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16. Februar 2018

Star Trek: Discovery – Season One

In times of crisis, ignorance can be beneficial.

“Space: the final frontier”, diktierte 1966 erstmals Captain Kirk (William Shatner) in sein Logbuch des Raumschiffes Enterprise. Seither erforschten die verschiedenen Crew-Mitglieder von Gene Roddenberry’s Starfleet zahlreiche Welten und Kulturen. Ich war abseits der Filme nie ein großer Trekkie, abgesehen von hier und da einmal aufgeschnappten (aber weitestgehend vergessenen) TNG-Folgen sowie der ersten (ebenso vergessenen) Staffel von Enterprise. Nach der Original-Serie, The Next Generation, Deep Space Nine, Voyager und Enterprise markiert Star Trek: Discovery von CBS nun die sechste Star Trek-Serie. Ähnlich wie die Reboot-Filme von J.J. Abrams eint die mit dem Franchise aber nur noch wenig.

Im Vergleich zum Namensvetter Star Wars war Star Trek noch nie ein besonders kräftiges Zugpferd an den Kinokassen. So spielte Star Wars: The Last Jedi in den USA an seinem Start-Wochenende bereits 40 Prozent mehr ein als Star Trek Beyond während seiner gesamten Laufzeit. Dabei wurden die Erlebnisse von Kirk, Spock und Co. dort bereits verstärkt ins Action-Genre gehievt, mit dem das Original nur wenig gemein hatte, ehe schon die finalen TNG-Filme wie Star Trek: Nemesis sich derart orientierten. Was einst als eine Art „Vereinte Nationen im Weltall“ begann und eine utopische Zukunft skizzierte, die viele der gegenwärtigen Probleme hinter sich gelassen hat, verkam mehr und mehr zum “swashbuckling”-Weltraumabenteuer.

Angesiedelt rund ein Jahrzehnt vor der Original-Serie widmet sich Star Trek: Discovery primär dem Krieg zwischen der Föderation der Planeten und den Klingonen. Die tauchen in der Pilotfolge The Vulcan Hello aus heiterem Himmel plötzlich auf, während Hauptfigur Michael Burnham (Sonequa Martin-Green), erster Offizier auf der USS Shenzou von Captain Georgiou (Michelle Yeoh), mit einem intendierten Präventivschlag wider den Anweisungen ihres Captains den Konflikt auslöst. Wegen Meuterei verurteilt landet Burnham im Verlauf an Bord der USS Discovery von Captain Lorca (Jason Isaacs), dem technisch modernsten Schiff der Föderation. Dort muss Burnham aus den Fehlern der Vergangenheit lernen, um ihren ruinierten Ruf reinzuwaschen.

Statt verschiedenen Einzel-Episoden versucht sich Star Trek: Discovery im seriellen Erzählen. So wird dem Publikum eine fortlaufende Handlung präsentiert, in der die Folgen aufeinander aufbauen. Besonders missglückt gerät dies hier, da die präsentierte Geschichte oft nur leidlich spannend und über 15 Folgen erzählt zugleich viel zu ausufernd gerät. Den Krieg mit den Klingonen-Stämmen streift Discovery so peripher wie die Klingonen selbst, obschon sie mit L’Rell (Mary Chieffo) und Voq zwei interessante Vertreter eingangs einführt. Wirklich kennenlernen darf der Zuschauer diese aber ebenso wenig wie die Crew der Discovery. Hier beschränkt sich die Serie auf einen Kern von sechs Figuren, während die übrigen Mitglieder Staffage sind.

Ansätze sind dabei vorhanden, beispielsweise bei Burnham, die ihre Eltern bei einem Angriff der Klingonen verlor, ehe sie als Kind von Spocks Vater Sarek (James Frain) adoptiert und auf Vulkan aufgezogen wurde. Zum Pseudo-Vulkanier à la Spock oder T’Pol (Jolene Blalock) wird die Figur dabei aber nie. Ihre vulkanische Erziehung tritt kaum in Erscheinung und dient somit eher dem Fanservice, um in vereinzelten Episoden Sarek und auch Gattin Amanda (Mia Kirshner) auftreten zu lassen. Ähnlich blass bleiben Saru (Doug Jones), der erste Offizier der Discovery, der einst mit Burnham zusammen auf der Shenzou gedient hat oder Kadett Tilly (Mary Wiseman), die als optimistische gute Seele die Hauptfigur befreunden darf.

Ungewöhnlich im Vergleich mit Kollegen wie Picard (Patrick Stewart) und dadurch in gewisser Weise faszinierend gerät da noch Lorca. Für ihn heiligt der Zweck oftmals die Mittel, wirkliche Spannung mit gegensätzlichen Figuren wie Saru oder Tilly generiert die Serie daraus allerdings nicht. Ergänzt wird das Stammpersonal mit Wissenschaftsoffizier Stamets (Anthony Rapp) und dem im Verlauf aus klingonischer Gefangenschaft befreiten Tyler (Shazad Latif). Dass die Charaktere einem nicht ans Herz wachsen, liegt dabei weniger an den Darstellerleistungen, die durchweg solide sind, sondern daran, dass diese wenig Aufmerksamkeit erhalten und sich stattdessen dem trägen narrativen roten Faden der ersten Staffel unterordnen müssen.

Die geht mitunter durchaus temporeich zu, verfügt über zahlreiche Kampfszenen, Morde und ist generell sehr viel düsterer als man es von Star Trek erwarten würde. Offensichtlich liegt dies am Glauben, den Sehgewohnheiten der Zuschauer entsprechen zu müssen, weshalb sowohl die Star Trek-Reboots als auch Discovery eher ein Sci-Fi-Action-Adventure sind, statt entschleunigte Formate wie The Original Series oder TNG. Da passt es ins Bild, dass obwohl Discovery ein Jahrzehnt vor Kirk und Co. spielt, die Technologie – ähnlich wie in den Star Wars-Prequels gegenüber der Kino-Trilogie – eher voraus als hinterher zu sein scheint. Einerseits sollen so Trek-Fans angesprochen werden, aber auch Laien interessiert.

