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22. Juni 2018

Jurassic World: Fallen Kingdom

I say we shut this whole thing down.

Es gibt in Jurassic World eine Szene mit Genetiker Henry Wu (BD Wong), die exemplarisch das Problem des Jurassic Park-Franchises auf den Punkt bringt. “You didn’t ask for reality, you asked for more teeth”, sagt Wu darin in Bezug auf den amoklaufenden Hybrid-Dino Indominus Rex. Versuchte die Filmreihe um rebellierende Riesenechsen zuerst in The Lost World noch, den Erfolgsdruck einer Fortsetzung mit einem Mehr an Kreaturen aufzufangen (mehr Tyrannosaurier, mehr Raptoren), ging Jurassic Park III mit seinem Spinosaurier bereits dazu über, den Fokus eher auf einen neuen, „Supersaurier“ zu legen. Wo Stephen Sommers’ Trilogieabschluss scheiterte, reüssierte Colin Trevorrow 2015 mit Jurassic World – zumindest finanziell.

“Life finds a way”, sinnierte Ian Malcolm (Jeff Goldblum) da im Original – und könnte genauso für jeden Kino-Blockbuster sprechen, der bei ausreichend Erfolg eine Sequel-Lawine lostritt. Bei einem Einspiel von über 1,6 Milliarden Dollar war absehbar, dass Jurassic World zurück auf die Leinwand kehrt. Immerhin bleibt der Park dieses Mal geschlossen – was nicht bedeutet, dass J.A. Bayona, der Trevorrow als Regisseur ersetzt, aber nicht dieselben Fehler wie sein Vorgänger macht. Jurassic World: Fallen Kingdom erzählt so im Grunde zwei Geschichten in einem Film – wobei die erste angelehnt ist an The Lost World und die zweite im Prinzip der Handlung des Vorgängers folgt. Dies aber zumindest in einer neuen und eher ungewöhnlichen Umgebung.

Ein Vulkanausbruch droht, die auf Isla Nublar verbliebenen Dinos auszulöschen. Für die Tiere ein kataklystisches Déjà-vu, welches Milliardär Benjamin Lockwood (James Cromwell), der mit John Hammond (Richard Attenborough) einst das Dino-Klonen anstieß, gemeinsam mit Claire (Bryce Dallas Howard), vormals Park-Leiterin von Jurassic World, verhindern will. Elf Spezies können auf eine andere Insel Lockwoods verlagert werden, klärt Lockwoods Assistent Eli (Rafe Spall) auf. Darunter auch Velociraptor Blue. Nur: Um diese im verwahrlosten Park ausfindig zu machen, müssen Claire, ihr IT-Kollege Franklin (Justice Smith) sowie Ex-Freund und Raptor-Trainer Owen (Chris Pratt) aber erst das Tracking-System des Parks rebooten.

Während Ian Malcolm in einem Cameo vor dem US-Senat eine Intervention der natürlichen Ereignisse ablehnt, veranstaltet der Film ein großes Bohei um eine letzten Endes reduzierte Rettungsaktion. Selbst wenn ein Dutzend Exemplare gerettet werden, bleibt der Großteil doch zur Auslöschung verdammt. Sprich: Um die vorhandenen Tiere geht es weniger als um den Gedanken eines zweiten Aussterbens. Die Szenen auf Isla Nublar ähneln dabei denen aus The Lost World, wenn sich die Dino-Aktivisten einer Schar Söldner um ihren Anführer Wheatley (Ted Levine) gegenübersehen, die sich nicht um das Wohl der Echsen scheren, sondern ihren Gehaltscheck. Der Kommerz steht über allem – sogar über dem Überleben unserer Helden.

Ein Thema, das Colin Trevorrow und Derek Connolly – die beide erneut das Drehbuch schrieben – schon in Jurassic World faszinierte. Obwohl der Dino-Park finanziell ertragreich war, verkam die Genese des Indominus Rex da primär zum Wirtschaftsfaktor. Weshalb es irritieren muss, dass Jurassic World trotz allem auf Isla Nublar gebaut wurde, obwohl dort ein aktiver Vulkan brodelt. Wäre der Park nicht am Ende des letzten Films geschlossen worden, wäre er nun sowieso dahin – und müsste woanders komplett neu gebaut werden. So hätte man vielleicht rückwirkend die Erschaffung des Indominus Rex erklärt – als finanzielle Rechtfertigung für kommende rote Zahlen. Sei es drum, der liebe Schotter bestimmt die zweite Filmhälfte.

Trevorrow, Connolly und Bayona verlagern das Geschehen von draußen nach drinnen, wenn die geretteten Dinosaurier in einer illegalen Auktion an die meistbietenden Oligarchen, Waffenhändler und Co. verscherbelt werden sollen. Reine Geldmacherei, ätzt in einer Szene Claire – kriegt aber von dem Antagonisten des Films postwendend den Spiegel vorgehalten. Jurassic World: Fallen Kingdom folgt hier dem Denkansatz der Privatisierung, die Vincent D’Onofrio im Vorgänger angestoßen hat. Bleibt jedoch vage. Fraglich, was jemand mit einem Stegosaurus mit achtstelligem Preisschild anfangen will. Genauso wie die angedeutete Dino-Kriegsführung nur Sinn ergibt, wenn die Käufer per Gen-Splicing danach selbst zu Dr. Frankenstein mutieren.

Allzu viel hinterfragen sollten Zuschauer ohnehin nicht in Fallen Kingdom. Warum vor Lava fliehende Dinosaurier plötzlich Menschen angreifen, statt ihrem Überlebensinstinkt zu folgen? Wenn es nur um das Retten einiger Dinos geht, anstatt aller Tiere, könnte man es doch bei den Exemplaren auf Isla Sorna belassen? Wieso soll Raptor Blue auf einmal eine Empathie-Prinzessin sein, nachdem sie im letzten Teil genauso rücksichtslos wie ihre Artgenossen mordete? Hinzu kommen verschiedene als Twist verkaufte Offenbarungen in der zweiten Hälfte, die keinerlei wirkliche Relevanz für die Story des Films besitzen. Eher weitere Fragen nach sich ziehen, am Ende aber wie das Gros des Rests ohnehin in der Belanglosigkeit versinken.

