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6. September 2015

This Is the End [Das ist das Ende]

Hermione just stole all of our shit. And Jay suggested that we rape her.

Unverhofft kommt oft, heißt es so schön. Das sollte vermutlich für nichts mehr gelten als für das Ende aller Tage, auch als Armageddon bekannt. Und wie sich zeigt, gibt es wider Erwarten scheinbar keinen schlechteren Ort, um auf die biblische Entrückung zu hoffen, als eine Hollywood-Party zu besuchen. So zumindest lassen es einen Evan Goldberg und Seth Rogen in ihrem Regiedebüt This Is the End glauben, in dem sie ihren eigenen Freundeskreis die Apokalypse erleben lassen. Viel dramatischer als der Weltuntergang vor der eigenen Haustür entwickelt sich die Offenbarung, die sich innen statt draußen abspielt. Es sind die emotionalen Fassaden, die bröckeln, wenn sich eine Handvoll Freunde offen die Meinung sagt.

Beste Freunde seit gemeinsamen Undeclared-Tagen fürchtet Jay Baruchel im Film um seine Freundschaft zu Kollege Seth Rogen, der inzwischen seine Bromance mit Freaks-and-Geeks-Kollege James Franco intensiviert. Seine Clique rund um Jonah Hill versucht zwar alles, um Baruchel in ihre Mitte aufzunehmen, doch so wirklich will der nicht in deren Kreis passen. Craig Robinson und Emma Watson halten ihn sogleich für einen Hipster, der sich zu schade ist, die Toilette zu besuchen, nur weil Michael Cera auf Kokain dort gerade einen flotten Dreier verlebt. Als dann auch noch die Welt untergeht, sieht sich Baruchel eingesperrt mit Rogens Clique in Francos Haus. Dort wartet die Gruppe auf ihre Rettung, immerhin sind sie Hollywood-Stars.

Der Humor von This Is the End, so die Idee, zeugt von übersteigerten Darstellungen der öffentlichen Meinung der Stars. Oder, wie im Falle von Michael Cera, von deren totaler Verkehrung. So gibt Jonah Hill (“from Moneyball”) einen Schleimscheißer, James Franco inszeniert sein Bild als prätentiöser Seth-Rogen-Fan und Danny McBride gibt ein Arschloch vom Dienst, wie er es schon in The Pineapple Express oder Eastbound & Down perfektioniert hat. Das ist zwar ein interessantes und vielversprechendes Konzept, wird allerdings im Film von Goldberg und Rogen nicht konsequent zu Ende gedacht. Auch, weil der Meta-Gedanke im Laufe des zweiten Akts dann letztlich einem konventionellen dramatischen Verlauf geopfert wird.

Mit Beginn der Apokalypse beginnt zugleich das schleichende Ende des sich gegenseitig Aufziehens, in dem allenfalls James Franco eine Ausnahme darstellt. Speziell Craig Robinson verkommt zu einer eindimensionalen Figur, die mehr den Status des Token Black Guy einnimmt, anstatt dass Robinsons Persona als Sprungbrett für Sarkasmus oder Zynismus dient. Der Humor des Films, so scheint es, generiert sich zuvorderst daraus, dass Stars als sie selbst angesprochen werden, statt mit einem Charakternamen. Da taumelt Paul Rudd mit Schampusflasche einer Besucherin in den Schädel und Emma Watson verschwindet zuerst von Francos Party, um dann später kurz zurückzukommen, ohne dass der Film etwas mit ihr anzufangen wüsste.

Wenn ein vollgedröhnter Michael Cera den Hintern vom Rihanna begrabscht und diese ihm eine scheuert, ist das durchaus amüsante physical comedy, verpufft aber im Grunde genauso wie die wenig gehaltvollen Momente mit Stars wie Jason Segel, Kevin Hart oder Aziz Ansari. Es wäre This Is the End vielleicht mehr geholfen gewesen, wenn man Cera mit in die Gruppe eingeschlossen hätte und McBride als Antagonisten ersetzen lassen, statt dass Letzterer einfach eine Widersacher-Rolle aus seinen Filmen in die Realität übernimmt. Auch eine vertiefte weibliche Figur hätte hier nicht geschadet, um den Humor zu (ver-)stärken, beispielsweise mit Aubrey Plaza oder Linda Cardellini, um die Freaks and Geeks-Referenz weiterzutreiben.

