Posts mit dem Label Anthony Edwards werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Anthony Edwards werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

31. August 2008

Fast Times at Ridgemont High

If I’m here and you’re here… doesn’t that make it our time?

Viele High-School-Filme sind von Natur aus Coming-of-Age-Geschichten, drehen sie sich doch um pubertierende Jugendliche. Diese stecken in einer Phase, in der sie beginnen, sich für einen eigenen Lebensweg zu entscheiden. Eine Phase, die oft bestimmt ist von Rebellion, gegen das (Schul-)System oder Ratschlägen von Erwachsenen. Rückblickend denkt man im späteren Alter oft beschämt über sein jugendliches Pendant, etwaige Autoritätsprobleme und falsche sexuelle Entscheidungen. Doch meist sind diese Momente, die man später bereut, auch jene, über die man im Nachhinein amüsiert resümiert. Wirklich weiter kommt man im Leben nur, wenn man aus seinen Fehlern lernt. Wer hinfällt, soll aufstehen und weitermachen. Ein uramerikanisches Motto, das Einzug in eine Vielfalt von Filmen gefunden hat. Unter anderem Cameron Crowes Jerry Maguire.

Eben jener Cameron Crowe hatte selbst nie die High School beendet, sondern wurde mit 16 Jahren Autor für das Rolling Stone Magazin. Hierzu begleitete er The Allman Brother’s Band auf ihrer Tournee, ein Erlebnis, das später die Vorlage für Almost Famous bilden und ihm selbst einen Oscar für sein Drehbuch einbringen sollte. Nachdem er vier Jahre für das renommierte Magazin schrieb, entschied er sich mit 20, einen Wechsel vorzunehmen. Das Magazin zog von der Ost- an die Westküste und Crowe entschied sich stattdessen dafür, ein Buch zu schreiben. Dieses sollte sich mit Jugendlichen beschäftigen, ihrem coming of age. Daher schrieb sich Crowe an einer High School ein und besuchte den Abschlussjahrgang. Seine Erfahrungen fanden Einzug in das Buch Fast Times at Ridgemont High: A True Story, welches 1982 mit ziemlich unbekannten Darstellern verfilmt werden sollte.

Mit Fast Times at Ridgemont High würde Crowe nicht nur sein Debüt als Drehbuchautor feiern, sondern auch die Regisseurin Amy Heckerling. Letztlich begründete der Film die Karrieren von einigen Beteiligten. Etwas mehr als vier Millionen Dollar machte Universal als Budget locker, ließ viele Einstellungen letztlich zu Gunsten einer Jugendfreigabe schneiden. Hinterher spielte Fast Times knapp das Achtfache seiner Kosten ein, erreichte in den USA Kultstatus. Die Gründe hierfür finden sich zum Großteil bei einer einzelnen Figur, aber sicher auch seinem Ensemble, das rückblickend gesehen aus namhaften Akteuren bestand. Drei Oscarpreisträger der Kategorie „Bester Hauptdarsteller“ tummeln sich hier, einer von ihnen würde sich mit seiner Rolle im Bewusstsein der damaligen Generation verewigen.

Dabei unterscheidet den Film in seiner Grundstruktur nicht viel von anderen High-School-Komödien. Crowes Drehbuch bietet überhebliche, attraktive und frühreife Mädchen, Football-Stars, denen die Ehrfurcht der übrigen Schüler gebührt, Nerds, Slacker und kiffende Skate- und Surffanatiker. Überstrenge Lehrer, minderjährigen Sex, einige nackte Haut und natürlich: Kaufhäuser. Dieses Schema kennt man so oder ähnlich von anderen Genrevertretern wie Mallrats und meist richtet sich der Blickwinkel auf die Unterdrückten und deren Sicht der Dinge. Von diesem Schema weicht Heckerling ab, erzählt sie ihre Geschichte doch nicht aus der Sicht einer einzelnen Person. Vielmehr ist es ein Ensemblefilm, der sich mit sechs Charakteren und Nebenfiguren befasst, weshalb er nicht unbedingt eine stringente Geschichte erzählt.

