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15. Februar 2014

State of Play vs. State of Play

Das Remake gehört wohl zu Hollywood wie das Ei zur Henne. Schließlich hat auch Originalität ihre Grenzen. Daher nutzt die Traumfabrik gerne eigene Filme – insofern genug Zeit verstrichen ist, damit das Original bei der Zielgruppe nicht zu präsent wirkt – oder Werke aus dem Ausland, die von Erfolg gekrönt waren, als Ausgangsmaterial für ihre eigenen Produktionen. So auch vor etwa fünf Jahren, als Universal mit State of Play eine zweistündige Adaption der gleichnamigen fünfeinhalbstündigen BBC-Serie von 2003 in die Kinos brachte. Ein Trend, den zuletzt David Fincher mit House of Cards und demnächst Utopia weiterführt. Nur eben mit namhaften Schauspielern, die das Publikum auch sehen möchte.

So waren für State of Play zunächst Brad Pitt und Edward Norton in den Hauptrollen geplant, ehe Meinungsverschiedenheiten und Verzögerungen kurzfristig Russell Crowe und Ben Affleck ans Set von Kevin Macdonald spülten. Und obschon seine weniger als halb so lange Version von David Yates’ Serie nach Drehbuch von Paul Abbott bei den Kritikern gut ankam, floppte der Film sowohl in den USA als auch international an den Kinokassen (trotz fehlender Konkurrenz). Dabei macht Macdonalds Remake vieles – wenn leider auch nicht alles – richtig. Aber welche Version ist nun besser oder gut? An dieser Stelle soll wieder mal ein Head-to-Head feststellen, welche Geschichte in den Druck gehen darf.

The Reporter

Das Erbe von Woodward und Bernstein tritt in Paul Abbotts Geschichte der Reporter Cal McAffrey an, in der BBC-Version von John Simm (höchstens Doctor Who-Fans hierzulande ein Begriff) gespielt. Eher klein und schmächtig ist er bemüht, seinem alten Kumpel Stephen Collins, für den er einst Wahlkampf machte, über den plötzlichen Tod seiner Geliebten zu helfen. Nur um selbst mit Collins’ entfremdeter Gattin zu korpulieren. Was mehr Zeit beansprucht, als es sollte. Wenig nuanciert wird man mit Simm nicht so recht warm, auch nicht als investigativer Journalist. Das mag auch daran liegen, dass er diesen Job mit James McAvoy – dessen Figur im Remake ausgespart wurde – teilen muss. Günter-Wallraff-Faktor: 45%

Man kann verstehen, wieso fürs Remake zuerst an Brad Pitt gedacht wurde. Stattdessen gab kurzfristig dann ein löwenmähniger Russell Crowe den Schnüffler von der Zeitung, eingeführt als sich im Auto mit Junk Food vollstopfender Radio-Gröler. Immerhin sehen wir Crowes McAffrey weitaus mehr „Investigation“ betreiben, auch der Tatsache geschuldet, dass er mit Polizeiermittler Bell (hier: Harry Lennix) bekannt ist. Wenn Crowes Figur den Killer auf sich lenkt, dann nicht, während er sich gerade verlustiert. Insofern darf dieser Cal McAffrey ein glaubwürdigerer Journalist sein als sein britischer Kollege, eben weil er – wenn auch nicht unbedingt äußerlich – mehr dessen Bild entsprechen mag. Günter-Wallraff-Faktor: 55%

The Girl

Unfairerweise verdient sich Kelly Macdonalds Version der naseweisen Della schon allein deshalb einen Sonderpunkt, weil ihr schottischer Akzent im britischen Original ein Highlight für sich ist (nie klang das Wort “murder” schöner). Allerdings erfährt die Figur – wenn auch nachvollziehbar – einen leicht extremen Wandel von der selbstbewussten Schnüfflerin zur eingeschüchterten Petze, als ihr Leben während der Recherche in Gefahr gerät. Zwar fängt sich die Figur gegen Ende wieder etwas, doch da ist der „Vertrauensbruch“ bereits geschehen. Die zudem im Verlauf verstärkt subtil angedeutete sexuelle Spannung zwischen Della und Polizeichef Bell hilft dem Ganzen auch nicht wirklich. Tamara-Dewe-Faktor: 50%

In der US-Version avanciert Della schlauerweise zur Bloggerin der Zeitung, die sich den Respekt von Cal McAffrey erst durch Rechercheerfolge verdienen muss. Insofern nimmt sie eher die Funktion eines “rookies” ein, wenn auch ihre Recherche identisch mit der ihres britischen Pendants ist. So erklärt sich vermutlich, weshalb sie nach dem Krankenhaus-Attentat weniger eingeschüchtert als bestärkt wirkt, was sicherlich dem Film dienlich ist. Zwar nicht ganz so sexy wie Kelly Macdonald überzeugt die Dynamik zwischen McAdams’ Della und McAffrey mehr als in der BBC-Fassung. Selbst wenn ihre Beziehung später fast in romantische Bahnen gelenkt wirkt, was eher verstört. Tamara-Dewe-Faktor: 50%

The Politician

Die Rolle des sichtbar steifen, aber politisch vielversprechenden Regierungsvertreters übernahm in David Yates’ Serie David Morrissey (eher bekannt als “Governor” in The Walking Dead). Hier darf Morrissey noch am ehesten die ganze Palette seiner schauspielerischen Fähigkeiten zeigen, von verunsichert über erzürnt bis am Boden zerstört. Und obschon viel für Sympathiebonus seitens der Zuschauer für ihn spricht (Geliebte und Kind tot, Ehefrau schläft mit bestem Freund), vermag dieser Stephen Collins nie recht seine ihm angeheftete gewisse Durchtriebenheit abzulegen. Dies mag auch am Wissen um Morrisseys Walking Dead-Rolle liegen. Insofern also: politically correct. John Edwards-Faktor: 60%

Wer denkt, David Morrissey ist steif, hat die Rechnung ohne Ben Affleck gemacht. Zwar überzeugt Affleck – enormes Kinn hin oder her – als Kongressabgeordneter, nur vermag sein Spiel sich nie der Figur richtig zu öffnen. Dass er und Russell Crowe Uni-Kumpels sein sollen, erfordert ordentlich “suspension of disbelief”. Immerhin ist Afflecks Stephen Collins im Gegensatz zu seinem britischen Kollegen weitaus weniger präsent im US-Film und wirkt zugleich weitaus unschuldiger beziehungsweise weniger verdächtig. Was dem Twist zum Schluss sicherlich zuträglicher ist. Das fehlende Schauspiel Afflecks ist hierbei allerdings hinderlich, weshalb man mit Ed Norton besser gefahren wäre. John Edwards-Faktor: 40%

The Wife

Die Rolle der betrogenen Anne Collins fiel in der sechsteiligen Serie Polly Walker (bekannt aus der HBO-Serie Rome) zu. Was nicht ohne Probleme ist. Es mag zum Teil an ihrer Frisur liegen, aber Walkers Frau zwischen zwei Männern will in keiner Konstellation so recht überzeugen. Sie passt weder wirklich zu Morrisseys noch zu Simms Figur, was auch daran liegt, dass wir von ihrem Charakter wenig mitbekommen. Umso unerklärlicher ist ihr Wandel im Schlussakt, der sie von der Opferrolle eher in die Bitch-Ecke rückt. Sie ist im Grunde nur da, um als “sexual interest” zu fungieren – was für weibliche Figuren selten positiv endet. Insofern: viel “Screen time” für einen blassen Charakter. Jenny Sanford-Faktor: 40%

Noch blasser, wenn auch ansehnlicher, kommt Robin Wright im Spielfilm daher. Zwar hat auch ihre Figur eine Affäre mit McAffrey, immerhin jedoch nur in der Vergangenheit. So wundert man sich zwar, wieso Collins und der Reporter weiterhin befreundet sind, ist aber zugleich dankbar, dass der Film für Bettspiele keine Zeit opfert. Abgesehen von zwei Szenen, in denen auf dieser Affäre rumgekaut wird, hat Anne Collins nichts zu tun. Was sich grundsätzlich dadurch erklärt, dass die UK-Figur nur für Sex existierte und insofern für das Remake in Ordnung geht. Wrights Rolle bleibt ein Nicht-Charakter, aber immerhin einer, der nett aussieht und für den nicht mehr Zeit als nötig aufgewandt wurde. Jenny Sanford-Faktor: 60%

The Editor

Es gibt Schauspieler, die können wenig falsch machen. Der wunderbare Bill Nighy ist einer von ihnen. Denn als scharfzüngiger Herausgeber im BBC-Original ist sein Cameron Foster eher einer von der Truppe – die meist geschlossene Tür seines Büros zum Trotz. Mehr kumpelhaft kommt das Verhältnis mit McAffrey daher, zugleich hält Nighys Chef vom Dienst seiner Truppe den Rücken frei und übernimmt mehrfach aktiv eine Rolle in der Recherche. Hierbei fungiert Cameron durchaus auch als “comic relief” – gerade im Doppel mit Sohnemann Dan –, dennoch nimmt man Nighy seine redaktionelle Kompetenz durchweg ab. Entsprechend ist dies eine absolut atmende dreidimensionale Figur. Ben Bradlee-Faktor: 65%

Im Kinofilm übernimmt Helen Mirren die redaktionelle Aufgabe der Herausgeberin. Darunter leidet am meisten die Beziehung zu ihren Reportern, wirkt Mirrens Cameron doch oftmals wie der Redaktion aufs Auge gedrückt denn als Teil von dieser. Das mag auch der Tatsache geschuldet sein, dass Cameron im Film weniger direkt in die Recherche eingebunden ist, somit eher eine passive Rolle einnimmt. Der Großteil der Figur wird für den Sub-Plot der heimgesuchten Medienkrise aufgewandt, was zwar seine eigenen Vorzüge hat (s. The Tone), worunter jedoch die Ausarbeitung des Charakters leidet. In ihrer Funktion als Herausgeberin ist Cameron aber durchaus glaubwürdig. Ben Bradlee-Faktor: 35%