Die Handlung des Films ist im Grunde nicht mehr als eine Entschuldigung, ein CGI-Action-Set-Piece an das nächste zu reihen. Teils in einer derartigen Frequenz, dass es nah am Overkill ist, wenn Bayona zwischen zwei dramatische Momente kurzerhand noch einen dritten quetscht. Zur selben Zeit ist der Regisseur immerzu bemüht, visuelle Referenzen zum 1993er Original einzubauen. War dies in Jurassic World bisweilen noch nostalgisch, wirkt es hier mehr und mehr ermüdend. Angefangen vom röhrenden T-Rex in Snapchat-Gedächtnispose – ein Motiv, so ikonisch, dass es Fallen Kingdom gleich vier Mal abspult. Dass Bayona zudem ein enormer Fan der Raptoren-Küche-Szene aus dem Original ist, zeigt er in gleich mehreren Einstellungen.

Trotz alledem gelingt es dem Film, einige überzeugende Momente zu kreieren – selbst inmitten seines Hommage-Wusts. Wenn der T-Rex während eines Angriffs zwischen der Dunkelheit und Scheinwerferlicht wandelt, verstärkt dies nochmals die Bedrohlichkeit der Echsenkönigin. Und auch das Geisterhaus-Stalking des neu erschaffenen Indorapters im Schlussakt inszeniert Bayona bisweilen geschickt im Mondlicht. Beinahe gelingt es dem Film gar, den Zuschauer zu berühren, wenn ein Dino langsam zur Silhouette in einer Lavawolke verkommt. Rar gesäte Einstellungen in einem zwar unterhaltsamen, aber nicht wirklich erinnerungswürdigen Film. Dafür hapert es zu sehr an einer durchdachten Handlung oder sympathischen Figuren.

Diese bleiben größtenteils eindimensionale Karikaturen – einschließlich der Charaktere, die wir bereits aus dem letzten Teil kennen. So zehrt Chris Pratt von seinem natürlichen Charisma, das die klischeebehaftete Macho-Figur aber nicht ausreichend füllt. Völlig frei von Chemie sind dabei all jene Szenen, in denen der Film die romantische Flamme zwischen Owen und Claire wieder entfachen will. Rafe Spall macht wenig aus seinem gelackten Assistenten, Ted Levine ist seinerseits ein lebloser Arschloch-Hybrid aus Vincent D’Onofrios und Pete Postlethwaites Vorgänger-Figuren. Justice Smith mimt den verängstigten Comic-Relief-Nerd und Daniella Pineda gibt eine vorlaute Paläo-Veterinärin, die ursprünglich wohl homosexuell sein durfte.

Wenn einem die Handlung und Figuren schon nichts bieten, dann muss es eben der aus dem Rechner stammende CGI-Bombast tun. So ähnlich mag man sich das bei Universal gedacht haben. Dass dabei für Nahaufnahmen tatsächlich Animatronics eingesetzt wurden, geht im VFX-Wust fast unter. Die Action ist nur leidlich spannend, ihr Ausgang vorhersehbar. Sterben dürfen im Blockbuster-Kino der Gegenwart eh nur noch die Bösen, wieso da Zeit aufgewandt wird, um einen von Lava umströmten, gelähmten Chris Pratt zu zeigen, bleibt offen. Zumal inzwischen Gang und Gäbe ist, Sequels vorab bereits anzukündigen (Trevorrow kommt nach seiner Star Wars-Entlassung wieder selbst zum Zug), und Filme in Gänze in Trailern zu spoilern.

Selbst nach 25 Jahren können sich die meisten Effekte aus Jurassic Park behaupten – auch, weil die Dinos spärlich auftauchten. Wenn in Jurassic World: Fallen Kingdom eine digitale Herde von ihnen vor digitaler Lava flieht, bleibt das Illusion. Selbst wenn Bayona im Finale versteht, dass nicht gleich eine ganze Insel in die Luft fliegen muss, zieht sich die Klimax doch zu sehr. Der Film verkommt zwar nie zum Ärgernis – ungeachtet der Logikfehler und uninteressanten Figuren. Gute Unterhaltung sieht aber anders aus. Am Ende bleibt so Durchschnitt, dessen lebloses Skelett wohl wie hier im Falle des Indominus Rex in der Auftaktszene herhalten wird für ein neues (Film-)Exemplar. Das Franchise scheint noch nicht vom Aussterben bedroht.

5/10

13. Juni 2015

Jurassic World

Spare no expenses.

In seinem sehenswerten Debütfilm Safety Not Guaranteed lässt Regisseur Colin Trevorrow eine Annonce seine Handlung in Gang bringen. “Wanted: Someone to go back in time with me. This is not a joke”, beginnt sie. Und endet mit dem Hinweis: “SAFETY NOT GUARANTEED.” So ähnlich könnten auch Stellenausschreibungen für Colin Trevorrows Folgefilm Jurassic World aussehen, der dritten Fortsetzung von Steven Spielbergs Jurassic Park. Da passt es, dass in einer Szene des Films der Ex-Navy-SEAL und Velociraptor-Trainer Owen (Chris Pratt) einen seiner Mitarbeiter darauf hinweist, wieso es wohl eine offene Position zu besetzen gab. Denn ähnlich wie schon vor 22 Jahren gilt für den Dinosaurier-Park erneut: Sicherheit wird nicht garantiert.

Die jüngste Fortsetzung negiert dabei die Ereignisse aus The Lost World und Jurassic Park III, präsentiert dem Zuschauer vielmehr einen inzwischen und scheinbar seit Jahren voll funktionsfähigen Themenpark als Luxusressort. Jurassic World ist nun im Besitz von Simon Masrani (Irrfan Khan), einem liebenswürdig schrulligen Milliardär, dessen erste Frage an seine Park-Managerin Claire (Bryce Dallas Howard) lautet, ob die Besucher und die Tiere glücklich seien. Und beides, so hat es den Anschein, ist wohl der Fall. Völlig begeistert ist auch Claires Neffe Gray (Ty Simpkins), der mit seinem älteren Bruder Zach (Nick Robinson) von ihren Eltern, die sich daheim um ihre Scheidung kümmern wollen, zu Claire nach Isla Nublar abgeschoben wird.

