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18. November 2015

Kurz & Knackig: Star Wars

A long time ago in a galaxy far, far away....

Keine 40 Jahre ist es jetzt her, dass in einer sehr fernen Galaxie ein junger Amerikaner den Schlüssel zum ewigen Reichtum fand. Mit Star Wars begründete George Lucas – den man damals tatsächlich noch als Auteur bezeichnen konnte – sein Vermögen von mehreren Milliarden Dollar. Und gleichzeitig auch das vierterfolgreichste Film-Franchise aller Zeiten. Inflationsbereinigt ist Star Wars (1977) der zweiterfolgreichste Film der je in den USA lief, mit starken 775 Millionen Dollar heutiger Zeit. Es folgten im Abstand von drei Jahren zwei Fortsetzungen sowie die Einordnung der Trilogie als „Episoden IV bis VI“. Neben Lucas’ Wohlstand sorgte Star Wars auch für ein pop-kulturelles Phänomen und ein Fandom wie kein zweites.

Kurz vor der Jahrtausendwende folgten dann die Prequels, jene „Episoden I bis III“, auf die Fans seit jeher gewartet hatten. Selbst wenn sie nicht auf diese Episoden I bis III gewartet hatten. Dem Erfolg tat dies keinen Abbruch, weitere Milliarden wurden im Kino eingespielt, nicht minder so viel wohl durch Merchandise. Der Zauber, den Star Wars zwei Jahrzehnte zuvor versprühte, wussten die Prequels jedoch nicht zu generieren. Mag es am Herz gefehlt haben oder schlicht am Talent hinter den Filmen. Ehe nun im Zuge der Disneyfizierung die desaströse Entwicklung von Star Wars mit der nächsten Fortsetzungs-Trilogie und Spin-Off-Filmen zu jeder Figur, die einmal übers Bild gehuscht ist, weitergeht, heißt es: Zurückblicken und Reflektieren.

Star Wars – Theatrical Cut (1977)

This is where the fun begins.

Nach gut 20 Jahren Star Wars mal wieder in seiner unbefleckten Form zu sehen, ist bereits ein kleines Highlight für sich. So ganz ohne all den CGI-Schwachsinn, den Lucas seither alle Jubel Jahre verstärkt in sein filmisches Erbe presst. Den Spruch „If it ain’t broke don’t fix it“ hat George wohl noch nie gehört. Arg viel besser als im Original wird massentaugliches Kino wohl nicht mehr, was angesichts der Umsetzung nicht selbstverständlich ist. Denn den Anfang des Films, abgesehen von kurzen Momenten mit Darth Vader (James Earl Jones) und Prinzessin Leia (Carrie Fisher), verbringt das Publikum dabei nahezu ausschließlich mit C-3PO (Anthony Daniels) und R2-D2 (Kenny Baker), zwei Robotern, von denen einer nichtmal spricht.

Star Wars ist im Kern dabei ein herzlicher Film, mit allerlei Neckereien. Sei es zwischen 3PO und R2 oder den menschlichen Figuren. So wie Obi-Wan (Alec Guiness), der sich ein Schmunzeln nicht verkneifen kann, als Han Solo (Harrison Ford) von den Qualitäten des Millennium Falcon schwärmt. Lucas präsentiert seine Welt, ohne zu viel zu erklären, was es ihr erlaubt, authentisch zu wirken. Mitten drin erleben wir dabei Luke Skywalker (Mark Hamill), einen Jugendlichen, der sich interessiert an der Rebellion gegen das Imperium zeigt, aber später hadert, als er Obi-Wan nach Alderaan begleiten soll. Luke wächst mit seiner Aufgabe, genauso wie Han Solo im weiteren Verlauf als Mensch. Star Wars präsentiert uns Figuren zum Mitfiebern.