The Middleman

Das Zünglein an der Waage in Paul Abbotts Handlung gibt derweil der windige bisexuelle Mittelsmann Dominic Foy, im Original von Marc Warren als blonder Pimp gespielt. Über mehrere Episoden müssen McAffrey, Della und Co. diesen erst in eine Position bringen, in der er die politischen Verwicklungen um Collins’ tote Geliebte aufklärt – ehe dieser ihm den Kiefer zerdeppert. Auch wenn Foy als Witzfigur angelegt ist, will man nicht so recht glauben, welche Rolle der Figur hier zugeschrieben wurde. Was zum Teil auch an Warren selbst liegt. Grundsätzlich wird auf seinen Charakter jedoch, wie auch auf den von Anne Collins, für nur bedingten Erlös generell zu viel Zeit vergeudet. Tirath Khemlani-Faktor: 40%

Weniger wie ein Zuhälter aber nicht minder flamboyant kommt Jason Batemans Interpretation der Rolle daher. Ähnlich wie bei Robin Wright wird für ihn nur wenig Zeit aufgespart. Zwar immer noch mit dem Makel der Witzfigur behaftet, wird sein Dominic Foy zumindest als das behandelt, was er ist: ein Mittel zum Zweck, um die Handlung auf die Zielgerade zu bringen. Dies geschieht zugegeben relativ schnell – und als off-screen eingefangenes Geständnis auf Videoband –, ist jedoch dadurch verzeihbar, dass man so ein wohl bis zu einstündiges Katz-und-Maus-Spiel vermieden hat. Insgesamt kommt dieser schmierige Mittelsmann dennoch kompakter und somit konsequenter daher. Tirath Khemlani-Faktor: 60%

The Tone

Ein Merkmal der 2003er BBC-Serie ist nicht nur der heutzutage fast als Standard zu findende Newsroom in der Redaktion, sondern auch die Einbindung von Humor in die Handlung. Dies mag angesichts der politischen Verschwörung und der daraus resultierenden Toten zwar verwundern, ist dennoch aufgrund der Protagonisten wie McAvoys Dan Foster, Rebekah Statons Liz oder Sean Gilders Sergeant ‘Chewy’ Cheweski ganz amüsant. All diese Figuren fehlen natürlich im US-Remake. Von Westminster und der Zeitungslandschaft kriegt der Zuschauer dennoch nur bedingt etwas mit, wenn auch zumindest Vorgehensweisen von Letzterer in der ersten Hälfte eine Rolle spielen. Reality-Check-Faktor: 40%

Zwar ist Humor in Kevin Macdonalds Version kein Fremdkörper, sondern gerade im Zusammenspiel zwischen Russell Crowe und Rachel McAdams ein wiederkehrendes Element, dennoch vergeudet der Film keine Zeit darauf. Erfrischend, wenn auch leicht altbacken, ist der in die Handlung verwobene Subplot der Medienkrise, die sich in Faktoren wie Facelifts für den Zeitungskopf oder Dellas Funktion als Bloggerin niederschlägt. Zum US-Kongress erhalten wir zwar auch hier keinen Einblick, dafür erfährt der Plot mit der Privatisierung durch Sicherheitsunternehmen à la Blackwater wie im Falle der Medienkrise ein zeitgenössisches Update. Eine gelungene Neuausrichtung der Handlung also. Reality-Check-Faktor: 60%

Fazit

Die britische TV-Fassung überzeugt dadurch, dass die Recherche über eine Woche verteilt wird, während die Adaption sie auf zwei Tage komprimiert. Aber dies schien nötig, um dieselbe Geschichte in weniger als der Hälfte der Zeit zu erzählen. Leider ging so manch liebenswerte Figur verloren, glücklicherweise aber auch viel Ballast. Die jeweilige Besetzung nimmt sich nur bedingt etwas, Andrew Macdonalds Film wirkt jedoch aktueller. Wer sich also nur für die Geschichte von State of Play interessiert, darf dem amerikanischen Film-Remake den Vorzug geben. Dieses setzt sich mit 5:3 im Head-to-Head durch. Winner on points: State of Play (US-Film)!

28. Februar 2011

The Complete: Arrested Development

Come on!

Nach drei Staffeln von Mitchell Hurwitz’ Sitcom Arrested Development drückt sich meine Haltung zur Show am ehesten in einer Umformulierung des Serien-Intros aus: “now the story of a highly praised sitcom which won over everyone, and the one viewer who had no choice but to keep it together”. Die Serie taucht gerne auf Bestenlisten auf, zählt für TIME zu den 100 besten Fernsehserien aller Zeiten (“characters and laughs genuine“) und ist auch für die britische Empire die 18. gelungenste Show, die je im TV zu bewundern war (“some of the sharpest comedy writing of all time”). Dabei kann ich nach Sichtung der 53 Folgen weniger die Lobeshymnen verstehen, als vielmehr die Einstellung der Show 2006.

Mitinitiiert von Hollywood-Regisseur Ron Howard verfolgt die Sitcom die Immobilienfirma der Blooth Company, deren Oberhaupt George Blooth (Jeffrey Tambor) in der Pilotfolge wegen Betrugs ins Gefängnis wandert. Entgegen seiner Erwartung wurde der zweitälteste Sohn Michael (Jason Bateman) zuvor nicht der Nachfolger seines Vaters, sondern seine Mutter (Jessica Walter). Mit der Verhaftung von George und der “wealthy family“, die droht, alles zu verlieren, kommt nun Michael ins Spiel - “the one son who had no choice but to keep them all together“. Dessen Versuche die Firma zu retten, finden weniger im Büro als zu Hause statt, wo die Lebensstandardverwöhnten Verwandten das Chaos beschwören.

Im pseudo-dokumentarischen Stil verfolgt Arrested Development dabei mit Handkameras die illustre Familie von Michael. Vom narzisstischen Hobby-Magier und älterem Bruder Gob (Will Arnett), über die verhätschelte Hobby-Aktivistin und Zwillingsschwester Lindsay (Portia de Rossi) sowie deren Ehemann, Ex-Psychologe und Hobby-Schauspieler Tobias (David Cross), und Tochter Maeby (Alia Shawkat), bis hin zum jüngeren Muttersöhnchen Buster (Tony Hale) und Michaels eigenem Nachwuchs, George Michael (Michael Cera). Jede Menge Figuren also, die bisweilen - ihrer einfaltslosen Destruktivität entsprechend - von ihrem nichtsnutzigen Anwalt Barry Zuckerkorn (Henry Winkler) komplettiert werden.


Arrested Development - Season One

Die erste Staffel beginnt durchwachsen. Zwar stellt die zweite Folge (Top Banana) bereits eine viel versprechende Verbesserung dar und in der fünften Episode, Visiting Ours, findet sich die überzeugendste Folge der gesamten Serie, dennoch schwanken die übrigen 20 Episoden auf einem schmalen Grat der Durchschnittlichkeit. Die meisten Charaktere verfolgen ihre eigene Nebenhandlung, sei es Buster, der unbeabsichtigt eine Affäre mit Lucille (Liza Minelli), der gleichnamigen Nachbarin und Nemesis seiner Mutter, beginnt oder Tobias, der versucht, an erste Rollenangebote zu kommen und dabei Bekanntschaft mit Rocky-Darsteller Carl Weathers macht. Währenddessen versucht Michael, die Firma zu konsolidieren.

Viel Humor wird am Anfang durch die Gefängnisbesuche von Michael erzeugt, wenn George zeigt, dass er sich bestens akklimatisiert hat (“I’m doing the time of my life“) und etabliert wird, dass Henry Winkler in der Tat gar nichts von seinem Job versteht. Zugleich findet sich bereits hier der Beginn der zweitlängsten Story Arc der Serie, wenn sich George Michael in seine Cousine Maeby verknallt. Für den treudoofen Michael Cera, der seither stets dieselbe Rolle zu spielen scheint, eine merklich unangenehme Situation, aus der Arrested Development bis zum bitteren Ende Kapital schlagen will. So simpel Ceras Spiel auch ausfällt (ihm langen zwei Mienen), zeugt er von der überzeugenden Besetzung der Serie.

Sei es der selbstgefällige Will Arnett, der einfältige David Cross oder die kalkulierte Jessica Walter. Punktgenau wurden die Rollen gecasted, von denen Jason Bateman noch am meisten das Nachsehen hat. Obschon sein Michael mit die geerdetste Figur zu sein scheint, ist er es zugleich, der von allen Charakteren am unsympathischsten erscheint. Seinen Sohn vernachlässigt er über weite Strecken ebenso effektiv wie dies bei seinen eigenen Eltern der Fall der Fall war und auch von seiner Schwester und deren Gatten nicht minder effektiv praktiziert wird. Gelegentlichen Zuwachs erfährt das Ensemble zudem durch Gastdarsteller wie Heather Graham,  Julie Louis-Dreyfus, Jane Lynch, Judy Greer oder Amy Poehler.

Letztere beiden fügen sich noch am gelungensten in die fremde Umgebung ein, wobei Poehler es auch leicht gemacht wurde, da sie nur über Szenen mit Ehemann Arnett verfügt. Das grundsätzliche Rezept der ersten Staffel (wie auch der Serie) ist Redundanz - und das geht im Ansatz sogar überraschenderweise auf. Sei es der wiederkehrende Gag mit dem neuen Adoptivsohn der Familie (“Annyong“) oder die Gefängnispolitik der körperlichen Nähe (“No touching!“). Die wenigen netten Momente der meist unterdurchschnittlichen Folgen (lediglich Shock and Aww ragt noch etwas heraus) können jedoch nicht darüber hinweg trösten, dass Arrested Development in seinem ersten Jahr ausgesprochen beliebig ausgefallen ist.

6.5/10

Arrested Development - Season Two

War die erste Staffel davon bestimmt, dass Michael bei seinen Verwandten den finanziellen Gürtel enger schnallt, so rückt die zweite Staffel nach der Flucht von George aus dem Gefängnis den Bruderzwist zwischen Ältesten und Zweitältesten in den Blickpunkt. Gob wird zum neuen Präsidenten ernannt - allerdings mehr als Aushängeschild, leitet Michael doch weiterhin die Geschicke. Zudem wird das Ensemble um ein zusätzliches Mitglied erweitert, wenn George Michael in Ann (Mae Whitman) seine erste eigene Freundin ergattert. Eine kriselnde Liebe dagegen erwartet endgültig Lindsay und Tobias, die zwar extrem erfolglos, aber dennoch bestimmt eine offene Beziehung als Ausweg für ihre Probleme etablieren.

