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4. Juli 2010

Clerks II

You never go ass to mouth!

Man kann es drehen und wenden wie man will, aber dass sich Kevin Smith nach zwölf Jahren zurück zu seinen Wurzeln orientierte, hängt unweigerlich mit dem Kritiker-Fiasko zum Vorgängerfilm Jersey Girl zusammen. Während die Öffentlichkeit es so wahrnahm, dass Smith sich auf eine Geschichte besinnen wollte, die er tatsächlich im Stande war zu erzählen, erklärte der New Jerseyer, dass er statt mit Stars lieber wieder primär mit seinen Freunden arbeiten wollte. Die Aussage ist schon allein deswegen etwas in Zweifel zu ziehen, da Jersey Girl mit Ben Affleck und George Carlin ebenfalls Freunde des Regisseurs besetzte und sein Nachfolger Zack and Miri Make a Porno mit Seth Rogen und Elizabeth Banks kaum „persönlicher“ gewesen sein konnte, als hier nun Clerks II. Von Smiths erstem Studiofilm Cop Out (hier immerhin Jason Lee und Seann William Scott) ganz zu schweigen.

Die (unberechtigte) Kritik an Jersey Girl hatte dem dicklichen Auteur fraglos zugesetzt. Da traf es sich gut, dass er bereits im Abspann von Dogma angekündigt hatte, dass es eine Fortsetzung zu seinem Debütfilm Clerks. geben würde. Weg also von den teuren Produktionen voller Stars (Jay & Silent Bob Strike Back kostete 20, Jersey Girl 35 Millionen US-Dollar) und zurück zum Filmen vor Ort mit altbekannten Gesichtern. Dennoch lagen die Kosten für Clerks II bei einem Budget von fünf Millionen Dollar fast zweihundert Mal so hoch, wie zwölf Jahre zuvor für Smiths Debütfilm, was eine Nostalgiestimmung unwahrscheinlich gemacht haben dürfte. Um nicht in alte Muster zu fallen, lässt Smith zu Beginn des Filmes den Quick Stop abbrennen, weshalb sich ein Arbeitsplatz- und damit auch Umweltwechsel für die beiden Hauptprotagonisten anschickt.

Und was trifft sich da besser, als Mooby’s, die eigene fiktive Fast-Food-Kette des Askewniverse. Grundsätzlich geändert hat sich dennoch nicht viel. Randal (Jeff Anderson) ist immer noch der vorlaute, Kunden vergraulende Mitarbeiter der er immer war und vor dem Laden lungern weiterhin Jay (Jason Mewes) und Silent Bob (Kevin Smith) herum - wenn auch inzwischen clean. Die Parallelen ziehen sich auch in Dantes (Brian O’Halloran) Leben, der sich erneut zwischen zwei Frauen sieht, was neben dem Publikum auch Randal verwundert („You're the most hideous fucking chud I've ever met, and you always have a pair of girls fighting over you“). Immerhin variiert Smith das Szenario, indem er Dante sich diesmal gegen die aktuelle Freundin und für das frühere Sexabenteuer entscheiden lässt. Auch wenn seine Entscheidung erneut zugunsten der charakterlich positiveren Dame ausfällt.

Im Gegensatz zu Clerks. versucht sich die Fortsetzung nun darin, eine zusammenhängende Geschichte zu präsentieren, die nicht durch willkürliche Episoden ständig unterbrochen wird. Zwar müssen sich Dante und Randal (erneut) mit aufgeregten Kunden oder einem ehemaligen Klassenkameraden (Jason Lee) auseinandersetzen, doch grundsätzlich verfolgt der Film die Dreiecksbeziehung zwischen Dante, seiner Verlobten Emma (Jennifer Schwalbach-Smith) und seiner Vorgesetzen Becky (Rosario Dawson). Während Randal für diese Konstellation nur gelegentlich eine präsente Rolle spielt, platziert ihn Smith ansonsten neben seinen neuen „Sidekick“ Elias (Trevor Fehrman) - einen christlichen Nerd, extremsten Lord of the Rings-Fanatiker und weiteren Mitarbeiter (bzw. Mitarbeiter des Monats) in der Fast-Food-Restaurant-Kette von Mooby’s.

