8. August 2007

The Sure Thing

Three thousand miles just to get laid. I really respect that.

Zu Sideways trinkt man Wein, zu The Big Lebowski trinkt man White Russian und zu The Sure Thing gibt es Dosenbier, Käsebällchen und Schweineschwarten, so kommt die richtige Stimmung auf. Dachte ich jedenfalls, kann ich an dieser Stelle jedoch nicht empfehlen, denn nach der Mischung aus Bier, Käsebällchen und Schweineschwarten wird einem irgendwie mulmig im Magen, im Notfall also die Schweineschwarten weglassen. Aber zurück zu The Sure Thing, einem der Filme aus meiner Jugendzeit, welcher heute zu meinen Lieblingen gehört. Meine letzte Wertung fiel da vielleicht doch etwas zu gut aus und man muss vorweg sagen, dass Sure Thing wohl nur von den Menschen richtig geschätzt werden kann, die ihn aus den 80ern noch kennen, den es handelt sich um einen Film, der besonders in seiner Zeit lebt und bei heutiger Erstsichtung eher lahm rüberkommen würde.

Rob Reiner, dessen Glanzeit von 1984 bis 1992 währte und Klassiker wie When Harry Met Sally, Stand By Me, The Princess Bride oder A Few Good Men hervorbrachte, führte 1985 bei diesem Film Regie, nachdem er sich mit der Mockumentary This Is Spinal Tap einen Namen als Regisseur machen konnte. Vor allem Sure Thing und Harry & Sally fangen den damaligen 80er Jahre Liebeskomödien-Geist perfekt ein, welche sich auch in Filmen wie About Last Night widerspiegelt. Hierbei ähneln sich besonders Harry & Sally und Sure Thing, wird in beiden doch die problematische Annäherung einer peniblen Frau und eines plappermäuligen Mannes gezeigt. Allerdings weißt der Wortwitz in seinem Meisterwerk, das vier Jahre später in die Kinos kam, nochmal eine erhebliche Steigerung auf, was auch daran liegen kann, dass die Handlung nicht mehr auf Collegeniveau sondern "unter Erwachsenen" stattfindet.

Walter ‘Gib’ Gibson (John Cusack) steht für den 80er Jahre Durchschnittsstudenten, wie man ihn auch noch in American Pie 2 beobachten kann: das einzige was am College zählt, ist wieviel Frauen man abstauben kann - je mehr desto besser. Es geht nicht um Beziehungen, es geht einzig und allein um so viel sexuelle Erfahrung wie möglich. Und wie sagt es Gib’s Dozentin so schön: man muss sein Leben leben, um es zu erleben. Das Leben ist die ultimative Erfahrung und Gib kostet sie vollständig aus. Hierzu zählt aber nicht vordergründig der Sex, sondern einfach das Gefühl am Leben zu sein und Spaß zu haben. Und oftmals hat man den größten Spaß, wenn man sich selbst zum Affen macht. Wer zu steif durchs Leben geht, dem mangelt es an Spaß und eine solche Person ist Gib's Kommilitonin Alison (Daphne Zuniga): ein wandelnder Kontrollfreak, der seinen Tag in Zeiteinheiten einteilt und jede Kleinigkeit wie Duschen geplant hat.

Beide besuchen einen Kurs zusammen und nachdem Gib von Alison eine Abfuhr einfährt ist erstmal dicke Luft. Die wird dann auch nicht besser, als beide dieselbe Fahrgelegenheit wahrnehmen, um in den Weihnachtsferien nach Kalifornien zu kommen. Während dort auf Alison ihr Freund Jason wartet, ist Gib von seinem besten Freund Lance ein Volltreffer (Sure Thing) versprochen worden, dargestellt von Desperate Housewife Nicolette Sheridan. Ein Volltreffer, eine Frau die keine Bedingungen stellt, der es nur um Sex geht, ohne schlechtes Gewissen, der Traum eines jeden Mannes. Als sich Gib und Alison während der Fahrt jedoch gegenseitig so hochstacheln, dass sie aus dem Auto geworfen werden, sind sie aufeinander angewiesen und lernen sich unweigerlich besser kennen.

