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18. November 2015

Kurz & Knackig: Star Wars

A long time ago in a galaxy far, far away....

Keine 40 Jahre ist es jetzt her, dass in einer sehr fernen Galaxie ein junger Amerikaner den Schlüssel zum ewigen Reichtum fand. Mit Star Wars begründete George Lucas – den man damals tatsächlich noch als Auteur bezeichnen konnte – sein Vermögen von mehreren Milliarden Dollar. Und gleichzeitig auch das vierterfolgreichste Film-Franchise aller Zeiten. Inflationsbereinigt ist Star Wars (1977) der zweiterfolgreichste Film der je in den USA lief, mit starken 775 Millionen Dollar heutiger Zeit. Es folgten im Abstand von drei Jahren zwei Fortsetzungen sowie die Einordnung der Trilogie als „Episoden IV bis VI“. Neben Lucas’ Wohlstand sorgte Star Wars auch für ein pop-kulturelles Phänomen und ein Fandom wie kein zweites.

Kurz vor der Jahrtausendwende folgten dann die Prequels, jene „Episoden I bis III“, auf die Fans seit jeher gewartet hatten. Selbst wenn sie nicht auf diese Episoden I bis III gewartet hatten. Dem Erfolg tat dies keinen Abbruch, weitere Milliarden wurden im Kino eingespielt, nicht minder so viel wohl durch Merchandise. Der Zauber, den Star Wars zwei Jahrzehnte zuvor versprühte, wussten die Prequels jedoch nicht zu generieren. Mag es am Herz gefehlt haben oder schlicht am Talent hinter den Filmen. Ehe nun im Zuge der Disneyfizierung die desaströse Entwicklung von Star Wars mit der nächsten Fortsetzungs-Trilogie und Spin-Off-Filmen zu jeder Figur, die einmal übers Bild gehuscht ist, weitergeht, heißt es: Zurückblicken und Reflektieren.

Star Wars – Theatrical Cut (1977)

This is where the fun begins.

Nach gut 20 Jahren Star Wars mal wieder in seiner unbefleckten Form zu sehen, ist bereits ein kleines Highlight für sich. So ganz ohne all den CGI-Schwachsinn, den Lucas seither alle Jubel Jahre verstärkt in sein filmisches Erbe presst. Den Spruch „If it ain’t broke don’t fix it“ hat George wohl noch nie gehört. Arg viel besser als im Original wird massentaugliches Kino wohl nicht mehr, was angesichts der Umsetzung nicht selbstverständlich ist. Denn den Anfang des Films, abgesehen von kurzen Momenten mit Darth Vader (James Earl Jones) und Prinzessin Leia (Carrie Fisher), verbringt das Publikum dabei nahezu ausschließlich mit C-3PO (Anthony Daniels) und R2-D2 (Kenny Baker), zwei Robotern, von denen einer nichtmal spricht.

Star Wars ist im Kern dabei ein herzlicher Film, mit allerlei Neckereien. Sei es zwischen 3PO und R2 oder den menschlichen Figuren. So wie Obi-Wan (Alec Guiness), der sich ein Schmunzeln nicht verkneifen kann, als Han Solo (Harrison Ford) von den Qualitäten des Millennium Falcon schwärmt. Lucas präsentiert seine Welt, ohne zu viel zu erklären, was es ihr erlaubt, authentisch zu wirken. Mitten drin erleben wir dabei Luke Skywalker (Mark Hamill), einen Jugendlichen, der sich interessiert an der Rebellion gegen das Imperium zeigt, aber später hadert, als er Obi-Wan nach Alderaan begleiten soll. Luke wächst mit seiner Aufgabe, genauso wie Han Solo im weiteren Verlauf als Mensch. Star Wars präsentiert uns Figuren zum Mitfiebern.

Die Geschichte selbst ist relativ simpel und lebt weniger von der Handlung als von ihren Protagonisten. Sie funktioniert für mich sogar so gut, dass ich das Schlusskapitel, wenn die Rebellen den Todesstern in die Luft sprengen, gar nicht mehr gebraucht habe. Nicht zuletzt, weil die Bedeutung der Situation eigentlich weitaus mehr Raum verdient hätte, als eine Viertelstunde am Schluss eines bereits begeisternden Abenteuers. Nicht zuletzt, da Return of the Jedi uns im Grunde nochmal dasselbe erzählen wird. Die Sequenz erinnert mich an das Venedig-Kapitel zum Ende von Casino Royale: keineswegs schlecht, aber irgendwie mutet es wie ein nicht zwingend notwendiger Zusatz für eine bereits zufrieden stellende Geschichte an.

Dabei ist der Film nicht makellos, wobei viele Momente primär durch die Folgefilme ins Fragwürdige gezogen werden, wenn der Serienkanon Dingen eine andere Bedeutung verleiht. So wirkt Vader hier eher wie ein Handlanger (oder an der Leine von Gouverneur Tarkin, wie es Leia formuliert), anstatt die Nummer 2 des Imperiums zu sein. Etwas stutzig macht auch, woher Leia Obi-Wans Koordinaten hat und wieso dieser den wenig sinnigen Decknamen „Ben Kenobi“ nutzt. Andere Störfaktoren betreffen das Verhältnis zwischen Obi-Wan und Vader, doch hier liegt die Ursache in den Prequels, nicht dem Original selbst. “This is where the fun begins”, tönt Han Solo darin noch an einer Stelle. Und Recht behalten sollte er. Auch fast 40 Jahre später.

9.5/10

The Empire Strikes Back – Theatrical Cut (1980)

Do or do not. There is no try.

Für die meisten Fans – so heißt es jedenfalls – stellt The Empire Strikes Back den Höhepunkt des Franchises dar. Ich selbst tue mich da etwas schwerer, nicht zuletzt, da der Film fast eine halbe Stunde braucht, ehe er wirklich losgeht. All das Drama um Lukes Sondierungsausflug auf Hoth über den Angriff des Wampas und Hans Rettungsmission mit Tauntaun führt für meinen Geschmack nirgends hin. Abgesehen von ein paar humorvollen Momenten mit den Charakteren („Who’s scruffy looking?”). Wirklich Schwung nimmt der Film erst auf, wenn nach 25 Minuten Vader und das Imperium auf Hoth aufschlagen. Selbst wenn auch hier die Auseinandersetzung mit den AT-ATs – wie jede größere Action-Szene der Reihe – zu ausufernd gerät.

Anschließend teilen sich die Figuren in zwei Gruppen auf, mit gegensätzlicher Dramatisierung. Temporeich gerät die Flucht von Han, Chewbacca (Peter Mayhew), Leia und 3PO vor Vaders Truppen, die sie letztlich nach Cloud City zu Hans altem Freund Lando Calrissian (Billy Dee Williams) führt. Als Gegenpol präsentiert Regisseur Irwin Winkler Lukes Begegnung auf Dagobah mit Yoda (Frank Oz), dem letzten verbliebenen Jedi. In ruhigen, fast schon meditativen Momenten lernt Luke die Kraft der Macht, während Yoda selbst ähnlich wie 3PO und R2 zur humorvollen Auflockerung dient. Dank dieser Figuren sowie Han Solo („Never tell me the odds”) mangelt es dem Film trotz seiner Auszeichnung, der düsterste Teil der Reihe zu sein, nicht an Witz.

Hier nun ist das Standing von Vader im Imperium ein ganz anderes, er antwortet nur noch dem Emperor und plant sogar dessen Sturz mit der Eröffnung, Luke sei sein Sohn. Bei diesem scheint die Verwandtschaft sein Nachname verraten zu haben, erscheint es doch befremdlich, dass Vader auch in Anwesenheit von Leia erneut nicht zu spüren scheint, dass diese seine Tochter ist. Womöglich ist die Macht doch nicht so stark in ihr, entgegen dem, was Yoda im nächsten Teil sagt. Wahrscheinlicher ist wohl, dass hier noch nicht klar war, dass Vaders Nachwuchs nochmals erweitert wird (siehe die Kussszene zwischen Leia und Luke zu Beginn des Films). Grundsätzlich ist The Empire Strikes Back aber eine gelungene Fortsetzung.

9/10

The Return of the Jedi – Theatrical Cut (1983)

The Emperor is not as forgiving as I am.

Überraschenderweise waren die beiden Folgeteile von Star Wars weitaus weniger erfolgreich als dieser, so auch der Trilogieabschluss The Return of the Jedi. Ähnlich wie sein Vorgänger hat er quasi einen Akt vor der eigentlichen Geschichte, wenn erst C-3PO und R2-D2, dann Leia und Chewie und schließlich Luke selbst versuchen, Han Solo aus der Gefangenschaft von Jabba the Hutt auf Tatooine zu befreien. Eine Rettungsmission, die mit Rancor und Sarlacc durchaus Spaß bereitet, obschon die Rettung selber gänzlich absurd durchdacht und enorm vom Zufall abhängig ist. Auch die Hintergründe werden nicht vollends klar, berücksichtig man die Ereignisse zum Ende des letzten und zum Beginn von diesem Teil. Aber sei’s drum.

Die Kernhandlung des Films ist das, was Lucas in seinem ersten Teil am Ende in einer Viertelstunde kurz erzählt hat: Die Rebellen müssen (mal wieder) den Todesstern in die Luft sprengen. Eine Geschichte, die Regisseur Richard Marquand in der zweiten Hälfte auf drei Ebenen erzählt, nach einem langatmigen Ausflug auf Endor zu den Ewoks. Hier verabschiedet sich Luke dann zur Konfrontation mit Vader und dem Emperor, während Han, Chewie und Leia mit den Ewoks versuchen, den Schildgenerator des Todessterns auszuschalten, damit Lando und Co. diesen zerstören können. Viele Handlungsorte mit ausufernden Szenen, wo letztlich ohnehin nur jene Sequenz interessiert, in der Luke sich seinem Schicksal stellen muss.

