2. Juli 2008

The X Files - Season One

The truth is out there.

Am 10. September 1993 begann ein neues Serienphänomen. Waren die 1990er Jahre allgemein von ziemlich langwierigen und unterhaltsamen Serien geprägt, darunter zählen Roseanne (die bereits Ende der 1980er startete) und andere. Neben David Lynchs Twin Peaks gehört auch Chris Carters The X Files zu den Mysterie-Highlights des amerikanischen Fernsehmarktes. Neun Staffeln lang, bis zum 19. Mai 2002, lief die Sci-Fi-Serie und wurde vom TV Guide nach Star Trek zur zweitbesten Kultserie aller Zeiten gewählt. Zur Serie inspiriert wurde Carter durch einen Bericht, dass 3,7 Millionen amerikanischer Bürger behaupteten, von Außerirdischen entführt worden zu sein. Während die Produzenten Agentin Dana Scully als große, blonde und vollbusige Ermittlerin sahen, stand nach dem Vorsprechen für Carter fest, dass die Rolle nur von der damaligen Theaterschauspielerin und Filmunerfahrenen Gillian Anderson gespielt werden konnte.

Hauptdarsteller David Duchovny hatte wiederum seine Studienkollegin Jennifer Beals vorgeschlagen, letztlich sollte sich die Chemie zwischen Duchovny und Anderson jedoch vor der Kamera bewahrheiten. In ihrer neunjährigen Laufzeit konnte die Serie 15 Emmy Auszeichnungen einheimsen, sowie 5 Golden Globes. Jeweils ein Golden Globe ging dabei an Duchovny und an Anderson, letztere konnte für ihre Portraitierung der Dana Scully auch einen Emmy abräumen, was Duchovny erst für seine Rolle in Californication vorbehalten war. Durch die Serie hindurch zollte Carter vielen anderen wegweisenden Werken seinen Respekt, darunter Edward D. Woods Plan 9 From Outer Space, Douglas Adams The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy oder Meisterwerken wie Silence of the Lambs und The Thing. Zugleich waren die The X Files allerdings auch Inspiration für allerlei andere Filme.

Bundesagent Fox Mulder (David Duchovny) zählt zu den besten seiner Behörde. Er hat ein ausgezeichnetes psychologisches Gespür und eine vielversprechende Karriere vor sich. Doch Mulder „vergeudet“ seine Zeit lieber mit den ominösen X-Akten: zahlreiche Fälle mit übersinnlicher oder –natürlicher Konnotation. Der rote Faden durch die X-Akten und die gesamte Serie hindurch stellt dabei die Existenz von Außerirdischen dar, insbesondere das Verschweigen ihres Dasein von Seiten der amerikanischen Regierung. Um Mulder etwas unter Kontrolle zu bekommen und seine Ermittlungen im Auge zu behalten, wird ihm die junge Ärztin Dana Scully (Gillian Anderson) als neue Partnerin zugeteilt. Während Mulder Paranormales nicht nur nicht ausschließt, sondern sogar explizit in jedem seiner Fälle als gegebene Tatsache betrachtet, fungiert Scully als rationales Gewissen ihres Partners.

Während der ersten Staffel kommt es für Scully bald zur Vertrauensfrage, sie muss sich für die Loyalität gegenüber dem FBI oder Mulder entscheiden. Die Wahl, die sie trifft, wird den Ausgang der Serie maßgeblich beeinflussen, vielmehr jedoch noch ihr eigenes Privatleben – mehr als sie in der ersten Staffel erahnen mag. Das große Thema der Regierungsverschwörung über eine Invasion durch Außerirdische wird hier bereits eingeführt und durch die Anwesenheit von Deep Throat (Jerry Hardin) dargestellt. Damit markiert Deep Throat nur einen von verschiedenen Kontaktmännern Mulders innerhalb der US-Regierung, dessen weitere Vertreter in den kommenden Staffeln und Kinofilmen auftauchen würden. Neben dem Nachweis von extraterrestrischem Leben gilt es für Mulder und Scully allerdings auch „normale“ Fälle zu lösen, die meist Personen mit übernatürlichen Fähigkeiten mit einschließen und in den seltensten Fällen vollständig gelöst werden.

Bereits in der Pilotfolge finden sich viele Details, welche die Serie auszeichnen würden. Zuvorderst natürlich Mulders Glauben an die Existenz von außerirdischem Leben, welches er begeistert feiert, als ihm in der ersten Folge neun Minuten seines Lebens geklaut werden. Von den vierundzwanzig Folgen der ersten Staffel beschäftigen sich jedoch nur fünf explizit mit der Anwesenheit Außerirdischer auf dem Planeten Erde respektive ihrer Entführung von menschlichen Lebewesen und der Verschleierung dieser Tatsache durch die Regierung. Hierbei nimmt Scully in der ersten Hälfte der Staffel durchweg den skeptischen Part ein. Immer zweifelt sie Mulders Thesen an und kann die Bestätigung dieser Thesen anschließend meist nie miterleben. Denn durchweg ist es Mulder, der die paranormalen Erlebnisse mitmacht, Scully ist meist den sprichwörtlichen Schritt hinterher.

