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27. Mai 2010

How I Met Your Mother - Season Five

There’s no way we can ever be together…right now.

Es gibt Menschen, die benötigen eine exorbitant lange Exposition, um zu ihrer Pointe zu gelangen. Wäre How I Met Your Mother ein Mensch, würde die Serie in diese Kategorie fallen. So lässt sich nach vier Jahren fragen, warum sich Carter Bays und Craig Thomas überhaupt noch die Mühe machen, ihre Episoden von Bob Saget einleiten zu lassen. Denn klar ist: Hauptfigur Ted (Josh Radnor) wird die Mutter seiner Kinder erst dann finden, wenn CBS beginnt, der Sitcom den ersten Nagel in den Sarg zu schlagen. Bis dahin bleibt alles beim Alten und konzentriert sich auf die fünf New Yorker Freunde und ihre Beziehungsprobleme. Gewohnheiten werden groß geschrieben, weshalb die Serie nicht die Pfade verlässt, die andere Serien vor ihr bereits beschritten haben. Daher war bereits im Vorjahr klar, dass die Beziehung zweier Freunden zeitlich begrenzt war.

Natürlich waren Robin (Cobie Smulders) und Barney (Neil Patrick Harris) nicht für die Ewigkeit, sondern nur ein paar Episoden gemacht. Stattdessen also heißt es auch für sie wieder back to business und ab ins Single-Dasein. Für Robin steht schon ihr neuer Co-Moderator Don (Benjamin Koldyke) bereit, mit dem sie sich im Laufe dieser Staffel intensiver einlässt. Während Barney wieder das macht, was er am besten kann: Frauen aufreißen. Ted hingegen beginnt seinen Job als Uniprofessor zu genießen und Marshall (Jason Segel) pflegt mit Lily (Alyson Hannigan) das Motto: Trautes Heim, Glück allein. Ein roter Faden lässt sich kaum finden, vielmehr ist die fünfte Staffel von kleinen Subhandlungen durchzogen. Neben Robins Beziehungen zählt hierzu auch Teds Kauf (s)eines Traumhauses unter der Prämisse: Geschenkt ist noch zu teuer.

Wahrscheinlich bleibt es ein ewiges Mysterium, dass bei allen Redundanzen der Serie eine konstante Beziehung zweier Figuren unattraktiv erscheint. Selbst Marshall und Lily wurden kurzzeitig auseinander gebracht und das Abenteuer von Robin und Barney ist ebenfalls so schnell vorbei wie es begann. Auch Ted, obschon mit einigen Verabredungen versehen, bleibt weiterhin Single - vielleicht auch, weil er wie in The Wedding Bride, noch zu sehr seinen eigenen Ballast mit sich herumschleppt. Dennoch wirkt es so, als würden Bays und Thomas ihrer Show nicht zutrauen, dass Ted mit einer neuen Figur funktionieren könnte. Schließlich wäre grundsätzlich nichts Verwerfliches daran, wenn man ihm zehn bis zwölf Episoden eine feste Freundin an die Seite stellt, da Say Cheese verdeutlichte, dass seine Romanzen auch die Anderen nerven.

Ein paar Rückbesinnungen finden dann doch Einzug in die neue Staffel. Zum einen gibt es mit Slapsgiving 2: Revenge of the Slap die Rückkehr von … naja, Slapsgiving. Zum anderen treten im fünften Jahr wieder vermehrt - und primär in der zweiten Staffelhälfte - GastdarstellerInnen auf. Und sogar relativ Namhafte mit Amy Adams, Rachel Bilson, Jennifer Lopez, Malin Åkerman und Amanda Peet, sowie den Herren Peter Bogdanovichv und Jason Lewis. Gerade die Rückkehr einiger bekannter Gesichter ist eine erfreuliche Entwicklung, die How I Met Your Mother wieder etwas Leben einhaucht. Denn wirklich steigern kann sich die Show im Vergleich zu den vergangenen beiden Jahren nicht. Sie hält weiterhin ein durchschnittliches Niveau, diesmal mit Robin 101 als alleinigem Höhepunkt einer Staffel, die ihre besten Episoden im Mittelteil aufweist.