Der weitere Filmverlauf beschränkt sich dann auf Goldbergs und Rogens aus Superbad übernommene Faszination mit Penissen, die Dämonen und Satan geschenkt werden, ohne dass sie einen Sinn ergeben, und dem Gedanken, wenn man sich für jemand opfert, wird man entrückt – selbst wenn es eine kalkulierte Selbstopferung ist, im Wissen, aus ihr resultiert die gewünschte Entrückung (Hollywoods Idee von Altruismus). Womöglich wäre This Is the End eine rundere Sache als verlängerter SNL Digital Short beziehungsweise in den Händen vom The Lonely Island-Team geworden, zumindest ein kompetenter Regisseur wie Adam McKay hätte jedoch geholfen. Am Ende gilt für den Film daher dasselbe wie für Aziz Ansari in ihm: “It’s too late for you.”

5/10

6. März 2015

Parks and Recreation – Season 7

Get on with it. I can’t hold this smile forever. I look ridiculous.

Es ist eher die Ausnahme von der Regel, dass eine Serie mit den Jahren an Qualität zulegt. Und sich damit quasi auf dem Höhepunkt ihres Schaffens verabschiedet. Zuletzt war dies Vince Gilligans Breaking Bad gelungen, eine Dramaserie, die speziell in ihren letzten drei Jahren einen qualitativen Sprung machte. Ähnliches vollbrachte auch Michael Schur mit Parks and Recreation, einer Show, die vor sieben Jahren von Greg Daniels als Variation seiner Show The Office ins Leben gerufen wurde. Und die Ende Februar nach sieben Staffeln ihr Ende fand – nachdem sie in 13 Folgen nochmals ein kleines Feuerwerk abbrannte. Was den Abschied der wohl besten TV-Serie des Jahres für Fans und Kritiker nur noch schmerzlicher machen dürfte.

Dabei traf Schurs Sitcom ein in den USA nicht unübliches Schicksal: der jährliche Quoten-Kampf für eine Staffelverlängerung. So lobend die Kritiken – speziell ab der dritten Staffel – für Parks and Recreation ausfielen, so fielen auch mit jedem Jahr die Zuschauerzahlen. Schauten in der ersten Staffel noch bis zu sechs Millionen Menschen rein, waren es in den letzten beiden Jahren nur noch um die vier Millionen. Die finale siebte – und ironischerweise zugleich beste – Staffel dagegen fiel zuletzt sogar unter drei Millionen Zuschauer. Umso erstaunlicher ist es dann, dass es die Serie dennoch auf 125 Episoden brachte, die zwar nicht immer alle ins Schwarze trafen, aber wenn sie es denn taten, in der US-Fernsehlandschaft ihresgleichen suchten.

Allerdings fand Parks and Recreation nicht sofort ihren Rhythmus, sondern musste sich erst finden. Das erste Jahr mit seinen sechs Episoden war (zu) nah am Vorbild The Office orientiert – vermochte aber dennoch Akzente zu setzen. Das zweite Jahr scheiterte wiederum an seiner plötzlich vierfachen Episodenzahl, was generell viel zu viel ist, um ausreichend Handlung und Witz verteilen zu können. Mit einer reduzierten Staffel und den Ensemble-Ergänzungen von Rob Lowe und Adam Scott schaffte die Show im dritten Jahr dann den Schritt in die richtige Richtung. So konnte in den folgenden drei Jahren trotz wieder erhöhter Folgenanzahl die Qualität gehalten werden. Um nun mit 13 Episoden glorreich in den Sonnenuntergang zu reiten.

