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23. Oktober 2013

Europa Report

Are you guys seeing this?

Seiner Zeit erklärte John F. Kennedy das All zum “new frontier”, in Star Trek verkam es gar zum “final frontier”. Die unbekannte Welt, deren mysteriös Gefährliches auch im Film schon länger thematisiert wird. Sei es in Ridley Scotts Alien, Stanley Kubricks 2001: A Space Odyssey oder zuletzt in Alfonso Cuaróns Gravity. Etwas untergegangen ist zumindest in Deutschland – abseits von Besuchern des diesjährigen Fantasy Filmfestes – Sebastián Corderos DTV-Weltraum-Thriller Europa Report, der eine privatfinanzierte bemannte Mission zum Jupitermond Europa zum Thema hat. Darin macht sich eine sechsköpfige Crew auf die Reise an den Rand unseres Sonnensystems auf der Suche nach extraterrestrischem Leben.

Immerhin soll der 1610 von Galileo Galilei entdeckte Trabant, der in etwa dieselbe Größe wie unser Mond besitzt, von einer flachen Wassereiskruste bedeckt sein, die einen unterirdischen Ozean und damit das Potential für Organismen beherbergen könnte. Zwar nicht die erhoffte Antwort auf die Frage, ob wir allein im Universum sind, aber besser als gar nichts. Wie das aber so ist bei Weltraumfilmen à la Event Horizon, Sunshine und Co. geht schon auf der Reise zum Ziel jede Menge in die Hose. Entsprechend läuft auch die über fast vier Jahre geplante Europa-Mission in Corderos Film alles andere als geschmeidig ab. Und dennoch gelingt es seiner Geschichte selten bis nie, ein wirklich fesselnd-spannendes Abenteuer zu sein.

Hierbei scheitert Europa Report bereits zu Beginn. In einer Mischung aus Found Footage-Aufnahmen von den Bordkameras der Europa One und gestellten Talking Heads mit daheimgebliebenen Missionsleitern wie Dr. Unger (Embeth Davidtz) und Dr. Solokov (Dan Fogler) steigt die Handlung mitten im Geschehen ein, um kurz darauf den Start der Mission zu zeigen und wieder in die vermeintliche Gegenwart zu springen. Die Tatsache, dass Sharlto Copleys Ingenieur James Corrigan mal zu sehen ist und mal nicht, lässt bereits erahnen, dass die Figur ein unheilvolles Schicksal ereilt, für dessen Rückblende man sich jedoch bis zur Hälfte des Films gedulden muss. Ebenso wie auf so etwas wie einen chronologischen Ablauf.

Der ewige Wechsel zwischen den Zeitebenen und den Kameraeinstellungen irritiert wie desorientiert und verhindert eine echte Immersion in das Geschehen. Die sechs Figuren frei von jeder Persönlichkeit tragen ihren Teil dazu bei. Von Corrigan erfahren wir immerhin, dass er Vater ist, von seinen Kollegen wie Andrei Blok (Michael Nyqvist), Daniel Luxembourg (Christian Camargo) oder Katya Petrovna (Karolina Wydra) sogar noch weniger. Wenn dann im späteren Verlauf das Abzählreimschema einsetzt, könnte einem das kaum egaler sein. Aber man ist durchaus dankbar, dass endlich mal etwas passiert, in einem ansonsten reichlich behäbigen Weltraumfilm, der nicht einmal mit guten Effekten aufwarten kann.

Das wäre nicht einmal sonderlich schlimm, wenn der Low-Budget-Film mit dem, was er hat, einfach besser umgehen würde. Dummerweise driftet Europa Report, wenn die Mission dann mal auf dem Jupitertrabanten gelandet ist, wider Willen in Trash-Gefilde ab. Im Finale überschlagen sich zusätzlich zu dem weiterhin ständigen Umschnitt zwischen allerlei Bord-Kameraeinstellungen – darunter eine im Helm, die „Sinnvollerweise“ die Astronauten-Gesichter festhält – die Ereignisse, was das Unverständnis beim Zuschauer noch verstärkt. Das Ende, das vermutlich bedeutungsvoll sein soll, angesichts der Umstände jedoch ebenso verpufft wie alles zuvor Gezeigte, setzt einem reichlich enttäuschenden Film dann die Krone auf.

