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21. Juni 2019

Batman vs. Teenage Mutant Ninja Turtles

If you can’t stand the heat, stay out of the kitchen.

Crossover sind vor allem in Comics keine Seltenheit, so bekam es unter anderem Judge Dredd mit Aliens und Predators zu tun oder RoboCop mit dem Terminator. Der Sender CW inszeniert jährlich ein mehrteiliges Crossover als Staffel-Highlight seiner jeweiligen DC-Serien Arrow, Flash und Supergirl sowie Legends of Tomorrow und demnächst Batwoman. In den vergangenen Jahren trafen auf dem Panels-Papier in der sechsteiligen Reihe Batman/Teenage Mutant Ninja Turtles auch der dunkle Ritter von Gotham mit den vier mutierten Reptilien-Brüdern aus New York City zusammen. Elemente aus der ersten Ausgabe des Crossover-Comics greift nun Regisseur Jake Castorena in seinem Film Batman vs. Teenage Mutant Ninja Turtles auf.

Zentraler Handlungspunkt ist dabei der Diebstahl hochwertiger Technologie in Gotham durch den Foot Clan rund um Shredder (Andrew Kishino), den sowohl Batman (Troy Baker) als auch die Turtles untersuchen. Als sie bei ihren Ermittlungen aufeinandertreffen, bündeln sie ihre Kräfte. Wie sich herausstellt, kooperiert Shredder mit Ra’s al Ghul (Cas Anvar), um von ihm im Austausch für das Mutagen Ooze das Geheimnis für Unsterblichkeit zu erlangen. Es obliegt Batman, Batgirl (Rachel Bloom) und Robin (Ben Giroux) sowie den Turtles um Leonardo (Eric Bauza), Raphael (Darren Criss), Donatello (Baron Vaughn) und Michelangelo (Kyle Mooney) zu verhindern, dass Ra’s al Ghul das Ooze gegen die Bevölkerung von Gotham einsetzt.

Im Zuge dessen verdingt sich Batman wie man es erwarten würde hauptsächlich als Straight Man für die eher unernste Herangehensweise der Turtles. Diese seien “impulsive and don’t follow orders”, wie er später einmal kritisiert. Das macht sie natürlich einerseits aus, unter anderem als Teenager, andererseits ist natürlich zu erwähnen, dass dies auch auf Batgirl und Robin zutrifft. Es ist sicher auch der Tatsache geschuldet, dass die Turtles nach Gotham kommen, die das Crossover interessanter macht. Personifiziert an Michelangelo, der direkt in der Auftaktbegegnung mit Penguin seine Faszination für die DC-Welt mehrfach zum Ausdruck bringt, wie es dem Bat-Team im New York der Nickelodeon-Welt weniger gelänge.

Ähnlich wie in den Avengers-Filmen ist die Handlung dabei eher zweitranging gegenüber dem Spaß, den die Interaktion der Figuren dem Zuschauer bereitet. Dies wird im Verlauf von Batman vs. Teenage Mutant Ninja Turtles dann noch derart erweitert, dass der gesamte zweite Akt die beiden Teams nach Arkham führt, um gegen mutierte Versionen von Batmans Galerie an Bösewichtern zu kämpfen. Letztlich verwendet Castorena hierfür jedoch zu viel Zeit auf, die er besser in den ersten oder finalen Akt investiert hätte. So schließen sich Batman und die Turtles ziemlich schnell nach einer halbgaren ersten Auseinandersetzung zu einer Allianz zusammen, wo der Konflikt während der jeweiligen Team-Recherchen hätte eskalieren können.

Abseits davon gefallen kleine Verweise und Momente, sei es wenn Batman aus einer Superman-Tasse trinkt, Penguins Schergen ein Anti-Batman-Tattoo tragen, das Faible von Michelangelos für alles, was mit Gotham zu tun hat, ein Running Gag bezüglich Batgirls Widerwillen gegen das Wort “Ooze” oder wie bereitwillig sie selbst dem Pizza-Wahn der Turtles verfällt. Dabei ist Batman vs. Teenage Mutant Ninja Turtles relativ erwachsen inszeniert, mit durchaus mehreren Toten durch die Hände des Foot Clans und Ra’s al Ghuls Männer, aber auch in einer kurzen Szene, die ein lesbisches Paar in den Fokus einer Attacke rückt. Was von einem Animationsfilm, der sich an PG-13-Klientel orientiert, so nicht unbedingt zu erwarten war.

Für Fans sowohl der Turtles als auch von Batman ist das erste filmische Aufeinandertreffen ein vergnüglicher Spaß, garniert mit kurzen Auftritten anderer illustrer Figuren wie Baxter Stockman oder nahezu aller größeren Batman-Gegenspieler von Joker und Harley Quinn über Bane hin zu Mr. Freeze, Two-Face, Poison Ivy und Scarecrow. Der Humor stimmt, der visuelle Stil ähnelt angesichts der für Warner Bros. Animation typischen DTV-Adaptionen eher früheren Verfilmungen (abseits der Justice League-Reihe) als beispielsweise einem Spider-Man: Into the Spider-Verse. Wer sich jedoch für die Turtles und Batman erwärmt, der dürfte bei diesem Crossover ganz auf seine Kosten kommen und somit enthusiastisch “Cowabunga!” rufen.

7/10

16. Juli 2016

Dark Night: A True Batman Story

The feel-good story of the year!

Wer ein Trauma erlebt, muss es wohl oder übel überwältigen – oder wird andererseits selbst von seinem Trauma überwältigt. Dazu gehört sicher auch die Vorstellung, nachts unterwegs überfallen und zusammengeschlagen zu werden. Ein Erlebnis, das ein Leben verändern wird. In welche Richtung, bestimmt aber immer noch die Person selbst. So wie im Falle von Paul Dini, dem Ende Januar 1993 eben dies widerfuhr. Zwei Straßen von seiner Wohnung entfernt wurde der Autor solcher Warner-Bros.-Zeichentrickserien wie Tiny Toon Adventures und Batman: The Animated Series von zwei Männern überrascht und verprügelt. “It took my surgeon several hours to rebuild the bones”, berichtet Dini in Dark Night: A True Batman Story.

Publiziert von Vertigo, einem Imprint von DC Comics, verarbeitet der heute 58-Jährige jenen Abend von vor 23 Jahren und die Narben, die er sowohl sinnbildlich als auch buchstäblich bei ihm hinterlassen hat. Eine Batman-Geschichte über Batman in gewisser Weise oder eben ein Erfahrungsbericht eines Opfers, dem der dunkle Ritter nicht zu helfen wusste. “This is not the story I’m known for”, stellt Dini, selbst eine Figur in diesem autobiografischen Comic, eingangs klar. “Though I guess it includes little bits of all of them.” Angefangen mit einer Art Prolog, in dem die Leser Paul Dini als unscheinbares Kind kennenlernen, das die Aufmerksamkeit mied. “The thing that made me visible was my imagination”, erzählt ein 8-jähriger Paul.

