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16. April 2016

Vorlage vs. Film: Stand by Me

The Body (1982)

Stephen King gehört zu den ganz großen Schriftstellern der Geschichte – zumindest wenn es um die Anzahl von filmischen Umsetzungen geht. Da sind die Werke von Shakespeare, Dickens, Chekhov und Co. ordentlich dabei, aber eben auch der 68-Jährige aus Maine. Über 50 Filme basierend auf seinen Arbeiten führt Wikipedia, allein die Hälfte davon entstanden in den 90er Jahren. Erstaunlich für einen Mann, der bis heute 54 Romane verfasst hat – aber eben auch fast 200 Kurzgeschichten. Eine solche ist auch The Body, die 1982 gemeinsam mit Rita Hayworth and Shawshank Redemption in dem Sammelband Different Seasons erschien. Auf rund 72 Seiten erzählt King darin die Coming-of-Age-Story vierer Jungs während eines Sommers.

Die Handlung beginnt relativ harmlos und doch dramatisch zugleich: Kurz vor Ende der Sommerferien im Jahr 1960 erfahren im fiktiven Ort Castle Rock die vier Freunde Gordie, Chris, Teddy und Vern von dem Aufenthaltsort eines vermissten Jungen. Der soll von einem Zug überfahren einige Meilen entfernt im Wald liegen, wo ihn Verns älterer Bruder mit einem Kumpel fand. “So when a boy dies out in the forest, it’s a chance to see something they have never seen in their lives: a dead body”, heißt es in der Einleitung. “Their journey will teach them as much about life as about death”. Die Jungen, an der Grenze vom Kind zum Jugendlichen stehend, lernen innerhalb weniger heißer Tage, was es bedeutet, erwachsen zu werden.

Zwei Tage lang eisen sich die Vier von ihrer Familie los, um den Bahngleisen zur Leiche ihres Altersgenossen zu folgen. Dabei macht Gordie als Erzähler klar, dass die Clique durchaus etwas gespalten ist, indem Teddy und Vern offen als dumm bezeichnet werden, während Chris als Delinquent daherkommt. Hierbei ist die Geschichte direkter und weniger emotional als es die Verfilmung von Rob Reiner sein sollte. “Your friends drag you down, Gordie. Don’t you know that?”, macht Chris da seinem intelligenteren Freund deutlich, dass sich ihre Wege trennen werden. “You can’t save them. You can only drown with them.” Eine Ansprache, nicht unähnlich zu der Rede, die Ben Affleck Jahre später Matt Damon in Good Will Hunting geben würde.

Im Gegensatz zum Film spielt auch Gordies Bruder Dennis eine kleinere Rolle. Wo dieser im Film zum Vorbild stilisiert wird, ist seine Rolle bei King etwas ausgearbeiteter und doch passiver. Es wird erwähnt, dass Gordies Eltern keine Kinder bekommen konnten, ehe die Mutter plötzlich mit Dennis schwanger wurde. Fünf Jahre später kam dann noch Gordie hinzu. “For my parents, one gift from God was enough”, so Gordie. Die Beziehung zu Dennis war nicht minder unterkühlt, nicht zuletzt aufgrund des Altersunterschieds. “We rarely did things together”, erzählt der kleine Bruder. Dennis’ Tod berührt ihn daher nur bedingt, weshalb die Geschichte auch ohne die Basecap-Szene mit Ace Merrill und “Eyeball” Chambers auskommt.

Generell tauchen Ace und seine Gang nur im Off auf, ehe beide Gruppen schließlich die Leiche von Ray Brower inmitten eines heraufziehenden Sturms finden. Wo Reiners Film die Androhungen der Gang nach versagter Leichenüberführung schlussendlich ins Leere laufen lässt, berichtet Stephen King durchaus von den Konsequenzen der vier Freunde. So hagelte es für Gordie und Chris gebrochene Knochen, für Teddy und Vern immerhin üble Abreibungen. Obendrein findet The Body ein so abruptes wie düsteres Ende, denn Ray Brower wird nicht die einzige Leiche bleiben. Zusätzlich zu Chris sterben auch Teddy und Vern jung. Nur Gordie überlebt die sechziger Jahre und blickt mit 34 Jahren auf die Ereignisse aus der Jugend zurück.

Eine echte Sympathie mit Gordie will sich während der Lektüre nicht wirklich einstellen, wozu auch seine distanzierten Beschreibungen von Dennis über Teddy und Vern beitragen. Nur zu Chris scheint er eine echte Beziehung zu haben. Das Ende der Geschichte ist nichtsdestotrotz tragisch, da bis auf Gordie alle Figuren als gescheitert betrachtet werden müssen. Sie alle leb(t)en jenes “loser’s life”, von dem Gordie sprach, welches er jedoch vermied. Inwieweit die Ereignisse um Ray Browers Tod in jenem Sommer sie geformt oder beeinflusst haben, bleibt dabei unklar. Außer, dass sie Jahre später Gordie für eine Kurzgeschichte dienen würden. “Some people drown”, heißt es da gegen Ende betrübend, die Worte von Chris reflektierend.


Stand by Me (1986)

«Have gun will travel reads the card of a man,
a knight without armor in a savage land.»


Wer im Kindesalter Filme mit Gleichaltrigen sieht, wird zu diesen vermutlich eine ganz eigene Bindung aufbauen. Egal ob dies nun The Goonies betrifft oder Stand by Me. Was beide Filme eint, ist das Erleben eines Abenteuers, wie es für Kinder in dem Alter – zumindest für ihr Empfinden – nicht ungewöhnlich ist. Auch wenn die „wahren“ Abenteuer sich nicht um Piratenschiffe oder das Finden einer Leiche drehen. “I was twelve going on thirteen the first time I saw a dead body”, berichtet uns ein Erzähler (Richard Dreyfuss) zu Beginn des Films. Das Ganze geschah im Sommer des Jahres 1959. “A long time ago – but only if you measure it in terms of years.” Auslöser ist eine weitere Leiche: die eines guten Freundes jener Zeit.

Reiner nimmt in seiner Verfilmung den Tod von Chris (River Phoenix) vorweg, ehe wir die Figur überhaupt kennenlernen. Seine Ermordung gut 26 Jahre nach den Ereignissen des Films führt zur Reflexion des alten Gordie an sein jüngeres Ich (Wil Wheaton). Der war einer jener spärlichen 1.281 Einwohner von Castle Rock “but to me it was the whole world”. Vielleicht weil sich der Sommer dem Ende neigt und sie sowieso nichts besseres zu tun haben, beschließen Chris, Gordie sowie Teddy (Corey Feldman) und Vern (Jerry O’Connell) sich die Leiche von Ray Brower anzusehen, nachdem Vern seinen älteren Bruder belauscht hat. Abgesehen von der Einleitung des älteren Gordie folgt Reiner vom Aufbau her praktisch haargenau Kings Vorlage.

Mit einigen Ausnahmen, geht der Regisseur doch an manchen Stellen ins Detail, die King nur oberflächlich berührt hat. Hier ist Widersacher Ace (Kiefer Sutherland) weitaus präsenter im Film als in der Kurzgeschichte und erhält früh ein Gesicht zu seinem Namen. So unterbricht Reiner das Abenteuer von Gordie und Co. für Szenenwechsel zu Ace und seiner Gang und unterstreicht das Draufgängertum von Ace. Zudem lässt er ihn eingangs direkt mit Gordie und Chris zusammenstoßen und verbindet diese Szene mit einer weiteren Vertiefung, die King aussparte: der Beziehung von Gordie zu seinem älteren und wenige Monate zuvor unglücklich verstorbenen Bruder Dennis (John Cusack) sowie dessen Schatten auf seinen kleinen Bruder.

Die Umstände von Dennis’ Bevorzugung aus der Vorlage fehlen im Film. Reiner macht ihn einfach zum Lieblingssohn, für den im Gegensatz zu den Eltern Gordie nicht unsichtbar ist. Er liest und schätzt die Kurzgeschichten seines Bruders und schenkt ihm seine Mütze, die Gordie später von Ace entwendet wird. Die familiäre Situation ist es auch, die Gordie im Verlauf in einer Albtraumszene verfolgt, die King in der Vorlage auf die Beziehung der Freunde münzte. So wärmer das Band zu Dennis Gordie hier auch zeichnet, irritiert die eher unterkühlte Wahrnehmung des Brudertodes. Film-Gordie scheint emotional ähnlich wenig betroffen von Dennis’ kürzlichem Ableben wie Buch-Gordie. Was die Basecap-Episode folglich etwas unnütz macht.

Generell erscheint die vielfache Integration von Ace nicht wirklich notwendig, nur um die Figur fieser und bedrohlicher zu gestalten. Stattdessen hätte Reiner die Zeit aufwenden können, um die Freundschaft der Jungs zu vertiefen. Zumindest werden diese nicht im selben Maße denunziert wie bei King, Stand by Me lässt eher seine Bilder sprechen. Allerdings ähnlich wie bei Dennis’ Hintergrund Details aussparend. So gelingt es King, den emotional unstabilen Teddy mit wenigen Zeilen tiefgründiger zu zeichnen als dem Film, der Teddys Übermut (“Train dogde. Dig it?”) als Charaktereigenschaft darstellt. Insgesamt ist es bedauerlich, dass sowohl Stephen King als auch Rob Reiner mit Teddy die wohl komplexeste Figur etwas vernachlässigen.

Auch der Film fokussiert sich primär auf die Beziehung von Gordie und Chris, und den drohenden Abschied der Clique voneinander, indem sie bald unterschiedliche Bildungs- und Karrierewege wählen. Wenn sowohl Kings Geschichte als auch Reiners Film daher Gordie sagen lassen “We knew exactly who we were and exactly where we were going”, stellt das natürlich eine Selbstlüge dar. Von ihnen allen scheint sich höchstens Chris mit der Zukunft zu befassen – und das auch nur insofern, als dass er sich aufgrund seines biografischen Hintergrunds bereits abgeschrieben hat. Die Geschichte dreht sich vielmehr um jene Zeit, ehe sich der Selbstfindungsprozess ankündigt, der einen womöglich begleitet, bis man um die 30 Jahre alt ist.

