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17. September 2016

Harry Potter and the Deathly Hallows: Part 2

If you have to ask, you’ll never know. If you know, you need only ask.

Mit diesem Film fing alles an: der Hang dazu, gerade YA-Romanabschlüsse für ein letztes finanzielles Hurra in zwei Teile aufzuteilen. Was Harry Potter and the Deathly Hallows: Part 1 vor sechs Jahren und Harry Potter and the Deathly Hallows: Part 2 im Jahr darauf lostraten, sollten auch das Finale von Twilight (Breaking Dawn) und The Hunger Games (Mockingjay) in den Folgejahren fortführen. Peter Jackson entschloss sich gar, seinen The Hobbit als Trilogie zu vermarkten – selbst wenn die Buchvorlage nur halb so dick ist wie The Deathly Hallows. Für Warner Bros. hatte sich der Entschluss zum Splitting ohne Zweifel gelohnt, holte man aus dem Zweiteiler – im Finale auch durch konvertiertes 3D – doch über zwei Milliarden Dollar raus.

Dabei war in Harry Potter and the Deathly Hallows: Part 1 schon ein Großteil, genauer: zwei Drittel, der Geschichte erzählt. Insofern ist der achte Film nahezu buchstäblich ein Schlusskapitel unter das Potter-Franchise. Nach der Flucht von dem Malfoy-Anwesen brechen Harry (Daniel Radcliffe), Hermione (Emma Watson) und Ron (Rupert Grint) in die Zaubererbank Gringotts ein, um aus dem Tresor von Bellatrix Lestrange (Helena Bonham Carter) eines von Voldemorts (Ralph Fiennes) Horkruxe zu stehlen. Mit diesem zerstört machen sie sich auf nach Hogwarts, um dort die letzten Exemplare zu finden, als Voldemort und seine Death Eater auftauchen. Eine Schlacht zwischen den Parteien entsteht und Harry muss sich seinem Schicksal stellen.

Für die Potter-Filme galt schon immer, viel Inhalt aus den Büchern bei den Adaptionen außen vor zu lassen. Problematisch wurde es erst hinten raus, als Autorin J.K. Rowling für ihr Finale mehrere narrative Rückgriffe auf die Vorgänger tätigte. Etwas, was die Filme von Regisseur David Yates ebenso versuchen, nur mit teils fehlender Exposition. Kurzum: Es wäre den Deathly Hallows-Filmen besser zu Gesicht gestanden, sich mehr von der Vorlage zu trennen. Etwaige Referenzen verwirren eher, da ihnen das Fundament fehlt, als dass ihr Ansprechen selbst für Kenner der Vorlage zu rechtfertigen wäre. Zum Beispiel die Erwähnung des Sohnes von Lupin (David Thewlis) und Tonks (Natalia Tena), der – wie auch schon ihre Ehe – nie eingeführt wurde.

Ein Aspekt, der in den Final-Filmen sporadisch auftaucht, ist das komplizierte Bild von Albus Dumbledore (Michael Gambon). Die Zweifel an der Figur, zu Beginn des Vorgängers angerissen und dann vernachlässigt, tauchen hier im zweiten Aktr wieder auf, wenn Dumbledores Bruder Aberforth (Ciarán Hinds) ihnen kurzzeitig sein Wort leiht. Was genau es damit auf sich hat, dürfte Nicht-Kennern der Bücher fremd bleiben. Der Sinn dieser Anspielungen wird in den Filmen nicht deutlich, denn die Zweifel, die sich in Harry ob Dumbledores Charakter und seiner ihm auferlegten Mission stellen sollen, bleiben in den Filmen aus. Ähnlich verhält es sich mit den Deathly Hallows selbst und Dumbledore-Freund Gellert Grindelwald (Jamie Campbell Bower).

Nun heißt die Serie “Harry Potter” und nicht “Albus Dumbledore” oder “Severus Snape” (Alan Rickman), insofern darf nicht erwartet werden, dass gerade der Schlussfilm sich die Mühe macht, das Innenleben und die Zwiespalte der prägendsten Figuren in Harrys Leben darzulegen. Nur: Dann soll man es, so möglich, bleiben lassen. Snapes Rückblenden zu seiner Liebe für Harrys Mutter sind unumgänglich, um der Figur im lange hingearbeiteten Twist Profil zu geben. Nur funktionieren sie im Kontext der Vorlage besser, wo die Animositäten zwischen Snape und Harrys Vater schon früher Thema waren. Besonders schade ist da, dass die Filme – sowie die Bücher – nie die Parallelen zwischen Harry, Snape und Tom Riddle bemerkten oder nutzten.

