Posts mit dem Label James Bond werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label James Bond werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

9. Februar 2018

Die Top 5: Zahnschmerzen

You’ll be a dentist! You have a talent for causing things pain.
(Little Shop of Horrors)

Jemandem die Zähne zeigen bedeutet umgangssprachlich, Widerstand zu leisten. Womöglich geht diese Redensart auf die Heilige Apollonia von Alexandria zurück. Im Jahr 249 n. Chr. soll die Jungfrau während der Christenverfolgung angegangen worden sein. Man schlug ihr die Zähne aus und drohte, sie auf den Scheiterhaufen zu werfen, wenn sie ihrem christlichen Glauben nicht abschwor. Apollonia wählte den Märtyrertod und gilt seither als Patronin der Zahnärzte. Der heutige 9. Februar markiert ihren Todestag und ist zugleich der offizielle Tag des Zahnschmerzes. Wer unter solchen leide, solle zur Schmerzlinderung seine Gebete an die Heilige Apollonia richten – dazu riet angeblich bereits Papst Johannes XXI.

Das Verhältnis der Menschen zu Zahnärzten ist ein schwieriges. Die Deutsche Gesellschaft für Zahnbehandlungsphobie mutmaßt, dass zwei Drittel der Bevölkerung regelmäßig Angst vor dem Zahnarztbesuch hat. Laut der Technischen Krankenkasse ist es immerhin jede/r fünfte Deutsche, die sich vor einer Behandlung fürchten. Der Grund für die Dentalphobie liege dabei oft in traumatischen Erlebnissen als Kind, beispielsweise wenn gebohrt wird. Folglich schieben viele Menschen bei Zahnproblemen den Arztbesuch so lange wie möglich auf. Dabei sind Zahnschmerzen vielmehr ein Zeichen für Probleme, die besser gleich behoben werden. Sonst können sich noch weitaus schlimmere Folgen abzeichnen, die schwieriger zu reparieren sind.

Beschädigte Zähne können mit am meisten Schmerzen verursachen. Dies liegt an den ausgeprägten Nervensträngen der einzelnen Zähne. Die sind mit den Nervenbahnen des Gesichtsnervs verbunden, weshalb Zahnschmerzen auf die Ohren, den Nacken und den Kopf ausstrahlen können. Ursächlich sind Parodontitis, fehlender Zahnschmelz oder am häufigsten Karies. Dabei sind die zahnmedizinischen Probleme hierzulande konstant im Rückgang. So verdoppelte sich allein zwischen 1997 und 2005 fast die Zahl der kariesfreien Kinder von 42 auf 70 Prozent. Was den Kariesbefall bei Kindern angeht schneidet Deutschland sowieso neben Dänemark im internationalen Vergleich mit am besten ab – doppelt so gut wie Frankreich, Spanien oder Österreich.

In Park Chan-wooks Oldboy versucht sich der Held als Hobby-Dentologe. 
Auch bei jungen Erwachsenen und jungen Senioren ist die Zahl der Parodontalerkrankungen rückläufig. Dennoch ist die Angst vor dem Besuch in der Zahnarztpraxis in Deutschland groß, fürchtet sich zum Beispiel jede/r Zweite vor dem Bohrer. Weil mitunter für das Beheben einer Odontalgie, dem vom Zahn ausgehenden Schmerzgefühl, kurzzeitig Schmerzen nötig sind. “You’ll be a dentist! You have a talent for causing things pain”, singt Steve Martins sadistischer Zahnarzt in Little Shop of Horrors von der Berufs-Prognose seiner Mutter. Es verwundert daher nicht, dass in Filmen gerne Zahnschmerzen als probates Mittel der Folter herhalten müssen. Sei es zur Bestrafung für ein vorheriges Verhalten oder um Informationen zu erhalten.

So lässt Jason Isaacs Kurklinik-Arzt in Gore Verbinskis A Cure for Wellness dem Wall-Street-Broker von Dane DeHaan in einen gesunden Zahn bohren, während Choi Min-siks Protagonist in Park Chan-wooks Oldboy seinem Gegenspieler für Hinweise die Zähne per Hammer zieht. Humorvoll wird der Zahnverlust wiederum in Komödien inszeniert, egal ob in Home Alone Joe Pescis Goldzahn dran glauben muss oder in The Hangover Ed Helms’ Zahnmediziner selbst Hand anlegt. Eher subtil und Zeichen für anders gelagerte Probleme äußern sich in Darren Aronofsys Requiem for a Dream das Zähneknirschen der Diätpillen-Abhängigen Ellen Burstyn oder Essie Davis’ Zahnprobleme in Jennifer Kents Psycho-Horror-Film The Babadook.

Zähne können in Filmen natürlich noch andere Rollen spielen. Als scheinbarer Hilferuf in einer Rabbi-Anekdote in A Serious Man der Coen-Brüder oder als Auslöser für die Begegnung zweier Eheleute in Orson Welles’ Meisterwerk Citizen Kane. Dass sich mittels der individuellen Charakteristika unserer Zähne und über einen Gebissabgleich ante und post mortem unsere Identität nachweisen lässt, integrierten sowohl John McTiernans Thriller Wild Things als auch Jonathan Lynns Komödie The Whole Nine Yards in ihre Handlungen. Schmerzen können natürlich auch anderen durch Zähne verursacht werden, so wie durch Jess Weixlers mit einer Vagina dentata ausgestatteten Figur in Mitchell Lichtensteins Horror-Film Teeth von 2007.

Zähneknirschen wie in Darren Aronofskys Requiem for a Dream kann zu Schmerzen führen.
Im Allgemeinen spielen Zähne und Zahnschmerzen in Filmen dann aber doch eine eher geringere Rolle. Vielleicht auch deshalb, weil die Assoziation mit den eigenen Ängsten als für zu groß erachtet wird. Bei manchen Menschen ist die Dentalphobie derart ausgeprägt, dass sie sich gar nicht mehr zu den in Deutschland erwerbstätigen rund 71.500 Zahnmedizinern wagen. So gibt die Barmer-Krankenkasse an, dass im Saarland und in Bremen ein Drittel der Bevölkerung nicht regelmäßig zum Zahnarzt geht. Bundesweit spart sich ebenfalls jede/r Vierte den jährlich von den Krankenkassen zur Vorsorge empfohlenen Besuch. Dabei kann es wie erwähnt oft zu spät sein, wenn erst nach langer Odontalgie über Jahre hinweg letztlich ein Arzt aufgesucht wird.

Mitunter wird neben Traumata aus Kindheitstagen auch das Schamgefühl gegenüber dem eigenen Mundbereich als Grund für die dentale Abstinenz angegeben. Sprich: Die Leute wollen anderen nicht die Zähne zeigen. Und geben stattdessen lieber ein Stoßgebet an die Heilige Apollonia ab. Zum Abschluss dieser Ausgabe der Top 5 wird nun fünf Filmen, die in gewisser Weise exemplarisch für die jeweils unterschiedliche Darstellung und Bedeutung von Odontalgie innerhalb des Mediums stehen, quasi auf den Zahn gefühlt. Das Ganze natürlich – wie immer – höchst subjektiv. Das müssen diejenigen, die anderer Meinung sind, in diesem Fall dann wohl zähneknirschend hinnehmen. Und ehe sich jetzt noch eine/r ins Feuer wirft:


5. The Spy Who Loved Me (Lewis Gilbert, UK 1977): Unterwegs mit seiner KGB-Kollegin Triple X (Barbara Bach) wird James Bond in The Spy Who Loved Me auf einer Zugfahrt durch Ägypten von Handlanger Jaws (Richard Kiel) attackiert. Physisch gegen diesen unterlegen, bleibt 007 nichts übrig, als das Metallgebiss seines Widersachers mit einem Lampenfuß unter Strom zu setzen, ehe ihm Jaws das Genick brechen kann. Zahnschmerzen als letzter Ausweg der Selbstverteidigung haben dabei eher Seltenheitswert.

