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15. Juni 2018

Filmjahresrückblick 1983: Die Top Ten

I live in cinema. I feel I’ve lived here forever.
(Agnès Varda)

1983 – das Jahr in dem ich Kontakt aufnahm. Dieses Wochenende ist praktisch die Hälfte meines Lebens – zumindest dem der voraussichtlich besten Gesundheit – vorbei, da mein 35. Geburtstag ansteht. Grund genug, einmal zurückzublicken auf eine Zeit, in der die Welt noch in Ordnung war: die Achtziger. Genauer gesagt eben 1983, mein Geburtsjahr. War früher (wirklich) alles besser? Allen voran natürlich die Filme? Oder verklärt die Nostalgie doch einiges? Wir werden es erfahren, hier und jetzt in meinem Filmjahresrückblick zu 1983. Wer hier öfters (sprich: die letzten elf Jahre) vorbeischaut, kennt meinen traditionellen Jahresrückblick. Dieser wird in diesem Fall etwas anders, zumindest reduzierter, ausfallen als üblich.

Logischerweise standen vor 35 Jahren noch keine Kinobesuche oder Filmsichtungen an. Zumindest keine bewusst wahrgenommenen (vielleicht lief ja mal beim Stillen ein Film nebenher). Die 1980er Jahre waren zudem noch eine Zeit, in der die wöchentlichen Filmstarts überschaubar blieben. Keine acht bis zehn konkurrierenden Filme unterschiedlicher Qualität – oder anders gesagt: Weniger Filme in der Summe, die sich eine Sichtung verdient hätten. Entsprechend knapp fällt auch die Liste jener Werke aus, die mir aus dem Jahr 1983 bekannt sind. „Lediglich“ 47 Filme habe ich gesehen – für 1983 nicht so wenige und doch so viele wie ich teils bereits allein im Dezember schaue, auf der Suche nach letzten Filmperlen des Jahres.

Alle diese 47 Sichtungen entfallen somit auf das Heimkino, seiner Zeit noch primär VHS oder Fernsehausstrahlungen. Wobei ich die vergangenen Monate hinweg 20 Filme – und damit fast die Hälfte – eigens nachgeholt habe. Dennoch setzt sich die Top Ten nahezu ausschließlich aus Werken zusammen, die ich bereits kannte – verpasst habe ich somit all die Jahre über nicht viel. Meinungen haben sich verfestigt, nicht zuletzt durch etwaige Mehrfachsichtungen. Den Test der Zeit überstanden hat da auch der Star-Wars-Trilogieabschluss The Return of the Jedi, wohl der Film schlechthin für das Jahr 1983. Bei den Nutzern der Internet Movie Database (IMDb) stellt er mit einer Wertung von 8.3/10 den beliebtesten Film aus 1983 dar.

Ebenso hoch bewerteten die User mit 8.3/10 – aber weniger Abstimmungen – Oliver Stones Remake Scarface, das in Deutschland aber erst im März 1984 anlief. International ist der Dritte im Bund, liegt Ingmar Bergmans Fanny och Alexander in Relation zu den Stimmzahlen mit einer Wertung von 8.1/10 auf Rang 3. Finanziell konnten aber weder das schwedische Drama noch Stones Kultfilm mit den Jedi-Rittern mithalten, avancierte The Return of the Jedi in 1983 zum weltweit erfolgreichsten Film des Jahres. Gar nicht einmal so weit dahinter – und als einziger anderer Film mit einem Einspiel über 200 Millionen Dollar – markierte wiederum Adrian Lynes Flashdance trotz schlechter Kritiken den zweiterfolgreichsten Film des Jahres weltweit.

Weniger ungewöhnlich: Das damalige James-Bond-Abenteuer Octopussy verdiente sich Bronze – und setzte sich damit zugleich gegen den zweiten James-Bond-Film aus 1983, Never Say Never Again mit Ur-007 Sean Connery, durch. Jener „inoffzielle“ Bond startete erst im Januar 1984 in deutschen Kinos, vermochte dort aber ebenfalls nicht die Besucherzahlen des Roger-Moore-Vertreters vom Vorjahr zu erreichen. Zwischen die beiden Bond-Filme schob sich noch Sydney Pollacks Travestie-Komödie Tootsie, während Filme wie An Officer and a Gentleman, Gandhi, Staying Alive, First Blood [Rambo] und Terms of Endearment die zehn erfolgreichsten Filme weltweit abschlossen (hier fallen einige Filme aus ´82 und ´83 zusammen).