Der Ausflug nach Dagobah zuvor dient nur weiterer Exposition, ist Luke doch auch ohne Fortführung seines Trainings nun bereit – und autodidaktisch im Stande, Lichtschwerter zu konstruieren. Sehr schön ist aber der Moment, wenn Luke die Roboterhand seines Vaters sieht und dies ihm Warnung genug ist, nicht zu enden, wie dieser selbst. Seltsam mutet dafür an, wieso er Anakin später mit Darth Vaders Maske verbrennt. Auch hier tauchen wieder Fragen für das Franchise auf. Grundsätzlich ist Return of the Jedi aber ein solider Abschluss, der allerdings viel zu lang für alle seine Szenen aufwendet: von Hans Rettung, über die Ewoks bis hin zum Endor-Angriff und Lukes Konfrontation. Hier wäre mal wieder weniger mehr gewesen.

8/10

Star Wars – Episode I: The Phantom Menace (1999)

Yousa in big dudu this time.

Groß war die Euphorie, als mit The Phantom Menace das nächste Star Wars-Kapitel aufgeschlagen wurde. Rückblickend erscheint der Film als einziges Kuddelmuddel, der sowohl Kinder als auch ihre Eltern bedienen will und schlussendlich in beiden Fällen versagt. Im Zentrum steht eine Blockade und Invasion des Planeten Naboo durch die Handelsorganisation rund um Nute Gunray aus Besteuerungsgründen. Die Jedi Qui-Gon Jinn (Liam Neeson) und Obi-Wan Kenobi (Ewan McGregor) sollen den Konflikt klären, entkommen aber nur knapp einem Attentat und fliehen schließlich mit Naboos Königin Amidala (Natalie Portman) und dem Einheimischen Jar Jar Binks (Ahmed Best) Richtung Coruscant – mit einem langen Zwischenstopp auf Tatooine.

Hier folgt die Einführung von Anakin Skywalker (Jake Lloyd) als Space Jesus, der unbefleckten Empfängnis entstammend buchstäblich ein Kind der Macht. Mit einer Zahl an Midi-chlorians, die sogar Yodas übersteigt. Ein nutzloses Podrace später folgt auf dem Zwischenstopp in Coruscant die Rückkehr nach Naboo. Wieso der Planet überhaupt wichtig ist, wird dabei zu keinem Zeitpunkt klar. The Phantom Menace ist ein Film, der um Actionszenen herum konzipiert ist, die über viel CGI-Effekte funktionieren sollen. Die Geschichte und die Figuren stehen hintenan – also all das, was Star Wars 22 Jahre zuvor zum Welthit werden ließ. Hinzu kommt, dass Lucas den Film zum Großteil nur als eine Exposition missbraucht – die viele Fragen aufwirft.

Sprach Obi-Wan in Star Wars Vader noch mit „Darth” an, als sei dies dessen Vorname, erfahren wir nun, dass einfach jeder Sith Lord den Beinamen „Darth” erhält. Kanzelte der Emperor in Return of the Jedi Lukes Lichtschwert noch als “Jedi weapon” ab, rennt Darth Maul (Ray Park) nun selbst mit einem herum. War Darth Maul also auch mal ein Jedi? Und während Yoda warnt, “anger leads to hate” und letztlich zur dunklen Seite der Macht, sind es gerade Wut und Zorn, die Luke in Return of the Jedi im Kampf gegen Vader obsiegen lassen und mit denen Obi-Wan nach Qui-Gons Tod wiederum Darth Maul begegnet. Es sind alles leblose Worte in einem Film, dem es an dreidimensionalen Figuren und einer erzählenswerten Geschichte fehlt.

Stattdessen bemüht Lucas das Referieren auf die Trilogie. So ist es Anakin, der C-3PO baut und R2-D2 darf bereits hier zum Alltagshelden aufsteigen. Bei der Begegnung zwischen Amidala/Padme und Anakin weht Lucas ebenso mit dem Zaunpfahl wie beim Treffen von Anakin und Obi-Wan. Dass der wiederum so wie der Rat der Jedi und Padme von dem Knirps irritiert ist, stört Qui-Gon aus unerklärlichen Gründen nicht. The Phantom Menace ist auch unabhängig von Jar Jar Binks – der mit seinem ersten Auftritt sofort nervt – ein einziges filmisches Ärgernis. Der Film will jeden ansprechen und verhallt infolgedessen unter all dem Lärm, den er verursacht. “Anger leads to hate, hate leads to suffering”, sagte Yoda. Und sollte Recht behalten.

3/10

Star Wars – Episode II: Attack of the Clones (2002)

I wish I could just wish away my feelings, but I can’t.

Wie sehr die Star Wars-Euphorie einbüßte, zeigt sich schon darin, dass Attack of the Clones ganze 300 Millionen Dollar weniger einspielte als noch The Phantom Menace. Vielleicht auch, weil die Irritation dessen, was inzwischen Star Wars war, hier noch verstärkt wurde. Auslöser der Handlung ist eine Reihe von Attentatsversuchen auf Padme, die aktuell als Senatorin von Naboo in Coruscant dient. Obi-Wan und Anakin (Hayden Christensen) werden zu ihrem Schutz abgestellt, erhalten jedoch kurz darauf jeder ihren eigenen Erzählstrang. Während Anakin und Padme sich im Versteck auf Naboo allmählich ineinander verlieben, geht Obi-Wan der Spur eines Kopfgeldjägers nach, die ihn zu einer Klonkrieger-Armee auf Kamino führt.

Erweckte der Vorgänger zumindest den Eindruck, teils in einer echten Umgebung gedreht worden zu sein, entstammt Attack of the Clones nun aus der Konserve – und sieht entsprechend hässlich aus. Vollgestopft mit CGI ist das einzig Authentische das jeweilige Kostüm, das Natalie Portman trägt. Und für jede Szene gemeinsam mit ihrer Frisur wechselt. Der Film selbst klatscht eine Referenz an die Trilogie an die nächste. Von Obi-Wans Cantina-Kampf aus Star Wars bis hin zu Boba Fetts Verfolgungstrick aus Empire Strikes Back. Dachte man “May the Force be with you” war ein gutes Zureden von Obi-Wan für Luke, erscheint es nun eher als Jedi-Grußform. Die Folge ist weniger eine Hommage als Entmystifizierung des Originals.

Peinlich wird es, wenn Obi-Wan auf der Suche nach Kamino von einem 5-Jährigen belehrt wird, während sich Padme aus verstörenden Gründen in einen Soziopathen verknallt. Dass die Darsteller dabei allesamt steif wie ein eingefrorener Besenstiel agieren, mag daran liegen, dass sie von Blue Screens umgeben waren. Denn so schlecht das Drehbuch auch ist, könnte man mehr aus diesem herausholen, als es die Darsteller tun. Positiv ist in Attack of the Clones zumindest, dass Obi-Wan mehr zu tun bekommt, Jar Jar Binks kaum auftritt und Anakin, obschon er genauso nervt wie zuvor, nun zumindest etwas mehr Persönlichkeit erhält. Das große Finale auf Geonosis ist dann wieder klassischer ausufernder CGI-Overkill à la George Lucas.

3.5/10

Star Wars – Episode III: Revenge of the Sith (2005)

What have I done?

So fraglich wie es generell sein mag, überhaupt die Genesis von Darth Vader erzählen zu wollen, war doch ziemlich deutlich, dass der ganze Sinn der Prequels am Ende in Revenge of the Sith bestand. Folglich ist das Thema der Verführung von Anakin zur dunklen Seite durch Palpatine (Ian McDiarmid) der Kern der Geschichte, während Obi-Wan wieder mal eine Extramission erhält. In dieser setzt er sich mit Roboter-General Grievous auseinander, ehe der große Jedi-Genozid startet, weil Anakin nachts nicht gut schlafen kann. “This is where the fun begins”, sagt dieser zu Beginn in einer von so vielen Szenen, die deutlich macht, dass George Lucas die Magie der Originalfilme einfach nicht begreift. Oder womöglich schlichtweg nie begriffen hat.

Der Film beginnt dabei mit einem ähnlichen CGI-Overkill wie der Vorgänger zu Ende ging. Jeder Konflikt wird in den Prequels mit dem Lichtschwert geklärt, wo dieses in der Originalreihe noch weitestgehend verzichtenswert war. Count Dooku (Christopher Lee), eine Figur, der sich Lucas zuvor wenig bis kaum gewidmet hat, wird sich erledigt. Genauso wie kurz darauf dem erst hier eingeführten General Grievous. Beschäftigungstherapie für Obi-Wan, der immer noch an Anakin zweifelt. Von der Freundschaft, über die er in Star Wars sprach, und von gefühlter Bruderliebe, wie hier am Ende, als er Anakin die Beine abschneidet, spürte der Zuschauer in allen drei Filmen in keiner einzigen Szene etwas. Alles ist nur noch Selbstzweck für Lucas.

Yoda faselt unterdessen “fear of loss is the path to the dark side”, wobei laut Prequel-Yoda sowieso alles irgendwie ein “path to the dark side” ist. Samuel L. Jacksons unterbeschäftigter Mace Windu guckt trüb in die Kamera und Padme wechselt weiter fleißig ihre Kostüme. Anakin wiederum darf Palpatine im Rat der Jedi vertreten – ohne zum Meister ernannt zu werden –, und man fragt sich, wieso Palpatine überhaupt im Jedi-Rat vertreten ist? Alles nur, um Anakin an einen Punkt zu bringen, wo er zu Vader werden darf – was nach einem weiteren CGI-Overkill mit Obi-Wan auf Mustafar der Fall ist. Weil Obi-Wan “the high ground” hat, die geschicktere Position, über Anakin stehend. Selbst wenn Darth Maul damals eigentlich auch den “high ground” besaß.

Wenig macht noch Sinn. Selbst Palpatine hat nun ein Lichtschwert, ungeachtet seiner Haltung aus Return of the Jedi nach. Wieso die Prequels so missraten sind, ist schwer zu sagen (Redlettermedia versuchte es), Potential war vorhanden. Teil 1 mit Anakin bereits im Endstadium als Padawan beginnen, den Fokus auf die freundschaftliche Beziehung zwischen ihm und Obi-Wan legend. In Teil 2 hätte Padme eingeführt werden können und eine erste Begegnung mit der dunklen Seite. Der wäre ein sympathischer Anakin dann in Teil 3 erlegen, weniger wegen nächtlicher Albträume und auch ohne zum wahnsinnigen Massenmörder zu werden. Das Positive ist: Schlechter als die Prequels kann auch Disneys The Force Awakens nicht mehr sein.