4. Marathon Man (John Schlesinger, USA 1976): Eine der eindringlichsten dentalen Folterszenen der Filmgeschichte findet sich in John Schlesingers Marathon Man. Dort fühlt der ehemalige KZ-Zahnarzt Christian Szell (Laurence Olivier) buchstäblich Geschichtsstudent Babe (Dustin Hoffman) auf den Zahn – genauer: seine Nerven (“Is it safe?”). Im Ausland untergetaucht, lebt Szell von Diamanten, die er einst KZ-Häftlingen abnahm. Auf der Suche nach diesen findet er in Babe jedoch keinen hilfreichen Informanten.

3. Kynodontas (Giorgos Lanthimos, GR 2009): Zuhause eingesperrt und abseits der Gesellschaft aufgezogen, dürfen in Kynodontas drei Kinder laut ihrem Vater (Christos Stergioglou) erst das Elternhaus verlassen, wenn sie als Zeichen der Reife ihren Eckzahn verlieren. Die älteste Tochter (Angeliki Papoulia) hilft mit einer Hantel kurzerhand nach – und verschafft sich mit dem Ausschlagen ihres Eckzahns Legitimation für die Flucht von Zuhause. Hier repräsentiert der Zahnschmerz somit das Erlangen von Freiheit.

2. Cast Away (Robert Zemeckis, USA 2000): Manchmal wünscht man sich dann doch einen Zahnarzt, so wie der auf einer einsamen Insel in Cast Away gestrandete Chuck (Tom Hanks). Ein mit Karies befallener Zahn löst eine Infektion seines Zahnfleischs aus, was dem Überlebenden eines Flugzeugabsturzes keine Wahl lässt, als sich mit Hilfe eines Schlittschuhs kurzerhand selbst des kranken Zahns zu entledigen. Da kann man einmal sehen, wie wichtig es doch ist, sich zwei Mal täglich die Zähne zu putzen.

1. Jackass 3D (Jeff Tremaine, USA 2010): Was in den anderen Beispielen lediglich Fiktion war, setzte Jackass 3D in die Realität um. Ehren McGhehey tat sich als Freiwilliger hervor und ließ sich einen krummen Zahn ziehen – festgebunden an einen startenden Lamborghini. All das, weil ihm Chris Pontius versprach, man könne den Zahn erneut einfügen, allerdings dieses Mal korrigiert. Was sich letztlich, wen wundert’s, als falsche Behauptung herausstellte. “The tooth”, verkündet Johnny Knoxville, “is officially pulled.”

12. November 2008

Quantum of Solace

Everything he touches withers and dies.

Casino Royale ist kein Bond-Film, er ist die Vorbereitung auf einen Bond-Film und (..) Craig (…) ist (..) noch nicht vollends angelangt, den Gentleman-Spion zu verkörpern, den Bond eigentlich darstellt. Wohl auch noch nicht in Quantum of Solace (…)“. So lautete meine Meinung zum Neustart der Kinoreihe um den smarten MI6-Agenten aus der Feder von Ian Fleming. Und letztlich wird sie durch Marc Forsters Film sowohl untermauert als auch widerlegt. Mit dem neuesten Abenteuer von 007 verbindet MGM sowohl das Alte mit dem Neuen, schickt sich in Referenzen an die Vorgänger und bleibt seinem zuvor begonnenen Weg dennoch treu. Dabei begeht der neue Bond durchaus neue, ungewöhnliche Wege. Unabhängig davon, dass er wie die meisten neuen Bonds scheinbar finanziell die Rekorde des Vorgängers zu brechen weiß auch in anderer Hinsicht. Inhaltlich knüpft der Film direkt an Casino Royale an, was ihn nicht unbedingt zu einer direkten Fortsetzung macht, allerdings dennoch auf dem letzten Werk fußt.

Hierbei ist Jeffrey Wright der erste Darsteller, der zweimal hintereinander in die Rolle des CIA-Agenten Felix Leiter schlüpfen darf. Zum ersten Mal wird der Bond-Song auch von zwei Künstlern gemeinsam angestimmt. Natürlich dürfen für die Post-Brosnan-Ära die Missstimmungen nicht folgen. Ich selbst erachte Jack Whites und Alicia Keys Another Way to Die als Verbesserung zu Chris Cornells vorherigem Beitrag. Der Song ist kraftvoll und rebellisch, verfolgt seinen eigenen Sinn und passt damit durchaus zu Quantum of Solace. Lediglich die Titelsequenz ist wenig kreativ von MK12 gestaltet worden, da gefällt mir sogar die Coke Zero Werbung von der Aufmachung besser. Selbst der Filmtitel, so dümmlich er zu Beginn auch geklungen haben mag, will im finalen Film mit dessen gezeigter Handlung durchaus harmonieren. Eine konsequente Fortführung von Bonds „Wiedergeburt“, wenn auch nicht frei von Mäkeln und unnötigen Fehlern.

Barbara Broccoli sagte Quantum of Solace würde zwei Minuten nach Casino Royale einsetzen. Daniel Craig behauptet es wären zwanzig Minuten. Produzent Michael G. Wilson erklärt es sei eine Stunde. Man mag davon halten was man will, auf jeden Fall scheint es für James Bond (Daniel Craig) leichter gewesen zu sein, an Mr. White (Jesper Christensen) heran zu kommen, als wieder von dessen Anwesen weg zu gelangen. Zu Beginn des Filmes flieht er in seinem Aston Martin vor Maschinengewehrwütigen Gegnern und liefert sich eine wilde Verfolgungsjagd Richtung Siena (in Italien, nicht Miller). Mit im Gepäck ist der werte Mr. White. Doch was Bond und seine Vorgesetzte, M (Dame Judi Dench), von White erfahren, erfreut sie nicht sonderlich. Er sei Mitglied einer geheimen Untergrundorganisation. So geheim sogar, dass der MI6 von ihrer Existent keine Kenntnis hat. Außerdem habe man etliche Einrichtungen und Regierungen infiltriert. Sagte er und schon wird auf M und Bond ein Attentat verübt – aus den eigenen Reihen. Eine interessante und gelungene Wendung, die Dench’s M später mit unbeholfener Verletztheit schauspielerisch überzeugend darzustellen weiß.

007 setzt kurzerhand über die Dächer Sienas zur Verfolgung an, welche wenige Minuten später mit einem toten Zeugen endet – sehr zum Missfallen von M. Die einzige Spur die dem MI6 bleibt, führt nach Haiti. Bond begibt sich nach Port-au-Prince und stößt dort alsbald auf den nächsten toten Zeugen zu seinen Füßen. Als er dessen Identität annimmt landet er prompt zwischen den Fronten. Zum einen macht er die Bekanntschaft der hart gesottenen Camille (Olga Kurylenko), zum anderen des kühlen und kalkulierten Öko-Industriellen Dominic Greene (Mathieu Amalric). Um Camilles Leben zu retten gibt Bond seine Identität preis, trifft aber bereits kurz darauf in Bregenz erneut auf Greene. Hier werden die Ausmaße seiner Organisation für den MI6 erst wirklich erfassbar. Doch eine weitere unnötige Leiche bringt M’s Fass zum Überlaufen. Bond wird der Fall entzogen, doch für 007 ist es längst eine private Vendetta geworden.