Startet heutzutage jeder größere Film international weitestgehend zeitgleich, war dies früher anders. So liefen Tootsie oder First Blood in Amerika bereits Ende 1982 und in Deutschland kamen Terms of Endearment oder Sudden Impact [Dirty Harry IV] erst in 1984 raus. Gleichermaßen stark in Westdeutschland und den USA war jedenfalls die Macht, lockte The Return of the Jedi doch in beiden Ländern die meisten Menschen in die Kinos. Während einige Vertreter der US-Top-Ten wie Mr. Mom oder Risky Business ebenso wie Sudden Impact erst im Verlauf von 1984 bei uns starteten, war dafür das deutsche Interesse an dem TV-Film The Day After (Platz 5) oder auch Carlos Sauras Musical Carmen (Platz 10) überraschend groß.

Mit rund 106 Millionen Zuschauern stellte M*A*S*H’s Serienfinale einen TV-Rekord auf.
Erfolgreich unterwegs waren auch Thomas Gottschalk und Mike Krüger mit Die Supernasen, der etwa 2,7 Millionen Besucher anlockte. Ein Gewinner von 1983 war ebenso Eddie Murphy, der mit Filmen wie 48 Hrs. [Nur 48 Stunden] und Trading Places [Die Glücksritter] den Durchbruch zum Star schaffte. Ebenfalls nicht beklagen dürfte sich Paramount Pictures, die mit Flashdance, Terms of Endearment, Trading Places sowie Staying Alive und An Officer and a Gentleman ordentlich Kasse machten. Von jenem Glanz ist man inzwischen doch etwas entfernt, lebt das Studio quasi primär von Sequels der Transformers- und Mission: Impossible-Franchises. Ein Quoten-Gewinner war damals aber auch die CBS-Fernsehserie M*A*S*H.

Nach elf Jahren fand die TV-Adaption des Robert-Altman-Films ihr Ende, das Serienfinale schauten dabei derart viele Amerikaner an, dass es nur die Super-Bowl-Ausstrahlungen seit 2010 an Hawkeye und Co. vorbeigeschafft haben. Es war nicht die einzige Serie, die sich 1983 vom Bildschirm verabschiedete, auch James L. Brooks’ Taxi sagte nach fünf Jahren „Goodybe“, genauso wie Little House on the Prairie, das neun Jahre auf dem Buckel hatte. Neu startete derweil The A-Team um Hannibal, Face, Murdock und B.A. Baracus – auch mit enormen Quoten-Erfolg. Der verblasste jedoch nach drei Jahren bereits wieder. Länger hielten sich da schon die Mario Bros. von Nintendo, die im Jahr 1983 ihr erstes Arcade-Game eroberten.

Erfahrung hat seither auch Meryl Streep was Oscarnominierungen angeht. 21 Mal ist die gute Frau für ihre Darstellungen bedacht worden – und holte bei ihrer 4. Nominierung 1983 direkt den 2. Oscar. Seltenheitswert hat, dass sich meine Anerkennung der beiden besten Schauspiel-Leistungen des Filmjahres mit denen der Academy deckt. So missglückt Alan J. Pakulas Mix aus Liebes- und Holocaust-Drama in Sophie’s Choice auch ausfiel, so stark war die Darbietung von Meryl Streep darin. Auch Ben Kingsley, der für Gandhi den Oscar erhielt, vereinnahmt ganz seine Rolle und macht sie sich zu Eigen. Ein auffälliger Newcomer (bzw. eine Newcomerin) war Ally Sheedy, die mit WarGames und Bad Boys direkt zwei Filmeinträge erhielt.

