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1. September 2012

Filmtagebuch: August 2012

AMERICAN DREAMZ
(USA 2006, Paul Weitz)
3/10

THE BOURNE IDENTITY
(USA/D/CZ 2002, Doug Liman)
6/10

THE BOURNE SUPREMACY
(USA/D 2004, Paul Greengrass)
6.5/10

THE BOURNE ULTIMATUM
(USA/D 2007, Paul Greengrass)
6/10

BROKEN ARROW
(USA 1996, John Woo)
7/10

CRAWL
(AUS 2012, Paul China)
4.5/10

THE EXPENDABLES
(USA 2010, Sylvester Stallone)
7/10

THE EXPENDABLES 2
(USA 2012, Simon West)
6.5/10

GRABBERS
(UK/IRL 2012, Jon Wright)
6.5/10

HALF NELSON
(USA 2006, Ryan Fleck)
7.5/10

HAYWIRE
(USA/IRL 2011, Steven Soderbergh)
4/10

HOT ROD
(USA 2007, Akiva Schaffer)
9/10

LOUIE - SEASON 1
(USA 2010, Louis C.K.)
7/10

MACHINE GUN PREACHER
(USA 2011, Marc Forster)
4/10

MEAN STREETS
(USA 1973, Martin Scorsese)
6.5/10

THE NEWSROOM - SEASON 1
(USA 2012, Greg Mottola u.a.)
8/10

MR. NOBODY
(CDN/F/B/D 2009, Jaco Van Dormael)
3.5/10

PARADISE LOST: THE CHILD MURDERS AT ROBIN HOOD HILLS
(USA 1996, Joe Berlinger/Bruce Sinofsky)
6/10

PARADISE LOST 2: REVELATIONS
(USA 1996, Joe Berlinger/Bruce Sinofsky)
5/10

PAWN STARS - SEASON 1
(USA 2009, Jairus Cobb)
7.5/10

PUMPING IRON
(USA 1977, George Butler/Robert Fiore)
5.5/10

THE RUM DIARY
(USA 2011, Bruce Robinson)
6.5/10

SAND SHARKS
(USA 2012, Mark Atkins)
6/10

THE SECRET LIFE OF WORDS
(E 2005, Isabel Coixet)
5.5/10

STARSHIP TROOPERS: INVASION
(USA/J 2012, Aramaki Shinji)
4/10

STEVIE
(USA 2002, Steve James)
7.5/10

TAPPED
(USA 2009, Stephanie Soechtig/Jason Lindsey)
3/10

TED
(USA 2012, Seth MacFarlane)
7.5/10

TEENAGE MUTANT NINJA TURTLES
(USA/HK 1990, Steve Barron)
8/10

TRAINSPOTTING
(UK 1996, Danny Boyle)
7/10

TRUE BLOOD - SEASON 5
(USA 2012, Michael Lehman u.a.)
7.5/10

WE NEED TO TALK ABOUT KEVIN
(USA/UK 2011, Lynne Ramsay)
8/10

WHORE’S GLORY
(D/A 2011, Michael Glawogger)
8.5/10

Werkschau: Darren Aronofsky


PI
(USA 1998, Darren Aronofsky)
6.5/10

REQUIEM FOR A DREAM
(USA 2000, Darren Aronofsky)
10/10

THE FOUNTAIN
(USA/CDN 2006, Darren Aronofsky)
9/10

THE WRESTLER
(USA/F 2008, Darren Aronofsky)
8.5/10

BLACK SWAN
(USA 2010, Darren Aronofsky)
5.5/10

18. September 2010

Kurz & Knackig: US-Serien Teil IV

Better Off Ted - Season Two

Friendship. It’s the same as stealing.

Manche Serien haben es nicht leicht. Sie kämpfen und widersetzen sich, durchaus geschätzt, aber nicht wirklich angenommen. Better Off Ted ist so eine die-hard-Serie, deren Finalfolgen der ersten Staffel bereits ausgesetzt und schließlich in den Sommer verschoben wurden. Nach langem Hin und Her wurde die Sitcom von Victor Fresco doch für weitere 13 Episoden verlängert - nur damit sich das Spiel dann wiederholte. Die letzten zwei Folgen wurden nicht ausgestrahlt, die Serie dieses Mal nicht für eine weitere Staffel verlängert. Immerhin zeigte sich ABC kulant genug, die verbliebenen Folgen erneut im Sommer doch noch zu senden. Was umso erfreulicher ist, da sie sehr gelungen sind. Mit Better Off Ted verlässt nun eine Serie die Showbühne, die nicht nur Potential hatte, sondern dies bisweilen auch mehr als gekonnt zur Schau stellte. Letztlich war es aber wohl ihre Inkonsistenz, die ihr zum Verhängnis wurde - war der Wechsel zwischen „Durchschnitt“ und der Preisklasse darüber doch zu stark.