Dass Fast Times at Ridgemont High so gut funktioniert, verdankt sich der Kultfigur Jeff Spicoli, dargestellt von dem damals 22-jährigen Sean Penn in seiner zweiten Filmrolle. Als kiffender Surfer brilliert Penn mit leerem Blick, Rollkragenpullover und einer durch und durch inadäquaten Haltung gegenüber Autoritäten. Sei es seine Affinität zur freien Brust im lokalen Burger-Laden oder der Clou, eine Pizza in seinen Geschichtsunterricht zu bestellen. Ohne Frage dürfte Spicoli der Leim sein, der Fast Times at Ridgemont High zusammenhält, eine Kultfigur, der sich Penn auch 20 Jahre später nicht schämt. Nicht weniger zum Kult wurde der Nacktauftritt der damals 19-jährigen Phoebe Cates. Viele Videobänder des Films sollten ab der betreffenden Stelle hinterher starke Gebrauchsspuren aufweisen, heißt es.

Auch Jennifer Jason Leigh zeigte reichlich nackte Haut, war in filmischer Hinsicht jedoch weitaus erfahrener als andere am Set. Für ihr Engagement sagte sie eigens die Hauptrolle in An Officer and a Gentleman ab. In einer Nebenrolle sieht man zudem Forest Whitaker als Football-As Charles Jefferson, in drei Kurzauftritten lässt sich auch Nicolas Coppola bewundern. Coppola sollte unter dem Namen „Cage“ nach einer Dekade und ein paar Jährchen ebenso den Oscar gewinnen, wie sein Kollege Whitaker. Der Grund für seine kaum bemerkbaren Auftritte findet sich in seinem damaligen jungen Alter von 17 Jahren, was ihm verwehrte, zu viele Stunden an einem Filmset zu arbeiten. In weiteren Nebenrollen trifft man zudem auf Eric Stoltz, Anthony Edwards und Judge Reinhold. Allerlei bekannte Gesichter also.

Getragen wird der Film aber von Penns Spicoli, vor allem der Beziehung zu seinem Lehrer Mr. Hand (“You dick!”). In seiner Konklusion offenbart sich die Geschichte der beiden als grandios. Am Abend des Abschlussballes klopft Mr. Hand an Spicolis Tür und fordert von ihm die acht Stunden Aufmerksamkeit ein, die der ihm im Unterricht verwehrte. Eine vieler phantastischer Szenen, die über manch schwächere Periode hinweg trösten. Und wenn Spicoli meint, den Totalschaden an Jeffersons Auto mit Fernsehreparaturwerkzeug seines Vaters übertünchen zu können, ist das nicht weniger amüsant. Für die Ewigkeit ist jedoch die berühmte Entblößung von Phoebe Cates, nicht nur wegen ihrer nackten Brüste, sondern auch dank der phänomenalen Unterlegung dieser Traumsequenz mit „Moving in Stereo“ von The Cars.

Ohnehin war der Film-Soundtrack ein riesiger Erfolg – nicht zu Unrecht. Die Musikauswahl von Heckerling begeistert, finden sich im Film schließlich auch Tom Pettys „American Girl“ und andere exzellente Lieder. Die Stimmung, die Heckerling in ihrem Debüt erzeugt, vermag die Stärken dieses spezifischen Genres gelungen hervorzurufen. Die zentrale Anlaufstelle aller Teenager, das Einkaufszentrum, kommt ebenso wenig zu kurz wie der heilige Ort des Football-Feldes. Da die Figuren und Aktionen auf den tatsächlichen Erfahrungen Crowes an der Clairemont High School basieren, scheint das Bild US-amerikanischer Jugendlicher im Allgemeinen als auch im Speziellen authentisch zu sein. Dadurch stellt sich für den Zuschauer sogleich eine weitaus größere Identifikation und Sympathie mit den Figuren ein.

Bei all dem debilen Spaß, den Crowe um Spicoli inszeniert, kommen auch die Coming-of-Age-Aspekte nicht zu kurz. Die gelungene Szene zwischen Spicoli und Mr. Hand in ihrer nächtlichen Lern-Session wurde bereits angesprochen. Sie offenbart, dass auch in der „dümmsten“ Birne sehr viel stecken kann. Nach all den Demütigungen, die Hand Spicoli erfahren ließ, kommt ihre Beziehung schließlich zu einem guten Ende. Obschon in der Kinofassung beschnitten, ruft Crowe auch das Thema minderjähriger Schwangerschaften ins Gedächtnis. Eine überstürzte Aktion sorgt für Staceys (Jennifer Jason Leighs) Schwangerschaft, die zur Abtreibung führt. Welche Folgen das für ihr Leben hat – nach dem Motto „aus Fehlern lernen“ – sieht man zum Schluss.