Nicht nur sie war 1983 gleich doppelt tätig, lieferte Pakula neben Sophie’s Choice noch den ebenso müden Rollover ab. Auch Sidney Lumet hatte mit The Verdict und Prince of the City kein Glück, finanziell erfolgreicher war John Badham mit WarGames und Blue Thunder [Das Fliegende Auge]. Und obschon ich jedes Jahr lamentiere, die Qualität der Filme nimmt ab, zeigt 1983, dass damals auch nicht jedes Werk ein Knaller war. Eher gab sich der Durchschnitt die Klinke in die Hand. Sodass vielleicht weniger die Qualität der Filme abnimmt als dass ich im Alter zu anspruchsvoll werde. Natürlich gibt es dennoch im Jahresrückblick mit meiner persönlichen Top Ten eine Vorstellung der zehn besten Filme – diesmal rückblickend aus 1983:


10. Koyaanisqatsi (Godfrey Reggio, USA 1982): Eindringlicher als die – meist in Zeitraffer gefilmten – Bilder gerät Philip Glass’ hypnotischer Soundtrack, der Godfrey Reggios Koyaanisqatsi begleitet. Die intendierte Botschaft des unruhigen Lebens – so die Hopi-Übersetzung des Titels – und der Auswirkungen der menschlichen Zivilisation auf die Natur vermag ich selbst in den wahllos zusammengeschnittenen Bildern eher weniger zu erkennen, audiovisuell einnehmend ist dieser Experimentalfilm aber dennoch allemal.

9. Sasame-yuki (Ichikawa Kon, J 1983): Von einem Generationenkonflikt und unterschiedlichen Lebensentwürfen handelt Ichikawa Kons Adaption Sasame-yuki über vier verwaiste Schwestern und Erbinnen eines Kimono-Imperiums. Speziell die jüngeren Beiden sind gefangen in konservativen Erwartungen, denen das eigene Lebensglück zu Lasten fällt. Angetrieben von der Suche nach einem Gatten für die Drittälteste Yukiko inszeniert Ichikawa-san seinen Film dabei mit viel Gespür für Humor und Mise en Scène.

8. The Return of the Jedi (Richard Marquand, USA 1983): Die Rettung Han Solos im ersten Akt gerät derart unterhaltsam, dass die narrativen Löcher kaum als Störfaktor auffallen. Es folgt ein dem Merchandise geschuldeter langer Ausflug in die Welt der Ewoks, ehe Richard Marquand in The Return of the Jedi das Finale von Star Wars nochmals nacherzählt. Die Verlagerung auf drei Handlungsebenen gelingt da nur bedingt, der atmosphärische Konflikt zwischen den Skywalkers und dem Emperor tröstet aber über viel hinweg.

7. Pauline à la plage (Éric Rohmer, F 1983): Kaum eine Nation befasst sich vermutlich so geschickt mit den Leiden der Liebe(enden) wie Frankreich. Éric Rohmer berichtet in Pauline à la plage von den unglücklichen Romanzen zweier Cousinen während eines Sommerurlaubs in der Normandie. Getragen wird die fast episodenhafte Geschichte von der bezaubernden Newcomerin Amanda Langlet, deren eigenes Leben plötzlich zum emotionalen Spielball in der Dreiecksbeziehung ihrer Cousine zu zwei Männern verkommt.

6. An Officer and a Gentleman (Taylor Hackford, USA 1982): Oberflächlich betrachtet erzählt Taylor Hackford von der turbulenten Romanze und Ausbildung eines eigenbrötlerischen Marine-Offiziers. An Officer and a Gentleman ist dabei weniger Liebesschnulze als ein Film über Verlassenheit, Sinnsuche und Zugehörigkeit einer Gruppe Mittzwanziger, die Angst haben, so zu enden wie ihre Eltern. Es geht um die Emanzipation des Rollenbilds der Vorgänger-Generation, um Selbstverwirklichung – und um Romantik, okay.

5. Trading Places (John Landis, USA 1983): Kleider machen Leute und Geld auch nicht glücklich wie Dan Aykroyd und Eddie Murphy in vertauschten Rollen inmitten eines sozialen Experiments erleben. Die Auswirkungen dieses Tauschs sind in Trading Places sicher etwas überspitzt, so wie Jamie Lee Curtis und der wunderbare Denholm Elliott unterbeschäftigt. Unterhaltsam ist das Ergebnis aber allemal, auch wenn der Schlussakt mit dem großen Börsencoup und seinem Vorgeplänkel im Zug eher uninteressant ausfällt.