Mochte man beim Vorgänger noch kritisieren, dass er eine wilde Ansammlung von kleinen, zusammenhangslosen Szenen darstellte, fällt die Kritik zur Fortsetzung nun dahingehend aus, dass versucht wird eine stringente Geschichte zu erzählen. In Verbindung mit dem Geist des Vorgängers gelingt dies nur mittelprächtig. Schon allein die Einführung von Jay und Silent Bob will nicht so recht gefallen und mit seiner Tanzeinlage hat sich Smith alles andere als einen Gefallen getan. Vieles wirkt wenig stimmig, sei es die plötzliche Butch Cassidy & the Sundance Kid-Hommage oder die Übernahme von Smiths Lord of the Rings-Anekdote aus An Evening With Kevin Smith 2: Evening Harder. Was man an inhaltlichen oder inszenatorischen Schwächen seinem Debütfilm noch verzieh, will man nun, zwölf Jahre später, nicht mehr gelten lassen.

Löblich, wenn Smith versucht sich selbst zu zitieren, doch wenn er seinen beiden nutzlosen Szenen wie den Ausflügen außerhalb des Ladens (einmal im Auto/Go-Kart, einmal aufs Dach) ein Echo schenkt, macht er letztlich nur erneut denselben Fehler. Viele der Spiegelungen sind weniger gelungen, zum Beispiel die direkte Filmreferenz (The Empire Strikes Back vs. The Return of the Jedi/Lord of the Rings vs. Star Wars) oder die Probleme Dantes mit seiner Freundin. Dafür versucht Clerks II zu sehr auf der einen Seite nicht so zu sein, wie Clerks. und auf der anderen Seite den Vorgänger unentwegt zu zitieren. Analog kann man hierzu Jay und Silent Bob lesen, die zwar zugleich das repräsentieren wollen, was sie früher waren, ohne aber identisch mit ihren vergangenen Persönlichkeiten sein zu wollen. Abgesehen von ihrer The Silence of the Lambs-Hommage tragen sie auch nicht sonderlich viel zum Film bei (im Vergleich zu den anderen Askewniverse Filmen seit Clerks.).

Dennoch weiß Smith auch hier mit einigen brillanten Einfällen aufzuwarten. Sei es zum einen Randals gesamter „porch monkey“-Plot („It’s cool, I'm taking it back“) oder aber insbesondere die Pussy-Troll-Szene zwischen Randal und Elias. Somit ist wie schon im ersten Teil Randal die Figur, die den Film zusammenhält. Allerdings sind jedoch die schauspielerischen Leistungen weitaus gefälliger als vor zwölf Jahren. Anderson und O’Halloran können nun ihre Dialoge in einem ruhigeren Tempo führen und Ergänzungen wie Fehrman und Dawson machen sich sowohl inhaltlich als auch schauspielerisch bezahlbar. Enttäuschend ist aufgrund seiner debilen Grimassen eigentlich nur Smith selbst, was sogar seine Frau - die er scheinbar nun in jedem seiner Filme besetzen muss - erträglich macht.

Im Nachhinein ist Clerks II daher eine kleine Enttäuschung, kann der Film doch weder als eigenständiger Film noch als Fortsetzung zum Vorgänger überzeugen. Dass Smith gerade noch so die Kurve kriegt verdankt er auch seinem Ende, dass zum ersten Mal wirklich Nostalgie zu erzeugen vermag, wenn Randal und Dante wieder im Quick Stop stehen, die Farbe ins Schwarz-Weiß übergeht, Walter Flanagan Zigaretten kauft und Smiths Mutter vor dem Kühlregal kniet, um das Haltbarkeitsdatum der Milchgallonen zu überprüfen. Nett war es, mal wieder vorbeigeschaut zu haben. Auch wenn das meiste nicht so war, wie man es in Erinnerung hatte. Immerhin schien es sich Smith mit Clerks II nun wieder bewiesen zu haben - wenn auch nur sich selbst gegenüber.

5.5/10

9. Februar 2010

Clerks.

I’m not even supposed to be here today!

