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9. Februar 2010

Clerks.

I’m not even supposed to be here today!

Für Smith-Fans ist die Geschichte der Entstehung von Clerks. ein alter Hut. Nicht zuletzt, weil er sie bei verschiedenen Gelegenheiten, sei es ein Audiokommentar zu einem der späteren Filme oder seinen Evenings with Kevin Smith, gerne selbst rezitiert. Angefangen mit Kevin Smiths Wunsch Regisseur zu werden. Der Besuch einer Filmhochschule in Vancouver wird nach vier Monaten abgebrochen, weil Rumsitzen und nicht selbst Drehen dem New Jerseyer missfiel. Erinnerungen an Francis Ford Coppola und seine Zeit an der UCLA werden wach. Immerhin lernte Smith in Kanada Scott Mosier kennen, der nicht nur zu seinem Freund sondern View-Askew-Partner werden sollte.

Mit 23 Jahren drehte Smith anschließend über einen Zeitraum von drei Wochen jede Nacht zwischen 22.30 und 05.30 Uhr an seinem Arbeitsplatz seinen Debütfilm. Dabei arbeitete der Twen damals selbst tagsüber noch im Quick Stop Lebensmittelgeschäft, worin sich auch seine Inspiration zum Film findet. Finanzieren konnte Smith den Film nur deshalb, weil er einen Großteil seiner Comicsammlung verkaufte, Kreditkartenanträge stellte und sich Geld von Freunden und Familie lieh. Was folgte, waren Auszeichnungen bei den Filmfestivals in Sundance, sowie in Cannes und der Start einer Karriere, die bis heute anhält.

Nachdem Harvey Weinstein und Miramax die Filmrechte kauften, wurde der erste Schnitt von Smith und Mosier erst einmal getrimmt, unter anderem auch bezüglich des sehr unstimmigen aber dennoch im Grunde passenden Endes. Als Miramax die musikalische Untermalung austauschte, kam es zu dem bizarren Vorfall, dass die Rechte an den Musikstücken teurer waren, als der eigentliche Film selbst. Rechnet man beide Kosten zusammen, kostete Clerks. selbst insgesamt so viel, wie eine Sekunde von James Camerons Welterfolg Titanic drei Jahre später. Und obschon Smiths Debütfilm nie mehr als auf fünfzig Leinwänden gleichzeitig lief, gelang es dem Film das 23-fache seiner Kosten einzuspielen.

Daraus resultierte eine jahrelange Partnerschaft zwischen Smith, Mosier und Weinstein bzw. View Askew und Miramax, welche bis heute anhält. Dass Smith mit Clerks. den Auftakt zu seinen Askewniverse Chronicles bilden würde, war ihm damals noch nicht bewusst. Auch nicht, dass zwei nebensächliche Figuren wie Jay (Jason Mewes) und Silent Bob (Kevin Smith) zu Kultfiguren avancierten, die Smiths Karriere über ein Jahrzehnt lang begleiten sollten. Zwölf Jahre später würden Smith und Co. an ihre Ursprünge zurückkehren und mit Clerks II einen Film drehen, dessen Einspiel von 24 Millionen Dollar Beweis genug ist, welche Fangemeinschaft Smith insbesondere dank Clerks. aufgebaut hat.

Was Kevin Smiths Filme auszeichnet, sind seine Dialoge. Ähnlich wie bei Filmen von Woody Allen spielt sich weniger eine Handlung ab, als dass die Hauptfiguren nonstop drauf los quatschen. Im Gegensatz zu seinen späteren Filmen merkt man Clerks. jedoch an, dass die Darsteller nicht nur wenig Erfahrung mit Schauspiel haben, sondern das Zeitfenster auch sehr gering war. Die Dialoge zwischen Dante (Brian O’Halloran) und Randal (Jeff Anderson) sind oftmals wie ein Shoot-Out mit einem Maschinengewehr, in welchem sich die beiden Schauspieler die Sätze ohne wirkliche Pause wie Bälle zu spielen. Als würde man einem Match zwischen Roger Federer und Rafael Nadal zuschauen, zumindest was die Geschwindigkeit angeht.

Das ist nicht sonderlich tragisch, aber wirkt etwas unnatürlicher als es in seinen späteren Projekten der Fall ist. Allerdings muss man Smiths Film auch im Kontext seiner Entstehung sehen, spielen doch fast ausschließlich Freunde und Verwandte die Rollen in seiner Geschichte. Manche wie Scott Mosier und Walter Flanagan übernahmen sogar drei oder mehr Rollen, während mit Anderson ein High School Freund von Smith in einer der Hauptrollen auftaucht, obwohl er noch nie geschauspielert hat. Umso beeindruckender, dass Clerks. letztlich Andersons Film durch und durch ist, im Vergleich zu späteren Filmen, wo Mewes diesen Part übernehmen würde.