Insofern fängt Stand by Me besser als The Body die letzten Tage kindlicher Unschuld ein (“You think Mighty Mouse could beat up Superman?”), von Reiner exemplarisch in der Lagerfeuerszene eingefangen. Hier wird PEZ mit Kirschgeschmack als lebenslange Nahrung erkoren und Gordie darf eine Kurzgeschichte nicht nur andeuten, sondern in Person von “Lard Ass” auch auserzählen (als Geschichte in der Geschichte einer Geschichte). Da ist es ironisch, dass diese ähnlich abrupt endet wie Kings The Body – was auch von den übrigen Jungs entsprechend kritisiert wird. Zugleich sorgt die Lard-Ass-Geschichte für einen Moment der Aufheiterung inmitten einer Handlung, die sonst – wenn auch etwas unscheinbar – reichlich dramatisch daherkommt.

Von Teddys Bestreben, einem Zug ausweichen zu wollen (wovor ihn im Film Chris, bei Stephen King allerdings Gordie bewahrt), über die riskante Brückenüberquerung, die Gordie und Vern nur knapp überstehen, bis hin zu Gordies „Flucht“ vor Hund Chopper (“Chopper, sic balls!”) und Teddys anschließendem Zusammenbruch. Von allen Vieren ist Vern der einzige, der sich keinen Dämonen stellen muss, während Gordie, Chris und Teddy mit ihren Vätern sowie ihrer Stellung in ihrer Umwelt hadern. Die Suche nach einem zwölf Jahre alten Leichnam, eigentlich als vergnügliches Abenteuer geplant, gerät für die Freunde immer emotionaler. “Maybe it shouldn’t be a party”, realisiert auch Gordie kurz bevor sie Rays Leiche entdecken.

Ähnlich wie bei Teddys Zugausweichen ändert Reiner im Finale wieder ein paar Details. Den Sturm, der während der Konfrontation mit Ace und Co. aufzieht, spart der Regisseur aus. Und lässt Teddy und Vern weitaus früher vor den älteren Jungs das Weite suchen. Hier ist es nun Gordie und nicht Chris, der den Revolver, den Letzterer sich von seinem Vater ausgeborgt hat, auf Ace richtet. Wenn man so will eine Art Rache für den Basecap-Diebstahl zuvor. Das Ende ist dann etwas versöhnlicher, lässt Reiner doch nicht nur die Tracht Prügel unter den Tisch fallen, sondern auch Vern und Teddy mit dem Leben davonkommen. Selbst Chris wird nicht während seines Jura-Studiums umgebracht, sondern erst Jahre später, wenn er bereits Anwalt ist.

Nachvollziehbare Änderungen, die einen weniger bedrückt zurücklassen und somit Stand by Me mehr etwas von einer positiven Erinnerung verleihen. Der Film profitiert dabei fraglos von seinem starken Ensemble, allen voran die Jungdarsteller um River Phoenix und Corey Feldman sind perfekt besetzt und bringen ihre Charaktere authentisch rüber. Mit den passenden Hit-Songs jener Epoche ist Stand by Me eine überaus gelungene Adaption (auch King favorisiert sie unter all seinen Verfilmungen), die absolut nostalgisch gerät. Vielleicht auch, weil man mit ihr aufwuchs, wo jeder Film noch besonders wirkte. Sodass man ein Zitat des Films ummünzen könnte: I never had any films later on like the ones I had when I was twelve. Jesus, does anyone?

9.5/10

6. August 2015

Vorlage vs. Film: High Fidelity

High Fidelity (1995)

Eins muss man schon sagen, der doppeldeutige Titel von Nick Hornbys drittem Buch High Fidelity ist vielleicht seine größte Stärke. Neben About a Boy gilt Hornbys 1995er Roman zu seinen erfolgreichsten Werken, noch vor seinem autobiografischem Fever Pitch. Inhaltlich erzählt der Engländer von einer Trennung und ihren Folgen für beide Parteien. Der 35-jährige Vinyl-Shop-Besitzer Rob wird zu Beginn des Buchs von seiner Freundin Laura verlassen. Und das nach drei Jahren Beziehung, so lange wie es Rob mit noch keiner Frau aushielt. Für ihn nun Anlass, eine Top-5-Liste seiner schlimmsten Trennungen anzufertigen, auf der für Laura jedoch kein Platz ist. So schlimm scheint das Beziehungsende Rob nicht getroffen zu haben.

Dass Rob verlassen oder verletzt wird, hat dabei Tradition. Seit er als 12- oder 13-Jähriger damals nach drei Tagen von seiner ersten Freundin Alison betrogen wurde. Ihre Beziehung “had lasted six hours”, rekapituliert Rob (S. 5) – drei Tage à zwei Stunden Rumknutschen nach der Schule. Zu mehr sollte es auch ein Jahr später nicht mit Penny kommen, nicht mal Rumfummeln war gestattet. “We had been going out for three months, which was as near to a permanent relationship as you could get in the fourth year”, entschuldigt er (S. 9). Kurz darauf schlief Penny dafür dann mit einem Klassenkameraden. “I had been humiliated, beaten, out-performed”, bemerkt Rob (S. 10). Ein Schicksal, das ihm noch mehrfach drohen sollte.

Sowohl seine vermeintlich große Liebe Charlie als auch deren Nachfolgerin Sarah verließen Rob für einen anderen Mann. Als er erfährt, dass auch Laura bereits einen Neuen hat – ihren ehemaligen Nachbarn –, zerrt dies die fortlaufende Handlung über an Robs Nerven. Die Beziehung von Rob und Laura bildet den Kern von High Fidelity, jedoch thematisiert Hornby auch eine existenzielle Angst seiner 35-jährigen Hauptfigur. Diese ist quasi pleite, wohnt in einer Ein-Zimmer-Wohnung und besitzt einen Plattenladen, der mehr schlecht als recht läuft. Für Abwechslung sorgen allenfalls seine mit ihm befreundeten Mitarbeiter Barry und Dick, mit denen Rob tagsüber verschiedene musikalische Top-5-Listen erstellt und die Abende verbringt.

Im Mittelpunkt steht aber das Verhältnis von Rob zu Frauen. “Girls”, erinnert er sich eingangs zurück an seine Kindheit. “One moment they weren’t there (…) and the next you couldn’t miss them” (S. 2). In der Reflektion seiner früheren Beziehungen zeigt sich wiederum eine große Unsicherheit gegenüber dem weiblichen Geschlecht. “I have never been entirely sure what it is women like about me”, gesteht Rob (S. 15). Jene Verunsicherung kostete ihn seinerzeit auch Charlie, jene Beziehung, die die größte Wunde hinterlassen hat. “I always think that women are going to save me, lead me through to a better life, that they can change and redeem me”, sagt Rob an anderer Stelle (S. 50). Und beginnt, sein bisherigen Leben zu hinterfragen.

Und während er Lauras neue Beziehung zu torpedieren versucht, bemüht er sich, die Kontakte zu seinen Top-5-Trennungen wieder aufzunehmen, um die Ursache seines Scheiterns zu ergründen. Am Ende ist es ein Todesfall in Lauras Familie, der die beiden Figuren wieder zusammenführt, ohne das wirklich ersichtlich wird, wieso. Hornby gelingt es, in Rob eine wenig sympathische Figur zu erschaffen (er spannte einem Freund einst die Freundin aus, betrog eine schwangere Laura, die daraufhin abtrieb, und lieh sich anschließend Geld von ihr), der man dennoch bereitwillig durch ein paar emotionale Wochen folgt. Mit einigen humorvoll-akkuraten Bemerkungen und popkulturellen Verweisen auf die Musik- und Filmlandschaft der 1990er.

Der Schluss will allerdings nicht wirklich überzeugen. Mehr aus Resignation denn Liebe kehrt Laura schließlich zu Rob zurück, ehe sich nach einigen Diskussionen beide scheinbar ihrem Schicksal ergeben, lieber zweisam statt einsam zu sein. Was sie an ihm und er an ihr findet, gelingt Hornby nicht vollends herauszuarbeiten. Genauso wenig wie Robs vermeintliche Katharsis glaubwürdig erscheint. “Maybe we live life at too high a pitch, those of us who absorb emotional things all day, and as a consequence we can never feel merely content”, sinniert Rob mal (S. 131) und liefert damit fast noch die Erklärung, die am ehesten zufriedenstellen kann. Auf eine Top-5-Liste der besten Romane aller Zeiten schafft es High Fidelity jedenfalls eher nicht.


High Fidelity (2000)

Hey! Do you have soul?

Fünf Jahre nach Erscheinen des Romans folgte dann die Verfilmung. Stephen Frears verlegte hierzu den Handlungsort von London nach Chicago, amerikanisierte das Original also wie es nicht selten (siehe Constantine) geschieht. Statt jemand wie Ewan McGregor übernimmt in High Fidelity also John Cusack die Rolle von Rob. Und wo wir schon beim Thema sind, darf festgehalten werden, dass die Besetzung des Ensembles durchwachsen ausfällt – wie die Adaption als Ganzes. Wo Cusack und Iben Hjelje als Laura in Ordnung gehen und Todd Louiso als introvertierter Dick sowie Jack Black als extrovertierter Barry herausragen, lässt sich dies nicht über jede Nebenrolle sagen. Allen voran hinsichtlich Joan Cusack und Tim Robbins.

