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17. September 2016

Harry Potter and the Deathly Hallows: Part 2

If you have to ask, you’ll never know. If you know, you need only ask.

Mit diesem Film fing alles an: der Hang dazu, gerade YA-Romanabschlüsse für ein letztes finanzielles Hurra in zwei Teile aufzuteilen. Was Harry Potter and the Deathly Hallows: Part 1 vor sechs Jahren und Harry Potter and the Deathly Hallows: Part 2 im Jahr darauf lostraten, sollten auch das Finale von Twilight (Breaking Dawn) und The Hunger Games (Mockingjay) in den Folgejahren fortführen. Peter Jackson entschloss sich gar, seinen The Hobbit als Trilogie zu vermarkten – selbst wenn die Buchvorlage nur halb so dick ist wie The Deathly Hallows. Für Warner Bros. hatte sich der Entschluss zum Splitting ohne Zweifel gelohnt, holte man aus dem Zweiteiler – im Finale auch durch konvertiertes 3D – doch über zwei Milliarden Dollar raus.

Dabei war in Harry Potter and the Deathly Hallows: Part 1 schon ein Großteil, genauer: zwei Drittel, der Geschichte erzählt. Insofern ist der achte Film nahezu buchstäblich ein Schlusskapitel unter das Potter-Franchise. Nach der Flucht von dem Malfoy-Anwesen brechen Harry (Daniel Radcliffe), Hermione (Emma Watson) und Ron (Rupert Grint) in die Zaubererbank Gringotts ein, um aus dem Tresor von Bellatrix Lestrange (Helena Bonham Carter) eines von Voldemorts (Ralph Fiennes) Horkruxe zu stehlen. Mit diesem zerstört machen sie sich auf nach Hogwarts, um dort die letzten Exemplare zu finden, als Voldemort und seine Death Eater auftauchen. Eine Schlacht zwischen den Parteien entsteht und Harry muss sich seinem Schicksal stellen.

Für die Potter-Filme galt schon immer, viel Inhalt aus den Büchern bei den Adaptionen außen vor zu lassen. Problematisch wurde es erst hinten raus, als Autorin J.K. Rowling für ihr Finale mehrere narrative Rückgriffe auf die Vorgänger tätigte. Etwas, was die Filme von Regisseur David Yates ebenso versuchen, nur mit teils fehlender Exposition. Kurzum: Es wäre den Deathly Hallows-Filmen besser zu Gesicht gestanden, sich mehr von der Vorlage zu trennen. Etwaige Referenzen verwirren eher, da ihnen das Fundament fehlt, als dass ihr Ansprechen selbst für Kenner der Vorlage zu rechtfertigen wäre. Zum Beispiel die Erwähnung des Sohnes von Lupin (David Thewlis) und Tonks (Natalia Tena), der – wie auch schon ihre Ehe – nie eingeführt wurde.

Ein Aspekt, der in den Final-Filmen sporadisch auftaucht, ist das komplizierte Bild von Albus Dumbledore (Michael Gambon). Die Zweifel an der Figur, zu Beginn des Vorgängers angerissen und dann vernachlässigt, tauchen hier im zweiten Aktr wieder auf, wenn Dumbledores Bruder Aberforth (Ciarán Hinds) ihnen kurzzeitig sein Wort leiht. Was genau es damit auf sich hat, dürfte Nicht-Kennern der Bücher fremd bleiben. Der Sinn dieser Anspielungen wird in den Filmen nicht deutlich, denn die Zweifel, die sich in Harry ob Dumbledores Charakter und seiner ihm auferlegten Mission stellen sollen, bleiben in den Filmen aus. Ähnlich verhält es sich mit den Deathly Hallows selbst und Dumbledore-Freund Gellert Grindelwald (Jamie Campbell Bower).

Nun heißt die Serie “Harry Potter” und nicht “Albus Dumbledore” oder “Severus Snape” (Alan Rickman), insofern darf nicht erwartet werden, dass gerade der Schlussfilm sich die Mühe macht, das Innenleben und die Zwiespalte der prägendsten Figuren in Harrys Leben darzulegen. Nur: Dann soll man es, so möglich, bleiben lassen. Snapes Rückblenden zu seiner Liebe für Harrys Mutter sind unumgänglich, um der Figur im lange hingearbeiteten Twist Profil zu geben. Nur funktionieren sie im Kontext der Vorlage besser, wo die Animositäten zwischen Snape und Harrys Vater schon früher Thema waren. Besonders schade ist da, dass die Filme – sowie die Bücher – nie die Parallelen zwischen Harry, Snape und Tom Riddle bemerkten oder nutzten.

The Deathly Hallows: Part 2 will wenig mehr als Bühne für die Schlacht um Hogwarts sein. Und kann dies auch, da der Großteil der Geschichte bereits in Part 1 erzählt wurde. In kurzen Kamerafahrten präsentiert uns Yates da nahezu all die bekannten Gesichter aus acht Jahren Harry Potter, selbst der verloren gegangene Weasley-Sohn Percy aus den ersten Filmen darf da plötzlich irgendwo im Hintergrund rumstehen. Es wird gestorben (Lupin, Tonks, Fred Weasley, Bellatrix, Snape) und romantische Zuneigung bekundet (Ron, Hermione, Harry, Ginny, Snape), doch thematisch wirklich interessant wird der Film erst mit Offenbarung seines Twists, dass Harry selbst ein Horkrux ist. Und den Märtyrertod sterben muss – zumindest vermeintlich.

Dessen ungeachtet liefert der Film mit seinem Gringotts-Heist ebenso vergnügliche Momente wie auch die zweite Hälfte der Hogwarts-Schlacht nach Harry Wiederauferstehen durch das ihr innewohnende Tempo gefallen kann. Bemerkenswert ist dabei auch der Fokus, den Yates immer wieder auf Neville Longbottom (Matthew Lewis) legt, bedauerlich dagegen, wie der Film bis zum Twist-Moment Rickmans Snape außen vor lässt. Überzeugend geraten wieder mal die kurzen, ruhigen Szenen voller Emotion, so wenn Harry und Hermione quasi stillschweigend realisieren, was Harry erwartet und Abschied nehmen. Hier ergreift der Film einen, wo Kameraschwenks über die Leichen von Lupin, Tonks und Fred wenig Gefühle wecken wollen.

Nach zehn Jahren und acht Filmen – sowie einem Einspielergebnis von 7,7 Milliarden Dollar – fand Harry Potter vor fünf Jahren schließlich seine Ruhe. Letztlich war es eine durchwachsene Filmserie, die nur in Harry Potter and the Prisoner of Azkaban sowie Harry Potter and the Order of the Phoenix wirklich überzeugen wollte. Mag Chris Columbus mit den narrativ mageren Erstlingen gehadert haben, scheiterte David Yates zum Schluss an der Masse des einzupflegenden Hintergrunds, der berücksichtig werden musste. Zumindest, wenn man sich nicht zu sehr von der Vorlage entfernen wollte. Und hier liegt dann vielleicht die Chance für ein Reboot respektive Neuverfilmungen, sollte es in zehn oder mehr Jahren zu solchen kommen.

5/10

15. Februar 2014

State of Play vs. State of Play

Das Remake gehört wohl zu Hollywood wie das Ei zur Henne. Schließlich hat auch Originalität ihre Grenzen. Daher nutzt die Traumfabrik gerne eigene Filme – insofern genug Zeit verstrichen ist, damit das Original bei der Zielgruppe nicht zu präsent wirkt – oder Werke aus dem Ausland, die von Erfolg gekrönt waren, als Ausgangsmaterial für ihre eigenen Produktionen. So auch vor etwa fünf Jahren, als Universal mit State of Play eine zweistündige Adaption der gleichnamigen fünfeinhalbstündigen BBC-Serie von 2003 in die Kinos brachte. Ein Trend, den zuletzt David Fincher mit House of Cards und demnächst Utopia weiterführt. Nur eben mit namhaften Schauspielern, die das Publikum auch sehen möchte.

So waren für State of Play zunächst Brad Pitt und Edward Norton in den Hauptrollen geplant, ehe Meinungsverschiedenheiten und Verzögerungen kurzfristig Russell Crowe und Ben Affleck ans Set von Kevin Macdonald spülten. Und obschon seine weniger als halb so lange Version von David Yates’ Serie nach Drehbuch von Paul Abbott bei den Kritikern gut ankam, floppte der Film sowohl in den USA als auch international an den Kinokassen (trotz fehlender Konkurrenz). Dabei macht Macdonalds Remake vieles – wenn leider auch nicht alles – richtig. Aber welche Version ist nun besser oder gut? An dieser Stelle soll wieder mal ein Head-to-Head feststellen, welche Geschichte in den Druck gehen darf.