2/10

24. April 2013

Side By Side

Is this the end of film?

Wer nach den filmischen Anfängen der gegenwärtigen “big player” in Hollywood fragt, wird wohl in den meisten Fällen auf dieselbe Antwort stoßen: Super 8. Egal ob Spielberg, Jackson oder Abrams – sie alle drehten einst mit dem Schmalfilm-Filmformat. Heute wäre das wohl undenkbar, stattdessen dreht die Jugend inzwischen mit den Kameras ihrer Smartphones. “Digital technology is evolving to a point that may very well replace film as the primary means of creating and sharing motion pictures”, erklärt uns Keanu Reeves bedeutungsschwanger zu Beginn von Side By Side. Gemeinsam mit Regisseur Chris Kenneally fragt sich Reeves, ob das digitale Kino das Ende des fotografischen Films darstellt.

Hierzu holte sich Reeves als Talking Heads diejenigen Menschen ins Boot, die wissen, ob nach 100 Jahren fotografischen Films dessen Ende eingeläutet wird: die Regisseure und Kameraleute von Hollywood. Fehlen dürfen hierbei weder Christopher Nolan und Wally Pfister, noch Danny Boyle und Anthony Dod Mantle. Auch Steven Soderbergh, David Fincher, Robert Rodriguez, Martin Scorsese und die Wachowskis sind vertreten – genauso wie die beiden CGI-Afficionados George Lucas und James Cameron. “It’s the reinvention of a new medium”, sagt Scorsese über das digitale Kino und nennt es “exciting”. Es zeigt sich relativ schnell, welche Filmschaffenden auf welcher Seite der fototechnischen Trennlinie stehen.

Befürworter der digitalen Kameras heben hervor, dass direkt vor Ort das gedrehte Material gesichtet werden könne. So sieht er, ob er mehr Hintergrundlicht braucht oder nicht, argumentiert George Lucas. “They fool themselves”, winkt dagegen Christopher Nolan ab. Schließlich sei der Bildschirm, auf dem das Material gecheckt wird, nicht identisch mit jenen Leinwänden, auf die der Film später projiziert wird. “Everybody’s just looking at their hair”, unkt dagegen Joel Schumacher. Aber es gibt noch weitere Vorteile, darunter die Finanzen. Die digitalen Kameras sind handlicher und billiger, Letzteres ermöglicht gleichzeitig größere kreative Freiheit. Entsprechend nutzte die Dogma 95-Bewegung digitale Kameras.

Thomas Vinterbergs Festen war einer der ersten Filme, der so gedreht wurde – von Anthony Dod Mantle, der seither für Danny Boyle 28 Days Later und Slumdog Millionaire inszenierte. Auch Boyle nutzte digitale Kameras für seinen Zombie-Film, um die Eröffnungsszene im verlassenen London mit zehn Kameras gleichzeitig drehen zu können. “Cos they were so cheap”, erklärt der Oscarpreisträger. Reeves und Kenneally zeigen auf, wie beide Filmformate aufzeichnen und funktionieren, während Side By Side die Geschichte der HD-Kameras im Kino nachverfolgt. Von der Sony F900 (1920 Pixel) bei Attack of the Clones über die RED One (4096 Pixel) bis hin zur aktuellen RED Epic mit einer beachtlichen Auflösung von 5K.

“This is the future”, proklamiert Steven Soderbergh. “You got to be part of that”, drängt Robert Rodriguez und James Cameron ist sich sicher: “It’s only a matter of time”. Auch David Lynch ist fertig mit fotografischem Film und zählt damit zur Mehrheit in dieser Dokumentation. Die hätte einige Nostalgiker mehr wie Nolan und Pfister durchaus vertragen können, während sie zugleich im späteren Verlauf leicht abdriftet. Kenneally streift die Rolle der Farbkorrektur im Film, O Brother, Where Art Thou? wird als Beispiel genannt, wo jedes Bild einen Spezialeffekt besitzt, da die Farben der Bilder von Roger Deakins verändert wurden. Auch die Kinoprojektoren, so erfahren wir, beeinflussen das finale Ergebnis.

Irgendwann wird über 3D diskutiert (“I hate 3D”, sagt Wally Pfister, “it’s a marketing fucking scheme”) und der Kampf zwischen digitalem und klassischem Kino ist längst entschieden. Was etwas schade ist, aber über einen Großteil der Laufzeit dank der namhaften und erfahrenen Gesprächspartner (seltsamerweise auch Lena Dunham und Greta Gerwig) stets interessant. “There’s something really romantic about [shooting on film]”, hatte Kamerafrau Reed Morano zu Beginn von Side By Side ein Plädoyer abgegeben. Außer Nolan, Pfister und ihr hat jedoch keiner wirklich dafür argumentiert. Scheinbar hätten sie alle ebenfalls lieber ihre ersten filmischen Schritte mit einem iPhone gemacht, statt auf Super 8.

7/10

31. August 2009

The Land Before Time


Yep, yep, yep.

Man sollte ja nicht in Klischees denken, aber welches Kind bzw. welcher Junge begeistert sich nicht in seiner Jugend für Dinosaurier? Die Riesenechsen, unserer Kultur nur aufgrund ihrer archäologischen Überreste bekannt, zählen zu den Klassikern der kindlichen Erfahrungswelt. Für meine Wenigkeit hatte das Kino den Status „Traumfabrik“ verdient, als ich 1993 Steven Spielbergs Jurassic Park sah. Wenn es möglich war, Dinosaurier glaubhaft auf die Leinwand zu bannen, dann – so beschloss ich mental – war im Kino alles möglich. Während Jurassic Park selbst noch zwei Fortsetzungen nach sich zog, finden sich die klassischen Dinosaurier dagegen in einer anderen Filmreihe: The Land Before Time. Produziert von George Lucas und Steven Spielberg war The Land Before Time 1988 als Konkurrent zu Disneys Oliver & Co. ins Rennen gegangen. Während dieser in den USA erfolgreicher lief, als das von Don Bluth inszenierte Dino-Abenteuer, gelang es den Riesenechsen dafür über das weltweite Einspiel an dem Zeichentrickgiganten vorbeizuziehen.

In einem Land, vor unserer Zeit, müssen sich die verschiedenen Dinosaurierherden wegen Futtermangels auf einen beschwerlichen Treck machen. Hier leben die Riesenechsen, abgesondert nach ihren unterschiedlichen Klassen. „Dreihörner spielen nicht mit Langhälsen“, kriegt der kleine Apatosaurier Littlefoot da von dem jungen Triceratops-Weibchen Cera an den Kopf geschmissen. Jeder kämpft hier für sich selbst, anstatt dass die Dinos in einer riesigen Herde gemeinsam wandern. Nun sind Kinder aber Kinder, und wie man aus Disneys The Fox and the Hound weiß, werden Vorurteile nicht vererbt, sondern erlernt. Aus einem unbekümmerten Spiel zwischen Littlefoot und Cera wird plötzlich ernst, als ihnen der Tyrannosaurier Scharfzahn auflauert. Zur selben Zeit tritt auch noch die Plattentektonik der Superkontinente ein. Zwar gelingt es Littlefoots Mutter die beiden Kleinen zu retten, doch bezahlt sie ihren Heldenmut mit ihrem Leben. Es obliegt den Beiden nun, sich ihren Weg in das ominöse Große Tal selbst zu bahnen. Dabei merken weder Littlefoot noch Cera, dass sie beginnen die Vorurteile ihrer Eltern blind zu übernehmen.

Die Moral von The Land Before Time ist fraglos die Überwindung von Klassenunterschieden. Unabhängig von ihrer Art, Größe und Anatomie müssen Littlefoot, Cera, sowie die Parasaurolophierin Ducky, der Pteranodon Petri und der Stegosaurier Spike lernen, miteinander und nicht gegeneinander zu arbeiten. Nicht nur, um sich mit Futter zu versorgen – die Saurier-Leiter ist hier natürlich die bildhafte Überwindung der Klassenkämpfe-, sondern auch, um wie im Finale zu sehen, einen gemeinsamen Feind Einhalt zu gebieten. Dies fällt jedoch gerade der bornierten Cera recht schwer, die glaubt, alles im Alleingang handhaben zu können. Generell wäre es interessant dieses Schema auf die politische Situation zu übertragen, haben die USA und Cera doch eine Menge gemein. Primär richtet sich der Film jedoch an den Zusammenhalt einer Gruppe von Freunden, die als Gruppe im Stande waren, jeder Situation auf ihrem steinigen Weg mit entsprechendem Kalkül zu begegnen. Damit erzählen Bluth, Spielberg und Lucas per se keine sonderlich neue Geschichte, aber immerhin ist es eine, die wahrscheinlich nie aussterben wird. Dass das Drehbuch dabei selbst den einen oder anderen Hänger hat, soll an dieser Stelle nicht unter den Tisch fallen. Jedoch verfügt der Film zumindest bei mir – und wohl den meisten, die mit ihm groß geworden sind – über derart viel Nostalgiebonus, dass man sie ihm gerne verzeiht.

Die Animation des Filmes erinnert sehr an frühere Werke von Bluth und hat ihren Höhepunkt sicherlich im großartig inszenierten Kampf zwischen Scharfzahn und Littlefoots Mutter. Auch die musikalische Untermalung mit dem hinreizenden Theme weiß zu gefallen. Zuvorderst lebt The Land Before Time – wie viele andere Filme – weniger von seinen beiden Hauptfiguren, sondern von der „zweiten Garde“. Allen voran glänzt hier Ducky, die mit ihrer optimistischen Art und ihrem freundlichen Wesen einfach nur unwiderstehlich ist. Im Team mit Petri und seiner grammatikalisch unsauberen Aussprache sind die beiden dann eigentlich unschlagbar. Spike dagegen ist ob seiner Stille irgendwie überflüssig, auch wenn er ebenso seine kleinen Momente hat (angefangen bei seiner Geburt). Schade ist es um Scharfzahns Unvermögen zu sprechen, was wohl daran liegt, dass er sonst zu „menschlich“ und weniger bösartig erschienen wäre.

