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25. Mai 2018

An Officer and a Gentleman

And don’t you eyeball me, boy.

In der Natur versuchen sich Jungtiere so viel wie möglich von ihren Eltern abzuschauen, um mit deren Wissen und Kenntnissen das eigene Überleben sicherzustellen. Beim homo sapiens liegt die Sache etwas anders, hier wollen sich die Jungtiere in der Regel so weit wie möglich von ihren Erzeugern emanzipieren. Und bloß nicht so enden wie diese. Ähnlich ergeht es den Figuren in Taylor Hackfords Film An Officer and a Gentleman (bei uns: „Ein Offizier und Gentleman“). Oberflächlich erzählt dieser von einer Offiziersausbildung der US-Marine, gewürzt mit einer turbulenten Romanze. Im Kern dreht sich das Drehbuch von Douglas Day Stewart jedoch vielmehr um Kinder, die versuchen, sich vom Rollenbild ihrer Eltern zu lösen.

Im Mittelpunkt steht dabei Zack Mayo (Richard Gere), der quasi als Vollwaise aufwächst, nachdem seine Mutter Selbstmord begeht. Sein Vater Byron (Robert Loggia) ist für die Navy auf den Philippinen stationiert, jedoch charakterschwach und abhängig von Alkohol sowie Prostituierten. Eine klassische Erziehung genoss Zack somit nicht, obschon wir immerhin zu Beginn sehen, dass er ein College besucht hat. Die Figur trifft eingangs die überraschende Entscheidung, eine Ausbildung zum Offizier als Marinepilot anzustreben. Vielleicht, um sich selbst – und letztlich auch seinem Vater – zu beweisen, dass man(n) mehr Charakter haben kann als dieser, ungeachtet dessen, dass das eigene Leben in den Dienst des Landes gestellt wird.

Mayo ist jemand, der stets auf sich allein gestellt gewesen ist. Was erklären mag, wieso er sich über weite Strecken während seiner Ausbildung auf sich selbst fokussiert. Zwar freundet er sich mit Zimmernachbar Sid (David Keith) an, doch einen Teamgedanken verfolgt er nicht wirklich. “You don’t give no shit about anybody than yourself”, wirft ihm später sein Ausbilder Foley (Louis Gossett Jr.) zurecht an den Kopf. “You oughta be good at this, Mayo. Something you can do alone”, stachelt er ihn im Verlauf während einer Solo-Simulationsübung an. Mayo ist sich selbst am nächsten – damit aber nicht unbedingt im Militär ideal aufgehoben. Der Film nutzt dies natürlich geschickt, um am Ende die Katharsis der Figur zu unterstreichen.

Wenn Mayo zum Abschluss seiner Ausbildung den Rundenrekord der Akademie opfert, um Kameradin Seeger (Lisa Eilbacher) das Bestehen zu sichern, ist der ehemalige Einzelgänger scheinbar endlich angekommen. Dabei ist Mayo keineswegs ein Außenseiter, vielmehr besitzt die Rolle respektive Gere ausreichend Charme, um trotz seines sozialen Status bei seinen Kameraden wie Sid, Seeger oder Daniels (David Caruso) ein gewisses Ansehen zu besitzen. Die Reife, die ihm fehlt, wird er über die zweistündige Laufzeit von An Officer and a Gentleman erhalten – mit allen Höhen und Tiefen. Darunter, wenn er kurz vor dem Rauswurf durch Foley steht, aber diesem dann unter Tränen erklärt, er wisse sonst nicht, wohin mit sich.

All diese Momente sind natürlich überaus plakativ und mitunter mit dem Holzhammer ans Publikum kommuniziert. Etwas subtiler gibt sich der Film da schon in der Ausarbeitung seiner Nebenfiguren. Paula (Debra Winger) ist dabei in gewisser Weise das Spiegelbild von Mayo, entstammt genauso wie dieser einer Affäre der Mutter mit einem Soldaten, ohne dass der im Anschluss Interesse an einer Familie gehabt hätte. Kein gewöhnlicher Soldat, sondern wie Mayo ein Offiziersanwärter für die Marine. So lebt Paula nun in derselben Stadt wie ihre Mutter Esther (Grace Zabriskie), arbeitet sogar in derselben Fabrik wie diese zusammen mit ihrer Freundin Lynette (Lisa Blount). Wie die Mutter, so die Tochter, scheint sich zu bewahrheiten.