Welchen Weg die Show hinter sich hat, zeigt sich auch in meiner persönlichen Rezeption. Noch in der zweiten Staffel beschrieb ich Andy (Chris Pratt) aufgrund seiner infantilen Art und Naivität als „nervtötend“, ähnlich charakterisierte ich in der dritten Staffel die sich damals vertiefende Beziehung zwischen ihm und April (Aubrey Plaza). Heute will ich Andy nicht mehr missen, der gemeinsam mit Nick Offermans misanthropischem Ron Swanson das wöchentliche Highlight in Pawnee, Indiana war. Gleichzeitig spricht dies jedoch auch für die Klasse der Serie, Figuren wie Andy, April oder Tom (Aziz Ansari) einem ans Herz wachsen zu lassen, genauso wie es mögliche Wiederholungssichtungen der ersten Jahre zum Anreiz macht.

Man mag es NBC nicht vorwerfen, dass sie Parks and Recreation in ihrem letzten Jahr im Midseason Replacement Spot in Doppelfolgen „verheizten“. Die Tatsache, dass 13 Folgen Zeit sind, um sich zu verabschieden, spielte der Show dabei in die Karten. Wirkliche Handlungsstränge gibt es höchstens zu Beginn, wenn die inzwischen in der Zukunft spielende Serie eine Animosität zwischen Leslie (Amy Poehler) und Ron anteasert. Die Figuren haben sich weiterentwickelt, so wie auch die Zukunft. In Gryzzl gibt es zwar eingangs eine Art von Antagonist, der jedoch bald zu den Akten gelegt wird. Stattdessen werden die einzelnen Charaktere auf ihren Weg gebracht, wie im Falle von Bens (Adam Scott) Kandidatur als Kongressabgeordneter.

Auch Figuren wie April und Donna (Retta) bekommen eine neue berufliche Herausforderung, aber allen voran Momente, in denen sich das Publikum von ihnen verabschieden kann. Genauso wie von zahlreichen Nebenfiguren, egal ob sie Jamm, Tammy Two, Ron Dunn, Jean-Ralphio oder Perd Hapley heißen. Dass sich Parks and Recreation die Zeit für alle seine Figuren nehmen kann, gereicht der siebten Staffel zum Vorteil. Speziell die ersten vier Folgen legen die Messlatte mit Episoden wie Ron & Jammy und Leslie & Ron hoch. Im Falle von Letzterer darf Nick Offermans Figur ausnahmsweise ihre verletzlichere Seite zeigen – und obendrein den eingangs so befremdlich wie amüsant wirkenden Konflikt zwischen den beiden Figuren schnell wieder begraben.

Wie sich in einer Abschlussstaffel erwarten lässt, finden sich mehrere Momente für emotionale Einschübe. So auch in The Johnny Karate Super Awesome Musical Explosion Show, die als Abgesang für Andy und zugleich als Zeugnis für seine Liebe und Hingabe zu April gesehen werden kann. Dass Aziz Ansari zeitweise drei Folgen aussetzt, kann man hierbei ebenfalls verschmerzen. Da passt es wiederum, dass das Serienfinale One Last Ride sich voll und ganz seinen Figuren widmet, indem es den Zuschauern für alle von ihnen einen Blick in die Zukunft gewährt. Das Six Feet Under-Ende in lustig quasi, wenn Jean-Ralphio seinen eigenen Tod vortäuscht oder Leslie und Ben sich zum nächsten Schritt in ihrer Karriere entscheiden müssen.

Insofern ist das Finale eines zum Abschiednehmen gewesen, was es sicherlich zurecht zur besten Folge einer jedoch grundsätzlich starken Staffel macht. Etwas schade ist, dass wir vom Familienleben der Wyatt-Knopes kaum etwas mitbekommen, obschon hin und wieder eines der drei Kinder im Hintergrund vorbeirennt. Zumindest einen Subplot in einer der Folgen hätten Schur und Co. jedoch hierfür opfern können. Genauso wie auch Rons Familie ausgespart wird und Chris und Ann praktisch durchweg nichtexistent sind (also nicht einmal erwähnt werden). All das lässt sich jedoch im siebten Jahr Parks and Recreation verschmerzen, da die Serie nicht mit einem Wimmern zu Ende geht, sondern mit einem Knall. Und so muss es schließlich sein.

8/10