4. First Blood (Ted Kotcheff, USA 1982): Seinen Platz in der Welt sucht auch John J. Rambo in Ted Kotcheffs First Blood. Der Film behandelt im Kern den Kampf eines Soldaten gegen seine Kriegsdämonen sowie den der zivilen Gesellschaft gegen den Dämon Krieg. Geschickt führt Kotcheff die Survival-Action-Elemente mit subtiler Kritik an der Post-Vietnam-Kultur der USA zusammen. Der ach so starke Held wird demaskiert als ein Geplagter und Verstoßener. Als verlorener Sohn, den man nicht heimkehren lassen will.

3. 48 Hrs. (Walter Hill, USA 1982): Grundsolide ist kein überschwängliches Lob per se, im Fall von Walter Hills Buddy-Cop-Film 48 Hrs. dann aber doch. Dieser speist sich somit zuvorderst aus der Beziehung zwischen seinen beiden charismatischen Hauptdarstellern, die er geschickt in einer eher simplen Handlung agieren lässt. Diese ordnet sich ohne viel Tamtam dabei den Figuren unter, was Eddie Murphy seiner Zeit zum Hollywood-Durchbruch verhalf. Heimlicher Star ist aber fast eher James Horners jazziger Score.

2. Gandhi (Richard Attenborough, UK/IND/USA 1982): Richard Attenboroughs Passions-Projekt erzählt wenig über den Menschen Gandhi und widmet sich primär der politischen Person. Das Ergebnis ist anstelle eines Biopics mehr ein „Best of“ von Gandhis Bemühen um Indiens Selbstverwaltung. Naturgemäß etwas zu hagiografisch bietet Gandhi aber einen guten Einblick in das Schaffen und die Philosophie seiner Figur. Hierbei funktioniert der Film vor allem dank Ben Kingsley, der mit seiner legendärsten Rolle verschmilzt.

1. The Meaning of Life (Terry Jones, UK 1983): Nach ihren beiden – thematisch stringenteren – Filmen kehrten die Pythons für The Meaning of Life wieder zu ihrem Sketch-Format des Flying Circus zurück. Die einzelnen Segmente hängen nicht wirklich miteinander zusammen, dennoch gelingt es der Truppe, nuanciert und pointiert das Leben und seine vielen Facetten zu persiflieren (z.B. in den Kapiteln “Birth” oder “Live Organ Transplants”). Ein herrlicher Spaß, humorvoll und reflektiert – like Christmas in Heaven.

11. Mai 2018

48 Hrs. [Nur 48 Stunden]

Some of us citizens are behind you all the way, officer.

Einen ungeschliffenen Diamanten findet man nicht oft, erkennt ihn aber leicht. So wie im Fall von Eddie Murphy, der in jungen Jahren Anfang der 1980er Jahre über Saturday Night Live zum aufstrebenden Hollywood-Star aufsteigen sollte. Mit Hits wie Trading Places, Coming to America und Beverly Hills Cop zementierte Murphy seinen Status innerhalb der Branche, seinen Anfang als Schauspieler nahm er dabei 1982 mit seinem Debüt in Walter Hills 48 Hrs. [Nur 48 Stunden]. Gerade 21 Jahre alt geworden, drückte Murphy dem “buddy cop”-Thriller derart seinen Stempel auf, dass seine Karriere anschließend sicher schien. 48 Hrs. avancierte zu einem der erfolgreichsten Filme des Jahres – angesichts seines R-Ratings nicht selbstverständlich.