The Reporter

Das Erbe von Woodward und Bernstein tritt in Paul Abbotts Geschichte der Reporter Cal McAffrey an, in der BBC-Version von John Simm (höchstens Doctor Who-Fans hierzulande ein Begriff) gespielt. Eher klein und schmächtig ist er bemüht, seinem alten Kumpel Stephen Collins, für den er einst Wahlkampf machte, über den plötzlichen Tod seiner Geliebten zu helfen. Nur um selbst mit Collins’ entfremdeter Gattin zu korpulieren. Was mehr Zeit beansprucht, als es sollte. Wenig nuanciert wird man mit Simm nicht so recht warm, auch nicht als investigativer Journalist. Das mag auch daran liegen, dass er diesen Job mit James McAvoy – dessen Figur im Remake ausgespart wurde – teilen muss. Günter-Wallraff-Faktor: 45%

Man kann verstehen, wieso fürs Remake zuerst an Brad Pitt gedacht wurde. Stattdessen gab kurzfristig dann ein löwenmähniger Russell Crowe den Schnüffler von der Zeitung, eingeführt als sich im Auto mit Junk Food vollstopfender Radio-Gröler. Immerhin sehen wir Crowes McAffrey weitaus mehr „Investigation“ betreiben, auch der Tatsache geschuldet, dass er mit Polizeiermittler Bell (hier: Harry Lennix) bekannt ist. Wenn Crowes Figur den Killer auf sich lenkt, dann nicht, während er sich gerade verlustiert. Insofern darf dieser Cal McAffrey ein glaubwürdigerer Journalist sein als sein britischer Kollege, eben weil er – wenn auch nicht unbedingt äußerlich – mehr dessen Bild entsprechen mag. Günter-Wallraff-Faktor: 55%

The Girl

Unfairerweise verdient sich Kelly Macdonalds Version der naseweisen Della schon allein deshalb einen Sonderpunkt, weil ihr schottischer Akzent im britischen Original ein Highlight für sich ist (nie klang das Wort “murder” schöner). Allerdings erfährt die Figur – wenn auch nachvollziehbar – einen leicht extremen Wandel von der selbstbewussten Schnüfflerin zur eingeschüchterten Petze, als ihr Leben während der Recherche in Gefahr gerät. Zwar fängt sich die Figur gegen Ende wieder etwas, doch da ist der „Vertrauensbruch“ bereits geschehen. Die zudem im Verlauf verstärkt subtil angedeutete sexuelle Spannung zwischen Della und Polizeichef Bell hilft dem Ganzen auch nicht wirklich. Tamara-Dewe-Faktor: 50%

In der US-Version avanciert Della schlauerweise zur Bloggerin der Zeitung, die sich den Respekt von Cal McAffrey erst durch Rechercheerfolge verdienen muss. Insofern nimmt sie eher die Funktion eines “rookies” ein, wenn auch ihre Recherche identisch mit der ihres britischen Pendants ist. So erklärt sich vermutlich, weshalb sie nach dem Krankenhaus-Attentat weniger eingeschüchtert als bestärkt wirkt, was sicherlich dem Film dienlich ist. Zwar nicht ganz so sexy wie Kelly Macdonald überzeugt die Dynamik zwischen McAdams’ Della und McAffrey mehr als in der BBC-Fassung. Selbst wenn ihre Beziehung später fast in romantische Bahnen gelenkt wirkt, was eher verstört. Tamara-Dewe-Faktor: 50%

The Politician

Die Rolle des sichtbar steifen, aber politisch vielversprechenden Regierungsvertreters übernahm in David Yates’ Serie David Morrissey (eher bekannt als “Governor” in The Walking Dead). Hier darf Morrissey noch am ehesten die ganze Palette seiner schauspielerischen Fähigkeiten zeigen, von verunsichert über erzürnt bis am Boden zerstört. Und obschon viel für Sympathiebonus seitens der Zuschauer für ihn spricht (Geliebte und Kind tot, Ehefrau schläft mit bestem Freund), vermag dieser Stephen Collins nie recht seine ihm angeheftete gewisse Durchtriebenheit abzulegen. Dies mag auch am Wissen um Morrisseys Walking Dead-Rolle liegen. Insofern also: politically correct. John Edwards-Faktor: 60%

Wer denkt, David Morrissey ist steif, hat die Rechnung ohne Ben Affleck gemacht. Zwar überzeugt Affleck – enormes Kinn hin oder her – als Kongressabgeordneter, nur vermag sein Spiel sich nie der Figur richtig zu öffnen. Dass er und Russell Crowe Uni-Kumpels sein sollen, erfordert ordentlich “suspension of disbelief”. Immerhin ist Afflecks Stephen Collins im Gegensatz zu seinem britischen Kollegen weitaus weniger präsent im US-Film und wirkt zugleich weitaus unschuldiger beziehungsweise weniger verdächtig. Was dem Twist zum Schluss sicherlich zuträglicher ist. Das fehlende Schauspiel Afflecks ist hierbei allerdings hinderlich, weshalb man mit Ed Norton besser gefahren wäre. John Edwards-Faktor: 40%

The Wife

Die Rolle der betrogenen Anne Collins fiel in der sechsteiligen Serie Polly Walker (bekannt aus der HBO-Serie Rome) zu. Was nicht ohne Probleme ist. Es mag zum Teil an ihrer Frisur liegen, aber Walkers Frau zwischen zwei Männern will in keiner Konstellation so recht überzeugen. Sie passt weder wirklich zu Morrisseys noch zu Simms Figur, was auch daran liegt, dass wir von ihrem Charakter wenig mitbekommen. Umso unerklärlicher ist ihr Wandel im Schlussakt, der sie von der Opferrolle eher in die Bitch-Ecke rückt. Sie ist im Grunde nur da, um als “sexual interest” zu fungieren – was für weibliche Figuren selten positiv endet. Insofern: viel “Screen time” für einen blassen Charakter. Jenny Sanford-Faktor: 40%

Noch blasser, wenn auch ansehnlicher, kommt Robin Wright im Spielfilm daher. Zwar hat auch ihre Figur eine Affäre mit McAffrey, immerhin jedoch nur in der Vergangenheit. So wundert man sich zwar, wieso Collins und der Reporter weiterhin befreundet sind, ist aber zugleich dankbar, dass der Film für Bettspiele keine Zeit opfert. Abgesehen von zwei Szenen, in denen auf dieser Affäre rumgekaut wird, hat Anne Collins nichts zu tun. Was sich grundsätzlich dadurch erklärt, dass die UK-Figur nur für Sex existierte und insofern für das Remake in Ordnung geht. Wrights Rolle bleibt ein Nicht-Charakter, aber immerhin einer, der nett aussieht und für den nicht mehr Zeit als nötig aufgewandt wurde. Jenny Sanford-Faktor: 60%

The Editor

Es gibt Schauspieler, die können wenig falsch machen. Der wunderbare Bill Nighy ist einer von ihnen. Denn als scharfzüngiger Herausgeber im BBC-Original ist sein Cameron Foster eher einer von der Truppe – die meist geschlossene Tür seines Büros zum Trotz. Mehr kumpelhaft kommt das Verhältnis mit McAffrey daher, zugleich hält Nighys Chef vom Dienst seiner Truppe den Rücken frei und übernimmt mehrfach aktiv eine Rolle in der Recherche. Hierbei fungiert Cameron durchaus auch als “comic relief” – gerade im Doppel mit Sohnemann Dan –, dennoch nimmt man Nighy seine redaktionelle Kompetenz durchweg ab. Entsprechend ist dies eine absolut atmende dreidimensionale Figur. Ben Bradlee-Faktor: 65%

Im Kinofilm übernimmt Helen Mirren die redaktionelle Aufgabe der Herausgeberin. Darunter leidet am meisten die Beziehung zu ihren Reportern, wirkt Mirrens Cameron doch oftmals wie der Redaktion aufs Auge gedrückt denn als Teil von dieser. Das mag auch der Tatsache geschuldet sein, dass Cameron im Film weniger direkt in die Recherche eingebunden ist, somit eher eine passive Rolle einnimmt. Der Großteil der Figur wird für den Sub-Plot der heimgesuchten Medienkrise aufgewandt, was zwar seine eigenen Vorzüge hat (s. The Tone), worunter jedoch die Ausarbeitung des Charakters leidet. In ihrer Funktion als Herausgeberin ist Cameron aber durchaus glaubwürdig. Ben Bradlee-Faktor: 35%

The Middleman

Das Zünglein an der Waage in Paul Abbotts Handlung gibt derweil der windige bisexuelle Mittelsmann Dominic Foy, im Original von Marc Warren als blonder Pimp gespielt. Über mehrere Episoden müssen McAffrey, Della und Co. diesen erst in eine Position bringen, in der er die politischen Verwicklungen um Collins’ tote Geliebte aufklärt – ehe dieser ihm den Kiefer zerdeppert. Auch wenn Foy als Witzfigur angelegt ist, will man nicht so recht glauben, welche Rolle der Figur hier zugeschrieben wurde. Was zum Teil auch an Warren selbst liegt. Grundsätzlich wird auf seinen Charakter jedoch, wie auch auf den von Anne Collins, für nur bedingten Erlös generell zu viel Zeit vergeudet. Tirath Khemlani-Faktor: 40%

