Posts mit dem Label Jason Isaacs werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Jason Isaacs werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

23. März 2018

The Death of Stalin

I should’ve intercepted his fist with my face.

Der Schein kann trügen, gerade im politischen Kosmos. Freund und Feind liegen hier nah beieinander und ein unbedachtes Wort kann weitreichende Konsequenzen haben. Insbesondere dann, wenn an der Spitze des Regierungsapparates ein diktatorischer Tyrann sitzt, mit der Hoheitsgewalt eines mittelalterlichen Königs. Zugleich bietet sich hier Nährboden für reichlich schwarzen, bissigen Humor, weshalb sich Fabian Nury und Thierry Robin vergangenes Jahr in ihrem Comic The Death of Stalin der Endphase des Stalinismus um des Todes von Josef Stalin widmeten. Eine Geschichte, wie gemacht für Armando Iannucci, den schottischen Satiriker und Schöpfer solcher politischer Farcen wie The Thick of It, In the Loop und Veep.

Immer wieder greift Iannucci in The Death of Stalin jenes Klima der Angst auf, das in Zeiten Stalins – hier gespielt von Adrian McLoughlin – in Moskau vorherrschte. So erfährt der Leiter von Radio Moskau (Paddy Considine) gegen Ende eines klassischen Konzertes via einem Anruf, dass Stalin eine Aufnahme des Events wünscht. Nur wurde dieses nicht aufgezeichnet, sodass kurzerhand alle Beteiligten das Konzert von vorne spielen müssen. “Don’t worry, nobody’s going to get killed”, versucht er zwar Orchester und Publikum zu beruhigen, fürchtet jedoch selbst, bei einem möglichen Versagen ins Gulag geschickt oder direkt eliminiert zu werden. Im Russland Anfang der 1950er Jahre kann dies schließlich nahezu jeden treffen.

Darunter zum Beispiel auch Polina, die jüdische Ehefrau des Außenministers Molotow (Michael Palin), der seiner Gattin nach einem jüngsten Treffen mit Stalin bald folgen dürfte. Selbst Georgi Malenkow (Jeffrey Tambor) handelt sich von seinem Staatsoberhaupt einen Rüffel ein, als er sich nach jemand erkundigt, der in Wirklichkeit längst einer von Stalins Säuberungen zum Opfer fiel. “I can’t remember who’s alive and who isn’t”, jammert Malenkow da im engsten Kreis des Zentralkomitees der KPdSU. Und wer mag es ihm verdenken, so fleißig wie sein Chef seine Todeslisten schreibt, als wären es Einkaufszettel oder Hochzeitseinladungen. Kritisch wird es dann für den engen Zirkel des Komitees, als Stalin in der Nacht einen Hirnschlag erleidet.

Was ist zu tun – und von wem? Falsche Entscheidungen können ein ungünstiges Licht auf die betreffende Person lenken. Weshalb Lawrenti Beria (Simon Russell Beale), Leiter des Geheimdienstes NKWD, erstmal keinen Arzt rufen lässt. Nicht zuletzt deshalb, da alle guten Mediziner wenige Monate zuvor Ende 1952 im Zuge einer vermeintlichen Ärzteverschwörung in Straflager geschickt wurden. Für Nikita Chruschtschow (Steve Buscemi), Parteichef der KPdSU, ein geringfügiges Problem. Rettet ein schlechter Arzt das Leben Stalins, war er kein schlechter Arzt. Verstirbt der Patient, kriegt er davon ohnehin nichts mit. Und als letzterer Fall eintritt, beginnt auch schon das machtpolitische Ränkespiel zwischen allen Beteiligten im Kreml.

Auch hier setzt sich der Aspekt des trügenden Scheins fort, wenn speziell Chruschtschow und Beria sich in Position bringen, während Malenkow, nominell als Stalins Stellvertreter dessen Nachfolger, eher unbeholfen wirkt. Es gilt, das politische Gesicht zu wahren, insbesondere auch gegenüber Stalins Kindern Swetlana (Andrea Riseborough) und Wassili (Rupert Friend). Selbst im Nachgang zu Stalins Tod lebt die von ihm ausgelöste Unsicherheit fort, zum einen durch seinen Personenkult und zum anderen durch das Machtvakuum, welches er hinterlässt. Da verkommt auf die Frage nach dem eigenen Alter die Antwort „alt“ noch zur sichersten Option. Wie alt ist zu alt und wie jung ist zu jung, um sich für eine Kugel im Kopf zu qualifizieren?

Mit reichlich schwarzem Humor inszeniert Armando Iannucci die Ausmaße dieser Stalinschen Säuberungen, die oft im Hintergrund stattfinden, während sich im Vordergrund Figuren wie Beria alltäglichen Fragen widmen. Die politischen Personen sind dabei überspitzt dargestellt, von der tölpelhaften Zeichnung solcher Beteiligten wie Beria und Molotow hin zum Super-Macho-Gehabe eines Georgi Schukow (Jason Isaacs), dem militärischen Oberbefehlshaber. The Death of Stalin ist somit keine Geschichtsstunde, obschon natürlich viele wahre Elemente wie Stalins Säuberungen, die Ärzteverschwörung oder das Schicksal der Molotows auf Historie beruhen. Die macht sich Iannucci gekonnt für seine nahezu perfekte Satire zu Nutze.

Immer wieder finden sich herrlich absurde Momente, die auf der Einschüchterung vor dem politischen Apparat, der eigenen Rolle in diesem und den Konsequenzen eines möglichen Scheiterns basieren. Sei es wenn Chruschtschow sich in der Eile den Anzug über den Pyjama anzieht, um ja nicht als Letzter zur nicht einberufenen Sitzung des Komitees zu erscheinen oder wenn Wassili bestrebt ist, einen tragischen Unfall zu kaschieren, für den er letztlich nichts kann, aber nominell doch die Verantwortung trägt. Da halten Charaktere selbst dann an ihren scheinbaren Überzeugungen fest, als dies nicht mehr nötig ist – nur um auf der sicheren Seite zu sein. Mit Ausnahme von Olga Kurylenkos Pianistin, die das Herz auf der Zunge trägt.

Im weitesten Sinne ist The Death of Stalin dabei durchaus ein klassischer Iannucci, wirkt dann aber zumindest von seinen Dialogen her doch etwas weniger vulgär, sondern spitzfindiger als die Dinge, die sich die Figuren in The Thick of It oder Veep an den Kopf werfen. Neben dem bitterbösen Humor lebt der Film wie alle Werke Iannuccis von seinem stets herrlich aufspielenden Ensemble. Sei es ein losgelöster Steve Buscemi, die schrillen Andrea Riseborough und Rupert Friend oder in ihren kurzen Nebenrollen die gegensätzlichen Darstellungen von Paddy Considine und Jason Isaacs. Einzig Olga Kurylenko fällt etwas aus dem Rahmen, da ihre sehr seriöse Figur eher nüchtern daherkommt, statt wie alle ebenfalls dem Wahnsinn zu verfallen.

Wo In the Loop etwas daran scheiterte, eine Art Kino-Adaption des gelungeneren The Thick of It zu sein, reüssiert Armando Iannucci in seiner zweiten Regiearbeit besser. Wüsste man es nicht, man würde nicht einmal ein französisches Comic als Vorlage vermuten, sondern dem Schotten das ganze Lob zuschreiben. Zugleich zeigt The Death of Stalin, wie gut sich auch mit historischen Bezügen der offensichtlichen Art – bereits The Thick of It lehnte sich an realen Ereignissen an – für Iannuccis Schaffen arbeiten lässt. Da lechzt der Zuschauer am Ende des Films fast schon nach einer ähnlichen Adaption für die finalen Tage eines Adolf Hitlers. Das wäre dann der nächste Geniestreich von Iannucci – quasi die nächste historische «farce excellence».

8.5/10

16. Februar 2018

Star Trek: Discovery – Season One

In times of crisis, ignorance can be beneficial.

“Space: the final frontier”, diktierte 1966 erstmals Captain Kirk (William Shatner) in sein Logbuch des Raumschiffes Enterprise. Seither erforschten die verschiedenen Crew-Mitglieder von Gene Roddenberry’s Starfleet zahlreiche Welten und Kulturen. Ich war abseits der Filme nie ein großer Trekkie, abgesehen von hier und da einmal aufgeschnappten (aber weitestgehend vergessenen) TNG-Folgen sowie der ersten (ebenso vergessenen) Staffel von Enterprise. Nach der Original-Serie, The Next Generation, Deep Space Nine, Voyager und Enterprise markiert Star Trek: Discovery von CBS nun die sechste Star Trek-Serie. Ähnlich wie die Reboot-Filme von J.J. Abrams eint die mit dem Franchise aber nur noch wenig.

Im Vergleich zum Namensvetter Star Wars war Star Trek noch nie ein besonders kräftiges Zugpferd an den Kinokassen. So spielte Star Wars: The Last Jedi in den USA an seinem Start-Wochenende bereits 40 Prozent mehr ein als Star Trek Beyond während seiner gesamten Laufzeit. Dabei wurden die Erlebnisse von Kirk, Spock und Co. dort bereits verstärkt ins Action-Genre gehievt, mit dem das Original nur wenig gemein hatte, ehe schon die finalen TNG-Filme wie Star Trek: Nemesis sich derart orientierten. Was einst als eine Art „Vereinte Nationen im Weltall“ begann und eine utopische Zukunft skizzierte, die viele der gegenwärtigen Probleme hinter sich gelassen hat, verkam mehr und mehr zum “swashbuckling”-Weltraumabenteuer.