Obschon Jurassic World Gewinne abwirft, arbeiten Claire und Co. an einer neuen Attraktion, um das Besucherinteresse anzufeuern. Dinosaurier, so die Botschaft, sind zu gewöhnlichen Zoo-Tieren verkommen und begeistern von alleine kaum noch. Was durch eine in den Film-Kritiken vielzitierte Szene, in der Zach bei der T-Rex-Fütterung dieser desinteressiert den Rücken zuwendet und telefoniert, untermauert werden soll. Nur zeigt sich bei den übrigen Park-Besuchern keinerlei Abnutzungserscheinung. Gerade Grays Generation wirkt hellauf begeistert, von Infografiken über Dino-Streichelzoos und Baby-Triceratops-Reiten. Selbst Zach verfällt dabei im Laufe seines Besuchs der von John Hammond erhofften Magie des prähistorischen Parks.

Trotz alledem soll eine neue Dino-Attraktion her, ein noch nie da gewesener Saurier, genetisch aus verschiedenen Spezies von Dr. Henry Wu (BD Wong) erschaffen. Indominus Rex heißt das neue Untier, dessen Gehege auf Wunsch von Masrani durch Owen inspiziert werden soll. Der zeigt sich skeptisch ob der Ideen von Claire und wie sich zeigt auch zurecht. Kurz darauf bricht die neue Attraktion aus ihrem Käfig aus und terrorisiert den Park. Die Zuschauer werden ins Inselzentrum zurückgezogen und eine Sondereinheit ausgesandt, den Indominus Rex einzufangen. Weil aber Zach und Gray auf Abwegen selbst im Park unterwegs sind, machen sich Claire und Owen auf, die beiden Jungen zu erreichen ehe der neue Dinosaurier ihnen dabei zuvorkommt.

Soweit, so Jurassic Park. Das Original dient Trevorrow ziemlich offensichtlich als Vorlage für seinen eigenen Entwurf, obschon sich Jurassic World leider auch zur Genüge bei Jurassic Park III bedient. Was dort der Spinosaurus ist hier der Indominus Rex – eine wilde und nicht zu bändigende Bestie, die für herunterhängende Kiefer sorgen soll. Gruseliger und mehr Zähne soll die neue Attraktion haben, so die Vorgabe. Wieso, wird jedoch nicht erklärt. Wer schon mal in einem Zoo war, wird sehen, dass Elefanten, Affen und Seehunde nicht weniger Interesse erwecken als Eisbären und Löwen. Wenn Owens Kollege Barry (Omar Sy) dann später sagt, “these people, they never learn”, ist das zugleich auch die Maßgabe für Trevorrows gesamten Film.

Der Regisseur inszeniert seinen Film in gewisser Weise als Kommentar auf sich selbst, als überkandideltes Werk, das ähnlich wie der Indominus Rex größer und spektakulärer sein muss als das, was vor ihm kam, um mit den Age of Ultrons und Fury Roads mithalten zu können. Das Scheitern von Trevorrows Film liegt darin begründet, dass er selbst zu glauben scheint, dass ein Film wie Jurassic Park heute nicht mehr genauso funktionieren könne wie 1993. Statt eher sporadischem Dino-Einsatz und diesen zugleich stets in Verbindung zwischen Animatronics und VFX stammt hier nun meist alles bis auf die menschlichen Darsteller aus dem Rechner. Was im Falle des Parks als solchen sicher noch funktioniert, bei den Dinos eher weniger.

Großes Aufhebens wurde da um die Raptoren gemacht, die nun wie Löwen von Owen in Zaum gehalten werden können, da er als ihr Alpha-Tier fungiert und wie Jacob in der Twilight-Serie von Geburt an auf sie geprägt hat. Jeder Raptor, so Trevorrow und Co., hätte seine eigene Persönlichkeit und sehe unterschiedlich aus. Wovon der Zuschauer im Film selbst wenig mitbekommt, abgesehen von Beta-Tier Blue. Im Grunde haben die Raptoren – die ohnehin eine kaum erwähnenswerte Rolle spielen – noch weniger Persönlichkeit als der Indominus Rex, der als Reagenzglasprodukt Amok läuft, um seine Grenzen auszutesten. Zumindest dienen die Raptoren als Aufhänger eines Subplots rund um den InGen-Sicherheitschef Hoskins (Vincent D’Onofrio).

Der will die Tiere militarisieren und im Kampf gegen ISIS, Taliban und Co. einsetzen – was wie ein Überbleibsel von John Sayles’ seinerzeitigem Drehbuchentwurf wirkt, als Dinosaurier-Mensch-Hybriden als Soldaten dienen sollten. Sinn und Unsinn des Geschehens in Jurassic World sollte man jedoch besser nicht hinterfragen, von Letzterem gibt es gerade im letzten Drittel des Films schließlich reichlich zu sehen. Dabei gelingt es Trevorrow durchaus, zumindest zu Beginn das Flair des Originals zu evozieren. Der Park als solcher ist ein beeindruckendes Produkt und durchaus jenes, welches John Hammond damals im Kopf gehabt haben mag. Nur die Prämisse des Films will aufgrund ihrer Umsetzung eben nicht so recht überzeugen.

Eine Übersättigung seitens des Publikums ist nicht festzustellen, sogar Zach, der einzige negative Teilnehmer den wir erleben, ist vom Mosasaurus begeistert (“that was awesome”). Das Tier dürfte selbst einer der Vorgänger des Indominus Rex sein, was Claires Behauptung, man brauche alle paar Jahre eine neue Attraktion, ebenfalls Wind aus den Segeln nimmt. Dem Film gelingt es nicht, seinem Indominus Rex eine wirkliche Existenzberechtigung zu schenken, weshalb das Tier in letzter Konsequenz nicht für das Publikum von Jurassic World erschaffen wurde, sondern für das Publikum von Jurassic World. Dabei kriegt der Indominus Rex keine einzige Szene, die ansatzweise mit den T-Rex- und Raptor-Momenten aus dem Original mithalten kann.