The Deathly Hallows: Part 2 will wenig mehr als Bühne für die Schlacht um Hogwarts sein. Und kann dies auch, da der Großteil der Geschichte bereits in Part 1 erzählt wurde. In kurzen Kamerafahrten präsentiert uns Yates da nahezu all die bekannten Gesichter aus acht Jahren Harry Potter, selbst der verloren gegangene Weasley-Sohn Percy aus den ersten Filmen darf da plötzlich irgendwo im Hintergrund rumstehen. Es wird gestorben (Lupin, Tonks, Fred Weasley, Bellatrix, Snape) und romantische Zuneigung bekundet (Ron, Hermione, Harry, Ginny, Snape), doch thematisch wirklich interessant wird der Film erst mit Offenbarung seines Twists, dass Harry selbst ein Horkrux ist. Und den Märtyrertod sterben muss – zumindest vermeintlich.

Dessen ungeachtet liefert der Film mit seinem Gringotts-Heist ebenso vergnügliche Momente wie auch die zweite Hälfte der Hogwarts-Schlacht nach Harry Wiederauferstehen durch das ihr innewohnende Tempo gefallen kann. Bemerkenswert ist dabei auch der Fokus, den Yates immer wieder auf Neville Longbottom (Matthew Lewis) legt, bedauerlich dagegen, wie der Film bis zum Twist-Moment Rickmans Snape außen vor lässt. Überzeugend geraten wieder mal die kurzen, ruhigen Szenen voller Emotion, so wenn Harry und Hermione quasi stillschweigend realisieren, was Harry erwartet und Abschied nehmen. Hier ergreift der Film einen, wo Kameraschwenks über die Leichen von Lupin, Tonks und Fred wenig Gefühle wecken wollen.

Nach zehn Jahren und acht Filmen – sowie einem Einspielergebnis von 7,7 Milliarden Dollar – fand Harry Potter vor fünf Jahren schließlich seine Ruhe. Letztlich war es eine durchwachsene Filmserie, die nur in Harry Potter and the Prisoner of Azkaban sowie Harry Potter and the Order of the Phoenix wirklich überzeugen wollte. Mag Chris Columbus mit den narrativ mageren Erstlingen gehadert haben, scheiterte David Yates zum Schluss an der Masse des einzupflegenden Hintergrunds, der berücksichtig werden musste. Zumindest, wenn man sich nicht zu sehr von der Vorlage entfernen wollte. Und hier liegt dann vielleicht die Chance für ein Reboot respektive Neuverfilmungen, sollte es in zehn oder mehr Jahren zu solchen kommen.

5/10

14. November 2010

Harry Potter and the Deathly Hallows: Part I

I thought you knew what you had signed up for?

Es fing alles mit einem 216 Seiten starken Roman vor neun Jahren an. Harry Potter and the Philosopher’s Stone avancierte zum überraschenden Belletristikerfolg und sollte seine Autorin, Joanne K. Rowling, zur zweitreichsten Frau im Britischen Königreich nach Queen Elizabeth II. machen. Mit dem Erfolg stieg vermutlich auch Rowlings Selbstsicherheit, wurden ihre Nachfolgeromane im Folgenden nicht nur immer dicker, sondern beanspruchte das vierte Buch Harry Potter and the Goblet of Fire gar doppelt so viele Seiten wie sein Vorgänger Harry Potter and the Prisoner of Azkaban. Dass eine derartig erfolgreiche Romanreihe, speziell in der an Kinder orientierten Literatur, nicht umhin kommt, fürs Kino adaptiert zu werden, ist verständlich. Wo es Chris Columbus mit seinen ersten beiden Verfilmungen gelang, nahezu jede Seite getreu abzufilmen, war klar, dass dies spätestens ab dem vierten Band nicht mehr möglich sein würde. Was läge also näher, als das große Finale, Harry Potter and the Deathly Hallows, ob der Handlungsfülle auf zwei Filme aufzuteilen?