Im zweiten Jahr steigert sich Arrested Development merklich, ohne jedoch deswegen sonderlich gelungen zu sein. Durch den stärkeren Fokus der meisten Handlungsstränge (Michael vs. Gob, George Michael ♥ Ann, Maeby & Filmbusiness) wirkt die Serie stringenter und weniger willkürlich, unabhängig davon, dass manche der Nebenhandlungen - insbesondere Tobias’ Bestrebungen, der Blue Man Group beizutreten - eher an den Nerven als an den Lachmuskeln zerren. So wird unter anderem auch Buster etwas geschliffen, wenn er zuerst von seiner Mutter Lucille in die Armee eingeschrieben wird und später seine rechte Hand an einen Seelöwen verliert. Zudem gibt es ein Wiedersehen mit alten Bekannten.

Die meisten Gastdarsteller des Vorjahres geben sich erneut die Ehre und werden dieses Mal unterstützt von manchem größeren Kaliber wie Thomas Jane, bis hin zu Ben Stiller oder Zach Braff. Besondere Präsenz zeigt dabei Mae Whitman, deren Integration als Ann (“Who?“) ebenso für einen weiteren gelungenen wiederkehrenden Gag herhält, wie auch Maebys Anstellung als Studioproduzentin (“Marry me!“). Es sind folglich erneut die redundanten Witze, die zum Fundament der Serie zählen, wie zum Beispiel der später einarmige Buster oder auch das Familiencharakteristikum, wie ein Huhn zu tanzen, um in den häufigsten Fällen Michael zu vermitteln, dass man ihn für ein feiges Huhn hält (siehe Ready, Aim, Marry Me).

Zwar vermeidet Hurwitz in der zweiten Staffel grobe Ausreißer nach unten (wie im Vorjahr im Mittelteil aufgetreten), eine wirklich überzeugende Folge will ihm jedoch ebenfalls nicht gelingen. Es sind eine handvoll Episoden wie Ready, Aim, Marry Me, Sword of Destiny oder Afternoon Delight, die etwas stimmiger geraten sind als ihre übrigen Kollegen. Insgesamt ließ sich also eine Steigerung verzeichnen, dank charakterlicher Entwicklungen insbesondere auch für Georges Zwillingsbruder Oscar (Jeffrey Tambor), dem im dritten und finalen Jahr ein besonderes Schicksal blühen sollte. Denn es deutete sich bereits an, dass Arrested Development trotz elf Emmy-Nominierungen seinem Ende entgegen sah.

7/10

Arrested Development - Season Three

Aller guten Dinge sind drei. Denn im dritten Jahr war dann Schluss mit Arrested Development, Kritikerlob hin oder her. Die Quoten waren eingebrochen, um ein ganzes Drittel, was zur Halbierung der georderten Episoden führte. Dass der ausstrahlende Sender Fox an dem ganzen Malheur nicht unschuldig ist, soll nicht bestritten werden, platzierte man die Sitcom im dritten Jahr doch auf denselben Sendeplatz wie das montagabendliche Footballspiel. Wohingegen einer wenig gesehenen, aber hochgelobten Sitcom wie 30 Rock bei NBC die Treue gehalten wird (ob zu Recht sei dahingestellt), wird man dagegen bei Fox abgesägt (ein Schicksal, das dort zuvor bereits Family Guy und Futurama ereilte).

Rückblickend kann - zumindest von meiner Seite aus - gesagt werden, dass dies im Falle von Mitchell Hurwitz’ Show eine richtige Entscheidung war. Denn die dritte Staffel, reduzierte Episodenzahl hin oder her, unterbot nicht nur das zuletzt relativ gelungene zweite Jahr, sondern zugleich noch die Pilotstaffel. Als Ursache hierfür lassen sich zwei Nebenhandlungen ausfindig machen, die zum einen weder interessant noch amüsant waren und zum anderen viel zu lange ausgewälzt wurden. So gibt Charlize Theron in fünf Episoden ab For British Eyes Only eine geistig zurückgebliebene Britin (und untermauert zugleich, dass sie absolut kein humoristisches Talent verfügt), mit der Michael eine Verlobung eingeht.

Des Weiteren tritt Scott Baio als neuer Anwalt der Familie auf, der zum einen die Blooth Company als solche berät, aber auch Lindsays und Tobias’ Scheidung voranbringen soll. Vorhergehende Story Arcs wie Busters Armeeverpflichtung oder die Gefühle von George Michael und Maeby werden fortgeführt, während der amüsanteste Subplot eines fälschlicher Weise inhaftierten Oscar (“I’m Oscar.com“) gleich zu Beginn zu finden ist. Ansonsten rettet sich Arrested Development im dritten Jahr in die Durchschnittlichkeit, der Vollständigkeit halber ließe sich For British Eyes Only noch als „Höhepunkt“ bezeichnen, obschon das euphemistisch ausgedrückt wäre. Am Ende hat es wohl einfach nicht sollen sein.

Dabei ist Arrested Development nicht zwingend eine schlechte Sitcom. Hurtwitz implementierte viele nette Ideen, deren Qualität sich in ihrer Redundanz zeigte. Egal ob die Namensgebung von George Michael, das sprachkulturelle Missverständnis um Annyong (der leider im Lauf der zweiten Staffel verschwand) oder Michaels Ablehnung von Ann. Der Humor der Show brillierte immer wieder kurz auf, doch wirkte dies stets wie ein Flackern in einer erlöschenden Glut. Irgendwie ans Herz gewachsen ist die Show aber dann doch, weshalb der seit Jahren diskutierte (und angeblich nächstes Jahr startende) Kinofilm von mir ebenfalls konsumiert werden wird. Ich bin eben schlussendlich doch ein feiges Huhn. Coo-coo-ca-cha!

6.5/10

13. Juli 2010

Extract

Ein Blick auf die Vita von Mike Judge verrät: er kann kein Schlechter sein. Vater der legendären Slacker Beavis & Butt-Head, sowie verantwortlich für den amerikanischen Kult-Büro-Film Office Space sowie die gelungene Bildungsabrechnung mit seinem eigenen Land, Idiocracy. Umso unbeeindruckender sah vor einiger Zeit der Trailer zu Extract, Judges Neuem aus. Desto verständlicher ist, dass der Film es in Deutschland nun nicht in die Kinos, sondern direkt auf DVD schafft. Denn Judge weiß weder mit interessanten Figuren aufzuwarten, noch mit dem Ansatz einer Geschichte. Ausführlicher findet sich das Ganze beim Manifest.

5/10

27. Januar 2010

Up in the Air

I call it Airworld, the scene, the place, the style.
(Up in the Air, p. 7)

In David Finchers Fight Club führt der namenlose Held im ersten Akt der Geschichte das Publikum in seine Welt ein. Er arbeitet für eine Autoversicherung, was dazu führt, dass er viel reisen muss. Hauptsächlich per Flugzeug. „The people I meet on each flight … they’re single-serving friends. Between take-off and landing we have our time together”, erklärt er. Die Nebensitzer verkommen in Fight Club zu einem Angebot, ähnlich wie der Kaffee, die Kaffeesahne oder das Cordon Bleu aus der Mikrowelle. Etwas für den Augenblick also. Anders in Walter Kirns Roman Up in the Air, der zwei Jahre nach dem Filmstart von Fight Club erschien. Für Kirns Hauptfigur Ryan Bingham sind die anderen Passagiere des Flugzeuges nicht nur einmalige Bekanntschaften, sondern viel mehr als das. „Fast friends aren’t my only friends, but they’re my best friends“, erläutert Bingham auf Seite 6. Einer von vielen Sätzen, die diese Figur charakterisieren.

Die Menschheit lebt im Hochgeschwindigkeitszeitalter. Wo ein Fax bereits veraltet ist und Twitter als schnellstes Medienformat gilt. Selbstverständlich, dass das Flugzeug hier aufgrund seiner Schnelligkeit zu den bevorzugten Transportformen zählt. Sehnt sich Edward Nortons Figur in Fight Club danach, dass sein Flieger mit einer anderen Maschine kollidiert, stellt der Luftraum für Ryan Bingham sein Zuhause dar. Er nennt es „Airworld“ und bezeichnet dieses als „nation within a nation“. Mit eigener Sprache, Architektur, Stimmung und insbesondere: Währung. Die Flugmeilen, die Bingham inzwischen „[has] come to value more than dollars“. Kirns Up in the Air ist eine Charakterstudie, über einen Mann, gefangen im System. Wer in Airworld überleben will, muss up to date sein. „This is the place to see America“, legt Kirn seiner Figur auf Seite 42 in den Mund. „Not down there, where the show is almost over.“ Wenn jemand nun zentriert auf engem Raum lebt, beginnt er den Überblick über das Ganze zu verlieren.

Ryan Bingham ist von Beruf ein sogenannter career transition counsellor. Oder ganz einfach ausgedrückt: Jemand, der angeheuert wird, um Menschen zu entlassen. In Kirns Roman wird Bingham nun mit relativ wenig Mitgefühl für die Personen versehen, die er aus ihrem Job befördert. „It’s a job I fell into because I wasn’t strong, and grew to tolerate because I had to“, entschuldigt sich Bingham gleich zu Beginn auf Seite 4. Während des gesamten Romans, erlebt man nicht ein einziges Mal, wie Bingham eine/n MitarbeiterIn entlässt. Was nicht bedeuten soll, dass ihn sein Beruf kalt lässt. Im Gegenteil, umfasst die Romanhandlung doch Binghams letzte Arbeitswoche, bevor sein Vorgesetzter seine eigene Kündigung vorfindet. Wie angesprochen ist Up in the Air eine Charakterstudie und zugleich Vorlage für einen gleichnamigen Film, der nun unter der Regie von Jason Reitman in die Kinos kommt. In Zeiten der Wirtschaftskrise fühlte sich Reitman, zuvor bereits durch Thank You For Smoking auf dem Pfad der Literaturadaption bewandert, nun verpflichtet, den Fokus weg von Bingham zu lenken und sich stattdessen auf seine Tätigkeit zu fokussieren.

