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18. März 2015

Foxcatcher

Do you have a problem with me?
 
Die besten Geschichten, heißt es so schön, schreibt immer noch das Leben. Das wurde nicht zuletzt dieses Jahr bei den Oscar-Nominierten für den Besten Film deutlich. Da tummelten sich Storys um Alan Turing (The Imitation Game) über Chris Kyle (American Sniper) bis hin zu Martin Luther King Jr. (Selma) und Stephen Hawking (The Theory of Everything). Selbst Richard Linklaters Boyhood wurde im Laufe seiner zwölfjährigen Entstehung von seinem Hauptdarsteller beeinflusst, erzählt somit auch Teile von seiner Biografie. Nicht unter den Nominierten war Foxcatcher, der ebenfalls auf dem Leben und Erlebten von wahren Figuren basierte. Sich hier aber wie alle Filmbiografien auch reichlich Freiheit in der kreativen Darstellung nahm.

Erzählt wird die Geschichte von Ringer Mark Schultz (Channing Tatum), der 1984 bei den Olympischen Spielen in Los Angeles die Goldmedaille gewann. “This is more than just a piece of metal. It’s about what the medal represents”, erklärt Schultz zu Beginn zwei Jahre nach seinem Olympiasieg einer Schulklasse für einen Vortragslohn von $20. Es wird klar: mit der Karriere hakt es zur Zeit. Begehrt ist nur Marks älterer Bruder Dave (Mark Ruffalo), ebenfalls Olympiasieger und von den beiden der talentiertere. Nichtsdestotrotz erhält Mark die Anfrage von Multimillionär John E. du Pont (Steve Carell), dessen privates Ringer-Team Foxcatcher zu trainieren, damit es für die USA zwei Jahre später bei Olympia 1988 in Seoul antreten kann.

Im Kern dreht sich Foxcatcher wiederum um zwei Männer, die aus dem auf sie geworfenen Schatten heraustreten wollen. “You have been living in your brother’s shadow your entire life”, konstatiert du Pont in einer Szene korrekterweise gegenüber Mark. Zugleich lebt aber auch der Millionär selbst, trotz seiner Philanthropie, im Schatten seiner Mutter (Vanessa Redgrave) und seiner Familie. Seine Unterstützung des Ringer-Sports ist für ihn ein Weg, auf sich aufmerksam zu machen. “I’m giving America hope”, ist du Pont überzeugt. Und will deshalb die Goldmedaille wieder nach Hause holen – mit der Hilfe von Mark und Dave Schultz. Letzterer will jedoch nicht auf die Foxcatcher-Farm ziehen, der Familie zuliebe. So bleibt Mark also allein.

In dieser von beiden Männern gelebten Einsamkeit finden sie schließlich einander. Mark rutscht allerdings bald in ein Abhängigkeitsverhältnis und in Drogensucht, als Folge dessen beteiligt sich Dave dann doch irgendwann bei Foxcatcher. Nur was genau zwischen du Pont und Mark vorfiel und was alle drei Figuren antreibt, vermag Regisseur Bennett Miller nie wirklich hervorzuheben. Entzweite die Drogensucht von Mark ihn und seinen Gönner? Und wie bewog dieser am Ende doch Dave dazu, für ihn zu trainieren, nachdem der Ältere zuvor mehrmals ablehnte? Die Kluft zwischen Mark und du Pont ist jedenfalls derart groß geworden, dass das gemeinsame Projekt vor dem Scheitern steht. Und damit auch die Existenzen beider Männer.

Dem Film fehlt folglich ein Zugang zu seinen Figuren und ihren Motivationen, zudem eine rechte Struktur. Schließlich kulminiert Foxcatcher in einem Ereignis aus der biografischen Realität, versäumt es jedoch, auf dieses wirklich hinzuarbeiten. Eher schludrig schneidet Miller am Ende einige Bilder aneinander, die wohl Resultat der vorherigen zwei Stunden sein sollen, es aber in der Realität nur bedingt so waren. Die Frage stellt sich, was Foxcatcher uns eigentlich erzählen will: von einem bestimmten Ereignis, und wie dieses zustande kam, oder von den Figuren, deren Weg letztendlich zu diesem Ereignis führte? Keiner dieser Herangehensweisen wird der Film dabei vollends gerecht. Was bedauerlich ist, angesichts des Themas.

Zuvorderst lebt der Film neben seiner soliden technischen Inszenierung von dem Spiel seiner Darsteller. Wieso Carell dabei als Bester Hauptdarsteller nominiert wurde, bleibt offen, steht seine Figur doch hinter Mark – oder über Strecken auch Dave – Schultz zurück. Tatums Leistung ist es auch, die am ehesten im Gedächtnis bleibt, während Ruffalo gewohnt überzeugt, Carell wiederum du Pont nicht wirklich zu fassen kriegt und mit lebloser Mimik durch die Szenerie wandelt. Am Ende ist der Zuschauer so alleingelassen, wie es Mark Schultz und John du Pont die meiste Zeit des Films über waren. Als Charakterstudie versagt Foxcatcher somit genauso wie als Biografie-Drama. Und dabei schreibt das Leben doch immer die besten Geschichten.

5.5/10

23. Mai 2010

The Office - Season Six

I’m still enjoying it.

Als Neuangestellter in einem Bürokosmos wirkt alles zu Beginn noch frisch und vielleicht mitunter auch seltsam. Es gibt sympathische Kollegen, etwas Nervigere, möglicherweise auch den ein oder anderen etwas komischen Sitznachbarn und dann natürlich den Chef. Mit den Jahren spielt sich das Alles langsam ein und nach fünf Jahren ist es, wie so vieles im Leben, zur Gewohnheit verkommen. Nicht nur in der Arbeit, auch allgemein. Ein Reifeprozess tritt ein, beziehungsweise ist bereits eingetreten und steht vor dem Abschluss. In der Serienlandschaft gibt es nur wenige Serien, die über Jahre hinweg laufen können oder dürfen. Konzepte wie Friends (10 Jahre) oder ER (15 Jahre) sind die Ausnahme der Regel einer schnelllebigen Branche. Wie der Fels in der Brandung ragte hier seit 2005 Greg Daniels’ US-Adaption von Ricky Gervais’ The Office heraus. Doch im sechsten Jahr nun bricht die charmante Sitcom ein.

