21. Dezember 2007

3:10 to Yuma

I've always liked you Byron, but even bad men love their mommas.

Es war 1997 als Regisseur James Mangold mit einem Cop-Thriller der Sonderklasse die Kinoleinwand betrat. Cop Land, mit einem übergewichtigen Sylvester Stallone in der Hauptrolle, war Mangolds Hommage an einen Western-Klassiker seiner Jugend, welchen er zum ersten Mal mit 17 gesehen hatte – 3:10 to Yuma. Dieser kam vierzig Jahre zuvor unter der Regie von Delmer Daves und mit Glenn Ford sowie Van Heflin in den Hauptrollen in die Kinos, basierend auf einer gleichnamigen Kurzgeschichte von Kultautor Elmore Leonard aus dem Jahre 1953. Die Hommage des Filmes ging soweit, dass Stallones Charakter Sheriff Freddy Heflin den Nachnamen von Van Heflin erhielt. Als er 2002 dann an seinem Thriller Identity drehte, kam ihm zum ersten Mal der Gedanke an ein richtiges Remake des Western-Klassikers. Das ursprüngliche Drehbuch von Halsted Welles, der anschließend nur noch fürs Fernsehen schrieb, sollte von dem Autorenduo Michael Brandt und Derek Hass, die sich zuvor durch 2 Fast 2 Furious „ausgezeichnet“ hatten, überarbeitet werden. Die beiden Hauptrollen sollten Tom Cruise (Ben Wade) und Eric Bana (Dan Evans) spielen, doch Cruise schied letzten Endes aus dem Projekt aus.

Ein Geräusch in der Nacht weckt die Familie Evans auf, der junge William und sein einbeiniger Vater Dan (Christian Bale) müssen mit ansehen, wie ihre Gläubiger ihre Scheune in Brand setzen. William gibt dem feigen Verhalten seines Vaters die Schuld an der familiären Misere, welche auf ihrer Farm hoffnungslos auf das Ende der Dürre wartet. Als Dan mit William und seinem jüngsten Sohn am nächsten Tag das Vieh wieder einfangen will, werden sie Zeuge eines Überfalls auf eine Geldkutsche durch den berüchtigten Ganoven Ben Wade (Russell Crowe). Mit dem einzigen Überlebenden, dem Kopfgeldjäger Byron McElroy (Peter Fonda), macht sich Dan auf den Weg in die Stadt, wo sich herausstellt, dass Wade immer noch anwesend ist. Es gelingt den Männern von Bisbee Wade gefangen zu nehmen – fraglich ist nur, wer ihn nach Contention City bringt und in den Zug nach Yuma ins Gefängnis setzt. Für $200 meldet sich Dan freiwillig, in der Hoffnung neben dem Geld für seine Schulden auch das Ansehen seiner Familie zurück zu gewinnen. Doch der Weg nach Contention City ist lang und nicht ungefährlich – außerdem versammelt Bens rechte Hand Charlie Prince (Ben Foster) zur selben Zeit die Bande und macht sich auf, seinen Boss zu befreien.

Zuerst einmal ein Stoßgebet, dass einem Cruise mit seinem Zahnpastalächeln erspart geblieben ist, der wäre als Ben Wade nämlich eine Tortur gewesen. Auch wenn sich Russell Crowe inzwischen als Fill-Out-Boy gibt, der gerne mal andere ersetzt – im Januar z.B. bei State of Play und Brad Pitt der Fall -, passt er dennoch hervorragend nicht nur als charismatischer Ben Wade, sondern generell in das Western-Genre, wie er bereits in Sam Raimis The Quick and The Dead beweisen konnte. Umso erfreulicher, dass er mit Thomas Fritsch seine alte Synchronstimme erhalten hat und nicht mit Martin Umbach die von George Clooney, wie zuletzt in American Gangster. Fritschs Stimme passt auch wie die Faust aufs Auge in einen Western und das ständige Wechseln der Synchronstimmen wie zuletzt bei Casey Affleck der Fall ist nur noch grausam. Während Ben Foster eben Ben Foster ist und an seine overacting Leistungen aus Alpha Dog und 30 Days of Night anknüpft, kann sich besonders Peter Fonda als in die Jahre gekommener Kopfgeldjäger auszeichnen. Seine Figur fand sich in der Originalversion des Filmes nicht und ist somit neu eingefügt, bringt politisch-kritische Untertöne. Erfreulich ist es, Alan Tudyk wiederzusehen, auch wenn seine Figur fast das exakt selbe Ende nimmt, wie in Serenity. Wer genau aufpasst, darf auch Luke Wilson in einer kurzen Rolle bewundern.