Letztlich sind daher Marshall und Lily die einzigen Figuren, die sich merklich weiterentwickeln (auch wenn dies erst im Staffelfinale Doppelgangers geschieht). Ted mit seinem Hauskauf und Robin mit ihrer Beziehung zu Don machen zwar einen Schritt in die richtige Richtung - ähnlich wie Barney mit seiner Akzeptanz -, bleiben vorerst jedoch dort stecken, wo sie sich seit einer Weile befinden. Was dazu führt, dass sich wie jedes Jahr die Frage stellt, wie lange die Show noch überleben kann? Die Figuren werden nicht jünger und die Sitcom hat schließlich auch nicht zu enden, nur weil Ted nun die Mutter seiner Kinder gefunden hat. Denn wie er diese kennenlernt braucht nicht gleich das Ende des Weges zu sein, sondern kann stattdessen einfach zur Station dorthin verkommen. Bis dahin heißt es wohl wie beim Dinner for One: same procedure as last year.

7/10

29. Juni 2009

Jersey Girl

Like the Fresh Prince of Bel Air is ever gonna have a movie career.

“The Internet is a communications tool used the world over where people can come together to bitch about movies”, erklärte Holden in Jay & Silent Bob Strike Back und prophezeite damit jenes Schicksal, das Kevin Smiths Jersey Girl später heimsuchen sollte. Smiths sechster Film entfernte sich aus seinem Askewniverse und ist bis heute sein einziger PG-13-Film. Im Nachhinein wurde Jersey Girl seine Besetzung zum Verhängnis oder anders gesagt: die Bennifer-Affäre brach dem Film das Genick. Einen Monat vor Filmstart zerbrach die Beziehung zwischen Hauptdarsteller Ben Affleck und Jennifer Lopez und bereits zuvor war ihr erster gemeinsamer Film, Gigli, grandios gefloppt. Als Affleck dann noch die Pressetour verpasste, da er an Bronchitis erkrankt war, hielten zahlreiche Medien dies für einen Fingerzeig, dass auch der Star nichts von seinem letzten Werk hielt. Angesäuert ließ sich anschließend Auteur Smith von den Hass-Tiraden mitreißen. Letztlich ist Jersey Girl wie ein Scheidungskind, das im Tumult der sich streitenden Parteien vernachlässigt wurde. Denn so schlecht, wie es oft gemacht wird, ist der Film bei weitem nicht.

Keine Schwanzwitze, kein “snooch“ und kein “booch“. Hier versucht sich Smith mal etwas erwachsener, an einer erwachsenen Story mit erwachsenen Figuren. Und doch ist dies nur die halbe Wahrheit, denn „Bennifer“ schadet dem Film durchaus. Die erste Viertelstunde ist nicht wirklich gelungen und inhaltlich ungenügend. Man erhält keinen Eindruck von Ollie (Ben Affleck) und Gertrud (Jennifer Lopez), geschweige denn, wie sie sich verlieben. In kurzen Montagen wird die Vorstellung beim Vater (George Carlin) gezeigt, der Heiratsantrag und die Verkündung der Schwangerschaft. Da Smith so wenig zeigt, wäre es vorteilhafter gewesen, Gertrud im Grunde gar nicht einzubauen und den Film mit der Geburt einzuläuten. Denn entgegen Smiths Überzeugung springt der Funke zwischen Bennifer keineswegs über, ohnehin nimmt J.Lo durch ihre Anwesenheit der Einführung in Jersey Girl auf gewisse Weise die Luft zum Atmen. Diese ersten negativen Einflüsse werden nur von Afflecks miesem Spiel unterboten, welches zum Glück mit jeder fortlaufenden Minute besser wird - gerade nachdem J.Lo von der Bildfläche verschwindet. Allerdings rechtfertigt sich J.Lo’s Engagement - wie Smith zu Recht hervorhebt - allein deshalb, da dadurch Raquel Castro den Zuschlag als Gertie erhielt. Denn Castro ist der Leim, der Jersey Girl zusammenhält.

Eigentlich beginnt der Film also erst wirklich, als Smith sieben Jahre in die Zukunft springt, die nette Fresh-Prince-Sequenz hin oder her. Hier wird Ollie als Mann etabliert, der alles verloren hat (Frau, Job, Zukunft) und im Grunde doch alles (Gertie) gewann. Natürlich spielt mit rein, dass Castros Gertie das perfektionierte Ideal einer Siebenjährigen darstellt. Hübsch, süß und dabei weder auf den Kopf noch auf den Mund gefallen. Und wie es sich für Kinder gehört, erachten sie ihre Väter als die Helden des Alltags. Selbst wenn Ollie sie mit seinem Planierwagen vor die Schule vorfährt und letztlich als öffentlicher Beamter nur eine kleine Nummer innerhalb seiner Vorstadt in New Jersey ist, Gertie himmelt ihn an. Smiths Bild ist vollkommen romantisiert, was er schon alleine dadurch verdeutlicht, dass Ollie seit Gertruds Tod keinen Sex mehr hatte. Die Vater-Tochter-Beziehung ist perfekt, unerschütterlich und freundschaftlich. Das obligatorische Genital-Vorführen von Gertie und einem Freund wird erst scherzhaft aufgenommen und leitet dann in das nächste Handlungsszenario. Der Ausflug in die Videothek bringt die wahrscheinlich einzige wirkliche Askewniverse-Figur ins Spiel: Maya (Liv Tyler).