Eine wirkliche Handlung besitzt Smiths Debütfilm wie erwähnt nicht. Sieht man davon ab, dass Dante sechs Stunden im Quick Stop aushelfen muss und schließlich den ganzen Tag dort verbringt. Und davon, dass er sich mit seiner Freundin Veronica (Marilyn Ghigliotti) aufgrund deren Sexvergangenheit überwirft („My girlfriend sucked 37 dicks“ – „In a row?“) und versucht mit seiner Ex-Freundin Caitlin (Lisa Spoonhauer) zusammen zu kommen. Doch eigentlich beinhaltet der Film nur eine Ansammlung von kleinen Segmenten, die inhaltlich durch den Quick Stop als Handlungsort zusammengehalten werden. Dass Smith diese mit jeweils einem Fremdwort als übergreifende Einleitung versieht, zählt dabei eher zu den negativen Seiten seines Debüts.

Zumindest hätte es der Titelkarten nicht bedurft, insbesondere da sie den Erzählfluss der Handlung stören. Es ist wie schon das Dialogfeuer kein Dilemma, aber etwas, dass man hätte vermeiden können. Zu den Dingen, die nicht wirklich passen wollen, gehören auch die beiden Ausflüge außerhalb des Ladens. Sowohl das Hockey-Game als auch die Totenwache wirken etwas deplatziert und nur leidlich stimmig mit dem Rest des Geschehens. Das Hockey dabei noch mehr als die Totenwache, die zumindest aufgrund von Randals Geschichte über seinen und Brodys Cousin eine amüsante Note erfährt. Ebenso wie auch die verlorenen Szene der Totenwache selbst, die Smith als animierte Version auf die Clerks-X-DVD packen ließ, aufgrund ihrer Verbindung zu Mallrats und Chasing Amy nostalgisch gerät.

Die Einordnung ins Askewniverse ist zudem einer der Faktoren, die den Film so herzlich machen. Nicht nur, dass Clerks., wie sich herausstellt, einen Tag nach den Ereignissen in Mallrats spielt, sondern auch die verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen Figuren wie Randal und Brody oder Alyssa Jones und ihrer Schwester Heather. Unbestreitbar verfügt Smiths Debüt über allerlei Charme, schon alleine wegen der grandiosen Szene bezüglich des Todessterns in Star Wars. Für einen Debütfilm, der unter diesen Umständen entstanden ist, ist das sicherlich mehr als ordentlich, auch wenn der Film unter kritischen Augen nicht perfekt ist. Als Auftakt für eine Karriere, die später Werke wie Chasing Amy oder auch mit Jay & Silent Bob Strike Back den vielleicht größten Insider-Film aller Zeiten beinhalten würde, geht Clerks. schwer in Ordnung.

Da verzeiht man es dem Film auch, dass die Audiokommentare dieses Mal nicht so unterhaltsam sind, wie in späteren Beiträgen (wobei ein einschlafender Mewes im 95er-AK schon eine Wucht ist). Grundsätzlich lässt sich auch sagen, dass der ursprüngliche Schnitt etwas stimmiger daherkommt als die Kinofassung. Sieht man einmal vom Ende ab, welches zwar durchaus passend ausfällt, bedenkt man die Ironie, dass Dante eigentlich gar nicht arbeiten sollte, aber ein derart deprimierender Schluss nicht zum Rest des sonst so abstrusen Humors passen möchte. Ansonsten ist Clerks. aber eine wirklich gelungene und unterhaltsame verfilmte Anekdote aus dem Munde Kevin Smiths. Wenn man denn den Film als solche verstehen will.

7.5/10

18. August 2007

Mallrats

I have no respect for people with no shopping agenda.

Was macht jemand, wenn er die Filmschule abbricht? Richtig, er schreibt ein Drehbuch, basierend auf persönlichen Erfahrungen und finanziert das ganze indem er mehrere Kreditkarten bis zu ihrem Maximum ausschöpft. Anschließend reicht er den Film bei den Filmfestspielen von Cannes ein und gewinnt gleich einen Preis. Vielleicht klappt das aber auch nur, wenn man Kevin Smith heißt. 1994 mit Clerks. – für bescheidene $ 28.000 gedreht – erreichte Smith einen Grad an Popularität, der bis zum heutigen Tag angehalten und ihm eine große Fangemeinschaft beschert hat. Dass das Ganze mehr mit Glück als mit Verstand zu tun hatte, gibt auch Smith zu, der seinen Glauben in Gott darin begründet, dass er eine Filmkarriere hat. Nichtsdestotrotz war es ihm durch seinen Erfolg mit Clerks. bereits ein Jahr später gestattet diesen zweiten Film in seiner ViewAskewiverse-Reihe mit einem Budget von sechs Millionen Dollar zu verfilmen.