Die beiden Hälften der sechsten Staffel zeichnen sich durch jeweils zwei Dinge aus. In den ersten Episoden bereiten zum einen Jim (John Krasinski) und Pam (Jenna Fisher) ihre Hochzeit an den Niagarafällen vor, zum anderen droht Dunder Mifflin der Ausverkauf. Zu diesem kommt es in der zweiten Hälfte dann auch, sodass sich Michael (Steve Carell) und Jim als gleichgestellte Führungskräfte in Scranton mit Jo Bennett (Kathy Bates) und ihrer Drucker-Firma „Sabre“ einer neuen Hierarchie gegenübersehen. Währenddessen geht Pams Schwangerschaft in die finalen Monate. Abseits hiervon zeichnet sich in Andy (Ed Helms) und Erin (Ellie Kemper) ein neues Büropärchen ab und Dwight (Rainn Wilson) zieht die meiste Zeit einsam seine Kreise. Vielleicht auch weil Darryl (Craig Robinson) nun selbst einen Schreibtisch im Büro erhält, geraten Kelly (Mindy Kaling), Ryan (B.J. Novak) und andere noch mehr ins Hintertreffen.

Gab es früher neben den beiden dynamischen Duos Jim-Pam und Michael-Dwight stets noch genügend Raum, auch den anderen Charakteren der Serie - zum Beispiel Creed oder Meredith - entsprechend Entfaltungsspielraum zu gewähren, hat sich dies nun geändert. Was überrascht, weil trotz des verstärkten Fokus' auf Andys und Erins Beziehung gleichzeitig auch Jim und Pam gehörig an screen time einbüßen. Ihr Privatleben wird abgesehen von den zentralen Doppelfolgen Niagara und The Delivery kaum noch thematisiert, im Büro selbst war Pam wegen Mutterschutz lange abwesend und auch ansonsten halten sich Beide hier vermehrt zurück. Da auch Dwight nicht mehr so präsent erscheint wie in vergangen Jahren, ist The Office immer mehr zur Michael-Scott-Show verkommen, ohne dass dieser paradoxerweise (zu) allgegenwärtig auftritt. Dennoch wirkt Daniels’ Serie über weite Strecken verloren, denn es wurde versäumt, neue Gesichter einzubauen.

Weniger Jim, Pam, Kelly, Ryan, Oscar, kaum noch Creed, Toby, Meredith, Stanley und Phyllis. Zwar etwas mehr Andy und Erin, aber auch dies nur unausgegoren. Große Gaststars geben sich nicht gerade die Klinke in die Hand, weshalb Kathy Bates in ihren wenigen Auftritten auch schon das Sahnehäubchen darstellt. Auch auf dem Regieposten zeigte sich kaum Aktivität, der wiederkehrende Harold Ramis und Marc Webb ließen sich ein Mal beschwatzen, ansonsten schien in diesem Jahr die Stunde der Darsteller gekommen. Neben Novak, Kaling, Wilson und Krasinski setzte sich auch Carell hinter die Kamera, um die Kollegen des Ensembles in Szene zu setzen. Von einer Auffrischung also nichts zu spüren, weder vor noch hinter den Kulissen. Stattdessen heißt es allmählich: bonjour tristesse. Denn vom Elan vergangener Jahre ist in The Office nicht mehr allzu viel übrig geblieben. Weshalb das alte Rezept inzwischen fad wird.

Es heißt also den Gürtel enger zu schnallen. Jim spielt Dwight noch weniger Streiche - obschon er und Pam sich gegen Ende der Staffel etwas Nettes haben einfallen lassen - und kaum einer der Handlungsstränge kann und will so recht überzeugen. Deshalb lässt sich The Delivery als einzig wirklich überzeugende Episode ausmachen, nach der erst ein Mal eine Weile lang nichts kommt, ehe sich einige überdurchschnittliche Folgen finden lassen. Hinzu kommen dann misslungene Wochenwerke wie Double Date, The Banker, Sabre und Body-Language, die mit zu den schlechtesten Episoden der ganzen Serie zählen. Zum Verlauf von The Office passt es, dass die Show zwar Anfang Mai für eine siebte Staffel verlängert wurde, Carell jedoch erklärte, dass er aktuell nicht vorhabe, im Jahr darauf zur Serie zurückzukehren. Denn zu erzählen gibt es scheinbar nichts mehr. Was bleibt ist ein würdevoller Abschied ab Herbst 2010.

6.5/10

18. Mai 2009

The Office - Season Five

This is a dream I had since… lunch.

Man könnte meinen, Greg Daniels wollte mit der fünften Staffel von The Office gut machen, was der Autorenstreik in der vierten Staffel verursacht hat. Ganze 26 Folgen ließ er auf das Publikum los und bedenkt man gerade die zweite Hälfte, ist es erstaunlich, dass die Sitcom dennoch das Niveau ihrer Vorgänger zu halten vermochte. Auch in der fünften Staffel dreht sich vieles wieder um Liebe und Beziehungen. Schon beginnend mit Michaels (Steve Carrels) und Hollys (Amy Ryan) Affäre. Im Gegensatz zu Jan scheint Michael hier endlich jemand gefunden zu haben, der sich auf seinem (humoristischen) Level bewegt. Allerdings war es absehbar, dass die Beziehung nicht lange halten würde, was immerhin dazu führt, dass Toby (Paul Lieberstein) nach seiner missglückten Costa Rica Reise zurück in die Scrantoner Filiale von Dunder Mifflin kehrt.

Eine etwas dramatischere Beziehung führen da schon Angela (Angela Kinsey) und Andy (Ed Helms). Die ménage à trois zwischen den beiden Figuren und Dwight (Rainn Wilson) muss natürlich eskalieren und führt zu dem interessanten Ergebnis, dass sich beide Herren von der Neurotikerin abwenden (und teilweise sogar anfreunden). Diese Nebenhandlung ist allerdings nicht sonderlich interessant umgesetzt bzw. stört sie den Erzählfluss der restlichen Geschichte. So ist The Duel, die Klimax zwischen Dwight und Andy, auch die schlechteste Episode der fünften Staffel. Die Beziehung von Pam (Jenna Fisher) und Jim (John Krasinksi) dagegen scheint in Stein gemeißelt zu sein und erfährt erst leichte Sprünge, als die Ehe von Pams Eltern zu einem missverständlichen Streit führt.

Der grundsätzliche Ton der Serie scheint ernster geworden zu sein. Zumindest vermittelt der „Waffenstillstand“ zwischen Jim und Dwight diesen Eindruck. Lediglich zweimal spielt Jim seiner Nemesis einen Streich, womit die fünfte Staffel in dieser Kategorie die bereits niedrige vierte Staffel nochmals unterbietet. Dies ist dahingehend schade, dass frühere Streiche wie Dwight’s CIA-Auftrag oder Faxe aus der Zukunft das Herz von The Office ausmachten. Weshalb die Autoren nicht öfter auf derlei Ideen wie in Moroccan Christmas setzen, bleibt unverständlich. So kommt es in der gesamten zweiten Hälfte – wenn auch bedingt durch die Umstände – zu überhaupt keinem Streich seitens Jim an Dwight. Ein schmerzlicher Verlust für die Serie und ein Trend, der sich – bedenkt man die finale Szene der aktuellen Staffel – wohl auch im Herbst fortsetzen wird.

