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16. Dezember 2008

Californication - Season Two

Declaring Jihad on your pussy.

So viele gut gemachte und stark besetzte amerikanische Unterhaltungsserien, sowohl im Drama als auch im Comedy Bereich. Und wo landen diese zu einem Großteil? Auf RTL 2, eine wahre Schande ist das. Sei es die zerstückelte Dead Like Me oder aber Heroes, Dexter und ebenjene Californication. Die Serienschöpfung von Tom Kapinos hat sich nicht zuletzt dadurch einen Namen gemacht, dass ihr Hauptdarsteller David Duchovny dieses Jahr mit einem Emmy für seine Rolle als notorischer Weiberheld Hank Moody ausgezeichnet wurde. Kurz vor Start der zweiten Staffel holte die Realität dann die Fiktion ein. Duchovny wies sich selbst wegen Sexsucht ein, kurz darauf verließ ihn seine langjährige Ehefrau Teá Leoni. Auswirkungen auf die Staffel selbst scheint dies kaum gehabt zu haben und auch die dritte Staffel ist zumindest planungstechnisch in trockenen Tüchern. Die zweite Staffel zeichnet sich dadurch aus, dass sie zu drei Serien zählt, die in diesem Jahr die fantastische Mädchen Amick als Darstellerin gewinnen konnte. Außerdem gab sich auch die nicht weniger fantastische Meredith Monroe die Ehre, sowie ihr Dawson’s Creek-Kollege (obschon beide nie gemeinsam gespielt haben) Hal Ozsan. In ganzen fünf Folgen lässt sich Amick bewundern und ist somit fast in der Hälfte der Staffel zu sehen. Damit kann Monroe nicht aufwarten, die lediglich in Vaginatown auftritt, was jedoch nur einer der Gründe ist, die jene fünfte Folge zur gelungensten und amüsantesten der ganzen Staffel verkommen lassen.

Es war ja äußerst verstörend, das Finale der ersten Staffel. Da hat Karen (Natasha McElhone) geheiratet und Mia (Madeline Zima) Hanks neuen Roman geklaut. Und aus heiterem Himmel brennt Karen dann mit Hank und Becca (Madeleine Martin) durch. Kapinos hat jenen Schachzug nun nicht wirklich vorbereitet, aber gut, die Welt ging auch nicht unter. Nun sind sie also wieder zusammen, der Hank und die Karen. Eitel Sonnenschein ist deswegen noch lange nicht. Denn der gute Hank soll sich einer Vasektomie unterziehen und ist über die Schmerzen nur merklich begeistert. Während einer Hausparty kommt es dann zu einem kleinen Missverständnis, als Hank im Dunkeln aus Versehen die falsche Frau oral befriedigt (was jedoch die wunderbare Bezeichnung „mouth rapist“ nach sich zieht). Nach einem Zwist mit der Liebsten landet Hank die Nacht über im Knast. Ein wegweisendes Erlebnis. Hier lernt er den Musikproduzenten Lew Ashby (Callum Keith Rennie) kennen. Und Ashby macht seiner Branche alle Ehre, kokst, raucht, säuft und vögelt was das Zeug hält und im Fall der Fälle wird dann auch die Shotgun raus geholt. Da sagt man nicht Nein, wenn einen diese Person darum bittet seine Biographie zu schreiben. Eitel Sonnenschein ist deswegen immer noch lange nicht. Nachdem eine (S)Ex-Beziehung von Hank ihre Schwangerschaft anmeldet ist mit Karen erstmal nicht mehr gut Kirschen essen. Stattdessen nähert diese sich leicht an Ashby heran, während Hank versucht an Ashbys große Liebe (Mädchen Amick) heran zu kommen, um Stoff für die Biographie zu erhalten. Nicht zu vergessen Charlie Runkle (Evan Handler), „coke smurf“ Marcie (Pamela Adlon) und eine ominöse Pornodarstellerin (Carla Gallo), der die Hauptrolle im Porno-Oscarfavoriten Vaginatown zufiel.