Hier unterläuft Smith jedoch dasselbe Problem, wie bereits zu Beginn des Filmes. Die Beziehung zwischen Ollie und Maya wird nicht ausreichend erklärt. Lediglich in drei Sequenzen sieht man die beiden miteinander, ehe Smith den Wendepunkt des Filmes einläutet, als Ollie eine Rückkehr nach New York bevorsteht. Die Tränen auf Mayas Gesicht, als sich dieser sich im Grunde verabschiedet, wirken wenig glaubwürdig. An dieser Stelle wird die Handlung - -ohnehin relativ dünn - zu schnell abgespult. Immerhin ist es löblich, dass Smith bis zum Schluss darauf verzichtet, Tylers Rolle zum klassischen love interest verkommen zu lassen. Eine Beziehung zwischen beiden hängt zwar immer irgendwie im Raum, wird jedoch nicht voreilig verkauft, weshalb das Szenario an Authentizität gewinnt. Selbst wenn Mayas Mitleidssexangebot dies etwas konterkariert. Tyler wird zwar nicht sonderlich gefordert, weiß allerdings speziell während Gerties Ansprache nach der Duschszene mit ihrem Schauspiel zu gefallen. Dort ist es gerade ihre Natürlichkeit, die sie ausgesprochen überzeugend auftreten lässt.

Während all das Bennifer-Bashing sicherlich gerechtfertigt ist, hat Jersey Girl jedoch ganz klar seine starken Momente. Insbesondere natürlich die des smith’schen Humors (wie das Pudern von Gertie oder Ollies Reaktion, als er Sweeney Todd durchschaut). Auf liebenswerte Weise erzählt Smith die Geschichte eines allein erziehenden Vaters, der akzeptieren muss, wer er jetzt ist, anstatt dem hinterher zu trauern, was er mal war. Die Beziehung zwischen Gertie und Ollie ist durchweg hinreizend, Ollies Entwicklung sehr glaubwürdig und menschlich. Der inhaltliche Höhepunkt zeigt sich zu Beginn des letzten Drittels, wenn Gertie wütend auf Ollie ist und dieser sich enttäuscht zu einer Affektreaktion hinreißen lässt. Unbezahlbar ist Castros Gesicht, wenn Affleck ihr entgegenschmettert, dass sie und ihre Mutter sein Leben zerstört hätten. Hier sind die beiden Hauptdarsteller auf der Höhe ihres Spiels. Die Katharsis wird dann schließlich mit dem zweiten und ebenso emotionalen Höhepunkt während des dritten Akts abgerundet (erneut dank Castros Gesichtsausdruck). Wenn Smith den Film schlussendlich in einem ungemein stimmigen Ende ausklingen lässt, sind die Fehler der Exposition bereits vergessen.

Nett gemeint aber etwas in die Hose geht der Cameo von Will Smith als Anstoßgeber des kathartischen Moments. Auch die Gastauftritte von Jason Lee und Matt Damon stören etwas die Harmonie dieses sonst so un-askewniversen Films. Wundeschön ist dagegen die Kameraarbeit und exzellente Ausleuchung von Vilmos Zsigmond. Amüsant sind wie immer zudem die Audiokommentare von Kevin Smith. Während der erste (mit Jason Mewes und Scott Mosier) sich weniger um den Film als um Jason Mewes Drogenproblem und Sexleben dreht (obschon Mewes interessante Fragen stellt und den Film sehr aufmerksam verfolgt zu haben scheint), verkommt der zweite (mit Ben Affleck) von Smiths Seite aus eher zu einem wütenden verbalen Rachefeldzug gegen seine Kritiker - und begibt sich damit auf deren Niveau. Dennoch weiß Jersey Girl auch in seinen Extras wie bereits Chasing Amy ein sehr schönes, gegenseitiges Smith-Affleck-Bashing zu inszenieren. Resümierend kann festgehalten werden, dass Jersey Girl ein andersartiger Kevin-Smith-Film ist, warmherzig und emotional und daher letztlich besser als sein Ruf. Dieser wird auch weiterhin ein Opfer sein von “bitching about movies on the internet“.

6/10