Gerade Robbins’ Besetzung ist einer der Störfaktoren, mit langem Zopf ziemlich offensichtlich als Witzfigur gedacht, die dann auch noch unnötig in Traumsequenzen integriert wird (man bedenke, High Fidelity entstand in der Hochphase von Ally McBeal). Als solche irritieren auch Robs Suche nach Rat bei Bruce Springsteen, die wie die Szenen mit Robbins keinen wirklichen Zweck erfüllen. Eine Visualisierung von Lauras neuem Freund hätte es für dessen Einfluss auf ihre Beziehung zu Rob keineswegs gebraucht – schon gar nicht in derart lächerlicher Art und Weise. Weniger störend geraten derweil Catherine Zeta-Jones, Lili Taylor und Lisa Bonet als etwaige love interests, trotz einiger äußerlicher Änderungen gegenüber Nick Hornbys Vorlage.

Im Falle von Bonets Singer-Songwriterin Marie de Salle zeigt sich jedoch, dass der Transfer von England nach Amerika nicht vollends durchdacht war. Frears gelingt es nicht, wirklich deutlich zu machen, wieso im zweiten Akt Marie und Rob miteinander im Bett landen. Wo dies der Roman dadurch untermauert, dass Marie als Amerikanerin neu in England ist und in Rob, Barry und Dick erste Kontakte knüpft, wirkt es im Film selbst ungemein beliebig. Auch, weil die Figur danach nicht mehr wirklich in Erscheinung tritt und Bonets solide Darstellung somit verschenkt wirkt. Auch eine zeitliche Neueinordnung hätte High Fidelity hier gut getan, wirken die Mixtapes der Jungs doch ungemein altbacken, wenn Marie selbst bereits CDs verkauft.

Ein Problem, um das der Film wohl angesichts des Ich-Erzählers der Vorlage nicht herumkam, ist Robs ständiges Durchbrechen der vierten Wand. Fraglos ein delikates stilistisches Mittel, dessen sich selbst Michael Haneke in Funny Games oder John Hughes in Ferris Bueller’s Day Off nur mit Vorsicht bedienten. In High Fidelity ist es wiederum zu viel des Guten, auch da es Cusack in den Szenen oft nur bedingt gelingt, eine glaubwürdige Bindung zum Zuschauer zu erzeugen. Sicher sollte so der Charme im offenen Monolog zwischen Rob und dem Publikum vom Buch in den Film gerettet werden, eine eher traditionelle Erzählweise oder eine Erzählstimme wäre jedoch in diesem Fall vermutlich der Vorzug zu geben gewesen.

Grundsätzlich ist High Fidelity dabei eine Adaption, die sich bemüht, der Vorlage weitestgehend gerecht zu werden. Darunter durch verschiedene humorvolle Szenen, die direkt übernommen wurden, allerdings nicht immer mit ihrem gebührenden Kontext. Dazu gehört beispielsweise Barrys Band, ihren wechselnden Namen und Robs Widerwillen, sie in irgendeiner Form zu unterstützen. Hinzu kommt, dass die Struktur des Handlungsablaufs irritierender Weise im Film geändert wurde. So beginnt Rob hier weitaus früher, seine Top-5-Ex-Freundinnen – zu denen dann auch Laura addiert wird, damit man sich dafür eine weitere Figur sparen kann – aufzusuchen, selbst wenn die Figur noch gar nicht ihren kathartischen Anfang erreicht hat.

Auch Gespräche zwischen Rob und Laura aus den Schlusskapiteln finden sich im Film bereits im ersten Akt wieder, wodurch die Relevanz des Inhalts nicht dieselbe Bedeutung erhält, wie im Roman. Am verstörendsten gerät jedoch der Schluss des Films als solcher. Hier will noch weniger klar werden, wieso Rob und Laura erneut zueinanderfinden. Die Beerdigung von Lauras Vater ist erneut der Auslöser, doch weder spielt die Beerdigung und ihre Bedeutung für Rob eine Rolle, noch widmet sich Frears ihr vollends. Umso passender, dass im Gegensatz zum Buch der Film den Auto-Sex zwischen Rob und Laura nach der Beerdigung dann durchzieht. Schlicht, weil die Autoren nicht verstanden zu haben scheinen, worum es in jenem Moment eigentlich ging.

Der Film vermag nicht zu betonen, dass Rob eigentlich Laura gar nicht zurückhaben will, ehe er realisiert, dass dem doch nicht so ist. Roman-Rob geht es eher um ein größeres Ganzes, dessen jüngstes Teil von Laura dem Puzzle hinzugefügt wurde. Und der sich im Laufe des Buchs einredet, dass jenes Puzzle mit diesem Teil genauso gut beendet wäre wie mit einem weiteren. Dass beide Figuren nach ihrer Wiedervereinigung in Gesprächen weiter eruieren, ob sie als Paar wirklich Sinn machen – selbst wenn dies auch im Roman nicht vollends gelingt –, bleibt im Film ganz außen vor. Die vermeintliche Katharsis von Rob ist bei Stephen Frears insofern noch weniger glaubwürdig wie dies bei Nick Hornby bereits der Fall gewesen war.

War High Fidelity bis zu diesem Zeitpunkt eine unnötig in die USA verlagerte britische Adaption, die trotz einiger inhaltlicher Umstrukturierungen dennoch weitestgehend solide ausfiel, macht sich der Film in seinen finalen 20 Minuten unnötig sehr viel selbst kaputt. Was bleibt ist eine Verfilmung, die trotz der (mit rund 240 Seiten) durchaus knappen Vorlage bisweilen ungemein gehetzt wirkt und in ihrem Bestreben, möglichst lustige Szenen aus dem Buch zu integrieren – und obendrein sogar wenig überzeugende neue zu schaffen – viele der Figuren vernachlässigt. Darunter auch die Hauptfigur. Da bleibt einem nur, den Titel von Rob und Lauras gemeinsamen Song von Solomon Burke zu beherzigen: “Got to Get You Off My Mind”.

5.5/10

27. September 2010

Hot Tub Time Machine

It felt good. Admit it.

Nimmt sich ein Zeitreise-Film halbwegs Ernst, greift er das Problem des Schmetterlingseffektes auf. Eine Veränderung in der Vergangenheit kann Folgen auf die Gegenwart haben. Ein Paradoxon, natürlich, da eine Veränderung in der Vergangenheit, die Folgen auf die Gegenwart hätte, dementsprechend bereits bekannt wäre. Nichtsdestotrotz dient der Schmetterlingseffekt im Zeitreise-Film schlechthin, Back to the Future, als netter Aufhänger für die Geschichte des Filmes. Michael J. Fox platzt in die Schulzeit seiner Eltern und verhindert, dass diese sich ineinander verlieben. Oder tut er dies wirklich? Das Paradoxon kommt wieder ins Spiel, wer weiß ob Marty McFly überhaupt existieren würde, wenn er nicht in die Vergangenheit gereist wäre. Weit weniger ernst nimmt diese Prämisse nun Steve Pinks Hot Tub Time Machine, der sich eher daran labt, zurück in die Vergangenheit zu reisen. Passender Weise natürlich in die achtziger Jahre, womit die Referenzen zu Back to the Future nicht aufhören, sondern im Grunde erst anfangen.

Ist die Schulzeit vorbei, verflüchtigen sich auch die Bekanntschaften. Man geht seine eigene Wege, kämpft mit seinen eigenen Problemen. Adam (John Cusack) zum Beispiel kommt eines Abends nach Hause, um festzustellen, dass seine Freundin ausgezogen ist und dabei nicht nur die Dinge mitgenommen hat, die ihr gehört haben. Sein Neffe Jacob (Clark Duke) sitzt derweil im Keller und zockt Second Life, während Pantoffelheld Nick (Craig Robinson) in einem Hundesalon arbeitet. Es ist ein vermeintlicher Suizidversuch ihres Kumpels Lou (Rob Corddry), der Adam und Nick auf den Plan ruft. Spontan wird beschlossen, auf die alte Skihütte zu fahren, um der vergangenen Zeiten zu gedenken. Ein lahmer Abend, der im Whirpool und nach einigen Runden Alkohol, inklusive des illegalen russischen Energiedrinks Chernobly, im Jahr 1986 endet. Auf Anraten von Jacob und dessen Stargate-Fankenntnisse müssen nun alle darauf achten, genau das zu tun, was sie damals auch getan haben.

Der Auftakt für einige nette Anekdoten und nostalgische Erinnerungen an die Achtziger. Nicht gerade die schönsten Erinnerungen für manche, resümiert Adam doch: „We had like Reagan and AIDS“. Für Nick dagegen war es eine bessere Zeit, war damals Michael Jackson doch noch schwarz und sein Nachname „Webber“ im Gegensatz zur Gegenwart, wo er den Namen seiner Frau angenommen hat. Alle Drei haben nun mehr oder weniger Opfer zu bringen, um sicherzustellen, dass alles sich so abspielt, wie es sich einst abgespielt hat. Für den damals in einer Band spielenden Nick bedeutet dies, mit einem Groupie seine Frau zu betrügen, was ihm merklich schwerfällt, obschon diese ihn zuvor betrogen hat. Adam wiederum muss mit seiner scharfen Freundin Jenny (Kick-Ass' Lyndsy Fonseca) Schluss machen und fürchtet den damaligen Stich mit einer Gabel ins Auge. Währenddessen versucht Lou einer alten Schlägerei mit Blaine (Sebastian Stan) von der Ski-Patrouille aus dem Weg zu gehen und Jacob kämpft damit, dass seine Mutter ein koksendes Flittchen ist.

