2. Dezember 2007

Mr. Magorium’s Wonder Emporium

Your life is an occasion, rise to it.

Insofern man das sagen kann, handelt es sich hierbei um meinen persönlichen Film 2007, also denjenigen, auf welchen ich mich am meisten gefreut habe. Da mir bereits der von Zach Helm geschriebene Stranger Than Fiction gefiel, hatte ich auch Vertrauen in sein zweites Projekt, allein des großartigen Titels wegen. Dabei markiert Mr. Magorium’s Wonder Emporium sein erstes Skript, dass er an 20th Century Fox verkauft hatte und an welchem er sich die Rechte nach der Vollendung von Stranger Than Fiction zurückholte. Der Film markiert auch Helms Regiedebüt, für das er neben Dustin Hoffman in der Hauptrolle, welcher bereits in der ersten Verfilmung von Helms Stoff mitwirkte, auch die atemberaubende Natalie Portman gewinnen konnte. Unterstützt werden die beiden von Arrested Development Star Jason Bateman und Newcomer Zach Mills, sowie in einem Kurzauftritt von Helms Freundin Kiele Sanchez, die den meisten durch die dritte Staffel von Lost bekannt sein dürfte. Bedauerlicherweise gehörte Mr. Magorium in Deutschland mal wieder zu den Filmen, die kaum Kopien erhielten und daher in meiner Region nur an einem einzigen Tag für eine Vorstellung gezeigt wurde.

Der stämmige Bellini wurde in dem Keller unter einem Spielzeugladen geboren und dort lebt er noch heute, um die Lebensgeschichte von Mr. Magorium aufzuzeichnen, dem Besitzer des Spielzeugladens. Mr. Magorium (Dustin Hoffman), manchen auch als Steve bekannt, ist stolze 243 Jahre alt und dennoch quietschfidel. In seinem magischen Spielzeugladen erwachen die Spielzeuge zum Leben und erfreuen groß wie klein. Geschäftsführerin des Ladens ist die als Pianistin gescheiterte Molly Mahone (Natalie Portman), die sich inzwischen fragt, was sie mit ihrem Leben anfangen soll. Mr. Magorium hat da ganz andere Pläne für sie und bestellt den Mutanten, bzw. Buchhalter, Henry (Jason Bateman) in seinen Laden, damit er den Laden rechtlich an Mahone abtreten kann. Während das neben Mr. Magorium und dem kleinen Hutnarren Eric (Zach Mills) sehr gefällt, hat nicht nur Mahone ernste Zweifel, sondern auch der Laden selber. Als Mr. Magorium sein Ableben vorbereitet, verschwindet die Magie aus dem Laden und scheinbar auch aus dem Leben von Mahone.

Besonders lobende Worte haben sich für den Film nicht gefunden, was mich jedoch nicht davon abgehalten hat, ihn mir dennoch anzuschauen. Und zugegeben, der Film schöpft seine Möglichkeiten und sein Potenzial nicht vollends aus, das merkt man ihm in manchen Szenen an. Wenn man im Hinterkopf behält, dass es sich um Helms erstes Skript und erste Regiearbeit handelt, sollte ihm dies dennoch zu verzeihen sein, da der Film seine Grundbotschaft dennoch erfolgreich transferiert. Man sollte der Magie wieder sein Herz öffnen und mehr das Kind in einem wecken, aufhören ein „Nur“-Mensch zu sein und alles in seine Einzelteile zu zerlegen. Nichts ist im Leben unbekümmerter, als ein Kind und von allen Figuren hat gerade der 243 Jahre alte Mr. Magorium am wenigsten scheu sich „kindisch“ oder peinlich zu verhalten, solange es ihm Spaß bereitet (und wohl auch die Ursache für sein hohes Alter sein dürfte). Auch Mahone muss die Erfahrung machen, dass Magie nicht das ist, was wir sehen, sondern das, was wir glauben oder zu glauben bereit sind. Während es Eric sehr viel leichter fällt, unterstützt von seinem Einzelgängerstatus, in der Welt von Mr. Magorium zu Hause zu sein, beginnt Mahone sich zu fragen, ob sie nicht endlich erwachsen werden und ebenjene phantastische Welt verlassen soll. Dabei sah Natalie Portman nie liebreizender und umwerfender aus, als in diesem Film.

Die Vergleiche mit Charlie and the Chocolate Factory finde ich dabei nicht angebracht, da Mr. Magorium weder versucht diesen zu kopieren und es auch nicht tut. Da erinnert die Botschaft doch sehr viel mehr an Finding Neverland, wo es ebenfalls darum ging, nicht den Glauben an die Magie der Phantasie zu verlieren. Da verwundert es auch nicht, dass Hoffman in jenem Film ebenfalls eine Nebenrolle hatte und auch bereits in Hook seinen Geist für phantastische Geschichten geöffnet hat. Viel büßt der Zauber des Filmes dabei bei seiner Synchronisation ein, was mitunter der Grund ist, weshalb ich Filme immer in der Originalsprache anzusehen empfehle. Mr. Magorium steht jedoch nicht hinter seinen Effekten zurück, sondern hat fraglos (s)eine eigentständige Geschichte, auch wenn man diese hätte besser ausarbeiten können. Helms Film gehört jedoch zu solchen phantastischen Werken, auf die man sich als Zuschauer wirklich einlassen muss, was erfordert das Kind in einem herauszuholen und nicht mit dem spröden Geist eines Erwachsenen an das Thema heranzugehen. Am Ende bleibt es – in meinen Augen – eine immer noch gelungene Fabel über Freundschaft und den Glauben an das Kind in uns, ein Thema über das man sicherlich nicht genug Filme drehen kann. Und wenn diese auch noch Natalie Portman aufbieten können, dann sind sie allemal wert gesehen zu werden.