Mit am meisten Spaß macht Star Trek: Discovery da noch, wenn die Serie wie in Magic to Make the Sanest Man Go Mad einmal eine Art “bottle episode” präsentiert, losgelöst von der die Staffel umspannenden Prämisse. Sie erzählt einen Zeitschleifen-Terrorismus durch Harry Mudd (Rainn Wilson), der für sich steht, auch wenn er in Person von Mudd Bezug auf eine frühere Folge nimmt. Letztlich hat Discovery mehr mit den Abrams-Inkarnationen gemein als mit Kirk und Picard, das Ergebnis ist zwar durchaus über Strecken unterhaltsam, aber im Grunde weder Fisch noch Fleisch. “To boldly go where no man has gone before”, kündigte Captain Kirk einst vollmundig an. So viel Chuzpe hätte man auch Star Trek: Disovery gerne gewünscht.

6/10

2. September 2008

Babylon A.D.

Save the planet. What for?

“Thou turnest man to destruction; and sayest: Return, ye children of men.” (Psalm 90, 3 – King James Version). Dieser Psalmvers stellte quasi die Vorgabe für P.D. James 1992 erschienenen Roman The Children of Men, welcher von einer dystopischen Gesellschaft erzählte. Vor zwei Jahren nahm sich Alfonso Cuarón dieses Romans an und verfilmte ihn mit einigen Abweichungen und Clive Owen in der Hauptrolle. In einer unfruchtbaren Gesellschaft muss dieser die erste schwangere Frau seit Jahren sicher über die Grenzen Englands nach Frankreich beziehungsweise ins Ausland bringen. Ein Jahr später, 1993, würde der gebürtige Kanadier Maurice G. Dantec mit La sirène rouge seinen ersten Roman verfassen. In diesem erschuf er einen Söldner namens Hugo Cornélius Toorop, welcher ein kleines Mädchen über Ländergrenzen hinweg zu einem Treffpunkt begleitet. Ähnlich liest sich die Handlung von Dantecs drittem Roman Babylon Babies, der 1999 erschien. Auch hier taucht wieder die Figur des Söldners Toorop auf, erneut muss dieser ein Mädchen eskortieren.

Dieses Mädchen verkörpert Hoffnung für die Menschheit, weshalb Toorop es gegen verschiedene Übergriffe verteidigen muss. Zwei Männer müssen zwei Mädchen über Landesgrenzen hinaus schleusen, da beide Mädchen sprichwörtlich schicksalsträchtig sind. Während Cuarón den mitunter anstrengenden Roman von James in teils elegische Bilder packte, wählte der Franzose Mathieu Kassovitz für seine Verfilmung von Dantecs Werk einen anderen Weg. Nicht nur änderte er mit Drehbuchautor Eric Besnard einige Handlungselemente der Vorlage sowie den Titel, sondern sein Film kommt als Gewaltmär daher, die kaum Gewalt zu bieten hat. Für die Hauptrolle des Söldners Hugo Cornélius Toorop, der im Film selbst lediglich Toorop heißt, war ursprünglich Vincent Cassel vorgesehen. Letztlich engagierte man aber Vin Diesel, der daraufhin aus seiner Beteiligung bei Hitman ausstieg.

Will uns Babylon A.D. zu Beginn eine post-apokalyptische Welt verkaufen, merkt man am Ende, dass man einem falschen Hasen aufgesessen ist. Es handelt sich lediglich um Ost-Europa, welches scheinbar anarchischen Verhältnissen untersteht. Kassovitz präsentiert hier eine verregnete, trübe und hoffnungslose Welt. Jeder ist bewaffnet, keiner vertraut dem anderen. Im Internetfernsehen von Google werden ausschließlich über Kriegsregionen berichtet – es ist eine Welt, in der sich jeder selbst der Nächste ist. Düster und trostlos, untermalt von harten Rap-Beats – der Look weiß zu gefallen, nur Vin Diesel als muskulöse Kampfmaschine passt hier noch nicht so recht rein in seiner Jacke, die zwei Nummern zu groß ist. Wie man später erfahren wird, befindet sich Toorop (Diesel) im Exil in New Serbia. In seiner Heimat, den USA, wird er als Terrorist angesehen. Glücklich ist Toorop nicht, das merkt man ihm an. Was er tut ist Routine, so auch als ein Einsatzkommando durch seine Tür stürmt.

“Carl, is that you?”, fragt Toorop den Anführer, ehe er in kurz darauf exekutiert. Gut ein Dutzend Männer bedarf es, um Toorop aus dem Haus zu führen – man merkt, mit Toorop ist nicht gut Kirschen essen. In einem gepanzerten Konvoi erwartet Toorop dann die Filmhandlung. Der Pate Gorsky (Gérard Depardieu) unterbreitet unserem Helden ein Angebot, das dieser nicht ablehnen kann. Eine neue Identität, einen Passport für die amerikanische Grenze. Alles was Toorop tun muss, ist ein Mädchen nach New York City eskortieren. Toorop sagt zu und weiß sogleich, dass er sich auf eine Suizidmission eingelassen hat. Als er auf das „Paket“ namens Aurora (Mélanie Thierry) trifft, muss er sich auch mit deren Ziehmutter und Sektennonne Rebecca (Michelle Yeoh) auseinandersetzen. Bald schon merkt Toorop, dass die Mission umständlicher wird, als er erwartet hat. Dabei sind weniger Ausflüsse von außen die Gefahr, sondern vielmehr Aurora selbst. Und ihr Geheimnis.

Wie erwähnt, düster und trostlos ist das Geschehen in Babylon A.D.. Gewalt regiert die Welt und wer kein tough motherfucker ist, wird schwerlich überleben können. Da wirkt es ziemlich ironisch, dass Kassovitz seinem Publikum jede Form von Gewalt vorenthält. Am meisten merkt man dies der Szene im Flüchtlingslager von Wladiwostok an, in der eine Kampfszene so zerschnitten ist, dass man von der Choreographie im Grunde gar nichts mitkriegt. Auch sonst wurde der Film so weit entschärft, dass man ihn problemlos an der Zensur vorbei für 12-Jährige freigeben kann. Der Grundstimmung des Filmes dient das nicht unbedingt, ähnlich wie auch bereits bei Mad Max der Fall. Aber dass Concorde seinem Publikum nur noch zensierte Ware vorsetzt, ist man bereits durch Iron Man, The Incredible Hulk und Doomsday gewöhnt. Ob sich das Studio damit in eine ungeschickte Position gegenüber dem Zuschauer manövriert sei mal dahingestellt. Man kann Babylon A.D. zwar durchaus auch ohne die explizite Darstellung von Gewalt ertragen, doch läuft dies wie angesprochen etwas dem Grundsatz des Filmes zuwider und hinterlässt einen leicht bitteren Beigeschmack. Dennoch beinhaltet der Film einige Actionszenen, zwar nicht in einem Maße wie Hitman, aber durchaus ansehnlich, wenn auch mitunter leicht vertraut. Da aber auf Blut und andere größeren Verletzungen verzichtet wurde, dürfte der Film keinerlei Plattform für Gewaltdiskussionen liefern. Interessant wäre, ob auf DVD ein Extended Cut erscheint.