Ein thematische Überordnung weißt The Office dabei nur in der zweiten Hälfte auf. Die ersten Episoden beschäftigen sich primär mit den Beziehungsfragen von Michael, Dwight und Co. Allerdings finden sich auch hier die Höhepunkte der Staffel. Die tolle Folge Prince Family Paper wurde eine Woche später mit der perfekten Doppelfolge Stress Relief sogar noch überboten. Ansonsten bewegen sich die meisten Episoden auf dem gängigen The Office-Niveau und nur ein Viertel der Staffel ist lediglich durchschnittlich. Erst mit Michaels Kündigung und seinem Ersatz durch den von Idris Elba gespielten Charles bricht die Serie zum Ende hin etwas ein. Dieser Subplot, der aus sechs Folgen besteht, ist nur leidlich unterhaltsam und zudem extrem vorhersehbar. Obschon Elba sehr überzeugend spielt, birgt sein Charakter einfach zu wenig Sympathiepotential, als dass die Büroszenen ohne Michael wirklich funktionieren wollen. Genauso verhält es sich umgekehrt bei der Michael Scott Paper Company rund um Pam und den wieder eingeführten Ryan (B.J. Novak).

Hätte man auf diese sechs inhaltsleeren Folgen (trotz netten Jerry Maguire-Zitats) verzichtet, wäre die Staffel etwas runder und gelungener gewesen. Selbst wenn sich letztlich an der Wertung nichts ändert, da die Elba-Episoden zwar nur durchschnittlich, aber nicht schlecht sind. Ein Gewinn dagegen ist die neue Sekretärin Erin (Ellie Kemper), die sich mit überschwänglichem Enthusiasmus in ihren neuen Job stürzt. Der Staffelabschluss (dieses Jahr eine Solo-Folge) ist etwas schwach bzw. ruhig ausgefallen, weiß aber mit einer frohen Botschaft abzuschließen. Insgesamt ist auch die fünfte Staffel von The Office gelungene Unterhaltung und zeigt, dass die Show weiterhin durch ihre unglaubliche Konstanz zu glänzen weiß. Fraglich bleibt jedoch, wie lange sich Daniels Serie noch halten mag, da irgendwann die Ideen für die Scrantoneers ausgehen dürften. Bis dahin bin ich jedoch zuversichtlich.

8/10

17. April 2009

The Complete: Office

That’s what she said.

Jenseits von Großbritannien kennen nicht viele Menschen Ricky Gervais und schon gar nicht seine Sitcom The Office, die 2001 über zwei Staffeln lang ausgestrahlt wurde. Das Konzept der Serie zündete derart, dass das Format mehrfach ins Ausland verkauft wurde. So zum Beispiel nach Kanada, nach Frankreich oder in die USA. Dem Deutschen bekannt ist dagegen Stromberg, ein The Office-Plagiat, welches versuchte ohne Abschlag an die Briten zu existieren (Pro Sieben ist ein schlauer Sender). Selten kommt es vor, dass ein Remake eines Produktes besser funktioniert als das Original. Bei der amerikanischen Variante von The Office scheint dies der Fall zu sein. Die Besetzung des Ensembles ist grandios, die Figuren sympathisch und die Komik in vielen Fällen außergewöhnlich. Orientierten sich einige erste Folgen noch an dem englischen Pendant, begann The Office schon bald auf eigenen Füßen zu wandeln und einen unverwechselbaren Stil anzunehmen. Die Serie selbst zog im Laufe ihrer Jahre viele renommierte Regisseure an, die sich zu Gastarbeiten überzeugen ließen. So drehte Amy Heckerling bereits in der ersten Staffel eine Episode, während es sich auch Harold Ramis, Jason Reitman, Joss Whedon und J.J. Abrams ein Engagement nicht nehmen ließen.

Primär lebt das The Office Konzept von vier Figuren, welche sich wiederum in zwei Gruppen aufteilen. Auf der einen Seite existiert das potentielle Paar eines sympathischen Mitarbeiters (sei es John Krasinski oder Martin Freeman) und einer Sekretärin. Auf der anderen Seite warten zwei Nervensägen, wie sie im Buche stehen. Ein narzisstischer und überheblicher Chef, sowie dessen (oft ungewollte) rechte Hand. Letztlich ist The Office jedoch immer eine One-Man-Show, die von einer charakterlichen Größe wie Steve Carell, Ricky Gervais, Christoph Maria Herbst oder sonst jemandem dargestellt wird. Am meisten lebt The Office dabei fraglos von seinem exorbitanten Fremdschämfaktor, der sich manchmal mehr und manchmal weniger etwa im 50:50 Bereich zwischen Chef und rechter Hand aufteilt. Im US-Pendant sind über die Jahre jedoch auch einige der Nebendarsteller ans Herz gewachsen, seien es Toby, Oscar, Darryl oder Creed. Im Laufe der bisher veröffentlichen vier Staffeln hat sich die Serie zu einer meiner Lieblingssitcoms entwickelt. Allein wegen ich das Serientheme höre steigt der Endorphinspiegel und macht auch das ein oder andere Ärgernis des (Vor)Tags vergessen. Nachdem die vierte und fünfte Staffel eine Einzelbesprechung erhielten, sollen die drei Vorläufer eine kurze, kompakte Zusammenfassung erfahren.

The Office - Season One

Retrospektiv gesehen wirken die ersten sechs Folgen der Erfolgsserie recht zahm. Dies kann natürlich auch daran liegen, dass man nach fünf Jahren die Figuren in und auswendig kennt und daher etwas überrascht ob ihrer Zurückhaltung ist. Und Michaels (Steve Carells) geschleimte Haare gehen im Nachhinein auch mal gar nicht, während Jims (John Krasinski) Frisur sehr viel netter wirkt, als aktuell (fünfte Staffel) der Fall. Zu Beginn der Serie gibt es sie noch en masse, die verstohlenen Blicke von Jim zu Pam (Jenna Fischer), was immer dann unvorteilhaft ist, wenn ihr Verlobter Roy gerade durch die Tür spaziert. Herrlich auch die hier noch verstärkt vertretenen Anspielungen von Dwight (Rainn Wilson) auf seinen fiktiven Status als assistierender Regionalmanager bzw. Assistent des Regionalmanagers. Einige Aspekte wie Jims Streich des Tackers in der Götterspeise sind direkte Übernahmen aus dem Original und deuten an, dass die Serie hier noch unter der Fuchtel der großen Schwester stehen. Dies wird sich glücklicherweise in den kommenden Staffel ändern.