Die Reminiszenz an das Jahrzehnt des schlechten Geschmacks weicht dann relativ rasch der klassischen Komödienformel. Hier und da gibt es kleinere nette Szenen, die Emails und Handys ins Spiel bringen, aber wie Nick sagen würde: „That’s not the point“. Stattdessen geht es für die drei Protagonisten eher darum, ihre miserable Gegenwart durch ein Eingreifen in die weitaus illustere Vergangenheit zu beeinflussen - was Jacob unter allen Umständen vermeiden möchte. Aber auch dies ist eher eine Randerscheinung eines Filmes, der mehr Wert auf gute Stimmung denn eine gute Handlung legt. So versucht Hot Tub Time Machine den Geist der Achtziger-Komödien einzufangen und wie sollte das besser gehen, als mit John Cusack in der Hauptrolle? Dementsprechend baut Pink kleine Referenzen zu Better Off Dead… und Say Anything… ein, was jedoch nicht dabei hilft, dass Cusack selbst etwas von seiner damaligen Aura wiedergewinnt. Er und Duke sind es, die dem Erzählfluss stets ein Bein stellen und das Tempo drosseln.

Da hilft auch Lizzy Caplan in einer Nebenrolle wenig, mit der sich Cusack speziell im zweiten Akt primär die Zeit vertreibt, während Dukes Figur eine ausgesprochen Undankbare ist, die wenig bis gar keine Sympathien zu erzeugen vermag. Stattdessen lebt Pinks Film von Robinson und Corddry beziehungsweise von der Naivität und Coolness des Ersteren und ungezügelten Vulgarität des Letzteren. Ein herrlicher running gag besteht beispielsweise aus Lou, wie er in jeder halbwegs gefährlichen Situation darauf hofft, dass der einarmige Page (Crispin Glover) aus der Gegenwart in der Vergangenheit ebenjenen Arm verlieren könnte. Der exzellente Glover ist dabei nur einer von vielen Verweisen auf Robert Zemeckis’ Kultfilm Back to the Future, zu denen auch ein grandioser Musikauftritt von Robinson gehört, der in einer Skihütte 1986 plötzlich „Let’s Get It Started“ von den Black Eyed Peas anzustimmen beginnt. Es sind Szenen wie diese, die über einige spannungsarme Hänger in Hot Tub Time Machine hinwegtrösten können.

Denn wenn man lacht, dann ordentlich. Überflüssige Figuren wie im Grunde Caplan aber insbesondere Chevy Chase als Pendant zu Christopher Walken in Click oder Don Knotts in Pleasantville, fallen da weitaus störender auf als William Zabkas Gastauftritt, der allein dank Zabka nett gerät. Insgesamt ist Pinks Film also durchaus gelungen und sehr viel stimmiger, wenn auch weniger obszön, als eine frühere Drehbuchfassung des Filmes es vorgesehen hatte. Überzeugende Darsteller wie Robinson, Corddry, Glover oder Stan können die schwächeren Auftritte von Cusack, Duke und Co. ausgleichen. Wenn von Nöten, gelingt es Pink mit Hilfe seiner Ausstattung und Musik (u.a. „Once In A Lifetime“ von den Talking Heads) die nötige 80er-Atmosphäre zu erzeugen. Hinzu kommt, dass es genügend ausgesprochen unterhaltsame Szenen gibt, die einige Durststrecken überstehen lassen. Das male bonding zwischen den vier Darstellern könnte besser sein, allerdings auch schlechter (siehe Grown Ups). Zwar wird Hot Tub Time Machine finanziell nicht zum diesjährigen The Hangover, emotional ist er diesem jedoch weit voraus. Oder zurück. Ein Zeitparadoxon eben.

7.5/10

8. November 2009

2012

We’re gonna need a bigger plane. 

Er gilt als der Master of Desaster und die Rede ist bei weitem nicht von Michael Bay. Niemand zerstört so gerne und genüsslich wie der Sindelfinger Roland Emmerich. Egal ob die Hauptstädte der Erde durch eine sommerliche, außerirdische Invasion dran glauben müssen oder eine mutierte Riesenechse New York City zerlegt. Roland kennt keine Gnade. Nachdem ihn sein Wahl-Lokalpatriotismus mit The Patriot in etwas überzogen-pathetische Gefilde getrieben hatte, versuchte Emmerich parallel zur Rot-Grünen Bundesregierung eine politische Botschaft mit seinem liebsten Hobby bzw. Beruf in Einklang zu bringen. In The Day After Tomorrow stellte Wissenschaftler Dennis Quaid fest, dass die Erde den Bach runtergehen wird. Von wegen Klimawandel, globale Erwärmung und so. Ein Szenario, dass nun in Emmerichs neustem Film 2012 ein Echo erfährt. Hier darf Wissenschaftler Chiwetel Ejiofor dem US-Präsidenten die „frohe“ Botschaft bringen, dass die Menschheit so 2009 ist. 

 Zum ersten Mal seit er in Hollywood arbeitet hatte sich Emmerich nach einem Film gleich wieder ans Steuer gesetzt. Vielleicht auch deshalb, weil 10.000 BC alles andere als gelungen war. Und obschon Emmerich mit dem Zerstören der Erde eigentlich abgeschlossen hatte, lieferte ihm sein Filmkomponist nach dem Urzeit-Actioner ein Drehbuch, dass der Schwabe nicht ablehnen konnte. Nach dem Motto „wenn ich die Welt nicht zerstöre, zerstört sie ein Anderer“ rief sich Emmerich ins Gedächtnis, dass niemand die Welt so gut zerstört wie er. Gesagt getan und mehrere Tausend Digitaleffekte später ist sie nun fertig gestellt: Emmerichs Interpretation einer Maya-Prophezeiung, die vorsieht, dass wir alle am 21. Dezember 2012 sterben. Im Gegensatz zu The Day After Tomorrow also ein unverschuldetes Sterben, was die Bezüge zur Gegenwart auf ein Mindestmaß beschränkt. Weshalb der Film auch besser in den USA ankommen könnte, selbst wenn Emmerich das tollste Land der Erde – nach eigenem Selbstverständnis – als Erstes sprichwörtlich den Bach runtergehen lässt.

Die Prophezeiung der Mayas dreht sich nun um Sonnenstürme, die für eine Überhitzung des Erdkerns sorgen – so zumindest die aktuelle Deutung. Emmerich lässt daher die Erdkruste zerfallen, was zu Erdbeben, Vulkanausbrüchen und Riesentsunamis führt. Ein Doomsday-Szenario, von dem der US-amerikanische Geologe Dr. Adrian Helmsley (Chiwetel Ejiofor) 2009 mittels eines indischen Kollegen in Kenntnis gesetzt wird. Die US-Regierung wird informiert und baut in Abstimmung mit den anderen großen Nationen – die Kleinen müssen sich um sich selbst kümmern – Riesenarchen, deren Plätze für 1 Milliarde Euro, pro Person versteht sich, auf den Markt geschmissen werden. Etwas von dem Ottonormalbürger nichts mitbekommt, man will ja keine Panik verursachen. Aber als sich Helmsley in seinen Kalkulationen irrt und die Kacke statt kurz vor Weihnachten 2012 bereits im Sommer desselben Jahres am Dampfen ist – warum haben die Mayas das nicht gewusst? -, muss alles Schlag auf Schlag gehen. Mittendrin der gescheiterte Schriftsteller Jackson Curtis (John Cusack), der eigentlich nur wieder eine richtige Beziehung zu seiner Ex-Frau (Amanda Peet) und den gemeinsamen Kindern haben möchte.
  Nun macht der deutsche Regisseur keinen Hehl aus seinen Ambitionen und räumt seinem Prolog zum Weltuntergang lediglich so viel Raum ein, wie absolut nötig ist. Ganz kurz wird die Vorbereitungsphase abgehandelt, ehe Emmerich zum Punkt kommt. Nach einigen Erdbeben stürzt der Deutsche schließlich erst Los Angeles und dann die ganze Westküste der Vereinigten Staaten ins Unglück. Curtis, der während eines Camping-Ausflugs mit seinen Kindern dank dem überdrehten Radiomoderator Charlie (Woody Harrelson) vom Ende der Welt und den Archen Kenntnis erhalten hat, schnappt sich kurzerhand seine Familie und rettet sich mit einer Stretch-Limo (!) aus dem zusammenstürzenden L.A. Spätestens hier wird klar, dass Emmerich seinen Film vollkommen selbstironisch ausgelegt hat. Was jetzt beginnt, wird sich die kommende Stunde fortsetzen und 2012 zur teuersten Komödie aller Zeiten werden lassen.

Immer wieder, oder besser gesagt die ganze Zeit, können Curtis und seine Patchwork-Familie – der neue Freund seiner Ex-Frau, Gordon (Thomas McCarthy), darf mit und dankt es, indem er praktischerweise Flugerfahrung hat – in letzter Sekunde den zerstörerischen Erdmassen entfliehen. Dass Curtis derweil für seinen Sohn von „Jackson“ wieder zu „Dad“ avanciert, ist ein nettes Zubrot. Die Flucht der Familie Curtis ist dabei fernab jeglicher Realität von Emmerich inszeniert, natürlich ihrer eigenen Lächerlichkeit bewusst und kostet diese mit Vergnügen aus. Wo Klosers Drehbuch bei 10,000 BC noch jenseits jeglichen guten Geschmacks war – und auch nicht mehr als Trash durchgehen konnte -, funktionieren speziell die Dialoge dieses Mal erstaunlich gut. Gerade weil sie wirken, wie etwas, das von den Figuren erwartet, aber von ihnen auch bewusst so wahrgenommen wird. Da blufft Curtis auch seine kleine Tochter nicht, wenn er sie zur Beruhigung fragt, ob er ängstlich aussieht, während hinter ihm der Yellowstone Nationalpark in Flammen aufgeht.

