Posts mit dem Label Rob Reiner werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Rob Reiner werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

13. Februar 2017

Classic Scene: When Harry Met Sally... – “That’s it?”

DIE SZENERIE: Die beiden Freunde Harry (Billy Crystal) und Sally (Meg Ryan) treffen sich an einem Nachmittag in New York City zu einem gemeinsamen Museumsbesuch. Eines der Konversationsthemen ist dabei Harrys Bericht über einen erotischen Traum, den er hatte, in welchem seine sexuelle Leistung von drei Punktrichtern, darunter seine Mutter, bewertet wurde. Sally erzählt daraufhin von einem ihrer eigenen erotischen Träume.

EXT. CENTRAL PARK ARBOR – DAY

HARRY and SALLY walk through the park on a gorgeous fall day.

SALLY: Basically it’s the same one I’ve had since I was twelve.

HARRY: What happens?

SALLY: You know… it’s too embarrassing.

HARRY: Don’t tell me.

SALLY: Okay. There’s this guy.

HARRY: What’s he look like?

SALLY: I don’t know. He’s just kind of faceless.

HARRY: A faceless guy. Okay. Then what?

SALLY: He rips off my clothes.

HARRY: Then what happens?

SALLY: That’s it.

Both stop in their walk.

HARRY: That’s it? A faceless guy rips off your clothes. And that’s the sex fantasy you’ve been having since you were twelve? Exactly the same?

SALLY: Well, sometimes I vary it a little.

HARRY: Which part?

SALLY: What I’m wearing.

HARRY turns and keeps on walking.

SALLY: What?

HARRY: Nothing.

16. April 2016

Vorlage vs. Film: Stand by Me

The Body (1982)

Stephen King gehört zu den ganz großen Schriftstellern der Geschichte – zumindest wenn es um die Anzahl von filmischen Umsetzungen geht. Da sind die Werke von Shakespeare, Dickens, Chekhov und Co. ordentlich dabei, aber eben auch der 68-Jährige aus Maine. Über 50 Filme basierend auf seinen Arbeiten führt Wikipedia, allein die Hälfte davon entstanden in den 90er Jahren. Erstaunlich für einen Mann, der bis heute 54 Romane verfasst hat – aber eben auch fast 200 Kurzgeschichten. Eine solche ist auch The Body, die 1982 gemeinsam mit Rita Hayworth and Shawshank Redemption in dem Sammelband Different Seasons erschien. Auf rund 72 Seiten erzählt King darin die Coming-of-Age-Story vierer Jungs während eines Sommers.

Die Handlung beginnt relativ harmlos und doch dramatisch zugleich: Kurz vor Ende der Sommerferien im Jahr 1960 erfahren im fiktiven Ort Castle Rock die vier Freunde Gordie, Chris, Teddy und Vern von dem Aufenthaltsort eines vermissten Jungen. Der soll von einem Zug überfahren einige Meilen entfernt im Wald liegen, wo ihn Verns älterer Bruder mit einem Kumpel fand. “So when a boy dies out in the forest, it’s a chance to see something they have never seen in their lives: a dead body”, heißt es in der Einleitung. “Their journey will teach them as much about life as about death”. Die Jungen, an der Grenze vom Kind zum Jugendlichen stehend, lernen innerhalb weniger heißer Tage, was es bedeutet, erwachsen zu werden.

Zwei Tage lang eisen sich die Vier von ihrer Familie los, um den Bahngleisen zur Leiche ihres Altersgenossen zu folgen. Dabei macht Gordie als Erzähler klar, dass die Clique durchaus etwas gespalten ist, indem Teddy und Vern offen als dumm bezeichnet werden, während Chris als Delinquent daherkommt. Hierbei ist die Geschichte direkter und weniger emotional als es die Verfilmung von Rob Reiner sein sollte. “Your friends drag you down, Gordie. Don’t you know that?”, macht Chris da seinem intelligenteren Freund deutlich, dass sich ihre Wege trennen werden. “You can’t save them. You can only drown with them.” Eine Ansprache, nicht unähnlich zu der Rede, die Ben Affleck Jahre später Matt Damon in Good Will Hunting geben würde.