Bei Veridian Dynamics ist alles beim Alten. Immer noch arbeitet Ted (Jay Harrington) für seine Vorgesetzte Veronica (Portia de Rossi) - und manchmal auch gegen sie - um das Wohl der Entwicklungsfirma, die sich zuallererst einmal um sich selbst kümmern - und dann um niemanden mehr. Hier versuchen die nerdigen Wissenschaftler Phil (Jonathan Slavin) und Lem (Malcolm Barrett) sich an neuen nützlichen Erfindungen - wenn sie nicht gerade irrwitzige und eigensinnige Ideen in die Tat umzusetzen. Des Weiteren bleibt die sexuelle Spannung zwischen Ted und seiner Mitarbeiterin Linda (Andrea Anders) bestehen, die jedoch nie vollends kanalisiert wird. In der zweiten Staffel geht es dabei weniger um einfallsreiche Erfindungen wie noch im Vorjahr, sondern eher um bürokratische Eitelkeiten, wie vermeintliche sexuelle Belästigung (The Great Repression) oder die Freiheit, jeden zu beschimpfen (The Impertence of Communicationizing). Bedauerlicherweise nehmen sich gleichzeitig jedoch die Veridian-Dynamics-Werbespots etwas zurück.

Den Vorwurf der Durchschnittlichkeit muss sich die zweite Staffel von Better Off Ted über weite Strecken zu Recht gefallen lassen. Nur selten schöpft die Show ihr Potential vollends aus, obschon es jederzeit vorhanden wäre. Erkennbar machen dies Folgen wie It's My Party and I'll Lie If I Want To oder die nahezu perfekte Episode Change We Can’t Believe In. Leider knüpfen die übrigen Geschichten aber nicht an dieses Niveau an. Woher diese abweichende Qualität kommt, ist fraglich, letztlich scheint sie der Serie jedoch das Genick gebrochen zu haben. Insofern ist es nachvollziehbar, dass bei lediglich 2,5 Millionen Zuschauern zuletzt (weniger als die Hälfte, die noch die Pilot-Folge gesehen hatte) nun der Saft abgedreht wird bei Veridian Dynamics. Immerhin sind viele der Darsteller versorgt. Der sympathische Harrington wird neben Bill Pullman die Hauptrolle in der NBC-Serie Nathan vs. Nurture übernehmen und die brillante Portia de Rossi wartet auf den Arrested Development Kinofilm, der 2012 erscheinen soll.

7.5/10

Futurama - Season Six

As if Futurama has never been cancelled by idiots.

Was haben Matt Groenings Futurama und Seth MacFarlanes Family Guy gemeinsam? Beide wurden von der Fox Broadcasting Company abgesetzt und später wieder ins Leben gerufen. Während sich Family Guy wieder munter auf Fox austobt, wurde Futurama an Comedy Central weitergereicht. Nachdem die 16 Folgen der fünften Staffel in Form von 4 Filmen a 4 Episoden herausgebracht wurden (von denen eigentlich nur Bender’s Big Score als gelungen angesehen werden kann), kehrt die sechste Staffel zu klassischen Einzelepisoden zurück. In 12 Folgen dürfen nun also Fry, Leela und Bender wieder mit ihrem Planet Express Raumschiff durch die Galaxie fliegen und dabei nicht nur dem Ende der Erde, sondern auch den Beziehungsproblemen der Hauptfiguren ins Auge blicken. Hierbei kann vorab schon konstatiert werden, dass die Einzelauswertung der Serie sehr viel gesünder bekommt, als ihr letztjähriges Filmkonzept. Zwar ist Futurama nicht auf altem Niveau, aber etwas Nostalgie blitzt durchaus auf - good news everyone.

Die auffälligste Veränderung dürfte sich in der Beziehung zwischen Fry und Leela finden. Diese wird jedoch nicht kontinuierlich thematisiert, so dass in manchen Episoden der Eindruck entsteht, die Beiden wären nicht zusammen, während sie es in anderen Folgen ziemlich eindeutig sind. Das Hin und Her der Zwei ist dabei so nervig wie eh und je, wenn auch in abgeschwächter Form nun nicht mehr ganz so präsent. Ähnlich verhält es sich jedoch, als Bender in Proposition Infinity mit Amy gepaart wird, was zwar physisch keinen Sinn macht, dafür aber immerhin politisch verwertbar wird, wenn Verweise auf die kalifornische Proposition 8 eingespeist werden. Auch sonst werden kulturelle Aspekte aufgegriffen, beispielweise der Hype ums iPad in Attack of the Killer App oder Lolcat in The Darn Katz!. Ansonsten treibt es die Charaktere in Folgen wie In-A-Gadda-Da-Leela, The Duh-Vinci-Code oder A Clockwork Origin auf fremde Planeten, beziehungsweise in The Late Philip J. Fry in fremde Zeiten auf der Erde.

