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6. März 2015

Parks and Recreation – Season 7

Get on with it. I can’t hold this smile forever. I look ridiculous.

Es ist eher die Ausnahme von der Regel, dass eine Serie mit den Jahren an Qualität zulegt. Und sich damit quasi auf dem Höhepunkt ihres Schaffens verabschiedet. Zuletzt war dies Vince Gilligans Breaking Bad gelungen, eine Dramaserie, die speziell in ihren letzten drei Jahren einen qualitativen Sprung machte. Ähnliches vollbrachte auch Michael Schur mit Parks and Recreation, einer Show, die vor sieben Jahren von Greg Daniels als Variation seiner Show The Office ins Leben gerufen wurde. Und die Ende Februar nach sieben Staffeln ihr Ende fand – nachdem sie in 13 Folgen nochmals ein kleines Feuerwerk abbrannte. Was den Abschied der wohl besten TV-Serie des Jahres für Fans und Kritiker nur noch schmerzlicher machen dürfte.

Dabei traf Schurs Sitcom ein in den USA nicht unübliches Schicksal: der jährliche Quoten-Kampf für eine Staffelverlängerung. So lobend die Kritiken – speziell ab der dritten Staffel – für Parks and Recreation ausfielen, so fielen auch mit jedem Jahr die Zuschauerzahlen. Schauten in der ersten Staffel noch bis zu sechs Millionen Menschen rein, waren es in den letzten beiden Jahren nur noch um die vier Millionen. Die finale siebte – und ironischerweise zugleich beste – Staffel dagegen fiel zuletzt sogar unter drei Millionen Zuschauer. Umso erstaunlicher ist es dann, dass es die Serie dennoch auf 125 Episoden brachte, die zwar nicht immer alle ins Schwarze trafen, aber wenn sie es denn taten, in der US-Fernsehlandschaft ihresgleichen suchten.

Allerdings fand Parks and Recreation nicht sofort ihren Rhythmus, sondern musste sich erst finden. Das erste Jahr mit seinen sechs Episoden war (zu) nah am Vorbild The Office orientiert – vermochte aber dennoch Akzente zu setzen. Das zweite Jahr scheiterte wiederum an seiner plötzlich vierfachen Episodenzahl, was generell viel zu viel ist, um ausreichend Handlung und Witz verteilen zu können. Mit einer reduzierten Staffel und den Ensemble-Ergänzungen von Rob Lowe und Adam Scott schaffte die Show im dritten Jahr dann den Schritt in die richtige Richtung. So konnte in den folgenden drei Jahren trotz wieder erhöhter Folgenanzahl die Qualität gehalten werden. Um nun mit 13 Episoden glorreich in den Sonnenuntergang zu reiten.

Welchen Weg die Show hinter sich hat, zeigt sich auch in meiner persönlichen Rezeption. Noch in der zweiten Staffel beschrieb ich Andy (Chris Pratt) aufgrund seiner infantilen Art und Naivität als „nervtötend“, ähnlich charakterisierte ich in der dritten Staffel die sich damals vertiefende Beziehung zwischen ihm und April (Aubrey Plaza). Heute will ich Andy nicht mehr missen, der gemeinsam mit Nick Offermans misanthropischem Ron Swanson das wöchentliche Highlight in Pawnee, Indiana war. Gleichzeitig spricht dies jedoch auch für die Klasse der Serie, Figuren wie Andy, April oder Tom (Aziz Ansari) einem ans Herz wachsen zu lassen, genauso wie es mögliche Wiederholungssichtungen der ersten Jahre zum Anreiz macht.

Man mag es NBC nicht vorwerfen, dass sie Parks and Recreation in ihrem letzten Jahr im Midseason Replacement Spot in Doppelfolgen „verheizten“. Die Tatsache, dass 13 Folgen Zeit sind, um sich zu verabschieden, spielte der Show dabei in die Karten. Wirkliche Handlungsstränge gibt es höchstens zu Beginn, wenn die inzwischen in der Zukunft spielende Serie eine Animosität zwischen Leslie (Amy Poehler) und Ron anteasert. Die Figuren haben sich weiterentwickelt, so wie auch die Zukunft. In Gryzzl gibt es zwar eingangs eine Art von Antagonist, der jedoch bald zu den Akten gelegt wird. Stattdessen werden die einzelnen Charaktere auf ihren Weg gebracht, wie im Falle von Bens (Adam Scott) Kandidatur als Kongressabgeordneter.