Obschon Kassovitz einiges änderte, sind die Cyberpunk-Elemente von Dantecs Roman noch im Film enthalten. Die Thematik des Filmes geht jedoch in eine andere Richtung als die von Children of Men. Dort waren die Probleme selbst verschuldet, hier hingegen existieren solche Probleme überhaupt nicht. Das Geheimnis von Aurora ist gänzlich andere Natur mit einer vollkommen anderen Konnotation. Diese christlich-messianische Komponente weiß Kassovitz durchaus für seine Geschichte zu nutzen und die Handlung daran aufzuhängen. Das Finale des Filmes wird dann auch ganz von dieser Komponente aufgesogen. Hier stören lediglich die etwas flachen Effekte (Rakete in Zeitlupe, z.B.), die jedoch auch zu Beginn des Filmes zu finden sind. Auch die Handlung weist einige Lücken auf, im Endeffekt ist Toorops Mission nämlich leichter, als sie zu Beginn den Anschein hat. Zudem bleiben viele Fragen offen und einige Entwicklungen stoßen sauer auf.

Hinzu kommen die teilweise überforderten Schauspieler, allen voran Vin Diesel und traurigerweise auch Charlotte Rampling. Ihr overacting nimmt im Laufe des Filmes katastrophale Auswüchse an. Dagegen wissen Thierry und Yeoh relativ zu überzeugen, ohne sich besonders hervorzutun. Die Musik von Hans Zimmer-Schüler Atli Örvarsson ist solide, passt sich den Bildern an, dürfte für sich genommen aber unspektakulär sein. Überraschenderweise macht Babylon A.D. dann aber trotzdem über einen Großteil seiner Handlung hinweg Spaß, besitzt Zug und weis diesen gerade in Wladiwostok und der U-Boot-Szene gekonnt zu nutzen. Das Ende ist dann sicherlich etwas etepetete, aber allein die christliche Konnotation hält den Film über seine gesamte Laufzeit hinweg zusammen. Wer keine großen Sprünge erwartet, sondern einen kleinen Endzeit-Actioner, kann in Kassovitz’ Film durchaus auf seine Kosten kommen.

6/10

6. August 2008

The Mummy: Tomb of the Dragon Emperor

Ha ha ha! Why am I laughing?

Die Pfade des Indiana Jones sind unergründlich. Und zugegeben, man hat es auch nicht leicht. Denn sobald eine Filmfigur nach einem Gegenstand sucht, der älter als ein halbes Jahrhundert ist, drängen sich unweigerlich die Vergleiche zum übergroßen Dr. Jones auf. Was dann dabei herauskommt, ist so ein lächerlicher Verschnitt wie Ben Gates in Jon Turteltaubs National Treasure-Reihe. Es gelingen jedoch auch andere Beispiele, eines ist Stephen Sommers’ The Mummy aus dem Jahr 1999. Mit einer Portion Selbstironie schickte Sommers hier den Abenteurer Rick O’Connell auf die Suche nach Hamunaptra, der legendären Stadt der Toten. Hier erweckt O’Connell gemeinsam mit der Ägyptologin und Bibliothekarin Evey und ihrem geldgeilen Bruder Jonathan den dreitausend Jahre alten Hohepriester Imhotep. Für achtzig Millionen Dollar gelang Sommers damals ein durchaus unterhaltsamer Abenteuerspaß, der selbstverständlich Fortsetzungen nach sich zog. Zwei Jahre später brach The Mummy Returns dann die bisherigen Rekorde – die inzwischen mehrfach erneut gebrochen wurden – und spielte weltweit ebenso viel ein wie der Vorgänger. Doch der Wurm war bereits drin, der zweite Film enttäuschte. Sommers bot seinem Publikum einen kruden Aufguss des ersten Teiles an, gewürzt mit einer abstrusen Reinkarnationsgeschichte. Evey stellt sich als Tochter des ermordeten Pharaos und Rick als wiedergeborener Medjai heraus, eine Entwicklung, die im ersten Teil noch keine Rolle spielte, in welchem Imhotep Evey auch nicht als das erkannte, was sie war. Natürlich, Mr. Sommers. Auch die Effekte wirkten im zweiten Teil etwas unsauberer, als noch zuvor. Die Tatsache, dass der Film die Einstellungen des Vorgängers wiederholt, machen ihn nicht besser. Anschließend erhielt Nebendarsteller The Rock noch ein Spin-Off als The Scorpion King, welches floppte, aber dennoch ein Direct-to-DVD-Sequel erhält. Ein richtiger Abschluss der Trilogie war dies allerdings nicht, weshalb nun The Mummy: Tomb of the Dragon Emperor in die Kinos kommt.