Angesiedelt rund ein Jahrzehnt vor der Original-Serie widmet sich Star Trek: Discovery primär dem Krieg zwischen der Föderation der Planeten und den Klingonen. Die tauchen in der Pilotfolge The Vulcan Hello aus heiterem Himmel plötzlich auf, während Hauptfigur Michael Burnham (Sonequa Martin-Green), erster Offizier auf der USS Shenzou von Captain Georgiou (Michelle Yeoh), mit einem intendierten Präventivschlag wider den Anweisungen ihres Captains den Konflikt auslöst. Wegen Meuterei verurteilt landet Burnham im Verlauf an Bord der USS Discovery von Captain Lorca (Jason Isaacs), dem technisch modernsten Schiff der Föderation. Dort muss Burnham aus den Fehlern der Vergangenheit lernen, um ihren ruinierten Ruf reinzuwaschen.

Statt verschiedenen Einzel-Episoden versucht sich Star Trek: Discovery im seriellen Erzählen. So wird dem Publikum eine fortlaufende Handlung präsentiert, in der die Folgen aufeinander aufbauen. Besonders missglückt gerät dies hier, da die präsentierte Geschichte oft nur leidlich spannend und über 15 Folgen erzählt zugleich viel zu ausufernd gerät. Den Krieg mit den Klingonen-Stämmen streift Discovery so peripher wie die Klingonen selbst, obschon sie mit L’Rell (Mary Chieffo) und Voq zwei interessante Vertreter eingangs einführt. Wirklich kennenlernen darf der Zuschauer diese aber ebenso wenig wie die Crew der Discovery. Hier beschränkt sich die Serie auf einen Kern von sechs Figuren, während die übrigen Mitglieder Staffage sind.

Ansätze sind dabei vorhanden, beispielsweise bei Burnham, die ihre Eltern bei einem Angriff der Klingonen verlor, ehe sie als Kind von Spocks Vater Sarek (James Frain) adoptiert und auf Vulkan aufgezogen wurde. Zum Pseudo-Vulkanier à la Spock oder T’Pol (Jolene Blalock) wird die Figur dabei aber nie. Ihre vulkanische Erziehung tritt kaum in Erscheinung und dient somit eher dem Fanservice, um in vereinzelten Episoden Sarek und auch Gattin Amanda (Mia Kirshner) auftreten zu lassen. Ähnlich blass bleiben Saru (Doug Jones), der erste Offizier der Discovery, der einst mit Burnham zusammen auf der Shenzou gedient hat oder Kadett Tilly (Mary Wiseman), die als optimistische gute Seele die Hauptfigur befreunden darf.

Ungewöhnlich im Vergleich mit Kollegen wie Picard (Patrick Stewart) und dadurch in gewisser Weise faszinierend gerät da noch Lorca. Für ihn heiligt der Zweck oftmals die Mittel, wirkliche Spannung mit gegensätzlichen Figuren wie Saru oder Tilly generiert die Serie daraus allerdings nicht. Ergänzt wird das Stammpersonal mit Wissenschaftsoffizier Stamets (Anthony Rapp) und dem im Verlauf aus klingonischer Gefangenschaft befreiten Tyler (Shazad Latif). Dass die Charaktere einem nicht ans Herz wachsen, liegt dabei weniger an den Darstellerleistungen, die durchweg solide sind, sondern daran, dass diese wenig Aufmerksamkeit erhalten und sich stattdessen dem trägen narrativen roten Faden der ersten Staffel unterordnen müssen.

Die geht mitunter durchaus temporeich zu, verfügt über zahlreiche Kampfszenen, Morde und ist generell sehr viel düsterer als man es von Star Trek erwarten würde. Offensichtlich liegt dies am Glauben, den Sehgewohnheiten der Zuschauer entsprechen zu müssen, weshalb sowohl die Star Trek-Reboots als auch Discovery eher ein Sci-Fi-Action-Adventure sind, statt entschleunigte Formate wie The Original Series oder TNG. Da passt es ins Bild, dass obwohl Discovery ein Jahrzehnt vor Kirk und Co. spielt, die Technologie – ähnlich wie in den Star Wars-Prequels gegenüber der Kino-Trilogie – eher voraus als hinterher zu sein scheint. Einerseits sollen so Trek-Fans angesprochen werden, aber auch Laien interessiert.

Mit am meisten Spaß macht Star Trek: Discovery da noch, wenn die Serie wie in Magic to Make the Sanest Man Go Mad einmal eine Art “bottle episode” präsentiert, losgelöst von der die Staffel umspannenden Prämisse. Sie erzählt einen Zeitschleifen-Terrorismus durch Harry Mudd (Rainn Wilson), der für sich steht, auch wenn er in Person von Mudd Bezug auf eine frühere Folge nimmt. Letztlich hat Discovery mehr mit den Abrams-Inkarnationen gemein als mit Kirk und Picard, das Ergebnis ist zwar durchaus über Strecken unterhaltsam, aber im Grunde weder Fisch noch Fleisch. “To boldly go where no man has gone before”, kündigte Captain Kirk einst vollmundig an. So viel Chuzpe hätte man auch Star Trek: Disovery gerne gewünscht.

6/10

17. September 2016

Harry Potter and the Deathly Hallows: Part 2

If you have to ask, you’ll never know. If you know, you need only ask.

Mit diesem Film fing alles an: der Hang dazu, gerade YA-Romanabschlüsse für ein letztes finanzielles Hurra in zwei Teile aufzuteilen. Was Harry Potter and the Deathly Hallows: Part 1 vor sechs Jahren und Harry Potter and the Deathly Hallows: Part 2 im Jahr darauf lostraten, sollten auch das Finale von Twilight (Breaking Dawn) und The Hunger Games (Mockingjay) in den Folgejahren fortführen. Peter Jackson entschloss sich gar, seinen The Hobbit als Trilogie zu vermarkten – selbst wenn die Buchvorlage nur halb so dick ist wie The Deathly Hallows. Für Warner Bros. hatte sich der Entschluss zum Splitting ohne Zweifel gelohnt, holte man aus dem Zweiteiler – im Finale auch durch konvertiertes 3D – doch über zwei Milliarden Dollar raus.

Dabei war in Harry Potter and the Deathly Hallows: Part 1 schon ein Großteil, genauer: zwei Drittel, der Geschichte erzählt. Insofern ist der achte Film nahezu buchstäblich ein Schlusskapitel unter das Potter-Franchise. Nach der Flucht von dem Malfoy-Anwesen brechen Harry (Daniel Radcliffe), Hermione (Emma Watson) und Ron (Rupert Grint) in die Zaubererbank Gringotts ein, um aus dem Tresor von Bellatrix Lestrange (Helena Bonham Carter) eines von Voldemorts (Ralph Fiennes) Horkruxe zu stehlen. Mit diesem zerstört machen sie sich auf nach Hogwarts, um dort die letzten Exemplare zu finden, als Voldemort und seine Death Eater auftauchen. Eine Schlacht zwischen den Parteien entsteht und Harry muss sich seinem Schicksal stellen.

Für die Potter-Filme galt schon immer, viel Inhalt aus den Büchern bei den Adaptionen außen vor zu lassen. Problematisch wurde es erst hinten raus, als Autorin J.K. Rowling für ihr Finale mehrere narrative Rückgriffe auf die Vorgänger tätigte. Etwas, was die Filme von Regisseur David Yates ebenso versuchen, nur mit teils fehlender Exposition. Kurzum: Es wäre den Deathly Hallows-Filmen besser zu Gesicht gestanden, sich mehr von der Vorlage zu trennen. Etwaige Referenzen verwirren eher, da ihnen das Fundament fehlt, als dass ihr Ansprechen selbst für Kenner der Vorlage zu rechtfertigen wäre. Zum Beispiel die Erwähnung des Sohnes von Lupin (David Thewlis) und Tonks (Natalia Tena), der – wie auch schon ihre Ehe – nie eingeführt wurde.

Ein Aspekt, der in den Final-Filmen sporadisch auftaucht, ist das komplizierte Bild von Albus Dumbledore (Michael Gambon). Die Zweifel an der Figur, zu Beginn des Vorgängers angerissen und dann vernachlässigt, tauchen hier im zweiten Aktr wieder auf, wenn Dumbledores Bruder Aberforth (Ciarán Hinds) ihnen kurzzeitig sein Wort leiht. Was genau es damit auf sich hat, dürfte Nicht-Kennern der Bücher fremd bleiben. Der Sinn dieser Anspielungen wird in den Filmen nicht deutlich, denn die Zweifel, die sich in Harry ob Dumbledores Charakter und seiner ihm auferlegten Mission stellen sollen, bleiben in den Filmen aus. Ähnlich verhält es sich mit den Deathly Hallows selbst und Dumbledore-Freund Gellert Grindelwald (Jamie Campbell Bower).