Die Geschichte selbst ist relativ simpel und lebt weniger von der Handlung als von ihren Protagonisten. Sie funktioniert für mich sogar so gut, dass ich das Schlusskapitel, wenn die Rebellen den Todesstern in die Luft sprengen, gar nicht mehr gebraucht habe. Nicht zuletzt, weil die Bedeutung der Situation eigentlich weitaus mehr Raum verdient hätte, als eine Viertelstunde am Schluss eines bereits begeisternden Abenteuers. Nicht zuletzt, da Return of the Jedi uns im Grunde nochmal dasselbe erzählen wird. Die Sequenz erinnert mich an das Venedig-Kapitel zum Ende von Casino Royale: keineswegs schlecht, aber irgendwie mutet es wie ein nicht zwingend notwendiger Zusatz für eine bereits zufrieden stellende Geschichte an.

Dabei ist der Film nicht makellos, wobei viele Momente primär durch die Folgefilme ins Fragwürdige gezogen werden, wenn der Serienkanon Dingen eine andere Bedeutung verleiht. So wirkt Vader hier eher wie ein Handlanger (oder an der Leine von Gouverneur Tarkin, wie es Leia formuliert), anstatt die Nummer 2 des Imperiums zu sein. Etwas stutzig macht auch, woher Leia Obi-Wans Koordinaten hat und wieso dieser den wenig sinnigen Decknamen „Ben Kenobi“ nutzt. Andere Störfaktoren betreffen das Verhältnis zwischen Obi-Wan und Vader, doch hier liegt die Ursache in den Prequels, nicht dem Original selbst. “This is where the fun begins”, tönt Han Solo darin noch an einer Stelle. Und Recht behalten sollte er. Auch fast 40 Jahre später.

9.5/10

The Empire Strikes Back – Theatrical Cut (1980)

Do or do not. There is no try.

Für die meisten Fans – so heißt es jedenfalls – stellt The Empire Strikes Back den Höhepunkt des Franchises dar. Ich selbst tue mich da etwas schwerer, nicht zuletzt, da der Film fast eine halbe Stunde braucht, ehe er wirklich losgeht. All das Drama um Lukes Sondierungsausflug auf Hoth über den Angriff des Wampas und Hans Rettungsmission mit Tauntaun führt für meinen Geschmack nirgends hin. Abgesehen von ein paar humorvollen Momenten mit den Charakteren („Who’s scruffy looking?”). Wirklich Schwung nimmt der Film erst auf, wenn nach 25 Minuten Vader und das Imperium auf Hoth aufschlagen. Selbst wenn auch hier die Auseinandersetzung mit den AT-ATs – wie jede größere Action-Szene der Reihe – zu ausufernd gerät.

Anschließend teilen sich die Figuren in zwei Gruppen auf, mit gegensätzlicher Dramatisierung. Temporeich gerät die Flucht von Han, Chewbacca (Peter Mayhew), Leia und 3PO vor Vaders Truppen, die sie letztlich nach Cloud City zu Hans altem Freund Lando Calrissian (Billy Dee Williams) führt. Als Gegenpol präsentiert Regisseur Irwin Winkler Lukes Begegnung auf Dagobah mit Yoda (Frank Oz), dem letzten verbliebenen Jedi. In ruhigen, fast schon meditativen Momenten lernt Luke die Kraft der Macht, während Yoda selbst ähnlich wie 3PO und R2 zur humorvollen Auflockerung dient. Dank dieser Figuren sowie Han Solo („Never tell me the odds”) mangelt es dem Film trotz seiner Auszeichnung, der düsterste Teil der Reihe zu sein, nicht an Witz.