In Casino Royale charakterisierte ich Bond noch als jemanden, „(…) der sich zu Beginn des Filmes bereits in bester Bourne-Manier durch das Geschehen prügeln darf“. Ähnlich verhält es sich bedauerlicherweise auch in Quantum of Solace. Enttäuschend ist hier weniger, dass man sich an der Figur Bournes selbst orientiert, sondern dass man mit der Häuserverfolgungsjagd in Siena, sowie der Zimmerprügelei in Port-au-Prince direkt zwei Szenen aus der Bourne-Reihe übernommen hat. Dabei hat Bond dies gar nicht nötig, ist er doch Bestandteil einer weitaus unterhaltsameren und stringenteren Serie. Was dem ganzen jedoch noch die Krone aufsetzt ist der überzogene Schnitt in der ersten Viertelstunde. Hier lässt Regisseur Marc Forster die Kamera kaum zwei vollständige Sekunden auf einem Bild ruhen, was durch die diffuse Wahl seiner Einstellungen nur noch verstärkt wird. Die Schnitte sind zwar nicht diffus, aber zu mannigfaltig.

Dies bessert sich zwar im Laufe des Filmes, verrät allerdings die Wurzeln des gebürtigen Deutschen im Drama-Fach und seine Schwierigkeiten mit dieser actionlastigen Handlung. Dennoch verfügt sein Film über die notwendige Waage an ruhigen wie schnellen Momenten, wobei letztere oft schöne kleine Reminiszenzen an die dalton’schen Bonds The Living Daylights und Licence to Kill beinhalten. Zudem verfügt das Drehbuch von Oscarpreisträger Paul Haggis noch über eine offensichtliche Hommage an den Klassiker Goldfinger. Doch auch wenn sich die Produzenten bemüht haben den Geist vergangener Tage hochzuhalten, bleiben sie ihrer bond’schen Frischzellen-Kur weiterhin treu. Bonds Vendetta unterscheidet sich durchaus von Daltons Rachefeldzug in Licence to Kill. War jener rein privater Natur, wird er diesmal in den Auftrag integriert bzw. geht mit diesem einher. Hier wie dort beginnt 007 sich jedoch von seinem Arbeitgeber zu distanzieren, als dieser ihm einen Riegel in seine Ermittlungen vorschieben möchte. So bleibt der smarte Brite weiterhin der etwas störrische Bulle, auch wenn seine Entwicklung zum Schluss wieder vorangetrieben wird.

Die meiste Zeit des Filmes über ist Bond weiterhin vom Tod Vesper Lynds (Eva Green) gebeutelt. Und das obwohl sie ihn verraten hat, selbst wenn sie es für ihren Freund tat. 007 bedeutet es etwas, jene Verantwortlichen zur Strecke zu bringen. Dazu gehört Mr. White, aber auch Dominic Greene. Auf beeindruckende Weise hält Haggis hier seiner Figur aus Casino Royale die Treue, wenn er Camille obschon ihrer offensichtlichen Reize die meiste Zeit auf sexueller Basis ignoriert. Das ist bei Bond nicht selbstverständlich. Und es zugleich ein Ausdruck von Respekt, den Bond für die Bolivianerin empfindet, was man gerade an seinem Verhalten gegenüber Agent Strawberry Fields (Gemma Arterton) merkt. Kaum auf dem Hotelzimmer, entledigt er sich kurzerhand seiner Klamotten. Kein großes Geplänkel, kein Werben oder Umgarnen wie bei Vesper der Fall. Bezeichnend ebenso für die Figur von Fields, dass sie ohne Kommentar, vielmehr mit einem Lächeln im Gesicht, quasi „Gehorsam“ leistet und sich ihrer Rolle als reine sexuelle Staffage fügt. Sehr schön auch die Einbettung in das Bond-Motto des Filmes, welches von Greene treffend formuliert wird: „Everything the touches withers and dies.“ Denn wenig später liegt auch Fields tot zu Füßen von Bond.

Generell reiht sich Arterton bestens in die lange Liste der klassischen eindimensionalen Betthäschen des britischen Agenten ein. Was jedoch Bond und Camille verbindet – wie die Szene in der chilenischen Wüste schön einzufangen weiß – ist der ungestillte Rachedurst für den Verlust einer geliebten Person. Wie sehr beide von diesem eingenommen sind, zeigt Bonds Entschuldigung Camille gerettet zu haben, als sie die Chance hatte ihr Hassobjekt, General Medrano (Joaquin Cosío), zu erschießen. „This man and I have some unfinished business“, gilt somit sowohl für Bond als auch für Camille. Im Gegensatz zu anderen stark emanzipierten Bond-Filmen, gerade denen der Brosnan-Ära, ist Camille in ihrer Rolle jedoch weniger Unterstützung als Begleitung. Obschon einst eine Agentin ihrer Regierung verfügt sie nicht über die Härte und Schlagkraft einer Wai Lin (Michelle Yeoh) oder Jinx (Halle Berry). Umso erstaunlicher, dass Bond sie im Finale auf eigenen Pfaden wandeln lässt.

Sehr schön ist auch die Weiterführung der QUANTUM-Handlung gelungen, die in Anlehnung an die klassische SPECTRE-Organisation geschieht. Hatte es Bond einst mit Dr. No als Handlanger der Untergrundverbindung zu tun, arbeitete er sich Stück für Stück empor, bis er schließlich beim Kopf, Blofeld, angelangt war. Ähnlich verhält es sich beim Neustart der Reihe. Hatte es 007 zuvor mit dem Banker von QUANTUM, Le Chiffré (Mads Mikkelsen) zu tun, arbeitet er sich nunmehr ein Stück in deren internen Personalstruktur empor. Ähnlich wie Le Chiffré ist auch Greene kein physischer Gegner für den Briten. Ein kühler, kalkulierter Kopf und gerade deswegen so bedrohlich. Als unbestimmbares Mitglied von QUANTUM nimmt Greene eine hohe, allerdings wie schon bei Le Chiffré nicht unersetzbare Position ein. Die Gefahr, die Greene ausstrahlt, transferiert Amalric dabei beeindruckend allein durch seine Augen.

Bedenkt man wie unterschiedlich Greene und White von QUANTUM behandelt werden, lässt dies hohe Hoffnungen für den kommenden Teil zu. Das ganze Konzept der Organisation, der in „Quantum of Solace“ nicht einmal sonderlich Gefahr von Bond oder einer der Regierungen droht, könnte sich als Gewinn für die craig’schen Bonds auszahlen. Allerdings bedarf es dann auch hierfür eines derartigen starken Charakters vom Niveau eines Ernst Stavro Blofeld. Jedoch ohne diesen über mehrere Teile zur Witzfigur verkommen zu lassen wie in On Her Majesty’s Secret Service geschehen. Aber ein Gegner auf Augenhöhe im nächsten Beitrag der Reihe wäre in der Tat eine wünschenswerte Ergänzung zu einem bisher durchaus akzeptablen Neustart von Flemings Erbe. Denn ernsthafte (körperliche) Gefahr geht für Bond jedoch im aktuellen Film nicht aus, dafür sind Anatole Taubman als Witzfigur Elvis, sowie Fernando Guillén Cuerco als Polizeichef der bolivianischen Polizei zu blass und keinerlei Konkurrenz zum Dobermann-artigen Craig.