Denn es muss viel erzählt werden, nicht nur das, was Rowling in ihren siebten Roman niederschrieb, sondern auch all die Details, die in den Vorgängerfilmen ausgelassen wurden und die nun entweder doch wichtig oder zumindest nicht ohne weiteres auslassen werden können. So lernt das Publikum zu Beginn des Filmes einen zerknirscht dreinblickenden Rufus Scrimgeour (Bill Nighy) kennen, seines Zeichens Minister of Magic, doch erfährt man dies erst jetzt, obschon er den Posten bereits länger inne hat. Scrimgeour tauchte vermutlich deshalb nicht in Harry Potter and the Half-Blood Prince auf, weil er eine verzichtbare Figur ist. Was man nicht zuletzt durch ihre Anwesenheit im siebten Film merkt, die nicht der Rede wert ist, da sie nicht die Funktion ausfüllen kann, die ihr eigentlich gebührt. Nighys Figur kommt aus dem Nichts und verschwindet alsbald in dieses, ohne wirklich von Mehrwert gewesen zu sein. Der Grund warum Drehbuchautor Steve Kloves sie überhaupt einführt, findet sich in einem kleinen Detail, das zuvor unwichtig war, dessen es nun aber bedarf.

Ein Malus, der den gesamten Film durchzieht und diesen, obschon er sich bemüht, die Vorlage getreu abzufilmen, letztlich in seiner Essenz scheitern lässt. Denn Rowling ließ es sich nicht nehmen, zum Abschluss ihrer Geschichte eine Nummern-Revue zu installieren. Viel wird aus den vergangenen Abenteuern wieder aufgegriffen und avanciert zur Etappe auf dem Weg ins Ziel. Nur tauchte dies in den Filmen meist nicht auf. Als Harry Potter (Daniel Radcliffe) zu Beginn ein letztes Mal in ein Versteck transportiert werden muss, führt Regisseur David Yates mit Bill (Domhnall Gleeson) einen weiteren Weasley ein. Die linke Gesichtshälfte ist etwas vernarbt, mit Dank an den Werwolf Fenrir Greyback. Daneben steht Fleur Delaceur (Clémence Poésy), jene französische Schülerin, die im vierten Film beim Triwizard Tournament teilnahm und nun mit Bill verlobt ist. Ein Fakt, der wie das Selbstverständlichste auf der Welt in die Handlung integriert wird, da Kloves, Yates und Co. vermutlich voraussetzen, dass ohnehin jeder die Romane als Komplementärwerke gelesen hat.

Bill und Fleur, deren Beziehung wie Scrimgeour im sechsten Band eingeführt wurde und die - zugegeben - für dessen Handlung auch unerheblich waren, helfen nun, die finale Geschichte in Schwung zu bringen. Wie auch Scrimgeour, der Harry und seinen Freunden Ron Weasley (Rupert Grint) und Hermione Granger (Emma Watson) später die Nachlassenschaft des im Vorgänger ermordeten Professor Dumbledore (Michael Gambon) hinterlässt. Am Problematischsten ist wahrscheinlich noch eine Scherbe, in die Harry bisweilen blickt und die ihm später hilfreich sein soll, von der der Romanunkundige jedoch keine Ahnung hat, um was es sich handelt und woher es kommt. Es sind Dinge wie jener Spiegel, den Harrys Patenonkel Sirius (Gary Oldman) ihm in Harry Potter and the Order of the Phoenix gab, die bei der Adaption jenes Bandes verzichtenswert erschienen und sich nun rächen sollten. Denn wie keiner seiner Vorgänger zuvor macht Harry Potter and the Deathly Hallows: Part I deutlich: Wer die Bücher nicht kennt, der hat leider Pech gehabt.

Alle anderen dürften sich an den zahlreichen inhaltlichen Anschlussfehlern amüsieren, die Kloves bei seinem Versuch begeht, die Vorlage in ein möglichst actionreiches Road-Movie zu verwandeln. Denn was nicht in einem Satz mal eben abgehakt wird, quetscht Kloves in gehetzter Dramaturgie in andere Stellen hinein. So verkommt die Monatelange Suche von Harry, Hermione und Ron nach dem Vermächtnis von Dumbledore, der im Vorgänger eingeführten Horcruxe von Lord Voldemort (Ralph Fiennes), zum schnelllebigen Happening. Wer an der falschen Stelle aufsteht, um aufs Klo zu gehen und nochmals Popcorn zu holen, wird verwundert feststellen, dass das Trio bereits die eine oder andere Etappe abgearbeitet hat. Zwar bemüht sich der Film, die aufkommende Anspannung zwischen den Gruppenmitgliedern hier und da einzufangen, doch sind diese Momente so rar gesät, um die Dramaturgie nicht zu gefährden, dass sie eigentlich verpuffen. Dabei entsteht die wirkliche Dramaturgie gerade in den Momenten, denen sich der Film verweigert.

