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21. Juni 2009

Dawson’s Creek - Season Six

It’s not about getting it right; it’s about knowing when it’s wrong and doing something about it.

Aus. Schluss. Vorbei. Nach 6 Jahren, 128 Folgen und fast 90 Stunden ging Dawson’s Creek vor sechs Jahren schließlich mit dem Serienfinale All Good Things … Must Come to An End in den (verdienten) Ruhestand. Mit ihrem großen Thema der teen angst wusste die von Kevin Williamson erschaffene Serie Ende der Neunziger gerade durch ihre ersten beiden Staffeln zu überzeugen. Hier gelang Schauspielerinnen wie Katie Holmes und Michelle Williams der Durchbruch, während ihre männlichen Pendants eher in der Versenkung verschwanden. An das ausgezeichnete Niveau der ersten und zweiten Staffel wusste Dawson’s Creek jedoch anschließend nicht mehr anzuknüpfen. Der Einbezug einiger neuer Figuren wie Eve (Brittany Daniel) oder Audrey (Busy Phillips) wirkte eher lästig und nervend, als dass sie das Ensemble erfrischend zu beleben wussten. Zwar konnte die vierte Staffel zuvorderst wegen den Spannungen zwischen Dawson (James Van Der Beek) und Pacey (Joshua Jackson) und einer sympathischen Gretchen (Sasha Alexander) überzeugen, doch dass die Serie mit Beginn von Staffel Fünf Capeside für die große weite Welt verließ, würde sich als Schuss nach hinten erweisen.

Denn Williamsons Serie funktionierte gerade in ihrem Mikrokosmos so besonders, weshalb schon die fünfte Staffel mit ihrer Zerstreuung der Figuren – selbst wenn diese allesamt kurz darauf bereits wieder in Boston vereint werden- eher enttäuschende Töne anschlägt. Boston scheint zu groß zu sein, als dass die Clique hier ihre alten Stärken ausspielen könnte. Dieses Problem wird allerdings in der sechsten und finalen Staffel noch etwas gewichtiger. Nachdem sich im Vorjahresfinale Dawson und Joey (Katie Holmes) eine aufgeschobene Liebe versprochen haben, führen die Produzenten das Traumpaar direkt zu Beginn der neuen Staffel (wenn auch etwas ungeschickt) zusammen. Nur um es eine Folge später direkt wieder zu sabotieren. Nach ihrer ersten und letzten Liebesnacht stellt sich heraus, dass Dawson eigentlich eine Freundin hat. Nur der Auftakt, für einiges Drama, rund um die beiden Kids aus Capeside und ebenjene Freundin, die durch das aufstrebende Starlet Natasha (Bianca Kajlich) verkörpert wird. Ein ähnliches Szenario wurde dem Publikum in abgeschwächter Form bereits durch Dawsons Beziehung zu Jen (Michelle Williams) offeriert. Doch das ganze ist nur halb so schlimm, da Joey sich kurz darauf in Eddie (Oliver Hudson) verschießt. Um sich kurz darauf wieder in Pacey zu verschießen. Um sich kurz darauf wieder in Eddie zu verschießen. Und Dawson spielt dazwischen auch immer irgendwie eine gewisse Rolle.

Ohnehin mutet die abschließende Staffel mehr wie „Joey’s Creek“ an, da sich gerade die ersten Episoden zentral mit ihr beschäftigen. Dawson, der Regieassistent, verkommt dagegen zur Nebenfigur, die nur wenig öfter auftritt, als Kerr Smiths Jack. Besonders schade dahingehend, da oftmals die Sequenzen um Dawson und Todd Carr (exzellent: Hal Ozsan) weitaus überzeugender sind, als Joeys ewige Sich-im-Kreis-Drehen. Zwar stimmt zwischen ihr und Eddie die Chemie, doch auch diese beiden Figuren kommen nicht über redundante Mittel in ihrer Beziehung hinweg. Da verlässt Eddie sie erst einmal, um sie anschließend nochmals zu verlassen, kulminierend in einem dritten und finalen heimlichen Abschied. Nachdem zuvor versprochen wurde, dass dies nicht mehr vorkommen würde. Noch lästiger sind da nur die Szenen zwischen Joey und Pacey, gerade in Castaways, der schlechtesten Episode der Staffel. Hier langt mal wieder der ominöse Kuss aus, um einer Figur sich aus heiterem Himmel über ihre Gefühlswelt klar werden zu lassen. Im Eiltempo merkt Joey, dass sie Pacey entgegen der vorangegangenen 30 Folgen im Grunde doch ganz dufte findet. Ein lästiges Hollywood-Klischee, dass, sieht man sich Kevin Smiths Zack and Miri Make a Porno an, nie ausstirbt - und dennoch nicht überzeugt. Nur wenig besser ist da die von Joshua Jackson eher schlecht als recht inszenierte Folge Lovelines, in der ungemein gekünstelt Drama produziert wird.

Während Joey sich mit Jungs herumschlägt, arbeitet Dawson an seiner Karriere. Pacey hingegen beginnt eine unterhaltsame Nebenhandlung (dies verdankt sich vormerklich Dana Ashbrook) als Börsenmakler, was für das Serienfinale noch Ausschlaggebend sein wird. Jen hingegen beginnt eine Beziehung mit C.J. (Jensen Ackles), die für ihre Verhältnisse erstaunlich lange hält. Auch wenn man nie erfährt, woran sie im Nachhinein gescheitert ist. Audrey wiederum weiß ihren Störfaktor dagegen zu steigern. Die missglückte Beziehung zu Pacey treibt sie letztlich in den Alkoholismus, sodass die Autoren sie – dankenswerterweise – für einige Episoden in die Rehabilitationsanstalt verfrachteten. Schade ist es um Jack, der gerade in der zweiten Hälfte immer weniger (bis gar nicht) auftaucht. Mit seiner Figur scheinen die Produzenten an einem Ende angekommen zu sein, wo sie nicht mehr wussten, wie sie die Figur entwickeln sollten. Im Vergleich zu den Anderen wird auch Jacks Beziehung zu David kaum richtig thematisiert, außer als Vorwand, wie in Lovelines, um anzudeuten, dass man sich dieser Beziehung demnächst entledigt. Auch hinsichtlich der Dawson-Natasha-Affäre wirkt der Liebesverlauf etwas schwer nachvollziehbar. Einerseits fährt diese zwar mit ihm an Weihnachten nach Hause, andererseits sieht sie ihn lediglich als Liebesabenteuer ohne nachhaltige Auswirkungen.

Thematisch folgen die meisten Charaktere einer übergeordneten Handlung. Dawson übernimmt irgendwann das Regieruder von Todd, will sich anschließend jedoch nicht den Studiogesetzen beugen (wobei mir auch schleierhaft ist, weshalb er ein Coming-of-Age-Drama an ein freizügiges Tennie-Komödien-und-billig-Slasher-Studio pitched). Daher wendet er sich zum Finale hin an den bis dahin sehr erfolgreichen Makler Pacey, ehemals Todfeind, ehemals bester Freund. Dies mündet schließlich – extrem vorhersehbar – in Goodbye, Yellow Brick Road darin, dass Dawson, nachdem Paceys Spekulation überraschend den Bach runter ging und mit ihr das Vermögen der Beiden, Pacey vorwirft, ihn über den Tisch gezogen zu haben. Obschon Pacey von Beginn an warnte, Freundschaft und Geld miteinander zu vermischen. Erschreckend, wie wenig sich eine Hauptfigur wie Dawson innerhalb von drei Staffeln hier gewandelt hat. Sein „Du hast mir die Freundin gestohlen“-Vorwurf wird von Pacey leider nicht mit der Tatsache gekontert, dass Dawson selbst dafür verantwortlich ist, dass seine Beziehung mit Joey (immer wieder) vor die Hunde ging. Von 20-Jährigen, die mit 15 schon geredet haben wie 30-Jährige, würde (und darf man bei derartiger Prämisse auch) erwarten, dass derartige Situationen nicht gelöst werden wie im Sandkasten.