In Mallrats geht es um die Beziehungsprobleme der beiden Loser Brodie (Jason Lee) und T.S. (Jeremy London) mit ihren Freundinnen Rene (Shannen Doherty) und Brandi (Claire Forlani). Mit ihrem Latein am Ende verziehen sich beide in ihr örtliches Einkaufszentrum, wo sie auf ihre ebenso nichtsnutzigen Freunde Jay & Silent Bob, William, Gwen und Tricia Jones treffen. Neben Brandi’s Vater, dem ewiggeilen Shannen Hamilton und Sicherheitschef LaFours müssen sich die Freunde noch weiteren Hindernissen auf ihrem Weg zur glücklichen Liebe stellen. Soweit zur Handlung, falls man wieder mal überhaupt von einer Handlung sprechen kann (erstaunlicherweise haben viele Filme gar keine richtige Handlung, wie ich zuletzt öfters festgestellt habe). Denn die „Handlung“ ist für Smith nur die Verpackung für das eigentlich wichtige und auszeichnende seiner Filme: die Dialoge, bzw. der Dialogwitz.

Machen wir uns nichts vor, die Handlung ist bei Smith meistens nebensächlich, bestes Beispiel Jay & Silent Bob Strike Back, aber ebenso wären auch beide Clerks.-Streifen anzuführen. Smith’s Filme leben von seinem unvergleichlichen Humor, den aberwitzigen und oftmals vulgären Dialogen seiner Charaktere. Es findet sich in jedem seiner Filme mindestens eine Figur, die sprachliche Obszönitäten ausstößt (meistens sind es Jason Lee oder sein Namensvetter Mewes). Hieraus macht Smith keinen Hehl, hat er doch mit seinen Figuren oft mehrere Dinge gemeinsam, welche sich auch durch alle seine ViewAskewiverse-Filme ziehen: Comics und Filme, dazu dann noch Sex, bzw. Fellatio. Diese Themen behandelt Smith jedoch so charmant, wie kaum ein anderer und begründet damit seinen Erfolg. Den Vorwurf, dass er keinen Filmstil besitzt, hat er sich inzwischen zum Credo erhoben und sein Stil ist, dass er keinen Stil hat. Hauptkritikpunkt ist sicherlich – vor allem bei Mallrats – dass ebenjene Herzstücke die Dialoge sind und versucht wird, sich von einem Dialog zum nächsten zu retten. Meistens geschieht dies, indem Brodie „What the fuck?“ oder „Look who’s there!“ sagt und die Kamera anschließend die neue Szene einleitet.

Natürlich hat sich Smith nicht vorgenommen, das Kino neu zu erfinden, dass weiß er auch ganz genau. Der Mann – zum Schock der Studios – will einfach nur Spaß haben und mit seinen Freunden Filme drehen (in jedem seiner Filme spielt einer seiner Freunde die Hauptrolle). Als Vorlage dienen teilweise aberwitzige Anekdoten (von denen Smith genügend hat, bei Interesse empfiehl sich An Evening With Kevin Smith) um die Essensregulierung in Kaufhäusern oder das Aufmischen von übergroßen Osterhasen, nicht zu reden von Ivannah, der oben-ohne Wahrsagerin mit drei Nippeln. Gerade in solchen Szene liegt der Witz, wenn Brodie mit seiner Ex die Besuchsrechte für das Einkaufszentrum ausmacht oder sich aus Rache die Hand in den Arsch steckt, um Brandi’s Vater anschließend schoko-überzogene Minibrezeln anzudrehen. Smith ist eben kein Ästhet, sondern ein Mann des vulgären Humors, diesen beherrscht er dann aber doch mit einem gewissen Stil und driftet nicht in Untiefen wie American Pie ab.

Abgerundet wird das ganze mit Verweisen auf Klassiker wie Blues Brothers, American Graffiti oder Jaws, einem tollen Gastauftritt von Stan Lee und Brüsten (was braucht ein Mann mehr?). Interessant ist noch die Tatsache, dass Jason Mewes wegen seiner Drogensucht eigentlich von Seth Green hätte abgelöst werden sollen und unter anderem Jennifer Love Hewitt und Reese Witherspoone für den Part von Tricia Jones vorsprachen. Mut zur Selbstironie wird auch in den Charakteren bewiesen, so ist Ben Affleck’s Figur nach Shannen Doherty und ihren kurzzeitigen Ehemann Anthony Hamilton benannt, während Doherty’s Figur mit Nachnamen Mosier heißt, benannt nach Scott Mosier, dem Freund und Produzenten von Smith. Kleine Anekdoten wie diese und die vielen liebenswerten Charaktere, die auf Freunden und Bekannten von Smith basiert sind, machen den Charme seiner Filme aus und auch wenn sie keine Wilder’s sind, unterhalten sie einen dennoch meistens köstlich.

7/10