Der deutlichste Unterschied zum Roman ist nun die Tatsache, dass Reitmans Film mehrfach von Kündigungsgesprächen unterbrochen wird. Sieht man von einigen Gaststars (Zach Galifianakis, J.K. Simmons) ab, wurden alle entlassenen Personen von realen Menschen gespielt, die selbst zuvor ihren Job verloren hatten. Was sich Reitman dabei gedacht hat, bleibt zu hinterfragen, wirken diese dokumentarischen Szenen nicht nur ungemein gestelzt, sondern die gesamte Idee ist letztlich schlicht und ergreifend redundant und vollkommen unerheblich. Die Entlassenen reagieren, wie man es von Entlassenen erwarten würde und sprechen Dinge an, die man selbst ansprechen würde, würde man entlassen werden. Man mag sich somit denken, weshalb es Kirn selbst bei Einschüben wie „free agency“ und „self-directed professional enhancement“ beließ, summieren diese Begriffe doch mehr als deutlich die Perversität von Binghams Beruf.

Beschwor Kirn die Studie eines von Flugmeilen und Jobangeboten Besessenen, forciert Reitman in Up in the Air seinen Blick auf die einsamen Seelen, die in Airworld sprichwörtlich auf der Strecke bleiben. Aufgezogen nach klassischem Hollywood-Muster präsentiert Reitman eine Tragikkomödie, in der niemand bindende Verpflichtungen eingehen und zugleich auch nicht alleine enden will. Da wird George Clooney zum charmanten Ryan Bingham, der sinn- und zusammenhangslos Zitate aus Kirns Roman um sich wirft und Vera Farmiga portraitiert eine Nebenfigur, die zur Filmmutter hochstilisiert wird. Um das Familienbild zu komplettieren, gibt Twilight-Darstellerin Anna Kendrick noch das nervtötende Kind, indem sie Clooney als Assistentin zur Seite gestellt wird, damit dieser sie anlernt. Clooney selbst wird mit seinen 48 Jahren in eine Coming-of-Age-Geschichte gezwängt, in welcher der überzeugte Einzelgänger und Single Bingham lernen muss, sich zu öffnen. Ganz speziell natürlich seinem weiblichen Pendant Alex (Vera Farmiga).

Weder die gesponnene Affäre mit Alex, noch die allmähliche Aufweichung von Binghams harter Schale mag im Film überzeugen. Reitman fehlt ein attraktiver Fokus, der seine vorhersehbare Geschichte schmackhaft macht. Doch nicht einmal für seine Sozialkritik in Form der mannigfachen Entlassungen scheint er sich richtig zu interessieren. Stattdessen flüchtet sich das schwache Drehbuch in Plattitüden und bedeutungslose Nebenfiguren wie sie von Jason Bateman als Binghams Vorgesetzter und Danny McBride als Schwager in spe dargestellt werden. Selbst die Wendung zum Schluss vermag nichts mehr zu retten, zu uninspiriert und zusammenhangslos präsentierte Reitman in den neunzig Minuten zuvor sein Konglomerat aus filmischen Versatzstücken. Der Film vermisst eine klare Linie, eine Haupthandlung, an der sich nicht nur das Publikum, sondern auch die Figuren letztlich orientieren können. Viel zu oft wirkt Up in the Air dadurch weniger wie ein Geschäftsflug, denn mehrere spontane Last-Minute-Trips.

So strukturiert sich Reitmans Drehbuch um zwei unterschiedliche Aspekte - beide in Kirns Roman von geringerer Bedeutung -, die er hintereinander abhandelt. Zuerst wäre da die Wirtschaftskrise, die Massenentlassungen des Arbeitsmarktes und die Perversität, in der die nun hier Hand in Hand geht. Ist der technologische Wandel, die profession efficiency, im Film etabliert, Bingham als reisender Jobentlasser nunmehr entlastet, rückt Reitman das romantische Element in den Vordergrund, die emotionale Katharsis der Titelfigur. In Handkamerabildern, unterlegt mit Indie-Pop-Musik, an den Vorjahresfilm Rachel Getting Married von Jonathan Demme erinnend, zentriert Reitman schließlich die love story, das vermeintliche happy end. All die Arbeitslosen, die Finanzkrise, die eigene Firmenumstrukturierung, sprich: all das, was Up in the Air in der vorangegangenen Stunde ausgemacht hat oder haben soll, ist für den dritten Akt unerheblich geworden. Ansatzpunkte waren vorhanden (auch aus dem Roman, man denke nur an das frühzeitliche „Can, sir?“), verpuffen allerdings in Reitmans Adaption.

„To know me you have to fly with me“, lautet der erste Satz in Kirns Roman, den Clooney in den ersten Minuten leicht abgewandelt wiedergeben darf beziehungsweise der in seiner Vollständigkeit in einer geschnittenen Szene auftaucht (die es ruhig in den Film hätte schaffen dürfen). Für einen Film, der sich Up in the Air nennt, spielt sich das Geschehen jedoch hauptsächlich im realen Leben auf der Erdoberfläche ab. Auf Partys in Miami, in Firmengebäuden, Schulen und auf Hochzeiten. Was im Nachhinein von einem durchaus unterhaltsamen und über weite Strecken überzeugenden Roman übrig bleibt, sind die Namen von fünf Charakteren, eine Handvoll Zitate, die wahllos zwischen gestreut werden und die Rahmenhandlung eines Mannes, dessen Job darin besteht, anderen Menschen ihre Arbeitslosigkeit mitzuteilen. Aus diesen Zutaten ist es Reitman jedoch nicht gelungen, in Eigenkomposition irgendetwas Nahrhaftes zu kreieren. Insofern lässt sich Up in the Air weniger Ryan Binghams Schublade der „fast friends“ zuordnen, sondern Reitmans dritter Spielfilm ist letzten Endes ein „single-serving friend“, dem man nur zwischen Öffnen und Schließen der Vorhänge Aufmerksamkeit schenkt.

4.5/10

13. Juni 2009

State of Play

Ausnahmen bestätigen zwar die Regel, aber für gewöhnliche kommen US-Remakes nie an ihr ausländisches Original heran. Umso erfreulicher, dass Andrew Macdonald eine nahezu perfekte Adaption gelungen ist. Denn sein namhaft besetzter Thriller (u.a. drei OscarpreisträgerInnen) befreit Paul Abbotts Vorlage von all ihren unsäglichen Nebenplots. Denn durch die Straffung der Handlung um gut 60 Prozent, weiß State of Play sogar zu fesseln. Ungemein gelungen ist auch die Einbindung der aktuellen Medienkrise in das Szenario. Wieso, weshalb und warum dies alles so ist, wie ich es hier vom Berg schreie, kann man beim MANIFEST nachlesen.

8/10

11. August 2008

Scrubs - Season Five

That’s so funny!

Für viele Menschen markiert 30 das Alter, an dem die finale Wende von jugendlicher Sorglosigkeit zum pflichtbewussten Erwachsenen abschließt. Man betritt das zweite Drittel seines Lebens, beginnt an Kinder und Familie zu denken und ein Wunsch nach Absicherung tritt ein. Kein Wunder also, dass auch in Bill Lawrences fiktivem Krankenhaus Sacred Heart die Ärzte in ihrem fünften Jahr beginnen, ernstere Pläne zu treffen. Dies trifft, wie in den Vorjahren von Scrubs bereits oft geschehen, primär auf Turk (Donald Faison) und Carla (Judy Reyes) zu, die in dieser Staffel alles daran setzen, ein gemeinsames Kind zu zeugen. Auch Elliot (Sarah Chalke) macht weitere Schritte in ihre Zukunft, selbst wenn sie dafür in der ersten Hälfte der fünften Staffel erst einen Schritt zurück machen muss.

Auf der Strecke bleibt wieder J.D. (Zach Braff), der zwar die Zeichen der Zeit erkannt hat, dennoch in seiner Entwicklung stagniert. So muss er sich in My Day at the Races damit auseinandersetzen, dass er 30 wird, ohne das Meiste von dem erreicht zu haben, was er sich vorgenommen hatte. Es ist wie so oft sein Wunsch nach einer Familie, der sein emotionales Zentrum darstellt. Insofern erklärt sich auch seine überstürzte Beziehung in der Staffelmitte mit Julie (Mandy Moore), einer schusseligen Patientennichte. Voreilig kauft sich J.D. ein Grundstück, nur um kurz darauf festzustellen, dass seine 23-jährige Freundin vorerst noch keine Kinder in ihr Leben einplant. Zu wenig für den charmanten Jungarzt, der endlich auch das haben will, was sein Kumpel Turk bereits hat.

Dass er sich dabei zumeist selbst ein Bein stellt, wird speziell in der sechsten Staffel deutlich werden. Bis dahin bleibt er jedoch der einsam Suchende, bekommt doch auch Elliot mit Assistenzarzt Keith (Travis Schuldt) einen neuen Freund an die Seite gestellt. Gerade durch Keith – im Staffelauftakt My Intern’s Eyes in der Ego-Perspektive eingeführt – erhalten die neuen Assistenzärzte mehr Präsenz in Scrubs, aber auch Folgen wie My Cabbage widmen sich etwas ausführlicher der frischen Garde am Sacred Heart. Es sind jedoch nur kleine eingestreute Momente, die weiterhin um die (berufliche) Beziehung von J.D. und seinem Mentor – und nunmehr Kollegen – Dr. Cox (John C. McGinley) kreisen. Denn so nah wie in der fünften Staffel waren sich die beiden Ärzte wohl bisher noch nie.

Nähe finden die zwei Charaktere meistens in Form von Verlusten, die sie selbst oder durch Patienten erleiden. Darunter wenn sich J.D. wie Dr. Cox in einer Art Doppelfolge Selbstvorwürfe machen. Zeugte My Lunch von einer erneuten Rückkehr von Nicole Sullivans Kultpatientin Jill – die erneut konträr zur ihrem Seriendebüt nicht von Elliot behandelt wird – und ihrem überraschenden Tod sowie daraus folgenden Zweifeln seitens J.D., ist es der Staffelhöhepunkt My Fallen Idol, der sich daraufhin Dr. Cox’ Innenleben widmet. Obschon es sich hierbei um eine grundsätzlich trübsinnige Folge handelt, schafft es Scrubs auf gewohnte Weise dennoch viele humoristische Momente wie den Eselsjungen auf der Intensivstation oder den emotionalen Dr. Stone (Paul Adelstein) zu integrieren.