Für Smith-Fans ist die Geschichte der Entstehung von Clerks. ein alter Hut. Nicht zuletzt, weil er sie bei verschiedenen Gelegenheiten, sei es ein Audiokommentar zu einem der späteren Filme oder seinen Evenings with Kevin Smith, gerne selbst rezitiert. Angefangen mit Kevin Smiths Wunsch Regisseur zu werden. Der Besuch einer Filmhochschule in Vancouver wird nach vier Monaten abgebrochen, weil Rumsitzen und nicht selbst Drehen dem New Jerseyer missfiel. Erinnerungen an Francis Ford Coppola und seine Zeit an der UCLA werden wach. Immerhin lernte Smith in Kanada Scott Mosier kennen, der nicht nur zu seinem Freund sondern View-Askew-Partner werden sollte.

Mit 23 Jahren drehte Smith anschließend über einen Zeitraum von drei Wochen jede Nacht zwischen 22.30 und 05.30 Uhr an seinem Arbeitsplatz seinen Debütfilm. Dabei arbeitete der Twen damals selbst tagsüber noch im Quick Stop Lebensmittelgeschäft, worin sich auch seine Inspiration zum Film findet. Finanzieren konnte Smith den Film nur deshalb, weil er einen Großteil seiner Comicsammlung verkaufte, Kreditkartenanträge stellte und sich Geld von Freunden und Familie lieh. Was folgte, waren Auszeichnungen bei den Filmfestivals in Sundance, sowie in Cannes und der Start einer Karriere, die bis heute anhält.

Nachdem Harvey Weinstein und Miramax die Filmrechte kauften, wurde der erste Schnitt von Smith und Mosier erst einmal getrimmt, unter anderem auch bezüglich des sehr unstimmigen aber dennoch im Grunde passenden Endes. Als Miramax die musikalische Untermalung austauschte, kam es zu dem bizarren Vorfall, dass die Rechte an den Musikstücken teurer waren, als der eigentliche Film selbst. Rechnet man beide Kosten zusammen, kostete Clerks. selbst insgesamt so viel, wie eine Sekunde von James Camerons Welterfolg Titanic drei Jahre später. Und obschon Smiths Debütfilm nie mehr als auf fünfzig Leinwänden gleichzeitig lief, gelang es dem Film das 23-fache seiner Kosten einzuspielen.

Daraus resultierte eine jahrelange Partnerschaft zwischen Smith, Mosier und Weinstein bzw. View Askew und Miramax, welche bis heute anhält. Dass Smith mit Clerks. den Auftakt zu seinen Askewniverse Chronicles bilden würde, war ihm damals noch nicht bewusst. Auch nicht, dass zwei nebensächliche Figuren wie Jay (Jason Mewes) und Silent Bob (Kevin Smith) zu Kultfiguren avancierten, die Smiths Karriere über ein Jahrzehnt lang begleiten sollten. Zwölf Jahre später würden Smith und Co. an ihre Ursprünge zurückkehren und mit Clerks II einen Film drehen, dessen Einspiel von 24 Millionen Dollar Beweis genug ist, welche Fangemeinschaft Smith insbesondere dank Clerks. aufgebaut hat.

Was Kevin Smiths Filme auszeichnet, sind seine Dialoge. Ähnlich wie bei Filmen von Woody Allen spielt sich weniger eine Handlung ab, als dass die Hauptfiguren nonstop drauf los quatschen. Im Gegensatz zu seinen späteren Filmen merkt man Clerks. jedoch an, dass die Darsteller nicht nur wenig Erfahrung mit Schauspiel haben, sondern das Zeitfenster auch sehr gering war. Die Dialoge zwischen Dante (Brian O’Halloran) und Randal (Jeff Anderson) sind oftmals wie ein Shoot-Out mit einem Maschinengewehr, in welchem sich die beiden Schauspieler die Sätze ohne wirkliche Pause wie Bälle zu spielen. Als würde man einem Match zwischen Roger Federer und Rafael Nadal zuschauen, zumindest was die Geschwindigkeit angeht.

Das ist nicht sonderlich tragisch, aber wirkt etwas unnatürlicher als es in seinen späteren Projekten der Fall ist. Allerdings muss man Smiths Film auch im Kontext seiner Entstehung sehen, spielen doch fast ausschließlich Freunde und Verwandte die Rollen in seiner Geschichte. Manche wie Scott Mosier und Walter Flanagan übernahmen sogar drei oder mehr Rollen, während mit Anderson ein High School Freund von Smith in einer der Hauptrollen auftaucht, obwohl er noch nie geschauspielert hat. Umso beeindruckender, dass Clerks. letztlich Andersons Film durch und durch ist, im Vergleich zu späteren Filmen, wo Mewes diesen Part übernehmen würde.