Auch Figuren wie April und Donna (Retta) bekommen eine neue berufliche Herausforderung, aber allen voran Momente, in denen sich das Publikum von ihnen verabschieden kann. Genauso wie von zahlreichen Nebenfiguren, egal ob sie Jamm, Tammy Two, Ron Dunn, Jean-Ralphio oder Perd Hapley heißen. Dass sich Parks and Recreation die Zeit für alle seine Figuren nehmen kann, gereicht der siebten Staffel zum Vorteil. Speziell die ersten vier Folgen legen die Messlatte mit Episoden wie Ron & Jammy und Leslie & Ron hoch. Im Falle von Letzterer darf Nick Offermans Figur ausnahmsweise ihre verletzlichere Seite zeigen – und obendrein den eingangs so befremdlich wie amüsant wirkenden Konflikt zwischen den beiden Figuren schnell wieder begraben.

Wie sich in einer Abschlussstaffel erwarten lässt, finden sich mehrere Momente für emotionale Einschübe. So auch in The Johnny Karate Super Awesome Musical Explosion Show, die als Abgesang für Andy und zugleich als Zeugnis für seine Liebe und Hingabe zu April gesehen werden kann. Dass Aziz Ansari zeitweise drei Folgen aussetzt, kann man hierbei ebenfalls verschmerzen. Da passt es wiederum, dass das Serienfinale One Last Ride sich voll und ganz seinen Figuren widmet, indem es den Zuschauern für alle von ihnen einen Blick in die Zukunft gewährt. Das Six Feet Under-Ende in lustig quasi, wenn Jean-Ralphio seinen eigenen Tod vortäuscht oder Leslie und Ben sich zum nächsten Schritt in ihrer Karriere entscheiden müssen.

Insofern ist das Finale eines zum Abschiednehmen gewesen, was es sicherlich zurecht zur besten Folge einer jedoch grundsätzlich starken Staffel macht. Etwas schade ist, dass wir vom Familienleben der Wyatt-Knopes kaum etwas mitbekommen, obschon hin und wieder eines der drei Kinder im Hintergrund vorbeirennt. Zumindest einen Subplot in einer der Folgen hätten Schur und Co. jedoch hierfür opfern können. Genauso wie auch Rons Familie ausgespart wird und Chris und Ann praktisch durchweg nichtexistent sind (also nicht einmal erwähnt werden). All das lässt sich jedoch im siebten Jahr Parks and Recreation verschmerzen, da die Serie nicht mit einem Wimmern zu Ende geht, sondern mit einem Knall. Und so muss es schließlich sein.

8/10

23. Mai 2010

The Office - Season Six

I’m still enjoying it.

Als Neuangestellter in einem Bürokosmos wirkt alles zu Beginn noch frisch und vielleicht mitunter auch seltsam. Es gibt sympathische Kollegen, etwas Nervigere, möglicherweise auch den ein oder anderen etwas komischen Sitznachbarn und dann natürlich den Chef. Mit den Jahren spielt sich das Alles langsam ein und nach fünf Jahren ist es, wie so vieles im Leben, zur Gewohnheit verkommen. Nicht nur in der Arbeit, auch allgemein. Ein Reifeprozess tritt ein, beziehungsweise ist bereits eingetreten und steht vor dem Abschluss. In der Serienlandschaft gibt es nur wenige Serien, die über Jahre hinweg laufen können oder dürfen. Konzepte wie Friends (10 Jahre) oder ER (15 Jahre) sind die Ausnahme der Regel einer schnelllebigen Branche. Wie der Fels in der Brandung ragte hier seit 2005 Greg Daniels’ US-Adaption von Ricky Gervais’ The Office heraus. Doch im sechsten Jahr nun bricht die charmante Sitcom ein.

Die beiden Hälften der sechsten Staffel zeichnen sich durch jeweils zwei Dinge aus. In den ersten Episoden bereiten zum einen Jim (John Krasinski) und Pam (Jenna Fisher) ihre Hochzeit an den Niagarafällen vor, zum anderen droht Dunder Mifflin der Ausverkauf. Zu diesem kommt es in der zweiten Hälfte dann auch, sodass sich Michael (Steve Carell) und Jim als gleichgestellte Führungskräfte in Scranton mit Jo Bennett (Kathy Bates) und ihrer Drucker-Firma „Sabre“ einer neuen Hierarchie gegenübersehen. Währenddessen geht Pams Schwangerschaft in die finalen Monate. Abseits hiervon zeichnet sich in Andy (Ed Helms) und Erin (Ellie Kemper) ein neues Büropärchen ab und Dwight (Rainn Wilson) zieht die meiste Zeit einsam seine Kreise. Vielleicht auch weil Darryl (Craig Robinson) nun selbst einen Schreibtisch im Büro erhält, geraten Kelly (Mindy Kaling), Ryan (B.J. Novak) und andere noch mehr ins Hintertreffen.