Bedauernswert ist, dass die Geschichte durchaus Potential gehabt hätte, wenn man sie zum einen chronologischer erzählt und zumindest mit einer identifizierbaren Figur ausgestattet hätte. Ansatzweise wird das zwar mit Pilotin Rosa Dasque (Anamaria Marinca) versucht, aber nicht konsequent zu Ende gedacht. Auch die etwaigen Einblendungen, allen voran das hässliche Icon der Europa One, sind ebenso verzichtenswert wie den Zuschauer an der Hand haltende Betonungen, welche Bedeutung die Mission hat. Alles in allem ist Europa Report in seiner tatsächlichen Form ein Film, dessen Schicksal der Heimkinovermarktung sich spätestens nach Sichtung von selbst erklärt und den man getrost zum Mond schießen kann.

3.5/10

Blu-ray (3D)
Der 3D-Effekt soll dem zumeist im engen Raumschiff spielenden Film vermutlich Tiefe und Räumlichkeit verleihen, was zwar teilweise gelingt, durch den ständigen Schnitt und manche misslungene Kameraposition aber auch mitunter schief geht. Ansonsten ist der HD-Transfer (1080p/1.78:1) der Blu-ray überzeugend und klar ausgefallen, unabhängig vom Found-Footage-Aspekt durch die Bordkameras. Die DTS-5.1-Tonspur ist dabei ebenfalls zufriedenstellend und durchweg verständlich. Als Bonusmaterial warten zwei informative Featurettes zu den visuellen Effekten von John Bair und der Musik von Komponist Bear McCreary sowie eine Fotogalerie.

16. Oktober 2013

Gewinnspiel: 2 Blu-rays von "Europa Report"

Aktuell ist der Weltraum-Thriller Gravity von Alfonso Cuarón in aller Munde und führt in der zweiten Woche hintereinander die US-Kinocharts an. Welch passender Zeitpunkt also, um Sebastián Corderos nicht unähnliches, aber dennoch andersartiges Astronautenabenteuer Europa Report (dem keine Kinoauswertung hierzulande – Festivals wie das Fantasy Film Fest ausgenommen – vergönnt war) auf den Markt zu bringen. Erzählt wird darin von der ersten bemannten Mission zum kleinsten Jupitermond Europa, unter dessen Eisschicht Wasser und damit das Potential für bakterielles, ergo außerirdisches, Leben vermutet wird. Wie das aber mit Weltraummissionen (im Film) so ist, verläuft jedoch nicht alles nach Plan.

Zum Ensemble von Europa Report zählen unter anderem Michael Nyqvist (Verblendung) und Sharlto Copley (District 9), der Film selbst funktioniert quasi als Mix aus Faux Documentary sowie Found Footage und erscheint in Deutschland am kommenden Dienstag (22. Oktober 2013) auf DVD, Blu-ray und 3D-Blu-ray. Freundlicherweise haben Ascot Elite und Voll:Kontakt diesbezüglich Symparanekromenoi zwei Blu-ray-Exemplare des Films zur Verfügung gestellt, die ich nunmehr gerne unter meinen Leser_Innen (und solchen, die es noch werden wollen) verlosen möchte.

Das Gewinnspiel läuft bis Dienstag, 22. Oktober 2013, um 23:59 Uhr, die beiden Gewinner werden am Folgetag verkündet. Zur Teilnahme müsst ihr lediglich einen Kommentar – mit gültiger E-Mail-Adresse zwecks Benachrichtigung – unter diesem Beitrag oder einen Tweet an @Flo_Lieb auf Twitter hinterlassen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Viel Glück!

UPDATE: Das Gewinnspiel ist abgelaufen und unter den Teilnehmern hat Random.org nun Christoph Gumpert und Daniel Licha ausgewählt – die Sieger wurden benachrichtigt. Meinen herzlichen Glückwunsch an diese beiden und meinen Dank an alle, die es ebenfalls versucht haben.