Hier nun ist das Standing von Vader im Imperium ein ganz anderes, er antwortet nur noch dem Emperor und plant sogar dessen Sturz mit der Eröffnung, Luke sei sein Sohn. Bei diesem scheint die Verwandtschaft sein Nachname verraten zu haben, erscheint es doch befremdlich, dass Vader auch in Anwesenheit von Leia erneut nicht zu spüren scheint, dass diese seine Tochter ist. Womöglich ist die Macht doch nicht so stark in ihr, entgegen dem, was Yoda im nächsten Teil sagt. Wahrscheinlicher ist wohl, dass hier noch nicht klar war, dass Vaders Nachwuchs nochmals erweitert wird (siehe die Kussszene zwischen Leia und Luke zu Beginn des Films). Grundsätzlich ist The Empire Strikes Back aber eine gelungene Fortsetzung.

9/10

The Return of the Jedi – Theatrical Cut (1983)

The Emperor is not as forgiving as I am.

Überraschenderweise waren die beiden Folgeteile von Star Wars weitaus weniger erfolgreich als dieser, so auch der Trilogieabschluss The Return of the Jedi. Ähnlich wie sein Vorgänger hat er quasi einen Akt vor der eigentlichen Geschichte, wenn erst C-3PO und R2-D2, dann Leia und Chewie und schließlich Luke selbst versuchen, Han Solo aus der Gefangenschaft von Jabba the Hutt auf Tatooine zu befreien. Eine Rettungsmission, die mit Rancor und Sarlacc durchaus Spaß bereitet, obschon die Rettung selber gänzlich absurd durchdacht und enorm vom Zufall abhängig ist. Auch die Hintergründe werden nicht vollends klar, berücksichtig man die Ereignisse zum Ende des letzten und zum Beginn von diesem Teil. Aber sei’s drum.

Die Kernhandlung des Films ist das, was Lucas in seinem ersten Teil am Ende in einer Viertelstunde kurz erzählt hat: Die Rebellen müssen (mal wieder) den Todesstern in die Luft sprengen. Eine Geschichte, die Regisseur Richard Marquand in der zweiten Hälfte auf drei Ebenen erzählt, nach einem langatmigen Ausflug auf Endor zu den Ewoks. Hier verabschiedet sich Luke dann zur Konfrontation mit Vader und dem Emperor, während Han, Chewie und Leia mit den Ewoks versuchen, den Schildgenerator des Todessterns auszuschalten, damit Lando und Co. diesen zerstören können. Viele Handlungsorte mit ausufernden Szenen, wo letztlich ohnehin nur jene Sequenz interessiert, in der Luke sich seinem Schicksal stellen muss.

Der Ausflug nach Dagobah zuvor dient nur weiterer Exposition, ist Luke doch auch ohne Fortführung seines Trainings nun bereit – und autodidaktisch im Stande, Lichtschwerter zu konstruieren. Sehr schön ist aber der Moment, wenn Luke die Roboterhand seines Vaters sieht und dies ihm Warnung genug ist, nicht zu enden, wie dieser selbst. Seltsam mutet dafür an, wieso er Anakin später mit Darth Vaders Maske verbrennt. Auch hier tauchen wieder Fragen für das Franchise auf. Grundsätzlich ist Return of the Jedi aber ein solider Abschluss, der allerdings viel zu lang für alle seine Szenen aufwendet: von Hans Rettung, über die Ewoks bis hin zum Endor-Angriff und Lukes Konfrontation. Hier wäre mal wieder weniger mehr gewesen.

8/10

Star Wars – Episode I: The Phantom Menace (1999)

Yousa in big dudu this time.

Groß war die Euphorie, als mit The Phantom Menace das nächste Star Wars-Kapitel aufgeschlagen wurde. Rückblickend erscheint der Film als einziges Kuddelmuddel, der sowohl Kinder als auch ihre Eltern bedienen will und schlussendlich in beiden Fällen versagt. Im Zentrum steht eine Blockade und Invasion des Planeten Naboo durch die Handelsorganisation rund um Nute Gunray aus Besteuerungsgründen. Die Jedi Qui-Gon Jinn (Liam Neeson) und Obi-Wan Kenobi (Ewan McGregor) sollen den Konflikt klären, entkommen aber nur knapp einem Attentat und fliehen schließlich mit Naboos Königin Amidala (Natalie Portman) und dem Einheimischen Jar Jar Binks (Ahmed Best) Richtung Coruscant – mit einem langen Zwischenstopp auf Tatooine.