Ohne einen bestimmten Grund nennen zu können, ist die zweite Instanz von „Californication“ besser als die erste. Wobei das auch nur an der Eingewöhnungszeit liegen könnte, sprich ich habe der ersten damals Unrecht getan. Müsste ich noch Mal anschauen. Mach ich aber vorerst nicht. Die guten und schlechten Folgen halten sich diesmal die Waage, dabei sind manche Folgen wie The Raw & the Cooked oder In Utero überflüssig bis zum Anschlag (deswegen aber nicht grundsätzlich mies). Die oben erwähnte Episode Vaginatown ist nahezu perfekt, dicht gefolgt von drei anderen Folgen. Allgemein ist die Mitte der Staffel am überzeugendsten und konstantesten. Die Thematik ist etwas seriöser und wenn man so viel geprägt durch ein neu gewonnenes monogamere Bild. Hank muss sich der Verantwortung einer möglichen Schwangerschaft stellen, zugleich um seine Karriere kämpfen und seine Tochter erziehen. Diese wiederum rückt etwas mehr in den Fokus, bekommt eine eigene Beziehung. Beccas philosophische Ausschweifungen sind dann auch deswegen erträglich(er), da sie gestreuter daherkommen. Nervig sind lediglich die Szenen mit Boheme Julian (Angus Macfayden). Zuträglich ebenso die häufige Abwesenheit von Mia, deren Einbeziehung ich ohnehin nicht nachvollziehen kann beziehungsweise die relative Abgekühltheit in der Hank mit ihr umgeht. Das ganze Plagiatsthema hätte man mehr in den Mittelpunkt rücken können/sollen. Auch das ewige Hin und Her zwischen Hank und Karen – speziell nach dem Staffelfinale – wirkt extrem redundant und auf die Dauer eintönig (Grey’s Anatomy lässt grüßen). Unterm Strich gesehen ist Californication aber eine durchaus ansehnliche Serie per se sowie auch hinsichtlich ihrer zweiten Staffel. Höhepunkt hierbei der wohl politisch unkorrekteste Dirty Talk während eines sexuellen Interkurses. Herrlich!

8/10

1. November 2008

Dawson’s Creek - Season Four

People are about as happy as they make up their minds to be.

Die positive Nachricht vorweg: Dawson’s Creek ist in seiner vierten Instanz wieder besser. Hatte die dritte Staffel nach dem Abschied von Schöpfer Kevin Williamson etwas an ihrer Redundanz und Unkreativität gekrankt, so scheinen sich die Autoren nach einem Jahr gefangen zu haben. Die 23 Episoden der vierten Staffel sind runder als die des vorangegangenen Jahres und abgesehen von Eastern Standard Time findet sich auch keine wirklich schlechte Folge in dem Sinne. Gerade in ihrer ersten Hälfte ist die vierte Staffel besonders stark und ernährt sich genüsslich vom neu aufgetretenen respektive im letzten Staffelfinale vorbereiteten Konflikt aller Parteien. Am Ende einer Romanze kriegt der Held immer das Mädchen. Das weiß jeder, das weiß auch Dawson. Doch dieses Mal war dies nicht so. Anstatt das Dawson Joey und Joey Pacey und Pacey Joey will, aber alle in ihrem Konflikt unzufrieden sind, ließ Dawson seine große Liebe gehen und drei Monate mit ihrer frischen Liebe auf einem Boot segeln. Für alle drei wird sich das Leben nun in der neuen Staffel ändern, denn alle Aktionen sind weder vergeben noch vergessen. Denn während Joey (Katie Holmes) und Pacey (Joshua Jackson) drei Monate auf der „True Love“ gesegelt sind, ging das Leben von Dawson (James Van Der Beek) und den anderen natürlich weiter. Das Drama um Joey unterstützte Dawsons Schaffenskrise und so wendete er sich der Photographie zu. Bezeichnend jene Szene in Coming Home, als Joey in Dawsons Zimmer auf ihn wartet und an der Wand zahlreiche Bilder von Jen, Jack und Andie findet. Von Pacey ist natürlich keines dabei – aber auch von ihr nicht. Jener Moment steht sinnbildlich für die Freundschaft von Dawson und Joey zu diesem Zeitpunkt innerhalb der Staffel.