Die Story ist dabei relativ simpel: Als der dank seinem Partner Billy Bear (Sonny Landham) entflohene Häftling Ganz (James Remar) zwei Polizisten ermordet, ermöglicht der ermittelnde Polizist Jack Cates (Nick Nolte) einen 48-Stunden-Freigang für Ganz’ ehemaligen Komplizen Reggie Hammond (Eddie Murphy). Dieser soll ihm helfen, Ganz zu überführen, der auf eine Beute in Höhe von einer halben Million Dollar aus ist, die Hammond und er einst bei einem Drogencoup bei Seite geschafft haben. Hierzu machen sie zuerst Luther (David Patrick Kelly), einen weiteren Komplizen, ausfindig, während die unterschiedlichen Persönlichkeiten von Eigenbrötler Cates und dem extrovertierten Reggie in der Folge wiederholt aneinander geraten.

48 Hrs. speist sich somit zuvorderst aus der Beziehung zwischen seinen beiden Hauptdarstellern, weniger durch die sehr rudimentäre Handlung. Immer wieder arbeiten sich Reggie und Cates am jeweiligen Gegenüber ab, bemerkenswert ist dabei, dass der Häftling hier stets mit dem Polizisten mithalten darf. Hill und das Drehbuch, das unter anderem von Steven E. de Souza (Die Hard, Commando) stammt, lassen Murphys Figur hier erfreulich viel Raum zur Entfaltung. Den Höhepunkt bildet dabei vermutlich die Szene in Torchy’s Bar, in welcher Cates sich buchstäblich zurücknimmt, während Reggie einer Gruppe Rednecks die Leviten liest (“I’m your worst fuckin’ nightmare”), auf der Suche nach Informationen zu Billy Bears Aufenthaltsort.

“Attitude and experience get you through”, hat Cates zuvor Reggie eingebläut, wie ein derartiger Konflikt zu lösen ist. Und in gewisser Weise könnte man es auch als Ratschlag von Nick Nolte an Eddie Murphy deuten, hatte Nolte doch seinem Kollegen seiner Zeit zehn Jahre Filmerfahrung voraus. Ähnlich wie in anderen “buddy cop”-Filmen wie Lethal Weapon lernen die Figuren in der Folge, dass sie sich aufeinander verlassen können, woraus sich freundschaftlicher Respekt entwickelt. Ungeachtet jener Keilerlei, in der Cates dann doch so überraschend wie unnötig einen subtilen Rassismus an den Tag legt – was der Film anschließend aber nicht weiter verfolgt. Dabei zeigt sich 48 Hrs. über weite Strecken sogar erstaunlich offen und liberal.

So ist Cates’ Vorgesetzter ein schwarzer Captain und mit Frank McRae so geschickt besetzt, dass er die Rolle später in Last Action Hero und Loaded Weapon 1 persiflieren würde. Zuvor sehen wir eine Gerichtsmedizinerin asiatischer Abstammung im Gespräch mit Cates, während Sonny Landham als Billy Bear einen Nachfahren amerikanischer Ureinwohner spielt. Abgesehen davon ist die Welt von 48 Hrs. – die Gerichtsmedizinerin außen vor – aber eine von Männern dominierte. Frauen werden reduziert auf sexuelle Objekte, seien es die Damen, die zur Befriedigung von Ganz, Billy und Reggie dienen, oder Cates’ Freundin Elaine (Annette O’Toole). Das mag dem Genre und jener Zeit – sowie dem Genre jener Zeit – geschuldet sein.

Neben den Hauptdarstellern überzeugt speziell James Horners Musik, die oft die für den Komponisten bekannten jazzigen Töne annimmt. In Kombination mit den vielen Nacht-Szenen gibt die Symbiose aus Bild und Musik 48 Hrs. nochmals eine ganz eigene Note. Erfreulich ist auch, dass das Finale relativ reduziert ausfällt, ohne große Verfolgungsjagd oder Brimborium vielmehr Bezug nimmt auf das erste Treffen von Cates und Ganz zu Beginn. Walter Hill endet die Geschichte naturgemäß mit den zwei Hauptfiguren, die sich trotz des Erfolgs von 48 Hrs. erst acht Jahre später wiedersehen sollten. Zu dem Zeitpunkt war Eddie Murphy bereits einer von Hollywoods größten Stars. Selbst wenn dieser Stern im Lauf der 90er schließlich zu verglühen begann.