Ähnlich verhält es sich mit dem ästhetischen Look des Films, der wohl auch aufgrund seiner übermäßigen Rückgriffe auf die Dinosaurier enorm artifiziell und übersaturiert wirkt. Die digitalen Effekte selbst überzeugen auch nur bedingt und selbst wo Animatronics zum Einsatz kommen, wirken die Szenen mehr dated als selbige des 1993er Originals. Was die Figuren angeht, kriegen diese mehr Luft zum Atmen wie im Vorfeld vielleicht zu erwarten war. Irrfan Khans Besitzer meint es gut, weiß es nur eben nicht besser. Was ihn wiederum mit Claire eint, die eine kalte Karriereperson mimt, die zwischenmenschliche Beziehungen wieder zu schätzen lernen muss. Owen selbst ist ein altkluger Recke mit dem Charme eines 80er-Jahre-Kino-Heroen.

Die Darsteller füllen ihre Figuren entsprechend ihrer Charakterisierung aus, auch der unterforderte Vincent D’Onofrio macht aus seinem Bilderbuch-Arschloch das Beste, während Jake Johnson in einer Nebenrolle als Mix aus Ray Arnold und Dennis Nedry fast schon der heimliche Star des Films ist. Die Zitate zum Original wirken zwar bemüht, sind aber gern gesehen, weil – sicher auch wegen ihres Nostalgie-Faktors – weitaus lebendiger als der Rest. Grundsätzlich hadert Jurassic World mit jenen Vorgaben, die Spielberg der Fortsetzung auferlegte: ein Amok laufender Dinosaurier, Kinderfiguren und gezähmte Raptoren. Vielleicht hätte Colin Trevorrow mit mehr eigenständiger Kreativität einen etwas weniger blutarmen Film wie diesen hinbekommen.

So bleibt am Ende ein reichlich generischer Blockbuster, der selbst innerhalb seines Franchises keine sonderlichen Akzente zu setzen vermag. Erneut geht es nach Costa Rica, auf eine Insel voller Dinosaurier. “Oooh, ahhh, that’s how it always starts”, wusste schon Ian Malcolm in The Lost World. “Then later there’s running and, um, screaming.” Das Problem von Jurassic World ist jenes, das der Film schlicht dasselbe Konzept hochwürgt wie das Original vor zwei Jahrzehnten. Nur dass es mehr Dinosaurier gibt und mehr Leute, die vor ihnen davonrennen. Wirklich etwas Neues zu erschaffen gelingt Colin Trevorrow mit Jurassic World nicht. Weshalb verständlich ist, dass er bereits einem fünften Teil absagte, um stattdessen etwas Originäres zu machen.

5.5/10

1. Mai 2014

Filmtagebuch: April 2014

48 HRS. [NUR 48 STUNDEN]
(USA 1982, Walter Hill)

7/10

AFTERNOON DELIGHT
(USA 2013, Jill Soloway)
5/10

ANOTHER 48 HRS. [UND WIEDER 48 STUNDEN]
(USA 1990, Walter Hill)

7/10

AO NO ROKU GÔ [BLUE SUBMARINE NO.6]
(J 1998, Mahiro Maeda/Kôichi Chigira)

8/10

A BRIEF HISTORY OF TIME [EINE KURZE GESCHICHTE DER ZEIT]
(UK/J/USA 1991, Errol Morris)

7.5/10

COMMUNITY - SEASON 5
(USA 2014, Tristram Shapeero u.a.)
7/10

THE FAMILY MAN
(USA 2000, Brett Ratner)
7.5/10

FROZEN [DIE EISKÖNIGIN - VÖLLIG UNVERFROREN] (3D)
(USA 2013, Chris Buck/Jennifer Lee)

4/10

GENERATION IRON
(USA 2013, Vlad Yudin)
6.5/10

HAROLD AND MAUDE
(USA 1971, Hal Ashby)
4.5/10

IDIOCRACY
(USA 2006, Mike Judge)
7.5/10

INTO THE BLUE
(USA 2005, John Stockwell)
6/10

IT [ES]
(USA/CDN 1990, Tommy Lee Wallace)

5.5/10

JOE
(USA 2013, David Gordon Green)
7/10

JOHNNY MNEMONIC [VERNETZT]
(CDN/USA 1995, Robert Longo)

5/10

LADY IN THE WATER [DAS MÄDCHEN AUS DEM WASSER]
(USA 2006, M. Night Shyamalan)

3.5/10

LAKE PLACID
(USA/CDN 1999, Steve Miner)
6/10

MATCHSTICK MEN [TRICKS]
(USA 2003, Ridley Scott)

8/10

PARKS AND RECREATION - SEASON 6
(USA 2013/14, Dean Holland u.a.)
7.5/10

LE PASSÉ [LE PASSÉ - DAS VERGANGENE]
(F/I 2013, Asghar Farhadi)

6.5/10

RE-ANIMATOR
(USA 1985, Stuart Gordon)
8/10

THE RUNDOWN [WELCOME TO THE JUNGLE]
(USA 2003, Peter Berg)

4.5/10

SAVING MR. BANKS
(USA/UK/AUS 2013, John Lee Hancock)
7/10

THE SECRET LIFE OF WALTER MITTY
[DAS ERSTAUNLICHE LEBEN DES WALTER MITTY]
(USA 2013, Ben Stiller)

5.5/10

SHARK NIGHT (3D)
(USA 2011, David R. Ellis)

5.5/10

SIGNS
(USA 2002, M. Night Shyamalan)
6/10

THE SIXTH SENSE
(USA 1999, M. Night Shyamalan)
6.5/10

TIAN ZHU DING [A TOUCH OF SIN]
(CN 2013, Zhangke Jia)