“These are dark times“, lauten die ersten Worte von Scrimgeour, die sich zum nicht eingehaltenen Versprechen entwickeln. Zwar versucht Yates gerade im Zaubereiministerium ein Flair vom Dritten Reich und der Judenverfolgung zu beschwören, wenn uniformierte Zauberer mit roter Armbinde Verdächtige abführen, deren Blutreinheitsstatus in Frage gestellt wird, doch reichen einige Nazi-Referenzen nicht aus, um eine Endzeitstimmung zu beschwören. Denn Harry Potter and the Deathly Hallows: Part I ist ein weitestgehend blutfreies Spektakel. In einer Szene wandern die drei Freunde durch trostlose und teils zerstörte Landschaften, mit Radiomeldungen von Gefallenen, doch revidiert dies nicht die unbeständige Atmosphäre von Unpersönlichkeit. Es sind irgendwelche Namen, die hier zum Opfer fallen, nicht jene, die den Figuren bekannt sind. Für emotionale Tiefe ist keine Zeit, nicht einmal in den Szenen der Hauptfiguren. Besonders zu leiden hat hier das nicht unkomplizierte (geschweige denn: unwichtige) Verhältnis von Harry zu Dumbledore.

Dessen Tod ist für die Figur ebenso eine Marginalie wie das Ableben von Sirius im Vorgänger. Auch Ginny (Bonnie Wright), Rons Schwester und Harrys Liebe, wird zu jener Randfigur, die sie bereits im sechsten Film gewesen ist. Dafür, dass die Serie „Harry Potter and…“ heißt, schafft es Yates wie in kaum einem der anderen Filme zuvor, das Innenleben seiner Hauptfigur auszuklammern. All das, was für diese wichtig ist, wird im siebten Film nahezu negiert. Dass die Gefühlswelt der Figuren hinten ansteht wäre dann akzeptabel, würde sich der Film in seiner Fortschreitung der wichtigen Etappen nicht unentwegt selbst in seiner Kontinuität und Authentizität ein Bein stellen. Zwar haben es die Verantwortlichen nicht leicht gehabt, lässt sich schwerlich etwas aus dem Roman streichen, ohne dass ein ganzes Kapitel umgeschrieben werden müsste, dennoch ist das fertige Ergebnis weitaus weniger gelungen und hinnehmbar, als zuvor in Harry Potter and the Half-Blood Prince, gegenüber welchem der jüngste Film dann auch in anderer Hinsicht einen Rückschritt darstellt.

Ohne Zweifel wird das Drama wohl nicht mehr das Genre eines Daniel Radcliffe, zeigt er sich doch wie bereits in den Vorgängern erneut mit den ernsten und emotionalen Szenen überfordert (was inzwischen auch sein Alter nicht mehr entschuldigt), während es die humorvollen Momente sind, in denen er aufblüht. Des Weiteren werden dann auch misslungene Ensembleentscheidungen fortgeführt, wenn Bill Nighy als Scrimgeour und Rhys Ifans als Xenophilius Lovegood sicher auch von Seiten der Regie wie bereits Gambon seinen Dumbledore oder Jim Broadbent den Potions-Professor Horace Slughorn mit Effizienz gegen die Wand spielen. Vom Besetzungsverbrechen der Helena Bonham Carter ganz zu schweigen. Es ist somit wie so oft Emma Watson, die mit couragiertem Spiel - und bisweilen unterstützt von Rupert Grint - für schauspielerische Glanzlichter sorgt, zu deren Aufleuchten auch Alan Rickmans Severus Snape und Imelda Stauntons Dolores Umbridge beitragen, obschon Letztere bedauerlicherweise nur wenige Minuten Spielzeit gewährt bekommen.

Dabei ist nicht alles schlecht an Harry Potter and the Deathly Hallows: Part I. Insbesondere die dem Road-Movie-Aspekt der Handlung innewohnenden Landschaftsaufnahmen begeistern, während auch Alexandre Desplats Musik gefällt. Und zumindest in Ansätzen sind die einzelnen Szenen überzeugend gestaltet, sei es der Beginn von Harrys Flucht inmitten des Ablenkungsmanövers des Phönix-Ordens oder das Aufeinandertreffen mit zwei Death Eater nach dem abrupten Ende von Bill und Fleurs Hochzeit. Ein kleines Highlight stellt dann die zwar extrem abgehastet eingeführte, aber dann speziell dank der verwandelten Alter Egos von Harry, Hermione und Ron (David O’Hara, Steffan Rhodri, Sophie Thompson) amüsante Zaubereiministeriumsszene dar. Wie gelungen die Szene geworden ist, sieht man in Anbetracht der gehetzten (und schlecht erzählten) Folgeszenen in Godric’s Hollow sowie auf dem Malfoy Grundstück. Dass der Film eher enttäuschend ausfällt, liegt somit weniger an der beeindruckenden Szenerie, sondern an Kloves’ mangelhafter Adaption.