Nun heißt die Serie “Harry Potter” und nicht “Albus Dumbledore” oder “Severus Snape” (Alan Rickman), insofern darf nicht erwartet werden, dass gerade der Schlussfilm sich die Mühe macht, das Innenleben und die Zwiespalte der prägendsten Figuren in Harrys Leben darzulegen. Nur: Dann soll man es, so möglich, bleiben lassen. Snapes Rückblenden zu seiner Liebe für Harrys Mutter sind unumgänglich, um der Figur im lange hingearbeiteten Twist Profil zu geben. Nur funktionieren sie im Kontext der Vorlage besser, wo die Animositäten zwischen Snape und Harrys Vater schon früher Thema waren. Besonders schade ist da, dass die Filme – sowie die Bücher – nie die Parallelen zwischen Harry, Snape und Tom Riddle bemerkten oder nutzten.

The Deathly Hallows: Part 2 will wenig mehr als Bühne für die Schlacht um Hogwarts sein. Und kann dies auch, da der Großteil der Geschichte bereits in Part 1 erzählt wurde. In kurzen Kamerafahrten präsentiert uns Yates da nahezu all die bekannten Gesichter aus acht Jahren Harry Potter, selbst der verloren gegangene Weasley-Sohn Percy aus den ersten Filmen darf da plötzlich irgendwo im Hintergrund rumstehen. Es wird gestorben (Lupin, Tonks, Fred Weasley, Bellatrix, Snape) und romantische Zuneigung bekundet (Ron, Hermione, Harry, Ginny, Snape), doch thematisch wirklich interessant wird der Film erst mit Offenbarung seines Twists, dass Harry selbst ein Horkrux ist. Und den Märtyrertod sterben muss – zumindest vermeintlich.

Dessen ungeachtet liefert der Film mit seinem Gringotts-Heist ebenso vergnügliche Momente wie auch die zweite Hälfte der Hogwarts-Schlacht nach Harry Wiederauferstehen durch das ihr innewohnende Tempo gefallen kann. Bemerkenswert ist dabei auch der Fokus, den Yates immer wieder auf Neville Longbottom (Matthew Lewis) legt, bedauerlich dagegen, wie der Film bis zum Twist-Moment Rickmans Snape außen vor lässt. Überzeugend geraten wieder mal die kurzen, ruhigen Szenen voller Emotion, so wenn Harry und Hermione quasi stillschweigend realisieren, was Harry erwartet und Abschied nehmen. Hier ergreift der Film einen, wo Kameraschwenks über die Leichen von Lupin, Tonks und Fred wenig Gefühle wecken wollen.

Nach zehn Jahren und acht Filmen – sowie einem Einspielergebnis von 7,7 Milliarden Dollar – fand Harry Potter vor fünf Jahren schließlich seine Ruhe. Letztlich war es eine durchwachsene Filmserie, die nur in Harry Potter and the Prisoner of Azkaban sowie Harry Potter and the Order of the Phoenix wirklich überzeugen wollte. Mag Chris Columbus mit den narrativ mageren Erstlingen gehadert haben, scheiterte David Yates zum Schluss an der Masse des einzupflegenden Hintergrunds, der berücksichtig werden musste. Zumindest, wenn man sich nicht zu sehr von der Vorlage entfernen wollte. Und hier liegt dann vielleicht die Chance für ein Reboot respektive Neuverfilmungen, sollte es in zehn oder mehr Jahren zu solchen kommen.

5/10

23. April 2016

Event Horizon

Where we’re going, we won’t need eyes to see.

Es war John F. Kennedy, der in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts das New Frontier vom Westen der USA in das Weltall hinein verlagerte. Nur dort könnten und würden noch unentdeckte Welten auf die Menschheit warten und Überraschungen sowie neue Reichtümer bereithalten. Doch was der Mensch nicht kennt, das macht ihm Angst. So war es schon immer. Insofern kann das Weltall – welches ohnehin über eine menschenfeindliche Umgebung verfügt – nur als potentielle Gefahr gesehen werden. Sei es eine tödliche außerirdische Rasse oder einfach nur der blanke Wahnsinn. Innerhalb dieses Kanons ist Paul W.S. Andersons Event Horizon eher ein Schwarzes Schaf. Von den Kritikern gebrandmarkt, von den Fans geliebt.

Der gesamte Film ist dabei gespickt mit verschiedenen Genreübergreifenden Filmreferenzen, angefangen mit der bildlichen Überleitung vom Paramount Logo in die eigentliche Handlung wie man es aus der Indiana Jones-Reihe kennt. Dies setzt sich im Laufe des Films dann fort, wenn Querverweise zu 2001: A Space Odyssey, Alien oder Vertigo eingebaut werden. Am offensichtlichsten ist Paul W.S. Andersons zweiter Kinofilm jedoch eine Weltraumvariante von Stanley Kubricks The Shining – etwas, das der Film jedoch auch zu keinem Punkt bestreitet. Neben einer Blutwelle finden sich zum Beispiel auch Elemente wie die tote Frau im Bad oder der Wahnsinn eines Mannes durch seine besessene Umgebung in Event Horizon wieder.

Aber auch außerhalb der Referenzen spielt Anderson viel mit Symbolik. Man nehme allein die Form der „Event Horizon“, die der eines Kreuzes entspricht. Oder die Szene, in welcher Kathleen Quinlans Figur ihrem kranken Sohn in einen Gang folgt, der die Kontur eines Sarges hat. Grandios auch Andersons mehrfach angewendete Pupilleneinstellung, wo Pupille und Antrieb der „Event Horizon“ miteinander verschmelzen. Die Effekte überzeugen, selbst wenn ihre Künstlichkeit gerade in der Blu-Ray ziemlich deutlich wird. Hinsichtlich eines Budgets von gut 70 Millionen Dollar erstaunt dies doch etwas, bedenkt man, dass ein Film wie X-Men, der drei Jahre später erschien, bei einem ähnlichen Budget sehr viel überzeugender aussieht.

Bereits zu Beginn wird eine Verbindung zwischen dem Schiff und seinem Konstrukteur, Dr. Weir (Sam Neill), hergestellt. Dies setzt sich in der Figur von Miller (Laurence Fishburne) fort, dessen Äußerungen (“This place is a tomb”) ähnlich wie Justins (“Looks like a meat grinder”) die bevorstehenden Ereignisse vorwegnehmen. Was es genau mit der „Event Horizon“ auf sich hat, bleibt unklar, außer, dass sie über ein künstliches Schwarzes Loch in eine andere Dimension, in der Chaos herrscht, reiste. “The most destructive force in the universe... and you’ve created one?”, fragt Starck (Joely Richardson) verstört. Hier schlägt Anderson die Brücke zu Oppenheimer und Colt, deren Erfindungen nicht minder zum Tod von Menschen geführt haben.

Da mag man es dem Film verzeihen, wenn er hin und wieder etwas aus der Bahn gerät. Sei es die  etwas konstruiert wirkende „liberate me/liberate tuteme“-Szene oder der Aspekt, dass das Schiff seiner Crew ihre Sünden vorhält, nachdem es in einer Welt des Chaos’ abgetaucht war. Die Atmosphäre stimmt dennoch, die „Event Horizon“ ist düster, kalt und mit Blut und Eingeweiden besudelt. Ein dämonisches Schiff, hinterlegt von den unentwegt tobenden Stürmen des Saturns. Die Spannung steigt mit der Öffnung des Antriebes und Justins Unfall. Zwar ist der Wandel von Weir nicht wirklich überraschend, aber sieht man sich Danny Boyles Sunshine an, doch nachdrücklich. Gegen Ende geht der Handlung allerdings etwas die Luft raus.

Das große Finale wirkt abgekupfert und die finale Einstellung orientiert sich wieder am stilbildenden Horror-Kino. Mit seinen großen Vorbildern von Kubrick und Scott kann sich Anderson mit Event Horizon zwar nicht messen, aber ein Meistwerk wollte sein Film sicher auch nie sein. Den Kultstatus, welchen der Film nach seiner DVD-Veröffentlichung erfuhr, wird er da schon eher gerecht. Zwar sind die Effekte teilweise stark künstlich, doch ordnen sie sich der Handlung unter. Von dem Schauspielerensemble stechen wenig überraschend speziell Fishburne und Neill heraus, die beide sehr engagiert bei der Sache sind. Insgesamt ist Event Horizon ein liebenswerter kleiner Horrorfilm, den man in sein Herz schließt, auch wenn er seine Fehler hat.

7/10

14. November 2010

Harry Potter and the Deathly Hallows: Part I

I thought you knew what you had signed up for?

Es fing alles mit einem 216 Seiten starken Roman vor neun Jahren an. Harry Potter and the Philosopher’s Stone avancierte zum überraschenden Belletristikerfolg und sollte seine Autorin, Joanne K. Rowling, zur zweitreichsten Frau im Britischen Königreich nach Queen Elizabeth II. machen. Mit dem Erfolg stieg vermutlich auch Rowlings Selbstsicherheit, wurden ihre Nachfolgeromane im Folgenden nicht nur immer dicker, sondern beanspruchte das vierte Buch Harry Potter and the Goblet of Fire gar doppelt so viele Seiten wie sein Vorgänger Harry Potter and the Prisoner of Azkaban. Dass eine derartig erfolgreiche Romanreihe, speziell in der an Kinder orientierten Literatur, nicht umhin kommt, fürs Kino adaptiert zu werden, ist verständlich. Wo es Chris Columbus mit seinen ersten beiden Verfilmungen gelang, nahezu jede Seite getreu abzufilmen, war klar, dass dies spätestens ab dem vierten Band nicht mehr möglich sein würde. Was läge also näher, als das große Finale, Harry Potter and the Deathly Hallows, ob der Handlungsfülle auf zwei Filme aufzuteilen?