Gab es früher neben den beiden dynamischen Duos Jim-Pam und Michael-Dwight stets noch genügend Raum, auch den anderen Charakteren der Serie - zum Beispiel Creed oder Meredith - entsprechend Entfaltungsspielraum zu gewähren, hat sich dies nun geändert. Was überrascht, weil trotz des verstärkten Fokus' auf Andys und Erins Beziehung gleichzeitig auch Jim und Pam gehörig an screen time einbüßen. Ihr Privatleben wird abgesehen von den zentralen Doppelfolgen Niagara und The Delivery kaum noch thematisiert, im Büro selbst war Pam wegen Mutterschutz lange abwesend und auch ansonsten halten sich Beide hier vermehrt zurück. Da auch Dwight nicht mehr so präsent erscheint wie in vergangen Jahren, ist The Office immer mehr zur Michael-Scott-Show verkommen, ohne dass dieser paradoxerweise (zu) allgegenwärtig auftritt. Dennoch wirkt Daniels’ Serie über weite Strecken verloren, denn es wurde versäumt, neue Gesichter einzubauen.

Weniger Jim, Pam, Kelly, Ryan, Oscar, kaum noch Creed, Toby, Meredith, Stanley und Phyllis. Zwar etwas mehr Andy und Erin, aber auch dies nur unausgegoren. Große Gaststars geben sich nicht gerade die Klinke in die Hand, weshalb Kathy Bates in ihren wenigen Auftritten auch schon das Sahnehäubchen darstellt. Auch auf dem Regieposten zeigte sich kaum Aktivität, der wiederkehrende Harold Ramis und Marc Webb ließen sich ein Mal beschwatzen, ansonsten schien in diesem Jahr die Stunde der Darsteller gekommen. Neben Novak, Kaling, Wilson und Krasinski setzte sich auch Carell hinter die Kamera, um die Kollegen des Ensembles in Szene zu setzen. Von einer Auffrischung also nichts zu spüren, weder vor noch hinter den Kulissen. Stattdessen heißt es allmählich: bonjour tristesse. Denn vom Elan vergangener Jahre ist in The Office nicht mehr allzu viel übrig geblieben. Weshalb das alte Rezept inzwischen fad wird.

Es heißt also den Gürtel enger zu schnallen. Jim spielt Dwight noch weniger Streiche - obschon er und Pam sich gegen Ende der Staffel etwas Nettes haben einfallen lassen - und kaum einer der Handlungsstränge kann und will so recht überzeugen. Deshalb lässt sich The Delivery als einzig wirklich überzeugende Episode ausmachen, nach der erst ein Mal eine Weile lang nichts kommt, ehe sich einige überdurchschnittliche Folgen finden lassen. Hinzu kommen dann misslungene Wochenwerke wie Double Date, The Banker, Sabre und Body-Language, die mit zu den schlechtesten Episoden der ganzen Serie zählen. Zum Verlauf von The Office passt es, dass die Show zwar Anfang Mai für eine siebte Staffel verlängert wurde, Carell jedoch erklärte, dass er aktuell nicht vorhabe, im Jahr darauf zur Serie zurückzukehren. Denn zu erzählen gibt es scheinbar nichts mehr. Was bleibt ist ein würdevoller Abschied ab Herbst 2010.

6.5/10

17. April 2009

The Complete: Office

That’s what she said.

Jenseits von Großbritannien kennen nicht viele Menschen Ricky Gervais und schon gar nicht seine Sitcom The Office, die 2001 über zwei Staffeln lang ausgestrahlt wurde. Das Konzept der Serie zündete derart, dass das Format mehrfach ins Ausland verkauft wurde. So zum Beispiel nach Kanada, nach Frankreich oder in die USA. Dem Deutschen bekannt ist dagegen Stromberg, ein The Office-Plagiat, welches versuchte ohne Abschlag an die Briten zu existieren (Pro Sieben ist ein schlauer Sender). Selten kommt es vor, dass ein Remake eines Produktes besser funktioniert als das Original. Bei der amerikanischen Variante von The Office scheint dies der Fall zu sein. Die Besetzung des Ensembles ist grandios, die Figuren sympathisch und die Komik in vielen Fällen außergewöhnlich. Orientierten sich einige erste Folgen noch an dem englischen Pendant, begann The Office schon bald auf eigenen Füßen zu wandeln und einen unverwechselbaren Stil anzunehmen. Die Serie selbst zog im Laufe ihrer Jahre viele renommierte Regisseure an, die sich zu Gastarbeiten überzeugen ließen. So drehte Amy Heckerling bereits in der ersten Staffel eine Episode, während es sich auch Harold Ramis, Jason Reitman, Joss Whedon und J.J. Abrams ein Engagement nicht nehmen ließen.