Ein Wiedersehen gibt es mit vielen der liebgewonnen Figuren wie Mom, Scruffy, Kif und Zapp Brannigan, bis hin zu Elzar, Calculon, Lrrr und Hypnotoad. Die Qualität der Folgen bewegt sich dabei wie angesprochen auf einem höheren Niveau als zuletzt Into the Green Wild Yonder, bleibt jedoch hinter den guten alten Zeiten der ersten Staffel zurück. Es ist der zweiten Hälfte der sechsten Staffel (bzw. der ersten Hälfte der sechsten Staffel) zu verdanken, dass sich Futurama noch in die Durchschnittlichkeit rettet, fielen gerade die kulturellen Episoden (Proposition 8/iPad) besonders schwach aus. Seinen Höhepunkt findet das sechste Jahr in A Clockwork Origin, wenn die Evolutionstheorie auf einem fremden Planeten mit Nanobots nachgespielt wird. Gastsprecher machen sich auch dieses Mal wieder rar, sieht man von George Takei ab, der inzwischen fast schon zur Requisite gezählt werden darf (dabei gäbe es ja Potential bei Comedy Central). Immerhin haben die verbleibenden 14 Episoden, die ab November bis 2011 ausgestrahlt werden, somit Luft nach oben.

7/10

True Blood - Season Three

Trash is as trash does.

Über True Blood sprach man ja zuletzt sehr häufig, nicht nur weil die beiden Hauptdarsteller Anna Paquin und Stephen Moyer erstens zusammen und zweitens verlobt sind, sondern wegen der Tatsache, dass die Paquin ihr Coming Out hatte - sozusagen. Bisexuell sei sie und irgendwie passte das ganz zu ihrer HBO-Serienfigur der Sookie Stackhouse. Diese ist im dritten Jahr besonders nervtötend, wenn sie ihr Gänseblümchen-Spiel mit Vampir-Lover Bill (Ich lieb ihn, Ich lieb ihn nicht, Ich lieb ihn, Ich lieb ihn nicht, ∞) bis(s) zum Erbrechen - ja, ich musste diesen lahmen Wortwitz nochmals auswälzen - fortführtt. Immerhin: HBO propagiertt im dritten Jahr weniger Sex, Sex, Sex (aber keine Sorge, die Paquin streckt dennoch ihre Titten in die Kamera) und dafür vermehrt: Gore, Gore, Gore. Süßer die Vampire nie zerspringen, als Umtextung des Weihnachtsklassikers. Es zerbersten die Vampire en masse in der dritten Staffel, wie auch sonst Schädel eingedroschen werden und sonstiger Splatter-Scheiß über den Bildschirm trifft. Geilo!

Man vergisst fast, dass es eine Handlung (lies: „Handlung“) gibt. Bill (Stephen Moyer) hält also um Sookies (Anna Paquin) Hand an, wird jedoch von Mississippis Vampirkönig Russell Edgington (Denis O’Hare) entführt - durch Werwölfe! Aber nein, kein Taylor Lautner ist am Start, dafür jedoch Joe Manganiello als Alcide - der Werwolf, dem die Frauen vertrauen. Es gibt ne Buchse voll neuer Figuren: Neben Alcide auch die Wer-Pantherin Crystal (Lindsay Pulsipher), die schwule Hexe Jesus (Kevin Alejandro) und Sam Merlottes (Sam Trammell) kleiner Bruder und Gestaltwandler Tommy (Marshall Allman). Man könnte fast meinen, normale Leute gibt es nicht mehr in Bon Temps und vermutlich denkt die emotional (und auch körperlich) total gefickte Tara (Rutina Wesley) genau dasselbe. Dabei kochen die Figuren meist ihr eigenes Süppchen. Jason (Ryan Kwanten) versucht sich als Hilfssheriff, Tara versucht, ihren soziopathischen Vampir-Stecher loszuwerden, Sam versucht, mit seiner white trash Familie zu Recht zu kommen und Sookie - egal.