7.5/10

1. Mai 2014

Filmtagebuch: April 2014

48 HRS. [NUR 48 STUNDEN]
(USA 1982, Walter Hill)

7/10

AFTERNOON DELIGHT
(USA 2013, Jill Soloway)
5/10

ANOTHER 48 HRS. [UND WIEDER 48 STUNDEN]
(USA 1990, Walter Hill)

7/10

AO NO ROKU GÔ [BLUE SUBMARINE NO.6]
(J 1998, Mahiro Maeda/Kôichi Chigira)

8/10

A BRIEF HISTORY OF TIME [EINE KURZE GESCHICHTE DER ZEIT]
(UK/J/USA 1991, Errol Morris)

7.5/10

COMMUNITY - SEASON 5
(USA 2014, Tristram Shapeero u.a.)
7/10

THE FAMILY MAN
(USA 2000, Brett Ratner)
7.5/10

FROZEN [DIE EISKÖNIGIN - VÖLLIG UNVERFROREN] (3D)
(USA 2013, Chris Buck/Jennifer Lee)

4/10

GENERATION IRON
(USA 2013, Vlad Yudin)
6.5/10

HAROLD AND MAUDE
(USA 1971, Hal Ashby)
4.5/10

IDIOCRACY
(USA 2006, Mike Judge)
7.5/10

INTO THE BLUE
(USA 2005, John Stockwell)
6/10

IT [ES]
(USA/CDN 1990, Tommy Lee Wallace)

5.5/10

JOE
(USA 2013, David Gordon Green)
7/10

JOHNNY MNEMONIC [VERNETZT]
(CDN/USA 1995, Robert Longo)

5/10

LADY IN THE WATER [DAS MÄDCHEN AUS DEM WASSER]
(USA 2006, M. Night Shyamalan)

3.5/10

LAKE PLACID
(USA/CDN 1999, Steve Miner)
6/10

MATCHSTICK MEN [TRICKS]
(USA 2003, Ridley Scott)

8/10

PARKS AND RECREATION - SEASON 6
(USA 2013/14, Dean Holland u.a.)
7.5/10

LE PASSÉ [LE PASSÉ - DAS VERGANGENE]
(F/I 2013, Asghar Farhadi)

6.5/10

RE-ANIMATOR
(USA 1985, Stuart Gordon)
8/10

THE RUNDOWN [WELCOME TO THE JUNGLE]
(USA 2003, Peter Berg)

4.5/10

SAVING MR. BANKS
(USA/UK/AUS 2013, John Lee Hancock)
7/10

THE SECRET LIFE OF WALTER MITTY
[DAS ERSTAUNLICHE LEBEN DES WALTER MITTY]
(USA 2013, Ben Stiller)

5.5/10

SHARK NIGHT (3D)
(USA 2011, David R. Ellis)

5.5/10

SIGNS
(USA 2002, M. Night Shyamalan)
6/10

THE SIXTH SENSE
(USA 1999, M. Night Shyamalan)
6.5/10

TIAN ZHU DING [A TOUCH OF SIN]
(CN 2013, Zhangke Jia)

6/10

UNBREAKABLE
(USA 2000, M. Night Shyamalan)
7.5/10

THE VILLAGE
(USA 2004, M. Night Shyamalan)
7.5/10

VOLCANO
(USA 1997, Mick Jackson)
5/10

WALKING TALL
(USA 2004, Kevin Bray)
7/10

THE WOLF OF WALL STREET
(USA 2013, Martin Scorsese)
0/10

27. August 2008

Meet Dave

Yeah, boy, yeah!