Hier folgt die Einführung von Anakin Skywalker (Jake Lloyd) als Space Jesus, der unbefleckten Empfängnis entstammend buchstäblich ein Kind der Macht. Mit einer Zahl an Midi-chlorians, die sogar Yodas übersteigt. Ein nutzloses Podrace später folgt auf dem Zwischenstopp in Coruscant die Rückkehr nach Naboo. Wieso der Planet überhaupt wichtig ist, wird dabei zu keinem Zeitpunkt klar. The Phantom Menace ist ein Film, der um Actionszenen herum konzipiert ist, die über viel CGI-Effekte funktionieren sollen. Die Geschichte und die Figuren stehen hintenan – also all das, was Star Wars 22 Jahre zuvor zum Welthit werden ließ. Hinzu kommt, dass Lucas den Film zum Großteil nur als eine Exposition missbraucht – die viele Fragen aufwirft.

Sprach Obi-Wan in Star Wars Vader noch mit „Darth” an, als sei dies dessen Vorname, erfahren wir nun, dass einfach jeder Sith Lord den Beinamen „Darth” erhält. Kanzelte der Emperor in Return of the Jedi Lukes Lichtschwert noch als “Jedi weapon” ab, rennt Darth Maul (Ray Park) nun selbst mit einem herum. War Darth Maul also auch mal ein Jedi? Und während Yoda warnt, “anger leads to hate” und letztlich zur dunklen Seite der Macht, sind es gerade Wut und Zorn, die Luke in Return of the Jedi im Kampf gegen Vader obsiegen lassen und mit denen Obi-Wan nach Qui-Gons Tod wiederum Darth Maul begegnet. Es sind alles leblose Worte in einem Film, dem es an dreidimensionalen Figuren und einer erzählenswerten Geschichte fehlt.

Stattdessen bemüht Lucas das Referieren auf die Trilogie. So ist es Anakin, der C-3PO baut und R2-D2 darf bereits hier zum Alltagshelden aufsteigen. Bei der Begegnung zwischen Amidala/Padme und Anakin weht Lucas ebenso mit dem Zaunpfahl wie beim Treffen von Anakin und Obi-Wan. Dass der wiederum so wie der Rat der Jedi und Padme von dem Knirps irritiert ist, stört Qui-Gon aus unerklärlichen Gründen nicht. The Phantom Menace ist auch unabhängig von Jar Jar Binks – der mit seinem ersten Auftritt sofort nervt – ein einziges filmisches Ärgernis. Der Film will jeden ansprechen und verhallt infolgedessen unter all dem Lärm, den er verursacht. “Anger leads to hate, hate leads to suffering”, sagte Yoda. Und sollte Recht behalten.

3/10

Star Wars – Episode II: Attack of the Clones (2002)

I wish I could just wish away my feelings, but I can’t.

Wie sehr die Star Wars-Euphorie einbüßte, zeigt sich schon darin, dass Attack of the Clones ganze 300 Millionen Dollar weniger einspielte als noch The Phantom Menace. Vielleicht auch, weil die Irritation dessen, was inzwischen Star Wars war, hier noch verstärkt wurde. Auslöser der Handlung ist eine Reihe von Attentatsversuchen auf Padme, die aktuell als Senatorin von Naboo in Coruscant dient. Obi-Wan und Anakin (Hayden Christensen) werden zu ihrem Schutz abgestellt, erhalten jedoch kurz darauf jeder ihren eigenen Erzählstrang. Während Anakin und Padme sich im Versteck auf Naboo allmählich ineinander verlieben, geht Obi-Wan der Spur eines Kopfgeldjägers nach, die ihn zu einer Klonkrieger-Armee auf Kamino führt.