Im Gegensatz zum Film spielt auch Gordies Bruder Dennis eine kleinere Rolle. Wo dieser im Film zum Vorbild stilisiert wird, ist seine Rolle bei King etwas ausgearbeiteter und doch passiver. Es wird erwähnt, dass Gordies Eltern keine Kinder bekommen konnten, ehe die Mutter plötzlich mit Dennis schwanger wurde. Fünf Jahre später kam dann noch Gordie hinzu. “For my parents, one gift from God was enough”, so Gordie. Die Beziehung zu Dennis war nicht minder unterkühlt, nicht zuletzt aufgrund des Altersunterschieds. “We rarely did things together”, erzählt der kleine Bruder. Dennis’ Tod berührt ihn daher nur bedingt, weshalb die Geschichte auch ohne die Basecap-Szene mit Ace Merrill und “Eyeball” Chambers auskommt.

Generell tauchen Ace und seine Gang nur im Off auf, ehe beide Gruppen schließlich die Leiche von Ray Brower inmitten eines heraufziehenden Sturms finden. Wo Reiners Film die Androhungen der Gang nach versagter Leichenüberführung schlussendlich ins Leere laufen lässt, berichtet Stephen King durchaus von den Konsequenzen der vier Freunde. So hagelte es für Gordie und Chris gebrochene Knochen, für Teddy und Vern immerhin üble Abreibungen. Obendrein findet The Body ein so abruptes wie düsteres Ende, denn Ray Brower wird nicht die einzige Leiche bleiben. Zusätzlich zu Chris sterben auch Teddy und Vern jung. Nur Gordie überlebt die sechziger Jahre und blickt mit 34 Jahren auf die Ereignisse aus der Jugend zurück.

Eine echte Sympathie mit Gordie will sich während der Lektüre nicht wirklich einstellen, wozu auch seine distanzierten Beschreibungen von Dennis über Teddy und Vern beitragen. Nur zu Chris scheint er eine echte Beziehung zu haben. Das Ende der Geschichte ist nichtsdestotrotz tragisch, da bis auf Gordie alle Figuren als gescheitert betrachtet werden müssen. Sie alle leb(t)en jenes “loser’s life”, von dem Gordie sprach, welches er jedoch vermied. Inwieweit die Ereignisse um Ray Browers Tod in jenem Sommer sie geformt oder beeinflusst haben, bleibt dabei unklar. Außer, dass sie Jahre später Gordie für eine Kurzgeschichte dienen würden. “Some people drown”, heißt es da gegen Ende betrübend, die Worte von Chris reflektierend.


Stand by Me (1986)

«Have gun will travel reads the card of a man,
a knight without armor in a savage land.»


Wer im Kindesalter Filme mit Gleichaltrigen sieht, wird zu diesen vermutlich eine ganz eigene Bindung aufbauen. Egal ob dies nun The Goonies betrifft oder Stand by Me. Was beide Filme eint, ist das Erleben eines Abenteuers, wie es für Kinder in dem Alter – zumindest für ihr Empfinden – nicht ungewöhnlich ist. Auch wenn die „wahren“ Abenteuer sich nicht um Piratenschiffe oder das Finden einer Leiche drehen. “I was twelve going on thirteen the first time I saw a dead body”, berichtet uns ein Erzähler (Richard Dreyfuss) zu Beginn des Films. Das Ganze geschah im Sommer des Jahres 1959. “A long time ago – but only if you measure it in terms of years.” Auslöser ist eine weitere Leiche: die eines guten Freundes jener Zeit.

Reiner nimmt in seiner Verfilmung den Tod von Chris (River Phoenix) vorweg, ehe wir die Figur überhaupt kennenlernen. Seine Ermordung gut 26 Jahre nach den Ereignissen des Films führt zur Reflexion des alten Gordie an sein jüngeres Ich (Wil Wheaton). Der war einer jener spärlichen 1.281 Einwohner von Castle Rock “but to me it was the whole world”. Vielleicht weil sich der Sommer dem Ende neigt und sie sowieso nichts besseres zu tun haben, beschließen Chris, Gordie sowie Teddy (Corey Feldman) und Vern (Jerry O’Connell) sich die Leiche von Ray Brower anzusehen, nachdem Vern seinen älteren Bruder belauscht hat. Abgesehen von der Einleitung des älteren Gordie folgt Reiner vom Aufbau her praktisch haargenau Kings Vorlage.