So überzeugend die fünfte Staffel ausfällt, schafft es aber nur My Bright Idea noch in ähnliche Sphären wie My Fallen Idol vorzudringen. Die restlichen Episoden präsentieren sich dennoch meist stark, mit unvergesslichen Szenen wie Turks Kung Fu Fighting um eine Chirurgenstelle, Diskriminierung ob seiner afroamerikanischen Herkunft (“What’s up, dawg?”) sowie einige Einfälle von Janitor, sei es seine Pappmache-Armee von J.D. oder die Airband, die er später gründet. Für einige Lacher ist auch Gastdarstellerin Elizabeth Banks als Dr. Kim Briggs gut, die in den letzten beiden Folgen auftaucht und J.D. mit der Länge eines durchschnittlichen Penis und ihrer Hingabe zum Zooming schockiert.

Die Gastrolle von Banks sollte zu Beginn der sechsten Staffel erweitert werden, in der fünften Staffel wird ihre Präsenz komplettiert von den bereits angesprochenen Mandy Moore und Nicole Sullivan, dem wiederkehrenden Tom Cavanagh sowie Jason Bateman, Billy Dee Williams und Gary Busey. Was Filmzitate betrifft, sind derlei Referenzen im fünften Jahr eher rar gesät, sieht man von einer wiederholten Hommage an Raiders of the Lost Ark (inzwischen die Dritte im fünften Jahr) und der Folge My Way Home ab. Letztere orientiert sich inhaltlich wie optisch an The Wizard of Oz, ohne jedoch allzu sehr in das phantastische Element des Originals abzugleiten. Dass 24 Folgen ein paar zuviel sind, merkt man der Serie dieses Jahr durch Lückenfüller wie My Déjà Vu, My Déjà Vu an.

Wie gut die fünfte Staffel funktioniert, zeigt sich außerdem in der Hingabe an die vielen Nebendarsteller wie Doug (Johnny Kastl), Todd (Robert Maschio), Ted (Sam Lloyd) und Laverne (Aloma Wright), die neben den Hauptfiguren ihre Momente erhalten. Selbst der weitestgehend nervige Keith vermag hier wenig kaputt zu machen, obschon die Staffel ohne seine Boy-Toy-Figur wahrscheinlich besser ausgefallen wäre. Trotzdem reift die Serie weiter gemeinsam mit ihren Figuren, nimmt sich Zeit für diese und sorgt immer noch dafür, dass man sich als Zuschauer als Teil des Ganzen fühlt. Alles Eigenschaften, die Scrubs auch weiterhin zu einer besonderen Sitcom machen, sodass sich mein Gefühl für die Serie nicht besser ausdrücken lässt als mit den Worten von Janitor: ¡Tienes mi corazón!

8/10

29. Juni 2008

Hancock

Call me an “asshole“ one more time.

Schon allein der Untertitel zu Hancock ist großartig und packt vor allem die erste halbe Stunde genial in einen einzelnen Satz. Es gibt Helden, es gibt Superhelden und es gibt Hancock. Hier wird bereits impliziert, dass man es bei Hancock mit keinem gewöhnlichen (Super-)Helden zu tun hat. Dabei hat das Genre viele verschiedene Helden hervorgebracht, allen voran Strahlemann Superman, der Inbegriff des American Way of Life, immer korrekt, immer brav. Dann gibt es den verbitterten Batman, der den Glauben an die Menschen verloren hat und sein eigenes Gesetz propagiert. Den lockeren Spider-Man, ein Identifikationsfaktor für Nerds, die gegen Diskriminierung agierenden X-Men oder auch Hulk, den Inbegriff unterdrückter Wut und Aggression. Sie alle finden ihre Wurzeln in Comic-Bänden, die teilweise – im Fall von Superman und Batman – bereits siebzig Jahre in der Vergangenheit liegen. Andere, insbesondere die Marvel Helden, entstanden in den sechziger Jahren und beherrschen inzwischen durch die Spider-Man- und X-Men-Trilogie die Kinos. In dieses Monopol an Vorzeigehelden brach vor einigen Monaten ein etwas unkonventioneller Held. Doug Liman inszenierte in Jumper einen jungen begabten Mann, der seine außergewöhnliche Fähigkeit nicht zum Wohl der Menschheit einsetzte, sondern zur eigenen Bereicherung. Dadurch sticht Jumper aus der Masse der Superhelden-Filme hervor, auch wenn es ihm an einem guten Drehbuch gemangelt hat. Nun kommt aber Hancock, eine eigene Kategorie von Held und der Trailer zum Film machte Hoffnung auf einen Film, der zum Film des Jahres werden konnte. Vorab sei gesagt – er ist es nicht. Man muss aber zugestehen, dass dies durchaus im Bereich des Möglichen gewesen wäre, hätte man die zweite Hälfte des Filmes besser inszeniert. An dieser Stelle sei gesagt, dass der vorletzte Absatz Spoiler enthalten wird, da er sich mit Problemen des Filmes beschäftigt.

Seit einem Jahrzehnt existierte das Skript zu Hancock, welches damals noch Tonight, He Comes hieß und von Vincent Ngo verfasst wurde. Auch die Geschichte war damals noch eine andere, erzählte sie doch von einem 12jährigen Jungen, der eines Nachts Besuch von einem gescheiterten Superhelden erhält. Ngos Skript begeisterte damals Tony Scott und wurde später von Vince Gilligan, langjähriger Autor der Fernsehserie The X Files umgeschrieben. Zeitweilig waren Michael Mann und Jonathan Mostow als Regisseure im Gespräch, am Ende blieben sie als ausführende Produzenten an Bord. Letztlich wurde etwas Drama aus dem Drehbuch herausgenommen, der Titel dementsprechend geändert und nach der Hauptfigur benannt. Diese heißt John Hancock, scheinbar nach dem dritten Präsidenten des Kontinentalkongresses und erste Unterzeichners der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung benannt. Jene Unterschrift wurde so säuberlich verfasst, dass der Name „John Hancock“ in Amerika sinnbildlich für eine Unterschrift steht. Wieso Hancock allerdings heißt, wie er heißt, wird im Film nicht geklärt. Zugpferd des Filmes ist Hauptdarsteller Will Smith, praktisch der letzte Mohikaner in Hollywood, jedenfalls an den Kinokassen. In Zeiten in denen Tom Cruise und Brad Pitt nicht mehr die Massen in die Kinos locken, schafft es Smith quasi mit jedem seiner Filme die hundert Millionen Dollar Marke zu druchbrechen. Man muss hier aber zugestehen, dass im Gegensatz zu anderen Schauspielern seiner Altersklasse, Smith sich auf sein Mainstream-Publikum beschränkt. In Filmen wie Babel oder Lions and Lambs wird man den Afroamerikaner nicht finden können. Das höchste der Gefühle ist da schon ein Cameo in Kevin Smiths Jersey Girl, mit gutem Willem auch seine Nebenrolle in Robert Redfords The Legend of Bagger Vance. In jenem Film spielte auch Oscarpreisträgerin Charlize Theron mit, der auch in Hancock nur eine Nebenrolle bleibt. Der Star ist jedoch Smith alias Hancock.
  Man stelle sich vor, man verfüge über Superkräfte. Unsterblichkeit, Fliegen, unbegrenzte Kräfte – so etwas würde man wahrscheinlich zum Wohl der Menschen einsetzen. Wie Onkel Ben jedoch bereits Peter Parker erläuterte, kommt mit großer Macht auch große Verantwortung einher. Der frühere Schauspieler und jetzige Regisseur Peter Berg konzentriert sich in Hancock nicht darauf, wer Hancock (Will Smith) ist oder wie er seine Kräfte erhielt, sondern er springt wie Bryan Singer mit X-Men direkt in das Geschehen des Superhelden hinein. Eine Verfolgungsjagd auf dem Freeway, im Zusammenhang mit Feuergefecht, ein „Unterstützung! Unterstützung“ flimmert aus den Boxen. Die Kamera fährt auf den Helden des Filmes…auf einer Parkbank. Schlafend. Einen Rausch ausschlafend. Geweckt wird Hancock von einem kleinen Jungen, der über den Zustand des Superhelden nur den Kopf schütteln kann. Es gibt Helden, Superhelden und Hancock. Hancock ist kein verantwortungsbewusster Superheld, er ist Alkoholiker, ertränkt seinen Miesmut gegenüber der Welt in Whiskey. Es kotzt ihn an, dass er ständig für alle Probleme in die Bresche springen muss – aber er tut es. Mit einem desaströsen Absprung macht er sich auf in die Luft und zerstört dabei einen halben Häuserblock. Zu Ludacris’ „Move Bitch“ – wenn auch in entschärfter Form – fliegt Hancock in angetrunkenem Zustand hinter dem Fluchtfahrzeug her und bringt die Täter letztlich zur Strecke. Dabei verursacht er jedoch einen Schaden von neun Millionen Dollar, ein neuer persönlicher Rekord. Doch Hancock interessiert das nicht, genauso wenig die 600 Anzeigen, die sich inzwischen gegen ihn aufgetürmt haben. Er ist grob, unhöflich und meistens beleidigend, sowie latent aggressiv. Bei einer seiner missglückten Rettungsaktionen lernt Hancock dann den Gutmenschen und erfolglosen PR-Berater Ray Embrey (Jason Bateman) kennen. Dieser will sich um Hancocks Ruf bemühen und integriert ihn in seine eigene Familie. Dabei entwickelt Hancock dann Gefühle für Rays Ehefrau Mary (Charlize Theron). Beide birgt unerwarteter Weise ein Geheimnis.