13. Juni 2010

Flickan som lekte med elden

This girl has problems, no?

In den meisten Fällen versucht eine Fortsetzung dem „Höher, Schneller, Weiter“-Prinzip zu folgen. Sprich: Man nimmt das, was im ersten Teil gut funktioniert hat, und vervielfältigt es im Vergleich zum Original. Kam Jack Sparrow (Johnny Depp) in Curse of the Black Pearl gut beim Publikum an, gab es im Sequel Dead Man’s Chest noch mehr Jack Sparrow, bis zu Beginn des dritten Teils At World’s End sogar eine ganze Schiffmannschaft aus Jack Sparrows bestand. Redundanzen in Fortsetzungen scheinen somit unausweichlich, vielleicht auch, weil manche Konzepte wie Terminator wenig Spielraum lassen, außer dass eine Maschine aus der Zukunft in die Vergangenheit kommt, um John Connor auszulöschen. Wenn man also so will, ist Flickan som lekte med elden ein durchaus gelungenes Sequel von Män som hatar kvinnor, verzichtete Stieg Larsson bzw. Daniel Alfredson darauf, den ersten Teil einfach mit neuen Figuren nachzuerzählen. Was jedoch nicht bedeuten soll, dass die zweite Adaption der Reihe ein gelungener Film ist.

Eigentlich könnte alles so schön sein. Ein Jahr ist rum und Lisbeth Salander (Noomie Rapace) frönt immer noch ein wohlhabendes Dasein in der ganzen Welt. Ihre Ex-Flamme und rehabilitierter Journalist, Mikael Blomkvist (Michael Nyqvist) hat sich auch wieder gut in den redaktionellen Alltag seines Magazins „Millennium“ eingefunden. Aber natürlich tut sich ein neues Problemfeld auf, das die beiden ehemaligen Ermittlungspartner wieder zusammenführt. Während Lisbeth die Tätigkeiten ihres juristischen Vormunds Bjurman (Peter Andersson) überwacht, stößt einer von Mikaels Kollegen auf einen Mädchenhändlerring, in den auch Beamte der schwedischen Regierung verstrickt sind. Als wenig später nicht nur Bjurman, sondern auch Mikaels Kollege und dessen Freundin tot aufgefunden werden, gerät Lisbeth wegen ihrer Fingerabdrücke an der Tatwaffe unter dreifachen Mordverdacht. Der Schlüssel zur Verschwörung scheint der ominöse ehemalige Spion und Überläufer Zalachenko (Georgi Staykov), „Zala“ genannt, zu sein.

Natürlich wird wieder privat ermittelt, was das Zeug hält, gehacked und gejailbreaked, was Bits und Bites hat - aber dennoch zeigt sich Flickan som lekte med elden von einer anderen Seite als sein Vorgänger. Was erfrischend ist, aber den Film nicht weiterbringt. Der Mädchenhändlerring verkommt zur Nebensache, wichtiger ist, wer in ihn involviert ist. Die meiste Zeit betreiben Mikael und Lisbeth dabei ihre eigenen Recherchen, unabhängig voneinander, und begegnen sich somit erst in der Schlussszene. Dies vermeidet in seinem strukturellen Aufbau Redundanzen zum Vorgänger, kann jedoch auf der narrativen Ebene nicht mit Män som hatar kvinnor mithalten. War dieser bis zu seinem dritten Akt überaus spannenden Skandinavien-Kino, fehlen der Fortsetzung nun der rote Faden in der Handlung und eine Identifikationsperson wie sie Harriet Vanger (und dies sogar in Abwesenheit) darstellte. Hier ist Lisbeth nun das Objekt der (narrativen) Begierde, was aber daran scheitert, dass Larsson bzw. Alfredson (noch) zu wenig über sie preisgeben.