Weniger wie ein Zuhälter aber nicht minder flamboyant kommt Jason Batemans Interpretation der Rolle daher. Ähnlich wie bei Robin Wright wird für ihn nur wenig Zeit aufgespart. Zwar immer noch mit dem Makel der Witzfigur behaftet, wird sein Dominic Foy zumindest als das behandelt, was er ist: ein Mittel zum Zweck, um die Handlung auf die Zielgerade zu bringen. Dies geschieht zugegeben relativ schnell – und als off-screen eingefangenes Geständnis auf Videoband –, ist jedoch dadurch verzeihbar, dass man so ein wohl bis zu einstündiges Katz-und-Maus-Spiel vermieden hat. Insgesamt kommt dieser schmierige Mittelsmann dennoch kompakter und somit konsequenter daher. Tirath Khemlani-Faktor: 60%

The Tone

Ein Merkmal der 2003er BBC-Serie ist nicht nur der heutzutage fast als Standard zu findende Newsroom in der Redaktion, sondern auch die Einbindung von Humor in die Handlung. Dies mag angesichts der politischen Verschwörung und der daraus resultierenden Toten zwar verwundern, ist dennoch aufgrund der Protagonisten wie McAvoys Dan Foster, Rebekah Statons Liz oder Sean Gilders Sergeant ‘Chewy’ Cheweski ganz amüsant. All diese Figuren fehlen natürlich im US-Remake. Von Westminster und der Zeitungslandschaft kriegt der Zuschauer dennoch nur bedingt etwas mit, wenn auch zumindest Vorgehensweisen von Letzterer in der ersten Hälfte eine Rolle spielen. Reality-Check-Faktor: 40%

Zwar ist Humor in Kevin Macdonalds Version kein Fremdkörper, sondern gerade im Zusammenspiel zwischen Russell Crowe und Rachel McAdams ein wiederkehrendes Element, dennoch vergeudet der Film keine Zeit darauf. Erfrischend, wenn auch leicht altbacken, ist der in die Handlung verwobene Subplot der Medienkrise, die sich in Faktoren wie Facelifts für den Zeitungskopf oder Dellas Funktion als Bloggerin niederschlägt. Zum US-Kongress erhalten wir zwar auch hier keinen Einblick, dafür erfährt der Plot mit der Privatisierung durch Sicherheitsunternehmen à la Blackwater wie im Falle der Medienkrise ein zeitgenössisches Update. Eine gelungene Neuausrichtung der Handlung also. Reality-Check-Faktor: 60%

Fazit

Die britische TV-Fassung überzeugt dadurch, dass die Recherche über eine Woche verteilt wird, während die Adaption sie auf zwei Tage komprimiert. Aber dies schien nötig, um dieselbe Geschichte in weniger als der Hälfte der Zeit zu erzählen. Leider ging so manch liebenswerte Figur verloren, glücklicherweise aber auch viel Ballast. Die jeweilige Besetzung nimmt sich nur bedingt etwas, Andrew Macdonalds Film wirkt jedoch aktueller. Wer sich also nur für die Geschichte von State of Play interessiert, darf dem amerikanischen Film-Remake den Vorzug geben. Dieses setzt sich mit 5:3 im Head-to-Head durch. Winner on points: State of Play (US-Film)!

1. Dezember 2013

Filmtagebuch: November 2013

THE ACT OF KILLING
(DK/N/UK 2012, Joshua Oppenheimer)
6.5/10

ALBERT NOBBS
(UK/IRL/F/USA 2011, Rodrigo García)
7/10

APRÈS MAI [DIE WILDE ZEIT]
(F 2012, Olivier Assayas)

4.5/10

A BAND CALLED DEATH
(USA 2012, Mark Christopher Covino/Jeff Howlett)
7/10

THE BATTERY
(USA 2012, Jeremy Gardner)
6/10

BEFORE MIDNIGHT
(USA 2013, Richard Linklater)
3/10

BEFORE SUNRISE
(USA/A/CH 1995, Richard Linklater)
7/10

BEFORE SUNSET
(USA 2004, Richard Linklater)
6/10

BLACKFISH
(USA 2013, Gabriela Cowperthwaite)
6/10

BLACK DYNAMITE
(USA 2009, Scott Sanders)
6.5/10

BLANCANIEVES
(E/F/B 2012, Pablo Berger)
5/10

BLUE JASMINE
(USA 2013, Woody Allen)
7/10

THE BRIDE OF FRANKENSTEIN [FRANKENSTEINS BRAUT]
(USA 1935, James Whale)

6/10

CAPTAIN PHILLIPS
(USA 2013, Paul Greengrass)
6.5/10

CHILLERAMA
(USA 2011, Adam Green u.a.)
6.5/10

CUTIE AND THE BOXER
(USA 2013, Zachary Heinzerling)
6/10

DJÚPIĐ [THE DEEP]
(IS 2012, Baltasar Kormákur)

5.5/10

ESCAPE PLAN
(USA 2013, Mikael Håfström)
7/10

FRANCES HA
(USA 2012, Noah Baumbach)
8/10

FRANKENSTEIN
(USA 1931, James Whale)
5.5/10

GIMME THE LOOT
(USA 2012, Adam Leon)
2.5/10

DER HIMMEL ÜBER BERLIN
(D/F 1987, Wim Wenders)
4/10

JFK [DIRECTOR’S CUT]
(USA/F 1991, Oliver Stone)

8/10

MACHETE KILLS
(USA/RUS 2013, Robert Rodriguez)
3/10

MANIAC
(USA/F 2012, Franck Khalfoun)
3.5/10

MONSTERS, INC. [DIE MONSTER AG]
(USA 2001, Peter Docter/David Silverman/Lee Unkrich)

8.5/10

MONSTERS UNIVERSITY [DIE MONSTER UNI] (3D)
(USA 2013, Dan Scanlon)

7/10

ONLY LOVERS LEFT ALIVE
(USA/UK/F/D/CY 2013, Jim Jarmusch)
7/10

OZ THE GREAT AND POWERFUL [DIE FANTASTISCHE WELT VON OZ] (3D)
(USA 2013, Sam Raimi)

5/10

PARADIES: GLAUBE
(D/A/F 2012, Ulrich Seidl)
4/10

PARADIES: HOFFNUNG
(D/A/F 2013, Ulrich Seidl)
7/10

PARADIES: LIEBE
(D/A/F 2012, Ulrich Seidl)
7/10

PARIS, TEXAS
(USA/UK/D/F 1984, Wim Wenders)
7.5/10

PIRANHA 3DD [PIRANHA 2] (3D)
(USA 2012, John Gulager)

7/10

THE SESSIONS
(USA 2012, Ben Lewin)
5.5/10

SIGHTSEERS
(UK 2012, Ben Wheatley)
1.5/10

SOUND CITY
(USA 2013, David Grohl)
5.5/10

THE STING [DER CLOU]
(USA 1973, George Roy Hill)

7/10

THE WORLD’S END
(UK 2013, Edgar Wright)
4/10

ZERO DARK THIRTY
(USA 2012, Kathryn Bigelow)
1.5/10

Retrospektive: Harry Potter


HARRY POTTER AND THE PHILOSOPHER’S STONE
[HARRY POTTER UND DER STEIN DER WEISEN]
(UK/USA 2001, Chris Columbus)

5.5/10

HARRY POTTER AND THE CHAMBER OF SECRETS
[HARRY POTTER UND DIE KAMMER DES SCHRECKENS]
(UK/USA/D 2002, Chris Columbus)

6/10

HARRY POTTER AND THE PRISONER OF AZKABAN
[HARRY POTTER UND DER GEFANGENE VON ASKABAN]
(UK/USA 2004, Alfonso Cuarón)

7/10

HARRY POTTER AND THE GOBLET OF FIRE
[HARRY POTTER UND DER FEUERKELCH]
(UK/USA 2005, Mike Newell)

6.5/10

HARRY POTTER AND THE ORDER OF THE PHOENIX
[HARRY POTTER UND DER ORDEN DES PHÖNIX]
(UK/USA 2007, David Yates)

7/10

HARRY POTTER AND THE HALF-BLOOD PRINCE
[HARRY POTTER UND DER HALBBLUTPRINZ]
(UK/USA 2009, David Yates)

6.5/10

HARRY POTTER AND THE DEATHLY HALLOWS: PART 1
[HARRY POTTER UND DIE HEILIGTÜMER DES TODES - TEIL 1]
(UK/USA 2010, David Yates)

4/10

HARRY POTTER AND THE DEATHLY HALLOWS: PART 2
[HARRY POTTER UND DIE HEILIGTÜMER DES TODES - TEIL 2]
(UK/USA 2011, David Yates)

2.5/10

14. November 2010

Harry Potter and the Deathly Hallows: Part I

I thought you knew what you had signed up for?