Primär lebt das The Office Konzept von vier Figuren, welche sich wiederum in zwei Gruppen aufteilen. Auf der einen Seite existiert das potentielle Paar eines sympathischen Mitarbeiters (sei es John Krasinski oder Martin Freeman) und einer Sekretärin. Auf der anderen Seite warten zwei Nervensägen, wie sie im Buche stehen. Ein narzisstischer und überheblicher Chef, sowie dessen (oft ungewollte) rechte Hand. Letztlich ist The Office jedoch immer eine One-Man-Show, die von einer charakterlichen Größe wie Steve Carell, Ricky Gervais, Christoph Maria Herbst oder sonst jemandem dargestellt wird. Am meisten lebt The Office dabei fraglos von seinem exorbitanten Fremdschämfaktor, der sich manchmal mehr und manchmal weniger etwa im 50:50 Bereich zwischen Chef und rechter Hand aufteilt. Im US-Pendant sind über die Jahre jedoch auch einige der Nebendarsteller ans Herz gewachsen, seien es Toby, Oscar, Darryl oder Creed. Im Laufe der bisher veröffentlichen vier Staffeln hat sich die Serie zu einer meiner Lieblingssitcoms entwickelt. Allein wegen ich das Serientheme höre steigt der Endorphinspiegel und macht auch das ein oder andere Ärgernis des (Vor)Tags vergessen. Nachdem die vierte und fünfte Staffel eine Einzelbesprechung erhielten, sollen die drei Vorläufer eine kurze, kompakte Zusammenfassung erfahren.

The Office - Season One

Retrospektiv gesehen wirken die ersten sechs Folgen der Erfolgsserie recht zahm. Dies kann natürlich auch daran liegen, dass man nach fünf Jahren die Figuren in und auswendig kennt und daher etwas überrascht ob ihrer Zurückhaltung ist. Und Michaels (Steve Carells) geschleimte Haare gehen im Nachhinein auch mal gar nicht, während Jims (John Krasinski) Frisur sehr viel netter wirkt, als aktuell (fünfte Staffel) der Fall. Zu Beginn der Serie gibt es sie noch en masse, die verstohlenen Blicke von Jim zu Pam (Jenna Fischer), was immer dann unvorteilhaft ist, wenn ihr Verlobter Roy gerade durch die Tür spaziert. Herrlich auch die hier noch verstärkt vertretenen Anspielungen von Dwight (Rainn Wilson) auf seinen fiktiven Status als assistierender Regionalmanager bzw. Assistent des Regionalmanagers. Einige Aspekte wie Jims Streich des Tackers in der Götterspeise sind direkte Übernahmen aus dem Original und deuten an, dass die Serie hier noch unter der Fuchtel der großen Schwester stehen. Dies wird sich glücklicherweise in den kommenden Staffel ändern.

Nichtsdestotrotz kochen im Grunde alle Figuren noch auf Sparflamme, die Jim-Pam-Szenen nehmen ein Mindestmaß ein, Dwight ist bei Weitem nicht so schrullig, wie er in Wirklichkeit ist und auch Michael hält sich relativ zurück. Abgesehen von seinem indischen Akzent in Diversity Day und seinen Bemerkungen speziell gegen Phyllis in Basketball bewegt sich seine political incorrectness noch in Grenzen. Herrlich jedoch, wenn er sich in seinem Büro einschließt, um nicht den neuen Gesundheitsplan auswählen zu müssen oder eine Überraschung für seine Angestellten plant, da demnächst Entlassungen vorgenommen werden müssen (auch wenn er dies vehement bestreitet). Für die Nebenfiguren heißt es in den ersten sechs Folgen noch zurückzustecken, lediglich Ryan (B.J. Novak) erhält etwas mehr Aufmerksamkeit. Dass ist teilweise (Kelly) erfreulich, andererseits (Creed) bedauerlich. Grundsätzlich braucht die erste Staffel etwas, um warm zu werden und findet in der großartigen fünften Folge Basketball ihren Höhepunkt. Im Übrigen kann man in Hot Girl bereits Amy Adams bewundern, die inzwischen aus der amerikanischen Comedy-Szene kaum noch wegzudenken ist. Die erste Staffel lässt noch Luft nach oben, lässt sich jedoch recht gut an einem langen Abend wegschauen.

