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22. Juni 2012

Hoop Dreams

My mother, God bless her, she’s always said
in America you can make something of your life.

-- Gene Pingatore

Die wunderbare Welt des Profi-Sports bietet vielen Menschen die scheinbar einzige Ausflucht aus ärmlichen Verhältnissen. Egal ob Fußballer in Brasilien oder Basketballspieler in den USA, die Geschichten der „Ghetto-Kids“, die es zu Ruhm und Reichtum gebracht haben, nähren die Träume und Hoffnungen der nachfolgenden Generationen. So auch die der beiden 14-jährigen Chicagoer Jungen William Gates und Arthur Agee, die gerne denselben Weg beschreiten würden wie Isiah Thomas. Aufgewachsen auf der Chicagoer West Side, spielte er Basketball für die St. Joseph High School und landete später in der NBA. In Steve James’ Dokumentation Hoop Dreams von 1994 scheint sich seine Geschichte zu wiederholen.

Ursprünglich 1987 als 30-minütiges Feature für PBS geplant, folgten James und sein Team anschließend ganze fünf Jahre und 250 Stunden Filmmaterial lang den beiden afroamerikanischen Jungen William und Arthur, wie sie als 14-Jährige im Chicagoer West Garfield Park gescoutet und an die St. Joseph High School in Westchester gelockt wurden. Hier erwartete sie das Versprechen auf ein besseres Leben. Eine bessere Bildung und eine bessere Perspektive, um wie Isiah Thomas den Sprung in die Profi-Liga zu schaffen. Stolze drei Stunden waren sie jeden Tag unterwegs (dabei ist ihr Viertel nur 16 Kilometer von St. Joseph entfernt), um die primär von weißen Schülern besuchte High School zu erreichen.

Kein einfacher Wechsel für die Jungen, die ein bis zwei Jahre im Unterrichtsstoff zurück sind und sich in der neuen Umgebung erst zurecht finden müssen. “I just never been around a lot of white people“, beschreibt Arthur gegenüber James seine Gefühle. Aber weder er noch William wollen sich unterkriegen lassen, die Herausforderung annehmen. “You can see your child mature“, sieht Sheila Agee die ersten Früchte des Schulwechsels. Für die Kids aus der Chicagoer West Side gilt es somit, sich in die römisch-katholische Welt von St. Joseph anzupassen. “The kids that are willing to do it are going to take something away that will help them for the rest of their lives“, verspricht Basketball Coach Gene Pingatore.

Zugleich ergänzt er, diejenigen, die sich nicht anpassen wollen, “are not going to be very successful as far as here“. Es herrscht ein Geben und Nehmen. Die Schule gibt eine Bildung auf die sich aufbauen lässt, die afroamerikanischen Jugendlichen geben ihr sportliches Talent der Schule. In einer späteren Szene wird Regisseur Spike Lee es einigen Kids in einem Nike Camp nochmals eintrichtern, sollten sie es vergessen haben. Ihr seid hier, um dem weißen Mann Spiele zu gewinnen. Schafft ihr das, verdient die Schule mehr Geld. An den Teenagern selbst ist man wenig interessiert, wie Arthur nach einem Jahr erfahren muss. Als im neuen Schuljahr die Gebühr erhöht wird, können sie seine Eltern nicht mehr bezahlen.

“You have to draw a line“, verteidigt Pingatore die Entscheidung. William hat diese Probleme nicht, denn die Hälfte seiner Schulgebühren (den Rest übernahm für beide St. Joseph) wird von einer reichen weißen Familie bezahlt. Für viele erscheint William als der neue Isiah Thomas, was dieser sichtlich als Belastung ansieht. “I’m trying to build my own identity“, sagt er verschmitzt. Während es William ins Varsity Team schafft, spielt Arthur bei den Freshmen. Am Ende hat sich sein Talent für St. Joseph wohl einfach nicht genug rentiert. Die Folge: Ein erneuter Schulwechsel, der ihn ein halbes akademisches Jahr kostet. Selbst seine Zeugnisse gibt man erst dann heraus, als die Eltern die fällige Restgebühr beglichen haben.