Weitaus dramatischer und seriöser geht es dagegen bei Helmsley zu. Zwar kommentiert Emmerich auch diesen Handlungsstrang gerade im Finale sehr selbstironisch, doch primär hier findet sich die emotionale Keule des Regisseurs. Abschiedsanrufe an den eigenen Vater führen zu einer Massenaussöhnung von Vätern mit ihren Kindern, die auch vor dem US-Präsidenten (Danny Glover) selbst nicht Halt macht. Dabei sollte man sich nicht wundern, wenn alle Figuren in 2012 am Ende über drei Ecken entweder verwandt oder bekannt miteinander sind. Im Auge des Massen-Genozids der Menschheit ist es eben wirklich eine kleine Welt, in der man fortan lebt. Nach gut anderthalb Stunden beginnt Emmerich dann sein Katastrophenfilm-Schema beiseite zu legen. Die Zerstörungswut, die gerade noch das Weiße Haus und den Petersdom befallen hat, nimmt ab und die Handlung selbst beruhigt sich etwas, als sie an ihrem Endpunkt im chinesischen Hochgebirge anlangt. Und scheinbar endet mit den Katastrophen auch der Humor, der 2012 bisher so überraschend gut im Rennen gehalten hat. Stattdessen beginnt das letzte Reise-nach-Jerusalem-Spiel in der Geschichte der Menschheit. Plötzlich also die Kehrtwende und die Handlung wird dramatisch. Es wird gebettelt, gefleht und geweint. Emmerich verirrt sich nun in eine überlange Referenz an Filme wie Wolfgang Petersens Poseidon, wenn sich das Schauspiel auf der Arche schließlich fortsetzt. Unspannend ist das nicht, auch wenn klar ist wie das Ganze ausgehen wird, aber seine Längen hat es nichtsdestotrotz. Eine halbe Stunde weniger hätte hier alles andere als geschadet, speziell da vieles im Finale unnötig hinausgezögert wird, wahrscheinlich um dem Film mehr Tiefe zu verleihen. Hier verliert sich Emmerich etwas und zerstört die überaus gelungene Unterhaltung zuvor, wenn er nach all dem Jux aus dem Nichts heraus ein ernstes Gesicht aufsetzt. Zwar setzen sich bis zum Schluss die überzogenen Spielereien fort, verkommen jedoch nur zu comic relief in dieser überbordenden Dramatik. Dabei konnte Emmerich mit 2012 einiges wieder wett machen, was er letztes Jahr seinen Zuschauern mit seinem Wüste-an-Gletscher-Vehikel noch eingebrockt hatte.

Die Charaktere werden nicht vernachlässigt, was ob des Weltuntergangs im Hintergrund durchaus beachtlich ist. Besonders bei der Patchwork-Familie haben sich Kloser und Emmerich Mühe gegeben, gerade in Bezug auf die Konstellation von Curtis, Gordon und Curtis’ Sohn Noah (Liam James). Zwar verflacht das Ganze dann gegen Ende wieder in Klischeemuster, ähnlich wie im Falle des anderen Handlungsstrangs um Thandiwe Newtons Figur der First Daughter, generell sind die Bemühungen, den Figuren eine entsprechende Tiefe und Glaubwürdigkeit, auch oder gerade in diesem teils nicht ernst zu nehmendem Umfeld, zu verleihen aber sehr löblich. Die in Vielfalt vorhandenen Spezialeffekte sind hierbei nicht unbedingt state of the art, überzeugen jedoch im Kontext des Filmes ausreichend, um keine Augenbrauen hochschnellen zu lassen. Weitaus nerviger sind dagegen fehlbesetzte Figuren wie Danny Glover – passenderweise bemühte Emmerich sich die Staatsoberhäupter authentisch zu besetzen, vom afroamerikanischen US-Präsidenten bis hin zur weiblichen Bundeskanzlerin – geraten.

Was 2012 auszeichnet, ist die Tatsache, dass er die meiste Zeit total Gaga daherkommt und dies auch gewollt. Das hat in diesem Zusammenhang nichts mehr mit einem schlechten Drehbuch zu tun, weil es weitestgehend das sein will, was es ist. Das sollte man Emmerich anrechnen und letztlich ändert daran auch die Überlänge und überschwängliche Dramatik im dritten Akt nicht sonderlich viel. Insofern konsolidiert sich der Schwabe mit seinem neuesten/letzten Desasterfilmle, das hinsichtlich seiner Stärken und Schwächen in etwa auf eine Stufe neben Godzilla zu stellen wäre. Sollte dies wirklich Emmerichs Abschied vom Genre darstellen, so ist es ein gebührender Abschied in all seiner Kompromisslosigkeit. Denn wie oft haben sich Filmemacher schon getraut, die ganze Menschheit zur Unterhaltung auszurotten? Ein Vorhaben, dasswohl nur aus einer deutsch-österreichischen Kollaboration wie der von Emmerich und Kloser stammen kann. Wer sich an zweieinhalb Stunden Explosionen und Katastrophen erfreuen kann und dabei im Gegensatz zu einem Michael-Bay-Film auch etwas von seinen Figuren mitnehmen möchte, der ist bei 2012 fraglos an der richtigen Adresse. 

6/10

24. September 2009

Classic Scene: Grosse Pointe Blank - "And I know where you live."

DIE SZENERIE: Seit fünf Jahren arbeitet Martin Blank (John Cusack) als freiberuflicher Auftragskiller. In letzter Zeit sind jedoch einige seiner Aufträge nicht so gelaufen, wie er sich das vorgestellt hat. Hinzu kommt eine Einladung zum zehnjährigen Klassentreffen seines High School Jahrgangs, zu dem Martin eher ungern gehen möchte. Um seine Spannungen und Probleme etwas abzubauen, sucht er die Therapie beim anerkannten Psychologen Dr. Oatman (Alan Arkin) auf. Dieser hat verständlicherweise jedoch sehr ungern einen Auftragskiller als Patienten.

INT. DR. OATMAN'S OFFICE
- DAY

Martin slouches on a leather couch. He seems to be breaking the fourth wall, looking directly in the camera.

MARTIN: So I got invited to my ten-year high school reunion. I’m conflicted. I mean I don’t know if I really want to go. It’s in Detroit, you know, and I grew up there, but I just honestly don’t know...what I have in common with those people anymore. I mean, or with anyone, really. I mean, they’ll have husbands and wives...and children and houses and dogs, and, you know, they’ll have made themselves a part of something, and they can talk about what they do, and what I’m gonna say? “I killed the president of Paraguay with a fork. How have you been?” I’m just thinking it’ll be depressing. (emphazising) It’ll be depressing.

The shot cuts and we see, that Martin in fact is not speaking to the audience but to Dr. Oatman, who looks absent mindedly on his desk.

MARTIN: (cont.) Shouldn’t you be taking notes or something?

Dr. Oatman looks up.

DR. OATMAN: (surly) I’m not taking notes, Martin, because I’m not your doctor.

MARTIN: Please don’t start with that stuff again.

DR. OATMAN: Martin, I’m emotionally involved with you.

Martin leans forward in his armchair, a curious expression on his face.

MARTIN: How are you emotionally involved with me?

DR. OATMAN: I’m afraid of you.

MARTIN: You’re afraid of me.

DR. OATMAN: And that constitutes an emotional involvement and it would be unethical for me to work with you under those circumstances.

Oatman feels obviously uncomfortable with Martins presence in his office.

MARTIN: Don’t you think maybe you’re just upset because I told you what I do for a living and you got upset and you’re letting it interfere with our dynamic?

DR. OATMAN: (raises his hand in defence) Whoa! Martin, you didn’t tell me what you did for a living...

MARTIN: (interrupts) Yes, I did.

DR. OATMAN: (cont.) You didn’t tell me what you did for a living for four sessions. Then you told me and I said, “I don’t wanna work with you.” And yet you come back every week at the same time. That’s a difficulty for me. On top of that, if you’ve committed a crime, or if you're thinking of committing a crime, I have to tell the authorities.

MARTIN: I know the law, okay? But I don’t want to be withholding. I’m very serious about this process. (pauses) And I know where you live.

DR. OATMAN: Oh, now. See. (stands up) That wasn’t a nice thing to say. That wasn’t designed to make me feel good. That’s a kind of a ... not-to-subtle intimidation. And I ... uh -- I get filled with anxiety when you talk about something like that.

MARTIN: (smiles) Come on. Come on. I was just kidding, all right? The thought never crossed my mind.

DR. OATMAN: (persisting) You did think of it, Martin. You thought of it and then you said it. And now I’m left with...uh -- the aftermath of that...thinking I gotta -- I gotta be creative in a real interesting way now or Martin’s gonna blow my brains out. You’re holding me hostage here. That’s not right.

MARTIN: I just wanna work, okay? There are some issues that I need to work out in my life. I’ve read your books. Your best sellers, on the top 20.

DR. OATMAN: They were both ghost written, Martin.

MARTIN: What? The Annihilation of Death?

DR. OATMAN: (tired) Yeah.

MARTIN: (cont.) Kill Who? A Warrior’s Dilemma. I read it. The New York Times top 20.

DR. OATMAN: (resigning) Well, I -- I don’t know what to say.

MARTIN: Well, what do you say to other patients, you know? I don’t know. How does it work? Ask me how I’m feeling.

DR. OATMAN: (automatic) How do you feel?

MARTIN: I’m feelin’ uneasy, man. Um, I’m just dispassionate. I’m bored. I’m -- It’s hard to stay in a good mood. I’ve had problems at work. You know, concept/execution stuff. And I’m just ill at ease.

DR. OATMAN: Well, look, Martin, I don’t want to suggest anything that might be uncomfortable for you...but you might consider –- just consider the possibility that part of your problem...part of the thing that’s making you so miserable is the angst over killing a lot of people. Maybe -- just put it in the background there.

MARTIN: Come on. I show up at your door, chances are you did something to bring me there. Okay? I don’t care about that stuff.

DR. OATMAN: You don’t care about what stuff?

MARTIN: You know, morality.

DR. OATMAN: Hmm.

MARTIN: I don’t want to talk about work...because I don’t think necessarily what a person does for a living reflects who he is. So what do we do? We talk about dreams? Or what’s next? What’s next? What’s the score here?

DR. OATMAN: (helpless) We’ll talk about dreams. We can talk about dreams. It’s your nickel.