Dieses Verhältnis wird sich erst in Folge 13 (Beyond the Sea) ändern, die Parallelen zu Jonathen Demmes Silence of the Lambs aufweist und in der Scully an das Übernatürliche glaubt, wohingegen Mulder es dieses Mal ablehnt. In den anschließenden Folgen ist Scully sehr viel öfter Augenzeuge der seltsamen Erlebnisse, am eindeutigsten selbstverständlich im Staffelfinale (The Erlenmeyer Flask), in dem sie einen Alien-Embryo in der Hand halten wird. Trotz allem führen Scullys Erlebnisse in der ersten Staffel der Serie noch nicht zu einem bedingungslosen Glauben an das Übersinnliche. Was jedoch wichtiger zu erachten ist, dürfte ihre Loyalität gegenüber Mulder sein, dem sie in Tooms sogar ein falsches Alibi gibt, um ihn vor einer Suspendierung oder sogar Schlimmeren zu bewahren.

Bereits in der Pilotstaffel treten die Einsamen Schützen auf (E.B.E.) sowie die spätere Nebenfigur Walter Skinner (Tooms). Den Zigarettenmann (William B. Davis) lernt man sogleich im Piloten kennen, er wird sich zur Nemesis von Mulder herauskristallisieren. Das Thema der Außerirdischen ist in der ersten Staffel überdeutlich vertreten und wenn sie nicht selbst vorkommen, so doch in abgewandelter Form als jahrhundertealter Virus (Ice) oder „Geist“ im Weltraum (Space). Mythen wie Werwölfe, Reinkarnation, Geisterflüsterer und Ähnliches findet auch Einzug in die Serie. Eine quasi gesplittete Doppelfolge stellen dabei die Folgen Squeeze (#3) und Tooms (#21) dar, die zu den gelungensten der ersten Staffel zählen. Die Präferenzen lassen sich hier jedoch nach eigenem Gutdünken wählen, ich selbst bin den „Alien“-Folgen immer recht skeptisch gegenüber eingestellt, weshalb ich eher Folgen wie Ice, Eve oder Tooms zu meinen Lieblingen in der ersten Staffel zähle.

Ein Highlight ist aber fraglos die finale Folge The Erlenmeyer Flask, welche die Serie in die nächste Staffel überleitet. Für Filmfreunde bietet X Files auch einige Gastauftritte bekannter Gesichter, wie Seth Green (Robot Chicken), Donal Logue (Grounded for Life), Felicity Huffman (Desperate Housewives), Maggie Wheeler (Friends) oder Brad Dourif (The Two Towers). Wie bereits angesprochen besticht die Serie auch durch die funktionierende Chemie der beiden Hauptdarsteller Anderson und Duchovny. Besonders löblich hierbei sind die wechselnden Frisuren von Anderson in den einzelnen Folgen, sodass ein hoher Authentizitätsfaktor erzielt wird. Die erste Staffel von The X Files verfügt zwar über einige Hänger, weiß jedoch auch in vielen Folgen zu überzeugen. Sie markiert insofern also einen guten Start in den Mythos der Serie und macht spätestens nach dem Staffelfinale sogar Lust auf mehr.

8.5/10

Kommentare:

  1. Gerade habe ich noch bei thwidra über die erste Staffel gelesen. Nun bei dir. Ob das ein Zeichen ist? Ich war damals ja Feuer und Flamme für die Serie (zumindest während der ersten beiden Staffeln) und würde auch gern einmal wieder einen Blick rein werfen... achja, Nostalgie in Serienform.

    AntwortenLöschen
  2. die war schon sehr gut, aber nur bis Staffel drei/vier, dann ging es ein wenig bergab und ab Staffel 5,6 wurde es dann leider schlecht, so dass kaum noch gute Episoden zu sehen waren.
    Was ich immer sehr gut fand, dass sich die Serie und ihr Sujet ernst nahm und auf eine "realistische" Basis stellte.

    AntwortenLöschen
  3. Aha, du hast also just auch etwas zu Akte X geschrieben, lieber TheRudi. :-) Ich stimme dir zu, dass das Finale Lust auf mehr macht, das ging mir auch so. Ebenfalls gefielen mir Episoden mit "irdischen" Problemen besser als die mit einem außerirdischen Thema, so z.B. "Born again" oder "Darkness Falls", während ich mich andersherum mit Episoden wie "Tooms" oder "Beyond the Sea" richtig schwer getan habe. Da haben die positiven Qualitäten einfach nicht angeschlagen, vermutlich deshalb habe ich mich mit der ersten Season Akte X doch uach etwas schwer getan.

    AntwortenLöschen
  4. Habe deine Einschätzungen als jemand, der immer noch damit hadert ob er sich Akte X nach Staffel 1 weiterhin anschaut oder nicht, sehr gerne gelesen. Ich habe vor zwei Jahren mal meine Eindrücke aus Staffel 1 kurz und knapp bei kino.de hinterlassen und das nun aus "Tagesaktualität" auch mal auf meinem Blog verewigt. Zumindest was die herausragende Qualität von "Eis" und der Finalfolge angeht, scheinen wir uns dabei ja schonmal einig zu sein.

    AntwortenLöschen