Es fing alles mit einem 216 Seiten starken Roman vor neun Jahren an. Harry Potter and the Philosopher’s Stone avancierte zum überraschenden Belletristikerfolg und sollte seine Autorin, Joanne K. Rowling, zur zweitreichsten Frau im Britischen Königreich nach Queen Elizabeth II. machen. Mit dem Erfolg stieg vermutlich auch Rowlings Selbstsicherheit, wurden ihre Nachfolgeromane im Folgenden nicht nur immer dicker, sondern beanspruchte das vierte Buch Harry Potter and the Goblet of Fire gar doppelt so viele Seiten wie sein Vorgänger Harry Potter and the Prisoner of Azkaban. Dass eine derartig erfolgreiche Romanreihe, speziell in der an Kinder orientierten Literatur, nicht umhin kommt, fürs Kino adaptiert zu werden, ist verständlich. Wo es Chris Columbus mit seinen ersten beiden Verfilmungen gelang, nahezu jede Seite getreu abzufilmen, war klar, dass dies spätestens ab dem vierten Band nicht mehr möglich sein würde. Was läge also näher, als das große Finale, Harry Potter and the Deathly Hallows, ob der Handlungsfülle auf zwei Filme aufzuteilen?

Denn es muss viel erzählt werden, nicht nur das, was Rowling in ihren siebten Roman niederschrieb, sondern auch all die Details, die in den Vorgängerfilmen ausgelassen wurden und die nun entweder doch wichtig oder zumindest nicht ohne weiteres auslassen werden können. So lernt das Publikum zu Beginn des Filmes einen zerknirscht dreinblickenden Rufus Scrimgeour (Bill Nighy) kennen, seines Zeichens Minister of Magic, doch erfährt man dies erst jetzt, obschon er den Posten bereits länger inne hat. Scrimgeour tauchte vermutlich deshalb nicht in Harry Potter and the Half-Blood Prince auf, weil er eine verzichtbare Figur ist. Was man nicht zuletzt durch ihre Anwesenheit im siebten Film merkt, die nicht der Rede wert ist, da sie nicht die Funktion ausfüllen kann, die ihr eigentlich gebührt. Nighys Figur kommt aus dem Nichts und verschwindet alsbald in dieses, ohne wirklich von Mehrwert gewesen zu sein. Der Grund warum Drehbuchautor Steve Kloves sie überhaupt einführt, findet sich in einem kleinen Detail, das zuvor unwichtig war, dessen es nun aber bedarf.

Ein Malus, der den gesamten Film durchzieht und diesen, obschon er sich bemüht, die Vorlage getreu abzufilmen, letztlich in seiner Essenz scheitern lässt. Denn Rowling ließ es sich nicht nehmen, zum Abschluss ihrer Geschichte eine Nummern-Revue zu installieren. Viel wird aus den vergangenen Abenteuern wieder aufgegriffen und avanciert zur Etappe auf dem Weg ins Ziel. Nur tauchte dies in den Filmen meist nicht auf. Als Harry Potter (Daniel Radcliffe) zu Beginn ein letztes Mal in ein Versteck transportiert werden muss, führt Regisseur David Yates mit Bill (Domhnall Gleeson) einen weiteren Weasley ein. Die linke Gesichtshälfte ist etwas vernarbt, mit Dank an den Werwolf Fenrir Greyback. Daneben steht Fleur Delaceur (Clémence Poésy), jene französische Schülerin, die im vierten Film beim Triwizard Tournament teilnahm und nun mit Bill verlobt ist. Ein Fakt, der wie das Selbstverständlichste auf der Welt in die Handlung integriert wird, da Kloves, Yates und Co. vermutlich voraussetzen, dass ohnehin jeder die Romane als Komplementärwerke gelesen hat.

Bill und Fleur, deren Beziehung wie Scrimgeour im sechsten Band eingeführt wurde und die - zugegeben - für dessen Handlung auch unerheblich waren, helfen nun, die finale Geschichte in Schwung zu bringen. Wie auch Scrimgeour, der Harry und seinen Freunden Ron Weasley (Rupert Grint) und Hermione Granger (Emma Watson) später die Nachlassenschaft des im Vorgänger ermordeten Professor Dumbledore (Michael Gambon) hinterlässt. Am Problematischsten ist wahrscheinlich noch eine Scherbe, in die Harry bisweilen blickt und die ihm später hilfreich sein soll, von der der Romanunkundige jedoch keine Ahnung hat, um was es sich handelt und woher es kommt. Es sind Dinge wie jener Spiegel, den Harrys Patenonkel Sirius (Gary Oldman) ihm in Harry Potter and the Order of the Phoenix gab, die bei der Adaption jenes Bandes verzichtenswert erschienen und sich nun rächen sollten. Denn wie keiner seiner Vorgänger zuvor macht Harry Potter and the Deathly Hallows: Part I deutlich: Wer die Bücher nicht kennt, der hat leider Pech gehabt.

Alle anderen dürften sich an den zahlreichen inhaltlichen Anschlussfehlern amüsieren, die Kloves bei seinem Versuch begeht, die Vorlage in ein möglichst actionreiches Road-Movie zu verwandeln. Denn was nicht in einem Satz mal eben abgehakt wird, quetscht Kloves in gehetzter Dramaturgie in andere Stellen hinein. So verkommt die Monatelange Suche von Harry, Hermione und Ron nach dem Vermächtnis von Dumbledore, der im Vorgänger eingeführten Horcruxe von Lord Voldemort (Ralph Fiennes), zum schnelllebigen Happening. Wer an der falschen Stelle aufsteht, um aufs Klo zu gehen und nochmals Popcorn zu holen, wird verwundert feststellen, dass das Trio bereits die eine oder andere Etappe abgearbeitet hat. Zwar bemüht sich der Film, die aufkommende Anspannung zwischen den Gruppenmitgliedern hier und da einzufangen, doch sind diese Momente so rar gesät, um die Dramaturgie nicht zu gefährden, dass sie eigentlich verpuffen. Dabei entsteht die wirkliche Dramaturgie gerade in den Momenten, denen sich der Film verweigert.

“These are dark times“, lauten die ersten Worte von Scrimgeour, die sich zum nicht eingehaltenen Versprechen entwickeln. Zwar versucht Yates gerade im Zaubereiministerium ein Flair vom Dritten Reich und der Judenverfolgung zu beschwören, wenn uniformierte Zauberer mit roter Armbinde Verdächtige abführen, deren Blutreinheitsstatus in Frage gestellt wird, doch reichen einige Nazi-Referenzen nicht aus, um eine Endzeitstimmung zu beschwören. Denn Harry Potter and the Deathly Hallows: Part I ist ein weitestgehend blutfreies Spektakel. In einer Szene wandern die drei Freunde durch trostlose und teils zerstörte Landschaften, mit Radiomeldungen von Gefallenen, doch revidiert dies nicht die unbeständige Atmosphäre von Unpersönlichkeit. Es sind irgendwelche Namen, die hier zum Opfer fallen, nicht jene, die den Figuren bekannt sind. Für emotionale Tiefe ist keine Zeit, nicht einmal in den Szenen der Hauptfiguren. Besonders zu leiden hat hier das nicht unkomplizierte (geschweige denn: unwichtige) Verhältnis von Harry zu Dumbledore.

Dessen Tod ist für die Figur ebenso eine Marginalie wie das Ableben von Sirius im Vorgänger. Auch Ginny (Bonnie Wright), Rons Schwester und Harrys Liebe, wird zu jener Randfigur, die sie bereits im sechsten Film gewesen ist. Dafür, dass die Serie „Harry Potter and…“ heißt, schafft es Yates wie in kaum einem der anderen Filme zuvor, das Innenleben seiner Hauptfigur auszuklammern. All das, was für diese wichtig ist, wird im siebten Film nahezu negiert. Dass die Gefühlswelt der Figuren hinten ansteht wäre dann akzeptabel, würde sich der Film in seiner Fortschreitung der wichtigen Etappen nicht unentwegt selbst in seiner Kontinuität und Authentizität ein Bein stellen. Zwar haben es die Verantwortlichen nicht leicht gehabt, lässt sich schwerlich etwas aus dem Roman streichen, ohne dass ein ganzes Kapitel umgeschrieben werden müsste, dennoch ist das fertige Ergebnis weitaus weniger gelungen und hinnehmbar, als zuvor in Harry Potter and the Half-Blood Prince, gegenüber welchem der jüngste Film dann auch in anderer Hinsicht einen Rückschritt darstellt.

Ohne Zweifel wird das Drama wohl nicht mehr das Genre eines Daniel Radcliffe, zeigt er sich doch wie bereits in den Vorgängern erneut mit den ernsten und emotionalen Szenen überfordert (was inzwischen auch sein Alter nicht mehr entschuldigt), während es die humorvollen Momente sind, in denen er aufblüht. Des Weiteren werden dann auch misslungene Ensembleentscheidungen fortgeführt, wenn Bill Nighy als Scrimgeour und Rhys Ifans als Xenophilius Lovegood sicher auch von Seiten der Regie wie bereits Gambon seinen Dumbledore oder Jim Broadbent den Potions-Professor Horace Slughorn mit Effizienz gegen die Wand spielen. Vom Besetzungsverbrechen der Helena Bonham Carter ganz zu schweigen. Es ist somit wie so oft Emma Watson, die mit couragiertem Spiel - und bisweilen unterstützt von Rupert Grint - für schauspielerische Glanzlichter sorgt, zu deren Aufleuchten auch Alan Rickmans Severus Snape und Imelda Stauntons Dolores Umbridge beitragen, obschon Letztere bedauerlicherweise nur wenige Minuten Spielzeit gewährt bekommen.