Auch ihre Selbstironie hat die Serie zurück gewonnen und gleich in der ersten Folge durchbricht Pacey quasi die Vierte Wand. „They’ll ask“, erklärt er gegenüber Joey auf die Frage, das die anderen bezüglich ihres Sexuallebens fragen werden. Hiermit sind natürlich vordergründig Dawson, Andie und Co. gemeint, doch schließt dies auch das Fernsehpublikum mit ein. Drei Monate allein auf einem Segelboot – werden sie es getan haben? „They’ll ask“, ist Pacey sich zumindest sicher. Getan haben sie es dann jedoch nicht – zumindest zu diesem Zeitpunkt. Die Beziehung zwischen Pacey und Joey wird innerhalb der vierten Staffel nicht vermehrt in Vordergrund gestellt – zumindest nicht die Beziehung als solche. Viel eher wird der Konflikt zwischen ihnen und Dawson fortgesetzt. Mit Joey kam dieser bereits in der letzten Staffel wieder auf einen gemeinsamen Nenner, mit Pacey sieht dies jedoch anders aus. Zumindest oberflächlich. Denn in Folgen wie Two Gentlemen of Capeside oder The Unusual Suspects zeigt Dawson durchaus, dass ihm etwas an Pacey liegt und er die Freundschaft im Grunde noch schätzt. Sein Groll gegen den ehemals besten Freund relativiert sich dann auch noch durch etwaige andere Aspekte. Zum einen ist hier Andies Appell in You Had Me at Goodbye, insbesondere jedoch sind es die beiden neuen Beziehungen von Dawson. Zum einen beginnt er eine Romanze mit Paceys älterer Schwester Gretchen (Sasha Alexander) und zum anderen lernt er den Pensionär A.I. Brooks (Harve Presnell) kennen. Die Beziehung von Dawson zu Paceys Schwester beschäftigt dann auch Joey und Pacey oft eindringlicher, als es bei den beiden Frischverliebten selbst der Fall ist. Zwar eröffnet Dawson gegenüber Pacey in The Tao of Dawson seine Intention, doch ändert dies nicht unbedingt etwas an ihrer eigenen Freundschaft. „Sisters are like mothers. Only pretty“, erklärt Pacey. Weshalb er jedoch zu beschützend gegenüber Gretchen reagiert, erschließt sich dem Zuschauer nicht. Schließlich ist es ein offenes Geheimnis, dass Pacey seine Familie nicht abkann – was in The Te of Pacey nochmals zum Ausdruck kommt.

Man mag die Ursache der etwas seltsamen Beziehungen der Teenager in Dawson’s Creek auf eben jenen Teenager-Status zurück führen, selbst wenn sie in Staffel Zwei weitaus reifer gehandelt haben. Ein Hin und Her zwischen Dawson und Gretchen, bis beiden endlich zusammen kommen, nur um dann wieder Schluss zu machen. Gretchen sieht die Ursache in Joey, was aber gerade in Episoden wie Eastern Standard Time oder Separation Anxiety ungenügend wirkt. Dass kaum Zukunft für Gretchen in der Welt von Dawson’s Creek war, ließ sich frühzeitig erkennen, sodass jenes Ende der Beziehung nicht derartig überraschend kommt, wie manch anderes. Gerade die Beziehung von Pacey und Joey endet etwas abrupt und ohne wirkliche Vorankündigung. Während Pacey in der ersten Hälfte der Staffel meist wegen Dawson oder dem nicht vorhandenen Sexleben mit Joey an ihr „herumnölt“, so erhält er in der zweiten Hälfte praktisch alles was er sich gewünscht hat. Doch statt glücklich zu sein, reitet er sich in sein eigenes Schicksal hinein. Durch Aktionen aus den Staffel Zwei oder Drei hat Pacey nun mal nicht gerade die besten Noten – dass er jedoch in der Lage ist Einser zu schreiben, hat man durch seine Beziehungen zu Andie und Joey gesehen. Somit ist Pacey nicht dumm, sondern schlicht und einfach faul. Dass er also glaubt Joey zu verlieren, liegt nur an ihm. Deshalb mit seiner großen Liebe Schluss zu machen, aus keinem besonderen Grund als jene nicht aufzuhalten revidiert sich selbst in der fünften Staffel.

Fast noch einfacher machte man es sich mit Jen (Michelle Williams) und Henry (Michael Pitt), den man einfach aus der Serie schrieb, indem er mehr Freiraum forderte. An seine alte Schule kam er nicht einmal mehr zurück, nur eine von verschiedenen Widersprüchlichkeiten innerhalb des Dawson’s Creek-Universums. Denn obwohl Andie sagt, sie schiebt Harvard (was in Boston liegt) ein Jahr nach hinten, doch auch in der sechsten Staffel kriegt man Andie in Boston – wo sich die Serie abspielt – nicht zu Gesicht. Egal. Jen verliert also ihren Freund auf die einfachste aller Weisen und dümpelt stattdessen die gesamte vierte Staffel in Selbstmitleid herum. Collegepläne hat sie nicht und überhaupt wirkt sie extrem lustlos – was jedoch nichts mit Henry zu tun hat. Die Aufarbeitung ihrer extrem gekünstelten und von Klischees durchzogenen Vergangenheit in Eastern Standard Time wirkt da unnötig und aufgesetzt. Zudem hat dies auch keiner gebraucht, da die Ursache für ihr Leben in Capeside eigentlich nebensächlich war. Dass mit Drew Valentine (Mark Matkevich) ein Geist aus ihrer Vergangenheit um sie herumschleicht, macht das ganze auch keinen Deut besser, so sympathisch Drew durch seinen Diabolismus auch ist. Auch der plötzliche Abschied von Andie (Meredith Monroe) in You Had Me at Goodbye wirkt überraschend. Wenn Andie zu Beginn des Schuljahres dieses frei nehmen kann fragt man sich durchaus, warum andere wie Dawson und Jack jeden Tag in der Schule aufkreuzen müssen. Denn ihren Abschluss macht Andie perfider Weise Seite an Seite mit ihren ehemaligen Klassenkameraden in The Graduate. Doch lieber ein bisschen Meredith Monroe als gar keine Meredith Monroe ist mein persönliches Motto. Bleibt also noch Jack (Kerr Smith), der dank einer Verletzung aus dem Footballteam fliegt und stattdessen als Fußballtrainer für Kinder erneut in die Schiene der diskriminierten Homosexuellen geschoben wird.