Erweckte der Vorgänger zumindest den Eindruck, teils in einer echten Umgebung gedreht worden zu sein, entstammt Attack of the Clones nun aus der Konserve – und sieht entsprechend hässlich aus. Vollgestopft mit CGI ist das einzig Authentische das jeweilige Kostüm, das Natalie Portman trägt. Und für jede Szene gemeinsam mit ihrer Frisur wechselt. Der Film selbst klatscht eine Referenz an die Trilogie an die nächste. Von Obi-Wans Cantina-Kampf aus Star Wars bis hin zu Boba Fetts Verfolgungstrick aus Empire Strikes Back. Dachte man “May the Force be with you” war ein gutes Zureden von Obi-Wan für Luke, erscheint es nun eher als Jedi-Grußform. Die Folge ist weniger eine Hommage als Entmystifizierung des Originals.

Peinlich wird es, wenn Obi-Wan auf der Suche nach Kamino von einem 5-Jährigen belehrt wird, während sich Padme aus verstörenden Gründen in einen Soziopathen verknallt. Dass die Darsteller dabei allesamt steif wie ein eingefrorener Besenstiel agieren, mag daran liegen, dass sie von Blue Screens umgeben waren. Denn so schlecht das Drehbuch auch ist, könnte man mehr aus diesem herausholen, als es die Darsteller tun. Positiv ist in Attack of the Clones zumindest, dass Obi-Wan mehr zu tun bekommt, Jar Jar Binks kaum auftritt und Anakin, obschon er genauso nervt wie zuvor, nun zumindest etwas mehr Persönlichkeit erhält. Das große Finale auf Geonosis ist dann wieder klassischer ausufernder CGI-Overkill à la George Lucas.

3.5/10

Star Wars – Episode III: Revenge of the Sith (2005)

What have I done?

So fraglich wie es generell sein mag, überhaupt die Genesis von Darth Vader erzählen zu wollen, war doch ziemlich deutlich, dass der ganze Sinn der Prequels am Ende in Revenge of the Sith bestand. Folglich ist das Thema der Verführung von Anakin zur dunklen Seite durch Palpatine (Ian McDiarmid) der Kern der Geschichte, während Obi-Wan wieder mal eine Extramission erhält. In dieser setzt er sich mit Roboter-General Grievous auseinander, ehe der große Jedi-Genozid startet, weil Anakin nachts nicht gut schlafen kann. “This is where the fun begins”, sagt dieser zu Beginn in einer von so vielen Szenen, die deutlich macht, dass George Lucas die Magie der Originalfilme einfach nicht begreift. Oder womöglich schlichtweg nie begriffen hat.

Der Film beginnt dabei mit einem ähnlichen CGI-Overkill wie der Vorgänger zu Ende ging. Jeder Konflikt wird in den Prequels mit dem Lichtschwert geklärt, wo dieses in der Originalreihe noch weitestgehend verzichtenswert war. Count Dooku (Christopher Lee), eine Figur, der sich Lucas zuvor wenig bis kaum gewidmet hat, wird sich erledigt. Genauso wie kurz darauf dem erst hier eingeführten General Grievous. Beschäftigungstherapie für Obi-Wan, der immer noch an Anakin zweifelt. Von der Freundschaft, über die er in Star Wars sprach, und von gefühlter Bruderliebe, wie hier am Ende, als er Anakin die Beine abschneidet, spürte der Zuschauer in allen drei Filmen in keiner einzigen Szene etwas. Alles ist nur noch Selbstzweck für Lucas.