In jenem verzichtet Sommers auf die Regie, ebenso wie Oscarpreisträgerin und inzwischen stärkstes Zugpferd, Rachel Weisz, auf ihre Rolle als Evelyn O’Connell verzichtet. Dämmert’s? Als Ersatz wurde Rob Cohen für den Regieposten engagiert. Cohen, zuvor verantwortlich für Filme wie xXx und Stealth wollte dem Franchise mehr Action zusetzen und weniger von der komödienhaften Schiene weg. Außerdem empfand er Imhotep als Bösewicht für ausgelutscht und somit wurde auch das Setting in Ägypten gestrichen. Stattdessen geht es nach China, wo eine verfluchte Terrakotta-Armee zum Leben erweckt wird. Der aufmerksame Leser stellt fest: Terrakotta. Ironischerweise taucht im dritten Teil von The Mummy keine einzige Mumie auf, zumindest keine per se. Wenn man mit „Mumie“ jedoch alles tituliert, was einst tot und nun wiedererweckt ist, hat man natürlich einen großen Spielraum. Dann sind auch 28 Days Later oder Dawn of the Dead Mumienfilme. Natürlich, Mr. Cohen. Um es zusammenzufassen, im dritten Teil der Mummy-Reihe spielen Mumien keine Rolle, weshalb nicht nur der Titel, sondern im Grunde das ganze Projekt lächerlich wirkt. Vor tausenden von Jahren wurde der egomanische chinesische Kaiser Han (Jet Li), weil er die Hexe Zi Yuan (Michelle Yeoh) betrog, von dieser verflucht. Er verwandelte sich zu einer Terrakotta-Figur und mit ihm sein ganzes Heer. Die Krux mit Flüchen ist aber, dass sie immer umkehrbar sind. Ein sagenumwobener Diamant erweckt den Drachenkaiser – wieso Drachenkaiser wird nicht erläutert (vielleicht im Jahr des Drachen an die Macht gekommen?) – erneut zum Leben. Also „zum Leben“, egal. Involviert sind natürlich auch Rick (Brendan Fraser) und Evelyn O’Connell (Maria Bello), fehlen dürfen auch nicht Jonathan (John Hannah) und Filmsohn Alex (Luke Ford). Während Han sich aufmacht, endlich Unsterblichkeit zu erlangen, sind ihm die O’Connells auf den Fersen.

Bedenkt man, dass die Drehbuchautoren Alfred Gough und Miles Millar Stammkräfte der Serie Smallville sind, kommt man nicht umhin, als verblüffte Enttäuschung zu empfinden. Das Drehbuch des Films ist unterirdisch schlecht, allen voran die Dialoge, dicht gefolgt von der eigentlichen Handlung. Die O’Connells werden von ihren Feinden dazu benutzt, das Auge von Shangri-La nach Shanghai zu transportieren. Wieso die O’Connells hierfür benutzt werden, wird nicht beantwortet. Sie erfüllen diesbezüglich keinen besonderen Zweck, man hätte das Auge im Grunde auch per Post schicken können. Eine flachere Involvierung der beiden Helden hätte man sich kaum ausdenken können. Um unsterblich zu werden, muss Han die Quellen von Shangri-La finden. Um Shangri-La zu finden, muss Han das Auge auf eine Turmspitze des Tores von Shangri-La setzen. Die O’Connells reisen also ab, um dies zu verhindern. Hier zelebriert Rob Cohen etwas Humor, denn Vater und Sohn O’Connell streiten sich um ihre Munition. Das Maschinengewehr ist besser als das Maschinengewehr. Haha, lustig, Mr. Cohen. Viel Feuerkraft bringen die O’Connells hier mit, sogar eine Bombe. Die wollen sie aber nicht zünden, denn sonst bricht eine Lawine los. Auf die Idee einen Schweißbrenner mitzunehmen, um die Turmspitze abzubrennen, auf die kommt natürlich keiner. Wäre ja auch zu einfach. Dass Shangri-La letztlich 500 Meter vom Tor entfernt ist, verständlich. In alle den tausenden von Jahren hat sich auch keiner die Mühe gemacht, mal die Umgebung durchzuforsten. Die Geschichte, die man dem Publikum hier offeriert, ist so voller Fehler und Inkonsequenzen, dass einem Hören und Sehen vergeht.

Als ob Mumien – die keine sind – nicht schon genug wären, wartet Cohen auch noch mit Yetis auf. Drei Stück. Dass man in einem Fantasy-Film über chinesische „Mumien“ auch noch Yetis einbaut, ist nicht so tragisch, dass diese jedoch wie Hunde herbeigerufen werden und sich abklatschen, wenn sie einen ihrer Feinde besiegt haben, das ist tragisch. Doch bei den Yetis hört es nicht auf, später kriegen die Zuschauer auch noch Han als dreiköpfigen Drachen zu sehen. Wieso Han sich plötzlich verwandeln kann, wird einem dabei nicht klar. Er wurde zwar von seinen Gelehrten zum Herrn der fünf Elemente gemacht (zu denen in China Metall aber nicht Wind gehört), aber ein Formwandler war er vorher nicht. Erst als er unsterblich wird. Allerdings ist auch Michelle Yeoh im Film unsterblich, und die bleibt die ganze Zeit eine Chinesin Ende vierzig. Die Tatsache, dass sich Han zum Drachen verwandelt, dient scheinbar auch lediglich der Transportation von Shangri-La zu seinem Grabmal. Dort wartet dann die finale Schlacht auf, zwischen zwei untoten Armeen. Ein weiterer Drehbuchfehler, denn wenn interessiert eine Schlacht zwischen zwei untoten Armeen? Wer kann die denn verlieren? Niemand, das ist das Problem. Da kann man auch zwei Kindern beim Schaukeln zuschauen. Zudem offenbart sich hier wieder einmal Hans Schwäche, der im Film zwar jederzeit dank seiner übernatürlichen Kräfte die Oberhand behält, seine Feinde damit allerdings nie vernichtet. Einmal rennt er als Wolpertinger oder dergleichen über das Schlachtfeld, auf die Idee die Form eines atomaren Kerns oder einer kleinen Sonne anzunehmen, kommt der chinesische Kaiser jedoch nicht. Selten fühlte man sich im Kino mehr verschaukelt, wie hier der Fall. Den Schlag in die Magengrube versetzen einem dann die dümmlichen Dialoge in der Form: „Hey, Alex, scharfe Freundin“ – „Sie ist nicht meine Freundin“ – „Ach so, aber wenn sie es wäre, wäre sie scharf“ – „Ja, stimmt. Jetzt wo ich drüber nachdenke…“. Getoppt wird das nur noch von den quälenden Vater-Sohn-Gesprächen.