MARTIN: Sure. Uh, I had another one about Debi.

DR. OATMAN: That girl you’re obsessed with?

MARTIN: Don’t you think “obsessed” is a strong word?

DR. OATMAN: (sardonic) Uh, recurring dreams of loss and pain for ten years featuring the same person. Yeah, maybe that’s a bit excessive.

MARTIN: Um, I had one where I was, uh, that television mechanical rabbit. You know, with the-the-the--

Martin makes clapping gestures with his hands.

DR. OATMAN: The battery bunny?

MARTIN: Yeah. I was the bunny.

DR. OATMAN: That sounds like a very, very depressed dream.

MARTIN: (puzzled) Really?

DR. OATMAN: Yes.

MARTIN: Why?

DR. OATMAN: (on edge) Martin, it’s a terrible dream! It’s a depressing dream to dream about that rabbit. It’s got no brain. It’s got no blood. It’s got no anima.

He gestures wildly and starts to mimic the battery bunny.

DR. OATMAN: (cont.) It just keeps banging on those meaningless cymbals endlessly...and going and going and going.

Martin stares at him, Oatman pauses.

DR. OATMAN V.O.: (cont.) Time is up.

Martin looks at his wristwatch in wonder.

MARTIN: Time’s up already? You really wanna do half a session? (pauses) Could we just pretend we have a normal doctor/patient relationship? I’ll ask you a piece of advise and you give me an answer? You know –- advice. Should I go to the reunion?

DR. OATMAN: (giving up) Yes, yes. Get out of town.

MARTIN: (stands up in relish) Thank you.

DR. OATMAN: (cont.) Go see some old friends. Have some punch. Visit with what’s-her-name.

MARTIN: Debi.

DR. OATMAN: Debi. (pauses) Don’t kill anybody for a few days. See what if feels like.

MARTIN: All right. I’ll give it a shot.

DR. OATMAN: No, no. Don’t give it a shot. (they shake hands) Don’t shoot anything.

While Martins leaves, Oatman leans exhausted against the wall.

22. August 2008

Better Off Dead...

Dying when you're not really sick is really sick.

Mitte der Neunziger gab es das Kaiserslauterner HipHop-Duo Down Low. Deren Song „Johnny B“ lässt sich von seinem Rhythmus her sehr gut auf John Cusack umdichten (wobei dies zugegebenermaßen auf viele Schauspieler zutrifft): „Johnny C., look what you used to be, just open your eyes, and listen to me“. Oh ja, was hat John Cusack in den Goldenen Achtzigern nicht gerockt, der König der Teenage Comedy. Neben Klassikern wie The Sure Thing fand man Johnny C auch in Rob Reiners Stand By Me, John Hughes' Sixteen Candles und unvergesslich in Cameron Crowes Say Anything. Mit neunzehn Jahren folgte schließlich 1985 sein Durchbruch. Nicht nur dank The Sure Thing, sondern auch mit Better Off Dead… (dt. Lanny dreht auf) konnte Cusack sich in das Gedächtnis seiner Zeit brennen. Der Film von Savage Steve Holland – mit welchem Cusack ein Jahr darauf One Crazy Summer drehen sollte – beschäftigt sich dabei mit einem zentralen Aspekt des coming-of-age-Genre: der teen angst. Was unter anderem Grundlage für Serien wie Dawson’s Creek wurde, tritt hier für den Zuschauer nicht sonderlich offensichtlich in den Vordergrund, ist aber unterschwellig jederzeit vorhanden und der innere Antrieb des Films.

Wenn Hollands Film eine Handlung hat, dann ist es wohl der Versuch von Lane (John Cusack) seine Ex-Freundin Beth (Amanda Wyss) zurück zu erobern. Diese macht mit Lane wegen des Schul-Ski-Kapitäns Roy Stalin (was ein Name) Schluss. Lane sieht nun seine einzige Chance Punkte wett zu machen, indem er den berüchtigten K-12 Hügel hinunterfährt. Doch diese Teufelspiste konnte bisher nur eine Person bändigen: Stalin. Da sich diese Handlung – wie zu erwarten ist – schlecht über 80 Minuten dehnen lässt, wird zugleich noch der Klischee-Konkurrenz love interest eingebaut. Gegenüber von Lane wohnt die französische Austauschstudentin Monique (Diane Franklin), die sofort Feuer und Flamme für unseren Helden ist. Die restlichen Lücken füllt Holland mit typischen Szenen aus achtziger Jahre High School Filmen. Lustigerweise spielt hier Vincent Schiavelli wieder einmal einen Lehrer, wie er es auch ein Jahr später in Amy Heckerlings Kultfilm Fast Times at Ridgemont High tun würde. Zu guter letzt gibt es dann auch noch den durchgeknallten, alles koksenden und für die eigentliche Geschichte vollkommen unerheblichen Charles de Mar (Curtis Armstrong), sowie den Kult gewordenen running gag mit dem zwölfjährigen Zeitungsjungen Johnny („I want my two dollars“).

Dass ist jedoch alles nur Scharade, bloße Oberfläche, die Spitze des Eisberges. In Wahrheit ist Better Off Dead… ein subtiles Meisterwerk über Teenagerängste. Gut, das war etwas übertrieben, aber man muss in Hollands Film durchaus zwischen den Zeilen lesen. Ihr bloßes Aussehen hält Beth und Lane in ihrer Beziehung. Als Beth die Chance hat „sozial aufzusteigen“, einen populäreren, attraktiveren Klassenkameraden (Stalin) zu daten, nutzt sie diese Chance sofort. Konsequenterweise bricht für den Schüler damit eine Welt zusammen. Einziger Ausweg aus seinem emotionalen Dilemma ist Selbstmord, welchen er mehrfach versucht zu inszenieren, ohne ihn – zumindest selbst – ernsthaft durchzuziehen. Vielmehr sind Lanes Selbstmordversuche Ausdruck seiner Depression. Mit dem Verlust seiner Freundin scheint für ihn ein Verlust seines Lebens einher zu gehen. Die süße französische Nachbarin bemerkt er erst, als sie ihn sprichwörtlich auf die Bretter fliegen lässt. Dabei dient Monique nicht nur als rebound girl, sondern auch als Katalysator für Lanes pessimistisches Weltbild. Dieses manifestiert sich praktisch in seinem untauglichen Camero, der vor dem Haus unter einer Plane versteckt liegt. Mit der Restaurierung seines Wunschautos aktiviert Lane praktisch sein Selbstbewusstsein, den Glauben an sich selbst.

Aus heutiger Sicht betrachtet hat Hollands Film ein ungemein gemächliches Tempo. Solche Filme werden heute gar nicht mehr gedreht, da sie nicht mehr funktionieren würden. Die verschiedenen kleinen humoristischen Aspekte von Lanes verschrobener Familie werden ebenso gelegentlich eingestreut, wie de Mars Kokssucht. Für sich genommen sind Lanes stummer aber brillanter kleiner Bruder, der Zwist des Vaters mit Johnny dem Zeitungsboten und die absurden Kochkünste von Mrs. Murphy allerdings durchaus amüsant. Die wirklichen genialen Momente findet man im Film jedoch wie eine Tankstelle auf der Autobahn. Leider sind die Durststrecken, die Pausen des Filmes, dazwischen zu eintönig. Dies ist generell ein Kritikpunkt an Komödien aus den Achtzigern, ebenso wie ein eher flaches Finale, aber bei Better Off Dead… noch mal etwas mehr der Fall, als bei anderen Genrevertretern. Letztlich sind wohl der Kultfaktor zum einen und Johnny C. zum anderen die beiden Hauptgründe, sich den Film anzusehen. Und wirklich misslungen ist er ja nun auch nicht.

6/10

21. März 2008

Kurz & Knackig: Welcome to Bayhem

Bad Boys – mit diesem Film begann damals alles, der große Auftakt für Michael Bay in Hollywood. Auch Will Smith verdankt dem Film seinen filmischen Durchbruch, der in nach Independence Day in die Superliga katapultieren würde. Dabei hätte es den Film in der Form fast nie gegeben, da das Produzenten-Duo Bruckheimer/Simpson ursprünglich Dana Carvey und Jon Lovitz in den Hauptrollen vorgesehen hatte. Zum Brüllen. Überraschend auch dass der Film bei Rotten Tomatoes nur 44% inne hat. Natürlich ist die Story – wie immer bei Bay – extrem schwach, was mitunter daran gelegen haben mag, dass sich der Regisseur wenig ans Drehbuch hielt und seine Darsteller improvisieren ließ. In Miami müssen die beiden Cops Mike Lowry (Will Smith) und Marcus Burnett (Martin Lawrence) innerhalb von vier Tagen versuchen das konfiszierte und wieder gestohlene Dope der Polizei zu besorgen. Immer im Schlepptau die einzige Zeugin des Täters (Teá Leoni). Ironischerweise besteht das 2003er Sequel fast zur Hälfte aus demselben Inhalt nur um sehr viel schlechter zu sein. Man sollte sich jedoch nichts vormachen, Bad Boys steht exemplarisch für das Actionkino der 90er Jahre, das von Simpson/Bruckheimer geprägt wurde. In der Hinsicht ist der Film nicht schlechter als ein Beverly Hills Cop oder Lethal Weapon, daher, wenn auch mit gehörig Nostalgiebonus, bekommen die Bad Boys von mir 6.5/10.