Für die Frauen des Ortes, so skizziert es zumindest der Film, bilden die Offiziersanwärter die einzige Möglichkeit zur Flucht und zum sozialen Aufstieg. Entsprechend „warnt“ Foley die Kadetten eingangs, sich nicht in einer Babyfalle zu verirren, deren Personifikation – wie wir aber erst später lernen – in Paula dargestellt wird. Lynette ist es, die über Andeutungen zu ähnlichen Mitteln greift, um in Sid ihr Ticket für ein besseres Leben zu finden. Der hat wiederum seine eigenen Probleme mitgeschleppt, die wie bei den anderen Charakteren in der Beziehung zu den Eltern ihren Ursprung finden. Aus einer Militärfamilie entstammend, hadert Sid mit jener Rolle, die ihm zugeschrieben wird, nachdem sein älterer Bruder in Vietnam stirbt.

Fortan ist er kaum mehr als ein Ersatzsohn – und kein sonderlich geschätzter obendrein. Die Ausbildung als Marinepilot ist weniger auf seinem Mist gewachsen, als die Fortführung des Karriereplans seines verstorbenen Bruders. Hinzu kommt, dass Sid auch gleich dessen Verlobung übernahm, mit einer Frau, die zwar toll sei, die er selbst sich aber nicht ausgesucht hat. “I was here for everybody but me”, gesteht sich Sid am Ende ein, als er dem Druck nicht mehr Stand hält und kurz vor dem Abschluss aus der Akademie ausscheidet. Der Moment der seelischen Freiheit währt aber nur kurz, als er realisiert, dass sich Lynettes Träume mit ihm letztlich mit den Berufsplänen seiner Eltern für ihn gedeckt haben (“I want to marry a pilot”).

Mit Mitte 20 hat keine dieser Figuren, von Mayo über Paula hin zu Sid und Lynette, wirklich eine Idee, wer sie sein könnte. Höchstens, wer sie nicht sein will. “Lord, lift us up where we belong / Far from the world we know, up where the clear winds blow”, heißt es passend im Refrain von Will Jennings’ Lyrics zum Oscarprämierten Schmachtfetzen “Up Where We Belong”. Gemeinsam mit dem romantischen Happy End, wie es acht Jahre später auch Pretty Woman – ironischer Weise ebenfalls mit Richard Gere – inszenieren sollte, könnte sich der Eindruck aufdrängen, An Officer and a Gentleman sei eine Liebesschnulze, die der Film mit seinen Themen von Verlassen- und Orientierungslosigkeit sowie Suizid keineswegs ist.

Liebe spielt natürlich dennoch eine große Rolle. Jene Liebe, die Mayo und Paula ineinander finden, und die auch Sid sucht in seinem Leben. Die Figuren ersehnen eine gewisse Form der Geborgenheit, die Mayo sowohl in emotionaler (Paula) als auch moralischer (Foley) Person zuerst abzulehnen scheint. Zum Schluss von An Officer and a Gentleman haben Mayo und Paula den vermeintlichen Absprung geschafft – bei Sid und Lynette dagegen hat es nicht gereicht. Dass sich der Kreislauf weiter dreht, beobachtet Mayo kurz vor seinem Abschied von der Akademie, wenn Foley den nächsten Jahrgang begrüßt. Sie könnten sich von ihm, den ehemaligen Einzelgänger, eigentlich einiges abschauen. Emanzipieren müssen sie sich letztlich aber allein.

7/10

13. Januar 2014

Hachi: A Dog’s Tale

If it’s all right, could I wait with you for the next train?

Er gilt als der beste Freund des Menschen – der Hund. Speziell in Europa wird er als treuer Begleiter gesehen und damit als Sinnbild von Loyalität. Mancher Besucher aus dem arabischen oder chinesischen Raum mag ob der Fürsorge und „Vermenschlichung“ der Caniden in der westlichen Zivilisation die Stirn runzeln, kümmern sich viele Menschen um ihre Hunde doch weitaus mehr als um ihre Mitmenschen und Artgenossen. Vielleicht jedoch nicht zu Unrecht, wie das Beispiel mancher wahrhaft loyaler Hundebegleiter zeigt, die ihren Herrchen auch Jahre nach deren Ableben noch treu blieben. Einer ihrer berühmtesten Vertreter ist Hachikō, dem zuletzt 2009 in Hachi: A Dog’s Tale Ehrerbietung erwiesen wurde.

Hierbei wurde die Originalgeschichte vom Tokio der 1920er Jahre in die modernen USA versetzt, wenn Richard Geres Musikprofessor Parker Wilson eines Abends am Bahnhof seines Vorortes über einen Akita-Welpen stolpert. Kurzerhand nimmt er diesen mit nach Hause, dem Widerwillen seiner Gattin Cate (Joan Allen) zum Trotz. Bald schon sind Parker und Hachi ein Herz und eine Seele, sodass der Hund ihn morgends zum Bahnhof begleitet und von diesem Schlag 17 Uhr auch wieder abholt. Bis zu jenem Tag, an dem er vergebens wartet, da Parker während einer Vorlesung an Herzversagen stirbt. Nichtsdestotrotz erscheint Hachi aber auch die kommenden neun Jahre Tag für Tag pünktlich am Bahnhof.

