Schon Oscar Wilde wusste, dass nur eines schlimmer ist, als wenn über einen geredet wird: wenn nicht über einen geredet wird. So in etwa ist auch die Philosophie von Alan Partridge, dem fiktiven inkompetenten Moderator, den der britische Schauspieler Steve Coogan 1991 für die BBC-Radiosendung “On the Hour” ins Leben rief. Der Sportreporter wurde so populär, dass im Lauf der Jahre drei Fernsehserien und mehrere Specials über ihn entstanden. Selbst in die Popkultur hielt Partridge Einzug, was ihn zu einer Art britischem Vorläufer von Will Ferrells Nachrichtenmoderator Ron Burgundy macht. In Alan Partridge: Alpha Papa wird die Figur jetzt aufs Kino losgelassen.
Im Film sieht sich Alan Partridge (Steve Coogan) an seinem Arbeitsplatz bei Norfolk Radio mit einem „Rebranding“ konfrontiert: Der Sender soll auf eine jüngere Zielgruppe zugeschnitten werden und fortan “Shape – The Way You Want It To Be” heißen. Im Zuge der fragwürdigen Modernisierung soll auch einer der Moderatoren entlassen werden – entweder Alan oder sein Kollege Pat Farrell (Colm Meaney). Alan, vom Überlebenswillen getrieben, macht kurzerhand Politik gegen den Konkurrenten und behält so seinen Job. Doch die abendliche Relaunch-Party verläuft anders als erwartet, als Pat mit einem Gewehr aufkreuzt und seine ehemaligen Kollegen als Geiseln nimmt.
Nun soll Alan für die Polizei mit Pat verhandeln. Eher widerwillig akzeptiert er und sieht kurz darauf in dem Medieninteresse die Chance, zurück ins Rampenlicht zu kehren. Dumm nur, dass Alan mehrmals Gelegenheit, die Geiselnahme zu beenden – dabei profitiert er am meisten davon, dass die Affäre weitergeht. Ein Zwiespalt, der für viele Lacher sorgt. So wenn Alan – beim Telefonat mit Assistentin Lynn – versehentlich über einen Notausgang das Gebäude verlässt und danach wieder einen Weg hinein finden muss. Oder wenn sich immer wieder die Chance bietet, Pat auszuschalten, und ein hin und her gerissener Alan sich stets dagegen entscheiden muss.
Stattdessen verbrüdert sich Alan mit Pat, dessen Situation er natürlich nur allzu gut nachempfinden kann. Schließlich entstammen die beiden derselben Generation alter (Radio-)Hasen, die sich in der total medialisierten Welt von heute nur bedingt zurechtfinden. Während die übrigen Geiseln um ihr Leben fürchten, lachen sich Alan und Pat derweil über YouTube-Videos kaputt. Dieses verquere Zusammenspiel zwischen dem Geiselnehmer und Geisel/Verhandlungsführer führt zu herrlichen Momenten, darunter dem Höhepunkt von Declan Lowneys Film: einem Dialog von Alan und Pat über die TV-Serie “Banged Up Abroad”, indirekt von der Polizei wiedergegeben.
Es ist Alans selbstvergessene Art, die ihn zum liebenswerten Trottel mutieren lässt – und Alan Partridge: Alpha Papa zur Komödie des Jahres macht. Dabei ist Alan keineswegs so blöd, wie er aussieht. Das beweist schon die Kreation eines Radio-Jingles in einer Stunde in einer Notsituation. Man muss ihn einfach gernhaben, wie er auf Teufel komm raus bestrebt ist, sich wieder ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken – ob er nun sein Auto mit “Alan Partridge drives this KIA” bedruckt oder sich für Naturalien zu Werbeauftritten beschwatzen lässt. Da sind die anderen Figuren nur Staffage, selbst „Antagonist“ Colm Meaney und Assistentin Lynn (Felicity Montagu).