Grob dem dritten Band Club Dead von Schriftstellerin Charlaine Harris folgend, ist die Haupthandlung die on-and-off-Beziehung zwischen Sookie und Bill, sowie Erics (Alexander Skarsgård) Versuch, sich an Russell Edgington, dem Mörder seines Vaters, zu rächen. Derweil folgen Nebenfiguren wie Lafayette (Nelsan Ellis), Hoyt (Jim Parrack) und Arlene (Carrie Preston) ihrer eigenen Story. Viele Nebenkriegsschauplätze, die ausgelutscht werden wie sonst etwas. Wofür Alan Ball hier zwölf Episoden braucht, hätte wieder mal locker in der Hälfte erzählt werden können. Am gelungensten ist da noch Everything Is Broken, aber auch das Staffelfinale Evil Is Going On gefällt - weil es so schlecht ist, dass es dank Trash-Faktor schon wieder unterhält. Wie sagt es Jason im Finale so schön: “Sometimes the right thing to do is the wrong thing. And I know I did the right thing“. Aber: True Blood steigert sich im Vergleich zur lahmen zweiten Staffel. Und wenn der Trash-Faktor des Staffelfinales fortlebt, wird das noch eine grandiose Serie. Trash is as trash does.

7.5/10

Entourage - Season Seven

I don't care if Justin Bieber calls and wants me to negotiate the rights to his virginity.

Wenn die Hauptfigur einer Serie - oder in diesem Fall: Sitcom - überflüssig wird, hat besagte Show ein Problem. Ein großes Problem. Dabei trat dies bereits in der sechsten Staffel auf. Als Hollywood-Star Vincent Chase (Adrian Grenier) zur „blassesten aller Nebenfiguren degradiert“ wurde. Weitere Urteile waren Perspektivlosigkeit und eine fehlende Handlung. Keine Erkältung, sondern wohl eher ein krebsartiges Geschwür. Quo vadis, Entourage? Serien-Schöpfer Doug Ellis verliert sich nicht nur in (s)einer Perspektiv-, sondern verstärkt in einer Planlosigkeit. Probleme werden gezwungen heraufbeschworen, aus Gründen, die nicht nur keiner kennt, sondern die im Grunde nicht nötig waren. Vinnies Karriere zog wieder an, Drama (Kevin Dillon) hatte seine Fernsehserie, Turtle seine berühmte Freundin Jamie-Lynn Sigler und Eric (Kevin Connolly) feierte Verlobung mit seiner großen Liebe, Sloan (Emmanuelle Chriqui). Was wünscht man sich mehr? Quoten. Produzent Marky Mark zwingt die Serie in zwei weitere Staffeln - und damit an den Abgrund.

Tabula Rasa also. Drama ist die TV-Show los, Turtle die Freundin und Vince die Rehabilitation. Das, was die Macher eine Handlung nennen, ist schnell umrissen. Drama versucht (s)eine neue Fernsehserie zu kreieren, schlägt das vermeintlich gute Exposé von Billy Walsh (Rhys Coiro) jedoch (vorerst) aus. Turtles eigenes Chaffeur-Unternehmen scheitert, auch wenn Ex-Fahrerin Alex (Dania Ramirez) ihn zwischen ihre Beine und zu einer mexikanischen Tequila-Firma führt. Eric wiederum verliert sich in Eifersüchteleien zwischen seinem Kollegen Scott (Scott Caan) und Vince. Und Letzterer beginnt eine Liaison mit Porno-Darstellerin Sasha Grey und startet eine Karriere als Kokssüchtiger. Last but not least wäre da noch Ari (Jeremy Piven) zu nennen, der eigentlich nur eines will: Sein eigenes L.A.-Football-Team. Doch seine ehrgeizige Agentin Lizzie Grant (Autumn Reeser) macht ihm einen Strich durch die Rechnung - indem sie und Aris Nemesis Amanda Daniels (Carla Gugino) ihn zerstören wollen.

Die meisten dieser Handlungsstränge werden früh eingeführt und stagnieren dann bis zum bitteren Ende. Ein mühseliges Szenario, das durch die wachsende Animosität gegenüber Vinnies Figur noch anstrengender wird. Da hilft auch nicht, dass Ellis mit Namen wie John Stamos, Nick Cassavetes, Peter Berg, Jessica Simpson, Christina Aguilera, Sean Combs, Eminem, John Cleese oder US-Sport-Gesichtern wie Mark Cuban, Chris Bosh und Co. versucht das Showbusiness vertretbarer zu machen. Es tut weh, den sich bemühenden Ari leiden zu sehen. Und es schmerzt noch mehr, wenn eine unsympathische Figur wie E plötzlich zu den Sympathischen zählt. Nach annehmbarem Start driftet Entourage in seiner siebten und schwächsten Staffel in die Bedeutungslosigkeit ab. Stunted und Dramedy sind noch die gelungeneren Folgen, während die grausige zweite Hälfte und die Ankündigung, dass die achte (und letzte Staffel) wohl nur über sechs Folgen verfügt, ein rasches Ende nur umso schneller herbeisehnen lässt.

7/10

Covert Affairs - Season One

Blind guy leading you around the CIA. Insert ironic joke here.