Eine wirkliche Handlung besitzt Smiths Debütfilm wie erwähnt nicht. Sieht man davon ab, dass Dante sechs Stunden im Quick Stop aushelfen muss und schließlich den ganzen Tag dort verbringt. Und davon, dass er sich mit seiner Freundin Veronica (Marilyn Ghigliotti) aufgrund deren Sexvergangenheit überwirft („My girlfriend sucked 37 dicks“ – „In a row?“) und versucht mit seiner Ex-Freundin Caitlin (Lisa Spoonhauer) zusammen zu kommen. Doch eigentlich beinhaltet der Film nur eine Ansammlung von kleinen Segmenten, die inhaltlich durch den Quick Stop als Handlungsort zusammengehalten werden. Dass Smith diese mit jeweils einem Fremdwort als übergreifende Einleitung versieht, zählt dabei eher zu den negativen Seiten seines Debüts.

Zumindest hätte es der Titelkarten nicht bedurft, insbesondere da sie den Erzählfluss der Handlung stören. Es ist wie schon das Dialogfeuer kein Dilemma, aber etwas, dass man hätte vermeiden können. Zu den Dingen, die nicht wirklich passen wollen, gehören auch die beiden Ausflüge außerhalb des Ladens. Sowohl das Hockey-Game als auch die Totenwache wirken etwas deplatziert und nur leidlich stimmig mit dem Rest des Geschehens. Das Hockey dabei noch mehr als die Totenwache, die zumindest aufgrund von Randals Geschichte über seinen und Brodys Cousin eine amüsante Note erfährt. Ebenso wie auch die verlorenen Szene der Totenwache selbst, die Smith als animierte Version auf die Clerks-X-DVD packen ließ, aufgrund ihrer Verbindung zu Mallrats und Chasing Amy nostalgisch gerät.

Die Einordnung ins Askewniverse ist zudem einer der Faktoren, die den Film so herzlich machen. Nicht nur, dass Clerks., wie sich herausstellt, einen Tag nach den Ereignissen in Mallrats spielt, sondern auch die verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen Figuren wie Randal und Brody oder Alyssa Jones und ihrer Schwester Heather. Unbestreitbar verfügt Smiths Debüt über allerlei Charme, schon alleine wegen der grandiosen Szene bezüglich des Todessterns in Star Wars. Für einen Debütfilm, der unter diesen Umständen entstanden ist, ist das sicherlich mehr als ordentlich, auch wenn der Film unter kritischen Augen nicht perfekt ist. Als Auftakt für eine Karriere, die später Werke wie Chasing Amy oder auch mit Jay & Silent Bob Strike Back den vielleicht größten Insider-Film aller Zeiten beinhalten würde, geht Clerks. schwer in Ordnung.

Da verzeiht man es dem Film auch, dass die Audiokommentare dieses Mal nicht so unterhaltsam sind, wie in späteren Beiträgen (wobei ein einschlafender Mewes im 95er-AK schon eine Wucht ist). Grundsätzlich lässt sich auch sagen, dass der ursprüngliche Schnitt etwas stimmiger daherkommt als die Kinofassung. Sieht man einmal vom Ende ab, welches zwar durchaus passend ausfällt, bedenkt man die Ironie, dass Dante eigentlich gar nicht arbeiten sollte, aber ein derart deprimierender Schluss nicht zum Rest des sonst so abstrusen Humors passen möchte. Ansonsten ist Clerks. aber eine wirklich gelungene und unterhaltsame verfilmte Anekdote aus dem Munde Kevin Smiths. Wenn man denn den Film als solche verstehen will.

7.5/10

26. Juli 2009

Dogma

Consequences schmonsequences.