Nichtsdestotrotz kochen im Grunde alle Figuren noch auf Sparflamme, die Jim-Pam-Szenen nehmen ein Mindestmaß ein, Dwight ist bei Weitem nicht so schrullig, wie er in Wirklichkeit ist und auch Michael hält sich relativ zurück. Abgesehen von seinem indischen Akzent in Diversity Day und seinen Bemerkungen speziell gegen Phyllis in Basketball bewegt sich seine political incorrectness noch in Grenzen. Herrlich jedoch, wenn er sich in seinem Büro einschließt, um nicht den neuen Gesundheitsplan auswählen zu müssen oder eine Überraschung für seine Angestellten plant, da demnächst Entlassungen vorgenommen werden müssen (auch wenn er dies vehement bestreitet). Für die Nebenfiguren heißt es in den ersten sechs Folgen noch zurückzustecken, lediglich Ryan (B.J. Novak) erhält etwas mehr Aufmerksamkeit. Dass ist teilweise (Kelly) erfreulich, andererseits (Creed) bedauerlich. Grundsätzlich braucht die erste Staffel etwas, um warm zu werden und findet in der großartigen fünften Folge Basketball ihren Höhepunkt. Im Übrigen kann man in Hot Girl bereits Amy Adams bewundern, die inzwischen aus der amerikanischen Comedy-Szene kaum noch wegzudenken ist. Die erste Staffel lässt noch Luft nach oben, lässt sich jedoch recht gut an einem langen Abend wegschauen.

The Office – Season Two

Mit der zweiten Staffel konnte The Office nun ein ausgeweitetes Konzept annehmen. Auf das Publikum warteten nun fast viermal so viele Folgen, wie noch in der ersten Staffel. Endlich konnte man sich auch den zahlreichen Nebenfiguren widmen, insbesondere Creed und Kelly. Bemerkenswert übrigens, dass die Serie auch in ihrer zweiten Instanz weiterhin relativ handzahm ist. Kellys pausenloses Mundwerk bekommt speziell Jim (John Krasinski) zu spüren, als er aufgrund eines Fluchs von Pam (Jenna Fischer) nicht sprechen darf. Creed hingegen entfaltet sich gerade in den letzten Folgen zu dem schrulligen „alten Mann“, der er zu sein scheint. Gekrönt wird dies im Staffelfinale Casino Night, wo Creed unumwunden zugibt, dass er es liebt zu stehlen. Aber auch all die anderen Figuren, von Oscar über Kevin, Angela, Meredith, Phyllis bis hin zu Jan, erhalten ihre gebührende Zeit, um sich und ihre Schrulligkeiten präsentieren zu können. Somit ist die zweite Staffel sehr viel flächendeckender was die Charaktere anbetrifft, wohingegen sich ihr Vorgänger primär auf das prominente Quartett fokussiert hat. Durch diese Erweiterung der Scranton-Familie gewinnt die Serie ungemein, nicht so sehr qualitativ als eher quantitativ. Sahnehäubchen auf dem illustren Ensemble sind dann zwei Gastauftritte von Amy Adams als Jims quasi-Freundin Katy.

Wie auch in späteren Staffeln, namentlich der Vierten, dreht sich thematisch nun alles weniger um eine allgemeine Vorstellung der Figuren als vielmehr um deren Privat- bzw. Liebesleben. War Jim in den originalen sechs Folgen noch recht zurückhaltend was seine Gefühle für Pam anbelangt, so lässt er nun gegenüber der Kamera praktisch von Beginn an die Katze aus dem Sack. Gegen Mitte der Staffel plaudert dann zudem Michael (Steve Carell) sein Geheimnis gegenüber allen Büroangestellten aus. Für Pam wiederum spitzt sich die Lage so etwas zu. Zwar steht die Hochzeit mit Roy nun nach der berüchtigten Booze Cruise, aber inzwischen merkt die Telefonistin immer mehr, dass sie ihr Glück eher bei bzw. mit Jim findet, denn mit Roy. Außerdem finden auch zwei weitere Dunder Mifflin Angestellte zueinander. Dwight (Rainn Wilson) und Angela beginnen eine heimliche Affäre, von der bisher nur Pam etwas weiß. Bedauerlicherweise wird nicht näher beleuchtet, wie diese Beiden schließlich zueinander gefunden haben. Ihre pedantische Zugeknöpftheit war hier wohl ausschlaggebend. Beide Beziehungen werden auch in der kommenden, dritten Staffel noch ausgiebig thematisiert werden.

Michael hingegen hat begonnen sich mit seiner Vorgesetzten Jan einzulassen. Dies führt gerade bei ihm natürlich zu einigen peinlichen Momenten, insbesondere dann, wenn er auch hier – wie schon bei Jims Geheimnis – seinen Mund nicht halten kann. Im Vergleich zur zweiten Staffel nimmt Michaels ethnische Diskriminierung etwas ab, auch wenn er sich einige knappe Anspielungen speziell gegenüber Stanley und Darryl nicht sparen kann. Viel amüsanter sind jedoch seine unzähligen Auseinandersetzungen mit Toby, den er sogar an dessen Arbeitsplatz belästigt und im Staffelfinale ungeniert seine Animosität entgegenschleudert. An dieser Stelle soll stellvertretend für alle bisherigen fünf Staffeln eine kleine Lanze für Paul Lieberstein für seine phänomenale Portraitierung von Toby gebrochen werden. Bei ihm reichen schon bloße Blicke, um mehr über seine Figur zu sagen, als man in hundert Seiten schreiben könnte. Das große Liebesthema der zweiten Staffel wird dann letztlich noch von Kelly (Mindy Kaling) und Ryan (B.J. Novak) komplettiert. Kaling und Novak zählen beide zu den Autoren der Serie, wobei ich selbst jedoch froh bin, dass man von ihnen nicht allzu oft etwas sieht. Das letzte Glied in der Kette ist dann Darryl, der weiterhin zeigen darf, dass er sich von Michael – im Gegensatz zu seinen Angestellten – nicht herumschubsen lässt.

Zu meiner eigenen Überraschung ist auch die zweite Staffel nicht so lustig, wie ich mich erinnerte sie einst gefunden zu haben. Die Folgen sind allesamt gut, daran besteht kein Zweifel, doch bei einigen Episoden bleibt es eben bei dem Attribut „gut“. Hierzu zählen beispielsweise The Carpet oder Dwight’s Speech, die eher wenig zu bieten haben, außer den für die Serie obligatorischen Lachern. Manche Folgen fühlen sich zu sehr nach Füllmaterial an, so dass es begrüßenswert gewesen wäre, hätte man die gelungenen Szenen dieser Folgen lieber in andere Folgen dazugepackt. Zu den Höhepunkten der Staffel zählen jedoch weiterhin Michaels ethnische Anspielungen, sein (einseitiger) Kleinkrieg mit Toby sowie Jims Streiche an Dwight (mein Favorit: die Einspeisung von Dwights Schreibtischutensilien in den Snackautomat). Als beste Episoden der zweiten Staffel dürften wohl Christmas Party und Casino Night angesehen werden, wobei auch Booze Cruise und The Secret sehr gelungen sind. Positiv anzusehen ist jedenfalls, dass auch bei Vervierfachung der Episoden das Niveau der vorherigen Staffel gehalten werden konnte. Wie bereits beim Vorgänger geschrieben, besteht jedoch noch Luft nach oben, wie an der vierten Staffel zu sehen ist (während sich die Fünfte wieder eher an den ersten beiden Staffeln orientiert).