Fortan entwickeln sich die beiden Freunde unterschiedlich. William wird der Star seines Schulteams, im Sommer vermittelt ihm seine weiße Sponsorenfamilie ein Praktikum oder er besucht das Nike Camp für talentierte Spieler. Arthur dagegen muss zurück auf die West Side und besucht die John Marshall High School mit Wachpersonal am Eingang. Sein Vater verlässt die Familie, seine Mutter lebt von Sozialhilfe und Arthur verbringt die Sommer mit Blödeleien und jobbt später bei Pizza Hut. Mit den Marshall Commandos hat er nur bedingt Erfolg, während es William mit den St. Joseph Chargers zumindest in die Playoffs schafft. Wo Arthurs Leben von Leichtigkeit beherrscht wird, steht bei William der Druck.

Für ihn gilt es, dem Schatten von Isiah Thomas und den daraus folgernden Erwartungen an ihn gerecht zu werden. Was folgt, kennt man aus nahezu jedem High School Film: Der Star-Spieler fällt aus. Nach einer Verletzung steigt William zu früh ins Training ein, reißt sich dabei fast das Kreuzband und muss drei Monate pausieren. Er wird nach Operation und Reha in einem wichtigen Spiel wieder eingesetzt, die Ungewissheit der körperlichen Fitness dabei wie ein Damoklesschwert über ihm schwebend. Hält das Knie und damit seine Chance auf eine NBA-Karriere? “When this happens“, weiß Pingatore, “they may never be the player they were“. Oder in vielen Fällen zutreffender: Der Spieler, zu dem sie hätten werden können.

Williams Geschichte in Hoop Dreams ist eine von Rückschlägen. Neben seiner Verletzung und etwaigen Rückfällen muss er auch um das Bestehen seines Studierfähigkeitstest (SAT) bangen, während seine Freundin eine Tochter zur Welt bringt. Für William geht es um viel, hat er mit seinem großen Bruder Curtis doch bereits ein Familienmitglied, das einst ein Basketball-Stipendium verlor und sich später als Wachmann verdingte. Und trotz aller Ereignisse glaubt auch Arthur noch an seinen Traum von der großen Karriere. “This is what I wanna do for the rest of my life“, erklärt er. Basketball erscheint als eine der wenigen Perspektiven im Viertel, das für die Jugendlichen meist nichts Konstruktives bereithält.

“You can see why half of ‘em become gangbangers”, sieht auch Arthurs Mutter das Problem. Und mehr und mehr kristallisiert sich in James’ Film heraus, dass dies die Geschichte ihres Sohnes ist. Die Tragik wohnt sicher William bei, die Hoffnung personifiziert sich aber in Arthur. Wie es ein Hollywood-Regisseur nicht besser (oder anders) inszenieren könnte, nimmt die Entwicklung der Geschehnisse im Abschlussjahr der beiden Jugendlichen ihren ganz eigenen Lauf. Es ist verständlich, wieso Steve James so fasziniert von diesem Milieu gewesen ist und dass aus einem 30-Minuten-TV-Feature eine Kino-Dokumentation von fast schon epischen drei Stunden Lauflänge wurde, die das 17-fache ihrer Kosten einspielte.

Verdientermaßen gilt Hoop Dreams weithin als einer der besten Sportfilme aller Zeiten. Die Geschichte weist alle Stärken auf, die dem Genre verhaftet sind, ohne dass jedoch die Klischees wie Klischees wirken. Wer ein Fan des Sports ist, kommt auf jeden Fall auf seine Kosten, selbst wenn das Spiel an sich eher im Hintergrund steht. Hoop Dreams ist vielmehr eine Milieustudie, die sich wie so viele Filme mit dem klassischen Thema des American Dream beschäftigt. Für William und Arthur ist Basketball der einfachste Ausweg aus einem Leben, das im Normalfall wenig für sie bereithält. Um von ihrer jetzigen zu der von ihnen ersehnten Welt zu gelangen, müssen sie Halt in der Welt der Weißen machen.