Kaum etwas eignet sich besser für überspitzte Satire, als die Religion. Das Christentum insbesondere. Christen, die einen toten jüdischen Zimmermann anbeten und behaupten, er sei sowohl von Gott gezeugt, als auch Gott selbst. Sprich: sein eigener Vater bzw. der Befruchter seiner eigenen Mutter. Sehr viel perverser kann eine Religion wahrscheinlich nicht sein. Umso mehr Angriffsfläche bietet sie natürlich zur Persiflage. Die vielleicht Bekannteste von ihnen ist Monty Pythons Life of Brian. In neuer Zeit ruft man sich gerne auch Kevin Smiths Dogma ins Gedächtnis, der 1996 für einige Kontroversen sorgte und letztlich vom Familienstudio Walt Disney zu den Weinsteins bei Miramax abgewälzt wurde. Obschon der Film vor Beginn mit einer Texttafel aufwartet, die das kommende Geschehen als Spaß kennzeichnet, flatterten Smith nach Start des Filmes dreiviertel Todesdrohungen ins Haus. Die letzte Todesdrohung schlug im weiteren Verlauf scheinbar einen freundlicheren Ton ein, weshalb sie der Regisseur nicht ganz zählen lassen will. Dass Smith Sinn für Humor hat, beweist auch seine Protestaktion gegen seinen eigenen Film („Dogma is dogshit!“).

Die Frage ist: worüber regen sich alle auf? Darüber, dass Gott eine Frau sein soll? Oder dass Gott eine Kanadierin sein soll (für Amerikaner sicherlich ein gewichtiger Grund)? Dass Chris Rock einen afroamerikanischen Apostel gibt? Behauptet wird, Jesus Christus sei selbst von afrikanischer Herkunft gewesen? Der Golgathaner, der wandelnde Scheißhaufen? Es will einem bei Sichtung dieses die meiste Zeit doch sehr infantilen Filmes nicht klar werden, worüber sich die Gemüter so erhitzt haben, dass man einen Filmboykott verlangte oder dem Regisseur den Tod an den Hals wünschte. Denn letztlich erweist sich Dogma als flaches Filmchen, dem eine stringente Handlung fehlt und welches außer seinen zahlreichen, sehr liebevollen Filmzitaten am subtilen Witz eines Life of Brian mangelt, während es sich (zu oft) auf den smith’schen Humor verlässt. Auch das Schauspielensemble lässt erkennen, dass es nicht weiß, ob es sich vollkommen dem Nonsens ergeben oder zumindest teilweise Seriosität aufrecht erhalten soll. So ist Smiths Abrechnung mit dem Römisch-Katholischen Glauben im Nachhinein zu kindisch und unausgegoren geraten. Dies mag auch damit zusammenhängen, dass der Autor das Drehbuch bereits vor Clerks. geschrieben hatte und somit in einer Phase steckte, in der er weitaus mehr Probleme hatte, eine zusammenhängende (funktionierende) Geschichte zu erzählen.

Zahlreiche Ansätze sind überaus nett geraten. Sei es Gottes Affinität zum Minigolfspiel, welche die Ereignisse lostritt oder aber Lokis (Matt Damon) Alice-Analogien, die eine Nonne zur Atheistin werden lassen. Doch nicht jeder Witz gegen die Kirche will sitzen und meist verpuffen die ganzen Nicklichkeiten, die oft derart mit Trivialitäten (die Muse und Home Alone, der Apostel und Rassismus) daherkommen, dass sich beide Punkte die Waage halten und meist die andere Richtung einschlagen. Einfälle wie Bethany (Linda Fiorentino), eine vom Glauben abgefallene Mitarbeiterin einer Abtreibungsklinik, jede Woche in die Kirche gehen zu lassen, bilden da die Ausnahme. Getoppt nur noch von Kardinal Glicks Innovation das Kruzifix durch Buddy Jesus zu ersetzen. Als Kirchen-Satire misslingt Dogma dennoch, die Szene mit dem (miserabel animierten) Golgathaner zeigt dies überdeutlich. Weder als Anspielung auf Golgatha, noch als witzige Einstellung per se (Silent Bobs Überwindung des Golgathaners wird viel zu naiv abgehandelt) will diese funktionieren. Ohnehin hat Smith große Probleme selbst die kleinen Segmente zu einem nachvollziehbaren Ende zu bringen. Das gilt neben dem Golgathaner auch für die Einbindungen von Metatron (Alan Rickman), der Muse (Salma Hayek) und Rufus (Chris Rock). Der einzige Grund weshalb Jay (Jason Mewes) und Silent Bob (Kevin Smith) in die Handlung eingewoben werden, ist um eine Verbindung zu Smiths Askewniverse herzustellen.