Der Kollege Moviescape hat es angesprochen: eigentlich sollten die zweite und die dritte Literaturverfilmung der „Millennium“-Reihe im Gegensatz zu Män som hatar kvinnor nicht im Kino, sondern nur im Fernsehen laufen. Entsprechend grobkörniger ist die Optik geraten, die zwar nicht zwingend schlecht ist, aber nicht so überzeugend ausfällt, wie beim Vorgänger. Ähnlich wie der erste Teil verbaut sich Flickan som lekte med elden viel mit seinem schusseligen Finale, hier in Form eines armseligen Kill Bill Vol.2-Zitats. Mittels Cliffhanger-Abschluss soll die Brücke zum abschließenden Luftslottet som sprängdes geschlagen werden, kann jedoch auch mit Abstrichen als stringentes Ende dieses Handlungsstranges gesehen werden. Hinsichtlich der Adaption gehen wahrscheinlich wie beim ersten Teil viele Einkäufe, Kochrezepte und Abendveranstaltungen der beiden Hauptfiguren verloren. Grundsätzlich ließe sich jedoch urteilen, dass man nichts verpasst, wenn man Larssons Romane oder eben deren Verfilmungen außen vor lässt.

5.5/10

15. April 2010

Män som hatar kvinnor

Read it and weep, Kalle Blomkvist…

Man sollte sich nichts vormachen. Kann etwas, das Begeisterungsstürme in mehreren Ländern gleichzeitig auslöst, wirklich von qualitativer Sonderklasse sein? Sind die Menschen dafür bekannt, unisono etwas, das tatsächlich „sehr gut“ ist, anzuerkennen? Sicher, Harry Potter ist eine bewundernswerte Reihe über Phantasie, die Tausende Kinder (wieder) zum Lesen animierte. Aber aus literarischer Sicht merkt man eben doch, dass es von einer arbeitslosen Hausfrau geschrieben wurde. Auch Dan Browns Bestseller The Da Vinci Code liest sich wie die Arbeit eines Stümpers, was nichts damit zu tun hat, dass weltweit 80 Millionen Kopien von dem Roman verkauft werden konnten. Soweit ist es mit Stieg Larssons Millennium-Trilogie dann noch nicht, die als Paket lediglich auf 21 Millionen verkaufte Exemplare kommt. Aber deshalb nicht minder euphorisch von der Masse aufgenommen wurde. Man sollte sich aber nichts vormachen. Auch Larssons Schreibstil ist rudimentär und ausgesprochen simpel in seiner Semantik gehalten.

Wohl die einfachste Möglichkeit, möglichst viele Menschen anzusprechen. Wer will sich auch durch kafkaeske Sätze quälen, wenn es locker flockig aus der Hüfte kommt? Eine derartig erfolgreiche Reihe verlangt dann natürlich nach filmischer Umsetzung. Und eine europäische filmische Umsetzung - speziell aus Schweden, so scheint es in den letzten beiden Jahren - schreit nach einem amerikanischen Remake. Kaum erschien Män som hatar kvinnor, der in Deutschland Verblendung und im Englischsprachigen Raum The Girl with the Dragon Tattoo (zwei gänzlich dämliche Titel, von denen einen bescheuerter ist als der andere) heißt, im vergangenen Monat nun also in Großbritannien und den USA, folgten bereits die ersten Meldungen über ein geplantes Remake. Namen wie David Fincher, der zuletzt einen Film mit Pop-Star Justin Timberlake gedreht hat, machten die Runde. Schweden ist en vogue in Hollywood, wo Matt Reeves, Inszenator von Cloverfield, mit Let Me In gerade das Remake zu Låt den rätte komma in beendet hat.

Die Geschichte von Män som hatar kvinnor ist dabei trotz ihrer fast 700 Seiten relativ simpel. Mikael Blomkvist (Michael Nyqvist) ist Journalist für das Blatt „Millennium“ und damit eine Art Alter Ego von Stieg Larsson selbst. Als er wegen Verleumdung zu drei Monaten Haft verurteilt wird, weil er (scheinbar) fälschlicherweise dem Industriellen Wennerström Waffenhandel unterstellte, verbringt er das letzte halbe Jahr vor Haftantritt damit, einem anderen Industriellen, Henrik Vanger (Sven-Bertil Taube), bei dessen inzwischen vierzigjähriger Recherche bezüglich des Schicksals seiner verschwundenen Nichte Harriet (Ewa Fröling) zu unterstützen. Hilfe erfährt Blomkvist, Spitzname „Kalle Blomkvist“, dabei von der misshandelten Hackerin Lisbeth Salander (Noomi Rapace), die wiederum ursprünglich von Vanger engagiert wurde, um herauszufinden, ob Blomkvist zu Recht gegen Wennerström ermittelt hatte. Vangers einziger Hinweis an den Enthüllungsjournalisten: Die Ursache für Harriets Verschwinden findet sich wohl in der Familie.