The Office - Season Three

Nach dem gelungenen Saisonfinale der letzten Staffel macht die Serie nun einen kleinen Sprung. Pams (Jenna Fischer) und Roys Hochzeit wurde abgesagt, was jedoch noch lange nicht bedeutet, dass diese nun mit Jim (John Krasinski) zusammen ist. Im Gegenteil. Nachdem sie ihn abgeblockt hat, nahm Jim die von Dunder Mifflin ausgeschriebene Stelle in Stamford an. Dies hat zur Folge, dass das erste Drittel der dritten Staffel in zwei Handlungsstränge geteilt ist. Während größtenteils den Umtrieben von Michael (Steve Carell) und Dwight (Rainn Wilson) in Scranton gefolgt wird, finden sich auch kurze Ausflüge in Jims neue Arbeitsumgebung in Stamford wieder. Hierbei beginnt die dritte Staffel außerordentlich stark. Speziell Staffelauftakt Gay Witch Hunt ist eine der gelungensten Folgen in der Seriengeschichte. Es mag etwas irrational klingen, aber The Office gewinnt durch Jims Abwesenheit sogar etwas an Humor. Dies liegt weniger an Jim selbst, als vielmehr an den neuen Arbeitsumgebungen (sowohl hinsichtlich Scranton als auch Stamford).

In dieser Staffel hat Dunder Mifflin mit einigen Problemchen zu kämpfen. Dies beginnt bereits damit, dass Michael in der Auftaktfolge Oscar (Oscar Nunez) als Homosexuellen outet. Um eine Klage abzuwenden, wird Oscar kompensiert. Später wird aus finanziellen Gründen eine der Filialen eingestampft und durch ein obszönes Wasserzeichen zudem Schaden für die Firma verursacht. Man mag es der Serie vorhalten, dass sie gerade den Aspekt der Filialschließung nicht dramatischer ausgearbeitet hat, aber The Office ist nun mal primär eine humoristische Sitcom. Die positive Folge aus dem Schlamassel ist in The Merger schließlich die Tatsache, dass Jim nach Scranton zurückkehrt – allerdings mit neuer Freundin im Gepäck. Es sind jene Szene zwischen Jim und Karen (Rashida Jones), die das Stamford-Szenario so unterhaltsam gestaltet haben. Zudem ist Jones ein richtiger Gewinn für die Serie, da sie ganz besonders gut mit Krasinski harmoniert. Da nimmt man es auch in Kauf, dass man noch eine weitere Staffel auf das „Jam“-Pärchen warten muss. Bedauerlich ist lediglich, wie unsauber sich die Serie in The Job hier aus der Affäre zieht (ähnlich wie auch schon im Vorjahr). Dies wirkt auch deswegen irritierend, da die Kamera sonst im Grunde alles und jeden aufnimmt.

Apropos Kamera. Was mir erst in dieser Staffel aufgefallen ist, war der Punkt, dass nie klar gemacht wurde, wofür die Kameraaufnahmen eigentlich gedacht sind. Immerhin begleitet das Kamerateam nun seit fünf Jahren Michael Scott und Co., doch der Zweck des Filmens wird nie namentlich genannt oder sonst wie erläutert. Hier hat der deutsche Ableger Stromberg in der Tat die Nase vorn, wenn ebenjener Stromberg durch die Dokumentation seiner Arbeit letztlich seinen Job retten und der Firma einen Imagegewinn einbringen konnte. Wie dem auch sei. Nach dem herausragenden ersten Drittel fällt die Show in den folgenden sieben Folgen bis zur Mitte der Staffel hin in ein kleines Loch. Die Folgen sind durchschnittlich (Anm.: „durchschnittlich“ bedeutet in meinem Serienverständnis (lediglich) „gut“). Episoden wie The Convict oder The Return überzeugen nicht so recht und wirken wie bereits The Carpet aus der Vorjahresstaffel eher als Füllmaterial. Mit den beiden Gastbeiträgen von Joss Whedon (Business School) und J.J. Abrams (Cocktails) nimmt die Serie zwar nochmals kurzzeitig an Fahrt auf, versackt dann jedoch wieder bis zum erneut gelungenen Staffelfinale. Im Gegensatz zu Whedon und Abrams wollen Harold Ramis Regiearbeiten nicht so Recht überzeugen. The Office hat weder während der zweiten noch in der dritten Staffel die offerierte „Luft nach oben“ als Anreiz genommen.

Wie immer sind es die Beziehungen, welche die Serie auszeichnen. Im Zentrum steht dabei fraglos die Dreiecksbeziehung zwischen Jim, Karen und Pam. Dies führt gerade für Karen zu der einen oder anderen unangenehmen Situation. Für einiges Drama zeichnen sich aber auch Michael und Jan verantwortlich, während Dwight und Angela sich weiterhin im Hintergrund abspielen. Von den Nebenfiguren rückt zu meiner eigenen Freude vor allem Creed (Creed Bratton) oft in den Fokus der Kamera. Weshalb der Charakter zu einen meiner Lieblingsfiguren zählt, lässt sich besonders gut in dieser dritten Staffel beobachten (herrlich, wie Creed in Branch Closing sein gesamtes Büromaterial verscherbelt). Außerdem geht auch Michaels Vendetta gegen Toby (Paul Lieberstein) in eine neue Runde. Selbst wenn auch die dritte Staffel nicht den entscheidenden Schritt in die richtige Richtung gemacht hat, sind alle Folgen ziemlich unterhaltsam. Manche von ihnen natürlich mehr als andere. Die beiden besten Episoden werden durch Gay Witch Hunt und Business School dargestellt, dicht gefolgt von einigen anderen Episoden aus dem exzellenten ersten Drittel. The Office ist eine überaus gelungene Serie (insbesondere aufgrund ihrer Konstanz) und zählt ohne Probleme zu meinen absoluten Lieblingsserien.


The Office - Season One: 8/10
The Office - Season Two: 8/10
The Office - Season Three: 8/10
The Office - Season Four: 8/10
The Office - Season Five: 8/10

18. August 2008

Over the Hedge

The weed hacker, Verne. The weed hacker!