Was mir bei der neuerlichen Sichtung – das letzte Mal sah ich den Film vor sicherlich über zehn Jahren – aufgefallen ist: ich erlebte eine Erinnerungswelle der besonderen Sorte. Dutzende der Bilder evozierten dutzende Déjà-vu-Erlebnisse. Sei es Littlefoots Geburt, seine Jagd mit Cera auf den Frosch, sein Spiel mit dem Blatt, Petris Einführung oder Duckys liebevoll-nervige Art. Es war ein wunderschönes Gefühl von … zu Hause … das diese Sichtung mit sich brachte. Und man bedauert es, dass Bluth auf Druck des Studios rund 15 Szenen schneiden musste, die den Film etwas düsterer und bedrohlicher gestaltet hätten. Denn mit einer Stunde Laufzeit – selbst wenn diese optimal genutzt wird – ist das Vergnügen dann doch viel zu schnell vorbei. Den Durst nach mehr wusste dann keine der elf Fortsetzungen zu stillen, die nicht nur weniger liebevoll animiert waren, sondern inhaltlich grundsätzlich wenig bis gar nichts hergaben. Letztlich verschafft es in gewissem Sinne Befriedigung, die DVD zu The Land Before Time im Regal stehen zu haben. Denn so muss ich diesmal nicht wieder über ein Jahrzehnt warten, ehe ich dieses herzliche nostalgische Kleinod erneut begutachten kann. Zwar ist der Film nicht perfekt oder herausragend, dennoch zählt er zu meinen Lieblingsfilmen. Und wird es immer tun.

8/10

23. Mai 2008

Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull

Dasvidanja, Dr. Jones.

Wenn man sich etwas mit Raiders of the Lost Ark beschäftigt, dann erfährt man, dass laut Produzent George Lucas niemand in Hollywood das Drehbuch verfilmen wollte, dass es von allen Studios abgelehnt wurde. Gleichzeitig aber wurde scheinbar ein Fünf-Filme-Vertrag abgeschlossen für die Indiana-Jones-Reihe – es versteht sich von selbst, dass man bei Zweifeln an einem Filmprojekt immer gleich dafür sorgt, wenn schon dann richtig unterzugehen. Lucas behauptet auch allen ernstes, dass Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull aussieht, es wäre es drei und nicht zwanzig Jahre nach Indiana Jones and the Last Crusade gedreht worden. Frank Marshall erdreistet sich zu der Aussage, dass CGI im vierten Abenteuer des Archäologen nur dort angewendet wurde, wo sie nötig gewesen sei. Wer den Film gesehen hat, kann sich nur auf den Arm genommen fühlen, von solcherlei Aussagen. Regisseur Steven Spielberg selbst kam auf die Idee zu einem neuen Abenteuer, als ihn sein Sohn vor wenigen Jahren auf die verbleibenden beiden Teile ansprach.

Angeblich wurde – wie man jetzt behauptet – seit neunzehn Jahren versucht, an einem Drehbuch zu schreiben. Vor zwei Jahren soll Hauptdarsteller Harrison Ford gemeint haben, wenn der Film bis 2008 nicht zu Stande kommt, werde er ihn überhaupt nicht mehr drehen. Dies hat dann scheinbar dazu geführt, dass Spielberg händeringend nach einem Drehbuch gesucht haben soll. Dennoch soll bereits 2002 M. Night Shyamalan mit einem Drehbuchentwurf beauftragt worden sein, nach ihm auch Oscarpreisträger Stephen Gaghan und im selben Jahr schließlich auch Frank Darabont. Dessen Skript – welches Indys Vater und Bruder einbezog, die von Sean Connery und Kevin Costner hätten gespielt werden soll – wurde von Spielberg geliebt und von Lucas verabscheut. Letzten Endes schrieb Spielberg-Spezi David Koepp (War of the Worlds, The Lost World) das Drehbuch und nahm ein bisschen was aus all den vorherigen Entwürfen auf.

Man merkt schon, hier sagt jeder etwas anderes und wie es Mulder immer so schön formulierte: die Wahrheit ist irgendwo da draußen. Von jemandem wie George Lucas kann man sie zumindest nicht erfahren, der Mann hat sich jeglichen Respekt mit der DVD-Veröffentlichung der Star-Wars-Trilogie verspielt. Seine Intention an einem vierten Indiana Jones-Abenteuer dürfte, wie immer bei ihm, die reine Geldmacherei gewesen sein. Was Spielberg zu diesem Projekt trieb, liegt auch auf der Hand: die Karriere von seinem Zieh-Sohn Shia LaBeouf muss weiter angekurbelt werden. Da reicht es nicht aus ihn in sämtlichen DreamWorks-Produktionen unterzubringen und vor Kingdom of the Crystal Skull noch eben den Teaser zu dessen neuem Film Eagle Eye zu schneiden. Zudem gab der Oscarpreisträger kund, dass der Film lediglich ein Zugeständnis an die Fans sei. Der einzige, dem das Projekt wirklich etwas zu bedeuten schien, scheint Ford gewesen zu sein und man merkt ihm seinen Spaß, seine Motivation und seinen Elan in jeder einzelnen Minute an. Indiana Jones geht auf die 60 zu, aber Ford sorgt dafür, dass man es der Figur in keiner Sekunde anmerkt.

Das ist der mit Abstand größte Verdienst, den man Kingdom zusprechen kann, denn er geht in jeder Einstellung ehrenvoll mit seiner Figur um und feiert diese. Kaum zwei Tage in den Kinos sorgte das neueste (und letzte?) Abenteuer des amerikanischen Archäologen für eine Spaltung der Fans. Die einen finden ihn gut, exzellent, genauso wie die Trilogie – die anderen sind enttäuscht. Vom Drehbuch, von Spielberg, vom Gesamtpaket. Bei Rotten Tomatoes hält Kingdom eine Wertung von 78% und nimmt damit den letzten Platz in der Tetralogie ein (hinter Temple of Doom mit 86%). Bei IMDb (7.5/10) und Metacritic (5.2/10) sieht das ganze noch schlechter aus – Tendenz nach unten. Vierhundert Millionen Dollar muss der Film einspielen, damit Paramount kein Verlustgeschäft macht – so wie die Schlangen an den Kinos aussahen, dürfte er diese Summe fast am ersten Wochenende einspielt haben. In den USA spielte er zumindest am verlängerten Memorial Day Wochenende 150 Millionen Dollar ein – beinahe seine Produktionskosten.

Hatte Raiders noch 20 Millionen Dollar gekostet, kam Spielberg bei Kingdom nicht unter 185 Millionen Dollar aus. Hauptgrund dürften die Actionszenen und allen voran die digitalen Effekte von ILM gewesen sein. Herhalten musste das Geld für animierte Tiere, die keinerlei Zweck erfüllen, Matte Paintings und Comichafte Elemente. Dabei hätte man gerade letztere sehr viel gelungener auf herkömmlich Weise erzeugen können. Der vierte Teil hat an demselben Problem wie Planet Terror zu knabbern, er ist besser als er sein sollte. Da die Indiana-Jones-Reihe eine verklärte B-Movie-Hommage ist, sind die digitalen Effekte (Stichwort: Indy schaut mit dem Rücken zum Publikum auf …) viel zu bombastisch und groß geraten. Sie hätten sich sehr leicht auch mit Miniaturmodellen erreichen lassen und damit wäre auch der Charme der Serie erhalten geblieben. Vielleicht befürchtete Lucas auch lediglich, dass das gegenwärtige Kinopublikum das Interesse an altmodischen Filmen verlieren würde, wo ja bereits Schwarzweiß-Filme inzwischen verpönt sind.

Über die Matte Paintings lässt sich streiten, sie stören nicht wirklich, verleihen dem Film jedoch im Vergleich zur Trilogie, die gewollt staubig und dreckig daherkam einen neuen, praktisch innovativen Ton (und grenzt sich damit von den ersten drei Teilen hab). Gerade deshalb wird auch die Lucas'sche Bemerkung zum Aussehen des Filmes (siehe oben) ad absurdum geführt. Eventuell ist dieser Look aber auch beabsichtigt, um explizit den vierten Teil von der Trilogie abzugrenzen, somit ein Zeichen, dass er als eigenständiger Film funktionieren möchte, losgelöst von seinem Setting in den dreißiger Jahren. Dahingehend würde sich dann auch der Einsatz von CGI-Tierchen inklusive Animatronics erklären, wenn ein digitales Erdmännchen zu Beginn des Filmes die Loslösung von der nationalsozialistischen Gefahr bedeutet. Die Affen später verstehen sich zum einen als Referenz zum Äffchen aus Raiders, als auch im Kontext ihrer Szene als Hommage an die Tarzan-Abenteuer der vierziger und fünfziger Jahre, die den Schauspielern Johnny Weissmüller, Lex Barker und Gordon Scott damals zu Ruhm verhalfen. Ein Punkt, der viel zur Akzeptanz des neuen Abenteuers beizutragen hat.

Um was geht es eigentlich im vierten Teil? Indy hat zu Beginn des Filmes Probleme mit den Sowjets, die ihn extra aus Mexiko geholt haben, weil sie Informationen bedürfen. Eingeführt wird die Szenerie wie es sich gehört mit dem Paramount-Hügel-Übergang und Spielberg führt Indy wieder zuerst mit dessen Schatten ein. Der Zeitsprung in die Fünfziger zuvor ist ebenfalls gelungen, jetzt wird die Antagonistin eingeführt: Colonel Dr. Irina Spalko (Cate Blanchett). Erahnte man in den Trailerbildern, dass Blanchett ihre Spalko mit dümmlicher Frisur zur Witzfigur abstempelt, wird sie das Publikum in den kommenden zwei Stunden vom Gegenteil überzeugen. Spalko ist ein ernst zu nehmender Gegner, neben Mola Ram wahrscheinlich der gefährlichste, mit dem es Indy bisher zu tun hatte. Blanchett spielt die Figur frei beschwingt, ihr russischer Akzent überzeugt ebenso wie sie selbst (und wird auch schön von Arianne Borbach, die synchronisierte Zweitsichtung lässt grüßen, transferiert). Wirkt Ford zu Beginn des Filmes so alt wie er im wahren Leben ist, wird er mit jeder fortschreitenden Einstellung jünger und mehr zu Indy. Man merkt, hier steckt sein Herzblut drin. Ford spielt nicht Indy, nein, er ist Indy. Im Gegensatz zur Trilogie ist das Artefakt zu Beginn kein MacGuffin, sondern hängt mit dem finalen Artefakt respektive der Filmhandlung zusammen.