Reizvoll ist auch die Rückkehr der beiden Figuren Felix Leiter (Jeffrey Wright) und René Mathis (Giancarlo Giannini). Während ersterer wie bereits in Casino Royale nicht über den Part des Schubsgebers im entscheidenden Moment hinaus kommt, ist es gerade Giannini, der mit seiner Figur nachhaltig für Eindruck sorgen kann. Bonds Besuch bei Mathis zur Mitte des Filmes hin ist damit eine durchaus gelungene Aufarbeitung der Ereignisse des vorangegangenen Teiles, gebührend abgeschlossen von ihrer Szene in La Paz. Lobend erwähnt werden sollte auch die musikalische Untermalung von David Arnold, dessen Stücke sich gut mit den Bildern zu verbinden wissen. Letztlich ist Quantum of Solace weit weniger actionreich geworden, wie man zuerst hat befürchten müssen. Ignoriert man die erste halbe Stunde hat Marc Forster einen durchaus überzeugenden Bond-Beitrag geleistet, der gerade in seinem schön fotografierten Finale Spaß macht. Auch wenn nicht klar werden will – oder erläutert wird – was ein Öko-Hotel mitten in der chilenischen Wüste macht. Passenderweise ist dieses dann so aufgebaut, dass es eher als Bühne für einen finalen Kampf wirkt, als zur Entspannung anregt.

Höhepunkt des Filmes ist sicherlich das QUANTUM-Meeting während der Aufführung von Tosca in Bregenz. Löblich zudem, dass Haggis den emotionalen Aspekt, insbesondere die Weiterentwicklung der Figur, nicht vernachlässigt hat. Zwar ist Bond noch immer nicht wirklich Bond, aber er ist erneut einen guten Schritt weitergekommen auf seinem Weg dorthin. Dass er sich schon längst nicht mehr über seine persönliche Vorstellung, Cocktailwünsche oder technischen Spielereien definiert, konnte man bereits in Casino Royale etablieren. Für mich selbst ist Craig jedoch weiterhin nicht Bond, wird es vermutlich auch nie werden. Unabhängig davon schlägt er sich jedoch wacker und gut, absorbiert den Charakter und rechtfertigt unterm Strich gesehen seine Besetzung. Es wäre allerdings zu empfehlen, nicht wie bei Brosnan den Zug zum Absprung zu verpassen. Noch zwei, maximal drei Filme rund um QUANTUM und Craig und man könnte äußerst gelungen eine Serie innerhalb der Serie integrieren. Letztlich vermag Quantum of Solace nicht an die Stärken von Casino Royale anzuknüpfen, was an den nicht wirklich ausgearbeiteten Figuren liegt, aber auch an der etwas simplen und ausgedehnten Handlung. Nichtsdestotrotz ist es ein solider Beitrag innerhalb der Serien-Geschichte, der immerhin Potential für den nächsten Beitrag bietet.

6.5/10

3. Juli 2008

Die Top 5: Bond Girls

Of course you are.

Er zählt zu den berühmtesten Figuren der Literatur- und Filmgeschichte: James Bond. Der britische Geheimagent entstammte der Feder von Ian Fleming. Im Alter von 55 Jahren erschuf dieser seine Figur im Jahre 1953 und orientierte sich bei ihr zu einem Großteil an sich selbst und seiner Vergangenheit. Fleming pflegte einen glamourösen Lebensstil und hatte während des Zweiten Weltkrieges selbst den Rang eines Kommandanten inne. Von 1953, als Casino Royale erschien, bis 1964, als Fleming starb, sollte der Engländer zwölf Bond-Romane zu entwickeln. Verschiedene weitere Vorbilder wurden zudem spekuliert, darunter Scotland Yard Agent Sidney Reilly oder der serbische Doppelagent Dusko Popov.

Dieses Jahr erschien das 23. Bond-Abenteuer Quantum of Solace in den Kinos, lose basierend auf einer Kurzgeschichte von Fleming. Die zwölf Romane wurden inzwischen bereits verfilmt, Casino Royale und Thunderball dabei sogar zweimal, auch wenn die doppelten Pendants nicht zum Kanon gehören. Der englische Geheimagent zeichnet sich nicht nur durch sein Aussehen aus, sondern auch durch sein Talent als Spion. Mehr als einmal bezeichnet Bonds Vorgesetzte/r, M, ihn als den besten Agenten im Dienste ihrer Majestät und neben Sekretärin Moneypenny und geschüttelten Martinis hat er noch andere Merkmale. Eines davon ist wohl, dass Bond weniger ein brillanter Agent ist, wie seine Gegner totale Idioten.

Für gewöhnlich kommt jeder Bond-Bösewicht im Laufe eines Abenteuers mindestens einmal in den Besitz von Bond. Getötet wird Bond dabei jedoch nie, denn seine Feinde scheitern immerzu an ihrem eigenen Hochmut und falschem Stolz, den berühmten Agenten möglichst dramatisch ums Eck zu bringen. Aber nicht nur die Infantilität seiner Gegner oder die technischen Spielzeuge seines Tüftlers Q machen Bond zu Bond, sondern auch die so genannten Bond Girls gehören unweigerlich zu seinen Aufträgen dazu. Bei den Bond Girls handelt es sich oft um Damen, die aus einer Notsituation befreit werden müssen. Mitunter gehören sie einem anderen Geheimdienst an, wie Anya Amasova (Barbara Bach) in The Spy Who Loved Me (1977).

Maud Adams, das doppelte Bond Girl. Premiere in The Man with the Golden Gun (1974) und fast ein Jahrzehnt später erneut in Octopussy (1983).
Sie können sich aber auch als einfache Verbündete herausstellen, wie Domino (Claudine Auger) in Thunderball (1965). In diese Kategorien gehören häufig die Bond Girls, die auf Seiten von Bond stehen. Die Bond Girls zweiter Klasse gehören in den meisten Fällen der Gruppe des bondschen Gegenspielers oder generell einer feindlichen Organisation an. Hierzu ließe sich Xenia Onatopp (Famke Janssen) aus GoldenEye (1995) anführen. Viele Bond Girls vereinen dabei von Fleming ausgewählte Gemeinsamkeiten. Das durchschnittliche Bond Girl ist Mitte Zwanzig und damit gut zehn Jahre jünger als Bond. Sie sind nicht nur attraktiv, sondern verfügen meist über blaue Augen und wenig bis gar kein Make-up.

Dabei tragen sie häufig sehr maskuline Kleidung, wie allgemein die meisten der Bond Girls ausgesprochen unabhängig sind. Viele von ihnen üben Berufe aus, die sie selbstständig machen und damit von der Durchschnittsfrau abheben, wie Tiffany Case (Jill St. John) in Diamonds Are Forever (1971). Ironischerweise verlieren viele Bond Girls gerade in den ersten Jahrzehnten der Reihe ihre unabhängigen und individuellen Stärken, jedoch nur in den Verfilmungen, nicht in den ursprünglichen Romanen Flemings. Eine endgültige Emanzipation dürften die Bond-Girls spätestens in der Brosnan-Ära durchgemacht haben, dessen Haupt-Bond-Girl stets ausgesprochen kompetent, gebildet und unabhängig war.