Das tut dieser hervorragenden Komödie jedoch keinen Abbruch, im Gegenteil. Schließlich ist es Alan Partridge, den man in diesem Film sehen will (also gänzlich konträr zur Situation der Figur in ihrem fiktionalen Universum). Der Zuschauer kommt auch dann voll auf seine Kosten, wenn er Steve Coogans Alter ego zuvor noch nie erlebt hat. Vorwissen ist nicht vonnöten, um die Figur und ihren Charakter verstehen zu können. Vielmehr ist der komprimierte Ausflug von 90 Minuten in Alan Partridges Welt eher ein Pluspunkt. Declan Lowneys Alan Partridge: Alpha Papa führt jedenfalls dazu, dass über Alan Partridge (wieder) geredet wird – und zwar nur Gutes.
Im Film sieht sich Alan Partridge (Steve Coogan) an seinem Arbeitsplatz bei Norfolk Radio mit einem „Rebranding“ konfrontiert: Der Sender soll auf eine jüngere Zielgruppe zugeschnitten werden und fortan “Shape – The Way You Want It To Be” heißen. Im Zuge der fragwürdigen Modernisierung soll auch einer der Moderatoren entlassen werden – entweder Alan oder sein Kollege Pat Farrell (Colm Meaney). Alan, vom Überlebenswillen getrieben, macht kurzerhand Politik gegen den Konkurrenten und behält so seinen Job. Doch die abendliche Relaunch-Party verläuft anders als erwartet, als Pat mit einem Gewehr aufkreuzt und seine ehemaligen Kollegen als Geiseln nimmt.
Nun soll Alan für die Polizei mit Pat verhandeln. Eher widerwillig akzeptiert er und sieht kurz darauf in dem Medieninteresse die Chance, zurück ins Rampenlicht zu kehren. Dumm nur, dass Alan mehrmals Gelegenheit, die Geiselnahme zu beenden – dabei profitiert er am meisten davon, dass die Affäre weitergeht. Ein Zwiespalt, der für viele Lacher sorgt. So wenn Alan – beim Telefonat mit Assistentin Lynn – versehentlich über einen Notausgang das Gebäude verlässt und danach wieder einen Weg hinein finden muss. Oder wenn sich immer wieder die Chance bietet, Pat auszuschalten, und ein hin und her gerissener Alan sich stets dagegen entscheiden muss.
Stattdessen verbrüdert sich Alan mit Pat, dessen Situation er natürlich nur allzu gut nachempfinden kann. Schließlich entstammen die beiden derselben Generation alter (Radio-)Hasen, die sich in der total medialisierten Welt von heute nur bedingt zurechtfinden. Während die übrigen Geiseln um ihr Leben fürchten, lachen sich Alan und Pat derweil über YouTube-Videos kaputt. Dieses verquere Zusammenspiel zwischen dem Geiselnehmer und Geisel/Verhandlungsführer führt zu herrlichen Momenten, darunter dem Höhepunkt von Declan Lowneys Film: einem Dialog von Alan und Pat über die TV-Serie “Banged Up Abroad”, indirekt von der Polizei wiedergegeben.
Es ist Alans selbstvergessene Art, die ihn zum liebenswerten Trottel mutieren lässt – und Alan Partridge: Alpha Papa zur Komödie des Jahres macht. Dabei ist Alan keineswegs so blöd, wie er aussieht. Das beweist schon die Kreation eines Radio-Jingles in einer Stunde in einer Notsituation. Man muss ihn einfach gernhaben, wie er auf Teufel komm raus bestrebt ist, sich wieder ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken – ob er nun sein Auto mit “Alan Partridge drives this KIA” bedruckt oder sich für Naturalien zu Werbeauftritten beschwatzen lässt. Da sind die anderen Figuren nur Staffage, selbst „Antagonist“ Colm Meaney und Assistentin Lynn (Felicity Montagu).
Das tut dieser hervorragenden Komödie jedoch keinen Abbruch, im Gegenteil. Schließlich ist es Alan Partridge, den man in diesem Film sehen will (also gänzlich konträr zur Situation der Figur in ihrem fiktionalen Universum). Der Zuschauer kommt auch dann voll auf seine Kosten, wenn er Steve Coogans Alter ego zuvor noch nie erlebt hat. Vorwissen ist nicht vonnöten, um die Figur und ihren Charakter verstehen zu können. Vielmehr ist der komprimierte Ausflug von 90 Minuten in Alan Partridges Welt eher ein Pluspunkt. Declan Lowneys Alan Partridge: Alpha Papa führt jedenfalls dazu, dass über Alan Partridge (wieder) geredet wird – und zwar nur Gutes.