Nicht dass man dies nicht genug thematisieren sollte, aber wirkt es in seiner dargestellten Form – ähnlich wird es auch in Staffel Fünf noch mal thematisiert werden – stark redundant. Besser verhält es sich da mit dem Überfall auf Tobey (David Monahan), was ein Appell nicht nur gegen die Gewalt an Homosexuellen darstellt, sondern auch wieder integral in die Serie eingebaut wurde. Auch an anderen Stellen gelingt es Dawson’s Creek erneut diskussionswürdige Probleme in seiner Handlung zu kontextualisieren und thematisieren. Während Dawson sich in A Winter’s Tale mit Euthanasie auseinander setzen muss, wird in A Family Way das vieldiskutierte Thema der Abtreibung angesprochen. Doch nicht nur auf Abtreibung geht man ein, sondern auch auf die Umstände von Fehlgeburten, sexuelle Vorbereitung auf das Erste Mal und das Ausbleiben der Periode. Zwar wirken jene Momente immer recht steif in den Verlauf der einzelnen Folgen integriert, unterstützen deshalb aber nichtsdestoweniger das Konstrukt der jeweiligen Episode und des Geistes der Serie allgemein. Der Ton wird also erwachsener, wie auch die Charaktere innerhalb der Serie selbst erwachsener werden. Dies heißt jedoch nicht, wie angesprochen wurde, dass sie sich erwachsen verhalten, denn ihr emotionales Hin und Her kann durchaus nervend ausfallen, selbst wenn es zur Serie gehört. In der vierten Staffel bleiben bekanntere Gastauftritte aus, wie auch auf Filmreferenzen verzichtet wurde. Dennoch sind die einzelnen Folgen wieder stärker geraten, was auch an Charakteren wie Gretchen liegen dürfte. Wahrlich perfekte Folgen sind in You Had Me at Goodbye und Kiss Kiss Bang Bang zu finden, wobei auch gerade wegen seiner Nostalgie die beiden finalen Folgen The Graduate und Coda ihren Reiz haben. Alles in allem jedoch eine Steigerung zur „enttäuschenden“ dritten Staffel und stets unterhaltsam.

8.5/10

16. Oktober 2008

Dawson’s Creek - Season Three

This ruins everything.

Der Schnitt ist ziemlich offensichtlich, man merkt ihn bereits nach wenigen Minuten. Anstatt „I Don’t Want To Wait“ von Paula Cole läuft in den Anfangscredits nunmehr „Run Like Mad“ von Jann Arden. Ein schlechterer Song, der eine schlechtere Qualität der Serie von Kevin Williamson einläutet. Doch die Schuld von Williamson ist das, wenn, nur bedingt. Am Ende der zweiten Staffel, die bereits durch das eine oder andere „schlampige“ Drehbuch hervorstechen konnte, verließ der Schöpfer von Dawson’s Creek die Serie. Die dritte Staffel fällt im Vergleich zu den beiden mehr als gelungenen Vorgänger deutlich ab, aus verschiedenen Gründen. Nicht nur das – in meinen Augen – schlechtere Titellied markiert den Wandel, sondern auch die Dezentralisierung der Serie. Der Fokus rückt von Dawson Leery immer mehr auf Joey Potter, einhergehend mit dem aufkommenden Liebesdreieck. Die Serie büßt viel von ihrer Selbstironie ein, auch etwaige Referenzen, wie sie in Like a Virgin noch auftreten (Risky Business) werden zur Mangelware. Später dreht sich Escape from Witch Island noch in den Sphären eines Blair Witch Project aber damit hat es sich auch schon. Spektakuläre Gaststars warten in dieser Staffel nicht auf, weiß Brittany Daniels (Eve) lediglich seither die Wayans-Brüder Komödien White Chicks und Little Man aufzuweisen. Bekannter dürften Julie Bowen (Lost, Happy Gilmore) und natürlich Michael Pitt sein. Problematisch an der Staffel ist vielleicht auch, dass sie sich ein wenig in ihren Charakteren verläuft. Das ist nicht unbedingt schlecht, auch die anderen Figuren haben es verdient mehr Leben eingehaucht zu bekommen. Jedoch schadet es etwas dem Fluss, da sich auch verschiedene Handlungselemente innerhalb der Staffel wiederholen beziehungsweise sich im Kreis drehen.