In der Regel finden sich in jedem Bond-Film zwei Bond Girls, ein Gutes und ein Böses. Die Bond Girls selbst differenzieren sich generell in zwei Lager: die Damen, die lediglich als Augenweide gelten und diejenigen, die tatsächlich etwas für die Entwicklung der Handlung beizutragen wissen. Für die Auswahl der besten fünf Bond Girls - es versteht sich von selbst, dass dies rein subjektiv ist - werden folglich zwei Punkte ausschlaggebend sein: ihre Attraktivität und ihre Effektivität. Jedes Bond Girl wurde in diesen beiden Kategorien bewertet und somit in eine Rangliste eingeordnet. Was alle der Damen gemeinsam haben (sollten), ist ihre Schönheit. Daher wird in diesem Absatz auf die Attraktivität der Bond Girls eingegangen.

Das attraktivste Bond Girl: Ursula Andress als Honey Ryder in Dr. No (1962).

Gerade die frühen Bonds wissen mit ausgesprochen schönen Schauspielerinnen aufzuwarten, die Mutter aller Bond-Girls ist hierbei natürlich Ursula Andress (Dr. No, 1962). Schon ein Abenteuer später würde das Publikum Bekanntschaft mit Daniela Bianchi machen. In From Russia With Love (1963) beginnt sie praktisch die Reihe der ausgesprochen schönen Gespielinnen, die für Bond allerdings nicht mehr als Ballast sind. Ihr Beitrag zur Handlung ist minimal, ihr Aussehen dafür maximal. Adrette Bond Girls, die lediglich mit ihrem Äußeren auffallen, spielen mitunter auch eine untergeordnete Rolle. Darunter: Caterina Murino in Casino Royale (2005) oder Corinne Clery in Moonraker (1979).

Es finden sich allerdings auch Bond Girls, die weder sonderlich attraktiv, noch effektiv sind, somit ihre gänzliche Existenz in der Handlung nicht rechtfertigen und vielmehr ein Ärgernis darstellen. Sie standen meist an der Seite von Roger Moore, dem vermutlich „schlechtesten“ (aber auch amüsantesten) Bond der Reihe. Mit den niedrigsten Wertungen gehören hier Gloria Hendry (Live and Let Die, 1973), Britt Ekland (The Man With The Golden Gun, 1974) und Lynn-Holly Johnson (For Your Eyes Only, 1981). Im Gegenzug wurde Ur-Bond Sean Connery stets von besonders hübschen Exemplaren wie Zena Marshall (Dr. No) oder Luciana Paluzzi (Thunderball) umgeben, dicht gefolgt von Brosnans Damen-Harem.

Neben den attraktiven Damen, die 007 meist kaum eine Hilfe sind, finden sich auch Bond Girls, die es dem Agenten entweder besonders schwer machen oder ihm auf andere Weise erwähnenswert zur Seite stehen. Bei der Attraktivitäts-Skala zwar ganz am Ende ist Grace Jones als Amazone May Day in A View to a Kill (1985) die Göttin der effektiven Bond Girls. Ihre ultimative Heldenleistung ist die Selbstopferung, um Bond und andere zu retten. Durch ihre Effektivität wissen auch die Girls der Brosnan-Ära zu punkten, was sich wiederum der akzeptierten Emanzipation verdankt, die in den sechziger Jahren undenkbar war. Hierzu zählen Figuren wie Izabella Scorupcos Programmiererin Natalya Simonova aus GoldenEye (1995).

Das Effektivste aller Bond Girls: Grace Jones als May Day in A View to a Kill (1985).

Aber auch Rosamund Pike als Miranda Frost in Die Another Day (2002) oder Denise Richards in The World Is Not Enough (2000) mit dem amüsanten Namen Christmas Jones (ohne Frage lediglich wegen der bondschen Schlusspointe gewählt). In den sechziger Jahren markieren starke und nutzvolle Bond Girls wie Akiko Wakabayashi (You Only Live Twice, 1967) oder Honor Blackman (Goldfinger, 1964) die Ausnahme in Anwesenheit von den Charakteren einer Ursula Andress, Claudine Auger oder Daniela Bianchi. Dies würde sich auch für Lana Wood, Jill St. John (beide Diamonds Are Forever), Maud Adams (The Man With the Golden Gun) oder Caroline Munro (The Spy Who Loved Me) nicht wirklich ändern.

Daher können sich fabelhafte Bond Girls wie Jane Seymour (Live and Let Die) oder Diana Rigg (On Her Majesty’s Secret Service, 1969) aufgrund fehlender Effektivität letztlich nicht unter die Top 5 schieben. Da Attraktivität gleich gewertet wird wie Effektivität, ergibt sich eine Rangfolge, die sehr subjektiv ausfällt, da viele Leser wohl anders entscheiden würden, was die beiden Attribute anbelangt. Da für diese Rangliste alle 23 Bond-Abenteuer mal wieder angesehen wurden, soll der Aufwand nicht umsonst gewesen sein. In den Kommentaren finden sich neben den Top-5-Bond-Filmen auch die individuellen Fünferlisten der Bond-Girls. Es folgt die allgemeingültige Top 5 der Bond Girls:


5. Sophie Marceau als Elektra King in The World Is Not Enough (2000): Spielt ein gewagtes Psychospiel mit Bond und kann lange Zeit ihr wahre Loyalität verbergen. Letzten Endes obsiegt sie fast, nachdem sie Bond praktisch schon zu Tode gefoltert hat und im letzten Moment verliert. Das Aussehen der ansehnlichen Französin spricht sicherlich auch für sich.

4. Michelle Yeoh als Col. Wai Lin in Tomorrow Never Dies (1997): Die meiste Zeit ungeschminkt und mit ihren 35 Jahren damals weit über dem Altersdurchschnitt des Flemingschen Bond Girls, beeindruckt Yeohs Charakter vor allem durch ihre Ebenbürtigkeit gegenüber Bond. Abgesehen vom Finale ist sie Bond fast immer eine Nasenspitze voraus.

3. Claudine Auger als Domino Derval in Thunderball (1965): Wechselt in dem Original, welches später als Never Say Never Again ein Remake erfahren sollte, praktisch die Seiten. Nach dem Mord an ihrem Bruder unterstützt sie Bond effektiv bei seiner Jagd auf Emilio Largo und rettet ihm letztlich sogar das Leben als sie den Mord an ihrem Bruder rächt.

2. Carey Lowell als Pam Bouvier in Licence to Kill (1989): Der Revenge-Bond begann praktisch die nunmehr etablierte Ära der emanzipierten Bond-Girls, die sich vor dem smarten Agenten kaum zu verstecken brauchen. Erwies sich nicht nur als hilfreiche Unterstützung zu Luft und zu Wasser, sondern punktet auch mit natürlicher Schönheit.

1. Eva Green als Vesper Lynd in Casino Royale (2005): Setzt sich knapp vor Lowell durch und verdankt dies in dieser Hinsicht weniger ihrem Aussehen (ungeschminkt übrigens sehr viel besser wie geschminkt). Green beeindruckt vor allem durch ihren doppelbödigen Charakter, deren Loyalität sich erst am Ende des Films (zumindest für Bond) offenbart.

27. April 2008

On Her Majesty’s Secret Service

We have all the time in the world.