Entsprechend drückt Lasse Hallström mit seinem Film natürlich auf die Tränendrüse – insofern man denn eine besitzt. Schließlich handelt es sich bei Hachi: A Dog’s Tale um eine berührende Geschichte eines treuen Begleiters, dessen Loyalität die Grenzen des Lebens zu überbrücken scheint. Basierend auf jenem Akita, der Anfang der 1920er Jahre im Besitz des Tokioter Professor Ueno Hidesaburō war, der täglich von der Bahnstation Shibuya ins Zentrum von Tokio fuhr. Bis er 18 Monate später im Mai 1925 an einer Hirnblutung verstarb. Dennoch tauchte Hachikō auch die folgenden neun Jahre täglich in Shibuya auf, ehe er selbst dem Krebs erlag. Dabei ist die Geschichte von Hachikō keineswegs ein Einzelfall.

Ähnlich verlief das Erlebnis um den Hütehund Shep, der sechs Jahre lang täglich an eine Bahnstation im US-amerikanischen Fort Benton kam, wo er die Rückkehr seines verstorbenen Herrchens erwartete, dessen Leichnam von hier den Bahnhof verließ, ehe Shep selbst 1942 von einem Zug erfasst wurde. Stolze 14 Jahre wartete der italienische Straßenhund Fido im toskanischen Borgo San Lorenzo auf seinen Herrn Carlo Soriani, nachdem dieser während eines Bombardements der Stadt am 30. Dezember 1943 ums Leben kam. Die Liste ließe sich noch fortführen, insofern ist Hachi: A Dog’s Tale keine originäre Erzählung, sondern eine von vielen. Was ihr aber dank Hallströms Inszenierung nichts von ihrer Stärke raubt.

Bemerkenswert ist, dass der Film die Geschichte einer bloßen Freundschaft erzählt, frei vom Versuch, Geres Figur durch den Hund charakterlich wachsen oder in neue Bahnen lenken zu lassen. Ohnehin beruht der einzige Konflikt des Films auf dem Ableben der zweiten Hauptfigur zum Ende des zweiten Akts, während zuvor lediglich die Beziehung zwischen Mensch und Hund im Mittelpunkt stand. Der missglückte Versuch, dem japanischen Spitz das Apportieren beizubringen, die freudige Erwartung, den Gefährten am Bahnhof zu sehen. Die übrigen Figuren wie Parkers Tochter Andy (Sarah Roemer), Bahnvorster Carl (Jason Alexander) oder Hot Dog Verkäufer Jasjeet (Erick Avari) sind da nur Staffage.

Daran kann man sich natürlich stören, an dieser konfliktfreien Idylle, die nicht in die Welt mancher Zuschauer passen will. Vergessen werden sollte jedoch nicht, dass der Film selbst lediglich eine Binnenerzählung ist, die Parkers Enkelsohn zu Beginn seiner Klasse berichtet. Die Geschichte wird folglich dem Zuschauer durch die Augen eines Kindes übermittelt und wenn Figuren wie Parker und dessen Familie zu sehr wie „heile Welt“ wirken, mag dies daran liegen, dass sie dem Enkelsohn als solche vermittelt wurde. Es geht Hallström trotz der wahren Geschichte als Vorlage nicht um ein authentisches oder unperfektes Bild der Realität, sondern darum, das Gefühl der Hingabe (engl. devotion) zu transportieren.

Getragen wird Hachi: A Dog’s Tale dabei weniger von seinem überzeugend aufspielenden (menschlichen) Ensemble als von der nuancierten Darstellung der drei Akitas, die Hachi in den drei entscheidenden Stadien seines Lebens mimen. Speziell die alte Version nach dem Ableben von Parker spielt die übrige Besetzung mühelos an die Wand, wenn mit hängender Rute und hoffnungslos-hingebungsvollem Blick bei eisiger Kälte die Rückkehr des Freundes erwartet wird. Zugleich wohnt der finalen Präsentation von Hachi natürlich eine gewisse Tragik inne, ist sie doch Ausdruck dessen, dass der Akita am Verlust seiner Bezugsperson zu Grunde ging. Entsprechend ergreifend gerät daraufhin das Schlussbild.