So namhaft die Besetzung auch ist, wird man meist das Gefühl nicht los, dass die Schauspieler eher schlecht als recht mitmachen. Die Dialoge kommen meist ungemein platt daher, gerade Chris Rock scheint große Probleme zu haben, seinen Text entsprechend los zu werden. Fiorentino wirkt zudem derart gelangweilt, dass Joey Lauren Adams oder Shannen Doherty ziemlich offensichtlich die bessere Wahl gewesen wären. Derweil schlagen sich Jason Lee (Azrael), Matt Damon und Ben Affleck (Bartleby) so gut sie können, schwanken aber in ihrer Glaubwürdigkeit. Während Affleck erst im Finale richtig aufdreht, zeigt sich gerade in Damons Szenen, dass er zum ersten Mal (richtig) mit Smith zusammenarbeitet. Auch Rickman und Hayek bleiben weit hinter ihren Möglichkeiten zurück, speziell der Brite wirkt etwas deplatziert, was er – achtet man auf sein Schauspiel – auch bisweilen selbst zu merken scheint. Letztlich ist es paradoxerweise Mewes, der den Film an sich zu reißen weiß. Dies mag auch daran liegen, dass er das komplette Drehbuch auswendig gelernt hatte, um sich vor Hans Gruber keine Blöße zu geben. Es sind aber auch so stets seine Augenblicke („Snooch to the booch!“, „Snoogans“, „So that would make Bethany... part black?“, „I get it! Holy Bartender! That's a great one!“), die dem Film seine starken humoristischen Momente verleihen. Dogma hadert einfach viel zu sehr damit, Kevin-Smith-Humor in eine ernstzunehmende Satire zu packen. Ob der Amerikaner dies überhaupt wollte, spielt dabei nicht wirklich eine Rolle, bei einem Thema dieser Rangordnung ist es eigentlich unabdingbar.

Was Smiths vierten Film allerdings so "gelungen" und charmant macht, sind seine etlichen Hommagen an Klassiker des Kinos. Sei es die beim Regisseur obligatorische Star-Wars-Referenz über The Karate Kid, The Incredible Hulk, Indiana Jones and the Last Crusade bis hin zu den Verweisen an Bill & Ted’s Bogus Adventure sowie mehreren John-Hughes-Filmen. Hiermit bestätigt sich Smith wieder selbst, indem er einen Film im Nachhinein für sich selbst dreht und was noch viel wichtiger ist, dies mit seinen Freunden tut. Neben Affleck, Mewes, Lee und Produzent Scott Mosier finden sich einige andere bekannte Gesichter in kurzen Gastrollen wieder. Sei es Brian O’Halloran, Jeff Anderson oder Dwight Ewell. Es sind ihre Auftritte, neben den Filmzitaten und allem voran Jason Mewes, die Dogma vor einem schlimmeren Urteil bewahren. Man könnte den Film ansonsten zwar nicht als „dogshit“ bezeichnen, aber eine wirkliche Klasse würde man ihn dennoch nicht (auch nicht unter Berücksichtigung der positiven Aspekte) attestieren wollen. Nach dem exzellent gelungenen Chasing Amy fällt Smith also bei seinem Spagat zwischen Kirchenkritik und privatem Humor wieder etwas zurück, sogar hinter Mallrats. Immerhin bewies er mit Jay & Silent Bob Strike Back, dass er durchaus eine Schnittfolge von Nonsens-Sketchen abliefern kann, die zwar keine Geschichte erzählen will, dies aber hinsichtlich ihrer Prämisse auch nicht zu tun braucht.

5.5/10

24. April 2009

Zack and Miri Make a Porno

Lester the Molester Cockenschtuff.