Leider offenbart der Film keine direkte Konfrontation zwischen Stacey und Kindsvater Mike, nachdem dieser sie bei ihrer Abtreibung versetzt hatte. Lediglich ein Rachefeldzug durch Linda (Phoebe Cates) erwartet ihn. Auch das Kitten der Freundschaft zwischen ihm und Rat wirkt überraschend und aus dem Nichts gegriffen. Hier wird Heckerlings Film nicht unbedingt dem gesamten Schuljahr gerecht. Trotz allem spielt Fast Times at Ridgemont High gekonnt mit der jugendlichen Angst vor der eigenen Sexualität während der Pubertät und den ersten aufkeimenden Gefühlen, Notlügen und anderen Dingen, die das Leben an der Schule so speziell machen. Sicher eine der gelungensten Komödien der 80er, die ihrem Kultstatus gerecht wird.

9/10

25. Dezember 2007

Zodiac

Just because you can’t prove it doesn’t mean it isn’t true.

Ende der 1960er Jahre versetzte ein unbekannter Täter in San Francisco eine ganze Region in Panik. Zwischen Dezember 1968 und Oktober 1969 brachte ein Mann, der sich selbst „Zodiac“ nannte, fünf Menschen um und verletzte zwei weitere schwer. Seine ersten Opfer waren am 20. Dezember 1968 die erst 16-jährige Betty Lou Jensen und ihr 17-jähriger Freund David Faraday, welche in Vallejo von dem Killer ermordet wurden. Am Unabhängigkeitstag im folgenden Jahr wurde die Kellnerin Darlene Ferrin auf der Lover’s Lane, einem Treffpunkt für Pärchen, erschossen, während ihr Begleiter Michael Mageau überlebte. Am 27. September attackierte er in einem Park ein weiteres Pärchen, Cecilia Shepherd und Bryan Hartnell, auch hier konnte der Mann schwer verletzt überleben. Sein letztes Opfer fand der Zodiac offiziell in dem Taxifahrer Paul Stine, welchen er am 11. Oktober 1969 erschoss. Was anschließend begann, war eine briefliche Konferenz zwischen Täter und Polizei, die sogar einen Ausflug ins Fernsehen fand. Schließlich hörte der Zodiac auf zu morden und die Ermittlungen gerieten ins Schleppen. Zwei Jahre später glaubte man in Arthur Leigh Allen einen Verdächtigen gefunden zu haben, doch konnte dieser nie mit den Morden in Verbindung gebracht werden. Der Zodiac verschwand und allmählich auch die Erinnerung an ihn.

Bereits 1971 fand der Zodiac ein Forum in der medialen Welt. Don Siegel inszenierte Dirty Harry, in welchem Clint Eastwood einen Serienkiller mit dem Decknamen „Scorpio“ jagte. In David Finchers Verfilmung von Robert Graysmiths Büchern Zodiac und Zodiac Unmasked ist eine Kinovorführung von Siegels Film für die Polizei von San Francisco zu sehen. Fincher, der selbst noch mit dem Zodiac aufgewachsen war, findet in diesem ungelösten medialen Thrillerstoff eine großartige Plattform für einen Film. Anderthalb Jahre recherchierte er Material für seine Adaption, während das Drehbuch von James Vanderbilt gemeinsam mit Robert Graysmith entstand. Fincher bildete dabei Paramounts erste Wahl für den Stoff, hauptsächlich wegen seiner Arbeit an Se7en. Zur selben Zeit war Fincher jedoch für eine Verfilmung von James Ellroys The Black Dahlia vorgesehen, konnte sich aber mit den Produzenten auf keinen gemeinsamen Nenner einigen. Für seine Verfilmung des Zodiac-Stoffes verwendete Fincher zum ersten Mal in der Filmgeschichte ausschließlich eine digitale Kamera, für die er in den Jahren zuvor durch Werbungen für Nike oder Heineken Erfahrungen sammelte.