Dabei ist nicht alles schlecht an Harry Potter and the Deathly Hallows: Part I. Insbesondere die dem Road-Movie-Aspekt der Handlung innewohnenden Landschaftsaufnahmen begeistern, während auch Alexandre Desplats Musik gefällt. Und zumindest in Ansätzen sind die einzelnen Szenen überzeugend gestaltet, sei es der Beginn von Harrys Flucht inmitten des Ablenkungsmanövers des Phönix-Ordens oder das Aufeinandertreffen mit zwei Death Eater nach dem abrupten Ende von Bill und Fleurs Hochzeit. Ein kleines Highlight stellt dann die zwar extrem abgehastet eingeführte, aber dann speziell dank der verwandelten Alter Egos von Harry, Hermione und Ron (David O’Hara, Steffan Rhodri, Sophie Thompson) amüsante Zaubereiministeriumsszene dar. Wie gelungen die Szene geworden ist, sieht man in Anbetracht der gehetzten (und schlecht erzählten) Folgeszenen in Godric’s Hollow sowie auf dem Malfoy Grundstück. Dass der Film eher enttäuschend ausfällt, liegt somit weniger an der beeindruckenden Szenerie, sondern an Kloves’ mangelhafter Adaption.

Hinzu kommen Szenen, derer es nicht unbedingt bedurft hätte, von denen jedoch die graphische Illustration der Tale of the Three Brothers - und somit der Titelgebenden “Deathly Hallows“ - noch die Annehmbarste ist. Andere Einstellungen wie das Stoppen des Hogwarts Express zur Überprüfung, ob Harry anwesend ist (die Frage, warum Harry zurück nach Hogwarts sollte, das inzwischen unter der Kontrolle von Severus Snape ist, stellt sich den Death Eater scheinbar gar nicht), nur um in einer einzigen kurzen Totale bekannte Gesichter von Cormac McLaggen über Lavender Brown bis hin zu Cho Chang zu präsentieren, oder eine auflockernde Tanzszene zwischen Harry und Hermione sind zwar nett gemeint, allerdings vollkommen unerheblich für die Erzählung der ohnehin überlangen Geschichte. Andere Momente wie ein kurzer Kuss zwischen Ginny und Harry vor der Hochzeit von Bill und Fleur dagegen sind wohl nur da, um den Zuschauer daran zu erinnern, dass da noch was ist, auch wenn es - bis zum Epilog im achten Film - ab sofort nicht mehr thematisiert wird.

Dass Yates und Kloves trotz ihrer gehetzten Art dramaturgisch spannende Szenen, die meist Lord Voldemort betreffen, aussparen oder zumindest abschwächen, macht ihre Entscheidung nur umso unverständlicher. Es wäre Harry Potter and the Deathly Hallows: Part I sicher besser bekommen, wenn man sich zumindest in dessen Anfang mehr von der Vorlage entfernt hätte, anstatt sich um die Hochzeit zweier Figuren zu kümmern, die wenige Minuten zuvor erst auf der Bildfläche erschienen. Als („glaubwürdiges“) abenteuerreiches Road-Movie überzeugt der Film durch die fehlende Laufzeit nur bedingt (ein Makel, der durch eine Lord of the Rings-artige Extended Version auf DVD ausgeglichen werden könnte, jedoch war dies bereits bei den Vorgängern nicht der Fall). Letztlich ist Yates' dritter Potter-Film zu gehetzt, voller Anschlussfehler und am Ende Opfer seiner Vorgänger (hätte Rowling von vorneherein zumindest Kloves aber auch die Regisseure über den finalen Band informiert, wären eventuell viele Mängel vermeidbar und Manches einfacher gewesen).

Ein dankenswerter Umstand war im Nachhinein zumindest, dass es Warner Bros. nicht mehr gelang, den siebten Film rechtzeitig vor Filmstart in 3D zu konvertieren (was sich ohnehin nicht einmal bei einer Handvoll Einstellungen gelohnt hätte). Ob sich das Studio jenen finanziellen Push, der dafür verantwortlich ist, dass in Kürze eine Fortsetzung des grottigen Clash of the Titans bevorsteht, für Harry Potter and the Deathly Hallows: Part II nehmen lässt, ist fraglich. So oder so steht dem achten Film wahrscheinlich ein einfacheres Schicksal bevor, besteht er zur Hälfte doch aus einer einzigen Actionszene, die in der Tradition von Helm’s Deep aus The Two Towers stehen wird. Im Nachhinein hat sich die Entscheidung, den siebten Roman in zwei Filme aufzuteilen, wohl wieder mal nur für Produzent David Hayman und die Warner gelohnt, denn obschon für den 600 Seiten starken Roman rund fünf Stunden Laufzeit zur Verfügung standen, scheitert zumindest Harry Potter and the Deathly Hallows: Part I an denselben Dingen, die auch die meisten seiner Vorgänger ausmachten.

4.5/10

18. Juli 2009

Harry Potter and the Half-Blood Prince

Why is it when something happens it is always you three?

Nach dem umfangreichen Harry Potter and the Order of the Phoenix schraubte Joanne K. Rowling ihre Bemühungen etwas zurück und veröffentlichte einen etwas schlankeren sechsten Band. Dabei wurde Harry Potter and the Half-Blood Prince letztlich nicht mehr als eine sechshundert Seiten lange Einführung für den finalen Band. Bedenkt man, dass aufgrund der gewichtigen Handlung von Harry Potter and the Deathly Hallows beschlossen wurde, das siebte Buch in zwei Filmen zu adaptieren, müsste das Fanherz bei den Aussichten auf eine um die sieben Stunden lange Geschichte eigentlich schneller schlagen. Immerhin stellte Order of the Phoenix die wahrscheinlich gelungenste Adaption der Reihe dar und dies auch noch beim umfangreichsten Band. Dass Produzent David Heyman dennoch Drehbuchautor Michael Goldenberg anschließend wieder fallen ließ, um zu Steve Kloves zurück zu kehren (neither can live while the other survives?), sollte die Reihe jedoch wieder zurück auf das Niveau von Harry Potter and the Goblet of Fire heben.

Diesmal ist alles anders und doch irgendwie gleich. Voldemort ist zurück und dies ganz offiziell. Seine Anhänger, zuvorderst Bellatrix Lestrange (Helena Bonham Carter) und Fenrir Greyback (Dave Legeno) treiben ihr Unwesen auch jenseits der eigenen magischen Grenzen. Unsichere Zeiten also, wenn Zauberer und Hexen nicht mehr voreinander sicher sind. Das erklären auch Ron (Rupert Grint) und Hermione (Emma Watson), als Harry (Daniel Radcliffe) bei ihnen eintrifft. Über Schulabbruch wurde im Hause Weasley philosophiert, weil die Kinder gefährdet seien. Interessanterweise scheint dies jedoch sonst niemanden zu stören. Harry selbst treibt sich im Sommer ungestört in London herum, wo er in U-Bahn-Bistros Kellnerinnen anbaggert, während er später unbekümmert mit seinen Freunden durch Diagon Alley schreitet, die weniger Tage zuvor noch Opfer einer Attacke war. Dieses Bäumchen-wechsel-dich-Spiel wird anschließend fortgesetzt, wenn zwar einerseits Hogwarts von Ministeriumsbeamten beschützt wird, die Zugfahrt dorthin selbst allerdings nicht.

Die Bedrohung der Zauberer untereinander und die Gefahr, die dadurch auch für Harry und seine Freunde ausgeht, werden innerhalb des Filmes oft konterkariert. Dass Harry im Sommer auf eigene Faust durch London wandert muss etwas verwirren, wenn er anschließend im Winter im Beisein von erwachsenen Zauberern angegriffen wird. Im Falle vergangener Filme widersprechen also Kloves' eigene Ideen nicht nur der ursprünglichen Geschichte von Rowling, sondern sogar die meiste Zeit sich selbst. Schon in den ersten zehn Minuten wird die Anpassung der im Grunde doch sehr düsteren Geschichte an die hollywoodsche Norm überdeutlich: Heyman und Co. wollten keine Geschichte erzählen, die im Nachhinein nur der Aufhänger für das Finale ist. Die zahlreichen Rückblenden in Voldemorts Vergangenheit werden bis auf zwei Ausnahmen herausgestrichen. Eine verständliche Entscheidung, schweift insbesondere die Nebenhandlung um dessen Großvater zu sehr ab. Ob sich die Entfernung der Rückblenden eventuell rächen könnte, wird sich zeigen.