Nach fünf Abenteuern war es schließlich soweit. Mit 37 Jahren hängte der Schotte Sean Connery seine Lizenz zum Töten an den Nagel und verabschiedete sich mit You Only Live Twice von seiner ihn für immer formenden Figur des James Bond. Er würde jedoch noch zwei Mal zurückkehren, das erste Mal in dem kanonischen Diamons Are Forever und schließlich noch ein letztes Mal in Never Say Never Again, dem Bond-Abenteuer außerhalb der Bond-Reihe. Doch was war Ende der Siebziger passiert, dass Connery zurückgeholt wurde? Man war unzufrieden mit dem neuen Darsteller der Figur, dem Australier George Lazenby. Oder Lazenby war unzufrieden mit dem Franchise, so genau ist das bis heute nicht geklärt und wahrscheinlich schreibt sich jeder selbst das zu, was ihm am wenigsten Scham beschert. Viele bezeichneten den Film als Flop an den Kinokassen, andere jedoch schreiben ihm zu, dass er über das Zehnfache seiner Kosten eingespielt habe (87 Millionen Dollar Einspiel bei 7 Millionen Dollar Kosten) und der zweitertragreichste Film des Kinojahres 1969 gewesen sei.

Die Fakten sprechen jedoch gegen den Film, nur From Russia With Love, das zweite Abenteuer der Reihe, spielte bis dato weniger Geld ein als On Her Majesty’s Secret Service (zuzuschreiben sicherlich zu einem Teil dem unbekannten Gesicht von Lazenby). Doch die Produzenten durften sich den Misserfolg auch selbst zuschreiben, wurde schließlich auf dem Plakat zum Film erstmals der Name des Darstellers unter den Titel gesetzt und bisweilen sogar vermieden Lazenbys Gesicht zu zeigen. Eine Verlegenheitslösung scheint er gewesen zu sein, bemühte man sich schließlich bereits damals um die beiden späteren Bonds Roger Moore und Timothy Dalton. Während Moore noch vertraglich an seine Serie The Saint gebunden war, fühlte sich Dalton 1969 mit 25 Jahren schlicht und ergreifend zu jung, um den britischen Agenten zu spielen. Als er die Rolle in The Living Daylights 1987 letztlich anging, war er bereits 42 Jahre alt, der zweitälteste Bond nach Moore.

Flemings Romanversion von OHMSS markiert den elften Band in seiner vierzehnbändigen Serie und wurde abgefasst während der Dreharbeiten zu Dr. No. Ursprünglich sollte der Band dann auch das zweite Abenteuer von Bond darstellen, doch da US-Präsident Kennedy From Russia With Love so gut gefiel, entschied man sich stattdessen den fünften Roman vorzuziehen. Danach sollte das Werk als viertes Bond-Abenteuer herhalten, aus zeitlichen Gründen wurde es dann auf die fünfte Verfilmung verschoben, am Ende entstand die Verfilmung überhaupt nicht mehr unter der Ära Connery. Dabei hat OHMSS zwei interessante Konstellationen, im Grunde eigentlich sogar mehr als zwei. Am ungewöhnlichsten ist sicherlich die Tatsache, dass Bond nach dem Finale heiratet. Die gesamte Inthronisierung der Liebesgeschichte zwischen Bond und der Contessa Teresa di Vicenzo ist ungewöhnlich, bildet der Suizidversuch der Contessa die Eröffnungsszene des Filmes und endet schließlich in dem einzigen Durchbrechen der vierten Wand einer Bond-Figur im Kanon.

Nachdem Bond der Contessa das Leben gerettet hat, flieht diese mit ihrem Wagen vor ihm, was Lazenby zu der sarkastischen Aussage bewegt: „This never happened to the other fellow“. Auch anschließend ist die Beziehung zwischen den beiden mehr als bockig und wird nur noch von der Tatsache überboten, dass Teresas Vater, Syndikatsboss Marc-Ange Draco, Bond bietet seine Tochter zu ehelichen. Dies kulminiert in einem äußerst harmonischen Zusammenschnitt eines turtelnden Bonds, untermalt von Louis Armstrongs Bond-Lied We Have All the Time in the World, welches nicht in den Eröffnungscredits gespielt wird, sondern erstmalig in diesen romantischen Szenen. Gleichzeitig markiert Armstrongs Bond-Lied das letzte Stück, welches dieser vor seinem Tod in einem Studio aufgezeichnet hat. Doch die traute Zweisamkeit wird plötzlich unterbrochen und Bonds wahre Mission geht in ihre erste Beginnungsphase.

Der Bösewicht des Filmes ist Ernst Stavro Blofeld, mit dem Bond bereits in unbewusst in From Russia With Love und Thunderball zu tun hatte, ihm allerdings erst in You Only Live Twice wahrhaft gegenübersteht. Da letzterer auf dem gleichnamigen Roman basierte, der nach OHMSS erschien, verwundert es einen zuerst, dass sich Bond und Blofeld hier gegenüberstehen, einander jedoch nicht erkennen. Man wechselte mit Telly Savalas den Darsteller, wurde Blofeld noch im Vorgänger von Donald Pleasance dargestellt. Savalas würde vier Jahre später seinen Ruhm mit der Fernsehserie Kojak zementieren und in dieser Rolle unsterblich werden. Wie es sich für Bond-Filme gehört, sind sie aber nicht frei von dem gängigsten Klischee: Bond in Gefangenschaft seines Gegners, der sich nicht die Mühe macht ihn gleich zu töten. Savalas verzichtet zwar darauf, seinem Gegenspieler ein möglichst spektakuläres Ende zu setzen, wie beispielsweise ein Yaphet Kotto, die Einsperrung im Maschinenraum ist dabei auch nicht besser. Doch es gehört zur Serie, damit hat man sich inzwischen abgefunden, dass Bond sein Leben durch die Dummheit seiner Gegner geschenkt wird.

Dafür zeichnet sich OHMSS an anderen Stellen aus. Der Lazenby-Bond besticht durch das vollständige Verzichten dümmlicher Gadget, die ihren lächerlichen Höhepunkt in Die Another Day erreichen werden. Keine Raketen im Auto, keine Laser oder Seile in der Rolex versteckt. Vielmehr kämpft Lazenby mit bloßen Fäusten und ist sehr oft mehr Gejagter als Jäger. Dieser Bond ist nicht unbesiegbar, dieser Bond kommt auch mal ins Straucheln. Bester Beweis hierfür die erste Unterbrechung der bondschen Fluchtsequenz, wenn Lazenby während einer nächtlichen Ski-Abfahrt nicht nur einmal, sondern gleich zweimal stolpert und stürzt. So menschlich wird man Bond in späteren Filmen nicht mehr begegnen, die gesamte Fluchtsequenz - die immer spektakuläre fünfzehn Minuten dauert - wird dabei recht schnörkellos erzählt, ohne einfallsreiche Ausweichmanöver. Wenn Bond in einer Jahrmarktsmasse unterzutauchen versucht, merkt man ihm die Panik an, als er mit einem Passanten unterwartet zusammenstößt und bereit ist zu sterben.

Am brillantesten ist jedoch das Ende geraten, von einer Eindringlichkeit, wie sie bis dato kein Bond-Film erreicht hat, völlig frei von jeglicher Weichspülerei der folgenden Bonds. Teresa Bond wird wenige Minuten nach ihrer Hochzeit erschossen, Attentäterin ist Fräulein Bunt, die aus einem fahrenden und von Blofeld gesteuerten Wagen das Feuer auf Bonds Auto eröffnet. Auch die Tatsache, dass beide Bösewichte ungeschoren davon kommen, ist eine Seltenheit bei Bond-Filmen. Später wird auf dieses Ereignis auch nur noch fünfmal verwiesen, hierbei lediglich dreimal direkt, am intensivsten in For Your Eyes Only, in welchem Bond das Grab seiner Frau besucht. Gerade diese Szene würde auch erklären, weshalb Bonds Beziehungen zu Frauen durch ihn zum Scheitern verurteilt werden, selbst wenn er dieses Verhalten bereits vorher an den Tag legt. Äußerst schade ist es, dass Lazenby keinen zweiten Auftritt erhielt, wäre eine Fortsetzung mit ihm wahrscheinlich eine Anknüpfung an dieses Ereignis gewesen. In Licence to Kill wird man begutachten dürfen, was er mit denjenigen anstellt, die seinen Freunden Leid zufügen, auch wenn dies der 80er-Action-Ära zuzuschreiben ist.