Joey hingegen muss sich hauptsächlich mit ihrem jede Folge wechselnden Gefühlsleben auseinandersetzen. Dawson, Pacey oder doch Eddie? Man weiß es nicht bzw. weiß es doch. Weshalb das pseudo-Verwirrspiel jedoch keinen Abbruch findet. So hangelt sich die sechste Staffel mehr schlecht als recht zu ihrem finalen Folgen. Abgesehen vom dramatischen Beginn um Dawson und Joey – hier speziell die zweite Episode The Song Remains the Same – vegetiert die Serie auf durchschnittlichem Niveau und Handlungssträngen, die sich irgendwo zwischen Bars, Kneipen und Schlafzimmern abspielen. Es ist das Finale, dass Dawson’s Creek den Hals rettet. Und es verwundert nicht, dass dies auch damit zusammenhängt, dass sich die letzten drei Folgen statt in Boston wieder in Capeside abspielen. Die Prämisse dieser beiden Episoden vor dem Serienfinale ist jedoch etwas enttäuschend. Dawson will einen eignen Film drehen, jenen Film, den sein Studio nicht ohne Nacktszenen verwirklichen wollte. Weil Pacey aber das Geld verloren hat, wird der Film mit Laiendarstellern und der Unterstützung seiner Freunde verwirklicht. Worum geht es in Dawsons Film? Um Dawsons Leben natürlich. Im Grunde ist sein unbenannter Film nur ein Remake seines High School Werkes „Creek Days“. Gedreht auf demselben Niveau, nur eben fünf Jahre später. Da verkommt es zur bitteren Ironie, dass Dawson in All Good Things … Must Come to An End weitere fünf Jahre später als Produzent einer Fernsehserie namens „The Creek“ gezeigt wird. Die Serie behandelt, dreimal darf man raten, Dawsons Jugendjahre.

Weshalb sich Dawson wundert, nie von Spielberg zu hören, wundert im Grunde auch das Publikum. Schließlich ist er nicht im Stande eine andere Geschichte zu erzählen, als jene, die uns Kevin Williamson in der ersten Staffel von Dawson’s Creek erzählt hat. Wer würde sich auch mit Spielberg treffen, wenn er Zeit seines Lebens nur Remakes von seinem Film Duel gedreht hätte? Jenes Serienfinale ist auch eher zwiespältig zu betrachten. Zwar ist diese Doppelfolge allein wegen ihres Nostalgie- und Wehmutfaktors die gelungenste der Staffel, doch der Beginn ist erschreckend schlecht. Speziell Katie Holmes’ Interpretation einer Mitzwanzigerin, die sich mit Lesebrille und einem Glas Rosé auf der Couch räkelt. Weniger Klischee wäre nicht gegangen. Auch Jacks Beziehung zu Doug will nicht so recht passen, auch wenn die Serie beiden einen überaus gelungenen Abschluss beschert. Über den Kniff mit Jens Herzkrankheit mag man denken wie man will. Immerhin bietet die erweiterte DVD-Fassung jene Szene mit Andies (Meredith Monroe) Rückkehr. Auch wenn die Figur anschließend – auch beim Leichenschmaus – unerklärlicherweise nicht mehr auftaucht. Generell nehme ich jedoch lieber ein bisschen Andie, als gar keine Andie. Die Auflösung von Joeys Entscheidung für Pacey und gegen Dawson war in der letzten Einstellung nicht sonderlich überraschend, aber konsequent. Aber auch das Finale verhindert nicht, dass die sechste Staffel die Schwächste in der Serie darstellt.

Was bleibt von einer der bestimmenden Serien meiner Jugendzeit? Die ersten vier Staffeln sind sicherlich Klassiker in ihrer eigenen Art und Weise, die ersten beiden Staffeln sogar Meisterwerke der Fernsehgeschichte (in ihrer Art und Weise). Die Staffeln Fünf und Sechs betrachte ich eher als thematische Nachgeburt, hapern sie doch an genau jenen Problemen, die sich ergeben, wenn eine Serie ihren Kontext verliert. Wenn Prison Break nichts mehr mit einem Gefängnisausbruch zu tun hat oder Dawson’s Creek nichts mehr mit Dawson’s Creek. Ein positives Beispiel stellt da „Malcolm in the Middle“ dar, endete die Serie doch ab jenem Zeitpunkt, wo Malcolm das elterliche Haus verließ. Dennoch hat Dawson’s Creek einen unveränderlichen Platz in meinem Herzen, in Verbindung mit vielen herzerweichenden Einstellungen und Momenten. Besonders viel Spaß bereitet die Serie auch, wenn man allerlei bekannte und vor allem junge Gesichter entdeckt. Seien es Mädchen Amick, Jason Behr, Ali Larter, Scott Foley, Jensen Ackles, Jennifer Morrison oder Rachel Leigh Cook. Dass es die Serie zu pop-kulturellem Gut geschafft hat, merkte man in den vergangenen Jahren auch an Werken wie Jay & Silent Bob Strike Back oder Scary Movie. Nichtsdestotrotz bleibt Dawson’s Creek immer Dawson’s Creek. Eine Herzensangelegenheit für Fans und ein ewiger Fluchtpunkt in die eigene Jugend.

7/10

15. April 2009

Dawson’s Creek - Season Five

It’s gonna be okay. For all of us.

Nun sind sie flügge geworden, die Kiddies aus Capeside. Wie immer, wenn sich eine Serie um Protagonisten in der (schulischen) Ausbildung dreht, kommt irgendwann der Punkt, an dem diese Ausbildung vorbei ist – und damit auch die Serie? So geschehen zum Beispiel bei der amerikanischen Sitcom Malcolm in the Middle, die damit schloss, dass die Hauptfigur Malcolm schließlich aufs College ging und damit die Irrungen und Wirrungen des High School Daseins – sowie das eigene Elternhaus – hinter sich gelassen hat. Die High School ging nun auch in der Welt von Dawson’s Creek zu Ende und bildete den Abschluss für die vierte Staffel. Während es Dawson (James Van Der Beek) nach Los Angeles an die UCLA verschlug, machte sich Pacey (Joshua Jackson) auf zu einem Segeltörn und Joey (Katie Holmes) gemeinsam mit Jack (Kerr Smith) und Jen (Michelle Williams) auf den Weg nach Boston. Wie sind die Macher nun vorgegangen? Haben sie eine Parallelhandlung initiiert? Dawsons Geschichte einerseits und die von Joey andererseits erzählt? Gewürzt mit kleinen karibischen Abenteuern von Pacey? Die Antwort ist wie so oft im Fernsehgeschäft simpel.

Bereits in der Auftaktepisode The Bostonians wird Tabula Rasa gemacht. Irgendwie. Eigentlich nicht, da keine vorausgehende Handlung über den Tisch geworfen wird. Dawson merkt während eines Setpraktikums, dass Hollywood irgendwie doch ziemlich scheiße ist. Als er dann gefeuert wird, kümmert es ihn auch nicht. Schon ist die räumliche Distanz futsch und er besteigt den nächsten Flieger nach Boston. Dort ist inzwischen auch schon Pacey eingetrudelt, der sein Dasein auf einem Segelboot fristet. So schnell geht das in der Serienlandschaft und bevor der Zuschauer „Zwiebelkuchen“ sagen kann, sind wieder alle Freunde vereint in ein und derselben Stadt. Da hat man sich kreativ echt gefordert, dass muss man den Autoren schon lassen. Das ganze klingt jetzt auch weitaus schlimmer, als es letztendlich ist. Denn im Grunde zählen die ersten vier Folgen zu den besten der fünften Staffel. Lediglich in der Mitte, wenn ein großer Backtwist entsteht, wird ein ähnlich hohes Niveau erreicht. Nichtsdestotrotz hätte man sich das große Deplatzieren irgendwie auch sparen können, unabhängig davon, dass Dawsons Entscheidung die Basis für The Long Goodbye ist – der gelungensten Folge der Staffel.