Hier von „Basketball-Sklaven“ zu sprechen, wäre sicher zuviel des Guten, da es auch ein altbekanntes Schema im US-Profi-Sport ist. Spieler werden gedraftet und getauscht wie eine Ware und oft ohne rechten Einfluss der Betroffenen. Es ist, wie gesagt, ein Geben und ein Nehmen, bei dem zumindest in der Schullandschaft die Spieler vermutlich das höhere Risiko tragen. Als Milieustudie gerät Hoop Dreams dabei nicht weniger fesselnd wie als Sportfilm. Im Vordergrund stehen nie die beiden jungen Spieler, sondern ihre Persönlichkeiten. Keiner von beiden hat es zum nächsten Isiah Thomas oder in die NBA geschafft. Aber dennoch haben beide etwas mitgenommen, das ihnen für ihr späteres Leben weitergeholfen hat.

8.5/10

15. Juni 2012

When the Levees Broke: A Requiem in Four Acts

Katrina. That bitch.

Eine Woche zuvor war er noch ein simpler Sturm, entstanden über den Bahamas, ehe er an Südflorida vorbeizog und sich dem Golf von Mexiko zuwandte. Dort wiederum sammelte Hurrikan Katrina über die Tage an Kraft und nahm an Stärke zu. Soweit, dass er in der letzten Augustwoche 2005 zur Kategorie 5, der höchsten Einordnungsstufe für Stürme, angehoben wurde und das in Louisiana gelegene New Orleans eine vollständige Evakuation anordnete. Was folgte, war nicht nur der sechststärkste Atlantiksturm aller Zeiten, sondern auch die teuerste Naturkatastrophe in der Geschichte der USA. Am Ende stand ein Schaden von über 100 Milliarden US-Dollar und mehr als 1.800 Todesopfern.

Dabei war Katrina letzlich nicht einmal in voller Stärke über New Orleans und Louisiana hereingebrochen, sondern hatte die Region lediglich als Sturm der Kategorie 3 heimgesucht. Wie kam es also dazu, dass dennoch 80 Prozent von New Orleans unter Wasser standen? Für die Naturkatastrophe war, wie sich herausstellte, weniger Katrina verantwortlich, denn menschliches Versagen bei der Konstruktion der Deiche. Als diese brachen, breitete sich das Wasser in New Orleans, das zum Großteil fast zwei Meter unter dem Meeresspiegel liegt, besonders in den Gemeinden The Ninth Ward und St. Bernard Parish aus. Was genau geschah und welche Folgen es hatte, arbeitete Spike Lee für HBO auf.

In seiner vierteiligen Dokumentation When the Levees Broke lässt Lee die Betroffenen zu Wort kommen, vom einfachen Flutopfer bis hin zur Gouverneurin von Louisiana, Kathleen Blanco. Während der erste Teil, „Act I“, den 29. August 2005 und die folgenden Tage Revue passieren lässt, beschäftigen sich die übrigen drei Akte mit der Frage, wer die Schuld für das Brechen der Deiche und die anschließende Inkompetenz bei der Katastrophenhilfe trägt. Klar, dass Emotionen hoch kochen, wenn Menschen Familienmitglieder verlieren oder vor den sprichwörtlichen Trümmern ihrer Existenz stehen. Denn über kein Unglück regt man sich mehr auf, als über eines, das hätte vermieden werden können.

Wie ernst Katrina ausfallen würde, hatte dabei wohl keiner erwartet. Seit Hurrikan Betsy (1965) war New Orleans von größeren Stürmen weitestgehend verschont geblieben. Weshalb nach einer ersten Ankündigung des Hurrikans nicht wenige Einwohner beschlossen, “that they could weather the storm“, wie der Jazz-Saxofonist Donald Harrison sagt. Seine Schwiegermutter war wie einige andere in der Stadt geblieben, angeordnete Evakuierung hin oder her. Sie hatte wie so viele den letzten Hurrikan, 40 Jahre zuvor, mit er- und überlebt. Und allzu dramatisch war Katrina selbst nicht einmal ausgefallen, wären da nicht die Deiche gewesen, die das Flutwasser eigentlich hätten zurückhalten sollen.