The Office – Season Two

Mit der zweiten Staffel konnte The Office nun ein ausgeweitetes Konzept annehmen. Auf das Publikum warteten nun fast viermal so viele Folgen, wie noch in der ersten Staffel. Endlich konnte man sich auch den zahlreichen Nebenfiguren widmen, insbesondere Creed und Kelly. Bemerkenswert übrigens, dass die Serie auch in ihrer zweiten Instanz weiterhin relativ handzahm ist. Kellys pausenloses Mundwerk bekommt speziell Jim (John Krasinski) zu spüren, als er aufgrund eines Fluchs von Pam (Jenna Fischer) nicht sprechen darf. Creed hingegen entfaltet sich gerade in den letzten Folgen zu dem schrulligen „alten Mann“, der er zu sein scheint. Gekrönt wird dies im Staffelfinale Casino Night, wo Creed unumwunden zugibt, dass er es liebt zu stehlen. Aber auch all die anderen Figuren, von Oscar über Kevin, Angela, Meredith, Phyllis bis hin zu Jan, erhalten ihre gebührende Zeit, um sich und ihre Schrulligkeiten präsentieren zu können. Somit ist die zweite Staffel sehr viel flächendeckender was die Charaktere anbetrifft, wohingegen sich ihr Vorgänger primär auf das prominente Quartett fokussiert hat. Durch diese Erweiterung der Scranton-Familie gewinnt die Serie ungemein, nicht so sehr qualitativ als eher quantitativ. Sahnehäubchen auf dem illustren Ensemble sind dann zwei Gastauftritte von Amy Adams als Jims quasi-Freundin Katy.

Wie auch in späteren Staffeln, namentlich der Vierten, dreht sich thematisch nun alles weniger um eine allgemeine Vorstellung der Figuren als vielmehr um deren Privat- bzw. Liebesleben. War Jim in den originalen sechs Folgen noch recht zurückhaltend was seine Gefühle für Pam anbelangt, so lässt er nun gegenüber der Kamera praktisch von Beginn an die Katze aus dem Sack. Gegen Mitte der Staffel plaudert dann zudem Michael (Steve Carell) sein Geheimnis gegenüber allen Büroangestellten aus. Für Pam wiederum spitzt sich die Lage so etwas zu. Zwar steht die Hochzeit mit Roy nun nach der berüchtigten Booze Cruise, aber inzwischen merkt die Telefonistin immer mehr, dass sie ihr Glück eher bei bzw. mit Jim findet, denn mit Roy. Außerdem finden auch zwei weitere Dunder Mifflin Angestellte zueinander. Dwight (Rainn Wilson) und Angela beginnen eine heimliche Affäre, von der bisher nur Pam etwas weiß. Bedauerlicherweise wird nicht näher beleuchtet, wie diese Beiden schließlich zueinander gefunden haben. Ihre pedantische Zugeknöpftheit war hier wohl ausschlaggebend. Beide Beziehungen werden auch in der kommenden, dritten Staffel noch ausgiebig thematisiert werden.

Michael hingegen hat begonnen sich mit seiner Vorgesetzten Jan einzulassen. Dies führt gerade bei ihm natürlich zu einigen peinlichen Momenten, insbesondere dann, wenn er auch hier – wie schon bei Jims Geheimnis – seinen Mund nicht halten kann. Im Vergleich zur zweiten Staffel nimmt Michaels ethnische Diskriminierung etwas ab, auch wenn er sich einige knappe Anspielungen speziell gegenüber Stanley und Darryl nicht sparen kann. Viel amüsanter sind jedoch seine unzähligen Auseinandersetzungen mit Toby, den er sogar an dessen Arbeitsplatz belästigt und im Staffelfinale ungeniert seine Animosität entgegenschleudert. An dieser Stelle soll stellvertretend für alle bisherigen fünf Staffeln eine kleine Lanze für Paul Lieberstein für seine phänomenale Portraitierung von Toby gebrochen werden. Bei ihm reichen schon bloße Blicke, um mehr über seine Figur zu sagen, als man in hundert Seiten schreiben könnte. Das große Liebesthema der zweiten Staffel wird dann letztlich noch von Kelly (Mindy Kaling) und Ryan (B.J. Novak) komplettiert. Kaling und Novak zählen beide zu den Autoren der Serie, wobei ich selbst jedoch froh bin, dass man von ihnen nicht allzu oft etwas sieht. Das letzte Glied in der Kette ist dann Darryl, der weiterhin zeigen darf, dass er sich von Michael – im Gegensatz zu seinen Angestellten – nicht herumschubsen lässt.

