10. Oktober 2008

Just One of the Guys

All balls itch! It’s a fact!

Die Probleme der Gleichstellung von Frauen in der Arbeitswelt ist bekannt und findet selbst in aufgeklärten Zeiten wie heute noch immer statt, diese unterschwellige Diskriminierung gegen die klassischen Minderheiten. Können Frauen die Arbeiten der Männer erledigen und wenn ja, gleichwertig? Sollte man der Frau in diesem Fall genauso viel bezahlen oder doch mehr, ist sie von Natur aus doch schwächer konditioniert und ihr gleichwertiger Erfolg somit höher. Lohnt es sich eine Frau in hohe Positionen einzustellen, wenn sie in ein paar Jahren ohnehin wegen ihres Mutterschaftsurlaubs ausfällt? Frauen haben es nicht leicht, schon gar nicht in konservativen Ländern zu konservativen Zeiten, Backlash genannt.

Ein solcher fand Anfang der Achtziger in den USA statt und dient gemeinsam mit William Shakespeares Twelfth Night, Or What You Will als Vorlage für die High-School-Komödie Just One of the Guys aus der Feder von Dennis Feldman und Jeff Franklin. Der Film reiht sich ein in die Reihe der coming-of-age-Komödien, die der Institution High School angeheftet sind und thematisiert dabei selbstverständlich auch die symbiotische teen angst. Dabei ist es ähnlich wie bei Fast Times at Ridgemont High weniger die Thematik des Filmes, die zu dessen Kultstatus geführt hat, sondern die Nacktszene der Hauptdarstellerin. Aber auch jenseits dieser Szene bietet Lisa Gottliebs Film meist beste achtziger Jahre High School Unterhaltung.

Als die Eltern in den Urlaub fahren, kann Buddy (Billy Jayne) endlich kann er seine Unschuld verlieren! Höchste Zeit, ist seine Pubertät schließlich schon fast zu Ende und damit sein sexueller Höhepunkt erreicht. Seine ältere Schwester Terry (Joyce Hyser) plagen dagegen andere Sorgen. Sie zählt zwar zu den begehrtesten Mädchen ihrer High School und hat sich mit Kevin einen Freund vom College, aber Terry hat auch Grips. Ihr großer Traum ist es, Reporterin zu werden, weshalb ihr ein Sommerpraktikum bei der Chicago Sun-Times besonders wichtig ist. Doch im Schulwettbewerb werden von ihrem Lehrer andere Schüler vorgezogen, Terry könne ja noch Model werden. Die Schülerin wittert sexuelle Diskriminierung.

Als Junge wäre ihr das nicht passiert und ihr Artikel dementsprechend gewürdigt worden, da ist sich Terry sicher. Und um dies zu beweisen und doch noch das Praktikum zu kriegen, tarnt sie sich einfach als Junge auf einer anderen High School. Mit einem Kleidungsstil von Elvis Costello und dem Haarschnitt von Ralph Macchio beginn sie sich zu integrieren, freundet sich mit dem Außenseiter Rick (Clayton Rohner) an und gerät mit Schulrowdy Greg (William Zabka) aneinander. Während ihre Abwesenheit unangenehm bei ihrem Freund Kevin auffällt und sich Terry langsam in Rick verguckt, hat es die hemmungslose Sandy (Sherilyn Fenn) auf Terry abgesehen. Ihre Tarnung geht scheinbar voll auf: als Junge ist sie spitze.

Womit die Brücke zum deutschen Titel (Als Junge ist sie spitze) geschlagen wäre, der früher gerne an Sonntagnachmittagen auf Pro Sieben oder Kabel Eins versendet wurde. Dabei weiß Just One of the Guys neben Joyce Hysers Nacktszene (zur Szene klicke man das unten stehende Bild) vor allem durch seinen Humor zu gefallen. Dieser manifestiert sich fast ausschließlich in der Figur von Terrys Bruder Buddy, kongenial dargestellt durch Billy Jayne, der einige Jahre später an der Seite von Corin Nemec in Parker Lewis Can’t Lose spielen sollte, einer Quasi-Adaption von John Hughes’ Ferris Bueller’s Day Off. Auch sonst treiben sich, wie in Komödien der Achtziger üblich, das eine oder andere bekannte Gesicht herum.