Die Handlung von Zodiac setzt beim Mord von Darlene Ferrin ein, beginnt also ein halbes Jahr, nachdem der Zodiac zum ersten Mal gemordet hat. Die Redaktion des San Francisco Chronicle erhält daraufhin einen Brief des Täters, dessen Veröffentlichung er verlangt. Dem Brief anbei liegt ein chiffriertes Rätsel, welches die Identität des Killers offenbaren soll. Redakteur Paul Avery (Robert Downey Jr.) beginnt seine Recherchen für den Fall und kollidiert dabei mit den Interessen der San Franciscoer Ermittler David Toschi (Mark Ruffalo) und William Armstrong (Anthony Edwards). Stattdessen beginnt sich der Karikaturist Robert Graysmith (Jake Gyllenhaal) für den Fall, insbesondere das Rätsel, zu interessieren. Nachdem die Ermittlungen gegen den Zodiac jedoch im Sande verlaufen, widmet sich Toschi anderen Fällen, auch wenn er den Ermittlungen gegenüber offen bleibt. Während sich Armstrong versetzen lässt und Avery am Scheitern des Falles zugrunde geht, ist es Graysmith, der nach mehreren Jahren erneut den Fall aufzurollen versucht. Doch Toschi will von seinen privaten Erkenntnissen nichts wissen und auch Graysmiths Ehe mit seiner Frau Melanie (Chloë Sevigny) ist im Begriff, an seiner Zodiac-Manie zu scheitern.

Seine Produktionskosten von 65 Millionen Dollar konnte der Film weltweit mit einem kleinen Gewinn wieder einspielen, wieso er jedoch gerade in den USA mit lediglich 30 Millionen Dollar so geflopt ist, erscheint unverständlich. Schließlich ist der Zodiac ein amerikanischer Serientäter, zudem einer, der nie überführt wurde. In einem Land, das seine Mörder so sehr verehrt wie die USA, sollte eigentlich eine größere Begeisterung für das Thema existieren. Dass es sich bei Zodiac um keinen zweiten Se7en handelt, sollte den meisten Zuschauern klar gewesen sein. Da kann es schon eher an der Laufzeit von zweieinhalb Stunden gelegen haben, dass manch Amerikaner dem Film fernblieb. Wie so oft spiegeln die Kritiker ein anderes Bild wieder, als das tatsächliche Einspielergebnis, mit 89% bei Rotten Tomatoes erreicht der Film seine besten Werte. Dabei liefert Fincher keinen klassischen Thriller mit Spannungselementen, sondern offeriert seinen Zuschauern eine minutiöse Abhandlung der Ermittlungen von Avery, Graysmith und Toschi.

Der Film ist durchzogen von Zeitsprüngen, meist werden mehrere Wochen übersprungen, teilweise auch Jahre. Was allerdings zwischen diesen teilweise sehr langen Sprüngen passiert, bleibt dem Zuschauer verschlossen. David Fincher erzählt hier keine stringente Geschichte einer einzelnen oder mehrerer Figuren, sondern er springt von Entwicklung zu Entwicklung. Was die Charaktere denken, fühlen oder tun, zwischen dem einen Brief und dem nächsten, zwischen diesem Ereignis und einem darauffolgenden, bleibt im Unklaren und macht es schwer, ein wirkliches Interesse für die Charaktere aufzubringen. Insbesondere Robert Graysmiths Leben ist dabei kritisch zu betrachten, denn wenn er auch zu Beginn gleich auftaucht, spielt er schließlich erst im letzten Drittel eine entscheidende Rolle. Seine plötzliche Begeisterung und Manie für den Fall über vier Jahre nach dem letzten Mord wird nicht wirklich verständlich. Auch sein Verrennen in die Mordfälle, sodass sein Familienleben scheitert, wirkt nicht sonderlich glaubwürdig oder für den Zuschauer ergreifend. Dazu wurde sein Familienverhältnis zu wenig gezeigt.