Yoda faselt unterdessen “fear of loss is the path to the dark side”, wobei laut Prequel-Yoda sowieso alles irgendwie ein “path to the dark side” ist. Samuel L. Jacksons unterbeschäftigter Mace Windu guckt trüb in die Kamera und Padme wechselt weiter fleißig ihre Kostüme. Anakin wiederum darf Palpatine im Rat der Jedi vertreten – ohne zum Meister ernannt zu werden –, und man fragt sich, wieso Palpatine überhaupt im Jedi-Rat vertreten ist? Alles nur, um Anakin an einen Punkt zu bringen, wo er zu Vader werden darf – was nach einem weiteren CGI-Overkill mit Obi-Wan auf Mustafar der Fall ist. Weil Obi-Wan “the high ground” hat, die geschicktere Position, über Anakin stehend. Selbst wenn Darth Maul damals eigentlich auch den “high ground” besaß.

Wenig macht noch Sinn. Selbst Palpatine hat nun ein Lichtschwert, ungeachtet seiner Haltung aus Return of the Jedi nach. Wieso die Prequels so missraten sind, ist schwer zu sagen (Redlettermedia versuchte es), Potential war vorhanden. Teil 1 mit Anakin bereits im Endstadium als Padawan beginnen, den Fokus auf die freundschaftliche Beziehung zwischen ihm und Obi-Wan legend. In Teil 2 hätte Padme eingeführt werden können und eine erste Begegnung mit der dunklen Seite. Der wäre ein sympathischer Anakin dann in Teil 3 erlegen, weniger wegen nächtlicher Albträume und auch ohne zum wahnsinnigen Massenmörder zu werden. Das Positive ist: Schlechter als die Prequels kann auch Disneys The Force Awakens nicht mehr sein.

2/10

24. März 2008

Jumper

I’m gonna need a bigger bag.

Superhelden. Sie sind dafür da, die Unterdrückten zu beschützen und den armen Seelen in Not zu helfen. Ausgestattet mit besonderen Fähigkeiten unterscheiden sie sich von dem Durchschnittsbürger – aus demselben Grund stammt meist auch ihre Motivation. „With great power comes great responsibility“, sagte schon Tante Mae zu Peter Parker in Spider-Man 2. Wie könnte ein unsterblicher Superman auch durch Metropolis laufen, im Wissen dass er flüge ist, Laseraugen und einen eiskalten Atem hat? Wie könnte Peter Parker durch New York City schwingen, mit seinen warnenden Spinnensinnen, wie ein telepathischer Professor X seine Kräfte nicht zum Wohl seiner Umgebung einsetzen. Doch Menschen mit einer besonderen Begabung setzen diese auch gerne für das Gegenteilige ein, um anderen zu schaden und sich selbst zu bereichern. Ein Magneto aus X-Men beispielsweise oder in anderer Hinsicht Mr. Glass in M. Night Shyamalans Unbreakable. Es gibt Helden, es gibt Superhelden und es gibt Hancock – zelebrierte Peter Berg mit seinem etwas anderen Superheldenfilm dieses Jahr die Extravaganz, die im Nachhinein keine wahr. Schließlich war Hancock immer noch ein (Super)Held, der für das Wohl der Menschen eintrat. Wie man es richtig machen könnte, hatte dagegen ebenfalls dieses Jahr Regisseur Doug Liman angedeutet. Der Spezialist für actionreiches Kino (The Bourne Identity, Mr. & Mrs. Smith) verfilmte den Roman von Stephen Gould und erweiterte ihn um die eine oder andere Facette. Viel wichtiger jedoch, er schenkte dem Kino den einen, etwas anderen Helden – der keiner war.