Seine Liebe für Geschichten, von The Junge Book über Paddington bis hin zu James Bond und Batman führte Dini schließlich als Autor zu Warner Bros. Animation. Hier arbeitete er unter anderem mit Steven Spielberg für Tiny Toon Adventures zusammen – und gewann mit seinen Kollegen einen Emmy –, ehe er zum Autorenstab von Batman: The Animated Series dazu stieß. Für den eingefleischten Fan des Verbrechensbekämpfers ein wahr gewordener Traum. Er hatte alles, was einen „Nerd“ wohl faszinierte. Nahezu alles. Ein Privatleben war nicht wirklich darunter. Seine versuchten Beziehungen zu aufstrebenden Starlets und zweitklassischen Schauspielerinnen scheiterten alle. Ein solches Rendezvous führte ihn im Januar 1993 auch aus dem Haus.

Auf dem Heimweg wurde aus Fiktion dann Realität als wenige Straßen von Beverly Hills entfernt zwei Männer Dini überfielen. Ein Jochbeinbruch und eine gebrochene Nase sowie mehrere Prellungen waren das Ergebnis jener Nacht, weitaus schwerer wiegten jedoch die psychischen Schmerzen. “What hurt the most was knowing that when I finally reached home no one would be there to say ´Oh my God!’” Zugleich fiel es dem damals 35-Jährigen schwer, weitere Helden-Geschichten für Batman zu schreiben, wenn das wahre Leben einen Ordnungshüter wie Bruce Wayne vermissen ließ. “Somehow writing about Batman seems real pointless right now”, gesteht Dini. Und versinkt mit den Wochen mehr und mehr im Selbstmitleid.

“People must have heard. And locked their doors”, rekapituliert er jene Nacht immer wieder. Kein Batman, der ihm zur Seite sprang – weder der fiktive, noch ein realer. Ab hier, wenn Dini sich auf den Konflikt mit dem Überfall und seinen Folgen fokussiert, erhalten verstärkt Figuren aus dem Batman-Universum Einzug in Dark Night: A True Batman Story. Ob Joker, Two-Face oder Poison Ivy, als charakterliche Personifikationen für Dinis innere Monologe stoßen sie nun zu den Panels dazu. Nehmen Gegenpositionen ein und sprechen das aus, wofür es dem damals geschundenen 35-Jährigen an Mut und Kraft fehlte. Auch Batman ist darunter, allerdings weniger um seinen „Schöpfer“ zu trösten als diesen eher auf vergangene Fehler hinzuweisen.

Vermeidbar sei der Vorfall gewesen, allen voran durch die Auswahl seiner Damenbekanntschaften, die eher an Kontakten zu Steven Spielberg als ihm interessiert waren. “You could have escaped them”, meint Batman da an einer Stelle lapidar. “Didn’t have to look like a target” an einer anderen. Wahrheiten, die Dini nur bedingt hören will. Weshalb er sich verstärkt dem Alkohol widmet und in seiner Wohnung einschließt, womit er Figuren wie Joker und Co. die Pforte öffnet. Insofern erzählt Dark Night durchaus, wie Kevin Smith nach einem Auftritt Dinis in seinem Podcast Fatman on Batman resümiert, in gewisser Weise die Geschichte eines Überlebenden. Von jemand, der scheinbar alles hatte und drohte, es an ein Trauma zu verlieren.

Visuell unterstützt wird Dini dabei von Zeichner Eduardo Risso, zuvorderst bekannt durch die Vertigo-Reihe 100 Bullets von Brian Azzarello. Allerdings wirken Rissos Zeichnungen durchwachsen, Gesichter und Gestalten variieren von Panel zu Panel, wirklich konsistent wirken diese nicht immer. Eher so, als hätte er mit anderen Künstlern kollaboriert. Eine gestalterische Offenbarung ist das Comic folglich nicht, wenn auch nur im Vergleich zu solchen opulenten Konkurrenten wie beispielsweise Fiona Staples’ Saga. Dafür gelingen die Überblendungen zwischen Realität und Phantasie durchweg vorzüglich, wenn die verschiedenen Batman-Widersacher nacheinander bei „ihrem“ Autoren vorbeischauen und nach dem Rechten sehen wollen.

Generell bietet Dini einen interessanten und intimen Perspektivenwechsel, jenseits der langlebigen Verbrechensbekämpfung von Batman. Der appelliert an den Autor, sein eigener Held zu sein, anstatt diese auf dem Papier zu suchen. “A stirring tale of resilience and redemption”, spöttelt Joker später. “The feel-good story of the year!” Was es nicht ganz trifft, aber auch nicht vollends falsch ist. “I could put up with any sort of mindless torture in public as long as I could let my imagination run wild in private”, erzählte Paul Dini über seine Schulzeit. Und untermauert mit Dark Night: A True Batman Story, dass sich daran 50 Jahre später wenig geändert hat. Er überwand sein Trauma und ließ es in seine Arbeit einfließen. Bruce Wayne wäre stolz.

8/10

1. November 2013

Filmtagebuch: Oktober 2013

12 YEARS A SLAVE
(USA 2013, Steve McQueen)
5.5/10

ABBUZZE! DER BADESALZ-FILM
(D 1996, Roland Willaert)
8.5/10

CHRISTINE
(USA 1983, John Carpenter)
6.5/10

DON JON
(USA 2013, Joseph Gordon-Levitt)
5.5/10

DU ZHAN [DRUG WAR]
(CN/HK 2012, Johnnie To)

6/10

EUROPA REPORT (3D)
(USA 2013, Sebastián Cordero)

3.5/10

THE FOG
(USA 1980, John Carpenter)
6/10

THE FROZEN GROUND
(USA 2013, Scott Walker)
5/10

GIRLS GONE DEAD [BIKINI SPRING BREAK MASSAKER]
(USA 2012, Michael Hoffman Jr./Aaron T. Wells )

6.5/10

GLOBAL PLAYER - WO WIR SIND ISCH VORNE
(D 2013, Hannes Stöhr)
5.5/10

GRAVITY
(USA/UK 2013, Alfonso Cuarón)
7/10

HALLOWEEN [EXTENDED CUT]
(USA 1978, John Carpenter)

5.5/10

HOUSE OF CARDS - SEASON 1
(USA 2013, David Fincher/Joel Schumacher u.a.)
6.5/10

IN THE MOUTH OF MADNESS [DIE MÄCHTE DES WAHNSINNS]
(USA 1994, John Carpenter)

5.5/10

IRON MAN 3
(USA 2013, Shane Black)
5.5/10

THE JACKAL [DER SCHACKAL]
(USA/UK/F/D/J 1997, Michael Caton-Jones)

6/10

KAPRINGEN [A HIJACKING]
(DK 2012, Tobias Lindholm)

6.5/10

A LATE QUARTET [SAITEN DES LEBENS]
(USA 2012, Yaron Zilberman)

3/10

MEA MAXIMA CULPA: SILENCE IN THE HOUSE OF GOD
(USA 2012, Alex Gibney)
7/10

MYSTERY SCIENCE THEATRE 3000: TIME CHASERS
(USA 1997, Michael J. Nelson)
4.5/10

PRINCE OF DARKNESS [DIE FÜRSTEN DER DUNKELHEIT]
(USA 1987, John Carpenter)