Die Wandlungen, welche die Jugendlichen dieses Mal durchmachen, wirken zum Teil unglaubwürdig und dann auch wieder redundant. Jack vernachlässigt im Laufe der Staffel die Uni, weil er lieber mit seinen Verbindungskumpels abhängt. Diese akzeptieren ihn endlich mal so wie er ist. Abgesehen davon, dass sie ihn nur aufgenommen haben, um eine Schwulenquote zu erfüllen. Hier verkommt Jack bisweilen zu einer Karikatur seiner selbst, was nicht allzu sehr ins Auge fällt, da er ohnehin nicht in solchem Maße präsent ist, wie die anderen Charaktere. Pacey wiederum macht durch die Verlagerung der Geschichte eine eigene Wandlung durch. Einst das hässliche Entlein von Capeside, können ihm jetzt sogar die Töchter von Großindustriellen nicht mehr widerstehen. Zudem hat der Mann ein ungeahntes Talent fürs Kochen, in der nächsten Staffel schlägt er sich dann wacker als Telefonverkäufer durch. Quasi nach dem Motto: die Letzten werden die Ersten sein. Da ist Papa Witter so beeindruckt, dass er Sohnemann sogar ein Auto schenkt. Da kann man mal Sehen.

Das große Thema bleiben jedoch Dawson und Joey, nunmehr fast schon gravierender als zuvor. Zu Beginn klappt es jedoch nicht mit den beiden, in der Mitte auch nicht und zum Schluss erst Recht nicht. Hier werden hauptsächlich die Shipper etwas befriedigt, was andere Verläufe umso verwirrender macht. Denn Joey interessiert sich gleich mehrfach für andere Männer. Sei es ihr Studienkollege Elliot, ihr Dozent oder der Musiker Charlie (Chad Michael Murray). Gerade letzterer wird sehr schön in die Serie eingebaut (man beachte die Ironie). Nachdem er sich zuvor mit Jen vergnügt hatte – diese zugleich mit einer anderen Studentin betrügend -, gelingt ihm das ganze (inklusive Läuterung) dann auch noch bei Joey. Diese lässt ihn jedoch genauso abblitzen, wie alle anderen Männer in ihrem Leben. Speziell in ihren Entscheidungen zum Finale hin (erst blockt sie Dawson ab, dann ändert sie doch noch spontan ihre Meinung) wirken geradezu lächerlich.

Die Stärken der fünften Staffel liegen wie gesagt in ihrem Auftakt. Dawsons Kampf um Joeys Gefühle und gegen die Autorität seines Vaters Mitch (John Wesley Shipp) sind in bester Dawson’s Creek Manier gehalten und dabei zugleich packend und unterhaltsam. Hier bricht dann Mitchs Tod in The Long Goodbye herein wie ein Orkan. Die Umstände seines Todes (im fällt während dem Fahren sein Eis runter und beim klassischen Grapschen verliert er den Verkehr aus den Augen) haben zwar durchaus einen bitteren Nachgeschmack, aber was der Akt dafür in jener vierten Folge auslöst, schafft keine andere Episode der Staffel annäherungsweise zu erzeugen. Mit jenem Tod des Vaters hat Dawson anschließend mal glaubwürdig und mal lächerlich zu kämpfen. Letztlich ist aber auch der Tod von Mitch wieder nur ein Auslöser für ein anderes Ereignis innerhalb der Serie. Der Beziehung von Dawson und Jen. Erneut. Nach der ersten Staffel.

In Hotel New Hampshire kommen sie bei einem Filmfestival, das Dawson gewinnt, wieder zusammen. Bedauerlicherweise wird mit der gänzlich bescheuerten Halloween-Folge Four Scary Stories ungeschickt angeknüpft, ehe es in Appetite for Destruction weitergeht. Die neuerliche Beziehung der beiden wird sehr charmant und liebenswürdig verkauft, auch wenn hier ebenfalls die Umstände etwas fragwürdig sind. Grandios zelebrieren die Macher hier ein Essen zwischen den Freunden, bei dem diese überraschenderweise mit Dawson und Jen konfrontiert werden. Köstlich wie Audrey (Busy Phillips) Joey den Wein umstößt, um mit ihr im Raum nebenan abzuklären, ob das alles auch in Ordnung ist für sie. Dass die Dawson-Jen-Beziehung keine Zukunft hat, war dabei natürlich absehbar. Letztlich war der Zweck des Geschehens wohl lediglich einige unangenehme Momente für Joey zu erschaffen und Dawson endlich seiner Jungfräulichkeit zu berauben. Das feiert der Gute dann auch gebührend, wenn er nach fünf Jahren ohne Sex nun innerhalb kürzester Zeit auf ältere Frauen ins Bett kriegt.

Im Vergleich zur vierten Staffel baut die fünfte und erste außerhalb von Capeside stark ab. Ähnlich wie in der dritten Staffel bereits scheinen die Dawson und Joey vormerklich sexuell gereift zu sein. Ihre Entscheidungen während der 23 Folgen wirken dabei nicht so, als hätten sie viel aus ihrem bisherigen Leben gelernt. Episoden wie Highway to Hell bilden daher die starken Ausnahmen, aus einer durchschnittlichen Regel. Hinzu kommen dann noch unsägliche Auswüchse wie die angesprochene Halloween-Folge oder Downtown Crossing. Letztere Episode bildet den Tiefpunkt der bisherigen Seriengeschichte. Der Wechsel von Capeside nach Boston hat der Serie keineswegs gut getan – im Gegenteil. Für viele Figuren verlaufen die Ideen inzwischen im Sande, man weiß nicht, was man noch groß schreiben soll und besinnt sich auf Elemente und Themen, die man in erfolgreicheren Zeiten bereits schon mal angesprochen hat. Da kommt es gerade recht, dass es sich hierbei um die vorletzte Staffel der einstmals brillanten Serie handelt. Denn dass das Konzept nicht ewig weitergeht, merkt man in der fünften Staffel überdeutlich.

7.5/10

1. November 2008

Dawson’s Creek - Season Four

People are about as happy as they make up their minds to be.

Die positive Nachricht vorweg: Dawson’s Creek ist in seiner vierten Instanz wieder besser. Hatte die dritte Staffel nach dem Abschied von Schöpfer Kevin Williamson etwas an ihrer Redundanz und Unkreativität gekrankt, so scheinen sich die Autoren nach einem Jahr gefangen zu haben. Die 23 Episoden der vierten Staffel sind runder als die des vorangegangenen Jahres und abgesehen von Eastern Standard Time findet sich auch keine wirklich schlechte Folge in dem Sinne. Gerade in ihrer ersten Hälfte ist die vierte Staffel besonders stark und ernährt sich genüsslich vom neu aufgetretenen respektive im letzten Staffelfinale vorbereiteten Konflikt aller Parteien. Am Ende einer Romanze kriegt der Held immer das Mädchen. Das weiß jeder, das weiß auch Dawson. Doch dieses Mal war dies nicht so. Anstatt das Dawson Joey und Joey Pacey und Pacey Joey will, aber alle in ihrem Konflikt unzufrieden sind, ließ Dawson seine große Liebe gehen und drei Monate mit ihrer frischen Liebe auf einem Boot segeln. Für alle drei wird sich das Leben nun in der neuen Staffel ändern, denn alle Aktionen sind weder vergeben noch vergessen. Denn während Joey (Katie Holmes) und Pacey (Joshua Jackson) drei Monate auf der „True Love“ gesegelt sind, ging das Leben von Dawson (James Van Der Beek) und den anderen natürlich weiter. Das Drama um Joey unterstützte Dawsons Schaffenskrise und so wendete er sich der Photographie zu. Bezeichnend jene Szene in Coming Home, als Joey in Dawsons Zimmer auf ihn wartet und an der Wand zahlreiche Bilder von Jen, Jack und Andie findet. Von Pacey ist natürlich keines dabei – aber auch von ihr nicht. Jener Moment steht sinnbildlich für die Freundschaft von Dawson und Joey zu diesem Zeitpunkt innerhalb der Staffel.