Hinzu kommen Szenen, derer es nicht unbedingt bedurft hätte, von denen jedoch die graphische Illustration der Tale of the Three Brothers - und somit der Titelgebenden “Deathly Hallows“ - noch die Annehmbarste ist. Andere Einstellungen wie das Stoppen des Hogwarts Express zur Überprüfung, ob Harry anwesend ist (die Frage, warum Harry zurück nach Hogwarts sollte, das inzwischen unter der Kontrolle von Severus Snape ist, stellt sich den Death Eater scheinbar gar nicht), nur um in einer einzigen kurzen Totale bekannte Gesichter von Cormac McLaggen über Lavender Brown bis hin zu Cho Chang zu präsentieren, oder eine auflockernde Tanzszene zwischen Harry und Hermione sind zwar nett gemeint, allerdings vollkommen unerheblich für die Erzählung der ohnehin überlangen Geschichte. Andere Momente wie ein kurzer Kuss zwischen Ginny und Harry vor der Hochzeit von Bill und Fleur dagegen sind wohl nur da, um den Zuschauer daran zu erinnern, dass da noch was ist, auch wenn es - bis zum Epilog im achten Film - ab sofort nicht mehr thematisiert wird.

Dass Yates und Kloves trotz ihrer gehetzten Art dramaturgisch spannende Szenen, die meist Lord Voldemort betreffen, aussparen oder zumindest abschwächen, macht ihre Entscheidung nur umso unverständlicher. Es wäre Harry Potter and the Deathly Hallows: Part I sicher besser bekommen, wenn man sich zumindest in dessen Anfang mehr von der Vorlage entfernt hätte, anstatt sich um die Hochzeit zweier Figuren zu kümmern, die wenige Minuten zuvor erst auf der Bildfläche erschienen. Als („glaubwürdiges“) abenteuerreiches Road-Movie überzeugt der Film durch die fehlende Laufzeit nur bedingt (ein Makel, der durch eine Lord of the Rings-artige Extended Version auf DVD ausgeglichen werden könnte, jedoch war dies bereits bei den Vorgängern nicht der Fall). Letztlich ist Yates' dritter Potter-Film zu gehetzt, voller Anschlussfehler und am Ende Opfer seiner Vorgänger (hätte Rowling von vorneherein zumindest Kloves aber auch die Regisseure über den finalen Band informiert, wären eventuell viele Mängel vermeidbar und Manches einfacher gewesen).

Ein dankenswerter Umstand war im Nachhinein zumindest, dass es Warner Bros. nicht mehr gelang, den siebten Film rechtzeitig vor Filmstart in 3D zu konvertieren (was sich ohnehin nicht einmal bei einer Handvoll Einstellungen gelohnt hätte). Ob sich das Studio jenen finanziellen Push, der dafür verantwortlich ist, dass in Kürze eine Fortsetzung des grottigen Clash of the Titans bevorsteht, für Harry Potter and the Deathly Hallows: Part II nehmen lässt, ist fraglich. So oder so steht dem achten Film wahrscheinlich ein einfacheres Schicksal bevor, besteht er zur Hälfte doch aus einer einzigen Actionszene, die in der Tradition von Helm’s Deep aus The Two Towers stehen wird. Im Nachhinein hat sich die Entscheidung, den siebten Roman in zwei Filme aufzuteilen, wohl wieder mal nur für Produzent David Hayman und die Warner gelohnt, denn obschon für den 600 Seiten starken Roman rund fünf Stunden Laufzeit zur Verfügung standen, scheitert zumindest Harry Potter and the Deathly Hallows: Part I an denselben Dingen, die auch die meisten seiner Vorgänger ausmachten.

4.5/10

18. Juli 2009

Harry Potter and the Half-Blood Prince

Why is it when something happens it is always you three?