Da mir in den Foren von Kino.de vorgeworfen wurde, ich würde für Pixar arbeiten, da ich alles von DreamWorks Animation Pictures verfluche, soll diese Kritik zu einem meiner Lieblings-DreamWorks-Filme mich rehabilitieren. In der Tat habe ich Over the Hedge sogar zwei Mal im Kino gesehen, so sehr mochte ich ihn damals (und auch heute noch). Und das sogar beide Male in der deutschen Synchronisation, die im als Ausnahme der Regel sehr gut ausgefallen ist. Und nicht nur das, eigentlich gefällt mir Bernhard Hoëcker als Stimme von Verne fast besser als Gary Shandling im Original. Besonders sein „Kein In-ter-es-se“ ist ganz großes Tennis.

Exzellent unterstützt wird er von seinem Genial daneben-Kollegen Ralf Schmitz als Hammy, dessen Synchronisation sich vor der von Steve Carell nicht zu verstecken braucht. Auch wenn dadurch der Inside Gag verloren geht, dass Hammy vorschlägt, die neu entdeckte Hecke „Steve“ zu nennen - schließlich sei das so ein schöner Name (inkonsequenterweise heißt die Hecke im Deutschen aber nicht „Ralf“). Trotzdem ist die Synchronisation durchaus gelungen, lediglich Bruce Willis gefällt als RJ weitaus besser als Götz Otto. Schon alleine wie Willis im Original gezielt Worte betont und seine Sätze formuliert, bildet eine der eindringlichsten Sprechrollen.

In ihrem sechsten CGI-Film beeindrucken die Entwickler von DreamWorks mit einer exzellent pointierten und gelegentlich großartig gesellschaftskritischen Geschichte. Der Waschbär RJ (Bruce Willis) ist auf der Suche nach Futter und wird in der Höhle von Bär Vincent (Nick Nolte) fündig. Doch seine Habgier wird ihm zum Verderben und alle Lebensmittel werden zerstört. Vincent gibt RJ eine Woche Zeit, ihm all sein Futter wieder zu beschaffen. Da RJ das unmöglich alleine bewerkstelligen kann, manipuliert er die Sammler-Gemeinschaft rund um die Schildkröte Verne (Gary Shandling) und Eichhörnchen Hammy (Steve Carell), ihm zu helfen.

Verne ist zwar zuerst skeptisch, doch seine Familie betet den charmant-gewitzten Neuankömmling bereits nach kurzer Zeit an. Währendessen malträtiert RJ sein schlechtes Gewissen, beginnt er doch Sympathien für die kleine Gruppe zu entwickeln. Was man DreamWorks im Gegensatz zu Pixar zugestehen muss, sind die vielen pop-kulturellen Referenzen, die das Studio in seine Animationsfilme integriert. Diese finden sich nicht nur in Antz oder Shrek, sondern auch in Over the Hedge. Das fängt bereits bei RJ’s Imitation von Raiders of the Lost Ark an und geht dann von Citizen Kane über zu anderen Klassikern wie A Streetcar Named Desire.

Dazu preist sich Carell im Original nicht nur selbst, sondern auch Ozzy Osbourne wird durch William Shatners Opossum ein kleines Denkmal gesetzt. Weshalb der Film dennoch an den Kinokasse letztlich nur halb so viel einspielte, wie der grottige Shrek the Third dürfte wohl nur an dessen Franchise liegen. Allerdings ließen auch die grausigen Madagascar und Shark Tale die „Vorstadtviecher“ hinter sich. Zumindest vom Zeichenstil unterscheidet sich Over the Hedge nicht groß von anderen DreamWorks-Filmen, dafür in seiner Glossenhaftigkeit. So wie die Szene, in der RJ erklärt, worum sich das Leben der Menschen eigentlich dreht: Essen!

Wir fahren Autos, weil wir zu faul zum Laufen sind, schauen im Fernsehen Essen an, benutzen Telefone, um Essen zu bestellen. Manche beten vor dem Essen, andere nehmen Tabletten, wenn sie zu viel gegessen haben oder trainieren ihren Körper, damit sie weiter essen können. Dennoch isst die Fressmaschine Mensch nicht alles, sondern schmeißt fast genauso viel weg. Eine löbliche Kritik an der verfressenen Gesellschaft und vielleicht ein Grund, weshalb der Film im fettesten Land der Welt nicht so gut ankam. Over the Hedge trifft aber nicht nur hier exakt ins Schwarze. Auch die Kritik an der die Natur und ihre Bewohner beschneidenden Suburbia trifft.

DreamWorks überrascht mit vielen originell-komischen  Einfällen wie der Anspielung auf Pringles (“Once you pop, the fun don’t stop“) oder RJ’s schlechtes Gewissen, das sich im Fernsehprogramm niederschlägt. Die pop-kulturellen Referenzen gehen Hand in Hand mit einer gewissen Sozialkritik, die sich den Kleinen aber kaum erschließen dürfte. Vielmehr ist sie an die erwachsenen Zuschauer gerichtet und das muss man DreamWorks zugestehen, ihre Filme funktionieren meist auf zwei Ebenen. Die Moralgeschichte für die Kinder und die aus dem Leben gegriffenen Anspielungen für die Erwachsenen. Ein Spaß für die ganze Familie.

Was es bedeutet, sich in einer Familie aufeinander zu verlassen, dass erfährt Einzelgänger RJ schon ziemlich bald. Die Gruppe agiert auch sehr offen, wendet sich bereitwillig vom verklemmten Verne zum extrovertierten RJ. Der mysteriöse Vertreter aus der Großstadt, der den Kleinstädtern mit Visionen und Ideen kommt, die für sie wie Heilsbotschaften klingen müssen. Ähnliches bot bereits die Simpsons-Folge Marge vs. The Monorail und auch Verne reagiert schützend, wird jedoch von den übrigen nicht ernst genommen. Die Auswirkungen personifizieren sich dann in dem Verminator Dwayne (Thomas Haden Church).

Dieser versucht mit illegalen Apparaturen (natürlich nur in Texas zugelassen) unseren Helden an den Kragen zu gehen. Ein ganz großer Pluspunkt neben der Sozialkritik ist auch die Musik von Rupert Gregson-Williams und Ben Folds. Die Zeiten, in denen die Figuren selbst gesungen haben, sind inzwischen vorbei. Denselben Zweck erfüllen hier die Songtexte von Folds, die das Geschehen in Lyrics fassen und dabei sehr harmonisch in die Handlung eingewoben werden. Der Film hat jedoch so manche Ruhephase und bei mehrmaligem Sehen verlieren Szenen wie Hammy’s schwache Blase nach dem Winterschlaf etwas ihren Witz.