7/10

SINSEGYE [NEW WORLD]
(ROK 2013, Park Hoon-Jung )

7/10

POSLEDNATA LINEIKA NA SOFIA [SOFIAS LETZTE AMBULANZ]
(HR/BG/D 2012, Ilian Metev)

8/10

TRICK ’R TREAT
(USA 2007, Michael Dougherty)
2/10

VAMPIRES [JOHN CARPENTER’S VAMPIRES]
(USA/J 1998, John Carpenter)
3.5/10

V/H/S/2
(USA/CDN/RI 2013, Simon Barrett u.a.)
4.5/10

THE WAITING ROOM
(USA 2012, Peter Nicks)
7/10

WELCOME TO PINE HILL
(USA 2012, Keith Miller)
7/10

WELCOME TO THE PUNCH [ENEMIES - WELCOME TO THE PUNCH]
(UK/USA 2013, Eran Creevy)

3/10

WEST OF MEMPHIS
(USA/NZ 2012, Amy Berg)
6.5/10

WE STEAL SECRETS: THE STORY OF WIKILEAKS
(USA 2013, Alex Gibney)
4.5/10

YOU’RE NEXT
(USA 2011, Adam Wingard)
4.5/10


Retrospektive: Batman


BATMAN [BATMAN HÄLT DIE WELT IN ATEM]
(USA 1966, Leslie H. Martinson)

8/10

BATMAN
(USA/UK 1989, Tim Burton)
6.5/10

BATMAN RETURNS
(USA/UK 1992, Tim Burton)
8/10

BATMAN: MASK OF THE PHANTASM [BATMAN UND DAS PHANTOM]
(USA 1993, Eric Radomski/Bruce W. Timm)

5/10

BATMAN FOREVER
(USA/UK 1995, Joel Schumacher)
4.5/10

BATMAN & ROBIN
(USA/UK 1997, Joel Schumacher)
3/10

BATMAN BEGINS
(USA/UK 2005, Christopher Nolan)
5.5/10

THE DARK KNIGHT
(USA/UK 2008, Christopher Nolan)
5.5/10

BATMAN: YEAR ONE
(USA 2011, Sam Liu/Lauren Montgomery)
3/10

THE DARK KNIGHT RISES
(USA/UK 2012 Christopher Nolan)
1/10

BATMAN: THE DARK KNIGHT RETURNS, PART 1
(USA 2012, Jay Oliva)
6/10

BATMAN: THE DARK KNIGHT RETURNS, PART 2
(USA 2012, Jay Oliva)
5.5/10

5. November 2008

As Time Goes By: Christian Bale

An actor should never be larger than the film he's in.

Am 30. Januar 1974 wurde Christian Bale in Haverfordwest, Pembrokeshire, Wales geboren. Sein Vater war der in Südafrika geborene Unternehmer und Pilot David Bale, seine Mutter die Zirkusangestellte Jenny James. Obschon oft als „Waliser“ bezeichnet, sind die Bales von englischer Herkunft. Christian selbst ist das Jüngste von vier Kindern des Ehepaares. Nach zwei Jahren in Wales zog es die Familie zurück nach England. Jene Jahre beschrieb Bale als „interessant“ aufgrund der Zirkustätigkeit seiner Mutter. So verwundert es auch nicht, dass Bale seinen ersten Kurs von einer Akrobatin erhielt. Bereits in jungen Jahren wurde sein Interesse an der Schauspielerei geweckt, ausgelöst durch seine ältere Schwester Louise. Sein eigener Vater unterstützte Christian so sehr, dass er später seine Pilotenkarriere aufgab und seinen Sohn managte. Mit acht Jahren betrat Christian dann die Welt der Unterhaltungsbranche und trat in einem Werbespot für den Weichspüler Lenor auf. Zwei Jahre später sollte er bereits in dem Theaterstück The Nerd an der Seite von Rowan Atkinson auftauchen. Mit zwölf Jahren gab Bale dann sein Filmdebüt, indem er den letzten russischen Zar Alexei Nikolaevich Romanov in dem Fernsehfilm Anastasia portraitierte. Es folgten größere Rollen in der Mini-Serie Heart of the Country und dem russischen Film Mio in the Land Faraway an der Seite von Christopher Lee. Der Durchbruch des Jungschauspielers sollte ein Jahr später folgen. Amy Irving, die damalige Ehefrau von Steven Spielberg, schlug ihrem Mann den 13-jährigen Christian für sein neues Filmprojekt Empire of the Sun vor. Irving hatte gemeinsam mit Bale bei Anastasia vor der Kamera gestanden. Für seine Rolle des James Graham setzte Bale sich gegen viertausend andere Jugendliche durch. Seine Leistung in Spielbergs Film war so beachtlich, dass man extra wegen Bale beim National Board of Review die Kategorie des „Besten Jugendlichen Darstellers“ gründete.

Doch der neu gewonnene Ruhm und die ungewohnte Aufmerksamkeit setzte dem inzwischen 13-Jährigen sehr zu. In den folgenden zwei Jahren würde er der Schauspielerei fern bleiben und sich erst für Kenneth Branaghs Henry V bereit erklären vor die Kamera zurück zu kehren. Bereits ein Jahr später trat er 1990 an der Seite von Charlton Heston als Jim Hakwins in der Robert Louis Stevenson Adaption von Treasure Island auf. In den kommenden Jahren übernahm Bale vermehrt Hauptrollen in einigen Filmen, darunter Newsies und Swing Kids. Für beide Filme, die 1992 und 1993 erschienen, trainierte Bale zehn Wochen lang Tanzschritte und Kampfkünste. Bereits hier machte sich die obsessive Vorbereitung des Engländers bemerkbar. Für seine Rolle des Theodore Lawrence in Little Women wurde Bale speziell von Darstellerin Winona Ryder ausgewählt. Deren persönliche Assistentin war Sibi Blazic, die Frau die Bale sechs Jahre später heiraten würde und die ihm 2005 die gemeinsame Tochter Emmeline gebären sollte. Zwei Jahre später hätte Bales Karriere dann beinahe einen Wendepunkt genommen. Lange Zeit war er im Gespräch für die Rolle des Jack Dawson in James Camerons Titanic gewesen. Letztlich entschied man sich gegen Bale, da man bereits mit Kate Winslet eine britische Schauspielerin engagiert hatte und nicht beide – amerikanischen – Hauptfiguren mit Briten besetzen wollte. Die Rolle ging letztlich an Leonardo Di Caprio, dessen Karriere anschließend in neue Sphären eindrang. Stattdessen übernahm Bale im selben Jahr eine Nebenrolle in Jane Campions The Portrait of a Lady. In den folgenden drei Jahren tauchte der Engländer weiterhin in kleineren Filmen, jedoch mit größeren Rollen auf (darunter zum Beispiel Metroland). Zwei der bekannteren Filme jener Jahre sind Velvet Goldmine und die William Shakespeare-Adaption A Midsummer Night’s Dream. Es war die Jahrhundertwende, die Bales Karriere begann starken Schub zu verleihen.