Mit Ende des Kalten Krieges schien auch der Bedarf an Spionage-Filmen zurück zu gehen, auch wenn Martin Campbell 1995 Pierce Brosnan in GoldenEye erneut auf die Russen losließ. Dass der von Matt Damon verkörperte Jason Bourne dem Genre neues Leben eingehaucht hat, lässt sich leider nicht leugnen, obschon die Bourne-Reihe selbst eher … lassen wir das. Auch dieses Jahr tummeln sich wieder Spezial- und Geheimagenten in der Filmwelt, sei es Tom Cruise in Knight & Day oder Angelina Jolie in Salt. Es verwundert also nicht sonderlich, dass Bourne Identity-Regisseur Doug Liman, zugleich auch verantwortlich für die Agenten-Action-Komödie Mr. and Mrs. Smith, als ausführender Produzent der Agenten-Serie Covert Affairs auf dem Fernsehsender USA Network fungiert. Über fünf Millionen Amerikaner begeisterten sich wöchentlich für die Serie, in der Altersgruppe zwischen 18 und 49 war Covert Affairs sogar Spitzenreiter bei den Produktionen fürs Kabelfernsehen.

Der ausschlaggebende Sichtungsgrund findet sich in Piper Perabo. Die Coyote Ugly-Darstellerin verkörpert CIA-Rookie Annie Walker, die von der Ausbildung direkt ins kalte Wasser in Langley geworfen wird. Hier trifft sie auf Augie (Christopher Gorham), einen blinden Technik-Spezialisten, und auf ihre Vorgesetzte Joan Campbell (Kari Matchett), die mit dem Abteilungsleiter Arthur Campbell (Peter Gallagher) verheiratet ist. Zur CIA trieb die Sprachwissenschaftlerin Annie eine verflossene Liebe. Zwei Jahre zuvor hatte sie in Sri Lanka den charmanten Ben Mercer (Eion Bailey) kennen und lieben gelernt. Doch nach wenigen Wochen verschwand dieser eines Morgens. Eine Beziehung, von der die CIA weiß, war Mercer doch einst selbst Agent, der inzwischen untergetaucht ist. Annie wird fortan zumindest unterschwellig als Spielball benutzt, um Mercer aus der Reserve zu locken, der seiner eigenen Agenda folgt, die sich immer öfter mit Annies Missionen kreuzt. Dass ein Maulwurf Interna an die Presse verrät, hilft dabei wenig.

In elf Episoden darf sich Annie nun in In- und Auslandsmissionen behaupten, dabei neben Augie primär Unterstützung erfahrend durch Kollege Jai Wilcox (Sendhil Ramamurthy), der nach der Pilotfolge Eric Livelys identisch aufgebauten Conrad Sheehan ersetzt. Ansonsten wartet die Serie mit Nebenfiguren wie Emmanuelle Vaugier als Journalistin mit internen Informationen und kleineren Gastdarstellern wie Oded Fehr (The Mummy), Sienna Guillory (Eragon), Eriq La Salle (ER), Lauren Holly (Dumb and Dumber) oder Anna Chlumsky (In the Loop) auf. Nun reißt Covert Affairs bei weitem keine Bäume aus und an sich findet sich die gelungenste Episode bereits in Pilot, dem Serienauftakt. Was Limans Serie dafür auszeichnet, ist ihre durchschnittliche Konstanz und insbesondere das harmonisch-sympathisch aufspielende Duo Perabo und Gorham. Gerade Letzterer verkörpert den blinden Augie durchaus überzeugend, was für manch schwach ausgearbeitete Handlung entschädigt. Kein Wunder also, dass die Serie eine zweite Staffel erfährt.

7/10

10. Juni 2010

True Blood - Season Two

I’d die if I wasn’t already dead.

Liebe auf den ersten Blick wird gerne als Mythos angesehen. Ausnahmen bestätigen die Regel. Generell wird jedoch auch gesagt, mal soll nicht immer nach dem ersten Eindruck gehen. Manche Dinge wachsen mit der Zeit. Speziell auch Fernsehserien, in ihrer bekanntesten Form auf diesem Blog hier Chuck. In der ersten Staffel noch kritisch beäugt, steigerte sich die Comedy-Show von Josh Schwartz schließlich im darauffolgenden Jahr. Was sie zu keiner herausragenden, aber letztlich doch unterhaltsamen Serie macht. Aber Ausnahmen bestätigen die Regel. Andere Formate wie Breaking Bad wissen dagegen auch in ihrer zweiten Instanz keine sonderliche Verbesserung mit sich zu bringen, bleiben also auf demselben Niveau. Dass dies bei einer HBO-Serie nicht viel anders ist, dürfte kaum überraschen. Die Formate des Pay-TV-Senders bestechen durch ihre Redundanz und Stagnation. Was man gut finden kann, aber nicht muss.