Hier büßt der Film etwas ein, wie auch die beiden Opossums und die Stachelschweine (ihre Kinder ausgenommen) mitunter nerven. Bedenklich gerät zudem die Darstellung der Perserkatze, die sich von dem weiblichen, emanzipierten, amerikanischen Stinktier die Leviten lesen lassen muss. Die versteckte Botschaft hier - man mag von ihr halten was man will - ist wegen ihrer Islamkritik kritisch zu sehen und hat in einem solchen Film nicht unbedingt etwas verloren. Ansonsten ist Over the Hedge jedoch ein herrlicher Spaß für Groß und Klein und einer der besten Filme aus der DreamWorks Animations-Schmiede sowie des Kinojahres 2006.

7.5/10

18. Mai 2008

The Office - Season Four

You don’t know me. You’ve just seen my penis.

Im Vergleich zu den vorherigen Staffeln wartet The Office in ihrer vierten Auflage mit vier Doppelfolgen auf. Letztlich vielleicht nicht die beste Entscheidung, geraten einige Szenen doch etwas zäh. Ohnehin ist die Qualität der ersten Hälfte dieser Staffel eher durchschnittlich und vermag erst in den letzten sechs Folgen nochmals zu alter Klasse zu gelangen. Hauptmanko dieses scheinbaren Qualitätsverlustes ist die Tatsache, dass Ryan (B.J. Novak) nun Jans Posten als Michaels (Steve Carell) Vorgesetzter einnimmt. Nun ist es so, dass Noval weit besser als Autor der Serie denn als ihr Schauspieler taugt. Gerade seine - nun arrogante - Version von Ryan nervt ob ihrer immensen Präsenz teilweise doch ungemein. Hinsichtlich Michaels Vorgesetzten eignen sich zurückhaltendere Charaktere wie Jan oder David Wallace weitaus besser. Zudem ist bis heute unverständlich, weshalb Dunder Mifflin eine Aushilfskraft (die noch nicht einmal einen einzigen Verkauf vorzuweisen hat) in einen Managerposten befördert. Mit dieser Entscheidung haben sich Greg Daniels, Mindy Kaling und B.J. Novak im Nachhinein selbst ins Bein geschossen.

Für die vierte Staffel gibt es kein wirkliches übergeordnetes Thema. Kaum zwei Folgen haben direkt etwas miteinander zu tun, sodass vordergründig Michaels Exzentrizitäten im Mittelpunkt stehen. Beispielhaft kann hier Survivor Man angeführt werden. Ansonsten ist das Schema dasselbe, es sind die Beziehungen, welche die Serie ausmachen. Während Dwight (Rainn Wilson) und Angela überraschend Schluss machen, läuft es zwischen Jim (John Krasinski) und Pam (Jenna Fischer) außerordentlich gut. Ganz anders hingegen entwickelt sich die Beziehung zwischen Michael und Jan. Diese zeigt sich zwar mitunter als sehr liebevolle Freundin, doch meistens ist sie doch noch eine äußerst kalte Frau, die – wie man in Dinner Party sieht – Michael wie einen Hund vor dessen eigenem Bett schlafen lässt. Allgemein ergeben sich für Michael ohnehin sehr viele Momente, die ihm das Mitgefühl der Zuschauer bescheren und ihn mitunter auch sehr sympathisch machen. Hier sei insbesondere das Ende von Survivor Man angeführt, wo man einen Michael Scott kennenlernt, den man so noch nie gesehen hat. Gegenüber Jim gesteht er ein, dass das Meiste was er tut, einfach nur der Auflockerung dient, da es anders kaum möglich scheint.

Ähnlich verhält es sich mit der sehr ambivalenten Folge Did I Stutter?, in welcher Stanley unerwartet ausflippt und Michael vor versammelter Belegschaft seine Inkompetenz vorwirft. Obwohl man weiß, dass es sich hierbei um die Wahrheit handelt, kommt man nicht umhin, tiefes Mitleid mit einem den Tränen nahen Michael zu empfinden. Die Auflösung, dass Stanley quasi ungeschoren davon kommt, ist jedoch nicht sonderlich gut geraten. Ansonsten rücken einige der Nebenfiguren wieder in den Hintergrund, von Oscar über Phyllis zu Creed. Erfreuenswerterweise gibt es jedoch mit Branch Wars ein Wiedersehen mit Karen (Rashida Jones) und Todd Pecker bleibt dem Publikum erspart. Im Vergleich zu den vorherigen Staffeln fällt eine Entwicklung jedoch negativ ins Gewicht. Die Streiche von Jim an Dwight haben extrem nachgelassen. Abgesehen von Launch Party und Goodbye Toby findet keine wirkliche Verarsche von Jim an seinen Tischnachbarn statt. Ein Trend, der sich auch in der fünften Staffel fortsetzt. Dagegen ist Michaels Abneigung gegenüber Toby (Paul Lieberstein) so aktuell wie nie und nimmt gerade gegen Ende (und speziell im Staffelfinale Goodbye Toby) enorm zu.

Bei der Zweitsichtung hat sich bemerkbar gemacht, dass die vierte Staffel ursprünglich nicht nur anders sondern auch besser von mir aufgenommen wurde. Keine Folge ragt wirklich aus den anderen heraus, sodass allenfalls Branch Wars als gelungenste Folge dienen könnte, während mit Dunder Mifflin Infinity ein bisheriger Tiefpunkt erreicht wird. Dies ist gerade dahingehend interessant, da auch die der vorherigen Staffeln im Vergleich zur Erstsichtung abgebaut haben - ironischerweise jedoch mit dem Gradmesser der vierten Staffel. Wie sich herausstellt, spielt diese jedoch auf demselben Niveau wie ihre Vorgänger. Somit ist The Office gerade deshalb außerordentlich, weil die Qualität und das Niveau der Show kontinuierlich gehalten werden. Da das Format der Serie jedoch etwas „ernster“ ist, als bei Kollegen wie Scrubs oder Family Guy (die besonders durch ihre kurzen Sketche funktionieren), vermag es der Serie nicht allzu leicht zu gelingen, in eine herausragende Sphäre vorzudringen. Dies gilt jedoch für die direkte Qualität der Serie, was aber keineswegs bedeutet, dass The Office nicht allein durch sein großartiges Konzept eine herausragende Serie ist. 

8/10

17. März 2008

Dan in Real Life

There's rightness in our wrongness.