Mit einigen Ausnahmen, geht der Regisseur doch an manchen Stellen ins Detail, die King nur oberflächlich berührt hat. Hier ist Widersacher Ace (Kiefer Sutherland) weitaus präsenter im Film als in der Kurzgeschichte und erhält früh ein Gesicht zu seinem Namen. So unterbricht Reiner das Abenteuer von Gordie und Co. für Szenenwechsel zu Ace und seiner Gang und unterstreicht das Draufgängertum von Ace. Zudem lässt er ihn eingangs direkt mit Gordie und Chris zusammenstoßen und verbindet diese Szene mit einer weiteren Vertiefung, die King aussparte: der Beziehung von Gordie zu seinem älteren und wenige Monate zuvor unglücklich verstorbenen Bruder Dennis (John Cusack) sowie dessen Schatten auf seinen kleinen Bruder.

Die Umstände von Dennis’ Bevorzugung aus der Vorlage fehlen im Film. Reiner macht ihn einfach zum Lieblingssohn, für den im Gegensatz zu den Eltern Gordie nicht unsichtbar ist. Er liest und schätzt die Kurzgeschichten seines Bruders und schenkt ihm seine Mütze, die Gordie später von Ace entwendet wird. Die familiäre Situation ist es auch, die Gordie im Verlauf in einer Albtraumszene verfolgt, die King in der Vorlage auf die Beziehung der Freunde münzte. So wärmer das Band zu Dennis Gordie hier auch zeichnet, irritiert die eher unterkühlte Wahrnehmung des Brudertodes. Film-Gordie scheint emotional ähnlich wenig betroffen von Dennis’ kürzlichem Ableben wie Buch-Gordie. Was die Basecap-Episode folglich etwas unnütz macht.

Generell erscheint die vielfache Integration von Ace nicht wirklich notwendig, nur um die Figur fieser und bedrohlicher zu gestalten. Stattdessen hätte Reiner die Zeit aufwenden können, um die Freundschaft der Jungs zu vertiefen. Zumindest werden diese nicht im selben Maße denunziert wie bei King, Stand by Me lässt eher seine Bilder sprechen. Allerdings ähnlich wie bei Dennis’ Hintergrund Details aussparend. So gelingt es King, den emotional unstabilen Teddy mit wenigen Zeilen tiefgründiger zu zeichnen als dem Film, der Teddys Übermut (“Train dogde. Dig it?”) als Charaktereigenschaft darstellt. Insgesamt ist es bedauerlich, dass sowohl Stephen King als auch Rob Reiner mit Teddy die wohl komplexeste Figur etwas vernachlässigen.

Auch der Film fokussiert sich primär auf die Beziehung von Gordie und Chris, und den drohenden Abschied der Clique voneinander, indem sie bald unterschiedliche Bildungs- und Karrierewege wählen. Wenn sowohl Kings Geschichte als auch Reiners Film daher Gordie sagen lassen “We knew exactly who we were and exactly where we were going”, stellt das natürlich eine Selbstlüge dar. Von ihnen allen scheint sich höchstens Chris mit der Zukunft zu befassen – und das auch nur insofern, als dass er sich aufgrund seines biografischen Hintergrunds bereits abgeschrieben hat. Die Geschichte dreht sich vielmehr um jene Zeit, ehe sich der Selbstfindungsprozess ankündigt, der einen womöglich begleitet, bis man um die 30 Jahre alt ist.

Insofern fängt Stand by Me besser als The Body die letzten Tage kindlicher Unschuld ein (“You think Mighty Mouse could beat up Superman?”), von Reiner exemplarisch in der Lagerfeuerszene eingefangen. Hier wird PEZ mit Kirschgeschmack als lebenslange Nahrung erkoren und Gordie darf eine Kurzgeschichte nicht nur andeuten, sondern in Person von “Lard Ass” auch auserzählen (als Geschichte in der Geschichte einer Geschichte). Da ist es ironisch, dass diese ähnlich abrupt endet wie Kings The Body – was auch von den übrigen Jungs entsprechend kritisiert wird. Zugleich sorgt die Lard-Ass-Geschichte für einen Moment der Aufheiterung inmitten einer Handlung, die sonst – wenn auch etwas unscheinbar – reichlich dramatisch daherkommt.