8/10



Justice will be served.
Nach dem ausgeblendeten Verbrechen springt Law Abiding Citizen direkt zur Strafverhandlung. Wir lernen Nick Rice (Jamie Foxx) kennen, einen afroamerikanischen Staatsanwalt, der sein Studium an der Abendschule gemacht hat. “Law school’s got nothing to do with law”, weiß der karrieregeile Nick, der mit Ablehnung zu seinem Vorgesetzten, einem Harvard-Alumnus, aufblickt. Nick ist ein aufstrebender Anwalt, mit einer Verurteilungsrate von 96 Prozent, was als Ausgangsbasis des Filmes dient. Denn vermutlich wegen dieser Rate vertraut ihm der leitende Staatsanwalt Jonas (Bruce McGill) den Shelton-Fall an – was bei Nick jedoch Vorsicht auf den Plan ruft. Anstatt vor Gericht zu gehen, will er lieber einen Deal mit dem Anwalt des Haupttäters eingehen. Als Jonas erwähnt, dass ein Kind getötet wurde, entgegnet Nick lediglich, dass es ein “unperfect system” sei. Den Hinweis seines Chefs, dass er den Fall gewinnen könne, lehnt der Staatsanwalt sofort ab. “Can’t take that chance”, meint er in Bezug auf seine nahezu makellose Verurteilungsrate.
Clyde lässt sich ohne Widerstand verhaften, wird inhaftiert und anschließend von Nick aufgrund seiner Tat gelobt (“What you did…bravo”). Er weiß, dass die Täter schuldig waren, ihre seiner Ansicht nach gerechte Strafe erhielten sie aber erst durch Clydes Verhalten. Nick hat nichtsdestotrotz keine Skrupel, schnellstmöglich dessen Geständnis zu kassieren, ihm den Rücken zuzuwenden und wieder seiner Karriere zu frönen. Clydes Fall landet vor der Untersuchungsrichterin, jener Frau, die bereits den Mord seiner Familie verhandelte. Aufgrund fehlenden Beweismaterials gelingt es Clyde vor Gericht jedoch, eine Kaution für sich auszuhandeln, die dieser gleich darauf mit höhnischem Beifall quittiert. “How misguided are you?”, fragt er die Richterin, ehe er das eigentliche Problem des Filmes in den Saal brüllt. “Do you have any idea what justice is? Whatever happened to right and wrong? Whatever happened to the people? Whatever happened to justice?” Clydes Lehrstunde hat soeben ihren Anfang gefunden.
Es ist das filmische Vorhalten eines Spiegels, der dem bürokratischen Apparat sein Scheitern vor Augen führt. Denn erst durch die Missachtung des Gesetzes gelingt es schließlich, Clyde zur Strecke zu bringen. Erst durch die Außerkraftsetzung der Verfassung, scheint Gerechtigkeit möglich. Und wenn am Ende Nick selbst zum Mörder werden muss, wie Clyde, um Gerechtigkeit zu erfahren, wie Clyde, dann schließt sich im Grunde der Kreis. Law Abiding Citizen ist nicht Clydes Geschichte, es ist Nicks Geschichte. Das Handeln eines aalglatten Staatsanwaltes, der den Mord an einer Familie hinter seine eigene Karriere zurückstellt und sich ein selbstgefälliges Grinsen auch dann nicht verkneifen kann, wenn sein Chef und sein Protege (Leslie Bibb) gestorben sind und er von der Bürgermeisterin befördert wird. Im Verlaufe des Filmes verrät Nick somit alles, was ihn zu Beginn ausgezeichnet hat. Am Ende hat er nicht nur die Verfassung gebrochen, sondern ist letztendlich selbst zum Mörder verkommen. “It’s an unperfect system.”
Über das Missverständnis von Justiz und Gerechtigkeit hatte Friedrich Dürrenmatt vor 25 Jahren seinen Roman Justiz verfasst, in welchem, ähnlich zu Grays Film, eine offensichtliche Tat aufgrund von juristischen Hindernissen keine „Gerechtigkeit“ erfährt (“It’s not what you know. It’s what you can prove in court”