The Rock – Der zweite Spielfilm vom Master of Desaster ist bis dato sein bester, zumindest laut Rotten Tomatoes. Dort hält der Film starke 62%, was fast der dreifachen Bewertung von Bad Boys II entspricht. Wer weiß, vielleicht liegt dies ja an Quentin Tarantino, der am Drehbuch mitgeschrieben hat, auch wenn ihm kein Kredit zufiel. Die Handlung lässt sich dabei wie immer bei Bay auf ein Staubkorn pressen. Der durchgeknallte Ed Harris ist stinkig weil tote Soldaten nicht gewürdigt wurden und droht damit San Francisco mit Nervengas zu beschissen. Dabei wird schon zu Beginn erwähnt, dass seine Figur ein Mann der Ehre ist und jetzt dürfte auch dem letzten klar sein, dass er die Teile nicht auf die Bevölkerung loslassen wird. Aber weil das keinen Spaß macht, dürfen Nicky Cage und Sir Sean Connery durch Alcatraz kraxeln und Stück für Stück die Bomben entschärfen. Die Logik hinterlässt man an der Abendkasse, auch Bay-typisch. Die aufdringlichste Frage, weshalb Hummel nicht alle seine Männer einfach zu den Bomben abzieht, wird nicht mal diskutiert. Holla die Waldfee, eine Videospielverfilmung zu einem Videospiel das es nie gab. Besonders hinten raus ist das Teil eine absolute Schlaftablette die in den letzten fünfzehn Minuten niemanden mehr zu fesseln weiß. Weshalb die Subplots mit Claire Forlani und dem Photofilm eingeführt wurden, frag ich mich bis heute, insbesondere wie es Cage möglich ist auf einem einzelnen Photo zu erkennen wer Kennedy erschossen hat (entweder Nixon himself oder die Täter trugen CIA T-Shirts). Die Action ist so lala, damals (1996) vielleicht noch akzeptabel wirkt sie heute wie aus der Konserve. Für die erste Hälfte des Filmes bekommt der Streifen dann doch ein paar Pluspunkte, die er jedoch einzig und allein John C. McGinley und Michael Biehn zu verdanken hat, für den Rest gibt es 5.5/10.

Armageddon – Roger Ebert (mit dem ich zuletzt bei Totoro und Gattaca fast 1:1 übereinstimmte) beschrieb den dritten Bay unter anderem als einen „Angriff auf Augen, Ohren und Gehirn“. Endlich mal wieder ein Film, bei dem ich nicht mit Ebert übereinstimme – und im übrigen scheinbar nicht mal mit überhaupt jemanden (nicht mal mit dem Kleriker, von ich die DVD, wie alle anderen Bays [als ob ich welche auf DVD hätte] entliehen habe). Ein Asteroid fliegt auf die Erde zu und die NASA schickt Bruce Willis und Konsorten aus um unseren Planeten zu retten. Im Grund ist der Film eine Version des Dreckigen Dutzends im All, macht aber gerade jetzt noch mehr Spaß wie früher – hier sieht man eigentlich jeden, den es zu sehen gibt. Nebst Willis tummeln sich Billy Bob Thornton, Will Patton, Steve Buscemi, Peter Stormare, Michael Clarke Duncan, Liv Tyler, Ben Affleck, Owen Wilson und William „The Boss“ Fichtner. Scheiße, was will man eigentlich mehr als Billy Fichtner in einem Film zu haben, selbst Mr. Bay gibt sich in einem Cameo die Ehre. Die Story könnte natürlich dümmer nicht sein, nicht einmal ein Heroinjunkie würde solche zehn Versager ins Weltall schicken, aber gerade das ist der Charme des Filmes. Zu verdanken hat er dies fraglos seinen sechs (!) Drehbuchautoren, darunter die damals relativ unbekannten J.J. Abrams und Tony Gilroy. Bei Armageddon darf man sich einfach nichts vormachen, der Film ist so herzhaft selbstironisch und eine Trashkomödie vom allerfeinsten, dass er exakt das darstellt, was ich mir unter Popcorn-Kino vorstelle. Allein Steve Buscemi und seine One-Liner sind jedes Mal den Blick in den Film wert und mit einem vom Herzen kommenden „Your mama is“ in Richtung Mr. Ebert vergebe ich meinem Lieblings-Bay unterhaltsame 8/10.

Pearl Harbor – bis heute der erfolgreichste Film aller Zeiten….NOT! Wäre er wohl gerne geworden, das merkt man ihm schon allein an seinem Titanic-Touch an. Jahrelang hab ich dieses Vehikel gegenüber einem Kumpel als Titanic überlegen verteidigt – eigentlich nur um diesen zu ärgern, da er so ein Cameron-Fan ist. Aber Hand auf die Brust: das ist wohl eine Katastrophe sondergleichen und ich zitiere nichts lieber als T.E.A.M. America: "I miss you more like Michael Bay missed the point when he made Pearl Harbor". Amerikanische Tragödie und Liebesgeschichte gleich eine Milliarde Dollar, so lautete wohl die Prämisse von Bruckheimer. Dumm nur beides hier nicht funktionieren will, Bay tut sich sichtlich schwer mit den emotionalen Momenten der Romantik. Besser wäre es gewesen entweder die Dreiecksgeschichte rund um Rafe (Ben Affleck), Danny (Josh Hartnett) und Kate Beckinsale zu erzählen oder eben den Angriff auf Pearl Harbor – beides zusammen ist dann jedoch zuviel des guten. Dazu kommt dann noch die wahrhaft unnütze Nebenhandlung um Cuba Gooding Jr., sowie die Szenen mit Jon Voight und Dan Aykroyd – die führen zu absolut gar nichts und sind so interessant wie die Frühpension des Osterhasen. Problematisch auch die Charaktereinstellungen, während die Amis (zumindest Aykroyd) wussten, dass ein Angriff auf Pearl Harbor folgt, schwant dem japanischen Admiral kurz nach dem Angriff bereits übles – ja heide bimm bamm, hätt halt einer was gesagt. Dazu übertreffen sich Affleck, Hartnett du Beckinsale an Steifheit, sodass Gooding Jr. praktisch im Schlaf aus der Riege herausragt wie Goliath aus einer Kindergartenklasse. Zudem ist die Geschichte fast eine Stunde zu lang, gerade das Ende mit der Vergeltung ruft praktisch zum Einschlafen auf, ohne Frage ist dies ein Desaster für sich und gemeinsam mit Bad Boys II Michael Bays schlechtester Film (abgesehen von Transformers), daher katastrophale 3.5/10.

Con Air – ein gefühlter Michael Bay, seit Jahren mach ich immer wieder den Fehler und attributiere dieses Action-Vehikel dem werten Mr. Bay zu. Aber wer kann es mir übel nehmen? Der Film bietet Steve Buscemi, Nicolas Cage, Hubschrauber und eine total abstruse Geschichte – eigentlich schreit Con Air „Michael Bay!“. Gewisse nostalgische Elemente trägt auch dieser Film, da ich mich damals mit einem Kumpel als 14-jähriger in diesen Film ab 16 „geschlichen“ habe (auch wenn die DVD inzwischen seltsamerweise ab 18 ist) – was ein Abenteuer! Die Handlung passt wieder auf einen Bierdeckel: Cameron Poe (Nic Cage) wird nach acht Jahren Knast in die Heimat geschickt. Dumm nur dass Massenmörder und Vergewaltiger (u.a. John Malkovich) die Kontrolle über das Flugzeug an sich reißen. Und ich gebe ehrlich zu, dass mir der Film gefällt, was eigentlich hauptsächlich an Cyrus the Virus liegt und dessen markigen Sprüchen. Aber das Intro schon, wenn Cage drei Besoffene aufmischt und einen von ihnen in Selbstverteidigung tötet, dann aber doch acht Jahre absitzen muss (schreiende Ungerechtigkeit!) ist ansehnlich. Dazu kommt dann das Ende, wenn die aufgesplittete Familie zu LeAnn Rimes „How Do I Live“ sich erstmals begegnet – wie geil ist das denn, bitte schön? Ich beantrage Freilassung auf dem Beweisgrund der Unzurechnungsfähigkeit, meine Damen und Herren, der Film ist herrlich doof und nimmt sich dabei selbst nicht allzu ernst. John Cusacks Figur ist dabei erstaunlicherweise so nutzlos wie eine Badehose an Weihnachten, den hätte man auch getrost draußen lassen können. Ach ja, Regie führte Simon West, dessen Namen man sich nicht merken muss, seine Karriere geht auch wieder bergab, zuletzt brachte er When a Stranger Calls in die Kinos (gähn). Con Air, der inoffizielle „Michael Bay“ (ich will ihn mal so nennen) bekommt von mir unterhaltsame 7/10.

16. September 2007

1408

It’s an evil fucking room.

Neulich hab ich noch bei Premonition von den europäischen Regisseuren geredet, die sich durch ihren Erfolg auf dem alten Kontinent in Hollywood versuchen dürfen und dort als Debüt meist einen zweitklassigen Thriller abliefern. Den Weinstein-Brüdern scheint es besonders Mikael Håfström angetan zu haben, denn nach seinem Debüt Derailed, mit Clive Owen und Jennifer Aniston, produzierten sie auch seinen zweiten US-Film. Diesmal darf Håfström sich an einer Kurzgeschichte vom Horror-Altmeister Stephen King austoben und in den meisten Fällen kann man in Hollywood mit Kings Stoff nicht viel falsch machen. In ebenjener Kurzgeschichte von 2000 und dem filmischen Pendant dazu, ist, wie so oft in Kings Büchern, ein Schriftsteller die Hauptfigur und das bösartige Paranormale sein maliziöser Antagonist.

Mike Enslin (John Cusack) ist Autor von Geistergeschichten, die vermeintlich tatsächlich stattgefunden haben. Hierzu besucht er die zehn gruseligsten Friedhöfe und dergleichen, sein nächstes Buch soll sich um Hotels drehen. Durch eine mysteriöse Postkarte wird er auf das Zimmer 1408 im New Yorker Dolphin Hotel aufmerksam, seine Recherchen ergeben, dass die Story ein Fundament besitzt. Bevor er jedoch eincheckt, versucht Hotelmanager Olin (Samuel L. Jackson) noch, Enslin davon abzubringen, in dem verfluchten Zimmer zu übernachten. Kein Mensch hätte je länger als eine Stunde darin überlebt, bereits über 50 Menschen ihren Tod gefunden. Enslin ist angetan von Olins Geisterkonstrukt und besteht darauf, ihm Zimmer 1408 zu nächtigen. Dort scheint dann alles wie von Enslin vorgesehen abzulaufen – bis plötzlich der Radiowecker einen Countdown von 60 Minuten einläutet.