Nach dem umfangreichen Harry Potter and the Order of the Phoenix schraubte Joanne K. Rowling ihre Bemühungen etwas zurück und veröffentlichte einen etwas schlankeren sechsten Band. Dabei wurde Harry Potter and the Half-Blood Prince letztlich nicht mehr als eine sechshundert Seiten lange Einführung für den finalen Band. Bedenkt man, dass aufgrund der gewichtigen Handlung von Harry Potter and the Deathly Hallows beschlossen wurde, das siebte Buch in zwei Filmen zu adaptieren, müsste das Fanherz bei den Aussichten auf eine um die sieben Stunden lange Geschichte eigentlich schneller schlagen. Immerhin stellte Order of the Phoenix die wahrscheinlich gelungenste Adaption der Reihe dar und dies auch noch beim umfangreichsten Band. Dass Produzent David Heyman dennoch Drehbuchautor Michael Goldenberg anschließend wieder fallen ließ, um zu Steve Kloves zurück zu kehren (neither can live while the other survives?), sollte die Reihe jedoch wieder zurück auf das Niveau von Harry Potter and the Goblet of Fire heben.

Diesmal ist alles anders und doch irgendwie gleich. Voldemort ist zurück und dies ganz offiziell. Seine Anhänger, zuvorderst Bellatrix Lestrange (Helena Bonham Carter) und Fenrir Greyback (Dave Legeno) treiben ihr Unwesen auch jenseits der eigenen magischen Grenzen. Unsichere Zeiten also, wenn Zauberer und Hexen nicht mehr voreinander sicher sind. Das erklären auch Ron (Rupert Grint) und Hermione (Emma Watson), als Harry (Daniel Radcliffe) bei ihnen eintrifft. Über Schulabbruch wurde im Hause Weasley philosophiert, weil die Kinder gefährdet seien. Interessanterweise scheint dies jedoch sonst niemanden zu stören. Harry selbst treibt sich im Sommer ungestört in London herum, wo er in U-Bahn-Bistros Kellnerinnen anbaggert, während er später unbekümmert mit seinen Freunden durch Diagon Alley schreitet, die weniger Tage zuvor noch Opfer einer Attacke war. Dieses Bäumchen-wechsel-dich-Spiel wird anschließend fortgesetzt, wenn zwar einerseits Hogwarts von Ministeriumsbeamten beschützt wird, die Zugfahrt dorthin selbst allerdings nicht.

Die Bedrohung der Zauberer untereinander und die Gefahr, die dadurch auch für Harry und seine Freunde ausgeht, werden innerhalb des Filmes oft konterkariert. Dass Harry im Sommer auf eigene Faust durch London wandert muss etwas verwirren, wenn er anschließend im Winter im Beisein von erwachsenen Zauberern angegriffen wird. Im Falle vergangener Filme widersprechen also Kloves' eigene Ideen nicht nur der ursprünglichen Geschichte von Rowling, sondern sogar die meiste Zeit sich selbst. Schon in den ersten zehn Minuten wird die Anpassung der im Grunde doch sehr düsteren Geschichte an die hollywoodsche Norm überdeutlich: Heyman und Co. wollten keine Geschichte erzählen, die im Nachhinein nur der Aufhänger für das Finale ist. Die zahlreichen Rückblenden in Voldemorts Vergangenheit werden bis auf zwei Ausnahmen herausgestrichen. Eine verständliche Entscheidung, schweift insbesondere die Nebenhandlung um dessen Großvater zu sehr ab. Ob sich die Entfernung der Rückblenden eventuell rächen könnte, wird sich zeigen.

Eine Kürzung der Handlung ist folglich bei Harry Potter stets unumgänglich, will man die Laufzeit auf zweieinhalb Stunden begrenzen. Wo und wie man kürzt, hatte Goldenberg beim Vorgänger gezeigt. Kloves hat damit jedoch bekanntlich größere Probleme. Im weitesten Sinne beinhaltet Half-Blood Prince drei Handlungsstränge, welche die Geschichte ausmachen. Es ist bezeichnend, dass sich Kloves auf den unbedeutenderen der drei Erzählstränge fokussiert hat. Im Folgenden ist der Film durchzogen von romantischen Beziehungsentwicklungen, die zum einen als comic relief und zum anderen als zentrale Unterhaltungsform gedacht sind. Dabei schreiten Yates und Kloves ziemlich harsch voran, fehlt doch gerade der plötzlich hereinbrechenden Romanze zwischen Harry und Ginny (Bonnie Wright) jegliches Fundament. Etwas geschickter, da sorgsamer, wird das Ganze bei Hermione und Ron inszeniert, die neben ihrer Annäherung auch über die vergangenen vier Filme eine Basis hatten, auf der ihre Gefühle füreinander behutsam aufgebaut wurden.