Denn es muss viel erzählt werden, nicht nur das, was Rowling in ihren siebten Roman niederschrieb, sondern auch all die Details, die in den Vorgängerfilmen ausgelassen wurden und die nun entweder doch wichtig oder zumindest nicht ohne weiteres auslassen werden können. So lernt das Publikum zu Beginn des Filmes einen zerknirscht dreinblickenden Rufus Scrimgeour (Bill Nighy) kennen, seines Zeichens Minister of Magic, doch erfährt man dies erst jetzt, obschon er den Posten bereits länger inne hat. Scrimgeour tauchte vermutlich deshalb nicht in Harry Potter and the Half-Blood Prince auf, weil er eine verzichtbare Figur ist. Was man nicht zuletzt durch ihre Anwesenheit im siebten Film merkt, die nicht der Rede wert ist, da sie nicht die Funktion ausfüllen kann, die ihr eigentlich gebührt. Nighys Figur kommt aus dem Nichts und verschwindet alsbald in dieses, ohne wirklich von Mehrwert gewesen zu sein. Der Grund warum Drehbuchautor Steve Kloves sie überhaupt einführt, findet sich in einem kleinen Detail, das zuvor unwichtig war, dessen es nun aber bedarf.

Ein Malus, der den gesamten Film durchzieht und diesen, obschon er sich bemüht, die Vorlage getreu abzufilmen, letztlich in seiner Essenz scheitern lässt. Denn Rowling ließ es sich nicht nehmen, zum Abschluss ihrer Geschichte eine Nummern-Revue zu installieren. Viel wird aus den vergangenen Abenteuern wieder aufgegriffen und avanciert zur Etappe auf dem Weg ins Ziel. Nur tauchte dies in den Filmen meist nicht auf. Als Harry Potter (Daniel Radcliffe) zu Beginn ein letztes Mal in ein Versteck transportiert werden muss, führt Regisseur David Yates mit Bill (Domhnall Gleeson) einen weiteren Weasley ein. Die linke Gesichtshälfte ist etwas vernarbt, mit Dank an den Werwolf Fenrir Greyback. Daneben steht Fleur Delaceur (Clémence Poésy), jene französische Schülerin, die im vierten Film beim Triwizard Tournament teilnahm und nun mit Bill verlobt ist. Ein Fakt, der wie das Selbstverständlichste auf der Welt in die Handlung integriert wird, da Kloves, Yates und Co. vermutlich voraussetzen, dass ohnehin jeder die Romane als Komplementärwerke gelesen hat.

Bill und Fleur, deren Beziehung wie Scrimgeour im sechsten Band eingeführt wurde und die - zugegeben - für dessen Handlung auch unerheblich waren, helfen nun, die finale Geschichte in Schwung zu bringen. Wie auch Scrimgeour, der Harry und seinen Freunden Ron Weasley (Rupert Grint) und Hermione Granger (Emma Watson) später die Nachlassenschaft des im Vorgänger ermordeten Professor Dumbledore (Michael Gambon) hinterlässt. Am Problematischsten ist wahrscheinlich noch eine Scherbe, in die Harry bisweilen blickt und die ihm später hilfreich sein soll, von der der Romanunkundige jedoch keine Ahnung hat, um was es sich handelt und woher es kommt. Es sind Dinge wie jener Spiegel, den Harrys Patenonkel Sirius (Gary Oldman) ihm in Harry Potter and the Order of the Phoenix gab, die bei der Adaption jenes Bandes verzichtenswert erschienen und sich nun rächen sollten. Denn wie keiner seiner Vorgänger zuvor macht Harry Potter and the Deathly Hallows: Part I deutlich: Wer die Bücher nicht kennt, der hat leider Pech gehabt.

Alle anderen dürften sich an den zahlreichen inhaltlichen Anschlussfehlern amüsieren, die Kloves bei seinem Versuch begeht, die Vorlage in ein möglichst actionreiches Road-Movie zu verwandeln. Denn was nicht in einem Satz mal eben abgehakt wird, quetscht Kloves in gehetzter Dramaturgie in andere Stellen hinein. So verkommt die Monatelange Suche von Harry, Hermione und Ron nach dem Vermächtnis von Dumbledore, der im Vorgänger eingeführten Horcruxe von Lord Voldemort (Ralph Fiennes), zum schnelllebigen Happening. Wer an der falschen Stelle aufsteht, um aufs Klo zu gehen und nochmals Popcorn zu holen, wird verwundert feststellen, dass das Trio bereits die eine oder andere Etappe abgearbeitet hat. Zwar bemüht sich der Film, die aufkommende Anspannung zwischen den Gruppenmitgliedern hier und da einzufangen, doch sind diese Momente so rar gesät, um die Dramaturgie nicht zu gefährden, dass sie eigentlich verpuffen. Dabei entsteht die wirkliche Dramaturgie gerade in den Momenten, denen sich der Film verweigert.

“These are dark times“, lauten die ersten Worte von Scrimgeour, die sich zum nicht eingehaltenen Versprechen entwickeln. Zwar versucht Yates gerade im Zaubereiministerium ein Flair vom Dritten Reich und der Judenverfolgung zu beschwören, wenn uniformierte Zauberer mit roter Armbinde Verdächtige abführen, deren Blutreinheitsstatus in Frage gestellt wird, doch reichen einige Nazi-Referenzen nicht aus, um eine Endzeitstimmung zu beschwören. Denn Harry Potter and the Deathly Hallows: Part I ist ein weitestgehend blutfreies Spektakel. In einer Szene wandern die drei Freunde durch trostlose und teils zerstörte Landschaften, mit Radiomeldungen von Gefallenen, doch revidiert dies nicht die unbeständige Atmosphäre von Unpersönlichkeit. Es sind irgendwelche Namen, die hier zum Opfer fallen, nicht jene, die den Figuren bekannt sind. Für emotionale Tiefe ist keine Zeit, nicht einmal in den Szenen der Hauptfiguren. Besonders zu leiden hat hier das nicht unkomplizierte (geschweige denn: unwichtige) Verhältnis von Harry zu Dumbledore.

Dessen Tod ist für die Figur ebenso eine Marginalie wie das Ableben von Sirius im Vorgänger. Auch Ginny (Bonnie Wright), Rons Schwester und Harrys Liebe, wird zu jener Randfigur, die sie bereits im sechsten Film gewesen ist. Dafür, dass die Serie „Harry Potter and…“ heißt, schafft es Yates wie in kaum einem der anderen Filme zuvor, das Innenleben seiner Hauptfigur auszuklammern. All das, was für diese wichtig ist, wird im siebten Film nahezu negiert. Dass die Gefühlswelt der Figuren hinten ansteht wäre dann akzeptabel, würde sich der Film in seiner Fortschreitung der wichtigen Etappen nicht unentwegt selbst in seiner Kontinuität und Authentizität ein Bein stellen. Zwar haben es die Verantwortlichen nicht leicht gehabt, lässt sich schwerlich etwas aus dem Roman streichen, ohne dass ein ganzes Kapitel umgeschrieben werden müsste, dennoch ist das fertige Ergebnis weitaus weniger gelungen und hinnehmbar, als zuvor in Harry Potter and the Half-Blood Prince, gegenüber welchem der jüngste Film dann auch in anderer Hinsicht einen Rückschritt darstellt.

Ohne Zweifel wird das Drama wohl nicht mehr das Genre eines Daniel Radcliffe, zeigt er sich doch wie bereits in den Vorgängern erneut mit den ernsten und emotionalen Szenen überfordert (was inzwischen auch sein Alter nicht mehr entschuldigt), während es die humorvollen Momente sind, in denen er aufblüht. Des Weiteren werden dann auch misslungene Ensembleentscheidungen fortgeführt, wenn Bill Nighy als Scrimgeour und Rhys Ifans als Xenophilius Lovegood sicher auch von Seiten der Regie wie bereits Gambon seinen Dumbledore oder Jim Broadbent den Potions-Professor Horace Slughorn mit Effizienz gegen die Wand spielen. Vom Besetzungsverbrechen der Helena Bonham Carter ganz zu schweigen. Es ist somit wie so oft Emma Watson, die mit couragiertem Spiel - und bisweilen unterstützt von Rupert Grint - für schauspielerische Glanzlichter sorgt, zu deren Aufleuchten auch Alan Rickmans Severus Snape und Imelda Stauntons Dolores Umbridge beitragen, obschon Letztere bedauerlicherweise nur wenige Minuten Spielzeit gewährt bekommen.

Dabei ist nicht alles schlecht an Harry Potter and the Deathly Hallows: Part I. Insbesondere die dem Road-Movie-Aspekt der Handlung innewohnenden Landschaftsaufnahmen begeistern, während auch Alexandre Desplats Musik gefällt. Und zumindest in Ansätzen sind die einzelnen Szenen überzeugend gestaltet, sei es der Beginn von Harrys Flucht inmitten des Ablenkungsmanövers des Phönix-Ordens oder das Aufeinandertreffen mit zwei Death Eater nach dem abrupten Ende von Bill und Fleurs Hochzeit. Ein kleines Highlight stellt dann die zwar extrem abgehastet eingeführte, aber dann speziell dank der verwandelten Alter Egos von Harry, Hermione und Ron (David O’Hara, Steffan Rhodri, Sophie Thompson) amüsante Zaubereiministeriumsszene dar. Wie gelungen die Szene geworden ist, sieht man in Anbetracht der gehetzten (und schlecht erzählten) Folgeszenen in Godric’s Hollow sowie auf dem Malfoy Grundstück. Dass der Film eher enttäuschend ausfällt, liegt somit weniger an der beeindruckenden Szenerie, sondern an Kloves’ mangelhafter Adaption.