6/10

UNBREAKABLE
(USA 2000, M. Night Shyamalan)
7.5/10

THE VILLAGE
(USA 2004, M. Night Shyamalan)
7.5/10

VOLCANO
(USA 1997, Mick Jackson)
5/10

WALKING TALL
(USA 2004, Kevin Bray)
7/10

THE WOLF OF WALL STREET
(USA 2013, Martin Scorsese)
0/10

30. Mai 2009

Terminator: Salvation

Analyzing alternatives…

Mensch und Maschine. Sie können nicht zusammenleben, zumindest nicht in den Augen der Geschichtenerzähler. Sei es I, Robot, The Matrix oder James Camerons Kultfilm The Terminator. Stets finden sich Schöpfer und Schöpfung auf unterschiedlichen Seiten wieder. Neben den Wachowskis hat Cameron wohl die düsternste Zukunft für die beiden „Spezies“ entworfen. Als das von Menschen entwickelte Computersystem SkyNet ein Bewusstsein erlangte und den Mensch als Bedrohung ansah, löschte es ihn einfach aus. Mit Judgment Day drehte sich das Blatt der Herrschaft über den Planeten. Nun müssen sich die Menschen in einem bewaffneten Widerstand gegen die Maschinen erwehren, die sich in unterschiedlicher Form zu manifestieren wissen. In wenigen Szenen ließ Cameron seinen männlichen Protagonisten Kyle Reese in The Terminator 1984 durch Rückblenden an seine Vergangenheit denken. Für Sarah Connor handelte es sich hierbei um ihre Zukunft bzw. die Zukunft der ganzen Menschheit. In Terminator 2: Judgment Day gab es dann nicht nur die doppelte Einführung des „Messias“, John Connor, sondern weitere Einblicke in die kommende Dystopie. Mit Terminator: Salvation wird die Zukunft nun zur Gegenwart.

Doch noch wird das Publikum nicht in das entscheidende Jahr 2029 transportiert. In jenes Jahr also, in welchem der Connor und der Widerstand gegen SkyNet obsiegt haben und die Ereignisse der cameron’schen Filme losgetreten wurden. Es ist 2018 und John Connor (Christian Bale) ist immer noch nicht der prophezeite Anführer des menschlichen Widerstands. Selbst wenn er von Einigen als solcher angesehen wird. Als eine Mission schief geht, will Connor die Leitung des Widerstands zur Rede stellen. Untergebracht in einem U-Boot vor der Küste von Los Angeles erfährt Connor hier von General Ashdowns (Michael Ironside) geplantem Schlag gegen SkyNet. Der Widerstand ist in Besitz eines Computersignals gekommen, dass SkyNet lahmlegen könnte. Innerhalb der nächsten vier Tage soll das Signal weltweit eingesetzt werden. Denn bis dahin hat SkyNet eine Todesliste zur Abarbeitung herausgegeben. Mit John Connor auf dem zweiten Platz. „Wer ist Nummer Eins?“, fragt Connor halb besorgt, halb gekränkt. „Kyle Reese“, lautet die entsprechende Antwort. In den kommenden vier Tagen geht es nun für den prophezeiten Messias darum, nicht nur das Signal zu testen, dass den Krieg gegen die Maschinen beenden könnte, sondern auch seinen zukünftigen Vater, Kyle Reese (Anton Yelchin), vor dem Übergriff von SkyNet zu bewahren.

Seinen Anfang findet Terminator: Salvation aber – ironischerweise – in der Vergangenheit. Im Jahr 2003, und somit ein Jahr vor Judgment Day, spendet der zum Tode verurteilte Häftling Marcus Wright (Sam Worthington) seinen Körper Dr. Selena Kogan (Helena Bonham Carter) für die Forschungsabteilung von Cyberdyne Systems. Natürlich kein Zufall und so ist der Zuschauer im Verlaufe des Filmes allen Figuren, einschließlich Wright, eine Spur voraus. Es entbehrt nicht einer gewissen Lächerlichkeit, wenn Wright nach der desaströsen Mission von Connor und seinem Team aus einer zerbombten Untergrundbasis klettert, um schreiend seine Hände in den verregneten Himmel zu recken. Ohnehin ist die gesamte erste Viertelstunde des Filmes als misslungen zu erachten. Von Wrights Einführungsszene (in welcher der Australier Worthington hörbare Probleme mit dem amerikanischen Akzent hat) bis hin zu Connors Auftritt und Abgang. Richtig Schwung nimmt die Handlung erst auf, als Connor von SkyNets Todesliste erfährt. Hier erhält der Film nun ein Fundament, auf dem sich die nächsten hundert Minuten aufbauen lässt. Auch wenn der Film den einen oder anderen Umweg nimmt, um noch eine rasantere und noch spektakulärere Actionszene einzubauen. Denn eines ist sicher, an Action mangelt es dem neuesten Auslöschungsversuch von John Connor ganz gewiss nicht.

Diese setzt mit der ersten Referenz an The Terminator ein und zieht sich anschließend durch den ganzen Film, der kaum einmal eine Pause findet, das nächtliche Sinieren von Marcus und Blair (Moon Bloodgood) mal ausgenommen. In Los Angeles trifft Marcus neben einem T-600 Modell auch auf den jungen Kyle Reese. Dieser schlägt sich in der Stadt der Engel gemeinsam mit der stummen Star (JadaGrace Berry) als „Filiale des Widerstands“ durch. Es ist letztlich Yelchins Kyle Reese, der den Film zumindest auf darstellerischer Ebene zusammenhält. Zwar übertreibt es Salvation mit den Referenzen an Camerons Figur – als ob Reese über ein Jahrzehnt bevorzugt mit Nikes durch die Gegend gerannt ist, eine abgesägte Pumpgun unter dem Arm -, doch es ist Yelchin, dem man seine Rolle als einzigen wirklichen abkauft. Während Worthington, Hollywoods scheinbar angesagtestem Newcomer, zuerst mit seinem Akzent und später mit der emotionalen Tragweite seiner Figur hadert, stolziert Christian Bale, wie so oft, mit einem einzigen Gesichtsausdruck durch den Film. Wenn der Brite nicht gerade mit versteinerter Miene dreinblickt, schreit er irgendwelche Befehle durch die Gegend. So kommt es, dass ihm selbst ein Rapper wie Common als seine rechte Hand Barnes den Rang abläuft. Akzeptabel ist auch Moon Bloodgood als Kampfpilotin, die später noch in einer entscheidenden Wendung zum Zünglein an der Waage wird.