Immerhin muss man gestehen, dass die Intention des comic relief aufgeht und die meisten Szenen funktionieren. Ohnehin ist es der Humor, der Half-Blood Prince am besten auszeichnet, allen voran die Einstellungen mit Radcliffe und Grint. Man merkt es dem Jungdarstellertrio an, dass nach fünf Filmen die Chemie in vollem Umfang stimmt. Ginny wirkt dagegen ob ihrer forcierten Integration eher wie ein Fremdkörper und Kloves macht sich nicht einmal die Mühe, zu erläutern, wieso sie plötzlich so viel mit dem Trio abhängt. Geschweige denn, wie sie im Quidditch-Team gelandet ist, wo sie auf einmal Mitglied ist, während andere sich erst in dieses Spielen müssen. Die Quidditch-Szenen selbst sind wie bereits früher relativ unerheblich und dienen ausschließlich der Auflockerung der restlichen Handlung. Da jedoch die düsteren Szenen um Voldemorts Vergangenheit, sowie die spannenden Szenen rund um Malfoy (Tom Felton) und seine Agenda im Film selbst keine bedeutsame Rolle spielen, geraten die Beziehungsdramen zum Mittelpunkt des Geschehens.

Hinsichtlich der anderen Erzählstränge tut sich Kloves ebenfalls  keinen Gefallen. Auf der einen Seite präsentiert er Dumbledore (Michael Gambon), der versucht Harry auf den neuen Zaubertrank-Dozenten Horace Slughorn (Jim Broadbent) anzusetzen. Es obliegt nun Harry, aus diesem ein zentrales Geheimnis bezüglich Voldemort zu entlocken, welches mit dem weiteren Verlauf der Handlung zusammenhängt. Wirkliche Vorwürfe kann man hierbei nun weder Kloves, noch Yates machen. Sie erzählen soviel, wie sie zu erzählen haben, damit man der Geschichte und speziell dem Finale des Filmes folgen kann. Anders verhält es sich jedoch mit der Nebenhandlung, die sie bezüglich Tom Feltons Figur übernehmen. Sieht man einmal davon ab, dass man glaubte, der Verständigkeit halber dessen Agenda bereits relativ früh zu offenbaren, führen Heyman und Co. durch ihre Abwandlung zum Roman den ganzen Handlungsstrang ad absurdum. Denn Sinn und Zweck hat das Geschehen nicht und dient wohl erneut nur der Anpassung an die Normen Hollywood.

Hinzu kommt, dass Kloves wie bereits im vierten Teil Erklärungen ausspart, sodass zahlreiche Handlungsbögen entweder aus dem Nichts entstehen, in dieses verlaufen oder im besten Falle beides auf einmal. Andere Kleinigkeiten, die bereits seit Cuarón der Reihe innewohnen, bilden dabei nur das Tüpfelchen auf dem I. Addierte der Mexikaner seiner Zeit zwei weitere Jungen in Harry Jahrgang und Gryffindor, so platzierte Newell schließlich die Patil-Zwillinge in ein und dasselbe Haus. Hatte Yates letztere Tradition übernommen, versucht er nunmehr es auch Cuarón nachzutun. Die Mädchen von Gryffindor werden nun um zwei Schülerinnen erweitert. Neben den Patil-Zwillingen, Hermione und Lavender (Jessie Cave) werden auch Katie Bell (Georgina Leonidas), ihre Freundin Leanne und Romilda Vane (Anna Shaffer) ins sechste Jahr von Gryffindor sortiert. Das führt zu dem sehr amüsanten Szenario, dass nicht nur alle zehn Gryffindors die NEWT-Zaubertrank-Klasse weiterführen, sondern auch die neuen Schülerinnen (im Endeffekt also mehr Gryffindors als Slytherins).