Dass Alex-Darsteller Luke Ford lediglich 13 bzw. 14 Jahre jünger ist als seine Filmeltern Fraser und Bello sieht man ihm jederzeit an. Film-Alex ist 22 Jahre alt, sodass Fraser und Bello im Film selbst weitaus älter dargestellt werden, wie sie im wahren Leben sind, Ende vierzig nämlich. Als Mann, der an der fünfziger Marke kratzt, hat sich Fraser gut gehalten. Im übrigen hält sich Brendan Fraser durchaus wacker im Film, ähnlich wie auch John Hannah. Beide sind die Lichtblicke, die jedoch nicht im Stande sind, über das grausame Drehbuch hinweg zu spielen. Problematisch ist dagegen Maria Bello, die hier wie ein Fremdkörper wirkt. Ihre Evelyn hat eigentlich überhaupt nichts mehr mit der Rachel-Weisz-Version aus The Mummy zu tun. Selbst im Vergleich zu The Mummy Returns ist das etwas abgehoben. Cohen zelebriert seine Evey als kampflüsterne Amazone, geil auf Abenteuer und Schießereien. Yeah, baby. Von der begeisterten Archäologin aus den beiden Vorgängern ist nichts mehr übrig geblieben. Ohnehin, das ruhige Leben bekommt den O’Connells nicht, die eine Spionagehistorie vorzuweisen haben. Zack! Glückwunsch, Sie wurden mit dem Indiana Jones-Hammer erwischt. Später wird noch von The Last Crusade, Lord of the Rings und anderswo geklaut. Die O'Connells langweilen sich in ihrem Haus, sie suchen das Abenteuer, wollen es sich jedoch nicht eingestehen. Außer Alex haben sie keine Kinder mehr gezeugt und von ihrer Liebe sieht man im Prinzip nichts. Schon gar nichts, von jenem Blick – den Alex später proklamiert – mit dem sie sich jeden Tag neu ineinander verlieben. Zwischen Bello und Fraser besteht keine Chemie. Ebenso wenig zwischen Luke Ford und jedem anderen Objekt in diesem Film.

Am meisten tut es einem jedoch um die chinesischen Darsteller leid. Die Chance in einem US-Film mitzuspielen scheint für Michelle Yeoh wieder einmal zu verlockend gewesen zu sein. Dass man von Jet Li keine großen Sprünge erwarten darf, zeigt er seit Jahren durch seine Filmauswahl. Ironischerweise hat Li weniger Leinwandzeit als der Abspann des Filmes erhalten (letzterer ist übrigens auch unterhaltsamer). Was Anthony Wong Chau-Sang (Infernal Affairs) hierher verschlagen hat, fragt sich das gefolterte Herz dann aber doch in jeder seiner Szenen. Abgesehen von Ford sind die Darsteller aber nicht Schuld am Versagen des Filmes. Vielmehr finden sich die Ursachen im Drehbuch von Gough und Millar sowie der Regie von Cohen. Bei dem beinah doppelten Budget von The Mummy wirken die Effekte in diesem Teil wie direkt für die DVD produziert. Allen voran der Drache aber allgemein der digitale Jet Li wirken so unglaubwürdig, wie es bereits der digitale The Rock in The Mummy Returns getan hat. Die Dialoge sind eine Tortur und schmerzen wie eine Behandlung bei Zahnarzt. Das „Positivste“, und ich sage es bewusst in Anführungszeichen, ist die Musik von Randy Edelman. Damit keine Missverständnisse aufkommen, Edelmans Musik ist nicht gut, sie hebt sich nur von dem katastrophalen Film auf der Leinwand etwas ab. Wie man ein Filmtrilogie verhunzen kann, lässt sich an der The Mummy-Reihe anschaulich begutachten. Einem gelungenen ersten Teil folgte ein enttäuschender zweiter und ein vollkommen misslungener dritter Teil. Wer glaubt, hier die Spitze des Eisberges zu sehen, hat sich getäuscht. Maria Bello hat in Interviews bereits angekündigt, dass ein vierter Teil in Planung steht, zumindest hat sie einen Vertrag für einen möglichen vierten Teil. Dieser dürfte sich wohl in Peru abspielen. An dieser Stelle ist es wohl unnötig zu erwähnen, dass auch in Südamerika keine Mumifizierung gepflegt wurde. Doch Mumien spielen in der Mummy-Reihe wohl schon lange keine Rolle mehr.

1/10 - erschienen bei Wicked-Vision

3. Juli 2008

Die Top 5: Bond Girls

Of course you are.

Er zählt zu den berühmtesten Figuren der Literatur- und Filmgeschichte: James Bond. Der britische Geheimagent entstammte der Feder von Ian Fleming. Im Alter von 55 Jahren erschuf dieser seine Figur im Jahre 1953 und orientierte sich bei ihr zu einem Großteil an sich selbst und seiner Vergangenheit. Fleming pflegte einen glamourösen Lebensstil und hatte während des Zweiten Weltkrieges selbst den Rang eines Kommandanten inne. Von 1953, als Casino Royale erschien, bis 1964, als Fleming starb, sollte der Engländer zwölf Bond-Romane zu entwickeln. Verschiedene weitere Vorbilder wurden zudem spekuliert, darunter Scotland Yard Agent Sidney Reilly oder der serbische Doppelagent Dusko Popov.

Dieses Jahr erschien das 23. Bond-Abenteuer Quantum of Solace in den Kinos, lose basierend auf einer Kurzgeschichte von Fleming. Die zwölf Romane wurden inzwischen bereits verfilmt, Casino Royale und Thunderball dabei sogar zweimal, auch wenn die doppelten Pendants nicht zum Kanon gehören. Der englische Geheimagent zeichnet sich nicht nur durch sein Aussehen aus, sondern auch durch sein Talent als Spion. Mehr als einmal bezeichnet Bonds Vorgesetzte/r, M, ihn als den besten Agenten im Dienste ihrer Majestät und neben Sekretärin Moneypenny und geschüttelten Martinis hat er noch andere Merkmale. Eines davon ist wohl, dass Bond weniger ein brillanter Agent ist, wie seine Gegner totale Idioten.

Für gewöhnlich kommt jeder Bond-Bösewicht im Laufe eines Abenteuers mindestens einmal in den Besitz von Bond. Getötet wird Bond dabei jedoch nie, denn seine Feinde scheitern immerzu an ihrem eigenen Hochmut und falschem Stolz, den berühmten Agenten möglichst dramatisch ums Eck zu bringen. Aber nicht nur die Infantilität seiner Gegner oder die technischen Spielzeuge seines Tüftlers Q machen Bond zu Bond, sondern auch die so genannten Bond Girls gehören unweigerlich zu seinen Aufträgen dazu. Bei den Bond Girls handelt es sich oft um Damen, die aus einer Notsituation befreit werden müssen. Mitunter gehören sie einem anderen Geheimdienst an, wie Anya Amasova (Barbara Bach) in The Spy Who Loved Me (1977).