Nach dem „Cliffhanger“ der zweiten Staffel (Joey will nie wieder etwas mit Dawson zu tun haben) folgt natürlich in der ersten Episode (Like a Virgin) der sofortige Rückzieher. Dawson (James Van Der Beek) verbrachte den Sommer in Atlanta bei seiner Mutter Gail und als er zurück nach Capeside kommt will ihn Joey (Katie Holmes) wieder haben. Doch Dawson lehnt ab, vielleicht weil er im Bus die mysteriöse Eve (Brittany Daniels) getroffen hat? Diese hat auch einen eher schlechteren und von Joey missbilligten Einfluss auf den Nachwuchsregisseur. Dawson hingegen bittet Pacey (Joshua Jackson) darum, ein Auge auf Joey zu haben – ein Ereignis wird losgetreten. Oder doch nicht? Retrospektiv gesehen etablierte Williamson bereits in den beiden früheren Staffeln unterschwellige Emotionen zwischen Pacey und Joey, zumindest jedoch von Seiten Paceys (Double Date, #110). Die „Affäre“ der beiden dreht sich dann auch etwas im Kreis, bis beide merken, dass sie Gefühle füreinander hegen. Wobei dies bei Pacey bereits frühzeitig der Fall ist, zumindest in der Mitte der Staffel. Geschehen konnte das Ganze deshalb, weil Andie (Meredith Monroe) in ihrer Reha mit einem Mitpatienten geschlafen hat, was ihre Beziehung mit Pacey zum Scheitern brachte. Ihre Beziehung lebt kurzzeitig wieder auf, als Andie versucht Pacey zu manipulieren, doch führt sie letztlich nirgends hin. Für Jen (Michelle Williams) und Jack (Kerr Smith) stehen zwei Liebesabenteuer bevor, die sich jedoch auch eher zaghaft und langsam entwickeln. Besonders im Falle von Jen sehr widersprüchlich, mal hat sie Interesse an Schulanfänger Henry (Michael Pitt), dann aber wieder nicht, wenn es ernster wird. Ähnlich verhält es sich bei Mitch (John Wesley Shipp) und Gail (Mary-Margaret Humes), die mal hü und mal hott machen, ehe sie schließlich wieder zusammen landen und in der finalen Episode True Love erneut heiraten. Das große Motto der dritten Staffel ist somit: Liebeschaos.

Von ihrem Inhalt her weiß die dritte Staffel weniger zu überzeugen. Die große Einführung von Eve und ihrer Vergangenheit als Jens Halbschwester findet keine dramatische Auflösung und wird im Kanon der Serie auch nie mehr erwähnt werden. Auch die Lösung der beiden Beziehungen von Dawson und Joey sowie Andie und Pacey wirkt ziemlich schlampig. Die Entscheidung des vorigen Staffelfinales spielt kaum eine Rolle, warum Joey sich so schnell besonnen hat und weshalb Dawson sich verwehrt, bleibt unklar. Selbiges gilt für das andere Paar. Andie ist ziemlich schnell gesund, ist aber fremdgegangen. Pacey kann dies nicht verzeihen, der Figur fehlt jegliches Verständnis, dass sie in der zweiten Staffel ausgezeichnet hatte. Ironischerweise wird ihr dieses selbst am Ende der dritten Staffel nicht zuteil. Ebenso unverständlich wie die Einführung von Eve ist eine Ablenkung zwischen Pacey und Jen. Beide versuchen eine Sexbeziehung, die nicht in die Gänge kommen will. Wohin dies führen soll(te) und was man damit bezweckte, scheinen auch die Autoren nicht gewusst zu haben. Vielmehr propagieren sie das amerikanische Fernsehserienklischee a la Melrose Place, in welchem jeder mal etwas mit jedem gehabt haben muss. Ganz vorne in der „Schlampen“-Rangliste befindet sich nun Joey, die mit jedem Typen aus ihrem Freundeskreis sexuelle Erlebnisse gehabt hat. Von der unschuldigen Joey Potter aus Staffel Eins ist hier nicht mehr viel zu sehen. Ihre „sexuellen Eskapaden“ werden in den letzten beiden Staffeln zunehmen.