Zu meiner eigenen Überraschung ist auch die zweite Staffel nicht so lustig, wie ich mich erinnerte sie einst gefunden zu haben. Die Folgen sind allesamt gut, daran besteht kein Zweifel, doch bei einigen Episoden bleibt es eben bei dem Attribut „gut“. Hierzu zählen beispielsweise The Carpet oder Dwight’s Speech, die eher wenig zu bieten haben, außer den für die Serie obligatorischen Lachern. Manche Folgen fühlen sich zu sehr nach Füllmaterial an, so dass es begrüßenswert gewesen wäre, hätte man die gelungenen Szenen dieser Folgen lieber in andere Folgen dazugepackt. Zu den Höhepunkten der Staffel zählen jedoch weiterhin Michaels ethnische Anspielungen, sein (einseitiger) Kleinkrieg mit Toby sowie Jims Streiche an Dwight (mein Favorit: die Einspeisung von Dwights Schreibtischutensilien in den Snackautomat). Als beste Episoden der zweiten Staffel dürften wohl Christmas Party und Casino Night angesehen werden, wobei auch Booze Cruise und The Secret sehr gelungen sind. Positiv anzusehen ist jedenfalls, dass auch bei Vervierfachung der Episoden das Niveau der vorherigen Staffel gehalten werden konnte. Wie bereits beim Vorgänger geschrieben, besteht jedoch noch Luft nach oben, wie an der vierten Staffel zu sehen ist (während sich die Fünfte wieder eher an den ersten beiden Staffeln orientiert).

The Office - Season Three

Nach dem gelungenen Saisonfinale der letzten Staffel macht die Serie nun einen kleinen Sprung. Pams (Jenna Fischer) und Roys Hochzeit wurde abgesagt, was jedoch noch lange nicht bedeutet, dass diese nun mit Jim (John Krasinski) zusammen ist. Im Gegenteil. Nachdem sie ihn abgeblockt hat, nahm Jim die von Dunder Mifflin ausgeschriebene Stelle in Stamford an. Dies hat zur Folge, dass das erste Drittel der dritten Staffel in zwei Handlungsstränge geteilt ist. Während größtenteils den Umtrieben von Michael (Steve Carell) und Dwight (Rainn Wilson) in Scranton gefolgt wird, finden sich auch kurze Ausflüge in Jims neue Arbeitsumgebung in Stamford wieder. Hierbei beginnt die dritte Staffel außerordentlich stark. Speziell Staffelauftakt Gay Witch Hunt ist eine der gelungensten Folgen in der Seriengeschichte. Es mag etwas irrational klingen, aber The Office gewinnt durch Jims Abwesenheit sogar etwas an Humor. Dies liegt weniger an Jim selbst, als vielmehr an den neuen Arbeitsumgebungen (sowohl hinsichtlich Scranton als auch Stamford).

In dieser Staffel hat Dunder Mifflin mit einigen Problemchen zu kämpfen. Dies beginnt bereits damit, dass Michael in der Auftaktfolge Oscar (Oscar Nunez) als Homosexuellen outet. Um eine Klage abzuwenden, wird Oscar kompensiert. Später wird aus finanziellen Gründen eine der Filialen eingestampft und durch ein obszönes Wasserzeichen zudem Schaden für die Firma verursacht. Man mag es der Serie vorhalten, dass sie gerade den Aspekt der Filialschließung nicht dramatischer ausgearbeitet hat, aber The Office ist nun mal primär eine humoristische Sitcom. Die positive Folge aus dem Schlamassel ist in The Merger schließlich die Tatsache, dass Jim nach Scranton zurückkehrt – allerdings mit neuer Freundin im Gepäck. Es sind jene Szene zwischen Jim und Karen (Rashida Jones), die das Stamford-Szenario so unterhaltsam gestaltet haben. Zudem ist Jones ein richtiger Gewinn für die Serie, da sie ganz besonders gut mit Krasinski harmoniert. Da nimmt man es auch in Kauf, dass man noch eine weitere Staffel auf das „Jam“-Pärchen warten muss. Bedauerlich ist lediglich, wie unsauber sich die Serie in The Job hier aus der Affäre zieht (ähnlich wie auch schon im Vorjahr). Dies wirkt auch deswegen irritierend, da die Kamera sonst im Grunde alles und jeden aufnimmt.