Maud Adams, das doppelte Bond Girl. Premiere in The Man with the Golden Gun (1974) und fast ein Jahrzehnt später erneut in Octopussy (1983).
Sie können sich aber auch als einfache Verbündete herausstellen, wie Domino (Claudine Auger) in Thunderball (1965). In diese Kategorien gehören häufig die Bond Girls, die auf Seiten von Bond stehen. Die Bond Girls zweiter Klasse gehören in den meisten Fällen der Gruppe des bondschen Gegenspielers oder generell einer feindlichen Organisation an. Hierzu ließe sich Xenia Onatopp (Famke Janssen) aus GoldenEye (1995) anführen. Viele Bond Girls vereinen dabei von Fleming ausgewählte Gemeinsamkeiten. Das durchschnittliche Bond Girl ist Mitte Zwanzig und damit gut zehn Jahre jünger als Bond. Sie sind nicht nur attraktiv, sondern verfügen meist über blaue Augen und wenig bis gar kein Make-up.

Dabei tragen sie häufig sehr maskuline Kleidung, wie allgemein die meisten der Bond Girls ausgesprochen unabhängig sind. Viele von ihnen üben Berufe aus, die sie selbstständig machen und damit von der Durchschnittsfrau abheben, wie Tiffany Case (Jill St. John) in Diamonds Are Forever (1971). Ironischerweise verlieren viele Bond Girls gerade in den ersten Jahrzehnten der Reihe ihre unabhängigen und individuellen Stärken, jedoch nur in den Verfilmungen, nicht in den ursprünglichen Romanen Flemings. Eine endgültige Emanzipation dürften die Bond-Girls spätestens in der Brosnan-Ära durchgemacht haben, dessen Haupt-Bond-Girl stets ausgesprochen kompetent, gebildet und unabhängig war.

In der Regel finden sich in jedem Bond-Film zwei Bond Girls, ein Gutes und ein Böses. Die Bond Girls selbst differenzieren sich generell in zwei Lager: die Damen, die lediglich als Augenweide gelten und diejenigen, die tatsächlich etwas für die Entwicklung der Handlung beizutragen wissen. Für die Auswahl der besten fünf Bond Girls - es versteht sich von selbst, dass dies rein subjektiv ist - werden folglich zwei Punkte ausschlaggebend sein: ihre Attraktivität und ihre Effektivität. Jedes Bond Girl wurde in diesen beiden Kategorien bewertet und somit in eine Rangliste eingeordnet. Was alle der Damen gemeinsam haben (sollten), ist ihre Schönheit. Daher wird in diesem Absatz auf die Attraktivität der Bond Girls eingegangen.

Das attraktivste Bond Girl: Ursula Andress als Honey Ryder in Dr. No (1962).

Gerade die frühen Bonds wissen mit ausgesprochen schönen Schauspielerinnen aufzuwarten, die Mutter aller Bond-Girls ist hierbei natürlich Ursula Andress (Dr. No, 1962). Schon ein Abenteuer später würde das Publikum Bekanntschaft mit Daniela Bianchi machen. In From Russia With Love (1963) beginnt sie praktisch die Reihe der ausgesprochen schönen Gespielinnen, die für Bond allerdings nicht mehr als Ballast sind. Ihr Beitrag zur Handlung ist minimal, ihr Aussehen dafür maximal. Adrette Bond Girls, die lediglich mit ihrem Äußeren auffallen, spielen mitunter auch eine untergeordnete Rolle. Darunter: Caterina Murino in Casino Royale (2005) oder Corinne Clery in Moonraker (1979).

Es finden sich allerdings auch Bond Girls, die weder sonderlich attraktiv, noch effektiv sind, somit ihre gänzliche Existenz in der Handlung nicht rechtfertigen und vielmehr ein Ärgernis darstellen. Sie standen meist an der Seite von Roger Moore, dem vermutlich „schlechtesten“ (aber auch amüsantesten) Bond der Reihe. Mit den niedrigsten Wertungen gehören hier Gloria Hendry (Live and Let Die, 1973), Britt Ekland (The Man With The Golden Gun, 1974) und Lynn-Holly Johnson (For Your Eyes Only, 1981). Im Gegenzug wurde Ur-Bond Sean Connery stets von besonders hübschen Exemplaren wie Zena Marshall (Dr. No) oder Luciana Paluzzi (Thunderball) umgeben, dicht gefolgt von Brosnans Damen-Harem.

Neben den attraktiven Damen, die 007 meist kaum eine Hilfe sind, finden sich auch Bond Girls, die es dem Agenten entweder besonders schwer machen oder ihm auf andere Weise erwähnenswert zur Seite stehen. Bei der Attraktivitäts-Skala zwar ganz am Ende ist Grace Jones als Amazone May Day in A View to a Kill (1985) die Göttin der effektiven Bond Girls. Ihre ultimative Heldenleistung ist die Selbstopferung, um Bond und andere zu retten. Durch ihre Effektivität wissen auch die Girls der Brosnan-Ära zu punkten, was sich wiederum der akzeptierten Emanzipation verdankt, die in den sechziger Jahren undenkbar war. Hierzu zählen Figuren wie Izabella Scorupcos Programmiererin Natalya Simonova aus GoldenEye (1995).

Das Effektivste aller Bond Girls: Grace Jones als May Day in A View to a Kill (1985).

Aber auch Rosamund Pike als Miranda Frost in Die Another Day (2002) oder Denise Richards in The World Is Not Enough (2000) mit dem amüsanten Namen Christmas Jones (ohne Frage lediglich wegen der bondschen Schlusspointe gewählt). In den sechziger Jahren markieren starke und nutzvolle Bond Girls wie Akiko Wakabayashi (You Only Live Twice, 1967) oder Honor Blackman (Goldfinger, 1964) die Ausnahme in Anwesenheit von den Charakteren einer Ursula Andress, Claudine Auger oder Daniela Bianchi. Dies würde sich auch für Lana Wood, Jill St. John (beide Diamonds Are Forever), Maud Adams (The Man With the Golden Gun) oder Caroline Munro (The Spy Who Loved Me) nicht wirklich ändern.