Diskutabel ist sicherlich, ob es der Form der Binnenerzählung und damit der etwas leblosen Figur des Neffen bedurfte, auch an der finalen Szene von Hachi dürften sich die Geister streiten, attestiert Hallström doch darin, dass der Akita mehr als nur ein Tier ist. Vielmehr wird ihm hier endgültig eine Seele zugeschrieben, der Hund und seine Emotionswelt somit auf eine Stufe mit seinen menschlichen Begleitern gestellt. Sicher keine leichte Kost für all jene, denen jeglicher Respekt gegenüber Tieren abgeht. Dennoch ist Hachi: A Dog’s Tale nicht nur ein Film für Hundehalter oder –liebhaber, sondern ein bewegendes Manifest von Hingabe und Treue. Glücklich darf sich somit jede/r schätzen, die über jemand wie Hachi im Leben verfügt.

8/10

13. September 2010

1 Movie, 1 Definition: Hachiko

DEVOTION /dɪˈvəʊʃ(ə)n/ noun: [mass noun] love, loyalty, or enthusiasm for a person or activity. Also: religious worship or observance. (devotions) prayers or religious observances.

OXFORD DICTIONARY
Copyright © 2010

20. November 2007

The Hunting Party

Only the most ridiculous parts of the story are true.

Wenn sich Amerikaner ernsten Themen widmen wollen, geht das doch meistens eher in die Hose. Zu sehr orientiert sich das Kino dort an seinem Kunden und dieser ist nun mal dem Mainstream zugeneigt. Unterhaltung ist das magische Wort und diese finden die Jungs meistens wenn Sachen in die Luft fliegen oder gehörig auf die Nase geboxt wird und Frauen bei Herz-Schmerz-Liebesgeschichten – dies kann mitunter katastrophale Ergebnisse wie Pearl Harbour nach sich ziehen. In Zeiten des Krieges wird dann jedoch gerne mal von der Showbranche der moralische Finger gehoben, nach Sam Mendes Jarhead folgten eine kleine Flut von Irakkriegsdramen, welche sich dieses Jahr mit Brian De Palmas Redacted und Paul Haggis’ In the Valley of Elah fortsetzen, aber auch anderen Krisengebieten wird sich von seitens Edward Zwick in Blood Diamond oder Richard Shepard mit The Hunting Party gewidmet. Shepard, welcher nach einer Zeit in Los Angeles zurück nach New York wanderte um dort Filme seinem Gusto entsprechend zu drehen, konnte vor zwei Jahren mit der Killer-Zote The Matador um Pierce Brosnan und Greg Kinnear begeistern und widmet sich dieses Jahr den Nachwehen des Bosnien-Konfliktes basierend auf einem Artikel von Scott Anderson im Esquire Magazin.

Simon Hunt (Richard Gere) ist Kriegsberichterstatter in Bosnien 1995 und wagt sich mit seinem Kameramann Duck (Terrence Howard) wegen des Nervenkitzels gerne in den Kugelhagel. Als er jedoch zu einem Massaker der Serben in ein muslimisches Dorf fahren muss, wo er seine schwangere Geliebte vergewaltigt und erschossen vorfindet, brennen bei ihm die Sicherungen durch und er poltert vor laufender Kamera los. Natürlich kostet Simon dies seinen Job und er geht in den folgenden fünf Jahren die Karriereleiter des Journalisten ganz nach unten, während es um seinen Kameramann Duck besser bestellt ist. Als dieser mit seinem Chef und dem Praktikanten und zugleich Chef des Vizepräsidenten des Senders, Benjamin (Jesse Eisenberg), fünf Jahre später nach Sarajevo zurückkehrt, trifft er wieder auf Simon. Dieser lockt Duck dazu, ihn auf der Suche nach dem Kriegsverbrecher Nummer 1, nur „Fuchs“ genannt, zu unterstützen. Duck und Benjamin beißen an und bald sehen sich die drei mit indischen Polizisten und paranoiden UN-Beamten konfrontiert, während sich die Schlinge um den Fuchs scheinbar immer enger schnürt.