Die Einleitung ist jedenfalls der stimmigste Teil des Filmes, ähnelt am meisten der Trilogie und macht perfekt Laune. Hieran knüpft sich eine Hommage an das Kino der fünfziger Jahre, welches die Gefahr des Kalten Krieges und die darauf resultierende Angst vor Nuklearwaffen (Godzilla, Them!) geschickt zu rezitieren weiß. Wer Fan der Sitcom Scrubs ist, darf sich auf einen Cameo der besonderen Art freuen: Fords The Fugitive-Genosse Neil Flynn taucht im Film auf. Entgegen von Thomas-Nero Wolff wird er aber von Michael Iwannek (u.a. Matthew Perry) gesprochen – was dem Spaß jedoch keinen Abbruch bereitet. Bevor weiter auf den Film eingegangen wird lässt sich noch sagen, dass obschon natürlich die Originalfassung vorzuziehen wäre, die Synchronisation eine gute Arbeit geleistet hat. Von Borbach bis zu Wolfgang Pampel (Ford) und David Turba (LaBeouf), sie alle leisten verhältnismäßig gute Arbeit, auch wenn man den Stimmen ihre durch die Aufnahmestudios verliehene Sterilität anmerkt.

Spielberg knüpft eiligst an die nächste Referenz an. Was als fragwürdige Einführung der Figur von Mutt Williams (Shia LaBeouf) erscheint, ist per se gesehen fast logisch. 1953 erschien The Wild One, Elvis beherrscht die Musikcharts, da ist es nur verständlich, dass ein Jungspund wie Mutt sich an diesen beiden Charakteren orientiert und modelliert. Dass es sich bei LaBeouf um keinen guten Schauspieler handelt, lässt sich allein an der Tatsache ablesen, dass er 90% seiner Rollen inzwischen Papa Spielberg zu verdanken hat. Dabei darf man ihn nicht mit seiner Figur Mutt Williams verwechseln, die durchaus besser gelungen ist, als es LaBeoufs Schauspiel erwarten lässt. Er weiß jedoch im Vergleich zu Transformers und Disturbia weitaus besser zu überzeugen, dennoch wäre ein Joseph Gordon-Levitt die bessere Wahl gewesen, von einem Kevin Costner als kleinem Bruder ganz zu schweigen. Allgemein lässt sich jedoch sagen, dass der Transfer in die fünfziger Jahre mehr als gelungen ist, die Stimmung, der Look, das Verhalten, alles fügt sich zu einem größeren Ganzen zusammen und funktioniert. Die heraufbeschworene Gefahr des Kommunismus scheint allgegenwärtig, macht selbst in Indys obligatorischer Ruhephase am Marshall College nicht halt.

Hier unterläuft Spielberg ein kleiner Fauxpas, wenn er Jim Broadbent in einer verschandelten Rolle als Marcus Brody Verschnitt für den bedauerlicherweise verstorbenen Denholm Elliott auflaufen lässt. Noch unverständlicher ist lediglich, weshalb beide Figuren sich in der synchronisierten Version Siezen, obschon sie selbst erklärte, jahrelange Freunde sind. Die nächste „Actionszene“ wartet auf, Spielberg schraubt das Tempo hoch in seinem neuesten Film, die Momente am Marshall College selbst verweisen wiederum mehrfach auf frühere Ereignisse der Trilogie. Wie immer wird Indy auf die Suche nach einem Artefakt geschickt, für das er sich selbst kaum interessiert. War es die eigene Regierung, ein Dorfoberhaupt oder ein ominöser Finanzier, von selbst war Indy nie der Auslöser. Am ehesten spiegelt Kingdom hier noch Crusade wieder, geht es doch weniger um das Artefakt, als vielmehr um eine Rettungsaktion, welche wiederum mit ebenjenem Artefakt verbunden ist.

Das Artefakt selbst jedoch, ist wie gesagt das Problem des Filmes, zumindest wird es die Durchschiffung von Skylla und Charybdis für das Publikum werden. Wer unbeschadet durchgelangt, wird an dem Film seinen Narren fressen können. Vielleicht hat man sich mit der gewählten Thematik keinen Gefallen getan, auch wenn diese nicht sonderlich unglaubwürdiger wie die vorangegangenen Teile scheinen mag. Kingdom selbst ist hier lediglich Kind seiner Zeit: der Fünfziger. Der Trailer offenbart es bereits teilweise, die Ereignisse von Roswell im Jahre 1947 spielen eine Rolle im Film, und zwar grundsätzlich. In den fünfziger Jahren kamen in Hollywood erstmals Filme über Fliegende Untertassen und Außerirdische in die Kinos. Dazu zählt neben der ersten Adaption von H.G. Wells The War of the Worlds auch The Day the Earth Stood Still oder Earth vs. the Flying Saucers. Im Jahrzehnt von Sputnik 1 befürchteten die Menschen eine Invasion aus dem All und würde Kingdom nicht 2008, sondern 1958 in die Kinos kommen, wäre seine Handlung nichts Besonderes gewesen. Dies ist der Schlüssel zur Erkenntnis des gesamten Filmes, eine Erkenntnis, welche sich mir offen gestanden bei der ersten Sichtung nicht erschließen wollte.

Doch man kann von einem Indiana Jones Ende der fünfziger Jahre nicht dasselbe erwarten wie von einem Indiana Jones am Vorabend des Zweiten Weltkrieges. Es ist eine andere Zeit, eine andere Ära, andere Ängste, andere Umstände. Auch das Dr. Jones mehrfach und fast ausschließlich körperliche Unterstützung von Jungspund Mutt erhält, sollte man nicht verdammen. Der gute Professor geht auf die Sechzig zu, Spielberg huldigt den alten Indy oft, aber nicht ständig. Gerade diese Szenen sind im Grunde glaubwürdig und das Ende lässt zumindest hoffen, dass den Fans ein Indy-Franchise ohne Indy erspart bleibt. Der Film selbst hat ein etwas schwächeres Drehbuch, wie die Trilogie-Teile, unnötige Figuren wie Ray Winstone, Jim Broadbent und John Hurt, ist in der Mitte etwas zu rührselig, besitzt zu viel digitalen Schnick-Schnack und das Ende ist wie beschrieben grenzwertig, gewinnt jedoch vielleicht bei mehrmaligem Sehen dazu. Der Rest ist total Indy, die Ochiophobie, der Patriotismus, der Charme, der Zynismus, die Action, das Abenteuer. Mit dem vierten Film verhält es sich wie bei mancher Geburt: es ist zwar nicht unbedingt ein Wunschkind, doch „lieben“ tut man es dennoch. Ein durchaus würdiger Teil der Reihe. Nun ist aber auch gut.

6.5/10 - erschienen bei Wicked-Vision

[Edit: Der Text wurde nach der Zweitsichtung zum größten Teil geändert, daher weichen die Kommentare vom Inhalt der Review stark ab]

17. Mai 2008

Indiana Jones and the Last Crusade

You call *this* archaeology?

Fünf Jahre waren seit Indiana Jones and the Temple of Doom vergangen, ehe sich Produzent George Lucas und Regisseur Steven Spielberg an den Abschluss ihrer Indiana Jones-Trilogie machten, der bisher einzigen Trilogie in Spielbergs Sujet. Spielberg selbst, der Indiana Jones and the Last Crusade als seinen Lieblings-Teil der Reihe bezeichnet, erklärte er habe den Film nur aus einer Trilogie-Verpflichtung gegenüber Lucas gemacht und weil der Vorgängerfilm so schlecht aufgenommen wurde. Die Basishandlung stammte wiederum von Lucas selbst, der Indy dieses Mal in ein Spukhaus sperren wollte. Eine Idee, die bei Spielberg, der 1982 erst Tobe Hoopers Poltergeist herausgebracht hatte, aber auf Ablehnung stieß.

Stattdessen sollte sich der Plot um das heiligste christliche Artefakt, das bereits Ziel der Kreuzzüge gewesen war, drehen: den Heiligen Gral. Zur Aufwertung dieser Idee baute Spielberg dann noch die Vater-und-Sohn-Subhandlung ein, die im Endeffekt das Hauptaugenmerk auf sich zog. Das typische Spielbergsche Thema vom abwesenden Vater würde somit den Kern des Films ausmachen und letzten Endes eine ganz eigene Referenz zum Ursprung der Serie darstellen. Obschon Gregory Peck als Vater von Indiana Jones im Gespräch war, wurde er schließlich durch Sean Connery ersetzt, der als Original-Bond ironischerweise dadurch den Vater des als US-amerikanischen Bond-Verschnitt gedachten Indy spielen durfte.

Spielberg, der immer schon einen Bond-Film inszenieren wollte, hatte nun die Chance, mit James Bond persönlich zu drehen. Noch ironischer wird die ganze Szenerie, wenn man sich das Ensemble der Nebendarsteller ansieht, die ebenfalls in Bond-Abenteuern aufgetaucht sind: Alison Doody (A View to a Kill), John Rhys-Davies (The Living Daylights) und Julian Glover (For Your Eyes Only) die namhaftesten. Über weite Strecken bedient sich der Film an seinen beiden Vorgängern: das heilige Artefakt einer der großen Religionen (Judentum, Hinduismus, Christentum), das Thema des abwesenden Vaters (Marion, Short Round, Indy), massig Parasiten (Schlangen, Käfer, Ratten) und verschiedene Verfolgungsjagden.