John Cusack spielt Enslin gut und er passt auch exzellent zu diesem Charakter. Samuel L. Jackson glänzt hier mal wieder und zeigt, dass er eigentlich ein sehr guter Schauspieler ist, auch wenn er dies manchmal in dubiosen Rollen oder Projekten konterkariert. Was er aber in manchen Szenen allein mit seinen Augen auszudrücken vermag, dafür wäre es schwer ihm passende Sätze in den Mund zu legen. Die Rolle von Mary McCormick ist ziemlich bedeutungslos, sie hat in dieser Funktion auch nur Kate Walsh (Grey’s Anatomy) ersetzt, die verhindert war. Schauspielerisch also eine akzeptable Leistung, bietet 1408 Referenzen zu The Amytiville Horror und Stephen Kings eigenem The Shining, auch die Zahl 13 findet nicht nur im Titel sondern in anderen Funktionen mehrfach Einzug in die Handlung.


Da ich kein Horror-Fan bin und vor allem durch die Musikuntermalung zumeist erschreckt werde, ist es dann schon lobenswert (oder kritisch, je nachdem), dass ich nur dreimal zusammengefahren bin. Allgemein baut der Horrorfaktor jedoch in der zweiten Filmhälfte ab und wandert eher ins Thriller-Genre – auch Ursache einer Spannungsarmut. Zudem wird zu Beginn ein Twist eingebaut, den man leicht durchschaut (auch wenn er am Ende anders verläuft, wie gedacht) und viele Details, die in der Kurzgeschichte vielleicht Sinn machen, im Film aber ins Leere laufen. Dazu zählt Enslins erster Roman, der mit seiner Beziehung zu seinem Vater zusammenhängt. Was dahinter steckt, kann man nur erahnen, der Film vertieft es nicht. Auch das Geheimnis des Raumes, soviel sei an dieser Stelle vorweg genommen, wird nicht gelüftet (insofern es überhaupt vorhanden ist).

Dies sind die Wermutstropfen von 1408, dessen Handlung an sich okay ist, aber nicht besonders spektakulär. Håfström gelingt es aber – auch mittels Hitchcocks berühmtesten Kameraeffekt – eine durchdringliche und klaustrophobische Atmosphäre im Hotelzimmer zu schaffen. Hierbei beeindrucken vor allem die Effekte, welche zwar keine Maßstäbe setzen, sich aber gut in die Handlung einfügen. Zusammen mit Håfström’s Farbspiel kann sich das Publikum hervorragend in Enslins Lage hineinversetzen und sich der schwedische Regisseur nach seinem Reinfall mit Derailed wieder etwas rehabilitieren. Der letzte Kritikpunkt wäre das Filmende, dass dem widerspricht, was man eigentlich erwartet und dadurch doch etwas deplaziert wirkt. Es wurde allerdings auch nachgedreht, nachdem das ursprüngliche Ende dem Testpublikum missfiel. 1408 ist kein Meisterwerk des Horrors und fraglos kein großer Wurf, für zwischendurch empfehlenswert, wobei die Abnutzungserscheinungen nach mehrmaligen Sehen immens sein dürften.

5.5/10

8. August 2007

The Sure Thing

Three thousand miles just to get laid. I really respect that.

Zu Sideways trinkt man Wein, zu The Big Lebowski trinkt man White Russian und zu The Sure Thing gibt es Dosenbier, Käsebällchen und Schweineschwarten, so kommt die richtige Stimmung auf. Dachte ich jedenfalls, kann ich an dieser Stelle jedoch nicht empfehlen, denn nach der Mischung aus Bier, Käsebällchen und Schweineschwarten wird einem irgendwie mulmig im Magen, im Notfall also die Schweineschwarten weglassen. Aber zurück zu The Sure Thing, einem der Filme aus meiner Jugendzeit, welcher heute zu meinen Lieblingen gehört. Meine letzte Wertung fiel da vielleicht doch etwas zu gut aus und man muss vorweg sagen, dass Sure Thing wohl nur von den Menschen richtig geschätzt werden kann, die ihn aus den 80ern noch kennen, den es handelt sich um einen Film, der besonders in seiner Zeit lebt und bei heutiger Erstsichtung eher lahm rüberkommen würde.

Rob Reiner, dessen Glanzeit von 1984 bis 1992 währte und Klassiker wie When Harry Met Sally, Stand By Me, The Princess Bride oder A Few Good Men hervorbrachte, führte 1985 bei diesem Film Regie, nachdem er sich mit der Mockumentary This Is Spinal Tap einen Namen als Regisseur machen konnte. Vor allem Sure Thing und Harry & Sally fangen den damaligen 80er Jahre Liebeskomödien-Geist perfekt ein, welche sich auch in Filmen wie About Last Night widerspiegelt. Hierbei ähneln sich besonders Harry & Sally und Sure Thing, wird in beiden doch die problematische Annäherung einer peniblen Frau und eines plappermäuligen Mannes gezeigt. Allerdings weißt der Wortwitz in seinem Meisterwerk, das vier Jahre später in die Kinos kam, nochmal eine erhebliche Steigerung auf, was auch daran liegen kann, dass die Handlung nicht mehr auf Collegeniveau sondern "unter Erwachsenen" stattfindet.

Walter ‘Gib’ Gibson (John Cusack) steht für den 80er Jahre Durchschnittsstudenten, wie man ihn auch noch in American Pie 2 beobachten kann: das einzige was am College zählt, ist wieviel Frauen man abstauben kann - je mehr desto besser. Es geht nicht um Beziehungen, es geht einzig und allein um so viel sexuelle Erfahrung wie möglich. Und wie sagt es Gib’s Dozentin so schön: man muss sein Leben leben, um es zu erleben. Das Leben ist die ultimative Erfahrung und Gib kostet sie vollständig aus. Hierzu zählt aber nicht vordergründig der Sex, sondern einfach das Gefühl am Leben zu sein und Spaß zu haben. Und oftmals hat man den größten Spaß, wenn man sich selbst zum Affen macht. Wer zu steif durchs Leben geht, dem mangelt es an Spaß und eine solche Person ist Gib's Kommilitonin Alison (Daphne Zuniga): ein wandelnder Kontrollfreak, der seinen Tag in Zeiteinheiten einteilt und jede Kleinigkeit wie Duschen geplant hat.

Beide besuchen einen Kurs zusammen und nachdem Gib von Alison eine Abfuhr einfährt ist erstmal dicke Luft. Die wird dann auch nicht besser, als beide dieselbe Fahrgelegenheit wahrnehmen, um in den Weihnachtsferien nach Kalifornien zu kommen. Während dort auf Alison ihr Freund Jason wartet, ist Gib von seinem besten Freund Lance ein Volltreffer (Sure Thing) versprochen worden, dargestellt von Desperate Housewife Nicolette Sheridan. Ein Volltreffer, eine Frau die keine Bedingungen stellt, der es nur um Sex geht, ohne schlechtes Gewissen, der Traum eines jeden Mannes. Als sich Gib und Alison während der Fahrt jedoch gegenseitig so hochstacheln, dass sie aus dem Auto geworfen werden, sind sie aufeinander angewiesen und lernen sich unweigerlich besser kennen.

Der Film strotzt natürlich nur so von Klischees: Männer die ungeduldigen, immer-geilen Weiberhelden, Frauen dagegen die peniblen Kontrollfreaks. Studenten denken nur an Sex und Alkohol und gleich und gleich gesellt sich gerne. Das sind die Prämissen, mit welchen der Film eingeleitet wird und selbstverständlich wanken und wandeln sie sich im Verlaufe. Getragen wird Sure Thing dabei vor allem durch die Figur von Gib und seinem Darsteller John Cusack, der hier seine erste Hauptrolle ergattert hatte, nachdem er Nebenrollen in Brat-Pack-Filmen verkörpern durfte. Sein weibliches Pendant Daphne Zuniga ist den meisten wohl eher durch ihr Auftreten in Spaceballs und Melrose Place bekannt und passt für die biedere Alison wie die Faust aufs Auge. Auch Anthony Edwards als Lance und der damals unbekannte Tim Robbins als Gary Cooper (aber nicht der, der tot ist) unterstützen diesen guten Cast, der sein Sahnehäubchen in Miss Sheridan findet, die in jeder Einstellung im Bikini zu bewundern ist.

Wusstet ihr das Shakespeare an Syphilis starb? Wen immer schon interessiert hat, wieso Nick der beste Name für einen Sohn ist und wie Schrotflinte und Bier wirklich funktioniert, wer sich den besten Anmachspruch aller Zeiten nicht entgehen lassen will - der ist bei The Sure Thing an der richtigen Adresse. In der Mitte hängt der Film etwas in der Schwebe, viele Gags zünden vielleicht im 21. Jahrhundert nicht mehr so, wie sie es Mitte der 80er getan haben, wer den Film aber in seinen Jugendjahren damals gesehen hat musste ihn einfach lieben, wegen seiner Figuren, wegen seiner Musik, wegen seinem Charme, einfach wegen dem Gefühl der Nostalgie, das er in einem wachruft. Und gerade solche Filme sind sehr wichtig für einen Menschen, Filme, die einem etwas bedeuten, mit denen man etwas verbindet. Das müssen filmhistorisch oder -technisch keine Meisterwerke oder Meilensteine sein, die müssen einfach nur zu Herzen gehen. Und das tut Rob Reiner's Film - wenn man ihn denn lässt.

9/10