Ein Mann, eine Frau. Filme sind auch nur Menschen - oder so ähnlich -, weshalb der Blomkvist und die Salander dann auch ziemlich schnell Körperflüssigkeiten austauschen. Ein Aspekt, der wohl wie Salanders eigener Handlungsstrang um ihren juristischen Vormund, den perversen Anwalt Bjurman (Peter Andersson), und ihre in zaghaften Rückblenden angedeutete schwere Kindheit Kostproben für die kommenden Teile Flickan som lekte med elden (a.k.a. Verdammnis/The Girl Who Played with Fire) und Luftslottet som sprängdes (a.k.a. Vergebung/The Girl Who Kicked the Hornest’s Nest) darstellen. Für Niels Arden Oplevs Verfilmung des ersten Teiles als Stand-Alone wirken Salanders Abenteuer jedoch nur bedingt interessant und fallen letztlich denselben Problemen zum Opfer, die der Film in seinem vierten Akt entwickelt. Bis dahin und somit im Rahmen seiner eigentlichen Geschichte und derer drei Akte, ist Män som hatar kvinnor durchaus ein spannender europäischer Thriller und dies trotz seiner konstruierten Handlung.

Natürlich muss Blomkvist in wenigen Tagen schaffen, was der Polizei in vier Jahrzehnten nicht gelang. Ein narratives Element, das genauso verzeihlich ist, wie die fehlende Erklärung für Salanders Interesse an Blomkvist. Letzteres vielleicht auch nur ebenso Material für die kommenden Filme, aber wie bereits angesprochen ein Makel für die hier alleinstehende Handlung. Was als Harriets Geschichte beginnt, verliert sich dann in der Titelgebenden Prämisse: Männer, die Frauen hassen. Die beiden ungleichen Ermittler stoßen auf Serienmorde, die weitreichende Folgen haben. Weniger dramatisch inszeniert als Browns Da Vinci Code, sind sich die ermittlerischen Recherchen nicht unähnlich. Die Blomkvists und Langdons dieser Welt sehen eben das, was die Regierungsapparate nicht entdecken. Sonst würden sie auch Mulder heißen. Die Exposition der Mordserie, die dafür sorgt, dass man Harriet beginnt zu vergessen, kann daher nach über anderthalb Stunden im Grunde auch nur in einer unzufriedenstellenden Auflösung münden.

Diese wäre verschmerzbar, würde Niels Arden Oplev bzw. Stieg Larsson sich nicht bemühen, sich nach diesem Nesselsitz noch weiter in jenem Unkraut zu wälzen. Denn eigentlich ist die Geschichte erzählt, doch Larsson baut eine weitere Wendung ein, die den Film in einem unnötigen vierten Akt münden lässt. Fortan wird das dargebotene Szenario mit jeder neuen Enthüllung, jeder fortlaufenden Minute, lächerlicher und verkommt zu einer Selbstdemontage, wie man sie selten miterlebt hat. Bedauernswert, dass man es nicht nach hundert Minuten gut sein lässt und sich mit einem spannenden Thriller verabschiedet, sondern stattdessen in einem Meer aus billigen Enthüllungen verliert, die entgegen der zuvor fruchtlosen Ermittlung nun unwahrscheinlich zügig wie eine Zeitungsbeilage aus dem Film heraus purzeln. Ein Aspekt, der Män som hatar kvinnor im Nachhinein ausgesprochen schadet. Kann etwas, das Begeisterungsstürme in mehreren Ländern gleichzeitig auslöst, wirklich von qualitativer Sonderklasse sein? Scheinbar nicht.


5.5/10