Inwiefern der Fall das Leben der anderen vier Protagonisten beeinflusst, bleibt ebenso unklar. Auf einmal ist Avery ein seelisches Wrack, wie genau es dazu kam, wird nicht ausreichend geschildert. Ebenso verhält es sich bei Armstrong und teilweise Toschi, von denen allein einzelne Reaktionen gezeigt werden. Fincher stellt die Figuren eindeutig hinter die Geschichte, vernachlässigt ihre Entwicklungen und zeigt nur den Verlauf des Zodiac-Falles. Obschon er hierbei keine wirkliche Handlung erzählt, sondern Fakten und Verbindungen diskutiert, wird dennoch das Interesse am Film aufrecht erhalten. Zodiac ist dabei nicht zu dokumentarisch, um nicht zu unterhalten, zugleich zu sehr für sich stehend, um reine Dokumentation zu sein. Manche Klischeehafte Charakterisierung wie Avery als Pausenclown mit etwaigen Faxen und Einzeilern oder Graysmiths nerdiger Cartoonist mit Begeisterung für Rätsel fallen dabei leicht aus dem Rahmen. Die Figuren bleiben folglich etwas blass,  fast so wie die Visuelle Gestaltung des restlichen Films über weite Strecken – kein Wunder, dass er bisher ohne Auszeichnungen blieb.

Positiv zu vermerken ist, dass sich Fincher nicht irgendwelchen eigenen Spekulationen hingibt, sondern an den wahren Tatsachen und Mutmaßungen orientiert. Wie dem Tatverdacht gegenüber Arthur Leigh Allen. Ebenso positiv ist Finchers Ansatz, einen unkonventionellen Thriller der Gegenwart zu drehen, der sich nicht dem Gore hingibt und somit die perversen Phantasien einer gewaltgeilen Generation bedient. Vielleicht liegt hier der Grund, dass der Film beim Publikum scheiterte, vielleicht fehlten ihm nur ausgeschnittene Augen und abgetrennte Schädel. Wenn Fincher jedoch den Zodiac seine Opfer angreifen lässt, erschreckt dies nicht wegen dem Tathergang an sich, sondern aufgrund seiner Umstände. Wer würde schon damit rechnen, am helllichten Tag an einem See mehrfach abgestochen zu werden? Technisch ist Zodiac also makellos inszeniert, es bleibt lediglich fraglich, ob eine 1:1-Verfilmung eines Tatsachenberichtes vollends als Unterhaltungsfilm funktioniert, da hierbei Handlung und Figuren bisweilen zum Opfer fallen.

8/10

8. August 2007

The Sure Thing

Three thousand miles just to get laid. I really respect that.

Zu Sideways trinkt man Wein, zu The Big Lebowski trinkt man White Russian und zu The Sure Thing gibt es Dosenbier, Käsebällchen und Schweineschwarten, so kommt die richtige Stimmung auf. Dachte ich jedenfalls, kann ich an dieser Stelle jedoch nicht empfehlen, denn nach der Mischung aus Bier, Käsebällchen und Schweineschwarten wird einem irgendwie mulmig im Magen, im Notfall also die Schweineschwarten weglassen. Aber zurück zu The Sure Thing, einem der Filme aus meiner Jugendzeit, welcher heute zu meinen Lieblingen gehört. Meine letzte Wertung fiel da vielleicht doch etwas zu gut aus und man muss vorweg sagen, dass Sure Thing wohl nur von den Menschen richtig geschätzt werden kann, die ihn aus den 80ern noch kennen, den es handelt sich um einen Film, der besonders in seiner Zeit lebt und bei heutiger Erstsichtung eher lahm rüberkommen würde.

Rob Reiner, dessen Glanzeit von 1984 bis 1992 währte und Klassiker wie When Harry Met Sally, Stand By Me, The Princess Bride oder A Few Good Men hervorbrachte, führte 1985 bei diesem Film Regie, nachdem er sich mit der Mockumentary This Is Spinal Tap einen Namen als Regisseur machen konnte. Vor allem Sure Thing und Harry & Sally fangen den damaligen 80er Jahre Liebeskomödien-Geist perfekt ein, welche sich auch in Filmen wie About Last Night widerspiegelt. Hierbei ähneln sich besonders Harry & Sally und Sure Thing, wird in beiden doch die problematische Annäherung einer peniblen Frau und eines plappermäuligen Mannes gezeigt. Allerdings weißt der Wortwitz in seinem Meisterwerk, das vier Jahre später in die Kinos kam, nochmal eine erhebliche Steigerung auf, was auch daran liegen kann, dass die Handlung nicht mehr auf Collegeniveau sondern "unter Erwachsenen" stattfindet.