Dagegen spielt Christian Bale den Dan Evans zwar solide, aber nicht besonders erfrischend. Traurigerweise scheint bei Bale inzwischen der Saft raus zu sein und er beginnt sich neben Schauspielern wie Al Pacino und Denzel Washington einzureihen, die auf einem bestimmten (wenn auch hohen) Level stagnieren. Denn ob hier nun Bruce Wayne, Alfred Borden oder Dieter Dengler mit dem Gewehr in der Pampa sitzen, kann man nicht erkennen. Bale Gesichtsmimik und Schauspielansatz scheint bei allen seinen Rollen gleich zu sein, egal ob er nun den sich leer fühlenden Wayne, nach Freiheit strebenden Dengler oder den um seine Ehre kämpfenden Evans spielt. Vielleicht sollte Bale nicht einfach nach Regisseuren (Herzog, Mangold) wählen, sondern nach den Rollen, vorzugsweise nach denen, die ihn als Schauspieler herausfordern und neue Grenzen ausloten lassen. Andernfalls bleibt ihm nichts anderen übrig, als bis an sein Lebensende den Batman zu geben, bzw. vielleicht demnächst seine Gesichtsmimik als John Connor einzusetzen. Was ihm gut tun würde, wäre ein Familiendrama oder auch mal eine Komödie, raus aus den altbekannten Mustern zumindest. Denn gegen Russell Crowe zieht er hier eindeutig den Kürzeren, dem kauft man seine Drama-Komödien (A Good Year, Breaking Up) zwar nicht ab, dafür zeigt er sich in seinen Rollen wandlungsfähiger.

Das Thema von 3:10 to Yuma ist Ehre, besser gesagt die Ehre eines Mannes. Nicht nur die Ehre von Ben Wade oder Dan Evans wird geprüft, sondern die Ehre aller beteiligten männlichen Protagonisten. Der einbeinige, verschuldete Dan Evans lebt ganz und gar für seine Familie, bekommt aber weder von seinem ältesten Sohn William noch von seiner Frau Alice (Gretchen Mol) den Respekt, der ihm gebührt. Da der Jüngste, Mark, an Tuberkulose litt, zog Dan mit seiner Familie in ein trockeneres Klima. Dieses verhindert jedoch, dass das Land fruchtbar wird und sein Vieh an Qualität gewinnt. Als die Eisenbahn sein Land kaufen will und ihm das Wasser abdreht, wird die Lage von Dan immer enger. Mit dem Geld, das er vom Staat für seinen im Bürgerkrieg abgeschossenen Fuß bekommen hat, kann er schon lange nicht mehr leben. Als letzten Ausweg sieht er die Überführung von Ben Wade nach Contention City, eine Tagereise von Brisbee entfernt. Da der Eisenbahngesellschaft kein Geld zu teuer ist, um Wade, der bereits zweiundzwanzig Geldtransporter überfallen hat, aus dem Weg zu räumen, macht sich Dan mit Byron und den anderen auf. Ein wirkliches Interesse hat Evans nicht an Wade und alle Annäherungsversuche blockt er ab.

Problematisch wird die Situation, als Dans Sohn William dem Convoy folgt und ihn anschließend begleitet. William, der Ben Wade für seine Mannhaftigkeit bewundernd und aus demselben Grund seinen Vaters belächelt, wird von Wade geschickt umgarnt, sodass Dan sich nur noch mehr beweisen muss. Am Ende bringt er Wade weniger des Geldes wegen nach Contention City, als um vor seinem Sohn nicht das Gesicht zu verlieren. Mehrfach versucht Wade auf der Reise Dan zu kaufen, da in seinen Augen lediglich die $200 die Motivation des Mannes ausmachen. Zu diesem Zeitpunkt ist das ganze jedoch bereits zu einer Rettung der Ehre verkommen, denn Dan begleitet ein dunkles Geheimnis, welches er später Wade in einem intimen Austausch offenbaren wird. Wade im Gegensatz hat seine eigenen Gespenster im Schrank und ist an sich nicht wirklich böse, wenn man ihn denn in Ruhe lässt. Das bekommen zwei Mitglieder des Treks alsbald am eigenen Leib zu spüren. Im Herzen sucht Wade jedoch nur nach seiner Herzensdame, mit schönen grünen Augen, und zeichnet für sein Leben gerne. Beide Aspekte dienen zur Sympathisierung der Figur, der Vorbereitung des Klimax. Ben ist nicht so kaltblütig wie sein Ziehsohn Charlie und das soll und wird natürlich später noch von Bedeutung sein.

Das Skript von Brandt und Haas ist sehr viel actionlastiger, das merkt man auch ohne das Original zu kennen. Gleich zu Beginn gibt es Explosionen und sich überschlagende Wagen, Maschinengewehrfeuer und so weiter. Dieser Ton wird glücklicherweise später etwas in den Hintergrund gerückt, verschwindet jedoch nicht vollends aus dem Film. Dabei hat Action an sich in einem Western – zumindest in dem Ausmaß wie hier dargestellt – nichts zu suchen. In Hollywood stellt man sich jedoch gerne auf die Sehgewohnheiten der neuen nach Gewalt lüsternen Generation ein. James Mangold inszeniert, mit schöner, wenn auch klischeehafter Musik von Marco Beltrami, eigentlich einen sehr soliden Western, obschon er zu keinem Punkt herausragend ist. In seiner letzten Viertelstunde fährt er ihn dann jedoch vollends gegen die Wand, wenn er aus dem Western plötzlich einen Buddy-Movie macht. Geradezu lächerlich das ganze, in einem noch viel lächerlicheren Finale mündend. Da war das Ende der Originalversion sehr viel besser und plausibler. Wieso Mangold dieses Remake gemacht hat, nachdem ihm mit Cop Land eine tolle Hommage gelungen war, verstehe mal wieder wer will.

5.5/10

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