Darunter die bondsche Verfolgung in den Kanälen von Venedig, die ihr Ende an einem (Schiffs-)Propeller finden wird oder die Verfolgungsjagd in motorisierten Gefährten, die in einem der legendärsten Stuntszenen endet, mit einem Sprung vom Pferd auf einen Panzer. Zudem beinhaltet Indiana Jones and the Last Crusade Hinweise zu Raiders of the Lost Ark (Indy und die Bundeslade in der Gruft in Venedig) oder zum Privatleben der Macher (Indy verweist in seiner Klasse auf Dr. Tyrees Philosophieunterricht, den Harrison Ford einst besucht hat). Sean Connery selbst wird am Ende des Films von Donovan (Julian Glover) mit einer Walther PKK angeschossen, der Waffe, die er selbst als Bond jahrelang im Halfter trug.

Auch der Ton des dritten Abenteuers von jedermanns liebsten Archäologen macht deutlich, dass das gesamte Projekt mehr Elemente einer Spaßveranstaltung hatte, schließlich dient Henry Jones Sr. (Sean Connery) doch in diesem Teil als der Inbegriff des comic relief. Das langgezogene „Indy“-Gekreische der Schauspielerinnen Karen Allen und Kate Capshaw aus den Vorgängern wird diesmal abgelöst von Indys eigenem genervten “Dad”, mit welchem er versucht, seinen Vater in die Gänge zu kriegen. Getrübt wurden die Dreharbeiten lediglich von dem gesundheitlichen Zustand Denholm Elliotts, der seiner Zeit mit AIDS diagnostiziert wurde und während der Dreharbeiten verstärkt an Schmerzen litt.

Auch seine Figur, Marcus Brody, dient der humoristischen Erleichterung und markiert neben Sallah (John Rhys-Davies) eine weitere Figur aus Raiders of the Lost Ark, die ihre Rückkehr im dritten Teil feiern darf. Dieser stellt zugleich den letzten Film dar, den Kameramann Douglas Slocombe gedreht hat – Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull wird von Spielberg-Spezi Janusz Kaminski fotografiert. Mit seinen ganzen Verfolgungsjagdszenen (die Bootsszene in Venedig, die Panzerszene in Hatay) ist der dritte Teil actionreicher als seine beiden Vorgänger, wegen der Einbeziehung von Henry Jones zudem humorvoller und dank Alison Doody ist er auch der erotischste Teil der Indy-Reihe.

Da verwundert es nicht, dass das Budget von Indiana Jones and the Last Crusade mehr als doppelt so hoch war – 48 Millionen Dollar – als es noch bei Raiders of the Lost Ark der Fall gewesen ist. Doch die Rechnung ging auf, denn mit rund 475 Millionen Dollar spielte der dritte Teil nicht nur am meisten von allen drei Abenteuern ein, sondern er avancierte auch zum ertragreichsten Film des Kinojahres 1989 und wurde wie die beiden Vorgänger mit dem Oscar für die besten Spezialeffekte ausgezeichnet (nebst zwei weiteren Nominierungen). Spielberg selbst hatte seiner Zeit Anfragen für Rain Man und Big verstreichen lassen und es letztlich wohl seinen Kritikern mit dem Indy-Abschluss noch einmal zeigen können.

So wird der Film auch im Internet als zweitstärkster der Reihe eingeschätzt. Mit dem neu geschaffenen PG-13-Rating ist er der einzige Film der Reihe, der kein PG-Rating bekommen hat und weist sogar eine technische Neuerung auf. Die Todesszene von Donovan beanspruchte eine ganze Woche Drehzeit und zählte zu den ersten ausschließlich digital gefilmten Szenen der Filmgeschichte. Inhaltlich gesehen macht die Szene zwar keinerlei Sinn, denn nur ein vollkommener Idiot würde einen mit Gold verkleideten Becher als den Heiligen Gral Jesu Christi ansehen, doch man muss zugeben, dass die Szene technisch sicherlich auf höchstem Niveau gemacht wurde und bis heute Pop-Kultur-Parodien findet.

Neben den Stuntszenen kann sich also auch die Ausstattung, sprichwörtlich, sehen lassen. Eigentlicher Höhepunkt des dritten Teils ist jedoch fast schon seine Einleitung, die dem Publikum einen jungen Indiana Jones (River Phoenix) beschert und ein Tribut von Spielberg an seine eigene Pfadfinderzeit darstellt. Hier wird bereits das gespaltene Verhältnis von Indy zu seinem Vater gezeigt, der sich in seine Gralstudien verliert und seinen Sohn quasi im Stich lässt, als er dem korrupten System begegnet. Stattdessen wird sich Indy als Vorbild ausgerechnet sein „feindliches“ Gegenüber wählen, von dem er den charakteristischen Fedora-Hut als Belohnung für seinen Ehrgeiz und Zielstrebigkeit erhält.

Dies stellt eine Honorierung und Anerkennung von seiner Leistung dar, welcher der erwachsene Indy (Harrison Ford) im Verlaufe von Indiana Jones and the Last Crusade mehrfach hinterher rennen wird, ohne sie von seinem Vater zu erhalten (siehe die Befreiungsszene oder die Flucht im Zweisitzer). Ford selbst hatte die Idee als sein jüngeres Pendant den aufstrebenden Jungstar River Phoenix zu besetzen, da hier die äußerliche Ähnlichkeit – laut Ford – frappierend wäre. Beide arbeiteten bereits unter Peter Weir an The Mosquito Coast zusammen und daher verwundert es auch nicht, dass Phoenix sein Schauspiel weniger an der Figur von Indiana Jones anlegte, sondern vielmehr sein Idol Harrison Ford beobachtete.

In die spannende Eröffnungssequenz findet auch Indys Ophiophobie erneut Einzug, sowie seine Affinität zur Peitsche. Mit dieser erklärt man zugleich Indys Narbe am Kinn, welche sich Hauptdarsteller Ford bei einem Autounfall im Alter von 20 Jahren geholt hatte. Diese Eröffnungsszene, die allein von Phoenix’ Präsenz getragen wird, ist stimmungs- und schwungvoll, amüsant und detailverliebt, und gerade aus diesem Grund das frühe Highlight dieses Films. Spielberg inszeniert dann alllerdings einen absolut unnötigen Übergang mit einem Zeitsprung ins Jahr 1938, um das Schicksal des Coronado-Kreuzes zu erklären, welches dem Publikum in der Szene zuvor als MacGuffin fraglos egal gewesen sein dürfte.

Dies führt dann soweit, dass sich Indiana Jones als unsterblicher Held auf offenem Ozean in die Fluten stürzt und logischerweise irgendwie schließlich nach Hause gerät. Die gesamte Coronado-Auflösung könnte somit überflüssiger nicht sein und man hätte zweifelsohne einen einfacheren Übergang wählen können, um die Brücke von Damals zu Heute zu schlagen. Von allen Teilen ist Indiana Jones and the Last Crusade sicherlich der religiöseste, was besonders dadurch interessant ist, da sowohl Lucas als auch Spielberg Anhänger des jüdischen Glaubens sind und sich dennoch geradezu penetrant auf Jesus Christus als Erlöser stürzen, wenn für Indiana Jones das Finale schließlich zur Glaubensfrage verkommt.

Der Gral selbst spielt als Artefakt jedoch wie angesprochen nur eine untergeordnete Rolle, er steht vielmehr symbolisch für die Anerkennung, die Indy sich von seinem Vater wünscht, die er jedoch nie erhalten hat. Sean Connery, der seinerzeit erst 58 Jahre alt war (und damit nur 12 Jahre älter als Ford), aber einen etwa 75-Jährigen spielen musste, bringt diese Entfremdung zum eigenen Sohn sehr gut rüber. Bestes Beispiel dürfte die Szene mit der Ming-Vase sein, um die sich der Professor mehr sorgt, als um das Wohlbefinden seines Sohnes. Als Indy im Zeppelin schließlich die Chance erhält, mit seinem Vater ein persönliches Gespräch zu führen, weiß er selbst nicht, worüber die beiden Männer reden sollen.

Indys Begeisterung für die Archäologie kommt dabei nicht von ungefähr, sondern orientiert sich an seinem Vater, selbst wenn er sein äußeres Erscheinungsbild nach einem Grabräuber modelliert. Im Finale muss Indy wie immer lernen, das Artefakt loszulassen. Von der Stimmung her ist Indiana Jones and the Last Crusade ein typisches Jones-Abenteuer, doch die häufige Redundanz der Szenen stören letztlich den Handlungsfluss, sodass Teil 3 nicht en par mit dem ersten Film ist. Es bleibt zwar abzuwarten, wie viele Indy-Elemente im vierten Abenteuer nächste Woche auftauchen, die Thematik des abwesenden Vaters (Mutt) ist jedoch auf jeden Fall vorhanden und wird von Spielberg erneut übernommen werden.

8.5/10

9. Mai 2008

Indiana Jones and the Temple of Doom

Hey, lady, you call him Dr. Jones!

Fortsetzungen sind gerade in unserer heutigen Zeit inzwischen zum Übel verkommen. Jeder Film, der einen respektablen Gewinn erwirtschaftet, wird inzwischen zum Franchise. Früher war das alles besser, auch im Falle von Steven Spielberg. Mit E.T. – The Extra-Terrestrial endgültig zur Legende aufgestiegen, markierte Indiana Jones and the Temple of Doom die erste Fortsetzung einer seiner Filmreihen, zu der sich im Folgejahrzehnt The Lost World: Jurassic Park gesellen würde. Drei Jahre nach seinem Erfolg mit Raiders of the Lost Ark, dem erfolgreichsten Film von 1981 und mit acht Oscarnominierungen bedacht, inszenierte er also diese Fortsetzung, die ursprünglich “Temple of Death” hieß.