Jene Wendung obliegt dem Handlungsmoment, wenn sich Connor und Marcus schließlich begegnen und Ersterer entscheiden muss, ob er dem ominösen „Zeitreisenden“ sein Vertrauen schenken will. Dabei vermisst es der Film, Marcus eine Motivation zu verleihen. Während sein erster Rettungsversuch von Kyle noch nachvollziehbar ist, berücksichtigt man die Umstände, so ist seine zweite Motivation etwas unverständlich. Schließlich wurde Marcus als Mann eingeführt, der keine Rücksicht auf andere Menschen nimmt, ja, der sogar seinen eigenen Bruder auf dem Gewissen hat. Zwar beruft sich Salvation auf Marcus’ mehrmaliger Predigt einer zweiten Chance, doch was ihn schließlich dazu bewegt, sich Kyles Schicksal anzunehmen, bleibt im Dunkeln. Hier ist der Film etwas schwammig, wie allgemein die ganze Prämisse der Todesliste irgendwann ziemlich gegenstandslos wird. Weshalb tötet SkyNet Reese nicht einfach, als es die Gelegenheit dazu hat? Oder woher weiß es überhaupt, wie Reese aussieht bzw. vermag diesen zu identifizieren? In diesen Momenten versucht sich der Film zu sehr auf Kyle als Schlüssel zum Verständnis des ganzen Terminator-Universums zu stützen. Andere Aspekte, wie Connors Sprung in den Pazifik, um das Kommando dazu zu bewegen ihn ins U-Boot aufzunehmen oder die Tatsache, dass man es sich in Zeiten des drohenden Genozids erst „verdienen“ muss, Teil des Widerstands zu sein (aber schön, dass man eine Auswahl hat) wirken dann nicht minder unstimmig.

Wie erwähnt mangelt es dem Film nicht an Action-Szenen. Die gelungenste von ihnen ist sicherlich die Flucht vor dem Harvester an der Tankstelle, die durch die überzeugenden Soundeffekte zusätzlich Atmosphäre verleiht bekommt. Alle anderen Actioneinstellungen sind zwar umfangreich, aber nicht sonderlich mitreißend. Hierzu zählt auch das Finale, welches sich großzügig sowohl bei The Terminator als auch bei Judgment Day bedient. Wenn man hier den T-800 so kämpfen sieht, kommt es einem Wunder gleich, dass er im ersten Teil in seiner Mission versagte. Bedenkt man die Ausgangslage in Camerons 1984er Film, wird auch nicht wirklich klar, weshalb SkyNet gleichzeitig die 800er-Reihe und das Marcus-Modell entwickelt (da beide demselben Zweck dienen). Die gesamte Nebenhandlung um Marcus, von der Einführung des Filmes bis hin zur „Auflösung“ (die eigentlich keine ist), ist narrativ nur unzureichend dargestellt. Helena Bonham Carter in ihrer Rolle als Selena Kogan ohnehin nicht nur überflüssig sondern auch schauspielerisch desolat. Den Grund für Letzteres findet man wahrscheinlich in der Tatsache, dass sie erst kurz vor Schluss Tilda Swinton ersetzte und zudem vier Familienmitglieder während ihrer Drehzeit durch einen Unfall verstarben. Es wäre wohl für alle Parteien das Beste gewesen, hätte man Carter für die ohnehin überflüssige Rolle einfach ersetzt.

In einem Branche, in der man in Filmprojekten immer öfter mit Spitznamen (hier JadaGrace, Common) konfrontiert wird, waren es sicherlich die drei Buchstaben McG, die vorab für den größten Zweifel unter den Fans sorgten. Und wirklich empfehlen will sich der Regisseur von Charlie’s Angels auch mit Salvation nicht so recht. Auffällig sind besonders McGs und Kameramann Shane Hurlbuts offensichtliche Vorliebe für Nahaufnahmen der Augenpartien. Diese finden sich durch den ganzen Film hindurch und verstören in den meisten Fällen als dass sie der Handlung zum Vorteil gereichen. Noch offensichtlicher ist aber McGs Angst, bei der seit 25 Jahren bestehenden Fangemeinde der Reihe durchzufallen. Anders lassen sich seine dutzende Referenzen, speziell natürlich an Camerons Filme, nicht erklären. Da sind die direkten – und unpassenden – Zitate „Come with me if you want to live“ und „I’ll be back“ nur die Spitze des Eisberges. Wie angesprochen ist es zudem das Finale, das seine größte Inspiration aus den Vorgängern bezog. Etwas mehr Mut zur Eigenständigkeit hätte man McG hier durchaus gewünscht. Immerhin hatte er die große Chance, einen Film, losgelöst von der vorherigen Trilogie zu erzählen. Keine Zeitreisestory um einen bösen Terminator, kein von äußeren Beschützern abhängiger John Connor. Da passt es nur zu gut ins Bild, dass Salvation der erste Film der Reihe ist, der ein „PG-13“-Rating erhielt, was nicht einmal die Familienversion Judgment Day geschafft hatte.

Letztlich ist Terminator: Salvation ein verschenkter Versuch, Camerons Geschichte auf ein neues Level zu heben. Da überrascht es auch nicht, dass die Zukunft weitaus weniger trostlos daherkommt, als man es erwartet hätte. Zumindest orientiert sich der Look eher an Mad Max denn The Terminator (was nicht nur daran liegt, dass hier Tag- und dort Nachtaufnahmen domininieren). Während die Action grundsätzlich in Ordnung geht, hapert es dem Film etwas an seinen Charakteren. Worthington, Bale und Bonham Carter versagen total, von den überzeugenden Yelchin, Bloodgood und Common gibt es zu wenig zu sehen. Noch härter hat es nur Bryce Dallas Howard als Kate Connor getroffen, die selbst in ihrer geringen Leinwandpräsenz nicht sonderlich viel machen darf.

So ist es Danny Elfmans gelungener Score, der hier (speziell durch das schöne, hoffnungsvolle Theme) über allem schweben darf. Gelungen ist auch die Einbindung von Linda Hamilton und Gouverneur Arnold Schwarzenegger, auch wenn man sich von der Szene des letzteren etwas mehr versprochen hätte. Sein Potential schöpft der Film also nicht aus, enttäuscht jedoch auch nicht. Vielmehr ist er einfach nur unwahrscheinlich belanglos, sodass man sich nach Kinobesuch nicht mehr weiter mit ihm beschäftigen möchte oder gar muss. Das Ende ist etwas flach geraten – zum Glück haben sich die Spoiler nicht bewahrheitet – und macht nicht unbedingt Lust auf mehr. Es bleibt also zu Hoffen, dass McG – sollte er an Bord bleiben (dürfen) – für den zweiten Teil etwas mehr Gewicht auf die Figuren legt und sich weniger an den Vorgängern orientiert. Dann wird das auch was, mit der Zukunft.