Auch ihre Selbstironie hat die Serie zurück gewonnen und gleich in der ersten Folge durchbricht Pacey quasi die Vierte Wand. „They’ll ask“, erklärt er gegenüber Joey auf die Frage, das die anderen bezüglich ihres Sexuallebens fragen werden. Hiermit sind natürlich vordergründig Dawson, Andie und Co. gemeint, doch schließt dies auch das Fernsehpublikum mit ein. Drei Monate allein auf einem Segelboot – werden sie es getan haben? „They’ll ask“, ist Pacey sich zumindest sicher. Getan haben sie es dann jedoch nicht – zumindest zu diesem Zeitpunkt. Die Beziehung zwischen Pacey und Joey wird innerhalb der vierten Staffel nicht vermehrt in Vordergrund gestellt – zumindest nicht die Beziehung als solche. Viel eher wird der Konflikt zwischen ihnen und Dawson fortgesetzt. Mit Joey kam dieser bereits in der letzten Staffel wieder auf einen gemeinsamen Nenner, mit Pacey sieht dies jedoch anders aus. Zumindest oberflächlich. Denn in Folgen wie Two Gentlemen of Capeside oder The Unusual Suspects zeigt Dawson durchaus, dass ihm etwas an Pacey liegt und er die Freundschaft im Grunde noch schätzt. Sein Groll gegen den ehemals besten Freund relativiert sich dann auch noch durch etwaige andere Aspekte. Zum einen ist hier Andies Appell in You Had Me at Goodbye, insbesondere jedoch sind es die beiden neuen Beziehungen von Dawson. Zum einen beginnt er eine Romanze mit Paceys älterer Schwester Gretchen (Sasha Alexander) und zum anderen lernt er den Pensionär A.I. Brooks (Harve Presnell) kennen. Die Beziehung von Dawson zu Paceys Schwester beschäftigt dann auch Joey und Pacey oft eindringlicher, als es bei den beiden Frischverliebten selbst der Fall ist. Zwar eröffnet Dawson gegenüber Pacey in The Tao of Dawson seine Intention, doch ändert dies nicht unbedingt etwas an ihrer eigenen Freundschaft. „Sisters are like mothers. Only pretty“, erklärt Pacey. Weshalb er jedoch zu beschützend gegenüber Gretchen reagiert, erschließt sich dem Zuschauer nicht. Schließlich ist es ein offenes Geheimnis, dass Pacey seine Familie nicht abkann – was in The Te of Pacey nochmals zum Ausdruck kommt.

Man mag die Ursache der etwas seltsamen Beziehungen der Teenager in Dawson’s Creek auf eben jenen Teenager-Status zurück führen, selbst wenn sie in Staffel Zwei weitaus reifer gehandelt haben. Ein Hin und Her zwischen Dawson und Gretchen, bis beiden endlich zusammen kommen, nur um dann wieder Schluss zu machen. Gretchen sieht die Ursache in Joey, was aber gerade in Episoden wie Eastern Standard Time oder Separation Anxiety ungenügend wirkt. Dass kaum Zukunft für Gretchen in der Welt von Dawson’s Creek war, ließ sich frühzeitig erkennen, sodass jenes Ende der Beziehung nicht derartig überraschend kommt, wie manch anderes. Gerade die Beziehung von Pacey und Joey endet etwas abrupt und ohne wirkliche Vorankündigung. Während Pacey in der ersten Hälfte der Staffel meist wegen Dawson oder dem nicht vorhandenen Sexleben mit Joey an ihr „herumnölt“, so erhält er in der zweiten Hälfte praktisch alles was er sich gewünscht hat. Doch statt glücklich zu sein, reitet er sich in sein eigenes Schicksal hinein. Durch Aktionen aus den Staffel Zwei oder Drei hat Pacey nun mal nicht gerade die besten Noten – dass er jedoch in der Lage ist Einser zu schreiben, hat man durch seine Beziehungen zu Andie und Joey gesehen. Somit ist Pacey nicht dumm, sondern schlicht und einfach faul. Dass er also glaubt Joey zu verlieren, liegt nur an ihm. Deshalb mit seiner großen Liebe Schluss zu machen, aus keinem besonderen Grund als jene nicht aufzuhalten revidiert sich selbst in der fünften Staffel.

Fast noch einfacher machte man es sich mit Jen (Michelle Williams) und Henry (Michael Pitt), den man einfach aus der Serie schrieb, indem er mehr Freiraum forderte. An seine alte Schule kam er nicht einmal mehr zurück, nur eine von verschiedenen Widersprüchlichkeiten innerhalb des Dawson’s Creek-Universums. Denn obwohl Andie sagt, sie schiebt Harvard (was in Boston liegt) ein Jahr nach hinten, doch auch in der sechsten Staffel kriegt man Andie in Boston – wo sich die Serie abspielt – nicht zu Gesicht. Egal. Jen verliert also ihren Freund auf die einfachste aller Weisen und dümpelt stattdessen die gesamte vierte Staffel in Selbstmitleid herum. Collegepläne hat sie nicht und überhaupt wirkt sie extrem lustlos – was jedoch nichts mit Henry zu tun hat. Die Aufarbeitung ihrer extrem gekünstelten und von Klischees durchzogenen Vergangenheit in Eastern Standard Time wirkt da unnötig und aufgesetzt. Zudem hat dies auch keiner gebraucht, da die Ursache für ihr Leben in Capeside eigentlich nebensächlich war. Dass mit Drew Valentine (Mark Matkevich) ein Geist aus ihrer Vergangenheit um sie herumschleicht, macht das ganze auch keinen Deut besser, so sympathisch Drew durch seinen Diabolismus auch ist. Auch der plötzliche Abschied von Andie (Meredith Monroe) in You Had Me at Goodbye wirkt überraschend. Wenn Andie zu Beginn des Schuljahres dieses frei nehmen kann fragt man sich durchaus, warum andere wie Dawson und Jack jeden Tag in der Schule aufkreuzen müssen. Denn ihren Abschluss macht Andie perfider Weise Seite an Seite mit ihren ehemaligen Klassenkameraden in The Graduate. Doch lieber ein bisschen Meredith Monroe als gar keine Meredith Monroe ist mein persönliches Motto. Bleibt also noch Jack (Kerr Smith), der dank einer Verletzung aus dem Footballteam fliegt und stattdessen als Fußballtrainer für Kinder erneut in die Schiene der diskriminierten Homosexuellen geschoben wird.

Nicht dass man dies nicht genug thematisieren sollte, aber wirkt es in seiner dargestellten Form – ähnlich wird es auch in Staffel Fünf noch mal thematisiert werden – stark redundant. Besser verhält es sich da mit dem Überfall auf Tobey (David Monahan), was ein Appell nicht nur gegen die Gewalt an Homosexuellen darstellt, sondern auch wieder integral in die Serie eingebaut wurde. Auch an anderen Stellen gelingt es Dawson’s Creek erneut diskussionswürdige Probleme in seiner Handlung zu kontextualisieren und thematisieren. Während Dawson sich in A Winter’s Tale mit Euthanasie auseinander setzen muss, wird in A Family Way das vieldiskutierte Thema der Abtreibung angesprochen. Doch nicht nur auf Abtreibung geht man ein, sondern auch auf die Umstände von Fehlgeburten, sexuelle Vorbereitung auf das Erste Mal und das Ausbleiben der Periode. Zwar wirken jene Momente immer recht steif in den Verlauf der einzelnen Folgen integriert, unterstützen deshalb aber nichtsdestoweniger das Konstrukt der jeweiligen Episode und des Geistes der Serie allgemein. Der Ton wird also erwachsener, wie auch die Charaktere innerhalb der Serie selbst erwachsener werden. Dies heißt jedoch nicht, wie angesprochen wurde, dass sie sich erwachsen verhalten, denn ihr emotionales Hin und Her kann durchaus nervend ausfallen, selbst wenn es zur Serie gehört. In der vierten Staffel bleiben bekanntere Gastauftritte aus, wie auch auf Filmreferenzen verzichtet wurde. Dennoch sind die einzelnen Folgen wieder stärker geraten, was auch an Charakteren wie Gretchen liegen dürfte. Wahrlich perfekte Folgen sind in You Had Me at Goodbye und Kiss Kiss Bang Bang zu finden, wobei auch gerade wegen seiner Nostalgie die beiden finalen Folgen The Graduate und Coda ihren Reiz haben. Alles in allem jedoch eine Steigerung zur „enttäuschenden“ dritten Staffel und stets unterhaltsam.