Besonders stark die letzte Einstellung von Lazenby, dessen Version mit Tränen von Regisseur Peter Hunt verworfen wurde. Insgesamt ist OHMSS eine äußerst getreue Adaption der Romanvorlage von Fleming, mit bis zu achtzig Prozent identischem Material. Bis zum Erscheinen von Casino Royale bildete Hunts Film auch den längsten im Bond-Kanon, mit 136 Minuten Laufzeit dabei nur vier Minuten kürzer als Martin Campbells zweite Involvierung. Zudem ist OHMSS maßgebend für folgende Bond-Abenteuer geworden, präsentierte er die erste Rückblende in der Serie und schnallte Bond auf Skier. Die bereits angesprochene Ski-Flucht-Szene beeindruckt dabei durch ihre Dauer von beinahe fünfzehn Minuten - von einer Liebesnacht in der Scheune unterbrochen - und findet Referenz in den Bond-Filmen The Living Daylights und The World Is Not Enough. Auch das Ende, in welchem sich Bond über seine Befehle des MI6 hinwegsetzt und einen Angriff im Team auf Blofeld beginnt, erhält in For Your Eyes Only ein filmisches Echo.

Doch es fehlen nicht die Bond-typischen Elemente, kenntlich in der Szene wenn sich Bond als Genealoge Sir Hilary Bray ausgibt und in einem sprichwörtlichen Harem landet. Lazenby meistert alle diese Szenen spielend, tut sich lediglich damit schwer, die bondschen Einzeiler mit der gewohnten Ironie rüberbringen, welche Roger Moore wenige Jahre später perfektionieren wird. Dies spricht für Lazenbys Ansicht über die Figur, die dazu führte, dass er sie für zu rudimentär hielt, als das sie in den liberalen Siebzigern in Zeiten von Easy Rider funktionieren könne. Es sei somit seine eigene Entscheidung gewesen, nicht in die Rolle von Bond zurück zu kehren. Eine andere These besagt, dass Produzent Albert R. Broccoli mit der jugendhaften Arroganz von Lazenby nicht zu recht kam, die unter anderem dazu führte, dass Lazenby sich bei einem Stunt, den er selbst vornehmen wollte, den Arm brach.

Eine dritte Vermutung bezieht sich auf die Unzufriedenheit der Kritiker mit Lazenby, der den Erwartungen nach Connery nicht gerecht werden wollte. Die Wahrheit ist wahrscheinlich eine Mischung aus allem. Schade ist es allerdings doch, präsentiert Lazenby die beste Improvisation der Figur James Bond nach Sean Connery, übertrifft bei weitem jedoch den clownesken Roger Moore. On Her Majesty’s Secret Service selbst ist sicherlich der gelungenste Bond-Film, fernab von einer idiotischen Handlung eines Moonraker oder Die Another Day, ohne dümmliche technische Spielsachen wie in The Spy Who Loved Me. Stattdessen ein Portrait gelungener Verfolgungsjagden und eines verliebten Bond, der nicht frei von Fehlern ist und öfters auf Unterstützung zurückgreifen muss. Dabei vernachlässigt der Film keineswegs den humoristischen Aspekt und ist zugleich namhaft mit Diana Rigg von The Avengers besetzt. Alles in allem wurde in OHMSS richtig gemacht, was eben richtig gemacht werden konnte, was ihn zum komplettesten und gelungensten Bond-Film macht.

8.5/10

4. Februar 2008

Casino Royale

Does it look like we need the money?

Sechs Worte, zwei Sätze und schon hat man Filmgeschichte greifbar nahe. Doch mit ebenjenen sechs Worten hat Daniel Craig in Casino Royale noch relativ wenig am Hut, denn die Hauptfigur ist per se nicht wirklich James Bond, sonder lediglich ein Jason Bourne-Verschnitt ohne Manieren. Das 21. Bond-Abenteuer stellt vielmehr etwas Neues dar, verkörpert durch die Besetzung mit Daniel Craig, in Großbritannien auf der Überholspur dank Filmen wie Layer Cake, in Hollywood noch auf Nebenrolle in Road to Perdition oder Lara Croft beschränkt. Viel wurde zuvor spekuliert, von Ewan McGregor über Hugh Jackman bis hin zu Robbie Williams zog man alle „britischen“ Mimen zwischen 25 und 45 in Erwägung, sogar der Kroate Goran Visnjic (ER) soll bis unter die letzten drei gekommen sein.

Mancher einer hatte sich den Wandel noch drastischer gewünscht, wie Ex-Bond Roger Moore, der Oscarpreisträger Cuba Gooding Jr. ins Spiel gebracht hat. Und vielleicht wäre ein so krasser Wandel auch recht interessant geworden, auch wenn man mit einem Chiwetel Ejiofur besser bedient gewesen wäre, aber ein farbiger Bond – warum nicht? Unter den Fans gab es eigentlich fast nur einen akzeptablen Anwärter für die Rolle des Spions ihrer Majestät: Clive Owen. Gutaussehend, smart und charmant, konnte er in Sin City beweisen, dass Action für ihn kein Hindernis darstellt. Doch es wurde weder ein farbiger Bond, noch der smarte Owen, Daniel Craig machte das Rennen und geht als erster blonder Bond in die Geschichte ein - was die Fans gegen ihn aufbrachte.

In Prag will sich ein Mann in seinem Büro mit seinem Kontaktmann treffen, doch dort wartet stattdessen ein britischer MI6-Agent namens James Bond (Daniel Craig). Dieser schaltet den Geschäftsmann aus und verdient sich damit seinen Status als Doppelnull ihrer Majestät. Bei seinem nächsten Einsatz in Madagascar kommt es dann nach einem halsbrecherischen Parkour-Lauf zu der öffentlichen Exekution eines Gefangen, was Bond bei seiner Vorgesetzten M (Judi Dench) starke Kritik einbringt. Während er vorerst beurlaubt wird, macht sich Bond auf zu den Bahamas, um dort seine Kontakte weiterzuverfolgen. Er stößt auf ein internationales Komplott einer geheimen Organisation, deren Terroranschlag er im letzten Moment verhindern kann, dabei seine Lizenz zum Töten freigiebig ausnutzend.

Wie sich herausstellt, hingen beide Aktionen, sowohl der versuchte Terroranschlag, als auch Madagascar, mit einem gewissen Le Chiffre (Mads Mikkelsen) zusammen, der als Buchhalter für die Terroristen dieser Welt arbeitet. Der MI6 will Le Chiffre als Zeugen vernehmen und plant ihn gegenüber seinen Arbeitgebern in die Ecke zu treiben. Bei einem Pokerturnier im Casino Royale in Montenegro soll Bond für den britischen Geheimdienst am grünen Tisch sitzen und Le Chiffre sein Terrorgeld abluchsen. Bereitgestellt wird Bond das Geld voms Schatzamt in Person der hinreizenden Vesper Lynd (Eva Green), in die sich Bond schneller als ihm lieb ist verguckt, während das Turnier gegen Le Chiffre nicht ganz die Wendungen nimmt, wie es sich der smarte Brite gewünscht hatte.