Allgemein gilt Temple of Doom, der immerhin erneut den Oscar für die besten Spezialeffekte ergatterte, als der schlechteste Teil der Trilogie. In der IMDb hält er eine Bewertung von 7.6/10, bei Rotten Tomatoes sogar starke 85%. Mit einem weltweiten Einspiel von rund 333 Millionen Dollar landete das zweite Abenteuer von Indiana Jones hinter Ghostbusters und Beverly Hills Cop auf dem dritten Platz des Kinojahres 1984. Da Spielberg und Produzent George Lucas jeweils privat eine Scheidung durchgegangen waren, wollten sie die Stimmung für ihren Nachfolger düsterer gestalten. Ihr Ergebnis landete auf der schwarzen Liste des indischen Films und revolutionierte zugleich das US-amerikanische Kino-Rating.

Da Lawrence Kasdan unabkömmlich war, übernahmen Willard Huyck und Gloria Katz das Drehbuch, nachdem sie zuvor bereits für George Lucas American Graffti geschrieben hatten. Privat große Liebhaber des indischen Subkontinents, schienen sie die perfekte Wahl für die in Indien beheimatete Geschichte von Temple of Doom zu sein. In Indien selbst fand der Film weniger Anklang, wurde aus den Kinosälen verbannt und gilt auch heute noch als rassistisch. Der Auslöser war die Darstellung der Hindus im Film sowie die Verwendung des Titels Maharadscha. Und angesichts der Handlung von Huycks und Katz’ Drehbuch, kann man selbst als abendländischer Mensch den Ärger und Missmut der Inder nachvollziehen.

Weil der dem Kali-Kult angehörige Okkult-Priester Mola Ram (Amrish Puri) einem Bergdorf einen heiligen Stein entwendet und deren Kinder versklavt, wird Indiana Jones (Harrison Ford) von den Dorfbewohnern um Hilfe gebeten. Was folgt sind Kali-Okkultismen, Voodoo-Puppen und ein Maharadscha-Dinner der ekelerregenden Sorte, wenn neben lebenden Schlangen auch Käfer und Affenhirne verspeist werden. Ob dies nun eher Mittel zum Zweck, Xenophobie oder tatsächlich Rassismus war, muss der Zuschauer selbst entscheiden. In der Tat sind es Darstellungen, die eher dem Mystizismus der Geschichte zuträglich sind und dem Spannungsaufbau sowie dem hier verstärkt innewohnenden Humor dienen.

Letzterer ist es, der diesen zweiten Teil zumindest im ersten Akt von Raiders of the Lost Ark entrückt. Wo auch dieser bisweilen Humoristisches einstreute, heben die beiden Nebenfiguren von Short Round (Jonathan Ke Quan) und Willie (Kate Capshaw) in Temple of Doom den comic relief auf eine neue Ebene. Beide Figuren bringen etwas Naivität in die Handlung, wobei Short Round speziell in der zweiten Filmhälfte seinen Wert für Indiana Jones unter Beweis stellt. Spielbergs Ehefrau Capshaw wiederum – die er laut dem Making Of Harrison Ford als einzige Wahl vorstellte und dieser angeblich sofort zustimmte, obschon ursprünglich Sharon Stone für die Rolle vorgesehen war – ist wenig mehr als die damsel in distress.

Mit Beginn des zweiten Aktes nimmt Spielberg den Humor allerdings zurück und der Film wird düsterer. Spätestens mit der Minensequenz nimmt dann allerdings auch das komische Element wieder an Fahrt auf. Kritisch gerät jedoch der Aspekt, dass Spielberg dem Düsteren nur bedingt nachgeht. So sind die versklavten Kinder für Spielberg nur Mittel zum Zweck und im angesichts ihrer Rettung plötzlich stark genug, ihre Unterdrücker zu überwinden. Auch der Kali-Kult als Ursache für Indys und des Maharadschas Verklärtheit wirkt mehr wie ein Gimmick denn wie ein narrativ ausgearbeitetes Spannungselement. Dass in beiden Fällen der Vorwurf des Rassismus fällt, macht die Angelegenheit nicht besser.

Zudem knabbert der Film an ähnlichen Problemen wie bereits sein Vorgänger (und auch sein Nachfolger): Er verfügt schlicht über zu viele Set-Pieces. Vom Club Obi-Wan über die Verfolgungsjagd zum Flugplatz, die Schlauchbootrettung, der Tunnel in Willies Zimmer, Indys Involvierung in die Kali-Zeremonie, der Kampf mit dem Vormann, die Minenflucht und das Finale auf der Brücke lassen einander teils verpuffen. Viele Köche verderben den Brei und Spielberg verliert sich teils zu sehr in seiner Abenteuerlastigkeit (so stürzt das Schlauchboot gleich zwei Mal und trotzt dabei den Gesetzen der Physik). Würde der Film weniger Set-Pieces präsentieren und diese mehr zelebrieren hätte er vermutlich mehr davon.

Nichtsdestotrotz sind sie allesamt natürlich durchweg überzeugend inszeniert, den Logiklücken zum Trotz. Und zumindest ist die Trilogie dahingehend konsistent, dass alle drei Filme über dieselben Qualitäten und Makel verfügen. Im Übrigen ist Temple of Doom, der 1935 spielt, wenn man es ganz genau nimmt kein Sequel, sondern ein Prequel zu Raiders of the Lost Ark. Da der Film im Vergleich zum Vorgänger auch wie erwähnt düsterer geriet, sollte er zuerst ein R-Rating statt ein PG-Rating erhalten. Da Spielberg dies jedoch als zu hart empfand, schlug er der Zensurbehörde einen Kompromiss vor. Und so markierten Temple of Doom und Gremlins 1984 die ersten Filme, die ein PG-13-Rating erhielten.

In seiner Summe ist Spielbergs erste Fortsetzung eines seiner Filme – und die damit einhergehende Entstehung eines Franchises – zwar nicht ganz so überzeugend geraten wie das dazugehörige Original, allerdings bewegt sich der Film auch in eine etwas andere Richtung. Dass Indiana Jones and the Temple of Doom dabei zeitweise von der Abenteuerkomödie zum düsteren Okkult-Film avanciert, zeichnet ihn im Nachhinein ebenso aus wie seine gelungene Integration solcher comic relief-Charaktere wie Willie und Short Round. Gerade bei Letzterem ist es schade, dass ihn Spielberg für die späteren Teile nicht wiederverwertet hat. Ansonsten gilt für den zweiten Indy-Teil durchaus zurecht Willies Mantra: “Anything Goes!”

7.5/10

1. Mai 2008

Raiders of the Lost Ark

It’s not the years, it’s the mileage.

Das Kennedy Center benennt ihn als den erfolgreichsten Regisseur unserer Zeit und beschreibt ihn als einen Regisseur, der die Zuschauer amüsiert und erstaunt, sie zum Lachen und zum Weinen bringt. Das TIME Magazin nannte ihn die einflussreichste Person seiner Generation Ende des 20. Jahrhunderts. Die Rede ist von Steven Spielberg, dem Mainstream-Regisseur schlechthin, der es sogar schafft aus dem Holocaust einen Blockbuster zu machen. Als 28-Jähriger lieferte er mit The Sugarland Express seinen ersten Kinofilm ab und gelangte ein Jahr später mit Jaws bereits zu Ruhm. Es folgte 1977 in Close Encounters of the Third Kind seine erste Auseinandersetzung mit einem seiner Lieblingsthemen, ehe er sich 1979 zum ersten Mal einem anderen Lieblingsthema widmete: dem Zweiten Weltkrieg. Doch seine Satire 1941 enttäuschte die Erwartungen der Produzenten, sodass Spielbergs nächstes Projekt, das ihm endgültig die Herzen der Zuschauer sichern würde, in eine unklare Zukunft blickte.

Produzent George Lucas hatte große Probleme ein Studio als Finanzier für den neuen Film zu gewinnen, seiner Aussage nach wurde das Skript von allen abgelehnt, ehe Paramount gewonnen werden konnte. Was ursprünglich als Low-Budget-Produktion geplant war, verdreifachte seine Kosten zu der endgültigen Summe von 20 Millionen Dollar, welche in ihrer Summe von Paramount getragen wurden. Zudem sicherte Lucas sich 40 Prozent des Filmgewinns, ein ungewöhnlicher Deal, der dem bärtigen Mann zusammen mit seinem Star Wars-Franchise einen ungemeinen Reichtum sichern sollte. Spielbergs und Lucas’ Film, Raiders of the Lost Ark, avancierte problemlos zum ertragsreichsten Film des Jahres 1981, mit einem weltweiten Einspiel von 384 Millionen Dollar. Allein 60 Prozent spielte der Film in den Vereinigten Staaten ein, was ebenfalls ungewöhnlich ist und ihn zu einem durch und durch US-amerikanischen Produkt macht. Ein US-amerikanischer Held für das US-amerikanische Volk.

Das American Film Institute platziert Raiders of the Lost Ark auf Platz 60 der 100 besten Filme des 20. Jahrhunderts, die Academy ehrte ihn 1982 mit acht Oscarnominierungen, darunter auch als bester Film und für die beste Regie. Am Ende gewann er vier der Trophäen, für Ausstattung, Ton, Effekte und Schnitt. In der IMDb hält er eine 8.7 Bewertung und ist damit aktuell der 27. bestbewertete Film, bei Rotten Tomatoes erhielt er sogar 94%. Entertainment Weekly wählte die Figur des Indiana Jones zum drittbesten Actionhelden, lediglich von Ellen Ripley und John McClane übertroffen. Vielmehr als die beiden ist Indiana Jones jedoch zu einer Kultfigur aufgestiegen, die ihre Anfänge bereits 1973 hat. Denn Lucas schrieb neben Star Wars eine andere Adaption berühmter Kurzgeschichten aus den 1930er Jahren: einen Abenteuerhelden namens Indiana Smith. Pate für den Vornamen seines Helden stand Lucas’ eigener Hund, eine Anekdote, die es in Indiana Jones and the Last Crusade schaffte.