8.5/10

16. Oktober 2008

Dawson’s Creek - Season Three

This ruins everything.

Der Schnitt ist ziemlich offensichtlich, man merkt ihn bereits nach wenigen Minuten. Anstatt „I Don’t Want To Wait“ von Paula Cole läuft in den Anfangscredits nunmehr „Run Like Mad“ von Jann Arden. Ein schlechterer Song, der eine schlechtere Qualität der Serie von Kevin Williamson einläutet. Doch die Schuld von Williamson ist das, wenn, nur bedingt. Am Ende der zweiten Staffel, die bereits durch das eine oder andere „schlampige“ Drehbuch hervorstechen konnte, verließ der Schöpfer von Dawson’s Creek die Serie. Die dritte Staffel fällt im Vergleich zu den beiden mehr als gelungenen Vorgänger deutlich ab, aus verschiedenen Gründen. Nicht nur das – in meinen Augen – schlechtere Titellied markiert den Wandel, sondern auch die Dezentralisierung der Serie. Der Fokus rückt von Dawson Leery immer mehr auf Joey Potter, einhergehend mit dem aufkommenden Liebesdreieck. Die Serie büßt viel von ihrer Selbstironie ein, auch etwaige Referenzen, wie sie in Like a Virgin noch auftreten (Risky Business) werden zur Mangelware. Später dreht sich Escape from Witch Island noch in den Sphären eines Blair Witch Project aber damit hat es sich auch schon. Spektakuläre Gaststars warten in dieser Staffel nicht auf, weiß Brittany Daniels (Eve) lediglich seither die Wayans-Brüder Komödien White Chicks und Little Man aufzuweisen. Bekannter dürften Julie Bowen (Lost, Happy Gilmore) und natürlich Michael Pitt sein. Problematisch an der Staffel ist vielleicht auch, dass sie sich ein wenig in ihren Charakteren verläuft. Das ist nicht unbedingt schlecht, auch die anderen Figuren haben es verdient mehr Leben eingehaucht zu bekommen. Jedoch schadet es etwas dem Fluss, da sich auch verschiedene Handlungselemente innerhalb der Staffel wiederholen beziehungsweise sich im Kreis drehen.

Nach dem „Cliffhanger“ der zweiten Staffel (Joey will nie wieder etwas mit Dawson zu tun haben) folgt natürlich in der ersten Episode (Like a Virgin) der sofortige Rückzieher. Dawson (James Van Der Beek) verbrachte den Sommer in Atlanta bei seiner Mutter Gail und als er zurück nach Capeside kommt will ihn Joey (Katie Holmes) wieder haben. Doch Dawson lehnt ab, vielleicht weil er im Bus die mysteriöse Eve (Brittany Daniels) getroffen hat? Diese hat auch einen eher schlechteren und von Joey missbilligten Einfluss auf den Nachwuchsregisseur. Dawson hingegen bittet Pacey (Joshua Jackson) darum, ein Auge auf Joey zu haben – ein Ereignis wird losgetreten. Oder doch nicht? Retrospektiv gesehen etablierte Williamson bereits in den beiden früheren Staffeln unterschwellige Emotionen zwischen Pacey und Joey, zumindest jedoch von Seiten Paceys (Double Date, #110). Die „Affäre“ der beiden dreht sich dann auch etwas im Kreis, bis beide merken, dass sie Gefühle füreinander hegen. Wobei dies bei Pacey bereits frühzeitig der Fall ist, zumindest in der Mitte der Staffel. Geschehen konnte das Ganze deshalb, weil Andie (Meredith Monroe) in ihrer Reha mit einem Mitpatienten geschlafen hat, was ihre Beziehung mit Pacey zum Scheitern brachte. Ihre Beziehung lebt kurzzeitig wieder auf, als Andie versucht Pacey zu manipulieren, doch führt sie letztlich nirgends hin. Für Jen (Michelle Williams) und Jack (Kerr Smith) stehen zwei Liebesabenteuer bevor, die sich jedoch auch eher zaghaft und langsam entwickeln. Besonders im Falle von Jen sehr widersprüchlich, mal hat sie Interesse an Schulanfänger Henry (Michael Pitt), dann aber wieder nicht, wenn es ernster wird. Ähnlich verhält es sich bei Mitch (John Wesley Shipp) und Gail (Mary-Margaret Humes), die mal hü und mal hott machen, ehe sie schließlich wieder zusammen landen und in der finalen Episode True Love erneut heiraten. Das große Motto der dritten Staffel ist somit: Liebeschaos.

Von ihrem Inhalt her weiß die dritte Staffel weniger zu überzeugen. Die große Einführung von Eve und ihrer Vergangenheit als Jens Halbschwester findet keine dramatische Auflösung und wird im Kanon der Serie auch nie mehr erwähnt werden. Auch die Lösung der beiden Beziehungen von Dawson und Joey sowie Andie und Pacey wirkt ziemlich schlampig. Die Entscheidung des vorigen Staffelfinales spielt kaum eine Rolle, warum Joey sich so schnell besonnen hat und weshalb Dawson sich verwehrt, bleibt unklar. Selbiges gilt für das andere Paar. Andie ist ziemlich schnell gesund, ist aber fremdgegangen. Pacey kann dies nicht verzeihen, der Figur fehlt jegliches Verständnis, dass sie in der zweiten Staffel ausgezeichnet hatte. Ironischerweise wird ihr dieses selbst am Ende der dritten Staffel nicht zuteil. Ebenso unverständlich wie die Einführung von Eve ist eine Ablenkung zwischen Pacey und Jen. Beide versuchen eine Sexbeziehung, die nicht in die Gänge kommen will. Wohin dies führen soll(te) und was man damit bezweckte, scheinen auch die Autoren nicht gewusst zu haben. Vielmehr propagieren sie das amerikanische Fernsehserienklischee a la Melrose Place, in welchem jeder mal etwas mit jedem gehabt haben muss. Ganz vorne in der „Schlampen“-Rangliste befindet sich nun Joey, die mit jedem Typen aus ihrem Freundeskreis sexuelle Erlebnisse gehabt hat. Von der unschuldigen Joey Potter aus Staffel Eins ist hier nicht mehr viel zu sehen. Ihre „sexuellen Eskapaden“ werden in den letzten beiden Staffeln zunehmen.

Ohne Kevin Williamson fehlt Dawson’s Creek in der dritten Staffel irgendwie die Richtung, in welche sich die Serie entwickeln soll. Die Beziehungsdramen, insbesondere zwischen Jen und Henry, nerven mit der Zeit, da sie stagnieren. Auch die Charakterentwicklungen drehen sich im Kreis, viel propagiertes Erwachsenensein scheitert an jugendlichem Gedöns. Dabei sind die Figuren weitaus reifer, das haben sie in den vorigen Staffeln gezeigt. Vor allem das ewige Heckmeck zwischen Dawson und Joey überbeansprucht nicht nur die Nerven von Pacey, sondern auch vom Zuschauer. Weitaus gelungener ist in dieser Staffel Jack, der sich quasi emanzipiert. Es verwundert zwar, dass dieselben Teenager, die ihn in der Staffel zuvor wegen seiner Homosexualität gehänselt haben ihn nun als Football-Star feiern, aber das kann man unter den Tisch fallen lassen. Er findet sich als akzeptierter Mensch, nicht nur von seinen Mitschülern, sondern auch seinem Vater. Zudem hat er mit Ethan seine erste schwule Liebe, wenn auch am Ende eher unglücklich. Diese Storyentwicklung weiß im Gegensatz zu den anderen (Dawson & Eve/Nikki, Joey & A.J., Jen & Henry) zumindest zu unterhalten ohne zugleich zu nerven. Erfreulich ist auch die Tatsache, dass die Serie sprichwörtlich etwas mehr Farbe bekommt. Traurig, dass es ethnische Minderheiten nicht wirklich ins amerikanische Fernsehen schaffen, so wartet Capeside im Grunde fast völlig frei von solchen auf. Keine Afroamerikaner, keine Latinos, keine Asiaten und nicht einmal Juden – bloß Jack, als einziger Homosexueller. Etwas Abwechslung bringen hier Nikki Green (Bianca Lawson) und ihr Vater, der neue Schulrektor (Obba Babatundé). Dennoch bleibt Dawson’s Creek meist frei von allem was nicht kaukasisch ist und reiht sich somit ein in andere Serien, wo dies der Fall ist („Friends“, How I Met Your Mother, etc.). Viele Folgen dümpeln vor sich hin, wirklich gute Episoden gibt es eigentlich nur drei Bezeichnenderweise sind zwei davon aufeinander folgend und mit dem Outing von Joey und Pacey thematisiert (Stolen Kisses & The Longest Day). Neben diesen beiden weiß auch A Weekend in the Country zu überzeugen, der Rest ist meist durchschnittlich. Man fragt sich, was gewesen wäre, hätte Williamson die Serie nicht verlassen.