„Mein Problem mit den Sopranos ist, dass sich weder die Serie noch die Figuren weiterentwickeln“, schrieb ich einst zur zweiten Staffel von The Sopranos. Einer Serie, die ich aus ebendiesem Grunde auch Anfang der dritten Staffel abbrach. Etabliert HBO seine Figuren erst einmal, hat es sich damit an sich oft auch. Egal ob Carrie Bradshaw, Tony Soprano oder Sookie Stackhouse (Anna Paquin), sie sind, was sie waren und sie bleiben, was sie sind. Verzeiht man einem Film noch hier und da die eine oder andere Redundanz, fällt einem dies bei einer 10-stündigen Serienstaffel schon schwieriger. Etwas, das besonders in der zweiten Staffel von Alan Balls Literaturadaption True Blood bemerkbar wird. Speziell in der zweiten Hälfte der Staffel wiederholt sich eigentlich ein und derselbe Handlungsstrang wieder und wieder. Was dazu führt, dass die präsentierte Handlung zum einen langweilig wird und zum anderen zu nerven anfängt.

Ähnlich wie in Tolkiens The Two Towers teilt sich nun die Handlung in drei Gruppen auf. Ein neuer Mord ist in Bon Temps geschehen, was aber schon bald keine Rolle mehr spielt, weil Sookie ins Fangtasia gerufen wird, um Eric (Alexander Skarsgård) einen Gefallen zu tun. Sein Schöpfer und Sheriff von Dallas, Godric, ist verschwunden, und Sookie soll bei der Suche behilflich sein. Gemeinsam mit Vampir-Stecher Bill (Stephen Moyer) geht es ab nach Texas, wo die Spur schnell zur sektiererischen Anti-Vampir-Kirche Fellowship of the Sun führt. Bei denen ist inzwischen Sookies Bruder Jason (Ryan Kwanten) ziemlich engagiert, macht er doch die Kirche für seine Gefängnisrettung Ende der ersten Staffel verantwortlich. In Bon Temps treibt derweil die Teufelsanbeterin Maryann (Michelle Forbes) ihr Unheil, verschlägt die ganze Stadt rund um Tara (Rutina Wesley) in ihren Bann und will Sam (Sam Trammell) ihrem geliebten Gott opfern.

Wie schon der Vorgänger (und auch die kommenden Nachfolger) basiert die zweite Staffel auf dem jeweiligen Band von Charlaine Harris’ Romanreihe. In diesem Fall Living Dead in Dallas. Die oben genannten Haupthandlungsstränge werden ergänzt von kleineren Subplots wie Lafayette (Nelsan Ellis), der zu Beginn von Eric als Sklave im Keller gehalten wird, weil er Vampirblut verkauft hat. Oder der romantischen Beziehung zwischen Bills Schöpfung Jessica (Deborah Ann Woll) und dem Muttersöhnchen Hoyt (Jim Parrack). Überblickt man nun diese ganzen Haupt- und Nebenhandlungen, könnte man meinen, sie würden die zwölf Episoden der Staffel ausreichend füllen. Das Gegenteil ist der Fall. Was Ball dieses Jahr zu erzählen hat, hätte auch problemlos in der Hälfte der Episoden zusammengefasst werden können. So schleichen sich wie erwähnt besonders in der zweiten Hälfte der Staffel unentwegt Redundanzen ein, die irgendwann eintönig werden.

Beliebte Szenen sind das Anknurren von Bill und Eric, da Letzterer inzwischen Gefallen an Sookie gefunden hat, aber besonders die Szenerie in Bon Temps lädt zum munteren Déjà-vu ein. Hier folgt eine von Maryann inszenierte Orgie auf die Nächste, was die Gelegenheit für viele Kopulationsszenen bietet. Hinzu kommen dann ekstatische Gewaltausbrüche, beispielsweise von Tara und ihrem boy toy Eggs (Mehcad Brooks), die sich im zweiten Akt der Staffel mehr als einmal genüsslich gegenseitig herbatschen. Es ist besonders die Integration von Maryann, die True Blood im zweiten Jahr das Genick bricht. Ihr Handlungsstrang ist so dermaßen schlecht ausgearbeitet, dass nicht nur sie einem absolut egal ist, sondern eigentlich auch die restlichen Figuren (einschließlich der Charaktere, die sich nicht in Bon Temps aufhalten). Dies führt letztlich dazu, dass sich in der zweiten Staffel der Serie keine Folge sonderlich auszuzeichnen vermag.