Dabei beginnt Jumper wie jede konventionelle Superhelden-Geschichte. Der Schüler David Rice ist im Grunde ein Verlierer und dabei ein Opfer seines Elternhauses. Die Mutter (Diane Lane) verließ die Familie früh, was unmittelbare Auswirkungen auf den emotionalen Zustand ihres Mannes (Michael Rooker) hatte. David ist verschüchtert, ihm fehlt die Basis der Liebe, das Gefühl der Akzeptanz. Ein Vorfall nach der Schule konfrontiert den Jungen zum ersten Mal mit seiner neuen Kraft. Statt zu sterben beginnt David jetzt erst richtig zu leben. Der Unfall gibt ihm die Chance dazu. Um sein Lebensstatus zu finanzieren muss der Junge allerdings eine Bank überfallen – seine naive Intention das Geld eines Tages zurück zu zahlen wird er dabei über die Jahre hinweg beibehalten. Nach diesem knapp zehnminütigem Prolog präsentiert Liman ihn dem Publikum, seinen Helden, der kein solcher ist. Vielmehr ist David (Hayden Christensen) ein Narzisst, egozentrisch und in seine Kraft verliebt. Seine Bequemlichkeit wird ihm kurz darauf zum Verhängnis werden, zu faul ist David selbst wenige Schritte in seinem Loft zu tätigen. Vom Wohnzimmer teleportiert er sich an den Kühlschrank, von dort auf die Couch. Als die Fernbedienung einen halben Meter zu weit weg liegt…teleportiert er sich diesen halben Meter zur Seite. Der Blick in den Fernseher gewährt eine Notsituationen einiger Menschen durch eine Flut. Der Moderator spricht die hoffnungslosen Worte, wer denn in diesem Moment helfen könnte und Liman zeigt ihn uns. Doch David verdreht nur innerlich die Augen. Helfen, ja klar, aber wozu, schließlich würde es ihn seine Bequemlichkeit kosten. Einfach ignorieren, einfach abschalten. Stattdessen geklautes Geld einstecken und sich zum Flirten nach London teleportieren. Das ist er nun, Doug Limans Anti-Held, der wir in Innern unseres Herzens doch alle gerne wären.

Seine Bequemlichkeit reicht sogar so weit, dass David sich nicht einmal die Mühe macht, seine Kräfte vollends auszulotsen, er bedient sich ihrer auf minimalistische Weise. Nach dem klassischen Prolog springt Liman dann sofort in die Handlung und setzt mit seiner Konfrontation an. Der Antagonist der Geschichte ist Roland (Samuel L. Jackson), ein Paladin. Was oder wer ein Paladin ist, erfährt der Zuschauer zu diesem Zeitpunkt noch nicht und auch später wird er von Griffin (Jamie Bell) nur über das Nötigste eingeweiht. Es zeichnet sich zu Beginn jedoch auch ein anderer Konflikt ab, den Roland sogleich anspricht als er David trifft. Jemand beschützt David, das ist der Grund, weshalb er sein sorgenloses Leben führen konnte. Da kommt es durchaus überraschend, dass ihm Roland nach all den Jahren doch relativ überraschend auf die Schliche gekommen ist. An jenem Konflikt, an dem sich Jumper aufhängt, mag er für viele jedoch auch Scheitern. Die Story des Filmes scheint auf eine Trilogie angelegt zu sein, dass merkt man der Handlung über die meiste Zeit an. Nichts wird wirklich erklärt und wenn dann lediglich angerissen. Weshalb die Paladine Jumper jagen, wie man zum Paladin wird und weshalb scheinbar alle Jumper irgendwann böse werden – all dies sind Punkte, die hier als narrative Elemente vorhanden sind, sich jedoch nicht in ein respektive das Gesamtkonzept einfügen wollen.