8/10

25. August 2008

Dawson’s Creek - Season Two

How many teenagers do you know who talk like that?

Mein nostalgischer Hype zur ersten Staffel von Dawson’s Creek dürfte manchem noch im Kopf schwirren. Im Grunde lässt sich dieser Hype auch in der zweiten Staffel fortführen. Wie Serienschöpfer Kevin Williamson in der ersten Staffel großartig beschloss, sind die beiden Titelfiguren Dawson (James Van Der Beek) und Joey (Katie Holmes) nunmehr ein Pärchen. Kein Cliffhanger, um den Zuschauer bis Herbst anzuspannen und die Serie weiterhin zu sehen. Eigentlich hätte man glauben können, die Geschichte von Dawson Leery wäre zu einem Happy End gekommen, schließlich drehte sich in der Serie laut Williamson alles nur darum, dass Dawson endlich Joey bekommt. Nun hat er sie, doch die Probleme des ambitionierten Regisseurs fangen erst an. Nur sechs Folgen wird das junge Glück halten, ehe Joey in The Dance mit Dawson Schluss machen wird. Aus welchen Beweggründen heraus Joey hier gehandelt hat, wird erst in Be Careful What You Wish For aufgeklärt werden. Dazwischen findet sich eine Beziehung zwischen ihr und dem neuen Bewohner von Capeside: Jack McPhee (Kerr Smith). Ihre neue Beziehung führt zu einer Spannung zwischen ihr und Dawson, welche sich vollends entspannt, als Jack in To Be or Not To Be… sein Outing erlebt und Joeys Vater aus dem Gefängnis entlassen wird. Es wird auch Joeys Vater sein, der die frische Beziehung zwischen beiden wieder zu den Akten legen wird. Doch Dawson belasten nicht nur seine eigenen Liebesprobleme, sondern auch die Ehe seiner Eltern lässt sich nicht länger tragen. Mitch (John Wesley Shipp) zieht aus und bewirkt eine Scheidung von Gail (Mary-Margaret Humes). Doch in der zweiten Staffel beginnt die Serie bereits einen Schnitt zu durchschreiten, denn Dawsons eigenes Leben tritt vermehrt in den Hintergrund und die Nebenfiguren, allen voran Pacey (Joshua Jackson), treten öfter hervor.

Zwei große Themenkomplexe bestechen in der zweiten Staffel, dass eine ist die wiederkehrende Thematik der jugendlichen Unsicherheit respektive Angst. Jede der Figuren in „Dawson’s Creek“ leidet an etwaigen Unsicherheiten, am meisten bezüglich ihrer Zukunft. Was soll aus ihnen werden? Was haben sie für Träume? Zwar wird Dawsons Debütfilm mit einem Preisgeld ausgestattet, doch sein zweites Werk Creek Times, welches die Trennung von Joey abhandelt, wird von seiner neuen Filmlehrerin Ms. Kennedy (Mädchen Amick) quasi verrissen. Dawson verliert sein filmisches Selbstbewusstsein und fühlt sich verloren. Viel schlimmer noch geht es Joey, die in ihrem Leben außer Dawson überhaupt nichts besitzt. Die zweite Staffel behandelt Joeys Emanzipation, die sie letztlich von Dawson weg und stattdessen zur Kunst und damit zu Jack hinführen wird. In A Perfect Wedding werden beide wieder zueinander finden, Joey selbst hat dabei ihre Wandlung noch nicht vollends durchschritten. Man könnte ihre Beweggründe somit als verlogen bezeichnen, aber sie ist 15 Jahre alt und wer agiert schon immer aufrichtig und logisch während der Pubertät? Selbiges gilt für das Staffelfinale Parental Discretion Advised, in dem sie mit Dawson Schluss macht, nachdem dieser ihr eine unangenehme Wahrheit gesagt hat. Im Grunde findet sich hier ein Spiegelbild zur ersten Staffel, in der Dawson zornig mit Joey war, als diese im verheimlicht hat, dass Gail eine Affäre hat. Die Makulatur erfährt das Publikum bereits im Auftakt zur dritten Staffel, wo Joey nach dem Sommer ihren Fehler eingesehen hat. Die Unsicherheiten der anderen Figuren sind dabei nicht weniger offensichtlich. Pacey offenbart seine Seele in Uncharted Waters, die fehlende Liebe und Anerkennung durch seinen Vater setzt ihm mehr zu, als er meist eingesteht. Jack wiederum ist unsicher aufgrund seiner Sexualität, für mich als heterosexuellen Zuschauer war seine spontane Erkenntnis seiner Homosexualität etwas überraschend und ohne rechte Vorzeichen, bis zur entscheidenden Folge. Da hier wieder eigene Erlebnisse von Williamson einflossen, will ich dem Augenblick aber seine Authentizität zugestehen.

Am unsichersten ist jedoch eine andere neue Figur. Es handelt sich hierbei um meine persönliche Lieblingsfigur, die leider nur zwei Staffeln lang im Serienkanon zu sehen ist. Andie McPhee ist ein Kontrollfreak, Streber und die Schwester von Jack. Von ihrer ersten Begegnung an besteht eine knisternde Spannung zu Pacey und die Beziehung wird schließlich erwachen, wenn die von Dawson und Joey zu Ende geht. Doch Andie hat mehr zu verbergen, als Unsicherheiten. Diese resultieren nämlich aus der zweiten Thematik der Staffel: gestörte Familienverhältnisse. Ein Autounfall kostete Andie und Jack ihren großen Bruder und ihre Mutter den Verstand. Auch Andie ist schwer mitgenommen und wird in den letzten Folgen einen Rückfall erleiden und in die Schizophrenie abgleiten. Dass die Figur einem so ans Herz wächst und so glaubhaft wirkt, ist der Schauspielerin Meredith Monroe zu verdanken. Monroe spielt nicht Andie, sie ist Andie. Unglaublich, dass Monroe 1999 nicht für den Primetime Emmy nominiert wurde, denn mit ihrer Darbietung übertrifft sie alle anderen Darsteller, insbesondere durch die Folge Reunited. Am ehesten vermag noch Joshua Jackson mitzuhalten, dessen Beziehung zu Andie sich ohnehin vor die von Dawson und Joey setzt. Aber auch die anderen Charaktere verfügen über gestörte Familienverhältnisse. Dawsons Eltern lieben sich zwar, können aber nicht zusammen leben, Joey wiederum muss mit einem Drogendealenden Vater klar kommen. Jen (Michelle Williams) verliert sich in dieser Staffel in ihre Einsamkeit und auch Pacey chaotische Familie wurde bereits in der ersten Staffel behandelt. Dabei sind die Familien der Serienfiguren nicht immer weniger gestört, als es im normalen Leben der Fall ist. Was ist schon normal und ab wann ist etwas gestört? Williamson lässt seine Figuren jedoch leiden, an sich zweifeln und mit ihrer Umgebung hadern. Das macht die zweite Staffel aus und so stark, bewirkt das Dawson’s Creek-Feeling.