Ohne Kevin Williamson fehlt Dawson’s Creek in der dritten Staffel irgendwie die Richtung, in welche sich die Serie entwickeln soll. Die Beziehungsdramen, insbesondere zwischen Jen und Henry, nerven mit der Zeit, da sie stagnieren. Auch die Charakterentwicklungen drehen sich im Kreis, viel propagiertes Erwachsenensein scheitert an jugendlichem Gedöns. Dabei sind die Figuren weitaus reifer, das haben sie in den vorigen Staffeln gezeigt. Vor allem das ewige Heckmeck zwischen Dawson und Joey überbeansprucht nicht nur die Nerven von Pacey, sondern auch vom Zuschauer. Weitaus gelungener ist in dieser Staffel Jack, der sich quasi emanzipiert. Es verwundert zwar, dass dieselben Teenager, die ihn in der Staffel zuvor wegen seiner Homosexualität gehänselt haben ihn nun als Football-Star feiern, aber das kann man unter den Tisch fallen lassen. Er findet sich als akzeptierter Mensch, nicht nur von seinen Mitschülern, sondern auch seinem Vater. Zudem hat er mit Ethan seine erste schwule Liebe, wenn auch am Ende eher unglücklich. Diese Storyentwicklung weiß im Gegensatz zu den anderen (Dawson & Eve/Nikki, Joey & A.J., Jen & Henry) zumindest zu unterhalten ohne zugleich zu nerven. Erfreulich ist auch die Tatsache, dass die Serie sprichwörtlich etwas mehr Farbe bekommt. Traurig, dass es ethnische Minderheiten nicht wirklich ins amerikanische Fernsehen schaffen, so wartet Capeside im Grunde fast völlig frei von solchen auf. Keine Afroamerikaner, keine Latinos, keine Asiaten und nicht einmal Juden – bloß Jack, als einziger Homosexueller. Etwas Abwechslung bringen hier Nikki Green (Bianca Lawson) und ihr Vater, der neue Schulrektor (Obba Babatundé). Dennoch bleibt Dawson’s Creek meist frei von allem was nicht kaukasisch ist und reiht sich somit ein in andere Serien, wo dies der Fall ist („Friends“, How I Met Your Mother, etc.). Viele Folgen dümpeln vor sich hin, wirklich gute Episoden gibt es eigentlich nur drei Bezeichnenderweise sind zwei davon aufeinander folgend und mit dem Outing von Joey und Pacey thematisiert (Stolen Kisses & The Longest Day). Neben diesen beiden weiß auch A Weekend in the Country zu überzeugen, der Rest ist meist durchschnittlich. Man fragt sich, was gewesen wäre, hätte Williamson die Serie nicht verlassen.

8/10

25. August 2008

Dawson’s Creek - Season Two

How many teenagers do you know who talk like that?

Mein nostalgischer Hype zur ersten Staffel von Dawson’s Creek dürfte manchem noch im Kopf schwirren. Im Grunde lässt sich dieser Hype auch in der zweiten Staffel fortführen. Wie Serienschöpfer Kevin Williamson in der ersten Staffel großartig beschloss, sind die beiden Titelfiguren Dawson (James Van Der Beek) und Joey (Katie Holmes) nunmehr ein Pärchen. Kein Cliffhanger, um den Zuschauer bis Herbst anzuspannen und die Serie weiterhin zu sehen. Eigentlich hätte man glauben können, die Geschichte von Dawson Leery wäre zu einem Happy End gekommen, schließlich drehte sich in der Serie laut Williamson alles nur darum, dass Dawson endlich Joey bekommt. Nun hat er sie, doch die Probleme des ambitionierten Regisseurs fangen erst an. Nur sechs Folgen wird das junge Glück halten, ehe Joey in The Dance mit Dawson Schluss machen wird. Aus welchen Beweggründen heraus Joey hier gehandelt hat, wird erst in Be Careful What You Wish For aufgeklärt werden. Dazwischen findet sich eine Beziehung zwischen ihr und dem neuen Bewohner von Capeside: Jack McPhee (Kerr Smith). Ihre neue Beziehung führt zu einer Spannung zwischen ihr und Dawson, welche sich vollends entspannt, als Jack in To Be or Not To Be… sein Outing erlebt und Joeys Vater aus dem Gefängnis entlassen wird. Es wird auch Joeys Vater sein, der die frische Beziehung zwischen beiden wieder zu den Akten legen wird. Doch Dawson belasten nicht nur seine eigenen Liebesprobleme, sondern auch die Ehe seiner Eltern lässt sich nicht länger tragen. Mitch (John Wesley Shipp) zieht aus und bewirkt eine Scheidung von Gail (Mary-Margaret Humes). Doch in der zweiten Staffel beginnt die Serie bereits einen Schnitt zu durchschreiten, denn Dawsons eigenes Leben tritt vermehrt in den Hintergrund und die Nebenfiguren, allen voran Pacey (Joshua Jackson), treten öfter hervor.