6/10- erschienen bei Wicked-Vision

Kommentare:

  1. Von dem habe ich noch gar nichts gehört. Danke für den Tipp. Wobei ich mit den diversen "Kinderspielzeugfilmen" meine Probleme habe (TOYS bleibt eines meiner kritischsten Kinoerlebnisse, und das ist nun schon einige Jahre her). Aber wenn ich MMWE in der Videothek mal entdecken sollte, werde ich ihm eine Chance geben...

    ...und neuerdings auch auf Kyrilisch...stellst du bald den gesamten Blog um, dann muss ich doch nochmal schnell das Alphabet lernen ;-)

    AntwortenLöschen
  2. Der Wink mit CHARLIE ging wohl an mich, oder? ;)

    Dass du ausgerechnet bei diesem Film forderst, man soll seine pragmatischen Kritikpunktze mal daheim lassen und "einfach nur Menschsein", finde ich schon etwas seltsam, denn das hat FINDING NEVERLAND - auf den der sich hier sehr stark bezieht - zuletzt 100mal besser gekonnt. Dass Portman hier "nie liebreizender und umwerfender" ausgesehen habe, finde ich auch komisch, denn sie sieht aus wie ein Junge. Und spielen kann sie hier nicht besonders gut, was sich sehr schön an jenem Moment abzeichnet, in dem sie zum Schluss die Magie für sich entdeckt, das aber überhaupt nicht anders als zuvor spielt, sondern immer noch steif und jungenhaft. Wie soll man ihr den 'gebrochenen Bann' denn da bitte abkaufen?

    Und was Hoffman hier macht, ist eine groteske Robin Williams-Immitation, weshalb ich Jochens TOYS-Vergleich auch sehr passend finde.

    Ich hab's schon in meinem Blog gesagt und bleibe dabei: Der Film gign mir ganz schön auf die Nüsse (trotz Desplats schöner Musik).

    AntwortenLöschen
  3. @Jochen: Es ist griechisch, nicht kyrrilisch ;) - da ich das mit meinem Banner irgendwie verhauen hab, hab ich eben den Titel, der ohnehin aus dem Griechischen kommt, auf griechisch übersetzt.

    @MVV: Das mit CHARLIE hab ich auch noch woanders gelesen ;)
    Und natürlich kommt der Film nicht an NEVERLAND heran, ich meinte auch nur, dass er mehr diese Richtung wie die andere einschlägt.

    Dass die Portman wie ein Junge aussah kann ich nicht beurteilen, vielleicht wolltest du sie ja nur als solchen sehen ;) Aber das "Finale" spielt sie in der Tat etwas steif, da gebe ich dir Recht. Auf die Nüsse ging mir der Film aber nicht, auch wenn Helm ihn sicher besser hätte inszenieren können.

    AntwortenLöschen
  4. Asche auf mein Haupt! Ich muss gestehen, ich weiß auch bis heute nicht, worauf sich der Name deines Blogs bezieht. Ich vermute, es hat sich bislang keiner getraut zu fragen oder ich habe eine gewaltige kulturelle Lücke...klär mich/uns doch bitte mal auf, Rudi!

    AntwortenLöschen
  5. grammaton cleric03.12.07, 22:47

    Gute Frage, Jochen! :D

    AntwortenLöschen
  6. Once upon a time, in a galaxy far far away...

    Symparanekronemoi (Συμπάρανεκρονεμοι) gibt es per se nicht im Griechischen, entstammt aber nicht meinem Kopf, sondern dem von Sören Kierkegaard, bzw. seinem berühmten Werk "Entweder/Oder".

    Von seinem Wortstamm her bedeutet es "die Mitabgestorbenen", also Dinge die konsequenterweise mit anderen Dingen mitsterben.

    Der Titel hat aber an und für sich nichts mit dem Blog zu tun, sondern hat mir nur beim Lesen des Buches außerordentlich gefallen.

    Jetzt wisst ihr auch was sich in den Köpfen von Filmnerds die Philosophie studieren so abspielt ;)

    AntwortenLöschen
  7. Haha, nette Herleitung =)

    @Magorium: Hm...Da ich schon eine Abneigung gegenüber Natalie Portman habe und dieses überdrehte Kindsein-Getue nicht ausstehen kann, wird ein Kinobesuch sicherlich hier ausfallen ^^

    AntwortenLöschen