Bereits in der Vergangenheit waren die Dämme des vormerklich von Afroamerikanern bewohnten Stadtteils Ninth Ward gesprengt worden, damit das Wasser nicht ins renommierte French Quarter fließen würde. “This wasn’t about race, it was about money“, erinnert der Autor John Barry. Als aber 2005 viele Anwohner eine Explosion vernahmen, waren sie sich sicher, dass sich die Geschichte wiederholte. “These people have a long experience of being ripped off“, zeigt Historiker Doug Brinkley Verständnis. Wie sich herausstellte, waren dieses Mal die Deiche (engl. levees) aber nicht von der Regierung gesprengt worden. Was allerdings nicht heißt, dass diese nicht trotzdem die Schuld für das Desaster trägt.

Denn nach Betsy wurden die Deiche vom US Army Corps of Engineers neu installiert und für Hurrikans der höchsten Stufe gerüstet. Am Ende waren sie aber keineswegs tief genug in den Boden platziert worden. Robert Bea, Professor für Ingenieurswesen, nennt das Brechen der Deiche in New Orleans 2005 daher “the most tragic failure of a civil-engineered system in the history of the United States“. Scheinbar wurde an der Ausführung gespart, wie ohnehin New Orleans und Louisiana stark benachteiligt scheinen, was die föderale Gewinnung von Erdöl und -gas vor ihrer Küste angeht. “The money doesn’t stay in Louisiana“, bestätigt Brinkley. Wäre Louisiana eine Kolonie, so der Historiker, es wäre finanziell besser dran.

Ohnehin ist der Tenor aus When the Levees Broke, dass Louisiana im Allgemeinen und New Orleans im Speziellen reichlich stiefmütterlich von der Regierung in Washington D.C. behandelt werden. Das Army Corps konstruierte fehlerhafte Deiche, die Bush-Regierung zeigte wenig Handlungsgeschick in Folge der Katastrophe und die FEMA (Federal Emergency Management Agency) glänzte auch Monate nach Katrina mit Abwesenheit. Wenn die Einwohner mit T-Shirts wie “Katrina survivor, FEMA victim“ herumlaufen, ist das bezeichnend. “You have to worry about a country that can look at a vast number of mistakes (…) that has directly affected people’s lives“, kritisiert Jazz-Trompeter Terence Blanchard.

Besonders benachteiligt fühlte sich die primär afroamerikanische Bevölkerung in New Orleans, was Kanye West dann wenige Tage nach Katrina bei einer Spendensammlung des Senders NBC zu den Worten hinreißen ließ: “George Bush doesn’t care about black people“. Eine Unmutsbekundung, die viele von Lees Gesprächspartnern teilen. So machte sich Bush erst nach zwei Wochen, am 11. September, vor Ort ein Bild von der Katastrophe. “Initially he stayed on holiday when New Orleans was drowning“, berichtet ein britischer Reporter aus dem Off. Wenig besser gab sich die aus Alabama stammende Condoleezza Rice, die am Tag des Unglücks lieber Schuhe einkaufen ging, anstatt Stellung zu nehmen.

Dass die US-Regierung ein Jahr zuvor nach dem Tsunami in Sri Lanka schneller und besser reagierte als im September 2005 im eigenen Land, streute zusätzlich Salz in die Wunden. Hilfe von Soldaten war nicht möglich, da diese einen unsinnigen Krieg im Irak kämpften, die Bewohner von New Orleans wurden sich selbst überlassen. Die Folge waren zahlreiche Plünderungen, Schießereien und Gewalt, Todesopfer der Überschwemmung wurden tagelang nicht eingesammelt oder abgeholt. “We want help!“, schrien die Einwohner in die Fernsehkameras der Medienanstalten, die dann die evakuierte Bevölkerung aus New Orleans landesweit als „Flüchtlinge“ brandmarkte. Sehr zu deren Missfallen.