Apropos Kamera. Was mir erst in dieser Staffel aufgefallen ist, war der Punkt, dass nie klar gemacht wurde, wofür die Kameraaufnahmen eigentlich gedacht sind. Immerhin begleitet das Kamerateam nun seit fünf Jahren Michael Scott und Co., doch der Zweck des Filmens wird nie namentlich genannt oder sonst wie erläutert. Hier hat der deutsche Ableger Stromberg in der Tat die Nase vorn, wenn ebenjener Stromberg durch die Dokumentation seiner Arbeit letztlich seinen Job retten und der Firma einen Imagegewinn einbringen konnte. Wie dem auch sei. Nach dem herausragenden ersten Drittel fällt die Show in den folgenden sieben Folgen bis zur Mitte der Staffel hin in ein kleines Loch. Die Folgen sind durchschnittlich (Anm.: „durchschnittlich“ bedeutet in meinem Serienverständnis (lediglich) „gut“). Episoden wie The Convict oder The Return überzeugen nicht so recht und wirken wie bereits The Carpet aus der Vorjahresstaffel eher als Füllmaterial. Mit den beiden Gastbeiträgen von Joss Whedon (Business School) und J.J. Abrams (Cocktails) nimmt die Serie zwar nochmals kurzzeitig an Fahrt auf, versackt dann jedoch wieder bis zum erneut gelungenen Staffelfinale. Im Gegensatz zu Whedon und Abrams wollen Harold Ramis Regiearbeiten nicht so Recht überzeugen. The Office hat weder während der zweiten noch in der dritten Staffel die offerierte „Luft nach oben“ als Anreiz genommen.

Wie immer sind es die Beziehungen, welche die Serie auszeichnen. Im Zentrum steht dabei fraglos die Dreiecksbeziehung zwischen Jim, Karen und Pam. Dies führt gerade für Karen zu der einen oder anderen unangenehmen Situation. Für einiges Drama zeichnen sich aber auch Michael und Jan verantwortlich, während Dwight und Angela sich weiterhin im Hintergrund abspielen. Von den Nebenfiguren rückt zu meiner eigenen Freude vor allem Creed (Creed Bratton) oft in den Fokus der Kamera. Weshalb der Charakter zu einen meiner Lieblingsfiguren zählt, lässt sich besonders gut in dieser dritten Staffel beobachten (herrlich, wie Creed in Branch Closing sein gesamtes Büromaterial verscherbelt). Außerdem geht auch Michaels Vendetta gegen Toby (Paul Lieberstein) in eine neue Runde. Selbst wenn auch die dritte Staffel nicht den entscheidenden Schritt in die richtige Richtung gemacht hat, sind alle Folgen ziemlich unterhaltsam. Manche von ihnen natürlich mehr als andere. Die beiden besten Episoden werden durch Gay Witch Hunt und Business School dargestellt, dicht gefolgt von einigen anderen Episoden aus dem exzellenten ersten Drittel. The Office ist eine überaus gelungene Serie (insbesondere aufgrund ihrer Konstanz) und zählt ohne Probleme zu meinen absoluten Lieblingsserien.


The Office - Season One: 8/10
The Office - Season Two: 8/10
The Office - Season Three: 8/10
The Office - Season Four: 8/10
The Office - Season Five: 8/10

18. Mai 2008

The Office - Season Four

You don’t know me. You’ve just seen my penis.

Im Vergleich zu den vorherigen Staffeln wartet The Office in ihrer vierten Auflage mit vier Doppelfolgen auf. Letztlich vielleicht nicht die beste Entscheidung, geraten einige Szenen doch etwas zäh. Ohnehin ist die Qualität der ersten Hälfte dieser Staffel eher durchschnittlich und vermag erst in den letzten sechs Folgen nochmals zu alter Klasse zu gelangen. Hauptmanko dieses scheinbaren Qualitätsverlustes ist die Tatsache, dass Ryan (B.J. Novak) nun Jans Posten als Michaels (Steve Carell) Vorgesetzter einnimmt. Nun ist es so, dass Noval weit besser als Autor der Serie denn als ihr Schauspieler taugt. Gerade seine - nun arrogante - Version von Ryan nervt ob ihrer immensen Präsenz teilweise doch ungemein. Hinsichtlich Michaels Vorgesetzten eignen sich zurückhaltendere Charaktere wie Jan oder David Wallace weitaus besser. Zudem ist bis heute unverständlich, weshalb Dunder Mifflin eine Aushilfskraft (die noch nicht einmal einen einzigen Verkauf vorzuweisen hat) in einen Managerposten befördert. Mit dieser Entscheidung haben sich Greg Daniels, Mindy Kaling und B.J. Novak im Nachhinein selbst ins Bein geschossen.