Eine Kürzung der Handlung ist folglich bei Harry Potter stets unumgänglich, will man die Laufzeit auf zweieinhalb Stunden begrenzen. Wo und wie man kürzt, hatte Goldenberg beim Vorgänger gezeigt. Kloves hat damit jedoch bekanntlich größere Probleme. Im weitesten Sinne beinhaltet Half-Blood Prince drei Handlungsstränge, welche die Geschichte ausmachen. Es ist bezeichnend, dass sich Kloves auf den unbedeutenderen der drei Erzählstränge fokussiert hat. Im Folgenden ist der Film durchzogen von romantischen Beziehungsentwicklungen, die zum einen als comic relief und zum anderen als zentrale Unterhaltungsform gedacht sind. Dabei schreiten Yates und Kloves ziemlich harsch voran, fehlt doch gerade der plötzlich hereinbrechenden Romanze zwischen Harry und Ginny (Bonnie Wright) jegliches Fundament. Etwas geschickter, da sorgsamer, wird das Ganze bei Hermione und Ron inszeniert, die neben ihrer Annäherung auch über die vergangenen vier Filme eine Basis hatten, auf der ihre Gefühle füreinander behutsam aufgebaut wurden.

Immerhin muss man gestehen, dass die Intention des comic relief aufgeht und die meisten Szenen funktionieren. Ohnehin ist es der Humor, der Half-Blood Prince am besten auszeichnet, allen voran die Einstellungen mit Radcliffe und Grint. Man merkt es dem Jungdarstellertrio an, dass nach fünf Filmen die Chemie in vollem Umfang stimmt. Ginny wirkt dagegen ob ihrer forcierten Integration eher wie ein Fremdkörper und Kloves macht sich nicht einmal die Mühe, zu erläutern, wieso sie plötzlich so viel mit dem Trio abhängt. Geschweige denn, wie sie im Quidditch-Team gelandet ist, wo sie auf einmal Mitglied ist, während andere sich erst in dieses Spielen müssen. Die Quidditch-Szenen selbst sind wie bereits früher relativ unerheblich und dienen ausschließlich der Auflockerung der restlichen Handlung. Da jedoch die düsteren Szenen um Voldemorts Vergangenheit, sowie die spannenden Szenen rund um Malfoy (Tom Felton) und seine Agenda im Film selbst keine bedeutsame Rolle spielen, geraten die Beziehungsdramen zum Mittelpunkt des Geschehens.

Hinsichtlich der anderen Erzählstränge tut sich Kloves ebenfalls  keinen Gefallen. Auf der einen Seite präsentiert er Dumbledore (Michael Gambon), der versucht Harry auf den neuen Zaubertrank-Dozenten Horace Slughorn (Jim Broadbent) anzusetzen. Es obliegt nun Harry, aus diesem ein zentrales Geheimnis bezüglich Voldemort zu entlocken, welches mit dem weiteren Verlauf der Handlung zusammenhängt. Wirkliche Vorwürfe kann man hierbei nun weder Kloves, noch Yates machen. Sie erzählen soviel, wie sie zu erzählen haben, damit man der Geschichte und speziell dem Finale des Filmes folgen kann. Anders verhält es sich jedoch mit der Nebenhandlung, die sie bezüglich Tom Feltons Figur übernehmen. Sieht man einmal davon ab, dass man glaubte, der Verständigkeit halber dessen Agenda bereits relativ früh zu offenbaren, führen Heyman und Co. durch ihre Abwandlung zum Roman den ganzen Handlungsstrang ad absurdum. Denn Sinn und Zweck hat das Geschehen nicht und dient wohl erneut nur der Anpassung an die Normen Hollywood.

Hinzu kommt, dass Kloves wie bereits im vierten Teil Erklärungen ausspart, sodass zahlreiche Handlungsbögen entweder aus dem Nichts entstehen, in dieses verlaufen oder im besten Falle beides auf einmal. Andere Kleinigkeiten, die bereits seit Cuarón der Reihe innewohnen, bilden dabei nur das Tüpfelchen auf dem I. Addierte der Mexikaner seiner Zeit zwei weitere Jungen in Harry Jahrgang und Gryffindor, so platzierte Newell schließlich die Patil-Zwillinge in ein und dasselbe Haus. Hatte Yates letztere Tradition übernommen, versucht er nunmehr es auch Cuarón nachzutun. Die Mädchen von Gryffindor werden nun um zwei Schülerinnen erweitert. Neben den Patil-Zwillingen, Hermione und Lavender (Jessie Cave) werden auch Katie Bell (Georgina Leonidas), ihre Freundin Leanne und Romilda Vane (Anna Shaffer) ins sechste Jahr von Gryffindor sortiert. Das führt zu dem sehr amüsanten Szenario, dass nicht nur alle zehn Gryffindors die NEWT-Zaubertrank-Klasse weiterführen, sondern auch die neuen Schülerinnen (im Endeffekt also mehr Gryffindors als Slytherins).

Da stört es im Grunde auch nicht, dass der Film, obschon er Harry mit dem Halbblut-Prinzen assoziiert, auf diesen eigentlich gar nicht eingeht. Dient er im ersten Akt als Basis für einen der drei Handlungsstränge, scheint die zweite Szene im dritten Akt lediglich ein Alibi zu sein, um den Filmtitel zu rechtfertigen. Im Endeffekt hat Harry Potter and the Half-Blood Prince aber nichts mit jenem Prinzen zu tun, sodass dessen finale Auflösung eigentlich das Unwichtigste in der gesamten Geschichte darstellt. Dabei hätte der sechste Film aufgrund seiner subtilen Düsternis sehr viel Potential gehabt, was aufgrund des starken Fokus’ auf die Beziehungsdramen im fertigen Ergebnis ziemlich verloren geht. Ausschlaggebend für das Versagen des Filmes ist die Tatsache, dass Kloves, Yates und Heyman sich durch ihre Abänderungen die meiste Zeit selbst widersprechen und/oder Handlungen konterkarieren, die sie zuvor entweder lang oder auch nur kurz eingeführt haben. Weitaus dramatischer dürften die Aussparungen ausfallen, die die Basis für die Deathly-Hallows-Filme darstellen.

Diesbezüglich deutet sich an, dass die bedeutsame Nebenhandlung um Severus Snape (Alan Rickman) wohl weitestgehend unter den Tisch fällt. Alles andere würde aufgrund der bisher mangelhaften Vorbereitung seit dem Vorgänger überraschen. Es ist durchaus schade, wie wenig aus jenem Subplot gemacht wird, der sich doch als Spiegelbild zu Harry und Voldemort selbst lesen lässt. Rickman selbst ist auch hier dank seiner gedehnten Artikulation wieder eines der Highlights des Filmes, leidet aber erneut unter seiner fehlenden Präsenz. Felton wiederum nutzt die zusätzlichen Minuten, die seine gesamte Anwesenheit in den vergangenen drei Filmen aufwiegen. Während Grint erneut sein komödiantisches Potential ausschöpfen kann, meistert Watson sowohl die charmanten als auch die melancholischen Szenen wie gewohnt sehr gekonnt. Radcliffe wiederum hat gerade im Finale wie immer seine Probleme mit emotional-dramatischen Szenen, was insofern entschuldbar ist, da er im sechsten Film weitestgehend sein komödiantisches Talent ausspielen kann.

Dagegen spielt Michael Gambon so schlecht wie eh und je. Dass er weiterhin vollends an der Figur des Dumbledore vorbeispielt, scheint daran zu liegen, dass sich der Ire nie die Mühe machte, eines der Bücher zu lesen (und Kloves es wiederum  nicht für nötig erachtete, die Figur im Drehbuch entsprechend zu charakterisieren). Auch die neuen Darsteller sind allesamt eine Enttäuschung. Jim Broadbent gibt Slughorn als verpeilten Naivling (wieso man nicht Bob Hoskins genommen hat, bleibt offen), während beide Jungdarsteller für Voldemort jegliches schauspielerische Talent vermissen lassen. Kauft man Ralph Fiennes’ Neffen sein unsympathisches Spiel noch ab (der Junge versagt dafür bei allem anderen), ist es Stephen Dillanes Sohn, der keine Unze Charisma (was hinsichtlich der Wandlung seiner Figur von Nöten ist) zu versprühen vermag. In die schlechten Darbietungen reiht sich nach dem Vorgänger erneut auch Helena Bonham Carter ein, deren overacting inzwischen zu ihrem Markenzeichen geworden zu sein scheint.

Auch die vielgelobte Kameraarbeit von Bruno Delbonnel kann sich nicht wirklich auszeichnen, wirken die Bilder doch oft dunkler, als der Inhalt letztlich selbst. An die schönen Bilder von Michael Seresin aus Harry Potter and the Prisoner of Azkaban vermag somit weder die Kameraarbeit, noch die Inszenierung selbst heranzureichen. Des Weiteren wollen eigentlich alle filmischen Referenzen von Yates nicht wirklich gefallen. Sei es die Höhle im Finale, die an Supermans Fortress of Solitude erinnert oder die relativ offensichtlichen Zitate zu The Two Towers oder The Godfather, Part II. Nichts davon will wirklich ins Potterverse passen und bedenkt man die Zielgruppe, dürften die wenigsten die Superman- oder Godfather-Filme überhaupt gesehen haben. Ingesamt ist die sechste Harry-Potter-Adaption zwar eine solide Vorstellung, verdankt dieses milde Urteil jedoch hauptsächlich dem pubertären Charme der Beziehungsszenen (primär von Hermione und Ron, denn Harry und Ginny) und dem merklichen Humor. Eine wirkliche Auszeichnung ist dies jedoch nur bedingt.