Was macht eigentlich Bob Weinstein? Gibt es Bob Weinstein überhaupt? Oder ist das so ein verkappter Donald Kaufman? Weil man immer nur von seinem diabolischen Bruder Harvey hört oder liest. Eben jener Harvey ist unter anderem ein Förderer von Quentin T. und Kevin S. aus New Jersey. Mit jenem Kevin S., dessen Name die Redaktion als Kevin Smith enthüllen möchte, traf sich der böse Harvey mal zu Mittag. Smith pitchte Harvey seine Idee eines Filmes Zack and Miri Make a Porno. Harvey erwiderte, dass der Film von ihm produziert würde, dabei hatte Smith ihm nichts über das Projekt mitgeteilt, außer dessen Titel. Im Nachhinein muss man sagen: das erklärt einiges. Sicherlich schreibt Smith nicht die intelligentesten Drehbücher in der Industrie, ohne Frage sind seine Charaktere redundante Abziehbilder von Klischees. Das mag man Smith alles vorhalten und nichtsdestotrotz bin ich ein sehr großer Fan dieses Mannes. Mir gefällt sogar Jersey Girl, den alle verdammen. Mich hatte die Idee von Zack and Miri Make a Porno nicht unbedingt umgehauen (obschon ich zum Trailer den Satz verfasste: „In meinen Augen kann Smith generell sehr wenig falsch machen“.). Manchmal irrt man sich eben.

Da sind sie nun, die beiden Slacker namens Miri (Elizabeth Banks) und Zack (Seth Rogen), die sich seit der ersten Klasse der Grundschule kennen – zwanzig Jahre um genau zu sein – und zusammen in einer WG leben. Oder treffender gesagt: überleben. Das Geld reicht hinten und vorne nicht, der Stapel mit den unbezahlten Rechnungen vegetiert vor sich hin. Es gibt bessere Voraussetzungen zu einem Klassentreffen zu fahren, auf welchem man offensichtlich deplatziert wirkt. Nicht nur ist der Schwarm vergangener Jahre (unglaublich schlecht: Brandon Routh) plötzlich schwul, sondern ein Handyvideo von Miris Unterwäsche kursiert auch bereits durchs Netz. Doch das ist erst die Spitze des Eisberges, denn – oh Wunder – zu Hause angekommen, wird Wasser und Strom abgeschaltet. Was machen, ja, das ist die große Frage. Und weil Brandon (Justin Long), der Freund von Miris Schwarm Bobby, im Pornogeschäft ist, kommt Zack die rettende Idee. Einfach selber einen Porno drehen, in welchem Miri und er gemeinsam Sex haben. Schließlich vögelt Miri eh alles was nicht bei Drei auf den Bäumen ist und für Männer ist Sex nun mal einfach nur Sex.

Was Smith hier dann als „Drehbuch“ vom Stapel lässt, ist gelinde gesagt recht enttäuschend. Erst wird minutenlang an einem möglichen Titel für den Porno rumgespielt (was bereits nach dem fünften Titel ausgelutscht wirkt), um dann in einer der folgenden Szenen das „Filmstudio“ einreißen zu lassen, gerade als man drehen wollte. „Oh, wie sollen Zack und Miri nun den Porno drehen?“, soll man sich wohl fragen, wohl wissend, dass sie ihn drehen werden. Als kleine Referenz an seine eigene Karriere verlegt Smith das Prozedere nun an den Arbeitsplatz von Zack. Schließlich musste er selbst damals für Clerks. auch an seinem Arbeitsplatz mit Freunden drehen. Man fragt sich dann aber doch, wann Zack und Miri eigentlich Schlafen, wenn sie bis Sonnenaufgang an ihrem Porno drehen, um anschließend zur Arbeit zu gehen. Hier wirkt alles viel zu sehr wie Mittel zum Zweck und der Übergang vom ersten zum zweiten Akt ist mehr als harsch. Die einzelnen Szenen des Pornos werden kurz gedreht, die emotionale Spannungsschraube natürlich hinsichtlich des sexuellen Aktes von Zack und Miri angedreht und zwischendurch bezahlen die Freunde alle überfälligen Rechnungen, damit es dem Pärchen auch nicht allzu schlecht geht.