Für die vierte Staffel gibt es kein wirkliches übergeordnetes Thema. Kaum zwei Folgen haben direkt etwas miteinander zu tun, sodass vordergründig Michaels Exzentrizitäten im Mittelpunkt stehen. Beispielhaft kann hier Survivor Man angeführt werden. Ansonsten ist das Schema dasselbe, es sind die Beziehungen, welche die Serie ausmachen. Während Dwight (Rainn Wilson) und Angela überraschend Schluss machen, läuft es zwischen Jim (John Krasinski) und Pam (Jenna Fischer) außerordentlich gut. Ganz anders hingegen entwickelt sich die Beziehung zwischen Michael und Jan. Diese zeigt sich zwar mitunter als sehr liebevolle Freundin, doch meistens ist sie doch noch eine äußerst kalte Frau, die – wie man in Dinner Party sieht – Michael wie einen Hund vor dessen eigenem Bett schlafen lässt. Allgemein ergeben sich für Michael ohnehin sehr viele Momente, die ihm das Mitgefühl der Zuschauer bescheren und ihn mitunter auch sehr sympathisch machen. Hier sei insbesondere das Ende von Survivor Man angeführt, wo man einen Michael Scott kennenlernt, den man so noch nie gesehen hat. Gegenüber Jim gesteht er ein, dass das Meiste was er tut, einfach nur der Auflockerung dient, da es anders kaum möglich scheint.

Ähnlich verhält es sich mit der sehr ambivalenten Folge Did I Stutter?, in welcher Stanley unerwartet ausflippt und Michael vor versammelter Belegschaft seine Inkompetenz vorwirft. Obwohl man weiß, dass es sich hierbei um die Wahrheit handelt, kommt man nicht umhin, tiefes Mitleid mit einem den Tränen nahen Michael zu empfinden. Die Auflösung, dass Stanley quasi ungeschoren davon kommt, ist jedoch nicht sonderlich gut geraten. Ansonsten rücken einige der Nebenfiguren wieder in den Hintergrund, von Oscar über Phyllis zu Creed. Erfreuenswerterweise gibt es jedoch mit Branch Wars ein Wiedersehen mit Karen (Rashida Jones) und Todd Pecker bleibt dem Publikum erspart. Im Vergleich zu den vorherigen Staffeln fällt eine Entwicklung jedoch negativ ins Gewicht. Die Streiche von Jim an Dwight haben extrem nachgelassen. Abgesehen von Launch Party und Goodbye Toby findet keine wirkliche Verarsche von Jim an seinen Tischnachbarn statt. Ein Trend, der sich auch in der fünften Staffel fortsetzt. Dagegen ist Michaels Abneigung gegenüber Toby (Paul Lieberstein) so aktuell wie nie und nimmt gerade gegen Ende (und speziell im Staffelfinale Goodbye Toby) enorm zu.

Bei der Zweitsichtung hat sich bemerkbar gemacht, dass die vierte Staffel ursprünglich nicht nur anders sondern auch besser von mir aufgenommen wurde. Keine Folge ragt wirklich aus den anderen heraus, sodass allenfalls Branch Wars als gelungenste Folge dienen könnte, während mit Dunder Mifflin Infinity ein bisheriger Tiefpunkt erreicht wird. Dies ist gerade dahingehend interessant, da auch die der vorherigen Staffeln im Vergleich zur Erstsichtung abgebaut haben - ironischerweise jedoch mit dem Gradmesser der vierten Staffel. Wie sich herausstellt, spielt diese jedoch auf demselben Niveau wie ihre Vorgänger. Somit ist The Office gerade deshalb außerordentlich, weil die Qualität und das Niveau der Show kontinuierlich gehalten werden. Da das Format der Serie jedoch etwas „ernster“ ist, als bei Kollegen wie Scrubs oder Family Guy (die besonders durch ihre kurzen Sketche funktionieren), vermag es der Serie nicht allzu leicht zu gelingen, in eine herausragende Sphäre vorzudringen. Dies gilt jedoch für die direkte Qualität der Serie, was aber keineswegs bedeutet, dass The Office nicht allein durch sein großartiges Konzept eine herausragende Serie ist. 

8/10