Wie in der ersten Staffel erwähnt, verließ Kevin Williamson die Serie gegen Ende der zweiten Staffel. Es lassen sich ohnehin einige inhaltliche Probleme feststellen, unter anderem die Wankungen von Joey bezüglich ihrer Gefühle. Getoppt wird das alles jedoch von der Darstellung der Jen Lindley in dieser Staffel. Dass sich Jen zu Beginn der Staffel etwas von der Clique entfernt weil ihr Großvater gestorben ist und sich stattdessen der diabolischen Abby Morgan (Monica Keena) zuwendet, lässt sich noch nachvollziehen. Dann sorgt der Fischer Vincent allerdings dafür, dass die Freundschaft der Beiden einen Riss erlebt. Fortan ist Jen wieder in die Clique integriert und bestens mit Dawson befreundet. Er macht sie zur Produktionsmanagerin von Creek Times und auch in dem christlichen Footballer Ty findet sie eine neue Romanze. Als diese zerbricht entfernt sich Jen aus unerfindlichen Gründen wieder von Dawson und den Anderen. Stattdessen fühlt sie sich plötzlich alleine und verlassen. Diese Wandlung, die zu Beginn von A Perfect Wedding aufgetreten ist, verwundert. Nochmehr verwundert die Umkehrung zwei Folgen später in Reunited. Zu Beginn der Episode sitzt Jen inmitten der Clique beim Videoabend. Es ist zwar ein Monat vergangen, zwischen den tragischen Ereignissen um Abbys Tod, aber dieses Hin und Her bezüglich Jens Charakter wirkt unsauber. Scheinbar hatte es lediglich den Hintersinn dem Tod von Abby etwas mehr Dramatik zu verleihen, hinterlässt aber viele Fragen, welche die Serie nicht beantwortet. Hierzu lässt sich auch das Fehlen von Scott Foleys Figur aus der ersten Staffel erklären, die immerhin ernstes Interesse an Jen hatte. Selbiges gilt für Chris Wolfe (Jason Behr), der nicht nur mit Jen, sondern auch mit Abby involviert war, aber bei ihrer Beerdigung und an anderer Stelle nicht mehr auftaucht. Möglich dass hier Behrs Terminkalender urplötzlich aufgrund des Starts von Roswell eng geworden ist, einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen Jens Umwege aber dennoch.

Auch in der zweiten Instanz finden sich einige Gastauftritte bekannter Gesichter. Nachdem Scott Foley im Vorjahr fünf Episoden lang in Dawson’s Creek mitspielen durfte, taucht Jason Behr (Roswell) in sechs Folgen auf. Von The All-Nighter bis zu His Leading Lady taucht er als sexueller Schwerenöter Chris auf. Außerdem konnte wohl Hauptdarsteller James Van Der Beek seine Varsity Blues-Kollegin Ali Larter überreden in zwei Folgen eine Gastrolle zu übernehmen. Auch die im selben Jahr durch She’s All That bekannt gewordene Rachael Leigh Cook gibt sich die Ehre, besonders reizvoll ist jedoch auch die Nebenrolle über drei Episoden hindurch von Mädchen Amick. Damit würde Amick einen interessanten Trend beginnen, denn auch ihre Twin Peaks-Kollegen Sheryl Fenn, Dana Ashbrook und Ray Wise würden Gastrollen in Williamsons Teenager-Serie übernehmen. Im Gegensatz zur vorigen Staffel halten sich diesmal der Einbau von zeitgenössischer Popmusik etwas in Grenzen, auch die Referenzen zu anderen Filmen lassen nach (unter anderem wird eine Hommage an Titanic eingebaut). Viel dreht sich um Sex und um Beziehungen, vormerklich in den Konstellationen Andie/Pacey und Joey/Jack, aber auch Dawson wird sowohl mit Joey als auch Jen erneut anbandeln. Allein Meredith Monroe ist dabei die halbe Miete, abgesehen von der Doppelfolge bezüglich Abbys Tod wussten alle Episoden zu unterhalten. Die fünf komplettesten Folgen sind hierbei The Dance, Sex, She Wrote, To Be or Not To Be…, Reunited und Parental Discretion Advised. Die Qualität der Folgen leidet etwas an der Quantität, ist jedoch nur minimal schlechter als die erste Staffel. Den Nostalgiebonus verwehre ich diesmal jedoch, dafür hat mir die Storyline um Jen zu sehr missfallen.

9.5/10

4. August 2008

Dawson’s Creek - Season One

Everything changes eventually.

Wer in den Achtzigern und zum Teil auch in den Neunzigern aufgewachsen ist und Regisseur werden wollte, der setzte sich oftmals Steven Spielberg zum Ziel. Ich selbst wollte in die Filmbranche, nachdem ich Jurassic Park gesehen hatte. Spielberg bewies mir mit dem Film, dass man Dinosaurier glaubhaft in eine Filmhandlung einbauen konnte und dass man somit im Grunde jede Phantasie in eine Filmhandlung glaubhaft einbinden konnte. Zwar wandelte sich mein Interessensfeld über die Jahre vom Regisseur zum Drehbuchschreiber (wie sich die meisten denken können, wurde aus einer möglichen Karriere nichts), aber Spielberg war die ursprüngliche Motivation. Und das zählt nicht nur für mich, sondern war auch bei Kevin Williamson der Fall. Der Drehbuchautor der Scream-Trilogie, The Faculty und I Know What You Did Last Summer wurde engagiert um eine Pilotfolge für eine Serie zu schreiben. Williamson entwickelte kurzerhand eine Serie basierend auf seinem eigenen Leben. Ein Teenager in einer abgelegenen Kleinstadt, der davon träumt Regisseur zu werden und ein riesiger Fan von Steven Spielberg ist. Was die Serie ausmachen sollte war jedoch nicht die Affinität des Teenagers zu Spielberg, sondern vielmehr seine Beziehung zu seiner besten Freundin, die er seit Kindestagen kennt und die am Ende seines Bachbetts wohnt. Dies war die Geburtstunde von Dawson Leery und seinem Freundeskreis. Über sechs Staffeln hinweg lief Dawson’s Creek von 1998 bis 2003 auf dem amerikanischen Fernsehsender von Warner Brothers Pictures (The WB) und zählte seinerzeit zu den Pionieren der Fernsehserien, die sich mit jugendlichen Ängsten auseinandersetzten. In der ersten und zweiten Staffel sollte Williamson der Serie als Produzent und Autor zur Verfügung stehen, ehe er am Ende der zweiten Staffel ausstieg, um sich einem neuen Projekt zu widmen, welches letztlich scheitern sollte. Für das Serienfinale kehrte er schließlich als Autor zurück, ein Kreis schloss sich.

Im Gegensatz zu den folgenden Staffeln bestand die erste Instanz der Serie aus lediglich 13 Episoden. Da die Serie nunmehr zehn Jahre alt ist, wird die Besprechung Spoiler (nicht nur für die erste, sondern alle Staffeln) einbeziehen. Wie der Titel schon sagt dreht sich in Dawson’s Creek alles um Dawson Leery (James Van Der Beek). Dawson ist wie seine besten Freunde Joey Potter (Katie Holmes) und Pacey Witter (Joshua Jackson) 15 Jahre alt und beginnt in dieser ersten Staffel seine Sexualität zu entdecken. Die Pilotfolge offenbart es schon: jahrelang waren es Dawson und Joey gewöhnt gemeinsam in einem Bett zu schlafen, am praktischsten natürlich am Samstagabend, dem Videoabend. Doch Joey hegt inzwischen Zweifel, schließlich sind die beiden keine Kinder mehr. Ihre genauen Beweggründe finden sich erst einige Folgen später. Über die Jahre hinweg hat Joey sich in Dawson verliebt, die Situation spitzt sich noch etwas zu, als im Haus nebenan die ebenfalls 15-jährige Jen Lindley (Michelle Williams) einzieht. Dawson ist hin und weg und setzt zum ersten Mal in seinem Leben alles daran, das Herz einer Frau zu erobern. Selbstverständlich sehr zum Missfallen von Joey. Doch Jen ist nicht ohne Grund in Capeside: sie ist ein Partygirl, dass von ihren Eltern aus New York praktisch nach Capeside verbannt wurde. Schuld daran sind ihre sexuellen Eskapaden gewesen, ein Punkt der Dawson in seiner kommenden Beziehung zu Jen ziemlich bedrücken wird. Auch Pacey sammelt seine ersten sexuellen Erfahrungen – ausgerechnet mit seiner Englischlehrerin. Und nicht nur das Liebesleben der Teenager ist gehörig auf Trab, wie sich herausstellt unterhält Dawsons Mutter (Mary-Margaret Humes) eine Affäre, von der weder ihr Sohn, noch ihr Ehemann (John Wesley Shipp) etwas ahnt.