Was macht eigentlich Eddie Murphy? Der Kinogott der achtziger Jahre. Der Beverly Hills Cop. Der Glücksritter. Der Prinz aus Zamunda. Okay, ich geb’s zu, das war eine rhetorische Frage, ich weiß ja schließlich was der Murpherl-Eddie macht. Kinderfilme, das macht er. Neben The Haunted Mansion und Daddy Day Care dann auch noch Filmchen wie Norbit und Pluto Nash (letzteren könnte man auch Pluto Trash nennen, wäre vielleicht sogar die bessere Wahl gewesen). Aber Eddie Murphy kann auch schauspielern. Nee, in echt jetzt. Nach seiner Leistung in Dreamgirls ging er als Golden Globe-Gewinner sogar als Favorit ins Rennen der Oscarverleihung. Da fragt man sich durchaus, warum der Kerl nicht öfter richtige Rollen annimmt. Aber das kann man sich auch bei Adam Sandler fragen und trotzdem dreht der weiterhin Blödel-Komödien wie I Now Pronounce You Chuck & Larry. Wobei Sandler wenigstens seine Fanbase bedient, die ihm seit SNL-Zeiten treu ist, was sich von Murphy nicht behaupten lässt. Für Schlagzeilen sorgte der gute Mann dann zuletzt auch eher als Vater von Mel B’s Tochter. Mel B. Eines der Spice Girls. Ja, ich les gelegentlich Bunte, guilty pleasure. Zurück zum Thema. Zu Norbit lässt sich eigentlich kaum etwas Gutes sagen und im Grunde markierte der Film auch den Tiefpunkt von Murphys Karriere – die nur an der Oberfläche gehalten wurde, da er Esel in der Shrek-Reihe spricht. Immerhin brachte der Film Murphy mit Regisseur Brian Robbins zusammen. Und Robbins hat immerhin Regie geführt bei Varsity Blues und der ist immerhin besser als Friday Night Lights von Peter Berg. Und eigentlich auch besser als Any Given Sunday von Oliver Stone. Das Drehbuch stammte dieses Mal nicht von Autoren solcher Filme wie Vampires in Brooklyn oder I, Spy, sondern von Rob Greenberg, langjährigen Autor der Serie Frasier, sowie Bill Corbett, Mitwirkender der langlebigen Serie Mystery Science Theater 3000.

Inspiriert wurde Meet Dave (dessen deutscher Titel Mensch, Dave fast besser ist, und das lässt sich so gut wie nie sagen) von dem britischen Comicstrip The Numskulls. Ein Raumschiff landet auf Liberty Island und das Raumschiff beherbergt…naja, Außerirdische. Kleine Außerirdische. Und das Raumschiff ist eigentlich ein Mensch, zumindest äußerlich. So ähnlich wie in Men in Black, der eine Typ da. Und das Raumschiff sieht aus wie Eddie Murphy. Und der Kapitän des Raumschiffes sieht auch aus wie Eddie Murphy beziehungsweise wie das Raumschiff oder besser gesagt sieht das Raumschiff aus wie der Kapitän. Der Plan der Außerirdischen ist es eine kleine Kugel zu finden, die vorab auf die Erde geschickt wurde. Diese sollte die gesamten Meere aufsaugen, damit der Planet der Außerirdischen von deren Salzvorkommen seine zu Ende gehende Energie aufbessern kann. Nur muss die Kugel erstmal gefunden werden und das Raumschiff sich der menschlichen Gesellschaft von New York anpassen. Nachdem es von der allein erziehenden Mutter Gina (Elizabeth Banks) angefahren wurde erhält es auch einen Tarnnamen: Dave Ming Chan. Dank Gina und ihrem Sohn Josh erhält nicht nur der Kapitän, sondern auch seine Nummer 3 (Gabrielle Union), Nummer 4 (Pat Kilbane) und im Grunde die gesamte Crew einen Einblick in die menschliche Kultur. Bald beginnen sich bei den Außerirdischen Emotionen einzustellen, Sympathien, verborgene (Ge-)Lüste. Lediglich der zweite in der Rangfolge, Nummer 2 (Andy Bernard, ach quatsch, Ed Helms), scheint immun dagegen und ist geradezu angewidert von den Menschen. Dumm nur, dass bei all den Sympathien die Energiereserven des Raumschiffes nur noch für einige Stunden reichen. Es muss gehandelt werden, denkt sich auch Nummer 2 und plant insgeheim eine Revolte gegen den Kapitän.