Hinzu kommen Szenen, derer es nicht unbedingt bedurft hätte, von denen jedoch die graphische Illustration der Tale of the Three Brothers - und somit der Titelgebenden “Deathly Hallows“ - noch die Annehmbarste ist. Andere Einstellungen wie das Stoppen des Hogwarts Express zur Überprüfung, ob Harry anwesend ist (die Frage, warum Harry zurück nach Hogwarts sollte, das inzwischen unter der Kontrolle von Severus Snape ist, stellt sich den Death Eater scheinbar gar nicht), nur um in einer einzigen kurzen Totale bekannte Gesichter von Cormac McLaggen über Lavender Brown bis hin zu Cho Chang zu präsentieren, oder eine auflockernde Tanzszene zwischen Harry und Hermione sind zwar nett gemeint, allerdings vollkommen unerheblich für die Erzählung der ohnehin überlangen Geschichte. Andere Momente wie ein kurzer Kuss zwischen Ginny und Harry vor der Hochzeit von Bill und Fleur dagegen sind wohl nur da, um den Zuschauer daran zu erinnern, dass da noch was ist, auch wenn es - bis zum Epilog im achten Film - ab sofort nicht mehr thematisiert wird.

Dass Yates und Kloves trotz ihrer gehetzten Art dramaturgisch spannende Szenen, die meist Lord Voldemort betreffen, aussparen oder zumindest abschwächen, macht ihre Entscheidung nur umso unverständlicher. Es wäre Harry Potter and the Deathly Hallows: Part I sicher besser bekommen, wenn man sich zumindest in dessen Anfang mehr von der Vorlage entfernt hätte, anstatt sich um die Hochzeit zweier Figuren zu kümmern, die wenige Minuten zuvor erst auf der Bildfläche erschienen. Als („glaubwürdiges“) abenteuerreiches Road-Movie überzeugt der Film durch die fehlende Laufzeit nur bedingt (ein Makel, der durch eine Lord of the Rings-artige Extended Version auf DVD ausgeglichen werden könnte, jedoch war dies bereits bei den Vorgängern nicht der Fall). Letztlich ist Yates' dritter Potter-Film zu gehetzt, voller Anschlussfehler und am Ende Opfer seiner Vorgänger (hätte Rowling von vorneherein zumindest Kloves aber auch die Regisseure über den finalen Band informiert, wären eventuell viele Mängel vermeidbar und Manches einfacher gewesen).

Ein dankenswerter Umstand war im Nachhinein zumindest, dass es Warner Bros. nicht mehr gelang, den siebten Film rechtzeitig vor Filmstart in 3D zu konvertieren (was sich ohnehin nicht einmal bei einer Handvoll Einstellungen gelohnt hätte). Ob sich das Studio jenen finanziellen Push, der dafür verantwortlich ist, dass in Kürze eine Fortsetzung des grottigen Clash of the Titans bevorsteht, für Harry Potter and the Deathly Hallows: Part II nehmen lässt, ist fraglich. So oder so steht dem achten Film wahrscheinlich ein einfacheres Schicksal bevor, besteht er zur Hälfte doch aus einer einzigen Actionszene, die in der Tradition von Helm’s Deep aus The Two Towers stehen wird. Im Nachhinein hat sich die Entscheidung, den siebten Roman in zwei Filme aufzuteilen, wohl wieder mal nur für Produzent David Hayman und die Warner gelohnt, denn obschon für den 600 Seiten starken Roman rund fünf Stunden Laufzeit zur Verfügung standen, scheitert zumindest Harry Potter and the Deathly Hallows: Part I an denselben Dingen, die auch die meisten seiner Vorgänger ausmachten.

4.5/10

12. Februar 2010

Elektra

Let’s keep your death between you and me.

Weibliche Superhelden, zumindest diejenigen unter ihnen, die ihr eigenes Franchise tragen können, sind die Seltenheit. Da gibt es natürlich Ausnahmen, wie Dark Horses Barb Wire oder DC’s Wonder Woman, aber für gewöhnliche kommen Frauen nicht über den Status des love interest oder der Teammitgliedern hinaus. Marvels Elektra zählt hier zu den oben erwähnten Ausnahmen. Erschaffen von Frank Miller als Nebenfigur im Daredevil-Universum, erhielt Elektra 1983 schließlich ihre eigene Comic-Serie, die bis heute Bestand hat. Will man Wikipedia Glauben schenken, so ist sie die Marvel-Figur, die die meisten Menschen auf ihrem Gewissen hat. Von Miller als Tochter eines griechischen Milliardärs entworfen, ist es (natürlich) der Tod des Vaters, der Elektra Natchios ihre dunklen Pfade beschreiten lässt. In China ließ sie sich von der Ninja-Organisation The Hand zur Killerin ausbilden. Hierbei hatte sie mit Stick denselben Lehrmeister, wie ihre große Liebe Matt Murdock. Als Auftragskillerin verdiente sich Elektra fortan ihren Lebensunterhalt und arbeitete dabei unter anderem für den Kingpin und mit Wolverine (in getrennten Comicserien).

Zwei Jahre nach ihrem Auftritt in Mark Steven Johnsons Daredevil wurde die Figur der Elektra (Jennifer Garner) für ein eigenes Kinoabenteuer ausgebaut. Die Regie übernahm X Files-Veteran Rob Bowman, der sich in seiner Filmhandlung auf Elektras Auseinandersetzung mit The Hand konzentriert. Hierbei folgt der Film zum Teil den Daredevil-Ausgaben Gantlet und Hunters, in denen sich Elektra mit dem legendären Krieger Kirigi konfrontiert sieht. Eingebettet wird das Ganze in eine Moralhandlung, in der Elektra damit beauftragt wird, einen Vater (Goran Visnjic) und seine Tochter (Kirsten Prout) zu ermorden. Amüsanterweise findet sich auch hier wieder eine crossmediale Referenz, bedenkt man, dass Visnjics Charakter den Namen Mark Millar trägt. Eben jenes Schöpfers der Comics Wanted und Kick-Ass. Abgesehen von zwei, drei direkten Panel-Übernahmen glänzt Bowmans Film jedoch im Vergleich zu Johnsons Umsetzung zwei Jahre zuvor nicht durch sonderliche Vorlagentreue. Zumindest nicht hinsichtlich der Kirigi-Storyline, abseits davon bin ich selbst mit Elektra als Stand-Alone-Werk nicht vertraut.

Sie sei eine Legende, heißt es zu Beginn des Filmes. Ein Mythos, in Wirklichkeit schon vor Jahren gestorben. Ausgebildet in der Kunst der Ninjas, zurückgebracht von den Toten durch ihren Lehrmeister Stick (Terence Stamp). Ausgegrenzt von diesem aufgrund ihres Charakters. „Is this a test?“, fragt Elektra noch, ehe sie ihr Leben im Exil antritt. Als kaltblütige Auftragsmörderin treibt sie ihre nächste Mission an einen träumerischen See. Hier macht sie unwissentlich die Bekanntschaft ihrer nächsten Opfer. Es eher der Umstand, dass Millar seine Tochter Abby alleine großzieht (und damit Erinnerungen der Halbwaise Elektra evoziert), als der Kontakt zu ihnen, der Elektra dazu bewegt ihren Auftrag abzubrechen. Da The Hand daraufhin einfach Ersatz schickt, obliegt es Elektras Talent und Güte, ob die Millars weiterleben werden. Mit ihrer Einmischung in die Belange ihrer alten Organisation macht sich Elektra allerdings diese zum Feind. Kirigi (Will Yun Lee) übernimmt die Jagd auf die Millars gemeinsam mit seinen Gefolgsleuten wie Tattoo oder Typhoid. Im Gegensatz zur Elektra-Millar-Storyline sind es Kirigi und seine Helfer, die primär Phantastisches in die Comicverfilmung tragen, die ansonsten sehr stark in der Realität verankert ist.

Die Handlung rund um Kirigis Jagd nach Abby, als auserwählter Schatz zwischen den Mächten von Gut und Böse wirkt in der filmischen Verortung reichlich abgehoben. Die Wiedererkennung von Elektra in dem Mädchen als Motiv ist dagegen glaubwürdig und nachvollziehbar. Obschon auch hier, ähnlich wie in Daredevil, der Antagonist wieder als Verursacher des Elternmordes ausgemacht wird. Und wäre die Verwendung des überzogen Comichaftem in dieser zu realen Umgebung nicht, hätte man Bowmans ansonsten relativ soliden Film sicherlich auch besser aufgenommen. Zudem verkommen Typhoid und Co. nur zu bloßen Bauern im Schachspiel von Kirigi, deren Kräfte – bedenkt man, dass Elektra eben keine Mutantin oder dergleichen ist – als überbordende Bedrohung wahrgenommen werden müssen. Von dem etwas fehl platzierten The Shining-Zitat im Finale ganz zu schweigen. Zwar war Kirigi auch in Gantlet ein übermenschlicher Gegenspieler, doch fand dies eine andere als eine mystische Begründung. So wirkt er als Antagonist relativ blass, sein finaler Kampf gegen Elektra etwas flach und die gesamte Vermischung von übersinnlichen Fähigkeiten und Realität ziemlich unharmonisch.