Von Teddys Bestreben, einem Zug ausweichen zu wollen (wovor ihn im Film Chris, bei Stephen King allerdings Gordie bewahrt), über die riskante Brückenüberquerung, die Gordie und Vern nur knapp überstehen, bis hin zu Gordies „Flucht“ vor Hund Chopper (“Chopper, sic balls!”) und Teddys anschließendem Zusammenbruch. Von allen Vieren ist Vern der einzige, der sich keinen Dämonen stellen muss, während Gordie, Chris und Teddy mit ihren Vätern sowie ihrer Stellung in ihrer Umwelt hadern. Die Suche nach einem zwölf Jahre alten Leichnam, eigentlich als vergnügliches Abenteuer geplant, gerät für die Freunde immer emotionaler. “Maybe it shouldn’t be a party”, realisiert auch Gordie kurz bevor sie Rays Leiche entdecken.

Ähnlich wie bei Teddys Zugausweichen ändert Reiner im Finale wieder ein paar Details. Den Sturm, der während der Konfrontation mit Ace und Co. aufzieht, spart der Regisseur aus. Und lässt Teddy und Vern weitaus früher vor den älteren Jungs das Weite suchen. Hier ist es nun Gordie und nicht Chris, der den Revolver, den Letzterer sich von seinem Vater ausgeborgt hat, auf Ace richtet. Wenn man so will eine Art Rache für den Basecap-Diebstahl zuvor. Das Ende ist dann etwas versöhnlicher, lässt Reiner doch nicht nur die Tracht Prügel unter den Tisch fallen, sondern auch Vern und Teddy mit dem Leben davonkommen. Selbst Chris wird nicht während seines Jura-Studiums umgebracht, sondern erst Jahre später, wenn er bereits Anwalt ist.

Nachvollziehbare Änderungen, die einen weniger bedrückt zurücklassen und somit Stand by Me mehr etwas von einer positiven Erinnerung verleihen. Der Film profitiert dabei fraglos von seinem starken Ensemble, allen voran die Jungdarsteller um River Phoenix und Corey Feldman sind perfekt besetzt und bringen ihre Charaktere authentisch rüber. Mit den passenden Hit-Songs jener Epoche ist Stand by Me eine überaus gelungene Adaption (auch King favorisiert sie unter all seinen Verfilmungen), die absolut nostalgisch gerät. Vielleicht auch, weil man mit ihr aufwuchs, wo jeder Film noch besonders wirkte. Sodass man ein Zitat des Films ummünzen könnte: I never had any films later on like the ones I had when I was twelve. Jesus, does anyone?

9.5/10

23. April 2011

1 Movie 1 Definition: The Princess Bride

INCONCEIVABLE /ɪnkənˈsiːvəb(ə)l/ adjective: not capable of being imagined or grasped mentally; unbelievable.

OXFORD DICTIONARY
 Copyright © 2011

19. September 2007

This is Spinal Tap

Fuck the napkin!

Nicht von ungefähr gilt This is Spinal Tap als der Kultfilm überhaupt. Entsprechend hoch liegen die Erwartungen, wenn man den Film noch nicht kennt. So hatte ich von Regisseur Rob Reiner ein brachiales Gagfeuerwerk erwartet und fühlte mich im Nachhinein leicht enttäuscht. Sicherlich hat der Film zahlreiche geniale Momente und Szenen, aber auch viel, was ihn in der Luft hängen lässt. Und natürlich ist es ein Film, der besonders im Kontext seiner Zeit steht, in diesem Fall die Achtziger und des Heavy Metal Rocks. Wenn man bei Erscheinen des Films gerade in der Pubertät war und auf Rock stand, muss dieser Film für einen vermutlich genial gewesen sein und auf seine Art und Weise ist er das auf jedenF Fall auch heute noch.

Doku-Filmer Marty DiBergi (Rob Reiner) begleitet die britische Heavy-Metal-Band Spinal Tap auf ihrer US-Tour. Die Gründer der Band, David St. Hubbins (Michael McKean) und Nigel Tuffnel (Christopher Guest), kennen sich bereits seit ihrer Kindheit, daneben ist Derek Smalls (Harry Shearer) das älteste Band-Mitglied. Spinal Tap befindet sich im Herbst ihrer Karriere und treten inzwischen in Hallen mit einer Kapazität von 1.200 Sitzen auf, statt wie früher noch mit 12.000. Auch werden viele ihrer Gigs überraschen abgesagt und oft hapert es mit dem Bühnendesign. Als Davids Freundin Jeanine zur Band stößt, polarisiert sie derart, dass sich Bandmanager Ian Faith als auch Nigel langsam von David entfremden.

