6. August 2007

Video Kings

Ich bin da irgendwie reingerutscht.

Das Zitat aus dem Film trifft auch irgendwie auf mich zu, denn wieder einmal wurde ich in meiner örtlichen Sneak übel abgewatscht und es ist erschreckend wie schlimm es eigentlich um den deutschen Film steht. "Video Kings ist wie das Leben: eine Kettenreaktion aus Missverständnissen, sinnleeren Dialogen und einer unvergleichlichen Situationskomik, die gerade dann zündet, wenn man den Figuren Raum zur Improvisation lässt", so steht es im Presseheft zum Film, welcher das Licht der (Leinwand-)Welt auf der diesjährigen Berlinale erblickt hat und offiziell Premiere am 06. September feiert. Buch und Regie übernahmen Ali Eckert und Daniel Acht, welche sich zuvor über Kurzfilme mit dem hessischen Komikerduo Badesalz auszeichnen konnten.

In Video Kings arbeiten der notorische Versager Flo (Fabian Busch) und der Proll Horst (Wotan Wilke Möhring) in einer Videothek in Neukölln. Hierbei geschieht es, dass Flo nicht nur Ärger mit dem Finanzamt hat, sondern - wie es sich gehört - auch mit den Frauen. Nebenan ist nämlich die Telefonsex-Anbieterin Ramona eingezogen, in welche sich Flo auf der Stelle verliebt, als er von ihrer Liebe zu dem Film Memento erfährt. Doch keiner von beiden traut sich den ersten Schritt zu machen und schließlich ist da auch noch Dieter, Flo's Chef, welcher von diesem verlangt, dass er seine Freundin ausspioniert. Ach ja, eine Übernahme droht allen auch noch. Soviel zu der Handlung, die eigentlich gar keine ist, sondern vielmehr eine Verkettung von Missverständnissen, wie es das Presseheft so schön ausgedrückt hat.

Wer von Video Kings eine stringente Geschichte erwartet, darf sich das gleich aus den Haaren schmieren, hier wird eben gerade versucht durch sinnleere Dialoge und Situationskomik den Zuschauer auf seine Seite zu ziehen. Hierfür bedienen sich Eckert & Acht mehrerer skurriler Figuren, wie den Stammkunden Andreas oder der Elster Tommy (Bela B. Felsenheimer). Das hat jedoch weder Hand noch Fuß und bedient sich je nach Situation einem anderen Mittel. Die ersten zehn Minuten sind durchzogen von Flo'schen Filmanalogien und dem sprichwörtlichen running gag Tommy, der ein ums andere Mal mit geklauter Ware in die Videothek rennt. Davon nimmt man dann schließlich wieder Abstand und versucht eine abstruse Liebesgeschichte zu erzählen.

Hierbei verwenden die beiden Regisseure unnötige und stümperhafte Großaufnahmen, Kameraeinstellungen und Schnitte, was umso erstaunlicher ist, da sie in ihrem Spielfilmdebüt nur auf die kleine Videothek beschränkt sind und selten Außenaufnahmen zeigen. Ebenso stümperhaft ist die Installation vieler für die Handlung unerheblicher Figuren (Andreas z.B.). Es findet keine Entwicklung statt, die Geschichte stagniert in dem kleinen aufgesetzten Raum und der Versuch Kevin Smith und sein Werk Clerks nachzuahmen scheitert dabei grandios. Die Dialoge zwischen Flo und Horst versprühen weder Witz noch Intelligenz, sondern scheinen ganz dem Neuköllnschen Charakter zu entsprechen. Hierbei können auch die eingefügten Phantasiesequenzen nicht viel retten, wirken abgekupfert (Ally McBeal diente wohl als Pate) und nicht in das Geschehen integriert.

Dazu kommen dann die vielen Gastauftritte, die in deutschen Filmen bereits obligatorisch sind und so lassen sich Bela B., Steffen Wink, Oliver Korittke, Markus Knüfken, Christian Kahrmann (in einer geschnittenen Szene), sowie Til Schweiger und Badesalz, welche ja bereits zweimal mit den Regisseuren gearbeitet haben, zu Nebenrollen überreden. Besonders erschreckend ist die Leistung von Schweiger, der nunmehr offiziell an seinem Karrieretiefpunkt angekommen ist (auch wenn man sein neues Projekt Far Cry mit Dr. Uwe Boll abzuwarten hat). Lustlos und ohne Talent präsentiert sich Schweiger hier, bezeichnet den Film selbst jedoch als "charmant" und findet ihn "geil". Bela B. steigert das ganze sogar und findet, dass im Film alles "wie Arsch auf Eimer" passt. Vielleicht will Video Kings auch wirklich nicht mehr sein, wie ein anarchistischer Punk-Movie.

Das Konzept der Macher war den Film unabhängig zu verleihen und nach dem Muster der britischen Band Arctic Monkeys selbst zu vermarkten, vormerklich übers Internet. Mit Partner wie MySpace und Sponsoren wie NOKIA wurden Song Contests und ähnliches veranstaltet, herbei ist Publicity alles. So konnte man seinen Namen sogar auf dem Abspann verewigen, wenn man den Machern ebenjenen mailte. Um diesen dann lesen zu können, muss man sich natürlich ins Kino begeben, an sich ist das eine intelligente Masche. Allerdings auch eine, die ebenjene Ideale, welche im Film vor allem von Flo verkörpert werden, hinterrücks verrät. Ob das Konzept der Produzenten die Fans vor der Premiere durch ihre Werbekampagne heiß auf den Film zu machen, aufgeht, wird man Anfang September sehen. Da Video Kings aber kein Konzept hat, keine Handlung verfolgt und nicht lustig ist, war ich geradezu gezwungen Uwe Boll's Postal von 0/10 auf 1/10 anzuheben, damit er sich noch von diesem Film - der mit dem einfachen Wort Zeitverschwendung (welches sich auch durch Geldverschwendung austauschen lässt) betitelt werden kann - abhebt. Armes Deutschland!

1/10

Kommentare:

  1. Autsch, der würde wohl deine nichtvorhandene Flop-5-Liste anführen. Ich weiß schon, warum ich mir Sneaks erspare ;-)

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  2. Immerhin kam ich dieses Jahr in der Sneak schon in den Genuß von Hot Fuzz, Death Proof und Pan's Labyrinth. Manchmal gewinnt man eben und sehr oft verliert man *g*

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