Zudem ergibt sich eine große Frage nach der Chronologie. Schließlich sah man in Daredevil, wie Elektra die Kette ihrer Mutter Matt Murdock hinterlassen hat. In Elektra wiederum trägt sie diese Kette, auch wenn sich die Darstellung des Anhängers verändert hat. Bedenkt man die geschnittene Traumsequenz mit Murdock (Ben Affleck) – eine Reminiszenz an den Director’s Cut von Terminator 2: Judgment Day -, so ist nicht wahrscheinlich, dass Elektra zwischen den Ereignissen von Elektra und Daredevil nochmals Kontakt zu Murdock hatte. Nichtsdestotrotz weiß Bowman auch einige Dinge richtig zu machen. Zum einen darf Elektra hier endlich ihr klassisches, rotes Kostüm tragen (selbst wenn das Kopftuch fehlt), zum anderen weiß die musikalische Untermalung im Gegensatz zu Daredevil besser zu gefallen, da hier ausschließlich auf einen instrumentalen Score gesetzt wurde. Der gesamte Film ist jedoch in seiner Grundhaltung stark familiär ausgelegt. Elektra als Ersatzmutter neben Millar und Abby läuft etwas ihrem Ruf als eiskalte Killerin zuwider. Dennoch ist Elektra keineswegs ein missratener Film, selbst wenn er selten wirklich sein Potential auszuschöpfen vermag.

5.5/10

4. Dezember 2008

Entourage - Season Five

The Jew has arrived and he doesn’t like Germans.

Normalerweise läuft Doug Ellins Entourage stets im Sommer an. Daher hätte man meinen können, dass die fünfte Staffel der Serie nicht wirklich vom letztjährigen Autorenstreik beeinflusst worden ist. Einen Effekt hatte sie jedoch trotzdem auf das fünfte Jahr der Produktionsphase. Die aktuelle Staffel startete später und findet mit zwölf Episoden - wie bereits im letzten Jahr - ein frühes Ende. Zudem lässt sich sagen, dass sich die Serie eine angenehme Konstanz zugelegt hat. Man erinnere sich noch an die erste Staffel, in der es keinen roten Faden gab und primär das entspannte Leben eines aufstrebenden Schauspielstars gezeigt wurde. Jener Entwicklung wurde mit jeder folgenden Staffel zielstrebig entgegengewirkt. In den Staffeln Zwei und Drei drehte sich die Rahmenhandlung um das Blockbuster-Projekt Aquaman.

Ging es zuerst darum, dass Vincent Chase (Adrian Grenier) kein Interesse am Projekt hatte, fokussierte sich die darauf folgende Staffel um ebenjenes Endprodukt. Nachdem Vincent bereits Queens Boulevard mit Regisseur und enfant terrible Billy Walsh gedreht hatte, beschäftigte sich die vierte Staffel ausgiebig mit deren gemeinsamen Nachfolgewerk Medellin und insbesondere die Produktionsumstände. Jahr für Jahr gewann die Serie somit einen seriöseren Touch, wurde glaubwürdiger und dadurch auch akzeptierter - jedenfalls für meine eigene Person. Im letzten Jahr kam es dann zu einem Stillstand, indem Medellin bei seiner Premiere in Cannes floppte und die Karriere von Walsh und Vincent ungewiss zu sein scheint. Allerdings keimte auch Hoffnung auf.

Die fünfte Staffel schiebt jener Hoffnung nun einen Riegel vor. Zwar wurde im Staffelfinale angedeutet, dass Produzent Maury Chaykin (eine Anlehnung an Harvey Weinstein) Medellin noch umschneiden und dadurch retten könne, doch wurde dieses Bestreben wohl zu den Akten gelegt. Der Film lief nie in den Kinos an, was aus Billy Walsh wurde wird nicht weiter thematisiert (das Projekt Silo scheint damit gestorben zu sein) und in Fantasy Island biedert sich Vinnies Karriere als bloße Erinnerung an. Gemeinsam mit Turtle (Jerry Ferrara) vertreibt er sich die Zeit an einem träumerischen Strand in Mexiko. Hier regiert Haschisch und Sex. Währenddessen arbeitet Drama (Kevin Dillon) in L.A. an seiner erfolgreichen Fernsehserie und führt glücklich eine Fernbeziehung mit seinem französischen Groupie. Für Ari (Jeremy Piven) und E (Kevin Connolly) geht es nun darum, ein neues Filmprojekt für Vincent zu finden.

Ein zugeschicktes Drehbuch zweier Brüder und Schießstandbesitzer (Giovanni Ribisi & Lukas Haas) weckt E’s Interesse. Vincent kann davon überzeugt werden, zurück in die Zivilisation zu kehren und um seine Karriere zu kämpfen. Doch das gewünschte Smoke Jumpers-Projekt entgleitet der Truppe aus den Händen. Für die Hauptrolle wird Edward Norton besetzt und das Studio will aus persönlicher Abneigung Vincents Karriere nicht retten. Als Notlösung bietet sich nur der Kinderfilm Benji an, in welchem Vincent mit ebenjenem Hund in ein Abenteuer verwickelt würde. Aus finanziellen Gründen - steht er doch vor dem Bankrott - sagt Vincent schon fast zu, entschließt sich dann jedoch um Smoke Jumpers zu kämpfen. Einige Studioentwicklungen später und mit reichlich Vitamin B hat er eine Nebenrolle im Film sicher. Doch die Probleme fangen erst an.

Zwar hatte Vincent bereits in der zweiten Staffel erhebliche finanzielle Probleme, doch ist das Ausmaß seines Kontostandes nunmehr akut. So kommt es, dass sich selbst Turtle einen Job sucht, um seinen Kumpel nicht mehr zu belasten. Drama und E versorgen sich bereits seit der vergangenen Staffel selbst. Der Ton von Entourage nimmt somit ernstere Züge an und spitzt sich immer weiter zu. Die Regisseure haben kein Interesse mehr mit Vincent zu arbeiten, die Studiobosse sind schlecht auf ihn zu sprechen. Der Jungstar zerrt am Ruhm vergangener Tage, doch auch seine Aquaman-Historie will ihm nicht so wirklich weiterhelfen. Dass er sich selbst nicht aufgeben will, bestärkt er nochmals in der Folge Tree Trippers, in ironischerweise Eric Roberts eine Nebenrolle (als er selbst) spielt. Allerdings führt das Engagement in Smoke Jumpers nicht zur gewünschten Kehrtwendung.

Die Platzierung von Vincent durch das Studio sorgt für Animositäten mit dem deutschen Regisseur des Projektes, Verner (Stellan Skarsgård). Die Folgen dieser Staffel haben auch ihre Auswirkungen auf die Freundschaft zwischen Vincent und E, während Turtle endlich eine etwas eigene Entwicklung erfährt. Nicht nur dass er sich einen Job sucht, auch verliert er Teile seiner Slacker-haften Persönlichkeit. Zu verdanken ist dies seiner Affäre mit Jamie-Lynn Sigler (The Sopranos). Für die anderen Drei ist beziehungstechnisch dagegen Ebbe angesagt, obschon Vincent in Unlike a Virgin endlich mit Justine (Leighton Meester) zusammen kommt. Allerdings taucht sie in den folgenden Episoden nicht mehr auf, sodass ihre Platzierung etwas verstört.

Der rote Faden der fünften Staffel ist eindeutig Smoke Jumpers und damit die Zukunft von Vincents Karriere. Wie schlecht es um diese bestellt ist zeigen verschiedene Meetings mit anderen Regisseuren wie Frank Darabont oder Gus van Sant, die zwar von Vincents Talent überzeugt sind, ihn jedoch nicht in ihren Filmen haben wollen. Neben den beiden Regisseuren geben jedoch noch andere große Namen des Business der Show eine Steppvisite. Als sie selbst übernehmen Whoopie Goldberg, der oben erwähnte Eric Roberts, Peter Berg, Martin Scorsese und Jamie-Lynn Sigler Nebenrollen. Zudem treten Jason Isaacs, Stellan Skarsgård, Martin Landau und Giovanni Ribisi als fiktive Figuren auf. Ein Wiedersehen gibt es auch mit dem unglücklichen Charakter von Schulfreund Dom (Domenick Lombardozzi), der eine Läuterung erfahren darf. Der erneut seriöser werdende Ton steht der Serie wie gesagt gut zu Gesicht, auch wenn man sich durchaus noch etwas mehr Kritik am Business wünschen würde.