Nun ist es schon alleine im Genre begründet, dass Zack und Miri zusammen kommen. Und wie immer, wenn man bestimmten Genrekonventionen folgt, geht es nicht darum was man sagt, sondern wie man es sagt. Da kennen sie sich seit zwanzig Jahren, der Zack und die Miri, haben sich des Öfteren nackt gesehen, aber nie sexuelles Interesse aneinander gezeigt. Bis sich ihre Lippen eben zum ersten Mal berühren. Und schon kribbelts im Bauch und die Schmetterlinge rasen wie Flugzeuge umher. Ja, nee, is klar – komm, hör mir doch auf. Das kauft niemand den Figuren ab und das ist schlampiges Schreiben von Smiths Seiten aus. Wo der Regisseur, Autor, Produzent und Cutter in Personalunion sich bei Chasing Amy bzw. Jersey Girl noch ausgiebig Zeit gelassen hat, um den Weg von Freundschaft zu Beziehung der Figuren Holden und Alyssa bzw. Ollie und Maya glaubhaft zu verkörpern, berühren sich hier zwei Lippen und sofort entbrennt eine nicht geahnte Leidenschaft. Dies wirkt gerade deswegen heuchlerisch, weil die Figuren vorab noch ausdiskutieren, dass sie sich mehrfach nackt gesehen haben und seit der Grundschule kennen. Hinsichtlich der Tatsache, dass Miri scheinbar eh niemanden von der Bettkante stößt, wirkt die plötzliche Eifersuch vor den geplanten Sexszenen doch mehr als befremdlich.

Wie dilettantisch Smith hier sein Drehbuch hingerotzt hat, merkt man dann besonders im Finale. Nach der kurzen Klimax folgt schließlich nochmals das große Tabula Rasa innerhalb von zehn Minuten. Da ist es bittere Ironie, wenn Delaney (Craig Robinson) zu Zack meint, dass ihr Film keine Handlung (oder ein Ende) habe. Hat Zack and Miri Make a Porno schließlich ebenfalls nicht bzw. gerade soviel, dass man sie in einem Bloodhound Gang Video hätte erzählen können. Das kennt man von Smith nicht nur eigentlich besser, das kann man von ihm auch besser erwarten. So verwundert es dann doch, wenn seine achte Regiearbeit das mit Abstand schlechteste Werk innerhalb seiner ansonsten recht ansehnlichen Filmographie ist. Der Film verfügt weder über den Charme eines Chasing Amy, noch über den Witz eines Jay & Silent Bob Strike Back, den versuchten Zynismus eines Dogma oder die Wärme eines Jersey Girl. Das ist über weite Strecken zu lieb- und leblos und zugleich größtenteils ohne Sinn und Verstand zusammengeschustert. Die Dialoge sind flach, die Charaktere extrem eindimensional und die Entwicklung der Handlung wie angesprochen nicht wirklich vorhanden.

Exemplarisch für das Versagen des Filmes steht seine Besetzung. Seth Rogen und Elizabeth Banks entwickeln keine rechte Chemie, wirken stets wie zwei Schauspieler, die bezahlt wurden, um sich als Freunde auszugeben. Vielleicht wäre dem Film mehr geholfen, hätte Smith die Hauptrollen mit Jason Lee und Joey Lauren Adams besetzt. Unterboten wird die Besetzung von Rogen und Banks nur noch von der Darstellung Longs und Rouths. Das ist speziell bei Letzterem mehr als peinlich anzusehen, wie der Superman-Schauspieler versucht eine Rolle zu verkörpern, für die er überhaupt kein Talent mitbringt (und das ist bei einer derart simplen Figur, mehr als erschreckend). Ein Gewinn stellen lediglich die Smith-Zöglinge Jeff Anderson und Jason Mewes dar, auch wenn gerade die letzten beiden bedauerlicherweise viel zu kurz kommen. Letztlich ist es zu empfehlen, über Zack and Miri Make a Porno den Deckmantel des Schweigens zu hüllen. Nun ist Smiths letzter Film bei Weitem nicht das Gelbe vom Ei, weiß aber doch bisweilen mit dem Witz des Regisseurs aufzuwarten (allein wie Zack allmählich herausfindet, welcher Arbeit Brandon nachgeht oder er den Streit des Schwulenpärchens bewertet). Dennoch beweist der Film einmal mehr, dass Smith kein wirkliches Händchen dafür zu besitzen scheint, Hollywood-Schauspieler an Stelle seiner Freunde zu inszenieren. Somit ist sein Film zwar noch Durchschnitt, lässt aber für Cop Out - seine erste Studioarbeit - nichts Gutes ahnen.

5/10