Geschildert werden mit verwackelter Handkamera die Probleme, denen eine Band während einer Tournee begegnet. Zum Beispiel verläuft sich die Band auf dem Weg zur Bühne, Gigs werden abgesagt, Reservierungen missverstanden und es gibt Ärger mit der Plattenfirma, weil das Albumcover sexistisch sei. Hierbei werden die Bandmitglieder auch reichlich naiv dargestellt, allen voran Nigel. Aber genauso gerne hört man David dabei zu, wenn er das Ende der Band mit dem Ende der Galaxie vergleicht. Zum running gag entwickelt sich dabei der Verschleiß an Drummern, die stets eines mysteriösen Todes sterben und zum Zeitpunkt von DiBergis Films bereits die erstaunliche Anzahl von 32 erreicht haben.

Neben dem Film – der Cameos von Billy Chrystal, Anjelica Huston und Bruno Kirby bietet – ist auch die Hintergrundgeschichte nicht weniger unterhaltsam. So wurde Reiner mehrfach darauf angesprochen, dass er doch lieber einen besseren Kameramann und eine bekanntere Band für seine Dokumentation hätte wählen sollen. Vielen Menschen war scheinbar nicht bewusst, dass es sich nicht nur um eine rockumentary, sondern um eine mockumentary gehandelt hatte. Dabei scheinen die gezeigten Elemente im Film tatsächlich allgemein den Tatsachen entsprochen zu haben, so amüsierte sich beispielsweise Eddie Van Halen mit seiner Band darüber, dass ihnen viel aus Spinal Tap selbst schon passierte.

Wenig Fiktives und Lustiges konnte auch Aerosmith-Frontmann Steven Tyler an Reiners Film ausmachen, da ihm und seiner Band angeblich alles im Film bereits am eigenen Leib geschehen war. Der Film, welcher von solchen Größen wie den Beatles oder Led Zepplin inspiriert und beeinflusst ist, hat somit verständlicherweise eine große Reputation innerhalb seiner Rock- und Musikbranche und ist zum Adjektiv avanciert, welches Bands wie Metallica oder R.E.M. verwenden, um ihre eigenen entsprechenden Tourneen als “very spinal tap“ zu bezeichnen. Dahingehend ist This is Spinal Tap ohne Frage ein Kultfilm, der auch den Menschen gefallen sollte, die nicht auf (Heavy Metal) Rock stehen und allemal eine Sichtung wert.

8/10

8. August 2007

The Sure Thing

Three thousand miles just to get laid. I really respect that.

Zu Sideways trinkt man Wein, zu The Big Lebowski trinkt man White Russian und zu The Sure Thing gibt es Dosenbier, Käsebällchen und Schweineschwarten, so kommt die richtige Stimmung auf. Dachte ich jedenfalls, kann ich an dieser Stelle jedoch nicht empfehlen, denn nach der Mischung aus Bier, Käsebällchen und Schweineschwarten wird einem irgendwie mulmig im Magen, im Notfall also die Schweineschwarten weglassen. Aber zurück zu The Sure Thing, einem der Filme aus meiner Jugendzeit, welcher heute zu meinen Lieblingen gehört. Meine letzte Wertung fiel da vielleicht doch etwas zu gut aus und man muss vorweg sagen, dass Sure Thing wohl nur von den Menschen richtig geschätzt werden kann, die ihn aus den 80ern noch kennen, den es handelt sich um einen Film, der besonders in seiner Zeit lebt und bei heutiger Erstsichtung eher lahm rüberkommen würde.

Rob Reiner, dessen Glanzeit von 1984 bis 1992 währte und Klassiker wie When Harry Met Sally, Stand By Me, The Princess Bride oder A Few Good Men hervorbrachte, führte 1985 bei diesem Film Regie, nachdem er sich mit der Mockumentary This Is Spinal Tap einen Namen als Regisseur machen konnte. Vor allem Sure Thing und Harry & Sally fangen den damaligen 80er Jahre Liebeskomödien-Geist perfekt ein, welche sich auch in Filmen wie About Last Night widerspiegelt. Hierbei ähneln sich besonders Harry & Sally und Sure Thing, wird in beiden doch die problematische Annäherung einer peniblen Frau und eines plappermäuligen Mannes gezeigt. Allerdings weißt der Wortwitz in seinem Meisterwerk, das vier Jahre später in die Kinos kam, nochmal eine erhebliche Steigerung auf, was auch daran liegen kann, dass die Handlung nicht mehr auf Collegeniveau sondern "unter Erwachsenen" stattfindet.