6/10


Szenenbilder Harry Potter and the Half-Blood Prince © Warner Bros. Pictures. All Rights Reserved.

23. November 2007

Vorlage vs. Film: Harry Potter and the Order of the Phoenix (Updated!)

Harry Potter and the Order of the Phoenix (2003)

Dieses Jahr war es dann soweit: der letzte Band der Harry-Potter-Reihe erschien. Lange antizipiert und am Ende, man kann es wohl so sagen, achtbar aus der Affäre gezogen hat sie sich, die gute Mrs. J.K. Rowling (wenn man vom Epilog absieht). Mit ihren Büchern hat die werte Engländerin etwas geschafft, was von seiner Bedeutung her nicht viele Menschen von sich behaupten können: sie hat Kinder zum Lesen gebracht. Das ist dieser Tage selten geworden, da Jugendliche ihre Zeit viel lieber mit Alkohol und Amoklauf vertreiben. Doch dies braucht nicht das Problem der reichsten Frau Englands zu sein, die wohl das erfolgreichste Franchise nach Star Wars in die Welt gesetzt hat. Neben dem siebten und letzten Band kam auch die Verfilmung des fünften dieses Jahr in die Kinos und stellte ein Novum dar, sozusagen. Steve Kloves, seines Zeichens der Drehbuchautor der Harry Potter Filme, setzte im fünften Teil aus und überließ die Adaption Michael Goldenberg. Dieser sollte nun gute achthundert Seiten in einen zweistündigen Film umsetzen.

Harry Potter ist noch gebeutelt von den Geschehnissen des Trimagischen Turniers, insbesondere vom Tod Cedric Diggorys. Da wird er in seinen Sommerferien von zwei Dementoren heimgesucht und sieht sich genötigt Magie einzusetzen. Dies führt wiederum zu seinem Rauswurf aus Hogwarts und spielt dem Ministerium für Magie in die Karten. Selbstverständlich ist dies nicht so einfach und nachdem Harry vom Orden des Phönix, einer Untergrundorganisation gegen Lord Voldemort, nach London überführt wird, gelingt es Dumbledore die Vorwürfe gegen Harry zu entkräften. Doch die Stimmung im Lande ist kühl, sowohl von Seiten des Ministeriums als auch von Dumbledore gegenüber Harry. Dass dieser von allen wie ein Kind behandelt wird, findet der 15j-Jährige überhaupt nicht gut und liefert sich kaum vereint wilde Streitereien mit seinen beiden Freunden Ron und Hermione. Harry ist wie jedes andere Kind in der Pubertät und denkt er weiß alles besser, besonders was gut für ihn ist. Unterstützung erfährt er allein in seinem Patenonkel Sirius, welcher jedoch in Harry mehr seinen ehemaligen Freund und Harrys Vater James sieht, als diesen selbst. Als Harry und seine Freunde nach Hogwarts zurückkehren, werden sie Zeugen einer neuen Form der Bürokratisierung.

Dolores Umbridge ist nicht nur die rechte Hand des Ministers für Magie, sondern auch neue Lehrerin gegen die dunklen Mächte. Da sie mit der Regierung zu denjenigen gehört, welche die Rückkehr Voldemorts bestreiten, liegt ihr nichts ferner, als den Jugendlichen die Selbstverteidigung zuzusprechen. Die Freunde um Harry formen eine rebellische Organisation und lassen sich von ihm in seinen Erfahrungen unterweisen. Gleichzeitig tritt die Verbindung zwischen Harry und Voldemort in eine neue Phase, als sich die beiden in Harrys Träumen immer wieder begegnen und intime Gefühle austauschen. Dumbledore schickt Harry deshalb in die Obhut von Professor Snape, damit er den Feind lernt aus seinem Kopf fernzuhalten. Die Gedankenkämpfe mit Snape führen schließlich dazu, dass Harry ein dunkles Geheimnis seines Vaters kennen lernt. Als er nicht auf die Menschen in seiner Umgebung hören will und versucht seinen Geist gegenüber Voldemort zu verschließen, manövriert er sich immer tiefer in ein Schlamassel rund um das Geheimnis seines zukünftigen Schicksals während die Ereignisse in Hogwarts unter der Herrschaft von Umbridge diktatorische Ausmaße annehmen.

Der fünfte Band der Reihe ist durchzogen von dem Problem von Harrys Pubertät. Immer wieder erzürnt er sich und schreit seine besten Freunde oder Dumbledore an, auf andere hören will er dabei schon gar nicht. Schließlich handelt es sich um sein Leben und sein Schicksal, Harry fühlt sich erwachsen dieses nunmehr selber in die Hand zu nehmen. Die Wichtigkeit seinen Geist abzuschirmen erkennt er nicht und wird am Ende des Bandes Konsequenzen nicht nur für ihn haben. Fraglos das zäheste und anstrengenste Werk ist dieser fünfte Band, der wie kein anderer für eine bestimmte Entwicklungsstufe in dem Leben des jungen Zauberers darstellt. Neben seiner Pubertät und ersten Liebe geht es vor allem um die Zusammenarbeit verschiedener Einrichtungen, insbesondere der Häuser von Hogwarts. Dies geschieht in der Verknüpfung zu Dumbledore’s Armee, in der nicht nur Harrys Freunde, sondern auch Mitschüler und Mitschülerinnen verbunden sind. Außerdem geht es darum, einem totalitären Regime nicht bedingungslos zu folgen, sondern auch wenn es Konsequenzen nach sich zieht in den richtigen Momenten Ungehorsam zu zeigen.

Letztlich ist Order of the Phoenix von allen Bänden am Unerträglichsten geraten. Was Rowling versäumt hat zu bemerken, ist die Tatsache, dass man als Leser nur dann bereit ist einer Figur 800 Seiten lang zu folgen, wenn diese dem Leser auch (zumindest ansatzweise) sympathisch ist. Dies misslingt jedoch im fünften Band grandios mit der Charakterzeichung von Harry. Ein besserwisserisches Balg ist er hier, der unentwegt schreit, nie etwas einsehen will und sich dümmer verhält, als man es sich vorzustellen vermag. Ein grauenhafter Held, dem man nur widerwillig auf die nächste Seite folgt. Bezeichnend, dass er am Ende dann Dumbledore die Schuld gibt, für alle Fehler, die er selbst zu verantworten hat. Dass das Finale dabei - wie meistens bei Rowling - eher unlogisch und schwach daherkommt, ist nur die Spitze des Eisberges. Wenn gut zwei Dutzend Todesesser nicht mit einer Handvoll Teenager klar kommt, die außer „Stupefy“ und „Petrificus Totallus“ keine nennenswerten Zaubersprüche beherrschen, wird der Antagonist dieser Saga durchaus der Dämlichkeit preisgegeben. Rowling verwechselt hier Quantität mit Qualität und liefert mit Order of the Phoenix (abgesehen der gelungen totalitären Umbridge-Momente) das schwächste Buch der Reihe ab.


Harry Potter and the Order of the Phoenix (2007)

Things at Hogwarts are far worse than I feared.

Vorab muss erstmal Buße getan werden, wurde David Yates’ Adaption des umfangreichsten Romans der Rowling hier dereinst zu Unrecht niedergeschrieben. Eine neuerliche Sichtung, sowohl des Buches als auch des Filmes, bringt die Waagschale nunmehr aus dem Gleichgewicht. Infolgedessen weichen die meisten Kommentare vom Inhalt dieser Rezension etwas ab. Wie mehrfach angesprochen handelt es sich bei Order of the Phoenix um den umfangreichsten Band des Potterverse. Ähnlich wie schon in Goblet of Fire widmet sich Rowling ausführlich den Sommergeschehnissen, die dieses Mal ebenfalls mehr als ein Fünftel des gesamten Buches ausmachen. Da der britische TV-Regisseur Yates die Laufzeit auf etwas mehr als zwei Stunden kürzte, ist der fünfte Film paradoxerweise der Kürzeste, basierend auf dem längsten Roman. Nach vier Filmen wanderte zudem die Aufgabe des Drehbuchs von Steve Kloves zu Michael Goldenberg. Und abgesehen von der Tatsache, dass auch er – weiterhin unverständlicherweise – die Patil-Zwillinge beide ins Gryffindor-Haus steckt, macht Goldenberg für sein erstes (und scheinbar auch einmaliges) Engagement im Potterverse alles richtig, was er richtig machen konnte.

Denn Goldenberg und Yates haben scheinbar erkannt, dass man einem Publikum keinen Helden präsentieren kann, der unentwegt nervt. Von daher befreien sie die Adaption von den meisten pubertären Quengeleien des Harry Potter (Daniel Radcliffe). Kein unentwegtes Geschreie, keine eingeschnappten walk-offs und keine dümmlichen Vorwürfe am Ende gegenüber Dumbledore (Michael Gambon). Auch von allen dummen Entscheidungen des Teenagers (und es gab viele davon im Roman, allen voran die Sirius-Kontaktierung Ende des 2. Aktes) ist der Film befreit. Damit zieht Order of the Phoenix auch einen anderen Vorteil nach sich: Radcliffe muss sich weit weniger blamieren, wie in den Vorgängern. Zum ersten Mal in der Filmreihe spielt der Engländer solide und dies sogar die meiste Zeit über. Es mag an seinem Alter liegen, an der inzwischen gesammelten Erfahrung oder an Yates’ Regie – wie dem auch sei, Radcliffe ist endlich mal kein Totalausfall und weiß sich gegenüber dem restlichen Ensemble zu behaupten. Ohnehin sind, bis auf zwei Ausnahmen, alle schauspielerischen Leistungen besser als noch im Vorgänger.