Antworten wird Liman wohl erst in der Fortsetzung 2011 geben, für die Jumper dann nicht mehr als eine Vorepisode sein dürfte. Wer sich ungeachtet der inhaltlichen Lücken – die man gerne auch selbst ausfüllen kann – auf die, zugegeben, einfache Geschichte einlässt, kann jedoch seinen Spaß haben. Dies ist der originellen Idee geschuldet oder besser gesagt ihrer Umsetzung. Obschon man an Originalschauplätzen wie dem Kolosseum drehte, wurden andere Einstellungen – wie beispielsweise die Ankunft von David und Millie (Rachel Bilson) am Kolosseum – digital erzeugt. Dies beißt sich hier ebenso, wie es in anderen Filmen (10.000 B.C.) der Fall ist, wird jedoch kurz darauf bereits durch die Actionszenen kaschiert. Diese funktionieren im Grunde einzig dank Jamie Bell, da seine Figur des Griffin die ausgebildete und geformte ist. Christensens David dagegen ist zumeist perplex, in einer fremden Umgebung und weiß sich nicht aktiv einzubinden. Ähnlich gelungen wie Bryan Singer seinen Nightcrawler in X2 einsetzte, präsentiert Liman dem Publikum hier Griffin. Seine Angriffe auf die Paladine im Kolosseum oder auf Roland in der Wüste sind technisch gut choreographiert und digital animiert. Ohnehin ist das „jumpen“ der eigentliche Star des Filmes und insbesondere diese Szenen sind es, die zu gefallen wissen. Die grundsätzliche Handlung des Filmes orientiert sich dabei im Prinzip nach dem Schema F. Der Antagonist (Roland) raubt die Liebe (Millie) unseren Helden (David) um diesen in einem finalen Kampf zu stellen und zu vernichten. Selbiges Schema legte Sam Raimi für seine gesamten Spider-Man-Filme zu Grunde. Aufgepeppt wird das von Liman noch durch den erfahrenen Kollegen (Griffin), der den neuen Helden in das Geheimnis und die Anwendung seiner Kräfte einführt, wie unter anderem auch in Highlander und dergleichen der Fall.

In Jumper geht es Liman nicht darum einen neuen Helden zu erschaffen, seine Katharsis zu bewirken, sondern vielmehr ist der Film in gewisser Hinsicht eine coming-of-age-Geschichte oder wenn man es will, eine Liebesgeschichte. Nachdem David jahrelang der Welt den Rücken gekehrt hat, geht es für ihn nunmehr darum, sich wieder den Menschen aus seiner Vergangenheit zu öffnen. Dass er diese dabei in Lebensgefahr bringt, sorgt für eine Reifung in seinem Charakter. Dabei eröffnet sich zum Ende hin, dass es mit Davids Schicksal weitaus mehr auf sich hat, als er selbst vermutet hat und was unweigerlich der Aufhänger für den zweiten Teil bilden dürfte. In jenem sollten auch alle offenen Fragen in Bezug auf die Paladine geklärt werden und auch mehr über ihren Konflikt mit den Jumpern Erläuterung erfahren. Die Regie von Liman ist im Grunde ziemlich schnörkellos, gewohnt gekonnt, dabei die Effekte schön herausarbeitend. Dem Film selbst ordnen sich dann auch die Schauspieler unter, es sei denn sie besitzen das Potenzial – wie Jamie Bell – ihren Szenen einen Stempel aufzudrücken. Christensen jedenfalls zeigt hier erneut, dass es ihm an schauspielerischem Talent fehlt, was sich vorbehaltlos auch auf Bilson übertragen lässt. Jackson und Lane können sich in ihren eindimensionalen Figuren nicht wirklich hervortun, doch Raum steht ihnen ohne Zweifel im zweiten Teil offen, sollten sie bei einem solchen überhaupt mit von der Partie sein. Was Jumper nun etwas aus dem Pool der Superhelden-Filme heraushebt, ist ebenjene Kreation eines Helden, der keiner ist. Davids Fokus wird auf sein Privatleben gerichtet, seine Affektion für Millie und sein plötzliche Positionierung in einen Jahrhunderte alten Konflikt. Somit ist Jumper kein wahrhaft schlechter Film, selbst wenn er einige Schwächen besitzt. Diese könnten jedoch durch einen überzeugenden zweiten Teil ausgemerzt werden.

7/10 – in anderer Form erschienen bei Wicked-Vision