Sieht man von den zahlreichen Orgien ab, hält sich auch die von HBO so gern betrieben Sexualisierung etwas in Grenzen. Auch wenn Ball in der Auftaktfolge Nothing But the Blood besonders pervers zu Gange geht, wenn er Bill und Sookie erst streiten, neunzig Sekunden später dann vögeln, er sie beißen und ihr dann ihr eigenes Blut anschließend in den Mund rotzen lässt. Snowballing a la Vampir ist das dann wohl. Ob man so etwas sehen will, ist eine andere Frage. Einzig erwähnenswerter Gaststar ist dieses Jahr dann Evan Rachel Wood in einer ziemlich überflüssigen Rolle, die mit unwahrscheinlich dümmlichen Textzeilen ausgestattet wurde. Im Gegensatz zum Vorjahr kann diesmal das Staffelfinale Beyond Here Lies Nothing gefallen, allerdings nur aus dem Grund, weil der ganzen Chose nach elf langen Folgen endlich ein Ende gesetzt wird. Liebe auf den ersten Blick war True Blood keineswegs. Leider wächst die Serie aber auch nicht mit den Jahren.

6.5/10

7. Juni 2010

True Blood - Season One

All anyone’s thinking about here is sex, sex, sex.

In Spanien führte das Ende des Franquismus, der das Land gut vier Jahrzehnte lang unterdrückte, unter anderem zur movida madrileña, einer Kulturbewegung der spanischen Hauptstadt, der auch der junge Pedro Almodóvar angehörte. Dessen erste Filme, Pepi, Luci, Bom y otras chicas del montón und Laberinto de pasiones sind dann vor allem eins: obszön und vulgär. Aus dem einfachen Grund, weil man nun vulgär und obszön sein durfte, bedeutete das Ende des Diktators doch den Anfang der Freiheit. In ähnlicher Weise ließe sich so auch das Konzept des amerikanischen Pay-TV-Senders Home Box Office, kurz „HBO“ genannt, beschreiben. Der Sender präsentiert Fernsehserien, die das zeigen, was die Network-Sender nicht ausstrahlen dürfen: Titten und Sex. Egal ob Sex and the City, Six Feet Under oder seit zwei Jahren Alan Balls True Blood, Sex wird bei HBO groß geschrieben und verkommt zum fast schon primären Narrationsmittel. Aus dem einfachen Grund, weil man es darf. Ob das hilft, ist eine andere Frage.

Das vergangene Jahrzehnt wird gerne als die Ära der Superhelden-Filme angesehen. Dabei treiben sich fast genauso viele Vampire herum. Der lebende Untote feiert Renaissance, sowohl in der Literatur- wie Filmwelt. Und so viele verschiedene Reihen es gibt, sind sie sich doch alle ähnlich. Junges hübsches Menschen-Mädchen darf sich in blassen, knackigen Vampir-Boy verknallen. Bevorzugt aus dem 19. Jahrhundert, weil sich da ein schöner Bezug zum Unabhängigkeits- und Bürgerkrieg finden lässt. Stephenie Meyers Twilight-Serie läuft hier noch am erfolgreichsten mit ihren Kinoadaptionen rund um R-Pattz und K-Stew. Dabei sprang Meyer nur auf den Zug auf, den einige Jahre zuvor Charlaine Harris mit ihrer The Southern Vampire Mysteries-Reihe in Gang gebracht hat. Allerdings publizierte L.J. Smith ein Jahrzehnt zuvor bereits ihre The Vampire Diaries-Reihe. Dementsprechend mutet das Vampir-Genre wie eine Großküche an, in der sich jeder desselben Rezeptes bedient und lediglich die eine oder andere Zutat hinzufügt oder weglässt.

Alan Ball, Schöpfer der hochgeschätzten Serie Six Feet Under, nahm sich nun Harris’ Romanreihe an und basierte seine neue HBO-Serie True Blood auf Dead Until Dark, den ersten Roman der Southern Vampire Mysterie-Reihe. Hier dreht sich alles um die Einwohner der kleinen Stadt Bon Temps in Louisiana. Stadtzentrum ist die Kneipe „Merlotte’s“ von Sam Merlotte (Sam Trammell), wo die Hälfte der Figuren arbeitet und die andere Hälfte zum Trinken herkommt. Dreh- und Angelpunkt ist die telepathische Kellnerin Sookie Stackhouse (Anna Paquin), in die Sam verschossen ist, die sich aber Hals über Kopf in den Vampir Bill Compton (Stephen Moyer) verknallt. Vampire leben in True Blood als „geoutete“ Minderheit, dank dem japanisch-synthetischen Kunst-Blut „True Blood“. In schöner Rassismus-Parabel sind nun die Vampir-Amerikaner die Diskriminierten, als fangs verunglimpft (ihre Sexpartner dagegen als fang banger) und somit auch von den Einwohner Bon Temps’ misstrauisch beäugt.