Zwei große Themenkomplexe bestechen in der zweiten Staffel, dass eine ist die wiederkehrende Thematik der jugendlichen Unsicherheit respektive Angst. Jede der Figuren in „Dawson’s Creek“ leidet an etwaigen Unsicherheiten, am meisten bezüglich ihrer Zukunft. Was soll aus ihnen werden? Was haben sie für Träume? Zwar wird Dawsons Debütfilm mit einem Preisgeld ausgestattet, doch sein zweites Werk Creek Times, welches die Trennung von Joey abhandelt, wird von seiner neuen Filmlehrerin Ms. Kennedy (Mädchen Amick) quasi verrissen. Dawson verliert sein filmisches Selbstbewusstsein und fühlt sich verloren. Viel schlimmer noch geht es Joey, die in ihrem Leben außer Dawson überhaupt nichts besitzt. Die zweite Staffel behandelt Joeys Emanzipation, die sie letztlich von Dawson weg und stattdessen zur Kunst und damit zu Jack hinführen wird. In A Perfect Wedding werden beide wieder zueinander finden, Joey selbst hat dabei ihre Wandlung noch nicht vollends durchschritten. Man könnte ihre Beweggründe somit als verlogen bezeichnen, aber sie ist 15 Jahre alt und wer agiert schon immer aufrichtig und logisch während der Pubertät? Selbiges gilt für das Staffelfinale Parental Discretion Advised, in dem sie mit Dawson Schluss macht, nachdem dieser ihr eine unangenehme Wahrheit gesagt hat. Im Grunde findet sich hier ein Spiegelbild zur ersten Staffel, in der Dawson zornig mit Joey war, als diese im verheimlicht hat, dass Gail eine Affäre hat. Die Makulatur erfährt das Publikum bereits im Auftakt zur dritten Staffel, wo Joey nach dem Sommer ihren Fehler eingesehen hat. Die Unsicherheiten der anderen Figuren sind dabei nicht weniger offensichtlich. Pacey offenbart seine Seele in Uncharted Waters, die fehlende Liebe und Anerkennung durch seinen Vater setzt ihm mehr zu, als er meist eingesteht. Jack wiederum ist unsicher aufgrund seiner Sexualität, für mich als heterosexuellen Zuschauer war seine spontane Erkenntnis seiner Homosexualität etwas überraschend und ohne rechte Vorzeichen, bis zur entscheidenden Folge. Da hier wieder eigene Erlebnisse von Williamson einflossen, will ich dem Augenblick aber seine Authentizität zugestehen.

Am unsichersten ist jedoch eine andere neue Figur. Es handelt sich hierbei um meine persönliche Lieblingsfigur, die leider nur zwei Staffeln lang im Serienkanon zu sehen ist. Andie McPhee ist ein Kontrollfreak, Streber und die Schwester von Jack. Von ihrer ersten Begegnung an besteht eine knisternde Spannung zu Pacey und die Beziehung wird schließlich erwachen, wenn die von Dawson und Joey zu Ende geht. Doch Andie hat mehr zu verbergen, als Unsicherheiten. Diese resultieren nämlich aus der zweiten Thematik der Staffel: gestörte Familienverhältnisse. Ein Autounfall kostete Andie und Jack ihren großen Bruder und ihre Mutter den Verstand. Auch Andie ist schwer mitgenommen und wird in den letzten Folgen einen Rückfall erleiden und in die Schizophrenie abgleiten. Dass die Figur einem so ans Herz wächst und so glaubhaft wirkt, ist der Schauspielerin Meredith Monroe zu verdanken. Monroe spielt nicht Andie, sie ist Andie. Unglaublich, dass Monroe 1999 nicht für den Primetime Emmy nominiert wurde, denn mit ihrer Darbietung übertrifft sie alle anderen Darsteller, insbesondere durch die Folge Reunited. Am ehesten vermag noch Joshua Jackson mitzuhalten, dessen Beziehung zu Andie sich ohnehin vor die von Dawson und Joey setzt. Aber auch die anderen Charaktere verfügen über gestörte Familienverhältnisse. Dawsons Eltern lieben sich zwar, können aber nicht zusammen leben, Joey wiederum muss mit einem Drogendealenden Vater klar kommen. Jen (Michelle Williams) verliert sich in dieser Staffel in ihre Einsamkeit und auch Pacey chaotische Familie wurde bereits in der ersten Staffel behandelt. Dabei sind die Familien der Serienfiguren nicht immer weniger gestört, als es im normalen Leben der Fall ist. Was ist schon normal und ab wann ist etwas gestört? Williamson lässt seine Figuren jedoch leiden, an sich zweifeln und mit ihrer Umgebung hadern. Das macht die zweite Staffel aus und so stark, bewirkt das Dawson’s Creek-Feeling.