Animositäten der Stadtbevölkerung gegenüber ihren Superhelden gab es bereits in Spider-Man oder X-Men, wirklich effektiv mit dem Thema beschäftigt hatte sich dann Brad Bird in seinem Pixar-Abenteuer The Incredibles. Weil die Superhelden dort mehr Schaden verursachte, als sie vermieden, wurden sie per Gesetzesentwurf „verboten“. Auch Hancock würden die Angelenos gerne loswerden, gerade dank seiner ekeligen Art ist dieser Superheld jedoch so sympathisch für den Zuschauer. Wenn es Superhelden gäben würde, dann wären sie wohl wie Hancock. Die Figur ist ungemein authentisch und passt damit perfekt in die skizzierte Handlung. Die erste halbe Stunde des Filmes ist grandios und wird hierbei unterstützt von einschlägigen HipHop Songs sowie Liedern von John Lee Hooker. Um ein Schritt auf die Bevölkerung von Los Angeles zu machen und der Stadt zu beweisen, dass sie ihn braucht, lässt sich Hancock in das örtliche Gefängnis einsperren. Auch hier weiß Bergs Film mit vielen amüsanten Einfällen aufzuwarten, unter anderem das Treffen Anonymer Alkoholiker, in deren Mitte sich Hancock öffnen soll. Kurz vor der Hälfte des Filmes beginnt dann die Katharsis der Hauptfigur, aus dem Helden heraus wird praktisch ein neuer Held geboren. Im Grunde ist die Geschichte zu diesem Zeitpunkt vorbei, Gilligan und Berg haben nichts mehr zu erzählen. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann rettet Hancock noch heute Menschen. Aber Genrefans erinnern sich, ein Superheld wäre kein Superheld, wenn er nicht auch einen Schwachpunkt hätte. Diesen Schwachpunkt braucht man wahrscheinlich, um eine halbwegs spannende Geschichte erzählen zu können, selbst Achill hatte mit seiner Ferse einen Schwachpunkt (auch wenn sich einem nie erschließen wird, weshalb ausgerechnet die Ferse der Schwachpunkt eines Kriegers sein soll). Bei Drachentöter Siegfried war es das Schulterblatt, bei Superman das Kryptonit. Der Schwachpunkt eines Helden bringt diesen kurzzeitig zu Fall, macht die Geschichte spannend und sorgt für den finalen Klimax.

In diesem Absatz wird nun die Handlung gespoilert, wer sich dies ersparen möchte, kann direkt zum kommenden und letzten Absatz weiter springen. Die zweite Hälfte von Hancock beschäftigt sich mit Hancocks Schwachpunkt und zugleich seiner Vorgeschichte. Praktischerweise hat man versucht dies zusammen zu fassen und scheitert letztlich daran. Bergs Film funktioniert prächtig, bis es schließlich zur Demaskierung von Charlize Theron als Gleichgesinnte Hancocks kommt. Beide sind übermenschliche Figuren, gelegentlich als Götter und Engel bezeichnet und jahrtausende alt. Vom wem sie geschaffen wurden (Gott?) wird nicht geklärt, spielt im Grunde jedoch auch keine Rolle. Hancock, der seit achtzig Jahren unter Amnesie leidet, muss feststellen, dass er quasi von „Geburt“ an mit Mary verheiratet ist. Immerhin schon starke 3000 Jahre! Die Krux der ganzen Sache ist, es werden immer zwei übernatürlich starke Wesen geschaffen, die füreinander bestimmt sind und in Gegenwart des anderes dafür sorgen, dass die Superkräfte verloren gehen. Bereits dieser Punkte macht im Grunde die gesamte Entstehung dieser Wesen überflüssig, da Hancock jedoch nicht sterben kann – zumindest im Superheldenstatus – erklärt dies nicht, wieso sich sein Erinnerungsvermögen nicht wieder hergestellt hat. Mit Einführung dieser Thematik jedenfalls bricht der Film in sich zusammen, da die folgenden Szenen im Grunde nur noch nerven. Der Kampf zwischen Hancock und Mary zählt dabei fraglos zu den langweiligsten Kämpfen im Superheldengenre. Moralisch fragwürdig wird die Geschichte dann auch noch, schließlich handelt es sich bei Hancock und Mary um ein gemischtrassiges Paar. Dies ist auch die Ursache für verschiedene Attacken auf die beiden, beispielsweise 1850 oder vier Jahre vor Christus. Die gemischtrassige Beziehung der beiden sorgt für Aggressionen der umliegenden Bevölkerung. Am Ende des Filmes bleibt Mary auch bei ihrem Ehemann Ray und Hancock zieht allein von dannen. Die Botschaft ist unmissverständlich: gemischtrassige Beziehungen können nicht funktionieren, da sie nicht akzeptiert werden. Das sich Will Smith für so etwas hergibt, zeugt nicht gerade von Feingefühl und ist kritisch zu betrachten.

Seine 150 Millionen Dollar Produktionskosten wird Hancock ohne Probleme einspielen, dafür ist Smith in Amerika zu sehr Zugpferd. Die Hälfte seiner Kosten sollte Bergs Film dabei direkt am Startwochenende einspielen können, weltweit dürfte mit einem Einspiel in der Größenordnung von 500 Millionen Dollar und mehr zu rechnen sein. Wirklich gut ist Hancock jedoch nicht, zu lieb- und einfallslos ist die zweite Hälfte geraten. Das Finale des Filmes selbst ist dabei die Spitze des Eisberges und vollkommen unspektakulär. Dass Berg dennoch extrem auf Dramatik setzt macht ihn eigentlich nur lächerlich. Peter Berg bestätigt hier jedoch den Weg, den er eingeschritten hat, als massenkonformer Regisseur, der unbedenkliche Unterhaltung wie The Rundown oder Hancock inszenieren kann. Seinen prätentiösen The Kingdom mal außen vor gelassen, der als bedenkliches Stück Propaganda betrachtet werden sollte, dessen intendierte Botschaft für die meisten Zuschauer dank Bergs Inszenierung verloren gehen dürfte. Will Smith spielt den Part des genervten Superhelden solide runter, wobei er nur in der ersten Hälfte so richtig überzeugen kann. Dass Produzent Akiva Goldmann behauptet, der Film wäre nur mit Smith möglich gewesen, hängt eher mit dessen Namen als Garant, denn mit seinem Schauspiel zusammen. Ein Colin Farrell in der Hauptrolle – als einfaches Beispiel – würde dem ganzen relativ wenig nehmen oder geben. Dagegen ist die Theron gänzlich fehlbesetzt, was man besonders in der allgemein enttäuschenden zweiten Hälfte feststellen muss. Sie kann sehr wenig zu ihrer Figur beitragen, zudem stimmt die Chemie zwischen ihr und Gegenpart Smith überhaupt nicht. Der heimliche Star des Filmes ist Jason Bateman, der sich nach Nebenrollen in Juno allmählich etabliert und bereits mit Berg in dessen Polit-Vehikel Kingdom zusammengearbeitet hatte. Die Effekte enttäuschen etwas in Hancock, wobei dies nicht unbedingt zu den Störfaktoren gehört. Oftmals werden sie gelungen von John Powells überzeugendem Soundtrack kaschiert. Wenn zweite Seite der Medaille nicht wäre, wäre Hancock ein toller Film geworden, so verschwindet er jedoch etwas in der Masse und wird in einigen Monaten vergessen sein.

5/10

11. Juni 2008

Forgetting Sarah Marshall

When life gives you lemons, just say ‘fuck the lemons’ and bail.

Das Rat Pack bestand seiner Zeit aus Frank Sinatra, Dean Martin, Sammy Davis Jr., Peter Lawford und Joey Bishop die in den Sechzigern in Filmen wie Ocean’s Eleven zusammen gespielt haben. Als Anlehnung an dieses Rat Pack wurde Anfang des neuen Jahrtausends eine weitere Gruppierung benannt, das Frat Pack, bestehend aus Ben Stiller, Owen und Luke Wilson, Vince Vaughn, Will Ferrell und Jack Black, zudem mehr oder weniger auch Steve Carell und Paul Rudd. In seiner kompletten Besetzung lässt sich das Frat Pack in Anchorman: The Legend of Ron Burgundy begutachten. Involviert mit dieser Gruppe ist auch der Erfolgsproduzent Judd Apatow, der für Filme wie The Cable Guy oder Anchorman verantwortlich war. Apatow selbst hat wiederum ebenfalls eine kleine illustre Runde um sich herum aufgebaut, zu der neben seiner Mitproduzentin Shauna Robertson die Schauspieler Seth Rogen, Jonah Hill und Jason Segel gehören.

Ein besonderes Dream Team bildet er hierbei mit Seth Rogen, die beide nicht nur in den Serien Freaks and Geeks und Undeclared, sondern auch in The 40-Year Old Virgin, Knocked Up und Superbad zusammengearbeitet haben. Freaks and Geeks war auch die Serie, die Apatow mit Jason Segel zusammenführte und nun in Forgetting Sarah Marshall mündet, der Verfilmung von Segels Debütskript. Segel selbst ist inzwischen in der erfolgreichen Sitcom How I Met Your Mother tätig und Apatow begnügt sich vermehrt damit, die Karrieren seiner Freunde voran zu bringen. Nachdem er in Superbad bereits das Drehbuch von Seth Rogen verfilmt hat, folgt nun die Adaption von Jason Segels Skript, die Regie übertrug Apatow dem Neuling Nicholas Stoller, der einst mit ihm bei Undeclared gearbeitet hat. Nicht zu schade für kleine Gastrollen waren sich die Apatow-Spezis Jonah Hill, Paul Rudd und Bill Hader, der auch zur Apatow-Clique zählt.

Der Titel von Stollers Film ist alles andere als Programm, denn nachdem der TV-Star Sarah Marshall (Kristen Bell) mit dem Komponisten ihrer Serie, Paul Bretter (Jason Segel), Schluss macht, bricht diesem das Herz. Der Versuch, vor seiner Ex davon zu rennen, führt in nach Hawaii und dort sogleich wieder in die Arme von Sarah. Diese verbringt ihren Liebesurlaub mit dem britischen Rocker Aldous Snow (Russell Brand) in demselben Hotel wie Paul. Mitleid bekommt er von dessen Angestellten geschenkt, allen voran von Concierge Rachel (Mila Kunis). Wie die Geschichte nun verläuft, kann sich jeder denken. Der Film, der sich selbst als Mischung aus Liebes- und Desasterfilm propagiert, ist dabei jedoch sehr viel durchschnittlicher als er den Anschein erweckt. Den Zufall außen vor gelassen, dass Peter von allen Hawaii-Inseln auf derselben Urlaub macht wie Sarah (und noch dazu im selben Hotel), ist schon im Genre begründet.