Walter ‘Gib’ Gibson (John Cusack) steht für den 80er Jahre Durchschnittsstudenten, wie man ihn auch noch in American Pie 2 beobachten kann: das einzige was am College zählt, ist wieviel Frauen man abstauben kann - je mehr desto besser. Es geht nicht um Beziehungen, es geht einzig und allein um so viel sexuelle Erfahrung wie möglich. Und wie sagt es Gib’s Dozentin so schön: man muss sein Leben leben, um es zu erleben. Das Leben ist die ultimative Erfahrung und Gib kostet sie vollständig aus. Hierzu zählt aber nicht vordergründig der Sex, sondern einfach das Gefühl am Leben zu sein und Spaß zu haben. Und oftmals hat man den größten Spaß, wenn man sich selbst zum Affen macht. Wer zu steif durchs Leben geht, dem mangelt es an Spaß und eine solche Person ist Gib's Kommilitonin Alison (Daphne Zuniga): ein wandelnder Kontrollfreak, der seinen Tag in Zeiteinheiten einteilt und jede Kleinigkeit wie Duschen geplant hat.

Beide besuchen einen Kurs zusammen und nachdem Gib von Alison eine Abfuhr einfährt ist erstmal dicke Luft. Die wird dann auch nicht besser, als beide dieselbe Fahrgelegenheit wahrnehmen, um in den Weihnachtsferien nach Kalifornien zu kommen. Während dort auf Alison ihr Freund Jason wartet, ist Gib von seinem besten Freund Lance ein Volltreffer (Sure Thing) versprochen worden, dargestellt von Desperate Housewife Nicolette Sheridan. Ein Volltreffer, eine Frau die keine Bedingungen stellt, der es nur um Sex geht, ohne schlechtes Gewissen, der Traum eines jeden Mannes. Als sich Gib und Alison während der Fahrt jedoch gegenseitig so hochstacheln, dass sie aus dem Auto geworfen werden, sind sie aufeinander angewiesen und lernen sich unweigerlich besser kennen.

Der Film strotzt natürlich nur so von Klischees: Männer die ungeduldigen, immer-geilen Weiberhelden, Frauen dagegen die peniblen Kontrollfreaks. Studenten denken nur an Sex und Alkohol und gleich und gleich gesellt sich gerne. Das sind die Prämissen, mit welchen der Film eingeleitet wird und selbstverständlich wanken und wandeln sie sich im Verlaufe. Getragen wird Sure Thing dabei vor allem durch die Figur von Gib und seinem Darsteller John Cusack, der hier seine erste Hauptrolle ergattert hatte, nachdem er Nebenrollen in Brat-Pack-Filmen verkörpern durfte. Sein weibliches Pendant Daphne Zuniga ist den meisten wohl eher durch ihr Auftreten in Spaceballs und Melrose Place bekannt und passt für die biedere Alison wie die Faust aufs Auge. Auch Anthony Edwards als Lance und der damals unbekannte Tim Robbins als Gary Cooper (aber nicht der, der tot ist) unterstützen diesen guten Cast, der sein Sahnehäubchen in Miss Sheridan findet, die in jeder Einstellung im Bikini zu bewundern ist.

Wusstet ihr das Shakespeare an Syphilis starb? Wen immer schon interessiert hat, wieso Nick der beste Name für einen Sohn ist und wie Schrotflinte und Bier wirklich funktioniert, wer sich den besten Anmachspruch aller Zeiten nicht entgehen lassen will - der ist bei The Sure Thing an der richtigen Adresse. In der Mitte hängt der Film etwas in der Schwebe, viele Gags zünden vielleicht im 21. Jahrhundert nicht mehr so, wie sie es Mitte der 80er getan haben, wer den Film aber in seinen Jugendjahren damals gesehen hat musste ihn einfach lieben, wegen seiner Figuren, wegen seiner Musik, wegen seinem Charme, einfach wegen dem Gefühl der Nostalgie, das er in einem wachruft. Und gerade solche Filme sind sehr wichtig für einen Menschen, Filme, die einem etwas bedeuten, mit denen man etwas verbindet. Das müssen filmhistorisch oder -technisch keine Meisterwerke oder Meilensteine sein, die müssen einfach nur zu Herzen gehen. Und das tut Rob Reiner's Film - wenn man ihn denn lässt.

9/10