Seinen größten kommerziellen Erfolg hatte Bale bisher mit Little Women 1994 gefeiert. Fünfzig Millionen Dollar konnte dieser in den Vereinigten Staaten einspielen, eine Summe, die all seine anderen Filme gerade einmal zusammen einbrachten. Dies sollte sich mit John Schlesingers Remake von Shaft im Jahr 2000 ändern. An der Seite von Samuel L. Jackson gab Bale einen schmierigen Rassisten, der mit einem Mord an einem Afroamerikaner davon kam. Unvergesslich bis heute seine Textzeile „Homeboy's got rhythm, huh?“, als sein Opfer zuckend in den Krankenwagen gehievt wird. Doch das Jahr 2000 sollte für Bale weniger wegen „Shaft“ einen Schub seiner Karriere bedeuten, sondern vielmehr wurde dieser durch den zwei Monate zuvor veröffentlichten American Psycho bewerkstelligt. Für die Adaption von Bret Easton Ellis’ Kultbuch sollte ursprünglich erneut Leonardo Di Caprio vor Bale den Vorzug erhalten, doch das es am Ende anders kam, war schließlich für alle Beteiligten ein großer Gewinn. Es gelang Mary Harron sicherlich zu einem Großteil nur deshalb so gut die Vorlage filmisch umzusetzen, weil Bale vollkommen in der Rolle des Patrick Bateman aufgehen sollte. Als Vorbereitung für seinen Charakter begann der Engländer seinen Körper durch Fitness zu stählen und unter der Sonnenbank zu bräunen. Dass Ellis’ nahezu unverfilmbarer Roman so beeindruckend und treu umgesetzt wurde brachte auch Bale hohe Beachtung bei. In den folgenden beiden Jahren hangelte Bale sich von Nebenrollen in Filmen wie Captain Corelli’s Mandolin von John Madden sowie Reign of Fire von Rob Bowman hin bis zu Hauptrollen in Equilibrium von Kurt Wimmer. Es war Reign of Fire, der Bales ersten Ausflug ins Actionfach darstellen sollte, der ihn anschließend begleiten würde und auch heute noch fortwährt. Obschon jedoch gerade die ersten beiden Filme hohe Budgets hatten (und auch Equilibrium immerhin noch 20 Millionen Dollar kostete), waren sie an den Kinokassen wenig bis gar nicht erfolgreich.

Während Bale im Jahr 2003 noch für die Rolle des Will Turner in Pirates of the Carribean im Gespräch war (die Rolle sollte schließlich an Orlando Bloom gehen), war es eine ganz andere Rolle, die seinen Ruf als obsessiver Schauspieler verstärken sollte. Für Brad Andersons El Maquinista von 2004 trieb Bale seine körperlichen Kräfte an die biologische Grenze. Vier Monate lang hungerte sich der Schauspieler um dreißig Kilo herunter und nahm scheinbar täglich nicht mehr zu sich, als eine Tasse Kaffee und einen Apfel. Eigentlich hatte er vorgehabt insgesamt knapp fünfzig Kilo abzunehmen, doch aufgrund seines gesundheitlichen Zustandes untersagten ihm dies die Produzenten des Filmes. Es ist daher Bales Engagement zu verdanken, dass Andersons kaum mehr als durchschnittlicher Film anschließend ins Gespräch gekommen ist. Die Hingabe für seine Arbeit erreichte hier ihren Höhepunkt und steht exemplarisch für Bales Auffassung seiner Kunst. Während El Maquinista Bales einzigen Film im Jahr 2004 darstellt, würde er seinen heutigen Ruhm schon wenige Monate später erreichen. Seit drei Jahren war er neben einigen anderen Schauspielern im Gespräch für die Rolle des Bruce Wayne a.k.a. Batman in der Wiederbelebung der Produktionsreihe gewesen. Zehn Jahre zuvor hatte Bale sich noch erfolglos als Robin in Joel Schumachers Batman Forever beworben. Sein härtester Konkurrent für Christopher Nolans Batman Begins war Jake Gyllenhaal, dem es immerhin gelang Bale im selben Jahr dafür den Part von Anthony Swofford in Sam Mendes’ Jarhead abspinnstig zu machen. Mit einem weltweiten Einspiel von 370 Millionen Dollar hatte sich Bale international einen Namen gemacht und durch den Erfolg des Filmes war eine Fortsetzung der Filmreihe gesichert. Zudem hatte Bale 2005 die Chance mit Regielegende Terrence Malick für dessen The New World zu arbeiten, Bales zweiter Beteiligung an einem Stoff über Pocahontas.

2006 sollte Bale sich erneut unter die Kreativität von Batman Begins-Regisseur Christopher Nolan stellen und gemeinsam mit Michael Caine, Scarlett Johansson und Hugh Jackman in dessen Mysterie-Drama The Prestige mitspielen. Der Film zählte zu den bestrezipierten des gesamten Filmjahres und etablierte Bale weiterhin als ernstzunehmenden Charakterdarsteller. Weit weniger spektakulär war hingegen sein Auftritt in David Ayers desolatem Harsh Times, der nicht nur keine Schauwerte zu bieten hatte, sondern auch finanziell ein Reinfall war. Doch an seinem Starstatus konnte Bale bereits im folgenden Jahr wieder anknüpfen. Unter der Regie von Todd Haynes zählte Bale in I'm Not There zu jenem Schauspielerensemble um Cate Blanchett, Heath Ledger und Richard Gere, dass sich der Portraitierung von Bob Dylans Leben annahm. Des weiteren stand Bale gemeinsam mit Oscarpreisträger Russell Crowe für James Mangold im Remake von 3:10 to Yuma vor der Kamera. Zuletzt konnte der Brite wieder seinen Ruf der obsessiven Darstellung gerecht werden, als er den Part des deutschstämmigen amerikanischen Vietnamkriegsveteranen Dieter Dengler in Werner Herzogs Rescue Dawn übernahm. Somit war es Bale mittlerweile gelungen sich nicht nur als Charakterschauspieler (El Maquinista, Rescue Dawn) zu etablieren, sondern auch im Actionfach (Reign of Fire, Batman Begins) eine ernst zu nehmende Position zu verschaffen. So wählte ihn das britische EMPIRE Magazin 2007 auch auf Platz 13 der erotischsten Stars der Filmgeschichte. Bale hatte seinen persönlichen Höhepunkt erreicht, war glücklich verheiratet und Vater einer Tochter. Zu diesem Zeitpunkt hatte er noch keine Ahnung, was ihn 2008 erwarten sollte. Gehyped durch den Tod seines Freundes und Kollegen Heath Ledger avancierte The Dark Knight zum erfolgreichsten Film 2008, der in seinen ersten Wochen alle bisherige Rekorde brach und bei der amerikanischen Filmdatenbank IMDB auf Platz Eins der besten Filme aller Zeiten gelandet war.