Für den neuerlichen Neuanfang entledigte man sich alter Gesichter, hieß jedoch auch Bekannte zurück. Wie bereits vor zehn Jahren mit Goldeneye oblag es erneut Martin Campbell, einen neuen Bond und mit ihm eine neue Reihe einzuführen. Verzichtet wurde dagegen auf Moneypenny sowie Q, und damit auch auf die für Bond-Filme üblich gewordenen Gadget. Alles was Bond jetzt noch bleibt ist ein handtaschengroßes Reanimationsset, den Rest erledigt er mit bloßen Fäusten. Denn auch wenn Die Another Day der erfolgreichste Bond aller Zeiten war, wurde der Ire Brosnan für zu alt befunden, um die Bourne-Groupies zu befriedigen. Stattdessen nun also Daniel Craig, der sich zu Beginn von Casino Royale sogleich in bester Bourne-Manier an einer Parcour-Verfolgungsjagd versuchen darf.

Dass das unglaubwürdig wirkt, wissen auch die Macher und lassen Bond hin und wieder straucheln, wenn er den Parcour-Mitbegründer Sebastien Foucan verfolgt. Nichtsdestotrotz fragt man sich hinterher, warum die beiden eigentlich bis auf den Kran hochklettern mussten, nur um anschließend wieder herunter zu springen. Aber irgendwie gehört das auch zu einem Bond-Film dazu, bedenkt man einen in der Antarktis Paragleitenden Brosnan. Der James Bond dieser Anfangssequenz ist wild und hart, rücksichtslos und unbarmherzig, wie ein aggressiver Rottweiler stürmt Craig herum und ist im Prinzip das, als was er später von seiner Vorgesetzten charakterisiert wird: eine stumpfes Werkzeug, gedacht und entwickelt zum Töten. Auch wenn Bond den 007-Status besitzt, ist er noch nicht 007, die Rolle scheint ihm augenblicklich noch zu groß zu sein.

Das scheint auch Vesper Lynd zu merken, die äußerst sexy von Eva Green dargestellt wird. Bond neckt sie zu Beginn wie ein kleiner Junge früher auf dem Pausenhof, Vesper lässt sich später schließlich auf dieses Spiel ein und so steigert sich das eine Weile, bis es von einem lebensgefährlichen Moment abgelöst wird. Ebenjener Moment - sehr viel besser geraten als die Actionszenen zu Beginn und zum Schluss des Filmes - zeigt auch Bond endlich, dass die Zeit Spielchen zu spielen vorbei ist. Dass es nunmehr nicht nur um die 150 Millionen, sondern auch um Leben und Tod geht. Bonds Beziehung sowohl zu seiner Aufgabe, als auch zu Vesper nimmt nun einen ernsteren Ton an und der Geheimagent beginnt seine ersten eigenen Schritte zu machen, wenn auch noch auf wackeligen Beinen.

Die Mitte von Casino Royale ist dabei ziemlich antiklimatisch gehalten, konzentriert sich das Geschehen schließlich lange auf das Pokerturnier, welches ausschließlich zwischen Bond und Le Chiffre stattzufinden scheint. Sehr nett geraten und besonders in einer Zeit wo man sich vor Poker kaum retten kann gut situiert, wird es in seinem Finale dann doch etwas übertrieben, wenn sich vier Spieler mit allesamt großartigen Händen begegnen, dabei die nächste immer noch den einen Tick besser als die vorherige. Da ohnehin nur Bond und sein Gegenüber beim Spielen gezeigt werden, ist dieser „Vierkampf“ sehr unnötig, zudem äußerst theatralisch geraten (denn wie hoch die Chancen sind, dass bei zwei Händen Full House und einem Flush dann auch noch ein Straight herausspringt...).

Doch auch das ist irgendwie Bond und in Bond-Filmen, die fernab jeglicher konventionellen Logik (siehe Parcour-Szene) spielen, nimmt man so etwas auch nicht allzu übel. Ebenjenes Mittelstück des Filmes, das in Montenegro spielt, ist auch am besten geraten, während die actionreichen Szenen zu Beginn und zum Ende etwas stören und eben allein für das Mainstreampublikum akzentuiert wurden. Was aus dem Film hätte werden können, hätte man ein Psychoduell am Tisch mit Ejiofur und Mikkelsen inszeniert, man will es sich gar nicht vorstellen und ist sich dann doch mit dem Gezeigten zufrieden. An und für sich ist Oscarpreisträger Paul Haggis jedoch ein durchaus passables Drehbuch gelungen, dass ein Die Another Day problemlos überflügelt. Interessant wird sein zu sehen wie Haggis seine Geschichte in Quantum of Solace weitererzählen wird.

Ohnehin hat man lange nicht mehr einen so guten Bond-Bösewicht gesehen, wie hier vom dänischen Star Mads Mikkelsen portraitiert. Dagegen verkommen ein Rupert Graves, Jonathan Pryce oder Robert Carlyle zu bloßen Witzfiguren, grandioser Höhepunkt vom Mikkelsenschen Schauspiel stellt dabei die Folterszene dar. Craig kann hier schauspielerisch zwar nicht mithalten, aber das wird von ihm als Bond auch nicht erwartet. Auch wenn Craig den Film die meiste Zeit alleine Schultern muss, da Haggis und Campbell den anderen Figuren, vielleicht abgesehen von Vesper, nicht sonderlich viel Raum zuordnen. M taucht lediglich hier und da sehr kurz auf und auch von Mikkelsen oder dem von Jeffrey Wright dargestellten Felix Leiter sieht man relativ wenig.

Ein richtiger Bond-Film ist Casino Royale aber dann doch nicht. Vielmehr stellt der Film eine Einführung, beziehungsweise Vorgeschichte zu Ian Flemmings legendärer Figur dar. „Wie wurde Bond zu Bond?“, lautet die Frage - mit Campbells Film als Antwort. Eigentlich ist Casino Royale fünfzehn Minuten zu lang geraten und das Finale wäre eine hervorragende Überleitung zum nächsten Film gewesen, doch dann wäre dieser Bond nicht das gewesen, was er nun darstellt: eine Übungseinheit. Am Ende des Filmes trifft M Bond gegenüber ein hartes Urteil: er habe seine Lektion gelernt, auf die er vor seiner Reise nach Montenegro noch angesprochen wurde. Die Erlebnisse würden sehr gut das Verhalten der früheren Bonds erklären und somit ist das Finale, trotz seiner Länge, vertretbar. Casino Royale ist kein Bond-Film, er ist die Vorbereitung auf einen Bond-Film.

Und wenn Craig auch als finale Bemerkung die klassischen sechs Worte sagen darf (“The name’s Bond. James Bond“), ist er noch nicht vollends angelangt, den Gentleman-Spion zu verkörpern, den Bond eigentlich darstellt. Wohl auch noch nicht in Quantum of Solace und fraglich ob es überhaupt geschehen wird, schließlich wollen die Broccolis ja ein hippes Franchise aufrechterhalten und dürfen nicht in alte Muster verfallen. Zudem kauft man dem durchtrainierten Craig den Gentleman nicht wirklich ab, ist der Körper schließlich allein deswegen inszeniert, um als Bestätigung dessen zu dienen, was Bond nunmehr darstellen soll: Jason Bourne mit Identität und englischem Akzent. Craig ist sicher nicht der beste Bond und auch sonst lässt sich Casino Royale schwer in den Kanon einordnen, sodass wohl gilt: James Bond ist tot. Lang lebe James Bond!

8/10