Daher können sich fabelhafte Bond Girls wie Jane Seymour (Live and Let Die) oder Diana Rigg (On Her Majesty’s Secret Service, 1969) aufgrund fehlender Effektivität letztlich nicht unter die Top 5 schieben. Da Attraktivität gleich gewertet wird wie Effektivität, ergibt sich eine Rangfolge, die sehr subjektiv ausfällt, da viele Leser wohl anders entscheiden würden, was die beiden Attribute anbelangt. Da für diese Rangliste alle 23 Bond-Abenteuer mal wieder angesehen wurden, soll der Aufwand nicht umsonst gewesen sein. In den Kommentaren finden sich neben den Top-5-Bond-Filmen auch die individuellen Fünferlisten der Bond-Girls. Es folgt die allgemeingültige Top 5 der Bond Girls:


5. Sophie Marceau als Elektra King in The World Is Not Enough (2000): Spielt ein gewagtes Psychospiel mit Bond und kann lange Zeit ihr wahre Loyalität verbergen. Letzten Endes obsiegt sie fast, nachdem sie Bond praktisch schon zu Tode gefoltert hat und im letzten Moment verliert. Das Aussehen der ansehnlichen Französin spricht sicherlich auch für sich.

4. Michelle Yeoh als Col. Wai Lin in Tomorrow Never Dies (1997): Die meiste Zeit ungeschminkt und mit ihren 35 Jahren damals weit über dem Altersdurchschnitt des Flemingschen Bond Girls, beeindruckt Yeohs Charakter vor allem durch ihre Ebenbürtigkeit gegenüber Bond. Abgesehen vom Finale ist sie Bond fast immer eine Nasenspitze voraus.

3. Claudine Auger als Domino Derval in Thunderball (1965): Wechselt in dem Original, welches später als Never Say Never Again ein Remake erfahren sollte, praktisch die Seiten. Nach dem Mord an ihrem Bruder unterstützt sie Bond effektiv bei seiner Jagd auf Emilio Largo und rettet ihm letztlich sogar das Leben als sie den Mord an ihrem Bruder rächt.

2. Carey Lowell als Pam Bouvier in Licence to Kill (1989): Der Revenge-Bond begann praktisch die nunmehr etablierte Ära der emanzipierten Bond-Girls, die sich vor dem smarten Agenten kaum zu verstecken brauchen. Erwies sich nicht nur als hilfreiche Unterstützung zu Luft und zu Wasser, sondern punktet auch mit natürlicher Schönheit.

1. Eva Green als Vesper Lynd in Casino Royale (2005): Setzt sich knapp vor Lowell durch und verdankt dies in dieser Hinsicht weniger ihrem Aussehen (ungeschminkt übrigens sehr viel besser wie geschminkt). Green beeindruckt vor allem durch ihren doppelbödigen Charakter, deren Loyalität sich erst am Ende des Films (zumindest für Bond) offenbart.

25. April 2007

Sunshine

Who is the fifth crew member?

Im Weltraum hört dich keiner schreien. So lautete der Untertitel von Ridley Scotts Meisterwerk Alien aus dem Jahr 1979. Dabei ist diese Äußerung so nicht einmal zutreffend, zumindest nicht wenn man sie auf die Science Fiction Filme oder Alien selbst bezieht. In den Raumschiffen, in welchen meist der Horror wie in Alien oder Event Horizon zelebriert wird, sind die Schreie durchaus hörbar. Dabei fungieren sie als Katalysator von Angst zugleich für deren Förderung. Dass im Weltraum geschrieen wird, scheint dabei im Grunde unabkömmlich zu sein. Jenseits der Erde scheint der Mensch nichts verloren zu haben, und wenn er sich dann in ungeahnte Sphären aufmacht, erwartet ihn oftmals, 2001: A Space Odyssey oder Solaris lassen grüßen, Horror und Gefahr.

Die Wege ins All finden oft, wie in Deep Impact, keine Rückkehr nach Hause und wenn, dann nur unter großen Verlusten. Dass der Mensch auf ungewohntem Terrain nur sein Verderben finden kann, schildert bereits der griechische Mythos des Ikaros. Der Knabe, dessen Vater und Erfinder Daedalos sich selbst und seinem Sohn Flügel aus Wachs anband, flog in seinem naiven Übermut zu nah an die Sonne heran. Seine Wachsflügel schmolzen daraufhin und Ikaros stürzte ins Meer. Die hierbei bestimmende Frage lautet, ob es sich der Mensch anmaßen sollte, Gott zu spielen und sich selber in Sphären zu versetzen, die ihm die Natur nicht zugeordnet hat? Jene Frage transferierten Autor Alex Garland und Regisseur Danny Boyle 2007 auf die Kinoleinwand in ihrem Sci-Fi-Thriller Sunshine.

Mit großer wissenschaftlicher Authentizität gingen Garland und Boyle an ihre Geschichte heran. Ihre Einbindung von schwarzer Materie als Ursache für ein Erlischen der Sonne ist gegenwärtig Diskussionsstoff der Astrophysik. In fünfzig Jahren soll die Sonne durch eine nukleare Reaktion mit Hilfe einer Bombe der Größe Manhattans wiederbelebt werden. Dabei offenbart bereits die Einführung der Icarus II zu Beginn, dass es eine Icarus I gegeben haben muss. Durch dieses Detail bringen Garland und Boyle ihr Publikum sofort auf den vorgegebenen Kurs, vermitteln die Tragweite des gesamten Geschehens. Die Notwendigkeit einer zweiten Mission setzt voraus, dass eine erste zum Scheitern verurteilt war. Dies wiederum zieht nach sich, dass auch der Erfolg der zweiten Mission nicht als selbstverständlich zu erachten ist.

All dies wird durch die ersten Sekunden der Einführung vermittelt, ein exzellentes Beispiel für die hohe Kunst der Geschichtenerzählung. Im Gegensatz zu Filmen wie Lost in Space hält sich Danny Boyle auch nicht mit der hoffnungsvollen Abreise der Crew auf, sondern setzt mitten in der Mission ein. Genauer gesagt tritt die Mission nunmehr in ihre kritische Phase. Nach sechzehn Monaten im All überschreitet die Icarus II den Punkt, an welchem der Kontakt zur Erde verloren geht. Gewissermaßen überschreitet man hier den Rubikon. Stellvertretend für alle Crew-Mitglieder zeigt Boyle dem Publikum lediglich die letzte Botschaft von Physiker Robert Capa (Cillian Murphy), welcher den Missionsinhalt Revue passieren lässt: So if you wake up one morning and it's a particularly beautiful day, you'll know we made it.