Leider hat Michael Gambon immer noch nicht den Charakter von Albus Dumbledore verstanden. Diese Ernsthaftigkeit des Iren wirkt nicht nur deplatziert sondern geht auch vollkommen an der Figur vorbei. Sieht man sich den Rauswurf von Trelawney (Emma Thompson) an, so zeigt Gambons Spiel nach seiner Abwendung neben Besorgnis sogar einen Hauch von Einschüchterung. Vom kindlichen Charme und natürlichen Witz des Zauberers findet sich nichts in Gambons Portraitierung und dies war bedauerlicherweise schon in den Vorgängern der Fall. Zumindest scheint die Seriosität der Figur in Harry Potter and the Half-Blood Prince nicht am Thema vorbei zu sein, sodass hier Gambons Chance besteht, der Figur gerecht zu werden. Und selbst wenn nicht, stellt dies ohnehin sein letztes (größeres) Engagement in der Filmreihe dar. Die andere Enttäuschung ist Helena Bonham Carter, die hinsichtlich ihrer Figur der Bellatrix Lestrange ziemliches overacting betreibt. Ohnehin ist Lestrange eine extrem bescheidene Figur, sodass eine Teilschuld bei Rowling selbst zu finden ist. Nichtsdestotrotz kann sich Bonham Carter (mal wieder) nicht unbedingt auszeichnen. Wäre sie nicht mit Tim Burton verheiratet – der sie in jedem seiner Filme, teils zentral, besetzt -, wäre sie wohl schon seit Jahren so gut wie beschäftigungslos. Dafür wissen jedoch in weiteren Nebenrollen diesmal Brendan Gleeson (Mad-Eye Moody) und David Thewlis (Remus Lupin) besser zu gefallen, während Gary Oldman endlich sein Talent abrufen darf.

Allerdings vernachlässigt Goldenberg etwas die Geschehnisse um Sirius Black (Gary Oldman). Die Tatsache, dass er das ganze Jahr über in Grimauld Place bleiben muss, nagt nicht wirklich an der Filmfigur, findet lediglich einmal kurz Erwähnung. Allerdings scheint Goldenberg auch hier wohl den etwas infantilen Zorn aus der Handlung herausnehmen zu wollen – was vertretbar ist. Dank Sommer- und Weihnachtsferien wird Sirius Raum gegeben, sich endlich einmal als Patenonkel aufzuspielen. Die Figur wird somit nicht öfters gezeigt, als nötig, und die Tatsache, dass sie ohnehin nicht viel zur Handlung beigetragen hat (außer von emotionalem Wert gewesen zu sein), erklärt auch ihren Tod am Ende der Geschichte. Und wenn man bei der Schauspielleistung ist, sollte man erwähnen, dass sich auch Rupert Grint (Ron) und Emma Watson (Hermione) wieder gefangen haben. Zudem gab es mit Evanna Lynch als Luna Loovegood und Imelda Staunton als Dolores Umbridge zwei hervorragende Ergänzungen. Speziell die Integrierung von Luna in ihren drei heraus stechenden Szenen (neben dem Finale) ist sehr gut gelungen. Aber gerade Staunton zeigt – im Vergleich zu Gambon – wie essentiell die richtige Interpretation der eigenen Figur ist. Ihr Räuspern und Kichern, auch wenn beides im fertigen Film nicht sonderlich oft vorkommt – sind auf den Punkt genau getroffen. Eine treffendere Besetzung der sadistischen Bürokratin hätte man nicht finden können.

Dass die Handlung getrimmt wurde, kam bereits zur Sprache. Letztlich wurde genau das Richtige in genau dem richtigen Maß gestrichen – mit einigen kleinen Ausnahmen. Von Harrys Wutausbrüchen bis hin zu seinen idiotischen Handlungen war bereits die Rede. Erneut schafft es – sicherlich zu Recht – Quidditch nicht in den Film, wie auch die Nebenhandlung um Dobby und Winky ausradiert wurde. Von Umbridge selbst sieht man soviel, wie man zu sehen hat, um ein Bild von der Situation zu gewinnen. Selbiges gilt für die Sequenzen von Dumbledores Armee und den Occlumency-Stunden zwischen Snape und Harry. Punkte, die man ebenfalls hätte streichen können, wäre einerseits sicherlich Trelawneys Rauswurf (auch wenn dieser für die erweiterte macht von Umbridge steht) und insbesondere die Szenen mit Hagrids (Robbie Coltrane) Bruder Grawp. Denn die Flucht vor Umbridge hätten auch die Zentauren alleine tragen können, ohne dass ein Handlungsloch entstanden wäre. Ob es der Integration des Schulabbruchs der Weasley-Zwillinge gebraucht hätte, bleibt offen, da die Destabilisierung von Umbridges Regime für die Erzählung des Filmes nicht allzu bedeutsam ist. Einige offene Fragen bleiben – für den Nichtkenner der Vorlage – dennoch nach Sichtung des Filmes.

Da Newell es im Vorgänger vermissen ließ, den aufkommenden Konflikt zwischen Dumbledore und Cornelius Fudge zu thematisieren, wird in Order of Phoenix zu Beginn nicht wirklich klar, wieso Harry und Dumbledore plötzlich allein auf weiter Flur stehen. Und bedenkt man, dass Harry nie überprüft, ob Sirius wirklich nicht zu Hause ist, als er dessen Folter durch Voldemort (Ralph Fiennes) unterbinden will, wirkt sein plötzlicher Aufbruch etwas überraschend. Im Finale selbst wird dann – wohl aus Zeitgründen – nicht erklärt, warum die Todesesser um Lucius Malfoy (Jason Isaacs) nicht selbst einfach die Prophezeiung geschnappt haben, sondern Harry erst hinlocken mussten. Ansonsten wird im Film stets soviel aus dem Buch heraus erzählt (oder umgedichtet), dass die Handlung nachvollziehbar wirkt. Einige Aspekte vermisst man jedoch, zum Beispiel Vertiefungen auf Snapes (Alan Rickman) Vergangenheit, die in Deathly Hallows noch eine bedeutende Rolle spielen wird, und Kreacher. Dieser kommt im Film weitaus freundlicher daher und speziell seine bedeutsame Rolle im Finale der Ereignisse als deren Auslöser unterschlagen Goldenberg und Yates. Ebenso wie auch Sirius’ Bruder Regulus nicht zur Sprache kommt. Beide Figuren werden wohl im siebten und achten Film nochmals entsprechend gewürdigt werden, um Rickmans Figur ist jedoch besonders schade. Denn neben Harry ist Snape die Figur, die von entscheidender Bedeutung im Potterverse ist, sowohl im sechsten, als auch dann im achten Film.

Einige kleinere Details wurden im Film besser, andere schlechter gemacht. So wird Cho (Katie Leung) der Einfachheit halber zur (ungewollten) Verräterin von Dumbledores Armee und selbst als Harry die Wahrheit erfährt die Beziehung im Film nicht weiter thematisiert. Eventuell holt Yates dies in Half-Blood Prince, zumindest durch eine Erwähnung, nach. Dagegen kommt das Filmfinale weitaus ansehnlicher und vor allem intelligenter daher, als das literarische Pendant. Die Flucht der Jugendlichen vor den Todesessern ist weniger spektakulär und die Auseinandersetzung beschränkt sich auf ein Mindestmaß, sodass man schnell zu Sirius’ Tod überleiten kann. Auch der finale Kampf zwischen Dumbledore und Voldemort ist gefällig und selbst die abweichende Klimax von Voldemorts Angriff auf Harry ist akzeptabel (und vorausschauend hinsichtlich Deathly Hallows). Im Vergleich zu Drehbuch und Darsteller enttäuschen jedoch wieder die Spezialeffekte. Während man mit der Animation der Thestrals noch leben kann, ist Grawp ein vollkommener Griff ins Klo, was seine Erwähnung im Film noch unverständlicher macht. Allerdings hat man sich nach fünf Jahren damit abgefunden, dass die Filmreihe keine annehmbaren visuellen Effekte vorzuweisen hat. Ansonsten lässt sich sagen, dass Order of the Phoenix abgesehen von einigen Ausnahmen wohl die gelungenste direkte Adaption ist – auch hinsichtlich des Umfangs der Vorlage. Jedoch wäre hier noch etwas mehr Potential vorhanden gewesen und leider kommt der Film auch etwas ernsthafter bzw. realer daher, als noch Cuaróns verträumtes fantasievolles Abenteuer. Neben dem Beitrag des Mexikaners hat Yates jedoch die bisher beste Adaption abgeliefert.

7.5/10