Walter ‘Gib’ Gibson (John Cusack) steht für den 80er Jahre Durchschnittsstudenten, wie man ihn auch noch in American Pie 2 beobachten kann: das einzige was am College zählt, ist wieviel Frauen man abstauben kann - je mehr desto besser. Es geht nicht um Beziehungen, es geht einzig und allein um so viel sexuelle Erfahrung wie möglich. Und wie sagt es Gib’s Dozentin so schön: man muss sein Leben leben, um es zu erleben. Das Leben ist die ultimative Erfahrung und Gib kostet sie vollständig aus. Hierzu zählt aber nicht vordergründig der Sex, sondern einfach das Gefühl am Leben zu sein und Spaß zu haben. Und oftmals hat man den größten Spaß, wenn man sich selbst zum Affen macht. Wer zu steif durchs Leben geht, dem mangelt es an Spaß und eine solche Person ist Gib's Kommilitonin Alison (Daphne Zuniga): ein wandelnder Kontrollfreak, der seinen Tag in Zeiteinheiten einteilt und jede Kleinigkeit wie Duschen geplant hat.

Beide besuchen einen Kurs zusammen und nachdem Gib von Alison eine Abfuhr einfährt ist erstmal dicke Luft. Die wird dann auch nicht besser, als beide dieselbe Fahrgelegenheit wahrnehmen, um in den Weihnachtsferien nach Kalifornien zu kommen. Während dort auf Alison ihr Freund Jason wartet, ist Gib von seinem besten Freund Lance ein Volltreffer (Sure Thing) versprochen worden, dargestellt von Desperate Housewife Nicolette Sheridan. Ein Volltreffer, eine Frau die keine Bedingungen stellt, der es nur um Sex geht, ohne schlechtes Gewissen, der Traum eines jeden Mannes. Als sich Gib und Alison während der Fahrt jedoch gegenseitig so hochstacheln, dass sie aus dem Auto geworfen werden, sind sie aufeinander angewiesen und lernen sich unweigerlich besser kennen.

Der Film strotzt natürlich nur so von Klischees: Männer die ungeduldigen, immer-geilen Weiberhelden, Frauen dagegen die peniblen Kontrollfreaks. Studenten denken nur an Sex und Alkohol und gleich und gleich gesellt sich gerne. Das sind die Prämissen, mit welchen der Film eingeleitet wird und selbstverständlich wanken und wandeln sie sich im Verlaufe. Getragen wird Sure Thing dabei vor allem durch die Figur von Gib und seinem Darsteller John Cusack, der hier seine erste Hauptrolle ergattert hatte, nachdem er Nebenrollen in Brat-Pack-Filmen verkörpern durfte. Sein weibliches Pendant Daphne Zuniga ist den meisten wohl eher durch ihr Auftreten in Spaceballs und Melrose Place bekannt und passt für die biedere Alison wie die Faust aufs Auge. Auch Anthony Edwards als Lance und der damals unbekannte Tim Robbins als Gary Cooper (aber nicht der, der tot ist) unterstützen diesen guten Cast, der sein Sahnehäubchen in Miss Sheridan findet, die in jeder Einstellung im Bikini zu bewundern ist.

Wusstet ihr das Shakespeare an Syphilis starb? Wen immer schon interessiert hat, wieso Nick der beste Name für einen Sohn ist und wie Schrotflinte und Bier wirklich funktioniert, wer sich den besten Anmachspruch aller Zeiten nicht entgehen lassen will - der ist bei The Sure Thing an der richtigen Adresse. In der Mitte hängt der Film etwas in der Schwebe, viele Gags zünden vielleicht im 21. Jahrhundert nicht mehr so, wie sie es Mitte der 80er getan haben, wer den Film aber in seinen Jugendjahren damals gesehen hat musste ihn einfach lieben, wegen seiner Figuren, wegen seiner Musik, wegen seinem Charme, einfach wegen dem Gefühl der Nostalgie, das er in einem wachruft. Und gerade solche Filme sind sehr wichtig für einen Menschen, Filme, die einem etwas bedeuten, mit denen man etwas verbindet. Das müssen filmhistorisch oder -technisch keine Meisterwerke oder Meilensteine sein, die müssen einfach nur zu Herzen gehen. Und das tut Rob Reiner's Film - wenn man ihn denn lässt.

9/10