Wie erwähnt basiert Shepards Film auf dem Artikel von Scott Anderson im Esquire (bei Interesse hier nachlesbar) und kokettiert vor Beginn und am Ende mit Details zur Glaubhaftigkeit des ganzen. Dabei erzählt Andersons Artikel nicht dieselbe, sondern eine ähnliche Geschichte. Fünf Journalisten, aus dem Bosnienkonflikt miteinander bekannt, trafen sich im Jahr 2000 fünf Jahre später in Sarajevo wieder, um der alten Zeiten willen. Drei von ihnen – darunter Anderson – Amerikaner, dazu ein Holländer und eine Belgier. Nach einigen Slibowitz diskutierten die Freunde dann, den als Kriegsverbrecher gesuchten Dr. Radovan Karadzic ausfindig zu machen. Gerüchten zu Folge hielt dieser sich Celibici auf. In zwei Tagen wollten die Journalisten im Rausch das vollbringen, was Amerikaner und zwanzigtausend NATO-Soldaten nicht geschafft hatten. Sie fuhren schließlich nach Celibici und meldeten sich bei der Internationalen Polizei an, welche in der Tat keine Anklagepunkte für die gesuchten Kriegsverbrecher bekommen hatte. Und die Gruppe begegnete auch dem UN-Sicherheitsoffizier Boris, der die fünf in der Tat für ein CIA-Hit-Team hielt, genauso wie sein Kontaktmann Dragan. Die Journalisten spielten mit, sahen sich aber kurz darauf einem echten, unbenannt bleibenden, CIA-Mann gegenüber. Die Tatsache, dass fünf Journalisten innerhalb einer Woche einen Kontaktmann zu Karadzic gefunden hatten und dies den Amerikanern, der UNO und der NATO in fünf Jahren nicht gelungen zu sein scheint, lässt dem Leser das offensichtliche Fazit der Geschichte offen.

Diesen vor Sarkasmus triefenden Artikel, der sehr unterhaltsam und in seiner Botschaft essentiell ist, hat Shepard nunmehr für die Leinwand verarbeitet und sich dabei an Andrew Niccol’s Lord of War orientiert. Eine an sich ernste Geschichte durch gehörig zynische Untertöne zur Satire werden zu lassen. Dumm nur, dass Shepard dabei scheitert, auch wenn seine Geschichte an manche gelungenen Aspekte von Lord of War anzuknüpfen vermag. Woran Shepard scheitert, ist seine Ernsthaftigkeit, denn The Hunting Party ist zu ernst, um Satire zu sein und zu komisch um ein ernsthafter Thriller zu sein. Da eröffnet Shepard mit einer sehr unterhaltsamen Einleitung in der ein kiffender Gere mit Howard durch die Strassen rennt um wenige Minuten später in ernsten Bilden die zerschossenen Balkone und Häuser Sarajevos zu zeigen. Ein lustiger Ausraster von Geres Figur wird mit dem grausamen Bild einer erschossenen Schwangeren verknüpft. Dies hat Lord of War nicht versucht, sondern sich ganz auf den zynischen Charakter seiner Geschichte konzentriert. Shepard will dem humorvollen Aspekt von Andersons Artikel jedoch einen kriegskritischen Unterton verleihen, kommt damit jedoch beim Zuschauer nicht an. Wenn er aus dem Informanten Dragan die sieben Stunden lang vergewaltigte Mirjana macht, verliert er sich in seiner moralischen Botschaft (vor allem da Diane Kruger mit grauenhaftem serbischen Akzent redet).

Hätte man sich auf den Artikel und seinen Inhalt beschränkt, fünf Journalisten, die eigentlich Urlaub am Strand machen wollen, dann aus dem Suff heraus beschließen einen der meistgesuchten Kriegsverbrecher Europas ausfindig zu machen und dabei als Special Ops Team des CIA verwechselt werden, dann wäre ein großartiger Film dabei herausgekommen. Denn Shepard hat mit The Matador bewiesen, dass er diese Art von Humor umsetzen kann und hätte mit Greg Kinnear auch schon einen der Journalisten perfekt casten können. Die echten Journalisten waren weder zweimal kurz davor umgebracht zu werden, noch haben sie den Kriegsverbrecher gestellt. Elemente wie der Zwerg oder der Killer des Fuchses gehören vielleicht in den Bosnienkrieg, jedoch nicht in die Geschichte von Anderson. Dabei ist es bezeichnend, dass sich Hunt im Film erst gegen den Bosniengenozid stellt, als seine eigene Geliebte umgebracht wird – Musterbeispiel hierfür ist Duck, den dies nicht sonderlich gekümmert hat und auf den ein gut bezahlter Job und eine noch besser aussehende Freundin warten (aus welchem Grund diese eingefügt wurde, ist ebenso wie bei Krugers Figur ein Rätsel). Was bleibt ist ein zum Teil ernster Film über den Bosnienkrieg und seine Nachwirkungen und ein zum Teil lustiger Film über eine abgedrehte Verwechslungsgeschichte. Beides zusammen (und mit diesem Ende!) lässt sich jedoch nicht vereinbaren und so hat Shepard aus einer Geschichte mit höchstem Unterhaltungswert einen Film gemacht, der weder das eine noch das andere darstellt.

5.5/10