Die Tatsache, dass Schauspieler nach einem Flop wieder schwer neue Projekte finden, hätte man sicherlich eine Spur bissiger vorführen können. Andere weggelassene Aspekte wie die Entwicklung von Medellin oder Justine Chapman verwirren etwas oder hätten zumindest eine kurze Erklärung verdient. Nach einem soliden Start von vier Episoden fällt die Staffel in ein kleines Loch (Tree Trippers, ReDOMption, Gotta Look Up to Get Down), bevor sie wieder an Fahrt gewinnt und in der neunten Folge (Pie) ihren Höhepunkt findet. Auch die folgenden Episoden knüpfen hier sehr gut an, enden dann allerdings in einem nicht nur überraschend versöhnlichen Finale, sondern dieses „Versöhnung“ selbst ist auch mehr als überraschend. Ingesamt jedoch eine weiterhin unterhaltsame und ordentliche Serie, die im nächsten Jahr ihre Fortsetzung findet. Welche Wendungen Ellin hierfür parat ist, dürfte interessant werden.

8/10

23. November 2007

Vorlage vs. Film: Harry Potter and the Order of the Phoenix (Updated!)

Harry Potter and the Order of the Phoenix (2003)

Dieses Jahr war es dann soweit: der letzte Band der Harry-Potter-Reihe erschien. Lange antizipiert und am Ende, man kann es wohl so sagen, achtbar aus der Affäre gezogen hat sie sich, die gute Mrs. J.K. Rowling (wenn man vom Epilog absieht). Mit ihren Büchern hat die werte Engländerin etwas geschafft, was von seiner Bedeutung her nicht viele Menschen von sich behaupten können: sie hat Kinder zum Lesen gebracht. Das ist dieser Tage selten geworden, da Jugendliche ihre Zeit viel lieber mit Alkohol und Amoklauf vertreiben. Doch dies braucht nicht das Problem der reichsten Frau Englands zu sein, die wohl das erfolgreichste Franchise nach Star Wars in die Welt gesetzt hat. Neben dem siebten und letzten Band kam auch die Verfilmung des fünften dieses Jahr in die Kinos und stellte ein Novum dar, sozusagen. Steve Kloves, seines Zeichens der Drehbuchautor der Harry Potter Filme, setzte im fünften Teil aus und überließ die Adaption Michael Goldenberg. Dieser sollte nun gute achthundert Seiten in einen zweistündigen Film umsetzen.

Harry Potter ist noch gebeutelt von den Geschehnissen des Trimagischen Turniers, insbesondere vom Tod Cedric Diggorys. Da wird er in seinen Sommerferien von zwei Dementoren heimgesucht und sieht sich genötigt Magie einzusetzen. Dies führt wiederum zu seinem Rauswurf aus Hogwarts und spielt dem Ministerium für Magie in die Karten. Selbstverständlich ist dies nicht so einfach und nachdem Harry vom Orden des Phönix, einer Untergrundorganisation gegen Lord Voldemort, nach London überführt wird, gelingt es Dumbledore die Vorwürfe gegen Harry zu entkräften. Doch die Stimmung im Lande ist kühl, sowohl von Seiten des Ministeriums als auch von Dumbledore gegenüber Harry. Dass dieser von allen wie ein Kind behandelt wird, findet der 15j-Jährige überhaupt nicht gut und liefert sich kaum vereint wilde Streitereien mit seinen beiden Freunden Ron und Hermione. Harry ist wie jedes andere Kind in der Pubertät und denkt er weiß alles besser, besonders was gut für ihn ist. Unterstützung erfährt er allein in seinem Patenonkel Sirius, welcher jedoch in Harry mehr seinen ehemaligen Freund und Harrys Vater James sieht, als diesen selbst. Als Harry und seine Freunde nach Hogwarts zurückkehren, werden sie Zeugen einer neuen Form der Bürokratisierung.

Dolores Umbridge ist nicht nur die rechte Hand des Ministers für Magie, sondern auch neue Lehrerin gegen die dunklen Mächte. Da sie mit der Regierung zu denjenigen gehört, welche die Rückkehr Voldemorts bestreiten, liegt ihr nichts ferner, als den Jugendlichen die Selbstverteidigung zuzusprechen. Die Freunde um Harry formen eine rebellische Organisation und lassen sich von ihm in seinen Erfahrungen unterweisen. Gleichzeitig tritt die Verbindung zwischen Harry und Voldemort in eine neue Phase, als sich die beiden in Harrys Träumen immer wieder begegnen und intime Gefühle austauschen. Dumbledore schickt Harry deshalb in die Obhut von Professor Snape, damit er den Feind lernt aus seinem Kopf fernzuhalten. Die Gedankenkämpfe mit Snape führen schließlich dazu, dass Harry ein dunkles Geheimnis seines Vaters kennen lernt. Als er nicht auf die Menschen in seiner Umgebung hören will und versucht seinen Geist gegenüber Voldemort zu verschließen, manövriert er sich immer tiefer in ein Schlamassel rund um das Geheimnis seines zukünftigen Schicksals während die Ereignisse in Hogwarts unter der Herrschaft von Umbridge diktatorische Ausmaße annehmen.

Der fünfte Band der Reihe ist durchzogen von dem Problem von Harrys Pubertät. Immer wieder erzürnt er sich und schreit seine besten Freunde oder Dumbledore an, auf andere hören will er dabei schon gar nicht. Schließlich handelt es sich um sein Leben und sein Schicksal, Harry fühlt sich erwachsen dieses nunmehr selber in die Hand zu nehmen. Die Wichtigkeit seinen Geist abzuschirmen erkennt er nicht und wird am Ende des Bandes Konsequenzen nicht nur für ihn haben. Fraglos das zäheste und anstrengenste Werk ist dieser fünfte Band, der wie kein anderer für eine bestimmte Entwicklungsstufe in dem Leben des jungen Zauberers darstellt. Neben seiner Pubertät und ersten Liebe geht es vor allem um die Zusammenarbeit verschiedener Einrichtungen, insbesondere der Häuser von Hogwarts. Dies geschieht in der Verknüpfung zu Dumbledore’s Armee, in der nicht nur Harrys Freunde, sondern auch Mitschüler und Mitschülerinnen verbunden sind. Außerdem geht es darum, einem totalitären Regime nicht bedingungslos zu folgen, sondern auch wenn es Konsequenzen nach sich zieht in den richtigen Momenten Ungehorsam zu zeigen.

Letztlich ist Order of the Phoenix von allen Bänden am Unerträglichsten geraten. Was Rowling versäumt hat zu bemerken, ist die Tatsache, dass man als Leser nur dann bereit ist einer Figur 800 Seiten lang zu folgen, wenn diese dem Leser auch (zumindest ansatzweise) sympathisch ist. Dies misslingt jedoch im fünften Band grandios mit der Charakterzeichung von Harry. Ein besserwisserisches Balg ist er hier, der unentwegt schreit, nie etwas einsehen will und sich dümmer verhält, als man es sich vorzustellen vermag. Ein grauenhafter Held, dem man nur widerwillig auf die nächste Seite folgt. Bezeichnend, dass er am Ende dann Dumbledore die Schuld gibt, für alle Fehler, die er selbst zu verantworten hat. Dass das Finale dabei - wie meistens bei Rowling - eher unlogisch und schwach daherkommt, ist nur die Spitze des Eisberges. Wenn gut zwei Dutzend Todesesser nicht mit einer Handvoll Teenager klar kommt, die außer „Stupefy“ und „Petrificus Totallus“ keine nennenswerten Zaubersprüche beherrschen, wird der Antagonist dieser Saga durchaus der Dämlichkeit preisgegeben. Rowling verwechselt hier Quantität mit Qualität und liefert mit Order of the Phoenix (abgesehen der gelungen totalitären Umbridge-Momente) das schwächste Buch der Reihe ab.


Harry Potter and the Order of the Phoenix (2007)

Things at Hogwarts are far worse than I feared.

Vorab muss erstmal Buße getan werden, wurde David Yates’ Adaption des umfangreichsten Romans der Rowling hier dereinst zu Unrecht niedergeschrieben. Eine neuerliche Sichtung, sowohl des Buches als auch des Filmes, bringt die Waagschale nunmehr aus dem Gleichgewicht. Infolgedessen weichen die meisten Kommentare vom Inhalt dieser Rezension etwas ab. Wie mehrfach angesprochen handelt es sich bei Order of the Phoenix um den umfangreichsten Band des Potterverse. Ähnlich wie schon in Goblet of Fire widmet sich Rowling ausführlich den Sommergeschehnissen, die dieses Mal ebenfalls mehr als ein Fünftel des gesamten Buches ausmachen. Da der britische TV-Regisseur Yates die Laufzeit auf etwas mehr als zwei Stunden kürzte, ist der fünfte Film paradoxerweise der Kürzeste, basierend auf dem längsten Roman. Nach vier Filmen wanderte zudem die Aufgabe des Drehbuchs von Steve Kloves zu Michael Goldenberg. Und abgesehen von der Tatsache, dass auch er – weiterhin unverständlicherweise – die Patil-Zwillinge beide ins Gryffindor-Haus steckt, macht Goldenberg für sein erstes (und scheinbar auch einmaliges) Engagement im Potterverse alles richtig, was er richtig machen konnte.