Viele Folgen von Dawson’s Creek beginnen mit einem Videofilm, den sich Dawson und Joey auf seinem Bett ansehen. Es mag an Joeys Gefühlen für Dawson liegen oder daran dass beide in der Pubertät sind, aber sie streiten sich gerne anschließend. Hierbei geht es meist weniger um den Film, als viel mehr um eine Aussage oder Botschaft des Filmes, welche die beiden versuchen auf ihr eigenes Leben zu übertragen. Hier insbesondere, aber auch in den meisten anderen Momenten, wird man Zeuge des besonderen Charakters der Serie. Dawson, Joey und Pacey diskutieren weniger als dass sie philosophieren. Bisweilen schwadronieren sie sogar und es wird überdeutlich, dass dies kein authentisches Bild einer 15-jährigen amerikanischen Jugend darstellen soll. Der Witz an dem ganzen ist die Tatsache, dass Williamson ungemein selbstironisch mit seiner Serie umgeht. Meist ist es Joey, die praktisch zwischen den Zeilen die Serie mit den Konventionen Hollywoods vergleicht. Unter anderem ist dies im Staffelfinale Decisions der Fall, zu dessen Beginn sich Joey darüber auslässt, dass Cliffhanger in Serien nur deswegen gerne gewählt werden, weil damit das Endgültige noch etwas hinauszögern kann. Im Grunde sieht sie Cliffhanger als eine Verarsche fürs Publikum an. Die Szene ist jedoch nicht nur deswegen amüsant, da sich Joey selbst – unwissentlich – in einer Serie befindet, sondern Williamson auch am Ende der Folge selbst auf einen Cliffhanger verzichtet, wie ihn beispielsweise andere Drama-Serien wie Lost aufweisen. Seine Folge hat ein Happy End – zumindest vorerst.

Doch nicht nur hier bewies Williamson Selbstironie, die gesamte erste Staffel ist voller Referenzen zu Filmklassikern und Arbeiten von Williamson oder den Darstellern selbst. So finden sich in der elften Episode The Scare nicht nur eine Referenz zu I Know What You Did Last Summer, sonder auch eine Hommage an Scream. Beide Horrorfilme wurden von Williamson geschrieben. Fast noch gelungener ist hier die Folge Sieben (Detention), die nicht nur für sich genommen eine Hommage an den John Hughes Klassiker The Breakfast Club darstellt, sondern auch Querverweise in die Arbeiten der drei Hauptdarsteller aufzeigt. Die Lehrerin, die das Nachsitzen der Gruppe am Samstag beaufsichtigt, erhielt von Williamson den Namen Mrs. Tringle. Ein Jahr später würde Katie Holmes die weibliche Hauptrolle in dem von Kevin Williamson geschriebenen Teaching Mrs. Tingle spielen. Auch James Van Der Beek durfte einen vorausahnenden Spoof abgeben. Bereits in einer vorherigen Folge (Dance, #2) tat er das Football-Drama seines Konkurrenten um Jen, Cliff (Scott Foley), damit ab, dass es ein weiterer dummer Sportfilm wäre. Das passende Stichwort ist hier im Original „varsity“, welches generell für eine Schulmannschaft steht. Auch Van Der Beek würde ein Jahr später in einem Kinofilm auftauchen: einem Football-Drama namens…Varsity Blues. Joshua Jackson wiederum durfte in Detention auf seine vorherigen Kinofilme der Mighty Ducks-Reihe verweisen, auch dies geschieht natürlich mit einem Augenzwinkern. Des Weiteren finden sich offensichtliche Verweise zu The Graduate und anderen einflussreichen Filmen. Das Spiel einer Serie, die sich unwissentlich selbst seziert, wird in vielen Folgen vorgetragen und macht das Konzept neben seiner eigentlichen Thematik so speziell. Zudem wurde in vielen Folgen zeitgenössische, angesagte Musik für den Hintergrund verwendet, ein Stilmittel das auch heute noch (Gossip Girl) auftaucht.

Für Filmfans ist natürlich auch interessant, heutige Schauspieler in ihren Anfängen zu beobachten oder Gesichter zu entdecken, die man aus anderen Serien und Filmen kennt. So taucht in einer Gastrolle Eric Balfour (The O.C., Six Feet Under, 24) auf, dagegen ist Scott Foley (Scrubs, Felicity, The Unit) mit fünf Auftritten quasi sogar Nebendarsteller. Die zweite Hauptdarstellerin Michelle Williams hingegen war in den letzten Monaten eher aufgrund ihrer ehemaligen Liebschaft mit dem verstorbenen Heath Ledger in den Nachrichten. Joshua Jackson hingegen spielt nunmehr in J.J. Abrams neuer Serie Fringe und führt eine On/Off-Beziehung mit unserem deutschen Export Diane Kruger. Das letzte Mal das ich James Van Der Beek gesehen habe, war es bei einer Gastrolle der dritten Staffel von How I Met Your Mother. Den größten Sprung – oder die größte Bruchlandung, je nachdem – hat aber Katie Holmes gemacht. Wenn man die Gute in dieser ersten Staffel sieht, mit ihren zarten zwanzig Jahren, will man gar nicht an das Gräuel denken, dass sie nunmehr an die Seite von Tom Cruise gezwungen hat. Schauspielerisch konnte sich jedoch keiner der vier Schauspieler richtig im Kino durchsetzen, am ehesten überzeugte hier Holmes mit Nebenrollen in Thank You For Smoking und Batman Begins. Ihre Parts spielen sie aber alle äußerst glaubhaft, wobei man insbesondere Joshua Jackson loben sollte, der zum Ende der Staffel hin (Beauty Contest) richtig gut wird und Aufmerksamkeit gewinnt. Dabei ist nicht jede Folge der Staffel gelungen, doch ist das hier Jammern auf hohem Niveau.

Durchaus fehlt mancher Folge der typische Charakter der Serie, mir selbst missfielen Episoden wie Baby oder Roadtrip, wohingegen ich meinen Spaß am Staffelfinale (Decisions) oder der Breakfast Club-Folge Detention hatte. Natürlich verfügt Dawson’s Creek über keinen kulturellen Impakt wie The Prisoner, 24 oder Lost, von denen man sicherlich auch in zehn Jahren noch sprechen könnte, doch die Serie muss nicht ihren Platz in der Filmgeschichte finden, um beste Unterhaltung zu sein. Mit dem Inhalt der ersten Staffel können sich viele identifizieren, so zum Beispiel ich. Auch meine Wenigkeit hatte mal eine platonische Freundschaft die zu einer Beziehung wurde. Nur um kurze Zeit darauf wieder zu zerbrechen. Gepaart mit der Film- und Spielbergbegeisterung konnte ich mit Ende der Neunziger praktisch perfekt mit der Handlung und ihren Figuren identifizieren. Daher erhält die Serie, die für das was sie sein will bereits überragend ist, noch einen kleinen Nostalgiebonus, der ihr die Höchstwertung beschert. Obschon ich über den Verlauf der Serie im Klaren bin, sie nunmehr zum dritten oder gar vierten Mal sichte, führt sie immer noch zu emotionalen Nachwehen. Nachdem ich das Staffelfinale gesehen hatte, reflektierte ich über mein eigenes Leben, das, wie erwähnt, Parallelen zu Dawsons aufweist. Und dass mir persönliche eine Serie so nahe geht, wie es Dawson’s Creek getan hat bzw. tut, ist selten bis eigentlich gar nicht der Fall. Wie Williamson hier Selbstironie zelebriert und bereits früh Anklänge an Ereignisse der kommenden Staffeln einbringt (die Spannungen zwischen Dawson und Pacey - Detention - oder die Beziehung von Joey und Pacey - Kiss & Double Date) begeistert mich ebenso, wie die philosophierenden Teens, die alles zu analysieren vermögen, abgesehen von ihrem eigenen Liebesleben.

10/10