Während The Dark Knight weltweit fast eine Milliarden Dollar einspielte, nimmt er Platz Vier der erfolgreichsten internationalen Filme ein. In den Vereinigten Staaten selbst – wobei hier die Inflation keine Berücksichtigung findet – schob er sich sogar hinter Titanic auf Platz Zwei. Für seine Beteiligung am Film wurde Bale mit 38 Millionen Dollar vergütet und dürfte durch den Abschluss der Trilogie aller Voraussicht nach in die Sphäre der Schauspieler vordringen, die 25 Millionen Dollar Gage erhalten. War Bale zu Beginn seiner Karriere vormerklich in Independent- und Arthous-Produktionen aufgetreten, wird dies im kommenden Jahr nicht der Fall sein. An der Seite von Johnny Depp wird Bale in Michael Mann’s Public Enemies zu sehen sein, während der unter McG die Rolle des John Connor in Terminator: Salvation übernimmt. Angedacht, bisher aber noch nicht in der Planungsphase, ist eine Biographie - Killing Pablo - über Pablo Escobars Leben von Joe Carnahan, in welcher neben Bale auch Oscarpreisträger Javier Bardem mitspielen soll. Privat lebt Bale sehr zurückhaltend mit seiner Familie in Los Angeles. Der Vegetarier (seit seinem sechsten Lebensjahr) unterstützt Organisationen wie Greenpeace und die World Wildlife Foundation, sowie einige andere Einrichtungen. Außerdem ist er ein Tiernarr und dafür bekannt streunende Katzen und Hunde aufzunehmen. Bekannt ist Bale zudem dafür sich etwaige Akzente für seine Filme aneignen zu können. Nach eigener Aussage gibt er jeder seiner Filmfiguren einen anderen Akzent. Schauspielerisch ist der Engländer jedoch nicht über jeden Zweifel erhaben. Viel zu oft verliert Bale sich in redundanten Gesichtsausdrücken die zwischen debilem Grinsen (American Psycho, Batman Begins), naiver Ausdruckslosigkeit (Empire of the Sun, Equilibrium) und ungestümen Zorn (3:10 to Yuma, Captain Corelli’s Mandolin). Seinem bisherigen Ruhm hat dies jedoch keinen Abbruch getan und die Tatsache, dass Bale sich seit zwanzig Jahren im Filmgeschäft hält, lässt einen baldigen Niedergang auch nicht vermuten.

23. August 2008

The Dark Knight

Let’s put a smile on the face of crime.

Virales Marketing, eine Definition, die zuletzt sehr gut zu J.J. Abrams Cloverfield passte, letztlich von The Dark Knight jedoch in den Schatten gestellt wurde. Was der Tod eines Nebendarstellers nicht alles bewirken kann. Sondervorstellungen um drei Uhr nachts, alle bisherigen Rekorde innerhalb weniger Tage gebrochen, die Kosten von 185 Millionen Dollar innerhalb der ersten Woche wieder eingespielt. Warners Chefetage wird sich sicher die Nase gepudert haben vor Freude und das nicht zu kurz. Die Fans pushten das neue Batman-Abenteuer von Christopher Nolan, welches als erstes nicht den Namen seines Helden im Titel trägt, innerhalb von 48 Stunden bei IMDb auf Platz Eins der besten Filme aller Zeiten. Kevin Smith nannte ihn den The Godfather: Part II der Comicverfilmungen, auf Rotten Tomatoes wurden Kritiker (und sogar deren Familien), die dem Film nicht die Höchstwertung gaben, zuhauf von Lesern beleidigt. The Dark Knight ist fraglos einer der gehyptesten Filme aller Zeiten und die Frage ist: Kann man den Film überhaupt unabhängig vom Hype sehen?

Am Ende von Batman Begins zeigte Lieutenant Gordon (Gary Oldman) im nächtlichen Chaos von Gotham City Batman (Christian Bale) eine Joker-Karte. Das Sequel springt nun fünf Monate in die Zukunft und präsentiert sogleich diesen neuen Bösewicht. Der Joker (Heath Ledger) raubt eine Bank aus, weniger wegen des Geldes, sondern um auf sich aufmerksam zu machen. Was hat sich sonst im letzten halben Jahr in Gotham City getan? Erstaunlicherweise wenig, eher sogar Regression. Nach Monaten stellt Batman endlich Scarecrow (Cillian Murphy), trägt aber Fleischwunden und geprellte Rippen davon. In die Quere kommen immer mehr Nachahmer, Batmen sozusagen. Batmans Alter Ego Bruce Wayne fühlt sich mit seinen 30 Lenzen zu alt für diese Scheiße. Warum soll er sich mit Abschaum wie Sal Maroni (Eric Roberts) herumschlagen, wenn mit Staatsanwalt Harvey Dent (Aaron Eckhart) ein neuer Sheriff in der Stadt ist? Dumm nur, dass der direkt mit Waynes Jugendliebe Rachel (Maggie Gyllenhaal) anbandelt, das ist aber Makulatur, dies ist die Joker Show.

„Nolans Auffassung nach überwiegten die früheren Batman-Filme eher durch ihr Aussehen, als ihren Inhalt“, schrieb ich in der Kritik zu Batman Begins. Bereits in seinem ersten Film über den dunklen Ritter, der altbekannten Hero’s Journey, widersprach sich Nolan letztlich selbst, mit The Dark Knight führt er sich nun ad absurdum. Entgegen allem Lob ist seine Fortsetzung vollkommen inhaltsfrei, hat keine Geschichte zu erzählen und ist dabei auch noch unnötig aufgebläht. „The Dark Knight kann im Grunde nur eine Verbesserung darstellen“, äußerte ich nach dem ersten Teil noch hoffnungsvoll, aber vergeblich. Vielmehr ist der Film sogar ein Rückschritt, insbesondere aufgrund des Drehbuches der beiden Gebrüder Nolan. Ein Logikloch verschwindet im nächsten, kaum etwas macht in dieser unglaubwürdigen Geschichte Sinn. Sei es Harvey Dent, der seit Monaten in Gotham arbeitet, aber in seinem Büro noch Umzugkartons stehen hat, bis hin zu Batman, der mit Lucius Fox (Morgan Freeman) in verstellter Stimme redet, obwohl der doch seine Identität kennt.

So inhaltsfrei Batman Begins auch war, stellte er immerhin eine über zweistündige Einführung in den Charakter von Bruce Wayne dar. Jenes Mannes, der an die Menschen in Gotham glaubt und sich nachts aufopfert, um ihnen zur Hilfe zu eilen. Dass ihm dies durchaus gedankt wird, zeigt Nolan an Nachahmern, die fraglos Frank Millers Sons of Batman aus The Dark Knight Returns nachempfunden sind. Während Batman mit jenen dort aber gemeinsame Sache machte, verabscheut er sie im nolanschen Universum. In diesem hat unser Milliardär nach nicht einmal einem halben Jahr bereits die Schnauze voll und will das Zepter an den viel versprechenden neuen Staatsanwalt Harvey Dent abgeben. Dass macht Dent jedoch zur Zielscheibe des Jokers, jenes Antagonisten, der zum Ende des ersten Teils aus dem Arkham Asylum entflohen war. Letztlich dreht sich in The Dark Knight alles um das Duell zwischen diesen beiden Erzfeinden, die ungleicher nicht sein könnten und doch so viel gemeinsam haben. “You’ve changed things…forever“, trällert der Joker Batman zu.