Denn Goldenberg und Yates haben scheinbar erkannt, dass man einem Publikum keinen Helden präsentieren kann, der unentwegt nervt. Von daher befreien sie die Adaption von den meisten pubertären Quengeleien des Harry Potter (Daniel Radcliffe). Kein unentwegtes Geschreie, keine eingeschnappten walk-offs und keine dümmlichen Vorwürfe am Ende gegenüber Dumbledore (Michael Gambon). Auch von allen dummen Entscheidungen des Teenagers (und es gab viele davon im Roman, allen voran die Sirius-Kontaktierung Ende des 2. Aktes) ist der Film befreit. Damit zieht Order of the Phoenix auch einen anderen Vorteil nach sich: Radcliffe muss sich weit weniger blamieren, wie in den Vorgängern. Zum ersten Mal in der Filmreihe spielt der Engländer solide und dies sogar die meiste Zeit über. Es mag an seinem Alter liegen, an der inzwischen gesammelten Erfahrung oder an Yates’ Regie – wie dem auch sei, Radcliffe ist endlich mal kein Totalausfall und weiß sich gegenüber dem restlichen Ensemble zu behaupten. Ohnehin sind, bis auf zwei Ausnahmen, alle schauspielerischen Leistungen besser als noch im Vorgänger.

Leider hat Michael Gambon immer noch nicht den Charakter von Albus Dumbledore verstanden. Diese Ernsthaftigkeit des Iren wirkt nicht nur deplatziert sondern geht auch vollkommen an der Figur vorbei. Sieht man sich den Rauswurf von Trelawney (Emma Thompson) an, so zeigt Gambons Spiel nach seiner Abwendung neben Besorgnis sogar einen Hauch von Einschüchterung. Vom kindlichen Charme und natürlichen Witz des Zauberers findet sich nichts in Gambons Portraitierung und dies war bedauerlicherweise schon in den Vorgängern der Fall. Zumindest scheint die Seriosität der Figur in Harry Potter and the Half-Blood Prince nicht am Thema vorbei zu sein, sodass hier Gambons Chance besteht, der Figur gerecht zu werden. Und selbst wenn nicht, stellt dies ohnehin sein letztes (größeres) Engagement in der Filmreihe dar. Die andere Enttäuschung ist Helena Bonham Carter, die hinsichtlich ihrer Figur der Bellatrix Lestrange ziemliches overacting betreibt. Ohnehin ist Lestrange eine extrem bescheidene Figur, sodass eine Teilschuld bei Rowling selbst zu finden ist. Nichtsdestotrotz kann sich Bonham Carter (mal wieder) nicht unbedingt auszeichnen. Wäre sie nicht mit Tim Burton verheiratet – der sie in jedem seiner Filme, teils zentral, besetzt -, wäre sie wohl schon seit Jahren so gut wie beschäftigungslos. Dafür wissen jedoch in weiteren Nebenrollen diesmal Brendan Gleeson (Mad-Eye Moody) und David Thewlis (Remus Lupin) besser zu gefallen, während Gary Oldman endlich sein Talent abrufen darf.

Allerdings vernachlässigt Goldenberg etwas die Geschehnisse um Sirius Black (Gary Oldman). Die Tatsache, dass er das ganze Jahr über in Grimauld Place bleiben muss, nagt nicht wirklich an der Filmfigur, findet lediglich einmal kurz Erwähnung. Allerdings scheint Goldenberg auch hier wohl den etwas infantilen Zorn aus der Handlung herausnehmen zu wollen – was vertretbar ist. Dank Sommer- und Weihnachtsferien wird Sirius Raum gegeben, sich endlich einmal als Patenonkel aufzuspielen. Die Figur wird somit nicht öfters gezeigt, als nötig, und die Tatsache, dass sie ohnehin nicht viel zur Handlung beigetragen hat (außer von emotionalem Wert gewesen zu sein), erklärt auch ihren Tod am Ende der Geschichte. Und wenn man bei der Schauspielleistung ist, sollte man erwähnen, dass sich auch Rupert Grint (Ron) und Emma Watson (Hermione) wieder gefangen haben. Zudem gab es mit Evanna Lynch als Luna Loovegood und Imelda Staunton als Dolores Umbridge zwei hervorragende Ergänzungen. Speziell die Integrierung von Luna in ihren drei heraus stechenden Szenen (neben dem Finale) ist sehr gut gelungen. Aber gerade Staunton zeigt – im Vergleich zu Gambon – wie essentiell die richtige Interpretation der eigenen Figur ist. Ihr Räuspern und Kichern, auch wenn beides im fertigen Film nicht sonderlich oft vorkommt – sind auf den Punkt genau getroffen. Eine treffendere Besetzung der sadistischen Bürokratin hätte man nicht finden können.

Dass die Handlung getrimmt wurde, kam bereits zur Sprache. Letztlich wurde genau das Richtige in genau dem richtigen Maß gestrichen – mit einigen kleinen Ausnahmen. Von Harrys Wutausbrüchen bis hin zu seinen idiotischen Handlungen war bereits die Rede. Erneut schafft es – sicherlich zu Recht – Quidditch nicht in den Film, wie auch die Nebenhandlung um Dobby und Winky ausradiert wurde. Von Umbridge selbst sieht man soviel, wie man zu sehen hat, um ein Bild von der Situation zu gewinnen. Selbiges gilt für die Sequenzen von Dumbledores Armee und den Occlumency-Stunden zwischen Snape und Harry. Punkte, die man ebenfalls hätte streichen können, wäre einerseits sicherlich Trelawneys Rauswurf (auch wenn dieser für die erweiterte macht von Umbridge steht) und insbesondere die Szenen mit Hagrids (Robbie Coltrane) Bruder Grawp. Denn die Flucht vor Umbridge hätten auch die Zentauren alleine tragen können, ohne dass ein Handlungsloch entstanden wäre. Ob es der Integration des Schulabbruchs der Weasley-Zwillinge gebraucht hätte, bleibt offen, da die Destabilisierung von Umbridges Regime für die Erzählung des Filmes nicht allzu bedeutsam ist. Einige offene Fragen bleiben – für den Nichtkenner der Vorlage – dennoch nach Sichtung des Filmes.

Da Newell es im Vorgänger vermissen ließ, den aufkommenden Konflikt zwischen Dumbledore und Cornelius Fudge zu thematisieren, wird in Order of Phoenix zu Beginn nicht wirklich klar, wieso Harry und Dumbledore plötzlich allein auf weiter Flur stehen. Und bedenkt man, dass Harry nie überprüft, ob Sirius wirklich nicht zu Hause ist, als er dessen Folter durch Voldemort (Ralph Fiennes) unterbinden will, wirkt sein plötzlicher Aufbruch etwas überraschend. Im Finale selbst wird dann – wohl aus Zeitgründen – nicht erklärt, warum die Todesesser um Lucius Malfoy (Jason Isaacs) nicht selbst einfach die Prophezeiung geschnappt haben, sondern Harry erst hinlocken mussten. Ansonsten wird im Film stets soviel aus dem Buch heraus erzählt (oder umgedichtet), dass die Handlung nachvollziehbar wirkt. Einige Aspekte vermisst man jedoch, zum Beispiel Vertiefungen auf Snapes (Alan Rickman) Vergangenheit, die in Deathly Hallows noch eine bedeutende Rolle spielen wird, und Kreacher. Dieser kommt im Film weitaus freundlicher daher und speziell seine bedeutsame Rolle im Finale der Ereignisse als deren Auslöser unterschlagen Goldenberg und Yates. Ebenso wie auch Sirius’ Bruder Regulus nicht zur Sprache kommt. Beide Figuren werden wohl im siebten und achten Film nochmals entsprechend gewürdigt werden, um Rickmans Figur ist jedoch besonders schade. Denn neben Harry ist Snape die Figur, die von entscheidender Bedeutung im Potterverse ist, sowohl im sechsten, als auch dann im achten Film.

Einige kleinere Details wurden im Film besser, andere schlechter gemacht. So wird Cho (Katie Leung) der Einfachheit halber zur (ungewollten) Verräterin von Dumbledores Armee und selbst als Harry die Wahrheit erfährt die Beziehung im Film nicht weiter thematisiert. Eventuell holt Yates dies in Half-Blood Prince, zumindest durch eine Erwähnung, nach. Dagegen kommt das Filmfinale weitaus ansehnlicher und vor allem intelligenter daher, als das literarische Pendant. Die Flucht der Jugendlichen vor den Todesessern ist weniger spektakulär und die Auseinandersetzung beschränkt sich auf ein Mindestmaß, sodass man schnell zu Sirius’ Tod überleiten kann. Auch der finale Kampf zwischen Dumbledore und Voldemort ist gefällig und selbst die abweichende Klimax von Voldemorts Angriff auf Harry ist akzeptabel (und vorausschauend hinsichtlich Deathly Hallows). Im Vergleich zu Drehbuch und Darsteller enttäuschen jedoch wieder die Spezialeffekte. Während man mit der Animation der Thestrals noch leben kann, ist Grawp ein vollkommener Griff ins Klo, was seine Erwähnung im Film noch unverständlicher macht. Allerdings hat man sich nach fünf Jahren damit abgefunden, dass die Filmreihe keine annehmbaren visuellen Effekte vorzuweisen hat. Ansonsten lässt sich sagen, dass Order of the Phoenix abgesehen von einigen Ausnahmen wohl die gelungenste direkte Adaption ist – auch hinsichtlich des Umfangs der Vorlage. Jedoch wäre hier noch etwas mehr Potential vorhanden gewesen und leider kommt der Film auch etwas ernsthafter bzw. realer daher, als noch Cuaróns verträumtes fantasievolles Abenteuer. Neben dem Beitrag des Mexikaners hat Yates jedoch die bisher beste Adaption abgeliefert.

7.5/10