Was folgt, ist ein Hin und Her, ein ständiges über den Weglaufen, Kummer, Gram, gelegentlich überschattet von arglosem Geflirte. Daher kann Forgetting Sarah Marshall lediglich durch seine Witze und Schauspieler überzeugen, ob er dies auch wirklich immer vermag, ist wieder eine andere Angelegenheit. Den meisten Menschen wird im Laufe ihres Lebens das Herz gebrochen, es ist ein Vorurteil, dass dies hauptsächlich bei den Damen zutrifft. Die Beziehung stagniert, einer der beiden Partner beginnt eine Affäre und irgendwann ist das Ultimative unausweichlich: eine Trennung muss her. In vielen Fällen kann eine solche Trennung auch wieder zu einer neuerlichen Beziehung führen, wie in Definitely, Maybe. Den Kummer, den Peter im Film darstellt, erscheint einem dann doch sehr überzogen, sicherlich auch speziell intensiviert. Dass das ganze jedoch nach dem zweiten Mal schon an Witz verliert, ergibt sich von selbst.

Segel hebt wie ein kleines Kind verschiedene Plot-Elemente auf, beginnt mit ihnen zu spielen und lässt sie achtlos fallen, als er ein anderes Objekt der Begierde findet. Zu den unnötigen Szenen gehört eigentlich alles, was sich nicht um Peter oder Sarah Marshall dreht. Sei es der stalkende Aldous Snow-Fan und Kellner Matthew (Jonah Hill) oder der geistig abwesende Surflehrer Chuck (Paul Rudd), auch bekannt unter seinem hawaiianischen Namen Kunu (was übersetzt so viel heißt wie „Chuck“). Am unnötigsten fällt jedoch ein frisch verheiratetes Ehepaar (Jack McBrayer aus 30 Rock und Maria Thayer) aus, welches sexuelle Startschwierigkeiten hat, da es über einen christlichen Hintergrund verfügt. Die Witze sind in Forgetting Sarah Marshall, wie sollte es bei einer Apatow-Produktion auch anders sein, zumeist sexuell motiviert und wirken speziell nach seinen vorherigen Film(produktion)en allmählich ausgelutscht – no pun intended.

Hinzu kommt noch, dass Segel schauspielerisch sehr begrenzt ist, zumindest jedoch mit seiner Figur überfordert. Rudd und Hill spielen ihre Figuren gewohnt gekonnt herunter, auch Kristen Bell weiß gemeinsam mit ihrer Kollegin Mila Kunis zu überzeugen. Kleine Perle ist der britische Stand-Up-Comedian Russell Brand, dessen reales Äußeres Vorlage für seine Filmfigur war. Amüsant und durchaus gelungen sind die Anspielungen auf die TV-Landschaft rund um den Hype der forensischen Serien wie Criminal Minds und CSI. Ein weiterer kleiner Pluspunkt ist die Musikauswahl des Soundtracks, gerade durch die beiden hawaiianischen Künstler Israel Kamakawiwo’ole und Daniel Ho, dessen Prince-Adaption von „Nothing Compare 2 U“ begeistert. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Forgetting Sarah Marshall mit einer handvoll netter Ideen aufwartet, sich eigentlich aber nicht von einer durchschnittlichen Rom-Com unterscheidet.

6.5/10

11. März 2008

Juno

You're being really immature.

„Mein Name ist Diablo Cody – naja, nicht wirklich. Aber was soll’s?“. Quizfrage: Wo würde man diese Person am ehesten antreffen? Oder anders, würde es Hollywood nicht geben, hätte es für diese Frau erfunden werden müssen. Eine Frau namens Brook Busey, die ihren Job aufgibt um ganztägig als Stripperin zu arbeiten, nur um auch das aufzugeben und sich stattdessen Telefonsex zuzuwenden, die sich selbst nach der spanischen Bezeichnung für „Teufel“ und einem Ort in Wyoming benennt, ihren Mann im Internet kennen lernt und nicht mal zwei Jahre später von ihm scheiden lässt. Während sie neben dem Strippen Artikel für Zeitungen schrieb, veröffentlichte sie mit 24 Jahren ihre Memoiren (heutzutage immer früher, bald wird man welche von 10-Jährigen lesen können).

Sie eröffnete bei Blogspot ihr eigenes Blog, Pussy Ranch, das anschließend sechs Monate von einem Hollywoodproduzenten gelesen wurde und ihr schließlich den Auftrag ein Filmdrehbuch zu schreiben bescherte. Von der Stripperin zur Oscargewinnerin – das ist der viel gerühmte American Way of Life. Nachdem sie sich bei den diesjährigen Academy Awards wohl dank des Sympathiefaktors gegenüber den besser geschriebenen Büchern von Nancy Oliver und Tamara Jenkins durchgesetzt hat, wird sie im Herbst dieses Jahres für eine Fernsehserie schreiben, mit Toni Colette in der Hauptrolle nach einer Idee des großen Steven Spielberg. Die gute Frau wird sich fortan also wohl nicht mehr auszuziehen haben, um ihr täglich Brot zu verdienen und wer schon immer mal einen Blick in den Kopf einer ehemaligen Stripperin werfen wollte, der ist hier an der richtigen Adresse.

Wie so viele Autoren verarbeitet auch Miss Cody eigene Erlebnisse in ihrem Skript, als sie selbst zur Schule ging war sie Tochter einer Mittelstandsfamilie und ihre 16jährige Freundin wurde schwanger. Ein kleiner Crossover und fertig ist Juno MacGuff, hier gespielt von der talentierten Ellen Page, deren Oscarnominierung jedoch – das sei vorweg genommen – ebenso lächerlich ist, wie die der Autorin, des Regisseurs, des ganzen Filmes eigentlich. Juno ist Tochter des Mittelständlers mit dem netten Namen Mac MacGuff (J.K. Simmons) und im Besitz eines Hamburgertelefons (welches eigentlich ein Cheeseburgertelefon ist), das aus dem Besitz der Autorin selbst stammt. Der Film leitet sich selbst ein mit dem Stuhl, auf dem Juno ihre Jungfräulichkeit verlor, als sie mit ihrem besten Freund Paulie Bleeker (Michael Cera) schlief. Wie das bei ungeschütztem Sex vorkommen kann, wird Juno prompt schwanger und vertraut sich erstmal ihrer besten Freundin Leah an, ehe sie zur nächsten Abtreibungsklinik geht, um das Kind loszuwerden.

Tut sie dann aber doch nicht, wieso wird nicht klar, spielt ja auch keine Rolle, denn die restliche Spielzeit verbringt Cody damit dem Publikum einen ausgewählten Soundtrack ans Herz zu legen und nebenher irgendwas zu erzählen, was komisch sein soll. Die Komik des ganzen liegt darin, dass sie der 16jährigen Juno Worte in den Mund legt, die sie selbst wohl sagen würde, die lustig und cool sein sollen, aber es irgendwie nie sind. Was die Autorin hier betreibt ist äußerst paradox, denn einerseits erschafft sie eine Figur, die ihrem Intellekt nach und ihrer (zumindest teilweisen) Ausdrucksweise aus dem Universum von Kevin Williamson (Dawson’s Creek) stammen könnt, die jedem der es hören will – oder nicht schnell genug wegkommt – einen Vortrag darüber hält warum die Hochzeit des Rocks 1977 war und The Stooges einer der besten Bands sind.

Sie ist weder dumm, noch auf den Kopf gefallen, diese Figur Juno, scharfsinnig, ehrlich und direkt. Zugleich jedoch von einer unbeschreiblichen und für amerikanische Verhältnisse typischen Naivität, die nichts von Verhütung weiß und ihr Kind den ganzen Film hindurch als „Ding“ bezeichnet, welches sie am liebsten „wie in den guten alten Zeiten“ in einem Korb loswerden würde. Die potentielle Adoptiveltern nach dem Coolheitsschema auswählt, Graphikdesigner wären zum Beispiel angesagt (Codys Ex-Mann und Pages Vater sind Graphikdesigner). Mit ihrem Mundwerk und ihrer Art kommt sie dabei genauso gut bei dem designierten Adoptivvater (Bateman) an, wie es umgekehrt der Fall ist – Grund hierfür ist das beide Figuren praktisch identisch sind. Mark wie Juno teilen denselben Humor, hören dieselbe Musik, machen sich gegenseitig Mixtapes, haben ein Faible für Gore-Filme und wollen an sich nichts mit Kindern zu tun haben. Dies führt wiederum zu dem Paradox von Marks Ehe mit Vanessa (Jennifer Garner), die nicht verschiedener sein könnte als er. Die Frage wieso sich ein so freiheitsvernarrter Mensch wie Mark mit dem Kontrollfreak Vanessa einlässt, in dem versnobten Vorstadthaus und dem Wunsch nach Kindern, beantwortet die Autorin nicht. Ebenso wenig wie alle anderen Fragen, die das von ihr skizzierte Thema stellt. (Wem das jetzt schon zu bunt wird, dem empfehle ich die positive Kritik zum Film von Marcus).

Gerade die Szene in der Abtreibungsklinik ist eine der entscheidenden des Filmes, warum Juno aber schließlich so handelt wie sie handelt wird nicht erläutert. Man könnte wohl behaupten, dass der Film nicht wirklich ernst genommen werden will – alleine der Name von Junos Vater spricht dafür -, sondern der lediglich etwas Spaß machen will, eine kleine Indie-Komödie sein möchte die eine schwangere sechzehnjährige zeigt, die sagt was sie denkt und denkt was sie sagt. Im Cinefacts-Thread hab ich mich zu der Aussage hinreißen lassen, dem Film eine bedenkliche, gefährliche Tendenz zuzusprechen, durch seine Aussage „Schwanger! Na und?“ (O-Ton Filmverleih) ein falsches Bild von Schwangerschaft bei Minderjährigen zu vermitteln. Die Worte „bedenklich“ und „gefährlich“ sind hierbei etwas hart gewählt, wie ich im Nachhinein feststellte, nichtsdestoweniger ist es kritisch zu betrachten, wie der Film mit dem Thema Schwangerschaft umgeht.

Das hängt nicht unbedingt mit Konservativismus zusammen, denn niemand erwartet dass der Film eine Katharsis wie Knocked Up durchmacht, aber ein etwas rationalerer Umgang wäre sicher nicht zuviel verlangt gewesen. Vor allem wenn man seine Figur so frühreif zeichnet wie es Cody tut und ihr dann dümmliches Cheerleader-Geschwätz in den Mund legt. Gut möglich, dass es sich hierbei aber auch um ein reales Bild des heutigen Amerikas handelt, ein Cinefacts-User meinte zumindest man könnte nicht einmal in einem Wal-Mart Kondome kaufen, Sexualaufklärung findet anscheinend (entgegen der Darstellung in Definitely, Maybe) weder in der Schule noch zu Hause statt. Immerhin befinden sich die USA bei den Zahlen für minderjährige Mutterschaften auf einem Niveau mit Indonesien und Südafrika (55 Schwangerschaften kommen auf 1.000 Teenager).