In gewissem Sinne impliziert diese Äußerung somit, dass das, was das Publikum hier als Joker sieht, letztlich von Batmans in Erscheinungstreten mit beeinflusst wurde. Allerdings sprechen die Narben des Jokers eine andere Geschichte, doch diese erfährt der Zuschauer nicht. Die Nolans behalten für sich, wer der Joker ist und woher er stammt. Der Joker ist der Joker ist der Joker. Somit ist er absolut, abgerundet, allerdings auch ohne Motivation. “Some men just want to watch the world burn”, weiß Butler Alfred (Michael Caine) hierauf eine Antwort. Den Joker lüstet es nach Chaos und Anarchie. Dem Ur-Status des Menschen, welchen Thomas Hobbes in Leviathan als Naturzustand beschrieb, in welchem Anomie herrscht. “I try to show how pathetic their attempts to control things really are”, erläutert der Joker später Harvey Dent seine Intention. “Nobody panics when things go according to plan”, fasst dieser Albtraum einer geschminkten Witzfigur gelungen zusammen. Ein durchaus authentisches Schema, das alltäglich in den Armeen dieser Welt angewandt wird.

Lange begeistert The Dark Knight durch eine unglaubliche Kompromisslosigkeit, welche das Finale jedoch zu Gunsten eines weichgespülten Hollywood-Endes verrät. Das Sozialexperiment des Jokers, das die finale Klimax ausmacht, endet so, wie es sich jeder Idealist wünscht. In Wirklichkeit würde es natürlich einen ganz anderen Verlauf nehmen, was auch der Joker weiß, daher das geplante Szenario. Nolan schildert eine fürs US-Kino typische Katharsis einer Welt voller Illusionen und Wunschdenken. ”Why do we fall? So we can learn to pick ourselves up”, so der Leitspruch des ersten Teils, der zugleich den Spannungsbogen des Sequels beschreibt. In lächerlichen Batman-Posen, die an den Schrecken vom 11. September erinnern sollen, versucht Nolan seine Comicverfilmung ins wahre Leben zu transferieren. Das wahre Leben, in welchem die Guten selten gewinnen und das Böse meist triumphiert, ist auch die Welt des Jokers. Dass Nolan sich im Finale dieser Welt verschließt, lässt sein pseudo-authentisches Kartenhaus zusammenfallen.

Alan Moore beschreibt in Watchmen, seinem Versuch eines authentischen Superheldenepos, das wahre Gesicht einer Gesellschaft. “Almost forty neighbors heard screams. Nobody did anything. Some of them even watched”, schildert Selbstjustizler Rorschach seine „Geburt“ einem Therapeuten. In Rorschach findet sich das Ebenbild zu Millers Interpretation von Bruce Wayne. Ein verbitterter Mann, der entgegen der Ratschläger seiner Freunde und Verbündeten (Nite Owl hier, Commissioner Gordon dort) das Gesetz in die eigene Hand nimmt. Letztlich finden beide ihr finales Schicksal in einem übernatürlichen ehemaligen Verbündeten (Dr. Manhattan/Superman). Was sie verbindet, ist ihre Kompromisslosigkeit. Millers Dark Knight ist desillusioniert und sich nicht zu schade, sein letztes Kredo (Mord) zu überschreiten. Dabei zelebriert auch Nolan dies, wenn auch hinter einer versuchten Fassade. ”I won’t kill you, but I don’t have to save you”, schmetterte Christian Bale am Ende von Batman Begins Ra’s al Ghul entgegen und ließ den alten Freund und Mentor in seinen Tod stürzen.

Mord hin, fahrlässige Tötung her, mit strafrechtlichen Termini und Definitionen kann man sich zugegeben lange herumschlagen. Den einzigen Antrieb für seine Geschichte versucht Nolan jedenfalls in Batmans Unfähigkeit, Joker zu töten (oder zur Strecke zu bringen), zu etablieren. “You won’t kill me, and I won’t kill you. I think you and I are destined to do this forever”, resümiert der Joker schlussendlich und soll Recht behalten. Dabei springt Batman letztlich doch noch über seinen Schatten – mal dies, mal das, ein Szenario exemplarisch für Nolans Unfähigkeit die Geschichte des Dunklen Ritters zu erzählen. Der Handlung von The Dark Knight fehlt ein Antrieb. Ein Start und ein Ziel. Der Joker agiert grundlos und genauso grundlos kann Nolans Batman ihn scheinbar nicht stoppen. Eine Geschichte wird dabei aber nicht erzählt, im Gegenteil. Mit seinem zweiten Batman-Abenteuer unterbietet Nolan nochmals die Sterilität des Vorgängers. In schönen Einstellungen, teilweise extra im IMAX-Format gedreht, geht The Dark Knight sogar jegliche Seele vollkommen ab.

Komplexität wird zu evozieren versucht, ohne dass der Film in irgendeiner Weise tatsächlich komplex ist. Da zeigt Nolan kurz Scarecrow, den er bereits im ersten Teil verschenkt hat und tut es auch hier. Ähnlich verhält es sich mit dem zweiten Antagonisten Two Face, der im Grunde keiner ist. Verschenkt, in einer armseligen finalen Klimax. Geradezu bedauernswert, diese eindimensionale Charakterausarbeitung der Figuren. „Christian Bale überzeugt zwar als Batman im Cape, dennoch reichen seine drei Gesichtsausdrücke nicht wirklich aus, um die innere Zerrissenheit eines Bruce Wayne einzufangen“, urteilte ich nach Batman Begins und kehre die Aussage nun um. Bale kann diesmal lediglich als Bruce Wayne überzeugen, während sein Batman vollkommen blass bleibt. Die restliche Besetzung tut sich nicht sonderlich hervor und scheitert an Nolans Fokussierung auf die Beziehung zwischen Batman und Joker. Allein Gary Oldmans Polizeichef Gordon weiß in einigen Szenen mitzuhalten, muss sich aber im Grunde wie auch der Rest Heath Ledger unterordnen.

Dessen Darstellung sei genial und atemberaubend und sogleich wurde ein Oscar für den verstorbenen Jungstar verlangt (für Sir Michael Caine genauso). Und zugegeben, Ledger spielt in diesem Film neben Brokeback Mountain die Seele aus dem Hals und ist ganz klar das Positivste (einzig Positive?) an The Dark Knight. Viel verdankt sich hier natürlich auch der Figur des Jokers selbst und wirkliche Vergleiche mit Jack Nicholsons Interpretation sind dabei so naheliegend wie sie sich zugleich verbieten. Die Figur ist dabei in der Tat so absolut, dass man Batman eigentlich überhaupt nicht mehr braucht, im Gegenteil vielleicht sogar auf ihn hätte verzichten sollen. Denn der Joker ist auch das Paradebeispiel für die grenzenlose Dummheit der nolanschen Batman-Figur, wurde der Joker vor Batman Begins inhaftiert (wahrscheinlich von gewöhnlichen Polizisten), ohne dass nunmehr seine Daten oder Biographie zugänglich sind. Kurzum: Wenn es den Joker nicht gäbe, The Dark Knight wäre ein vollkommen desaströser Haufen von verschwendetem Geld, Arbeits- und Zeitaufwand.