Da stört es im Grunde auch nicht, dass der Film, obschon er Harry mit dem Halbblut-Prinzen assoziiert, auf diesen eigentlich gar nicht eingeht. Dient er im ersten Akt als Basis für einen der drei Handlungsstränge, scheint die zweite Szene im dritten Akt lediglich ein Alibi zu sein, um den Filmtitel zu rechtfertigen. Im Endeffekt hat Harry Potter and the Half-Blood Prince aber nichts mit jenem Prinzen zu tun, sodass dessen finale Auflösung eigentlich das Unwichtigste in der gesamten Geschichte darstellt. Dabei hätte der sechste Film aufgrund seiner subtilen Düsternis sehr viel Potential gehabt, was aufgrund des starken Fokus’ auf die Beziehungsdramen im fertigen Ergebnis ziemlich verloren geht. Ausschlaggebend für das Versagen des Filmes ist die Tatsache, dass Kloves, Yates und Heyman sich durch ihre Abänderungen die meiste Zeit selbst widersprechen und/oder Handlungen konterkarieren, die sie zuvor entweder lang oder auch nur kurz eingeführt haben. Weitaus dramatischer dürften die Aussparungen ausfallen, die die Basis für die Deathly-Hallows-Filme darstellen.

Diesbezüglich deutet sich an, dass die bedeutsame Nebenhandlung um Severus Snape (Alan Rickman) wohl weitestgehend unter den Tisch fällt. Alles andere würde aufgrund der bisher mangelhaften Vorbereitung seit dem Vorgänger überraschen. Es ist durchaus schade, wie wenig aus jenem Subplot gemacht wird, der sich doch als Spiegelbild zu Harry und Voldemort selbst lesen lässt. Rickman selbst ist auch hier dank seiner gedehnten Artikulation wieder eines der Highlights des Filmes, leidet aber erneut unter seiner fehlenden Präsenz. Felton wiederum nutzt die zusätzlichen Minuten, die seine gesamte Anwesenheit in den vergangenen drei Filmen aufwiegen. Während Grint erneut sein komödiantisches Potential ausschöpfen kann, meistert Watson sowohl die charmanten als auch die melancholischen Szenen wie gewohnt sehr gekonnt. Radcliffe wiederum hat gerade im Finale wie immer seine Probleme mit emotional-dramatischen Szenen, was insofern entschuldbar ist, da er im sechsten Film weitestgehend sein komödiantisches Talent ausspielen kann.

Dagegen spielt Michael Gambon so schlecht wie eh und je. Dass er weiterhin vollends an der Figur des Dumbledore vorbeispielt, scheint daran zu liegen, dass sich der Ire nie die Mühe machte, eines der Bücher zu lesen (und Kloves es wiederum  nicht für nötig erachtete, die Figur im Drehbuch entsprechend zu charakterisieren). Auch die neuen Darsteller sind allesamt eine Enttäuschung. Jim Broadbent gibt Slughorn als verpeilten Naivling (wieso man nicht Bob Hoskins genommen hat, bleibt offen), während beide Jungdarsteller für Voldemort jegliches schauspielerische Talent vermissen lassen. Kauft man Ralph Fiennes’ Neffen sein unsympathisches Spiel noch ab (der Junge versagt dafür bei allem anderen), ist es Stephen Dillanes Sohn, der keine Unze Charisma (was hinsichtlich der Wandlung seiner Figur von Nöten ist) zu versprühen vermag. In die schlechten Darbietungen reiht sich nach dem Vorgänger erneut auch Helena Bonham Carter ein, deren overacting inzwischen zu ihrem Markenzeichen geworden zu sein scheint.

Auch die vielgelobte Kameraarbeit von Bruno Delbonnel kann sich nicht wirklich auszeichnen, wirken die Bilder doch oft dunkler, als der Inhalt letztlich selbst. An die schönen Bilder von Michael Seresin aus Harry Potter and the Prisoner of Azkaban vermag somit weder die Kameraarbeit, noch die Inszenierung selbst heranzureichen. Des Weiteren wollen eigentlich alle filmischen Referenzen von Yates nicht wirklich gefallen. Sei es die Höhle im Finale, die an Supermans Fortress of Solitude erinnert oder die relativ offensichtlichen Zitate zu The Two Towers oder The Godfather, Part II. Nichts davon will wirklich ins Potterverse passen und bedenkt man die Zielgruppe, dürften die wenigsten die Superman- oder Godfather-Filme überhaupt gesehen haben. Ingesamt ist die sechste Harry-Potter-Adaption zwar eine solide Vorstellung, verdankt dieses milde Urteil jedoch hauptsächlich dem pubertären Charme der Beziehungsszenen (primär von Hermione und Ron, denn Harry und Ginny) und dem merklichen Humor. Eine wirkliche Auszeichnung ist dies jedoch nur bedingt.

6/10


Szenenbilder Harry Potter and the Half-Blood Prince © Warner Bros. Pictures. All Rights Reserved.