“Damn“, fährt es dem Einwohner Gralen Banks aus, “when the storm came in, it blew away our citizenship too?“. Wer in den umliegenden Staaten Unterkunft fand, blieb dort oft auch. Schließlich erwartete einen in New Orleans nichts, nicht einmal Aufräumarbeiten. Die setzten erst vier Monate nach Katrina ein, selbst nach einem halben Jahr fanden heimkehrende Anwohner noch Leichen in ihren Häusern. Auf deren Schaden blieben viele sitzen, waren die meisten doch gegen Hurrikans versichert, aber nicht gegen Hochwasser. Was den Versicherungen in die Karten spielte. Ungläubig reagierte daher auch der Vater von Schauspieler Wendell Pierce (The Wire, Treme): “I’ve been paying them people for 50 years“.

Die Geschichte von When the Levees Broke ist eine Geschichte des Scheiterns. Aus den Fehlern von Hurrikan Betsy hat die Regierung anschließend nichts gelernt, das US Army Corps of Engineers beim Neuaufbau der Deiche daher schlampig gearbeitet. Die Zeche musste New Orleans am 29. August 2005 bezahlen, als die Deiche dem Ansturm von Katrina nicht standhielten. Anschließend zeigten FEMA und die Bush-Regierung zu spät Präsenz vor Ort und leisteten weniger Hilfe als angesichte der Umstände, immerhin die schlimmste Naturkatastrophe aller Zeiten in den USA, notwendig gewesen wäre. “You know, somebody needs to go to jail for this“, macht Terence Blanchard seinem Ärger Luft.

Und Ärger verspürt jeder der Beteiligten, vom ehemaligen Bürgermeister Marc Morial über Radiomoderator Garland Robinette bis hin zu Betroffenen, die vor den Ruinen ihrer Häuser stehen. Einen Raum zur Rechtfertigung erhalten die Beschuldigten nur bedingt, was sicher auch damit zusammenhängt, dass sie zur Zeit von Lees Dokumentation noch in offiziellen Ämtern standen. Gleichzeitig steht außer Frage, dass die Regierung in Washington, die alte wie damals aktuelle, im Zuge von Katrina keine Freunde in New Orleans und Louisiana gewonnen hat. “These people have a long experience of being ripped off“, hatte Historiker Doug Brinkley in „Act I“ gesagt. Katrina gehört nun zu dieser Erfahrung dazu.

Was uns Spike Lee in seiner umfangreichen und vierstündigen Dokumentation auch zeigt, ist den Überlebenswillen der Einwohner von The Big Easy. Wenige Monate nach Katrina feiern sie wie gewohnt Mardi Gras, ein kulturelles Ereignis, das sie nicht missen wollen. Hier manifestiert sich ihr Leid in Galgenhumor, gerne mit T-Shirts zur Schau getragen (“Katrina, that bitch“). Mittels mannigfaltiger Interviews und Archivmaterial gelingt Spike Lee in When the Levees Broke eine gelungene Rekapitulation der damaligen Ereignisse. Was am 29. August und in den Folgetagen geschah, aber noch viel eindringlicher, wie es dazu kommen konnte und warum hinterher wenig bis nichts seitens der Regierung getan wurde.

Von den vier Akten aus Lees Requiem ist „Act II“ dabei sicherlich der Stärkste, wenn sich die Enttäuschung über die Inkompetenz der Bush-Regierung Bahn bricht und ihre Ausmaße aufgedeckt werden. Ähnliches trifft auch auf „Act IV“ zu, wenn der Film ein halbes Jahr verstreichen lässt, ohne dass sich New Orleans wirklich weiter entwickelt hat. Somit stellt When the Levees Broke einen essentiellen Rückblick auf Hurrikan Katrina dar, seine Ursachen und seine Folgen. Der Kummer, die Trauer und die Wut in Lees Dokumentation sind authentisch und nachvollziehbar. Denn über kein Unglück regt man sich mehr auf, als über eines, das hätte vermieden werden können. Und das war hier der Fall.

8/10