So zum Beispiel Sherilyn Fenn, die später durch Twin Peaks ins Rampenlicht rücken sollte oder William Zabka, der den Antagonisten im Kultfilm Karate Kid spielte und damit die Brücke schlägt zu Sandys Äußerung im Film, die auf ebenjenen Streifen verweist. Ohnehin ist der Film ungemein selbstironisch und zelebriert auch Referenzen zu den eigenen Schauspielern, wenn Joyce Hyser als Terry die Jungentoilette aufsucht und ihren eigenen Namen (Joyce) an der Wand wiederfindet. Seine Geschlechterklischees nimmt Just One of the Guys ebenso gekonnt auf die Schippe, wenn Hyser fluchend gegen Seifenspender schlägt und dies ein herzliches Bild auf Männer in den Augen der Frauen wirft.

Man mag sich natürlich fragen, wie es möglich ist, dass Terry sich zwei Wochen vor Schuljahresende an einer anderen Schule einschreiben und am Unterricht teilnehmen kann. Ihre Abwesenheit an ihrer Heimatschule scheint zudem dort niemanden aufzufallen und bleibt somit ohne Folgen. Auch die Distanz zu Kevin wirkt zu Beginn überraschend, da hübsche Mädchen ihre Freunde in High School Filmen lediglich nach deren Ruf und Aussehen wählen, lässt dies jedoch weniger auffällig erscheinen. Für Terry stellt sich an der neuen Schule jedoch heraus, dass es beim Schreiben nicht nur auf die männlichen Aspekte ankommt. Als Junge erfährt ihr Artikel zwar Anerkennung, dennoch fehlt ihm, so der Lehrer, ein bisschen weibliche Seele, die sich der harte Kerl doch noch aneignen soll.

Als Thema soll Terry sich ein Thema beschaffen, das ihn tatsächlich beschäftigt. Bereits hier wird ihre eigene Situation zum Inhalt und die Freundschaft mit Rick begonnen. Ihr Artikel ist daher bereits klar definiert, unabhängig vom Filmausgang. Grundsätzlich ist es also die Symbiose zwischen ihrer „Männlichkeit“ und Weiblichkeit, die sich am Ende positiv für Terry ausschlagen wird. Die Kritik am Backlash hält sich in Gottliebs Film in Grenzen, vormerklich handelt es sich um eine High School Komödie über die Hübschen, die Rowdys und die Nerds, über die Liebe und das erste Mal. Die Tatsache, dass Terry aufgrund ihres Geschlechts diskriminiert wird, bildet nur den Aufhänger, der zum Schluss wieder aufgenommen wird.

Die sexuelle teen angst wird fast ausschließlich durch Buddy zum Tragen gebracht. Der Teenager, dessen Wände übersät sind mit nackten Frauen setzt sich selbst viel zu sehr unter Druck. Zu einem Großteil merkt man dies durch seine Äußerungen, die oft eine sexuelle Anspielung enthalten, jedoch lediglich seine Unerfahrenheit und Ängste kaschieren sollen. Auch unabhängig von Buddy finden sich viele amüsante Szenen die von der eigentlichen Handlung durchaus gelungen und insbesondere stringent eingebunden werden. Wo viele Filme sich abseits der lustigen Momente oft verlieren weiß Just One of the Guys einen roten Faden zu behalten, dessen Bonbon nach anderthalb Stunden dann Joyce Hysers Brüste sind.

Der große Verdienst des Filmes ist, dass man ebenjene neunzig Minuten gelungen mit einer, wenn auch simplen, Handlung überbrücken kann und sich nicht durchweg nach jener Szene sehnt, für die der Film fraglos am meisten bekannt ist. Gottliebs Film reiht sich ein in die lange Liste der exzellenten Komödien aus den achtziger Jahren, dem sein Kultfaktor in gewisser Hinsicht durchaus zusteht, da es ihm gelingt, über einige „typische“ Schwächen des Genres dieser Epoche hinweg zu springen. Joyce Hyser und das ganze Ensemble sind ein weiterer positiver Grund, zudem kann eine High School Komödie, die Brüste präsentiert, per se nicht schlecht sein. Lang leben die Brüste, lang leben die High School Komödien!

8.5/10

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