Wie in der ersten Staffel erwähnt, verließ Kevin Williamson die Serie gegen Ende der zweiten Staffel. Es lassen sich ohnehin einige inhaltliche Probleme feststellen, unter anderem die Wankungen von Joey bezüglich ihrer Gefühle. Getoppt wird das alles jedoch von der Darstellung der Jen Lindley in dieser Staffel. Dass sich Jen zu Beginn der Staffel etwas von der Clique entfernt weil ihr Großvater gestorben ist und sich stattdessen der diabolischen Abby Morgan (Monica Keena) zuwendet, lässt sich noch nachvollziehen. Dann sorgt der Fischer Vincent allerdings dafür, dass die Freundschaft der Beiden einen Riss erlebt. Fortan ist Jen wieder in die Clique integriert und bestens mit Dawson befreundet. Er macht sie zur Produktionsmanagerin von Creek Times und auch in dem christlichen Footballer Ty findet sie eine neue Romanze. Als diese zerbricht entfernt sich Jen aus unerfindlichen Gründen wieder von Dawson und den Anderen. Stattdessen fühlt sie sich plötzlich alleine und verlassen. Diese Wandlung, die zu Beginn von A Perfect Wedding aufgetreten ist, verwundert. Nochmehr verwundert die Umkehrung zwei Folgen später in Reunited. Zu Beginn der Episode sitzt Jen inmitten der Clique beim Videoabend. Es ist zwar ein Monat vergangen, zwischen den tragischen Ereignissen um Abbys Tod, aber dieses Hin und Her bezüglich Jens Charakter wirkt unsauber. Scheinbar hatte es lediglich den Hintersinn dem Tod von Abby etwas mehr Dramatik zu verleihen, hinterlässt aber viele Fragen, welche die Serie nicht beantwortet. Hierzu lässt sich auch das Fehlen von Scott Foleys Figur aus der ersten Staffel erklären, die immerhin ernstes Interesse an Jen hatte. Selbiges gilt für Chris Wolfe (Jason Behr), der nicht nur mit Jen, sondern auch mit Abby involviert war, aber bei ihrer Beerdigung und an anderer Stelle nicht mehr auftaucht. Möglich dass hier Behrs Terminkalender urplötzlich aufgrund des Starts von Roswell eng geworden ist, einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen Jens Umwege aber dennoch.

Auch in der zweiten Instanz finden sich einige Gastauftritte bekannter Gesichter. Nachdem Scott Foley im Vorjahr fünf Episoden lang in Dawson’s Creek mitspielen durfte, taucht Jason Behr (Roswell) in sechs Folgen auf. Von The All-Nighter bis zu His Leading Lady taucht er als sexueller Schwerenöter Chris auf. Außerdem konnte wohl Hauptdarsteller James Van Der Beek seine Varsity Blues-Kollegin Ali Larter überreden in zwei Folgen eine Gastrolle zu übernehmen. Auch die im selben Jahr durch She’s All That bekannt gewordene Rachael Leigh Cook gibt sich die Ehre, besonders reizvoll ist jedoch auch die Nebenrolle über drei Episoden hindurch von Mädchen Amick. Damit würde Amick einen interessanten Trend beginnen, denn auch ihre Twin Peaks-Kollegen Sheryl Fenn, Dana Ashbrook und Ray Wise würden Gastrollen in Williamsons Teenager-Serie übernehmen. Im Gegensatz zur vorigen Staffel halten sich diesmal der Einbau von zeitgenössischer Popmusik etwas in Grenzen, auch die Referenzen zu anderen Filmen lassen nach (unter anderem wird eine Hommage an Titanic eingebaut). Viel dreht sich um Sex und um Beziehungen, vormerklich in den Konstellationen Andie/Pacey und Joey/Jack, aber auch Dawson wird sowohl mit Joey als auch Jen erneut anbandeln. Allein Meredith Monroe ist dabei die halbe Miete, abgesehen von der Doppelfolge bezüglich Abbys Tod wussten alle Episoden zu unterhalten. Die fünf komplettesten Folgen sind hierbei The Dance, Sex, She Wrote, To Be or Not To Be…, Reunited und Parental Discretion Advised. Die Qualität der Folgen leidet etwas an der Quantität, ist jedoch nur minimal schlechter als die erste Staffel. Den Nostalgiebonus verwehre ich diesmal jedoch, dafür hat mir die Storyline um Jen zu sehr missfallen.

9.5/10