Wird es in Juno mal ernst, dann weiß Regisseur Jason Reitman, der mit Thank You For Smoking nicht ein äußerst passables Regiedebüt hingelegt hatte – stets penetrant den Soundtrack drüber zu legen und Lieder von Kimya Dawson sowie andere Indie-Hits neben Veteranen wie Buddy Holly und The Kinks abzuspielen. Bei diesem schlecht geschriebenen Skript versucht Reitman dennoch zu retten, was noch zu retten ist und was am meisten überzeugen kann ist dann doch das Casting. Bedenkt man die Charaktere für sich genommen, sind alle sehr gut besetzt, von Bateman über Garner zu Cera, gerade bei letzterem sind speziell die Szenen mit Page sehr gelungen und wirken von allen im Film dargestellten am authentischsten.

Juno
ist so ein Film, bei dem vorausgesetzt wird, das man das Gesehen nicht hinterfragt, sich einfach von dem Charme verzaubern lässt und ohnehin alles richtig cool und dufte findet. Das dabei alle Figuren überzeichnet sind, die Dialoge konstruiert und die eigentliche Geschichte gar keine ist, eher ein Napoleon Dynamite mit einer Schwangeren, politisch unkorrekt, frisch, witzig – in einem Wort: Hollywood. Da verwundert es nicht, dass der Film alleine in den USA das zwanzigfache seiner Kosten eingespielt hat, mit vier Oscarnominierungen bedacht wurde, gerade in den Kategorien Bester Film und Beste Regie Konkurrenten wie Zodiac, David Fincher, Joe Wright und andere hinter sich gelassen hat. Juno ist dann doch nur das, was die Allgemeinheit als Feel-Good-Movie bezeichnet, auch wenn er bei näherer Betrachtung in fast allen Bereichen versagt.

4/10

2. Dezember 2007

Mr. Magorium’s Wonder Emporium

Your life is an occasion, rise to it.

Insofern man das sagen kann, handelt es sich hierbei um meinen persönlichen Film 2007, also denjenigen, auf welchen ich mich am meisten gefreut habe. Da mir bereits der von Zach Helm geschriebene Stranger Than Fiction gefiel, hatte ich auch Vertrauen in sein zweites Projekt, allein des großartigen Titels wegen. Dabei markiert Mr. Magorium’s Wonder Emporium sein erstes Skript, dass er an 20th Century Fox verkauft hatte und an welchem er sich die Rechte nach der Vollendung von Stranger Than Fiction zurückholte. Der Film markiert auch Helms Regiedebüt, für das er neben Dustin Hoffman in der Hauptrolle, welcher bereits in der ersten Verfilmung von Helms Stoff mitwirkte, auch die atemberaubende Natalie Portman gewinnen konnte. Unterstützt werden die beiden von Arrested Development Star Jason Bateman und Newcomer Zach Mills, sowie in einem Kurzauftritt von Helms Freundin Kiele Sanchez, die den meisten durch die dritte Staffel von Lost bekannt sein dürfte. Bedauerlicherweise gehörte Mr. Magorium in Deutschland mal wieder zu den Filmen, die kaum Kopien erhielten und daher in meiner Region nur an einem einzigen Tag für eine Vorstellung gezeigt wurde.

Der stämmige Bellini wurde in dem Keller unter einem Spielzeugladen geboren und dort lebt er noch heute, um die Lebensgeschichte von Mr. Magorium aufzuzeichnen, dem Besitzer des Spielzeugladens. Mr. Magorium (Dustin Hoffman), manchen auch als Steve bekannt, ist stolze 243 Jahre alt und dennoch quietschfidel. In seinem magischen Spielzeugladen erwachen die Spielzeuge zum Leben und erfreuen groß wie klein. Geschäftsführerin des Ladens ist die als Pianistin gescheiterte Molly Mahone (Natalie Portman), die sich inzwischen fragt, was sie mit ihrem Leben anfangen soll. Mr. Magorium hat da ganz andere Pläne für sie und bestellt den Mutanten, bzw. Buchhalter, Henry (Jason Bateman) in seinen Laden, damit er den Laden rechtlich an Mahone abtreten kann. Während das neben Mr. Magorium und dem kleinen Hutnarren Eric (Zach Mills) sehr gefällt, hat nicht nur Mahone ernste Zweifel, sondern auch der Laden selber. Als Mr. Magorium sein Ableben vorbereitet, verschwindet die Magie aus dem Laden und scheinbar auch aus dem Leben von Mahone.

Besonders lobende Worte haben sich für den Film nicht gefunden, was mich jedoch nicht davon abgehalten hat, ihn mir dennoch anzuschauen. Und zugegeben, der Film schöpft seine Möglichkeiten und sein Potenzial nicht vollends aus, das merkt man ihm in manchen Szenen an. Wenn man im Hinterkopf behält, dass es sich um Helms erstes Skript und erste Regiearbeit handelt, sollte ihm dies dennoch zu verzeihen sein, da der Film seine Grundbotschaft dennoch erfolgreich transferiert. Man sollte der Magie wieder sein Herz öffnen und mehr das Kind in einem wecken, aufhören ein „Nur“-Mensch zu sein und alles in seine Einzelteile zu zerlegen. Nichts ist im Leben unbekümmerter, als ein Kind und von allen Figuren hat gerade der 243 Jahre alte Mr. Magorium am wenigsten scheu sich „kindisch“ oder peinlich zu verhalten, solange es ihm Spaß bereitet (und wohl auch die Ursache für sein hohes Alter sein dürfte). Auch Mahone muss die Erfahrung machen, dass Magie nicht das ist, was wir sehen, sondern das, was wir glauben oder zu glauben bereit sind. Während es Eric sehr viel leichter fällt, unterstützt von seinem Einzelgängerstatus, in der Welt von Mr. Magorium zu Hause zu sein, beginnt Mahone sich zu fragen, ob sie nicht endlich erwachsen werden und ebenjene phantastische Welt verlassen soll. Dabei sah Natalie Portman nie liebreizender und umwerfender aus, als in diesem Film.

Die Vergleiche mit Charlie and the Chocolate Factory finde ich dabei nicht angebracht, da Mr. Magorium weder versucht diesen zu kopieren und es auch nicht tut. Da erinnert die Botschaft doch sehr viel mehr an Finding Neverland, wo es ebenfalls darum ging, nicht den Glauben an die Magie der Phantasie zu verlieren. Da verwundert es auch nicht, dass Hoffman in jenem Film ebenfalls eine Nebenrolle hatte und auch bereits in Hook seinen Geist für phantastische Geschichten geöffnet hat. Viel büßt der Zauber des Filmes dabei bei seiner Synchronisation ein, was mitunter der Grund ist, weshalb ich Filme immer in der Originalsprache anzusehen empfehle. Mr. Magorium steht jedoch nicht hinter seinen Effekten zurück, sondern hat fraglos (s)eine eigentständige Geschichte, auch wenn man diese hätte besser ausarbeiten können. Helms Film gehört jedoch zu solchen phantastischen Werken, auf die man sich als Zuschauer wirklich einlassen muss, was erfordert das Kind in einem herauszuholen und nicht mit dem spröden Geist eines Erwachsenen an das Thema heranzugehen. Am Ende bleibt es – in meinen Augen – eine immer noch gelungene Fabel über Freundschaft und den Glauben an das Kind in uns, ein Thema über das man sicherlich nicht genug Filme drehen kann. Und wenn diese auch noch Natalie Portman aufbieten können, dann sind sie allemal wert gesehen zu werden.

6/10- erschienen bei Wicked-Vision

25. August 2007

The Ex

Why would I give you my 'yes' ball?

Wie bereits an anderer Stelle geschrieben ist The Ex – welcher ursprünglich Fast Track hieß – der dritte Sommer-Pärchen-Film, der in Deutschland direkt auf DVD erschien, was wohl an seinem enttäuschenden Einspielergebnis in den USA liegt. Dabei ist diese von den Weinsteins produzierte Komödie erstaunlich starbesetzt. Neben Zach Braff, Amanda Peet und Jason Bateman tummeln sich in Nebenrollen und Gastauftritten Leute wie Charles Grodin (sein erster Film in 13 Jahren!), Mia Farrow, Amy Adams, Donal Logue und Paul Rudd. Mit beiden letztgenannten hatte Regisseur Jesse Peretz bereits bei seinen vorherigen Filmprojekten zusammengearbeitet.

Tom (Braff) und Sofia (Peet) sind frisch verheiratet und haben einen Sohn bekommen. Da Tom erneut seinen Job verloren hat, lässt er sich dazu breitschlagen aus New York in das beschauliche Ohio zu ziehen, um in der Werbefirma seines Schwiegervaters zu arbeiten. Dort wird er dem gelähmten Chip (Bateman) unterstellt, welcher sich als Exfreund von Sofia erweist. Chip macht fortan Tom das Leben zur Hölle und die Dinge in Job und Ehe scheinen für diesen aus dem Ruder zu laufen, während er versucht allen zu beweisen, dass Chip nicht der ist, der er vorgibt zu sein.

Trotz seiner vielen bekannten Darsteller schafft es The Ex dann doch nicht an die Klasse von Knocked Up heranzukommen. Besonders in der ersten Hälfte weiß der Film zu überzeugen, wenn Tom sich in die verquere Arbeitssituation in der Firma von Sofias Vater einleben will. Meine Sympathien sind auch sicherlich auf Zach Braff zurückzuführen, den ich seit meiner Lieblingsserie Scrubs immer wieder gerne sehe, aber auch so ist das enttäuschende Einspielergebnis nicht recht zu erklären. Dies mag auch damit zusammenhängen, dass The Ex zweimal verschoben worden ist und schließlich im Mai statt Januar ins Kino kam. Meines Wissens schaffte er dies in Deutschland überhaupt nicht und wenn, dann ging er in der Masse ziemlich unter und ist inzwischen auf DVD zu haben. 

6.5/10