5.5/10 – erschienen bei Wicked-Vision

29. September 2008

Spider-Man 3

Where do these guys come from?

Ein neues Phänomen erreichte in Hollywood 2007 seinen Höhepunkt: Fortsetzungen. Sie boomen wie nie und markieren neben Remakes die einträglichste Rubrik des aktuellen Kinos. Die Arbeit wird klein gehalten, man verwertet bekannte Geschichten und schlachtet andere Themen genüsslich aus. Gerade die dritten Teile hatten es dem vergangenen Jahr angetan, denn neben Shrek the Third, Ocean’s Thirteen und Rush Hour 3 warteten auch die Abschlüsse der Pirates of the Carribean- und Spider-Man-Trilogien auf. Letztgenannte Filme konnten sich erfolgsmäßig von der übrigen Masse absetzen. Den Rekord des teuersten Films aller Zeiten durfte Spider-Man 3 nach dem Start von Pirates of the Carribean: At World’s End an diesen abgeben. Auch finanziell war das letzte Piratenabenteuer noch eine Spur erfolgreicher als der Spinnenmann.

An den Top 10 der erfolgreichsten Filme aller Zeiten scheiterte der Film mit Platz 11 nur knapp, immerhin lief er in den USA erfolgreicher als Jack Sparrow und Konsorten. Dabei stört es Sony relativ wenig, dass Spider-Man 3 einen Schlussstrich unter eine stringente Trilogie setzte, die Planungen für einen vierten Teil, der alsbald in die Kinos kommen soll, laufen bereits. Fraglich ist bisher noch, ob Sam Raimi wieder Regie und Tobey Maguire erneut die Hauptrolle spielen wird. Beide machen ein potentielles Engagement von dem Entscheid des anderen abhängig, ebenso wie Kirsten Dunst. Möglich – und im Grunde zum Scheitern verurteilt – wäre eine Neubelebung der Reihe, mit neuem Regisseur und Darstellern. Sehr wahrscheinlich, dass sich Sony dadurch selbst ins Knie schießt. Auch eine Fortsetzung der bisherigen Story ist wohl kritisch.

Im Vergleich zu den Vorgängern haben sich die Dinge für Peter Parker (Tobey Maguire) gewandelt. New York City liebt ihn und verleiht ihm nach der Rettung von Gwen Stacy (Bryce Dallas Howard) sogar den Schlüssel zur Stadt. Auch in Liebesdingen kann sich Peter nicht beklagen, führt er doch eine zufriedene und glückliche Beziehung mit seiner Jugendliebe MJ (Kirsten Dunst). Lediglich die zerrüttete Freundschaft zu Harry (James Franco) bereit ihm Kopfzerbrechen, während sich dieser insgeheim auf die finale Konfrontation mit Spider-Man vorbereitet. Während es für Peter bestens läuft, hat MJ mit Problemen zu kämpfen. Als Peter und Tante Mae (Rosemary Harris) dann erfahren, dass Onkel Bens wahrer Mörder, der Bankräuber Flint Marko (Thomas Haden Church), auf der Flucht ist, kocht in Peter wieder der scho in Spider-Man aufgetretene Wunsch nach Rache.

Nachdem Marko zu Beginn dann durch einen Unfall genetisch verändert und zum Sandman mutiert ist, sucht Peter später den Konflikt. Bei seiner Vergeltungssucht verletzt er dann nicht nur MJ, sondern auch seinen direkten Konkurrenten beim Daily Bugle, Eddie Brock Jr. (Topher Grace). Schuld an Peters Verhalten ist dabei ein außerirdischer Symbiont, der Besitz von ihm ergriffen hat. Für Peter gilt es nunmehr, sich auf seinen wahren Charakter zu besinnen und seine Gefühle unter Kontrolle zu kriegen. Eine Katharsis muss zu Ende gebracht werden, die in Spider-Man begonnen wurde. Gekonnt verknüpft Regisseur Sam Raimi hierbei die Handlung mit den Ereignissen aus den vorangegangen Teilen, sehr schön auch in der Eröffnungssequenz bebildert. Somit ist Spider-Man 3 letztlich ein würdiger Abschluss der Comic-Trilogie in allen Belangen.

Die Hauptthemen des Films sind Rache und Vergebung, die alle Figuren motivieren. Peter reitet sich in einen Rachedurst hinein, als er erfährt, dass Marko der eigentliche Mörder seines Onkels ist. Er stößt MJ von sich und verliert sich vollkommen in seiner Vergeltung. Nachdem er Marko vermeintlich getötet hat, stößt er bei seiner Tante zu seiner Überraschung nicht auf Dankbarkeit, sondern Abscheu. Sein Verhalten provoziert wiederum Rache beim Sandman, der zuvor keinerlei Aggressionen gegen Spider-Man hegte (“I don’t want to hurt you. Leave now.”). Diese Aggressionen leiten den Sandman letztlich zu Venom, der durch Eddie Brock Jr. gesteuert ebenfalls auf Rache aus ist. Brock ist ein schmieriger Charakter, der beim Anblick seiner Freundin, Gwen Stacy, in Lebensgefahr nichts Besseres zu tun hat, als Fotos für die Zeitung zu schießen.

Somit gehört Brock folglich zu der Sorte Mensch, die immer auf den kürzesten Weg zum erwünschten Ziel kommen möchte und sich dabei auch nicht scheut, fragwürdige Abkürzungen zu nehmen. Durch den Symbionten wird sich Peter also einen Feind schaffen, indem er Brock vor der gesamten Stadt demütigt. Auch Harry strebt es nach Rache, er will Spider-Man für den Tod seines Vaters aus dem ersten Teil büßen lassen, den er dem allseits beliebten Spinnenmann zu Unrecht angelastet hat. Nicht von ungefähr sind es dabei ausschließlich die männlichen Charaktere, denen es nach Rache gelüstet, während das weibliche Ensemble die Tugend der Vergebung propagiert. MJ muss Peter vergeben und diesen wiederum selbst dazu bringen, Flint Marko zu vergeben. Diese Lektion wird er auch außerdem noch von seiner Tante Mae lernen.