Der Film strotzt natürlich nur so von Klischees: Männer die ungeduldigen, immer-geilen Weiberhelden, Frauen dagegen die peniblen Kontrollfreaks. Studenten denken nur an Sex und Alkohol und gleich und gleich gesellt sich gerne. Das sind die Prämissen, mit welchen der Film eingeleitet wird und selbstverständlich wanken und wandeln sie sich im Verlaufe. Getragen wird Sure Thing dabei vor allem durch die Figur von Gib und seinem Darsteller John Cusack, der hier seine erste Hauptrolle ergattert hatte, nachdem er Nebenrollen in Brat-Pack-Filmen verkörpern durfte. Sein weibliches Pendant Daphne Zuniga ist den meisten wohl eher durch ihr Auftreten in Spaceballs und Melrose Place bekannt und passt für die biedere Alison wie die Faust aufs Auge. Auch Anthony Edwards als Lance und der damals unbekannte Tim Robbins als Gary Cooper (aber nicht der, der tot ist) unterstützen diesen guten Cast, der sein Sahnehäubchen in Miss Sheridan findet, die in jeder Einstellung im Bikini zu bewundern ist.

Wusstet ihr das Shakespeare an Syphilis starb? Wen immer schon interessiert hat, wieso Nick der beste Name für einen Sohn ist und wie Schrotflinte und Bier wirklich funktioniert, wer sich den besten Anmachspruch aller Zeiten nicht entgehen lassen will - der ist bei The Sure Thing an der richtigen Adresse. In der Mitte hängt der Film etwas in der Schwebe, viele Gags zünden vielleicht im 21. Jahrhundert nicht mehr so, wie sie es Mitte der 80er getan haben, wer den Film aber in seinen Jugendjahren damals gesehen hat musste ihn einfach lieben, wegen seiner Figuren, wegen seiner Musik, wegen seinem Charme, einfach wegen dem Gefühl der Nostalgie, das er in einem wachruft. Und gerade solche Filme sind sehr wichtig für einen Menschen, Filme, die einem etwas bedeuten, mit denen man etwas verbindet. Das müssen filmhistorisch oder -technisch keine Meisterwerke oder Meilensteine sein, die müssen einfach nur zu Herzen gehen. Und das tut Rob Reiner's Film - wenn man ihn denn lässt.

9/10

Kommentare:

  1. Dafür, dass dies - laut dir kürzlich - einer der 80er-Jahre KLassiker sei (zumindest aus den leichteren Gefilden), bin ich wirklich erstaunt, noch nie zuvor was von ihm gehört zu haben. Als Rob Reiner-Gutgesinnter werde ich mir den auf jeden Fall mal anschauen.

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  2. Vielleicht ist er auch nur für mich ein Klassiker, bin eben mit diesen Filmen (Sure Thing, One Crazy Summer, About Last Night, etc.) aufgewachsen. Ist also nicht unbedingt ein Film, den man gesehen haben muss

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  3. Kann mich deinem Review zu 100% anschliessen.

    Hab den Film schon ein paar Mal gesehen und finde ihn immer wieder toll. Steht auch auf meiner ewigen Sympathieliste ganz oben.

    Und Nicolette Sheridan war damals auch ohne Impantate einfach nur der Hammer.

    "Lanny dreht auf" - ebenfalls mit John Cusack fand ich in den 80ern auch spitze, weil total abgedreht.

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  4. ich finde schon dass es ein Klassiker ist. Zumindest in seinem Genre wohl einer der besten, wenn nicht der Beste.
    Schönes Review.

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  5. Also 3:1 für Klassiker :D

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  6. Tja, ich muss mich MVV anschließen. Hab von dem Film noch nie etwas gehört. Und das, obwohl ich Rob Reiners Filme sehr sehr mag (Favorit: Misery) und auch der Überzeugung war, die wichtigsten Teenie-Filme der 80er zu kennen. Wie kann man sich irren ;-) Werde ihn unbedingt nachholen...

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  7. Gerade gesehen. Danke für den Tipp. Guter Film. Cusack hat hier ja noch ein echtes Babyface. Auch Tim Robbins' Gastauftritt ist großartig.

    Dass der Film reichlich Klischees bedient, hast du in deiner Rezi sehr treffend rausgearbeitet. Das hat mich auch nicht weiter gestört. Allerdings war er mir gegen Ende dann doch ein ganzes Stück zu moralisch. Aber in den 80ern, der "AIDS-Dekade", ergibt das durchaus Sinn. Würde ihm 6-7/10 geben :-)

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  8. Das ging ja hurtig, scheinst ihn ja doch auf DVD gehabt zu haben ;)

    Freut mich aber, dass er dir gefallen hat.

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  9. Bin auch für Klassiker. Wo sonst erfährt man, wie Dosenbier richtig getrunken wird. :)
    Einer meiner Lieblinge, auch weil selber im 80er Gefühl damals gesehen!

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