Woher nimmt der Mensch das Recht am Universum herum zu spielen? Und ist es nicht vorhersehbar, dass dabei etwas schief gehen muss? Berechtigte Fragen und ihre Antworten dürften der Prämisse zufolge bekannt sein. Hierbei funktioniert Sunshine deshalb so gut, da sich Autor Alex Garland viel Mühe mit seiner Charakterausarbeitung gab. Mit wem es das Publikum hier tatsächlich zu tun hat, wird durch das bloße Betrachten des Filmes nicht klar. Was ist die Agenda der Crew, was sind ihre Ängste und ihre Erwartungen? Da ist zum einen Corazon (Michelle Yeoh), welche für den biologischen Garten der Sauerstoffproduktion zuständig ist. Ihr Name (span. Herz) bezieht sich dabei mehr auf ihren Garten, denn auf ihre eigene Persönlichkeit. Corazon ist nicht wirklich kaltherzig, ihren wahren pragmatischen Charakter sieht man erst, als ihr Garten zerstört wird. Letztlich stirbt vielleicht mit ihrem Garten auch ihr eigenes Herz.

Als eigentliches Herz der Mannschaft fungiert vielmehr Pilotin Cassie (Rose Byrne), die eigene Opfer auf sich nahm, um an dieser Mission teilzunehmen. In den entscheidenden Szenen agiert Cassie im Grunde als das Gewissen der Icarus II. Dieses lässt sich nicht unbedingt als rational bezeichnen, jedoch als menschlich, sodass Cassie im Grunde die Stellvertretung der gesamten Menschheit auf der Mission einnimmt. Wo Cassie die Rationalität abgeht, ordnet sich Techniker Mace (Chris Evans) ganz dem Ziel der Mission unter. Hierbei zählt nur der Transfer der Bombe zur Sonne und zugleich die Aufrechterhaltung von Capas Leben, der als der Bord-Physiker als einziger mit der Bombe umgehen kann.

Auch in den entscheidenden Szenen -beispielsweise am Luftschloss der Icarus I - zögert Mace daher nicht eine Sekunde sein Leben hinter das von Capa zu stellen. Obschon er mit diesem - ist Capa doch der einzige nicht ausgebildete Astronaut an Bord - mehrfach Auseinandersetzungen hat. Als zwei erfahrene Figuren findet sich noch Psychologe Searle (Cliff Curtis) und Kapitän Kaneda (Hiroyuki Sanada). Beide haben sich mit dem Scheitern der Vorgängermission eindringlich beschäftigt, allen voran Kaneda. Zum Zünglein an der Waage wird letztlich Mathematiker Trey (Benedict Wong), dessen Genie ihm zum Verhängnis wird. Das gesamte Ensemble agiert den Film hindurch nach Garlands Vorgaben, auch wenn diese bei Figuren wie Harvey (Troy Garity) bedauerlicherweise im Film nicht zur Genüge zur Geltung kommen.

Auf ihrem Weg zur Sonne stößt die Icarus II auf das Schiff ihrer Vorgängermission. Die logische Konsequenz: man birgt die Bombe der Icarus I. Das ganze Projekt ist auf Theorie gegründet, sollte etwas schief gehen, sind zwei Bomben besser wie eine. Es ist keine demokratische Entscheidung, vielmehr fällt sie allein Physiker Capa zu. Sein „Oh shit“ ist dabei die wohl treffendste Äußerung, welche die Figur in diesem Moment von sich geben könnte. Ein unbedeutender Umweg bringt die Planungen von Wochen und Monaten durcheinander. Navigator Trey, ein mathematisches Genie, will die neue Berechnung nicht dem Bordcomputer überlassen, vernachlässigt bei seiner eigenen Kalkulation jedoch etwas. Die logische Entscheidung führt zum menschlichen Versagen, die von langer Hand geplante Routine zum Opfer der Spontaneität.

Der Moment fordert ein menschliches Leben, ein Verlust der im Grunde für den Rest des Filmes unerheblich ist. Schließlich wird es nicht Treys Fehler sein, der zur Tragik verkommt, sondern Capas Entscheidung die Icarus I aufzusuchen. Was hatte die erste Mission zum Scheitern verurteilt? Capa und die anderen werden es herausfinden und die Geister, die sie riefen, nicht mehr loswerden. Auf ihrer gottesgleichen Mission, der Erschaffung eines Sternes, werden der Crew ihre menschlichen Fehler zum Verhängnis werden. Dabei werfen Garland und Boyle jedoch keineswegs moralische Fragen oder Dilemmas auf, sondern schildern einfach die Ereignisse dieser acht Personen auf ihren Weg zur Rettung eines ganzen Planeten.

Es gelingt Danny Boyle mit Sunshine einen ruhigen und teilweise sogar elegischen Thriller zu drehen. Die Stärken seines Filmes sind die optischen respektive technischen Szenen. Die Symbiose zwischen den Bildern und dem Ton ist faszinierend, die Einstellungen der Sonne und der Icarus II im All, der Raumschiffgänge, dies alles mit der musikalischen Untermalung von Underworld. Exzellent auch der Übergang der Crew zur Icarus I, bei welchem jedes Mal, wenn die Taschenlampen die Kamera treffen, Bilder der verstorbenen Crewmitglieder übergeschnitten werden. Mit Sunshine schuf Garland eine stylische Mischung aus 2001 und seinem eigenen Werk The Beach. Auf klaustrophischen Raum werden über eine längere Zeit hinweg unterschiedliche Persönlichkeiten konzentriert.

Kein Entkommen und Loslösen voneinander teilweise Anwesenden zu denen man ein gespanntes Verhältnis hat. Die erste Hälfte des Filmes ist hier ob ihrem phantastischen Look und der Intelligenz des Drehbuchs berauschend. Die Wendung, welche Sunshine anschließend nimmt, ist diskutabel. Manche Einstellungen folgen so rasch aufeinander, dass man das Gefühl hat, Boyle hätte die eine oder andere Szene geschnitten - gerade im Finale. Zur Hinterfragung des Plots und somit des Filmes ist die Wendung allerdings nur konsequent. Mit Sunshine ist Garland und Boyle ein Science-Fiction Film gelungen, der letztlich zwar mehr style over substance ist, aber dennoch auch durch seine Atmosphäre zu überzeugen weiß und zu den besten Filmen des Genres zählt.

8.5/10