Ursprünglich hieß das Projekt Starship Dave, doch man befürchtete wohl zu viele Analogien mit dem Trash-Vehikel Pluto Nash. Umso erstaunlicher, dass Murphy für sein aktuelles Werk ein Budget von einhundert Millionen Dollar zusammentragen konnte. Solche Budgets sind heutzutage ja keine Seltenheit mehr, fast schon der Normalfall, sodass man keine überragenden Effekte erwarten sollte. Sie sind zwar nicht schlecht, gerade in den Szenen, in welchen der Kapitän und Nummer 3 außerhalb von Dave ihr Abenteuer bestehen, merkt man die Grenzen des Projektes doch deutlich. Aber wer hat auch ernsthaft ein Meisterwerk erwartet und der Film ist weit entfernt davon eines zu sein. Oder wie man’s nimmt, im Vergleich zu „Pluto Nash“ könnte man ihn durchaus als solches sehen. In einer Szene des Filmes schauen sich der Kapitän und Nummer 3 Frank Capra’s It’s a Wonderful Life an und man merkt es Robbins an, dass er versucht mit Meet Dave eine Caprasche Geschichte zu erzählen. Eine „Fish-out-of-Water“-Geschichte, ein Fremder in einem fremden Land. Dabei ist Robbins Film weniger Frank Capra als vielmehr Edward D. Wood Jr., der hätte seine helle Freude an dem Film gehabt. Außerirdische, eine Liebesgeschichte und eine Moral – etwas das Wood immer gerne eingebaut hat. Für einhundert Millionen Dollar hätte auch der gute Ed Wood einen solchen Film zaubern können und das kann man durchaus als Kompliment sehen. Denn schlecht ist Meet Dave nicht. Nur richtig gut, dass ist er ebenfalls nicht, muss er allerdings auch nicht sein. Ordentlicher Durchschnitt, eine Steigerung in Murphys Karriere nach den miesen Filmchen, die er in den letzten Jahren zu drehen pflegte.

Ob man Meet Dave gut findet oder nicht, merkt man nach fünf Minuten. Wenn Murphy mit seinen ersten Schritten auf Erdboden herumstakst, ist das sicher nicht jedermanns Sache, ebenso wenig seine Grimassen. Wer an dieser Stelle jedoch lacht, der hat bereits gewonnen und wird in den nächsten 85 Minuten mitunter gut unterhalten werden. Allein Murphys „Staying Alive“-Performance ist – zumindest für mich – zum Schreien (also bildhaft gesprochen). Punkte fährt Robbins auch bei seinen unzähligen pop-kulturellen Referenzen ein, die jedoch in Deutschland eher weniger funktionieren. Wer kennt hierzulande schon „Captain Crunch“? Und Frühstücksflocken mit einem „Kapitän“ im Titel gibt es bei uns nicht. Da wird man sich etwas anderes einfallen lassen müssen. Aber auch Google, Yahoo, MySpace und und und – sie alle finden Einzug in den Film und dies nicht als product placement. Vielmehr gelingt es Robbins ein authentisches Bild unserer heutigen Gesellschaft zu zeichnen. Die „Gefahr“, die von Google ausgeht, wurde schon in verschiedenen Magazinen thematisiert und zu welchen Missverständnissen (natürlich überspitzt) dies führen kann, zeigt die Szene bezüglich des Abendessens (Hackbraten/engl. meat loaf). In dieser Hinsicht funktioniert der Film dann doch, der sich wie manch andere Vertreter gezielt mit der Thematik „Ist der Mensch, dieses absurde Wesen, wert gerettet bzw. nicht getötet zu werden?“ beschäftigt. Und wie in Bessons The Fifth Element ist es auch hier die Liebe, welche die Außerirdischen umstimmt in ihrer Haltung. Naja, bis auf Nummer 2 eben. Wer Ed Helms kennt, muss unweigerlich an seine Figur des Andy Bernard in The Office denken und auch Pat Kilbane dürfte manch einem aus MadTV bekannt sein. Zudem sind Banks und Union nette Hingucker, doch die ganze Miete des Filmes ist Eddie Murphy. Man muss sich zwar, wie angesprochen, nach fünf Minuten entscheiden, wenn man ihm jedoch bereit ist zu folgen, wird er einen sicherlich das eine oder andere Mal zum Lachen bringen. Jedenfalls mindestens so oft wie in seinen letzten acht Filmen zusammen.

6/10