Im Trilogie-Abschluss macht Raimi vieles richtig und manches falsch. Die grundsätzliche Stimmung ist gut eingefangen, ein Comic-Flair spürbar. Die Action-Szenen (abgesehen vielleicht vom Finale) sind gut choreografiert und gebührend umgesetzt. Die Musik von Christopher Young kommt meist zwar nicht an den Score von Danny Elfman heran (es fehlt das Mystische), aber das Thema zu Flint Marko ist ausgesprochen gelungen. Nach der Zweitsichtung auf DVD hatte ich dem Film nochmals einen halben Punkt mehr zugesprochen, dem ich ihm bei der jetzigen Drittsichtung wieder abziehe. Zwar ist Spider-Man 3 weitaus lustiger und selbstironischer als es der erste Teil war, doch an den Humor von Spider-Man 2 kommt er dann doch nicht heran. Herausragend ist dennoch die Portraitierung des Evil Peter – herrlich selbstgefällig, arrogant und überheblich auf einmal.

Allein sein Walk-Down in den Straßen New Yorks mit Händeklatschen und Fingerpistole ist grandios, aber auch sonst sind viele Einstellungen amüsant geraten. Interessant ist der Aspekt von Raimi, einen Helden zu zeigen, der negative Eigenschaften trägt, im Gegensatz zum Antagonisten, der scheinbar aus löblichen Beweggründen agiert. Entgegen der allgemeinen Meinung fand ich den Film nicht zu schwülstig, sondern sehr glaubhaft und emotionsgeladen. Gefühle werden verletzt, Beziehungen stehen in Gefahr. Der Kameraschwenk in wunderschön romantischen Pastellfarben erinnert an King Kong und führt zu einem dramatischen Ende aller Konflikte. Entgegen anderer Trilogie-Abschlüsse (Pirates of the Carribean, Matrix) fährt Raimi den Karren nicht gegen die Wand, sondern bringt seine Handlung zu einem gelungen und würdigen Ende.

Dennoch hätte der Film weitaus besser sein können, denn vieles ist zu redundant ausgefallen. Wie in den Vorgänger muss MJ im Finale wieder von Spider-Man gerettet werden, sie wird entführt und als Falle ausgelobt. Das Ganze wurde schon im zweiten Teil eintönig und ist es hier erst recht. Dem hätte man zuvorkommen können, wenn man – wie ich an anderer Stelle schon mal erwähnt hatte – im ersten Teil auf MJ verzichtet und Gwen Stacy in den Mittelpunkt gerückt hätte. Es ist durchaus schön, diese nun endlich zu sehen und sie wird auch fantastisch von der attraktiven Bryce Dallas Howard dargestellt, nur wirkt sie etwas verschenkt. So wie sehr viel im Grunde verschenkt wird, denn Spider-Man 3 krankt an seinen drei Bösewichtern. Denn hatte es Spider-Man in den Vorgänger immer jeweils mit nur einem Gegner zu tun, so sind es dieses Mal derer drei.

Diese treten jedoch nicht parallel, sondern immer abwechselnd auf, sodass man gerne mal die anderen beiden vergisst, wenn sie 20 Minuten lang nicht im Bild sind. Frühzeitig legten sich Raimi und Tobey Maguire auf die Anwesenheit des Sandman fest. Dabei ist dieser eine ziemlich langweilige Figur und wurde vom Regisseur nur deswegen ausgewählt, weil seine Umsetzung eine Herausforderung darstellte. Und die Umsetzung ist auch gelungen, der Sandman wurde großartig animiert. So großartig, dass für Venom scheinbar nicht mehr genug Geld vorhanden war. Dass es Venom überhaupt in den Film geschafft hat, verdankt sich Produzent Avi Arad, der Raimi dazu aufforderte, den Fan-Liebling in den letzten Teil der Reihe mit einzubeziehen. Der Film wird Venom jedoch nicht gerecht, insbesondere nicht in dessen Animation und Darstellung durch Topher Grace.

Im Grunde stellt er nur einen Sidekick für Sandman dar, welcher der eigentliche Antagonist ist, da er Peters Rache-Thema vorantreibt. Eines sporadischen Venom hätte der Film dann nicht bedurft, die Figur ist verschenkt. Auch der Sandman, als liebender Vater, der nur das Beste für seine kranke Tochter wollte, ist ein kleiner Störfaktor. Besser wäre gewesen, man sich auf einen Hauptbösewicht beschränkt, dazu noch die Auseinandersetzung mit dem New Goblin. Wobei es fraglich ist, ob man Harry überhaupt ein Pseudonym geben muss, da er die Stadtbevölkerung gar nicht angreift. Die Handlung kann den drei Strängen jedenfalls nicht immer folgen, man fühlt sich bisweilen gehetzt, die finale Exposition kommt ebenfalls ziemlich überhastet. Auch die Einbindung der New Yorker ins Finale – inklusive Star Spangled Banner – beißt sich.

Meistens erweckt Spider-Man 3 den Eindruck, als habe man zwei Filme in einem erzählen wollen. So erklärt sich auch MJs Verhalten gegenüber Peter. Dennoch funktioniert der Film überaus gut, ich stufe ihn daher hinter dem zweiten Teil als den Besten der Trilogie ein. Entlohnen dürfte den Fan alleine der Cameo von Bruce Campbell, der seine Leistung aus dem Vorgänger erneut zu toppen weiß. Manches Logikloch im Skript findet sich dennoch, man hätte den Film durchaus anders und somit etwas plausibler erklären können. Wie ein anderes Ende für Spider-Man 3 hätte aussehen können, zeigt ein äußerst amüsanter und animierter Internet-Spoof. Dennoch war der dritte Teil ohne Frage ein Höhepunkt des vergangenen Kinojahres und zählt zu den gelungen Comicverfilmungen in einem Genrepool, der zurzeit keinen Beckenrand zu kennen scheint.

8/10