Auch so ist das Ergebnis eine einzige einfallslose Redundanz und knüpft damit nahtlos an das müde Finale des Vorgängers an. Christopher Nolan beweist mit The Dark Knight, dass er nichts dazu gelernt hat. Und er macht nicht nur dieselben Fehler erneut und mehrfach, sondern er fügt ihnen auch noch neue hinzu. Das inhaltsfreie Drehbuch weiß er mit stumpfer Musik von Hans Zimmer und James Newton Howard zu untermalen, die erzeugten Bilder auf dilettantischste Weise zusammenzuschneiden (bestes Beispiel: Jokers Überfall auf Bruce Waynes Party zu Ehren von Dent oder die Verfolgungsjagd zwischen Polizei, Joker und Batman in der Unterführung. Dabei hatte der Film prinzipiell Potential, das aber nicht ausgeschöpft wurde. Der Joker war der richtige Weg, doch so absolut er in seiner Gestaltung war, so formlos blieb er letztlich im Kontext der Handlung. Figuren wie Two Face hingegen sind total verschenkt, der Film insgesamt lieb- und leblos inszeniert. Kühl, steril, kalkuliert. “Why so serious?“, mag man sich jetzt fragen. Mein Fazit: Don’t believe the hype.

6/10

18. Juni 2008

Batman Begins

It’s not who you are underneath, it’s what you do that defines you.

Im Jahre 1934 wurde die Firma National Allied Publications gegründet, die zwei Jahre später Detective Comics heißen sollte, bekannter unter ihrer Abkürzung DC Comics. Es sollten zwei weitere Jahre vergehen, ehe DC Comics mit Superman seine stilbildende Superheldenfigur erschaffen sollte. Im Mai 1939 kam dann die zweite weltberühmte Figur hinzu: Batman. Gezeichnet von Bob Kane und betextet von Bill Finger war Batman vollkommen anders, wie sein ein Jahr älterer Superhelden-Kollege. Während Superman alias Clark Kent als Außerirdischer auf der Erde einzigartig ist und dem Wohl der Menschheit beziehungsweise Amerika dient, ist Batman alias Bruce Wayne nichts weiter als ein solcher, normaler Mensch. Batman verfügt über keine übernatürlichen Fähigkeiten, ist nicht Opfer einer (nuklearen) Mutation. Es handelt sich bei ihm, ähnlich wie bei Tony Stark als/in Iron Man, um einen normalen Menschen.

Wayne beherrscht verschiedene Kampfkünste und kann sich dank seines finanziellen Status’ viele Spielzeuge wie das Batmobil leisten, die ihm bei seiner Verbrechensbekämpfung unterstützen. In einer Zeit, als Marvels Helden im Kino praktisch nicht existent waren, dominierte DC Comics in den 1980ern mit der Superman-Reihe um Christopher Reeve und in den 1990ern mit den vier Batman-Teilen (die ersten beiden entstanden unter der Regie von Tim Burton) die Leinwände. Nachdem Joel Schumacher zweiter trashiger Ausflug in die Serie, Batman & Robin, gefloppt war, wurde Batman erst einmal begraben, obschon sich viele verschiedene Projekte im Untergrund in Entwicklung befanden, darunter Wolfgang Petersens Batman vs. Superman. Anfang des 21. Jahrhunderts, sicher mitbegründet durch den Erfolg von Marvels Spider-Man-Verfilmung, plante Warner Bros. die Rückkehr des dunklen Ritters in die Lichtspielhäuser.

Einen großen Einfluss auf die Rückkehr von Batman übte Frank Millers Batman: Year One aus. Millers Comic sollte die Grundlage für einen Film von Darren Aronofsky werden, doch die angestrebten Storyelemente (darunter Alfred als afroamerikanischer Mechaniker und Bruce Wayne als Obdachloser) widerstrebten der Warner. Man trat an die Gebrüder Wachowski heran, die aber zu Gunsten ihrer Matrix-Sequels ablehnten, weshalb die Wahl schlussendlich auf Christopher Nolan fiel. Gemeinsam mit seinem Bruder Jonathan hatte sich Nolan durch Memento einen Namen gemacht und sollte nunmehr das Batman-Franchise wiederbeleben. Für das Drehbuch wurde David S. Goyer engagiert, der bereits Marvel’s Blade in einer Trilogie zum Leben erweckte. So kam es, dass für das fünfte Abenteuer des dunklen Ritters weder Millers gerühmter Batman: Year One noch sein bahnbrechender The Dark Knight Returns adaptiert wurde.

Vielmehr fanden The Man Who Falls, Dark Victory und The Long Halloween starken Einzug in die Story. Und entgegen dem Comic-Kanon entwarf Nolan mit Rachel Dawes eine neue Figur, die quasi zur Mary Jane für Bruce Wayne werden sollte und für Katie Holmes geschrieben wurde. Nunmehr musste nur noch ein neuer Batman gefunden werden, ein glaubwürdiger Batman. Waren Val Kilmer und George Clooney zuvor an den Fußstapfen von Michael Keaton gescheitert, standen Hugh Dancy, Ashton Kutcher oder Jake Gyllenhaal im Raum. Beim Vorsprechen konnte jedoch Christian Bale entsprechenden Eindruck auf Nolan und Goyer machen, sodass er letztlich die Rolle bekam. Ironischerweise hatte Bale einst bei Batman & Robin für den Part von Robin vorgesprochen. Für die Nebenrollen von James Gordon wurden unter anderem Kurt Russell und Dennis Quaid angesprochen, während es bei Ra’s al Ghul Daniel Day-Lewis und Viggo Mortensen waren.

Wo die Vorgänger der Batman-Serie zumindest innerhalb ihrer Regie jeweils bei Tim Burton und Joel Schumacher chronologisch waren, versucht Batman Begins neue Wege zu beschreiten. Wie der Titel sagt, geht es um Batmans Genese. Dabei dürfen natürlich die essentiellen Erlebnisse des jungen Bruce Wayne nicht fehlen: der Höhlensturz mit Fledermaus-Begegnung, sowie die Ermordung der Eltern. Jene erste Erlebnis beginnt den Film und führt sogleich Rachel Dawes ein. Kurz nach dem Sturz wird Nolan dann in die Gegenwart überleiten, zu einem bärtigen Bruce Wayne (Christian Bale) inmitten eines chinesischen Gefängnisses. Dort gerät er aus scheinbar nichtigen Gründen in eine Massenschlägerei, nimmt es problemlos mit sechs Männern auf und landet dann in Einzelhaft. Hier tritt der ominöse Henri Ducard (Liam Neeson) an Wayne heran, wirbt um ihn und lockt ihn zu einer Herausforderung für Körper und Geist.

