem Spielberg-Projekt auftaucht. Wobei zu seiner Verteididgung zu sagen ist, dass er hier nicht unterirdisch schlecht spielt, er bleibt nur genauso blass wie seine Filmfigur Kale. Man liest natürlich eine gewisse und nicht zu verleugnende starke Abneigung gegen diesen jungen Herrn heraus, den ich genauso gerne auf der Leinwand sehen wie den Breitmaulfrosch Julia Roberts. Jedenfalls graut es mir schon vor dem vierten Teil von Indiana Jones, wenn Spielberg tatsächlich mal selbst mit LaBeouf arbeiten wird und bei so vielen jungen guten Schauspielern wie Ben Foster oder Joseph Gordon-Levitt verstehe ich diese neuerliche Affinität zum untalentierten LaBeouf einfach nicht.

Wie dem auch sei, LaBeouf darf die Hauptrolle in dieser Teenie-Version von Hitchcock's Meisterwerk Rear Window spielen, deren Regie der Thriller-erfahrene D.J. Caruso übernommen hat. Dieser wusste jedoch schon bereits mit The Salton Sea und Taking Lives nicht sonderlich zu überzeugen und hat bereits mit Two For The Money ein billige Kopie von Oliver Stone's Wall Street abgeliefert. Caruso macht dann auch zu keinem Zeitpunkt einen Hehl daraus, an welche Zielgruppe der Film gerichtet ist, und zwar sind das Teenager zwischen 12 und 18. Dazu passt die Einführung von Kale's Kumpel Ronnie, der sich im Spanischunterricht einen Spaß daraus macht, mit dem Wort Quizas ein humoristisches Wortspiel zum besten zu geben, dazu passt aber auch die mainstreamige Musikuntermalung und die Tatsache, dass LaBeouf in jedem Film ein Band-T-Shirt zu tragen scheint War es in Transformers noch The Strokes, sieht man ihn hier mit einem Shirt der Ramones herumrennen.

Aber nun zur Handlung: der junge Kale (LaBeouf) schlägt seinen Spanischlehrer und bekommt drei Monate Hausarrest aufgebrummt. Während er durch ein Fußband dazu gezwungen ist, sein Grundstück nicht zu verlassen, verknallt er sich in die neue scharfe Nachbarin Ashley (Sarah Roemer). Außerdem fällt ihm auf, dass auf den ebenfalls neuen Nachbarn, Mr. Turner (David Morse), scheinbar alle Indizien eines lokalen Serienmörders zutreffen. Kale beginnt zusammen mit Ashley und seinem Kumpel Ronnie die Observation von Turner und bringt sich, seine Freunde und seine Mutter (Carrie-Anne Moss) dabei in Lebensgefahr.


Diese schwache Handlung wurde dann noch unnötig aufgeblasen, beispielsweise mit der völlig unsinnigen Eröffnungsszene, in der Kale mit seinem Vater Angeln geht und schließlich in einem aberwitzigen Unfall diesen verliert. Dabei wäre der Film auch bestens ohne diese Szene ausgekommen und die Tatsache, dass sie mit theatralischer Musik unterlegt worden ist, macht das ganze nur noch schlimmer. Genauso fragt man sich, wieso die Figur des Officer Gutierrez als solche eingebaut worden ist, denn die Tatsache, dass es sich hierbei um den Cousin des Spanischlehrers handelt, hat für den weitern Verlauf der Geschichte keinerlei Belang. Hierzu reiht sich auch die Verschwendung von Carrie-Anne Moss ein, die so selten zu sehen ist, dass sie auch von jeder anderen Schauspielerin gespielt hätte werden können. Die stereotype Inszenierung von Kale asiatischem Kumpel Ronald trägt auch einen leicht faden Beigeschmack. Zudem fragt man sich gegen Ende, wieso Kale seine X-Box oder seinen I-Tunes-Account nicht selber wieder aktivieren kann, wenn er es später sogar schafft aus einem Küchenwecker eine mobile Transponderkamera zu basteln.

Das sind nur Auszüge aus den vielen Unstimmigkeiten und Überflüssigkeiten, welche Disturbia zu bieten hat. Über diese könnte man noch hinweg sehen, wenn der Film zumindest fünf Minuten lang Spannung aufbauen würde. Tut er aber nicht. Die erste halbe Stunde plätschert mit Kale's Langeweile (und perversen Geschmacksverirrungen) dahin, wohingegen das letzte Drittel zu einem 0815-Teenie-Horror á la Scream mutiert, wo gerannt, gekratzt und getreten wird was das Zeug hält. Dazu mehren sich dann wieder die Unstimmigkeiten und der Film driftet in die totale Unglaubwürdigkeit ab. Das mag vielleicht alles für ein anspruchsloses Teeniepublikum passen, für Erwachsene funktioniert das dann aber doch nicht mehr. Zu unausgegoren und zu lieblos kommt Disturbia hier rüber. Positiv fallent nur David Morse, der wie so oft den kalkulierten Fiesling gibt und - hier kommt mein persönlicher Rettungsanker dieses Films - Sarah Roemer auf, die so unsagbar scharf ist, dass ich dem Film glatt die volle Punktzahl gegeben hätte, wenn sie in jeder einzelnen Szene zu sehen gewesen wäre. Deswegen bekommt Disturbia allein wegen Miss Roemer einen Extrapunkt, der dann aber nicht mehr viel herausreißen kann und für einen Kinobesucht ist der Film dann wirklich nicht zu empfehlen, es sei denn, man ist zwischen 12-18.

5/10