There's an old Italian saying: you fuck up once, you lose two teeth.
Bei der ersten Staffel hatte ich ja moniert, dass bis zu den letzten vier Folgen hin keine rechte Spannung aufkam, das Staffelfinale das jedoch wieder etwas wett zu machen wusste. Bei der zweiten Staffel kann ich das leider nicht mehr behaupten. Die Handlung der Serie ist weit entfernt davon stringent zu sein, teilweise trifft das auch auf einzelne Folgen zu und es passiert im eigentlichen Sinne nichts. Soprano (James Gandolfini) ist inzwischen der Capo, aber trotz allem nicht unumstritten, liegen seine engsten Feinde immer noch in seiner Familie rund um seinen Onkel Junior und seiner Schwester Janice und ihren Freund Richie.
Mein Problem mit den Sopranos ist, dass sich weder die Serie noch die Figuren weiterentwickeln. Soprano besucht nach kurzer Pause wieder Dr. Melfi (Lorraine Bracco), scheint aber durch die Therapie keine Veränderung durchgemacht zu haben. Jede Sitzung resultiert in Beschimpfungen und Bedrohungen seiner Therapeutin, oft geht er auch vorzeitig, sitzt wenige Tage dann aber wieder in dem Sessel ihr gegenüber. Hinzu kommen noch die heuchlerischen Figuren rund um Soprano's Frau Carmella (Edie Falco) und seiner Tochter. Viele andere Figuren gehen mit ihrer Pseudomoral und Überheblichkeit ebenfalls ziemlich auf die Nerven. Die einzige symphatische Figur für mich war Pussy, der von seinen besten Freunden im Staffelfinale erschossen wird.
Das Staffelfinale war auch die Folge, welche von allen 26 bisher die schwächste gewesen ist, mit lahmen Fantasiesequenzen gefüllt. Dass sich Menschen meistens nicht verändern und weiterentwickeln mag wohl auf das echte Leben zutreffen, in meinen Augen schauen Menschen jedoch Filme, bzw. stürzen sich allgemein in Fiktion, weil sie eben jenem "echten" Leben entfliehen wollen, wenn auch nur für eine kurze Zeit. Will ich eine abgefuckte Familie ohne jegliche Entwicklung sehen, beobachte ich meine Nachbarn oder wenn ich es noch einfacher haben will meine eigene Familie.
The Sopranos entwickelt jedoch eine solche spannungsarmut, dass man problemlos eine Folge der fünften Staffel und danach eine der dritten Staffel sehen könnte und hätte dennoch keinerlei Probleme der Handlung auf dem Bildschirm zu folgen. Diese Linie von David Chase ist sehr bedauernswert und abgesehen von hervorragenden schauspielerischen Leistungen (allen voran natürlich Gandolfini) hatte die zweite Staffel nicht viel zu bieten. Möge die dritte Staffel besser sein.
6.5/10