Zu letzterer Gruppe zählt neben Sam auch Sookies sexsüchtiger Bruder Jason (Ryan Kwanten) und ihre beste Freundin Tara (Rutina Wesley). Während die anderen Figuren also im abwechselnden Spiel Sookie davon abraten, sich mit Bill einzulassen, treibt ein Frauenmörder beziehungsweise vermeintlicher Fang-Banger-Mörder sein Unwesen. Bevorzugt killt er Frauen, die mit Jason Stackhouse in der Kiste waren, sodass dieser bei den örtlichen Behörden (Chris Bauer und J.F. Sebastian William Sanderson) Hauptverdächtiger Nummer Eins ist. Es handelt sich hierbei um zwei Handlungsstränge, die recht leidlich funktionieren, ohne besonders mitreißen zu können, auch oder gerade aufgrund der ausufernden Laufzeit von rund fünfzig Minuten pro Folge. Es gibt das klassische Hin und Her zwischen den Hauptfiguren, dass später nach Sookies ersten Mal dazu führt, dass sie immer dann gut gelaunt ist, wenn ihr der Vampir zwischen die Beine gespritzt hat und andernfalls eine Fresse wie sieben Tage Regenwetter zieht.

Ohnehin lebt True Blood von seiner Sexualisierung, gibt es doch kaum eine Episode, in der Jason nicht irgendeine Thekenschlampe von hinten durchnimmt oder eine der verehrten Damen ihre sekundären Geschlechtsteile in die Kamera wackelt. Einen wirklichen Sinn haben diese Szenen nicht, außer eben die Tatsache, dass man im Pay-TV nicht zimperlich sein muss. Würde man alle Sex-Szenen der ersten Staffel herausschneiden, hätte sich die Episodenzahl vermutlich um zwei Folgen reduziert (was man bei HBO’s Politik, 12-Episoden-Staffel zu produzieren, scheinbar nicht verantworten konnte). Wer immer schon mal die Titten von Anna Paquin, Lynn Collins oder Lizzy Caplan bestaunen wollte, ohne sich wie ein Perverser durchs Internet zu stöbern, kann dies im kultivierten HBO-Qualitätsfernsehen nun ziemlich unbekümmert tun. Ähnlich wie im Falle von Almodóvars Frühwerken sollte man sich jedoch überlegen, ob es sich wirklich lohnt, etwas Sinnfreies zu machen, nur weil man es ungestraft machen kann. Einen Mehrwert sucht man vergeblich.

Der andere Handlungsstrang um die Serienmorde verläuft eher nebenher, wird in Form von einer Leiche alle paar Folgen kurz aufgegriffen und zu Gunsten einer Sex-Szene dann vorerst wieder ins Hinterkämmerchen geschoben. Es wundert also nicht, dass die Auflösung des Täters im Staffelfinale weder schockiert, überrascht oder sonst eine Reaktion hervorruft. Ein Motiv sucht man ebenfalls vergeblich. True Blood kokettiert eben mit seinen erotischen Bildern, anstatt eine ausgefeilte Handlung anbieten zu wollen. Einen Sub-Plot um die Vampir-Gesellschaft rund um deren Sheriff, Eric (Alexander Skarsgård), wird vermutlich in der zweiten Staffel ausführlicher ausgelotet, die eigentlich interessanteren - oder sympathischeren - Nebenfiguren wie Layfayette (Nelsan Ellis) oder Terry (Todd Lowe) ließ Ball meist im Hintergrund vor sich hindümpeln. Die Anspielungen auf die US-Geschichte (Rassismus, Diskriminierung, etc.) sind zwar ganz nett (Angelina Jolie adoptiert Vampir-Baby, hihihoho), aber mit der Dauer dann auch ziemlich eintönig.

Die Serie ist dabei nicht schlecht, aber eben relativ leidlich. Durchschnitt, aus dem sich allenfalls noch The Fourth Man in the Fire als gefälligste Folge herausgreifen lässt. Dass es True Blood nicht gelingt, ein überzeugendes - oder nennen wir es: spannendes - Staffelfinale zu produzieren (die Identität des Serienmörders ist so egal, wie sonst was, wird dann aber dennoch spektakulär unspektakulär aufgelöst) und mit einem Cliffhanger abschließt, der eher zum Abschalten, denn Fingernägelknabbern einlädt, spricht für beziehungsweise in diesem Falle gegen sich. Dabei ist die Inszenierung - Michael Lehmann führte in der Mehrzahl der Folgen Regie - relativ gelungen, auch die Effekte sind ansehnlich. Zudem erfreuen die Gastrollen von Collins, Caplan und John Billingsley, die weitaus überzeugender aufspielen, als Paquin und Co. So ist True Blood insgesamt eine Serie, die an ihrer Orientierungslosigkeit, zu langen Laufzeit und übertriebenen Sexualisierung leidet. Oder kurz gesagt: eine HBO-Serie.

7/10