Im Frühsommer 1977 erholte sich Lucas gemeinsam mit Spielberg auf der hawaiischen Insel Maui und erzählte seinem Freund, der schon immer einen Bond-Film inszenieren wollte, erstmals von seiner Idee eines abenteuerlustigen Archäologen. Das Element des Playboys, welches Lucas in Anlehnung an Bond vorgesehen hatte, fiel allerdings auf Wunsch von Spielberg und Drehbuchautor Lawrence Kasdan weg. Der Regisseur war es dann auch, der Lucas darauf hinwies, dass der Nachname „Smith“ nicht zur Figur passt, die daraufhin in „Jones“ umbenannt wurde. Ironischerweise sollte sich die Bond-Serie in den 1980ern selbst an Indiana Jones orientieren, nachdem man schon in Moonraker versucht hatte, auf den Star Wars-Zug aufzuspringen. Bis heute hat die Indiana Jones-Trilogie weltweit über 1,2 Milliarden US-Dollar eingespielt und fand 2008 fast 20 Jahre später eine nicht wirklich ruhmreiche Fortführung zur Quadrologie, deren vierter Teil problemlos über 700 Millionen US-Dollar einspielte.

Die Anfangssequenz, wie in allen Teilen ein nahtloser Übergang des Paramount-Emblems in die Szenerie, beginnt in einem südamerikanischen Dschungel und zeigt uns Indiana Jones (Harrison Ford) zuerst nur von hinten. Unerschrocken schreitet er voran und lässt seine eigentlichen indigenen Führer stückweise hinter sich, bis am Ende nur noch einer von ihnen (Alfred Molina in seiner ersten Rolle) übrig ist. Gemeinsam mit Jones betritt er eine Höhle voller Trickfallen, die bereits einen Kollegen das Leben kostete, von unserem Helden jedoch ausfindig gemacht werden. Der Auftakt ist teils eine direkte Übernahme des Donald-Duck-Abenteuers The Prize of Pizarro, welches seine Schatten auch in die zwei Fortsetzungen geworfen hat. Berühmt geworden ist hierbei die Flucht vor der riesigen Steinkugel, wie die Auftaktszene allgemein weitaus erinnerungswürdiger und gelungener als das Filmende geraten ist. Im Prolog treffen wir nicht nur erstmalig den Helden, sondern auch den Antagonisten des Films.

Der französische Archäologe Belloq (Paul Freeman) ist im Grunde nur die Karikatur eines Archäologen, wie Spielberg vermehrt in seinem Film veranschaulichen wird. Inkompetent wie Belloq ist, wird er in jeder einzelnen Szene auf Indys Hilfe angewiesen sein, um das zu bekommen, was ihm eigentlich vorschwebt. Seine scheinbare Skrupellosigkeit wird lediglich in den Szenen mit Marion in Frage gestellt, am eindrucksvollsten bei Arnold Tohts (Ronald Lacey) Auftritt in Ägypten. Die Anfangsszene wiederum zeigt auch einen typischen Zug der Jones-Serie, nämlich ein Artefakt, für das der smarte Archäologe sein Leben aufs Spiel setzen wird, ohne dieses am Ende seines Abenteuers mit nach Hause nehmen zu dürfen. Sei es hier der goldene Schädel und die Bundeslade, die mystischen Steine im zweiten oder der Heilige Gral im dritten Teil – alle diese Artefakte, muss Indy nach kurzen Besitz letzten Endes aufgeben und charakterisiert dadurch dennoch einen Sieg selbst in der Niederlage.

Letzteres verstärkt sich auch deshalb, da diese finalen Momente auch immer Jones’ Gegner beinhalten, die im Gegensatz zu ihm nicht von den Objekten lassen wollen und schließlich durch sie ihr Verderben finden. Am deutlichsten wird dies in der Klimax des dritten Teils zu sehen sein und auch das Ende des vierten Teils rund um Cate Blanchetts Agentin Spalko dürfte dies beinhalten – zumindest wenn Spielberg seinem Franchise treu bleibt. Nunmehr hat er seinen Helden installiert, das Publikum weiß, dass Jones ein tougher Kerl ist. Veranschaulicht auch an der Referenz der Macher zu den klassischen Geschichten der 1930er und 1940er, wenn Jones auf seiner gesamten Flucht, inklusive Sprung ins Wasser, seinen Hut nicht verlieren wird. Nach der starken Einleitung präsentiert Spielberg das zweite Gesicht seiner Figur, quasi ihre eigentliche Tarnung, die Clark-Kent-Essenz dieses Superman. Als Dr. Jones unterrichtet der eben zur Schau gestellte Held ein Klassenzimmer bebrillt und im Anzug.

Irritierte ihn gerade nicht einmal eine Horde mordlüsterner Eingeborener, gerät er nun ins Stocken als ihm eine seiner Studentinnen auf einfallsreiche Weise ihre Gefühle gesteht. Jones ist ein Kind im Körper eines Mannes, das zwar durchaus ein Interesse an Frauen hat, wie die drei Teile jedoch zeigen werden zu diesen aber ein mitunter zwiespältiges Verhältnis besitzt. Jetzt bringt Spielberg das Artefakt ins Spiel, als die US-Regierung Indy auf die Suche nach der Bundeslade schickt, einem Heiligtum des Judentums, verloren geglaubt und nun von den Nazis für den Endsieg gesucht. Die Geschichte spielt 1936 und die Nürnberger Gesetze wurden zwar ein Jahr zuvor verabschiedet, das Münchener Abkommen ist aber noch zwei Jahre entfernt und der Holocaust zu diesem Zeitpunkt höchstens eine Idee. Dennoch geben die Nazis die universellen Bösewichte, personifiziert in einer einzelnen Figur, die einen mehr als bezeichnenden – jedoch ungenannten – Namen erhielt: Arnold Toht.

Angeblich hatte Klaus Kinski die Rolle abgelehnt, die auf Jahre das Filmbild der Nazis bestimmen sollte: das Bild eines skrupellosen, unbarmherzigen Sadisten. Arnold Toht wird gemeinsam mit der weiblichen Hauptfigur Marion Ravenwood (Karen Allen) in die Handlung eingeführt und Spielberg geht bereits hier ungalant mit Toht um, wenn er ihn ins Lächerliche abdriften lässt. Und nicht nur hier, legt Toht den ganzen Film hindurch seinen schwarzen Mantel nicht ab, weshalb er sich im Filmfinale in brütender Hitze entsprechend den Schweiß von der Stirn wischt. Trotz seines Nazi-Status’ ist Toht jedoch nicht der Hauptantagonist, vielmehr ist es durchweg Belloq, der mit allen Mitteln an die Bundeslade gelangen möchte. Ein Merkmal, dass sich im dritten Teil wiederholen wird, der ohnehin ein Spiegel von Raiders of the Lost Ark ist. Indy befindet sich jeweils in einem Wettstreit mit Nazis um ein Artefakt, mit denen er sich unentwegt beharkt, aber mal um mal einen Schritt voraus ist.

Als Parallele zum Antagonisten-Trio stellt Spielberg Indy und Marion den ägyptischen Gräber Sallah (John Rhys-Davies) an die Seite. Dieser sollte eigentlich von Danny De Vito gespielt werden, der aufgrund seines Engagements in der Serie Taxi unabkömmlich war. Ähnlich verhielt es sich bei Tom Selleck, der nur wegen Magnum, P.I. nicht zu Indy wurde, aber ohnehin nicht Spielbergs erste Wahl war. Dies war Harrison Ford, der erst drei Wochen vor Drehbeginn zum Team stieß und von Lucas vorab abgelehnt worden war, um nicht nach Star Wars und American Graffiti sein Robert De Niro zu werden. Die Szenen in Kairo, wo Indy und Sallah die Bundeslade finden, wurden amüsanterweise in Tunesien gedreht, am selben Set, das zuvor für Lucas’ Wüstenplaneten Tatooine in Star Wars herhielt. Es sind auch die Kairo-Szenen, mündend in Indys Flugfeldprügelei und seiner rasanten Verfolgungsjagd, die den eigentlichen Höhepunkt des Films bilden, an den das Ende nicht mehr anzuknüpfen vermag.

Raiders of the Lost Ark ist ein im Grunde perfekter Abenteuerfilm, der über seine gesamte Dauer zu gefallen weiß, bisweilen erstaunt, oft genug amüsiert und somit die Eigenschaften erfüllt, die ihm das Kennedy Center zuschreibt. Ein selbstironischer Held, wenn auch ein absolut US-amerikanischer, der mit Peitsche, Lederjacke und Hut die Kontinente bereist und sich mit höheren Mächten anlegt. Das alles im Gewand eines B-Movies, das schließlich doch kein B-Movie mehr wurde. Im Gegenteil, wurden die Effekte von Lucas’ Trickschmiede ILM sogar ausgezeichnet und starteten ein Franchise, dessen vermeintlicher Abschluss ein Achtfaches des einstigen Budgets einspielten. Ein Spaßfilm, dessen Drehbuch zu Recht nicht für den Oscar nominiert wurde, wobei dies auch sicher nie die Intention der Macher war. Bestückt mit vielen Referenzen zu Casablanca, Citizen Kane und vielen anderen Klassikern war Raiders of the Lost Ark zugleich der Vorbote eines weiteren als Meisterwerk erachteten Films.

Denn in den Drehpausen des Films schrieb Spielberg gemeinsam mit Harrison Fords damaliger Ehefrau Melissa Matheson das Drehbuch zu E.T. – The Extra-Terrestrial, der ihm ein Jahr später eine weitere Nominierung als bester Regisseur einbringen würde. Das einzige, was an Raiders of the Lost Ark etwas zu missfallen weiß, ist zum einen die Vielzahl an Set Pieces und die darauf resultierende Überlänge und zum anderen das Filmende selbst, das Spielberg quasi vor Ort entwirft, ohne näher auf dessen Mysterien einzugehen. Um was es sich bei den Geistern der Bundeslade handelt, wieso sie feindlich gesinnt sind und warum bloßes Augenverschließen vor ihnen schützt – all das erläutert wird nicht erläutert und erzeugt somit kaum Spannung. Stattdessen liefern nette Effekte einen gewissen Gore-Faktor. Hätten sich Spielberg, Lucas und Kasdan hier noch etwas kreativer gezeigt, wäre Raiders of the Lost Ark perfekt geworden. Aber auch so zählt er zu den unsterblichen Meisterwerken des Kinos.

10/10