Es wird klar: Wayne ist noch nicht Batman, er ist ein untrainierter Ausreißer in einer fremden Welt. Woher er das Vermögen besitzt, es mit sechs Männern gleichzeitig aufzunehmen, zeigen Nolan und Goyer dem Publikum nicht. Doch was macht Bruce Wayne in China? Die nächste Rückblende bringt Aufschlüsse. Als Achtjähriger geht mit seinen Eltern in die Oper, wird dort aber so verstört, dass seine Eltern diese vorzeitig verlassen. Wieso und weshalb die Waynes die Oper durch einen Hinterausgang in eine Seitengasse verlassen, bleibt ebenfalls das Geheimnis der Produzenten, genauso die Reaktion von Thomas Wayne gegenüber seinem Mörder. Wer Tim Burtons Charakterisierung dieses Ereignisses aus Batman (1989) kennt – ungeachtet der Tatsache, dass hier der Joker miteingewoben wird – kann für diese hier gezeigte, unglaubwürdige Porträtierung nur ein müdes Lächeln übrig haben.

Als nächstes wartet eines der krudesten Hollywood-Klischees: Alter Schauspieler spielt junge Version seiner Figur indem man Haare in die Stirn wischt. Ein scheinbar gerade volljähriger Bruce Wayne, möchte Rache an dem Mörder seiner Eltern nehmen. Dem steht Freigang bevor, da er gegen Untergrundboss Carmine Falcone (Tom Wilkinson) aussagen will. Doch Falcone kommt Wayne zuvor, seine Rache verpufft im Ansatz. Gotham City ist verkommen, korrupt, manipuliert und schmutzig – eben so wie Gotham immer schon war, weshalb auch ein Batman aus ihr heraus entstand. Von der düsteren und unheimlichen Stadt eines Tim Burton bleibt aber bei Nolan nicht viel übrig, vielmehr orientiert er sich an einer semi-futuristischen Version von New York City und einer optischen Orientierung an Ridley Scotts Blade Runner. Das Letzterer durch eine düstere Hoffnungslosigkeit beeindruckte, scheint Nolan entgangen zu sein.

Wayne jedenfalls wird nach einem Treffen mit Falconi bewusst, dass er so das Unrecht in der Stadt nicht bekämpfen kann. Sieben Jahre lang wird er sich fortan auf dem asiatischen Kontinent herumschlagen und seine eigene Firma bestehlen, ehe er in jenem Gefängnis zu Filmbeginn landen wird. Jetzt kann die Katharsis des Bruce Wayne beginnen. Im hohen Norden Tibets wird er unter Henri Ducard und Ra’s al Ghul (Ken Watanabe) zum Allround-Kämpfer für die League of Shadows ausgebildet. Als Wayne erfährt, dass die allerdings Gotham City aufgrund ihres maroden Zustands auslöschen will, versucht der junge Milliardär dies zu verhindern. Nach Hause zurückgekehrt, will er es gemeinsam mit seinem loyalen Butler Alfred (Michael Caine) mit Falcone und Co. aufnehmen. Damit dies gelingt, bedarf er jedoch der Hilfe einiger unkorrupter Personen, wie Staatsanwaltsgehilfin Rachel oder Polizist James Gordon (Gary Oldman).

Nolans Auffassung nach überwiegte in früheren Batman-Filme der Style vor Substance. Ebenjene wollte Nolan in seinem Reboot in den Fokus rücken, dabei ist seine Rückschau der wayneschen Erlebnisse relativ unnötig. Insbesondere, da man sich der Szenen nur als Mittel zum Zweck bedient und so an Glaubwürdigkeit einbüßt. Der aus dem Verlust resultierende Hass und Durst nach Rache soll Bruce Wayne letztlich zu Batman werden lassen, dabei ist dies nicht der Fall. Denn eigentlich wird Wayne zu Batman, um Gotham zu retten, selbst als die ursprüngliche Gefahr durch die League of Shadows ausgeräumt scheint. Somit ist Nolans Batman kein Ebenbild des verbitterten dunklen Ritters eines Frank Miller, dabei wäre eine getreue The Dark Knight Returns-Adaption so interessant wie konsequent gewesen. Dies scheint heutzutage, wo selbst John McClane und Indiana Jones junge Sidekicks erhalten, nicht umsetzbar zu sein.

Ein 50-jähriger Batman, welcher Jugendliche hätte sich dafür interessiert? Dabei war Batman Begins trotz seines überschwänglichen Lobes nicht mal sonderlich erfolgreich, spielte „lediglich“ das Doppelte seiner Kosten ein. Dies mag auch mit der Wahl der Antagonisten zu tun haben, zählen Figuren wie Scarecrow (Cillian Murphy) doch nicht zur Elite unter Batmans Feinden. Angesichts des Hypes, der seit Monaten im Netz um die Fortsetzung The Dark Knight herrscht und seit Heath Ledgers Tod noch verstärkt wurde, verspricht das Sequel kommerziell erfolgreicher als der Vorgänger zu werden. Der Grund dürfte auch die Wahl des Jokers als Antagonist sein, ist und bleibt er doch Batmans Nemesis schlechthin, (die zudem noch Unterstützung von Two-Face erhält). Ob dagegen Christian Bales schauspielerische drei Gesichtsausdrücke ausreichen werden,  um die innere Zerrissenheit seiner Figur darzustellen, bleibt abzuwarten.

Michael Caine und Gary Oldman hingegen können gemeinsam mit Murphy überzeugen, während sich die restlichen Darsteller in ihren Figuren nicht viel nehmen. Das musikalische Thema von Hans Zimmer und James Newton Howard ist durchaus gelungen, der Score allgemein bewegt sich jedoch eher im Hintergrund. Der große Vorwurf den man Nolans Film machen muss, ist, dass er – um es auf den Punkt zu bringen - eine langatmige Exposition geworden ist, die zu keinem Zeitpunkt wirklich im Stande ist, richtig Spannung aufzubauen. Viel mehr als eine fast zweieinhalbstündige Vorgeschichte zur Fortsetzung ist das Ganze nicht und hierbei bisweilen auch leidlich unterhaltsam. Die ersten Ausflüge im Batsuit sind ebenso wenig dramatisch, wie die krude Flucht im unglaublich hässlichen Tumbler, in dem sich Batman zigmal in Position und wieder zurück schieben muss, nur um letztlich in ein Waldstück zu rasen.

Wie er dabei bei seinen Aktionen halb Gotham zerstört, dürfte selbst einen Hancock in den Schatten stellen. Das Finale, auf welches mühsam hingearbeitet wurde, fällt dann noch mal in ein extremes Loch und avanciert zur wilden Mixtur aus Speed und Spider-Man. Was Nolan hier versucht hat, war keine Weitererzählung einer Figur, sondern eine Neuerfindung. Diese ist zwar technisch durchaus gelungen, kann jedoch inhaltlich nicht vollends überzeugen. Weshalb Bruce Wayne es mit sechs Männern aufnehmen oder in seiner Bathöhle alleine in kürzester Zeit allerlei Equipment installieren kann, verwirrt. Und auch die Fokussierung auf den Vater-Plot – die Mutter darf in den Rückblenden lediglich einen Satz sagen und scheint keine Beziehung zum Sohn zu haben –, der auf die Figuren von Alfred, Gordon, Ducard und Lucius Fox (Morgan Freeman) ausgeweitet wird, stört hier ebenso, wie in anderen Hollywood-Filmen.

6/10