Als Witwer hat man es nicht leicht, aber Dan (Steve Carell) meistert die Erziehung seiner drei Töchter relativ gut. Er steht morgens pünktlich auf, schreibt seine Kolumne in der örtlichen Zeitung und schmiert den dreien ihre Pausenbrote, wäscht ihre Wäsche und agiert mit einer gewissen Lockerheit. Für das Wochenende steht dabei ein Besuch bei den Großeltern in Rhode Island an, zudem auch der Rest der Familie erscheinen wird. Hier beginnen erste Querelen, denn seine älteste Tochter will Dan nicht den Wagen fahren lassen und seine mittlere Tochter reißt aus den Armen ihrer großen Liebe. Die Stimmung im Wagen ist fortan gedämpft und um etwas abzuschalten schickt Dans Mutter (Dianne Wiest) ihn in die Stadt um die Zeitung zu kaufen. Dort lernt Dan im Buchladen die extrovertierte Marie (Juliette Binoche) kennen und nach einem langen Gespräch stellt er fest, dass er sich in sie verliebt hat. Während er dies zu Hause seine Familie eröffnet stellt ihm sein Bruder Mitch (Dane Cook) seine neue Freundin vor: Marie! Dan ist sichtlich geschockt, ebenso wie Marie und im Laufe der nächsten Tage wollen beide zwar was im Buchladen war vergessen, die Eifersucht nimmt bei Dan allerdings überhand, als seine gesamte Familie herzlich mit ihr auskommt. Nicht nur durch sein eifersüchtiges Verhalten grenzt er sich allmählich von den anderen ab, sondern auch in seiner Beziehung zu seinen Töchtern verschlechtert sich mehr und mehr die Stimmung – und wo immer er hinsieht findet er nur Marie.

Ein Mann verliebt sich in die Freundin seines Bruders bzw. verliebt sich eine Frau in den Bruder ihres Freundes. Das ganze geschieht unter der Prämisse, dass die drei sich gemeinsam ein gesamtes Wochenende mit der Großfamilie der Brüder unter einem Dach befinden. Besagte Großfamilie ist auch ein Bündel an Harmonie und Liebe, trotz der Schrulligkeit der einzelnen Charaktere. Das hat ein bisschen was von Woody Allen und seinen Filmen Hannah and Her Sisters sowie September, noch sehr viel mehr gemeinsam mit Thomas Bezuchas The Family Stone aus dem Jahr 2005. Damals brachte Dermot Mulroney Sarah Jessica Parker nach Hause, damit sich sein Bruder Luke Wilson in sie und sie sich in ihn verlieben konnte. Obendrein verliebte sich Mulroney dann in Claire Danes, die Schwester von der Parker. Eine typische Hollywood-Dramödie eben. Wegen seiner Vorhersehbarkeit ist es dann auch nicht verwunderlich, wenn am Ende des Filmes Carell und Binoche doch zueinander finden, Cook vertröstet wird und die beiden Töchter das bekommen, was sie wollten (Autofahren und Freund). Selbstverständlich muss der Hauptcharakter dabei eine Katharsis durchmachen, Läuterung erfahren, Bereuen und für seine Schuld gerade stehen, damit ihm am Ende alles Glück der Welt zufallen kann. Bei Filmen wie Dan in Real Life kommt es also nicht darauf an was für eine Geschichte man erzählt – denn ihr Ausgang ist einem bereits bekannt -, sondern wie man sie erzählt. Und im großen und ganzen unterscheidet er sich hier nicht sehr viel von seinem politisch unkorrekterem Pendant Family Stone oder anderen Filmen desselben Themas.

Drehbuchautor Pierce Gardner entwarf die Geschichte basierend auf eigenen Erlebnissen, da auch seine Frau ein Kind einer Großfamilie ist und bei Familientreffen schnell mal dreißig Menschen anwesend waren. Die andere Komponente entwickelte Regisseur und Autor Peter Hedges, bekannt geworden durch seine Drehbücher zu What Eats Gilbert Grape? und About a Boy. Zudem holte sich Hedges für die musikalische Untermalung des Filmes einen seiner Lieblingskünstler, den norwegischen Musiker Sondre Lerche. Bedauerlicherweise wissen weder Gardner noch Hedges über Klischees hinaus zu geraten, von dem Elternteil, dass seinem Kind eine Szene vor dessen Freunden bereitet, wie die aufreizend angezogene Tochter, bis hin zum elterlichen Sexgespräch und einem Sturz vom Dach. Diese Szenen funktionieren trotz ihrer Ausgewaschenheit noch relativ gut im Film, zeugen aber von der fehlenden Frische des gesamten Themas. Selbst manche Dialogzeilen dürften sich in so manchem Filmlexikon finden, so abgenutzt sind diese. Daher kann man dem Film nicht einmal vorwerfen aus seinem Potenzial nichts zu machen, da er eigentlich kein solches besitzt. Die vorhersehbaren Spannungsbögen verpuffen, da man gedanklich Carells Figur fast zuzurufen scheint, was er denn jetzt laut Klischee machen müsste, nur um dies mit einiger Verzögerung auch beobachten zu können.

Das größte Problem hat man mit der amerikanischen harmonischen Familie, wie sie hier wie so oft propagiert wird. Fröhliches gemeinsames Kreuzworträtsellösen als Geschlechterkampf oder privat initiierte Talentshows, jeder ist mit Spaß und Freude bei der Sache, alle haben sich eigentlich lieb, auch die Brüder, welche dieselbe Frau begehren. Dans Töchter hegen zwar ihre pubertären Aggressionen gegen ihn, ganz tief innerlich lieben sie ihn aber doch auch. Und wenn Carell seiner mittleren Tochter hohnvoll vorwirft, dass man nicht nach drei Tagen mit jemand das Wort „Liebe“ gebrauchen kann, nur um selbst die ganze Zeit entgegen seiner Äußerung zu agieren, ist das schon nicht mehr komisch, sondern bedauernswert. Es gibt jedoch auch seine schönen Momente im Film, wenn Dianne Wiest ihren Sohn in die Waschküche ins Bett schickt und vorher noch die Waschmaschine anschmeißt, die zum Ausschalten des Lichtes rattert. Die zehnjährige Marlene Lawston als Dans jüngste Tochter ist ein Höhepunkt für sich und der Film wartet bis in die Nebenrollen mit vielen bekannten und talentierten Gesichtern auf. Da sind in Nebenrollen John Mahoney (Frasier), Jessica Hecht (Friends), Amy Ryan (Gone Baby Gone) und Emily Blunt (Charlie Wilson’s War) zu sehen, auch wenn gerade Ryan und Blunt wegen ihrer geringen Präsenz relativ verschenkt wirken. Carell selbst kann im Film ebenso wenig beeindrucken wie Binoche, da beide nicht sonderlich gefordert werden und mit einem Minimum an Gesichtsausdrücken schaffen ihre Szenen zu überstehen. Letzten Endes ist Dan in Real Life ganz nett, scheitert jedoch an seiner Einfallslosigkeit und dem fehlenden eigenständigen Humor.

4.5/10