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9. Juli 2008

The Incredible Hulk

Is that all you’ve got?

Fast wäre Ang Lees Hulk der Auftakt einer Hulk-Reihe geworden, die in diesem Film ihre Fortsetzung gefunden hätte. Das ursprüngliche Drehbuch von Zak Penn zu The Incredible Hulk war nämlich mit einigen Andeutungen versehen, manche von ihnen (wie die Erwähnung, dass Bruce Banner seit fünf Jahren untergetaucht ist) existieren auch noch im fertigen Film. Aber The Incredible Hulk ist kein Sequel, sondern ein Reboot. Zu verdanken ist das auch Hauptdarsteller Edward Norton, der Penns Drehbuch fast täglich nach Belieben umschrieb, die Regie jedoch dann Louis Leterrier überließ. Dabei war The Incredible Hulk für Leterrier selbst lediglich ein Trostpreis, wollte der Franzose ursprünglich doch Iron Man inszenieren, dessen Regie ihm Marvel aber nicht zutraute. Beim Hulk-Reboot sah dies anders aus.

Seit fünf Jahren ist Bruce Banner (Edward Norton) auf der Flucht vor dem US-Militär unter der Führung von General Ross, dem Vater von Banners Freundin Betty Ross (Liv Tyler). Dies erklärt der Vorspann, der sich Anleihen an die Fernsehserie aus den Siebzigern erlaubt, jedoch einen eigenständigen Prolog erzählt. Ein Selbstversuch geht schief, Banner wird zum Hulk und fortan von Ross gejagt. Seinen potentiellen Frieden findet er in Brasilien beziehungsweise in den Favelas von Rio de Janeiro. Dort arbeitet Banner in einer Getränkefabrik und versucht in seiner Freizeit mit einem Wissenschaftler über Internet ein Gegenmittel für seine Gamma-Verstrahlung zu finden. Zur zeitlichen Verortung wird die Anzahl der Tage eingeblendet, die seit Banners letzter Transformation vergangen sind.

Mit Pulsarmbanduhr und Atemübungen versucht er seinen Puls unter 200 zu halten. Ein Unfall in der Fabrik sorgt allerdings dafür, dass General Ross Banners Aufenthaltsort erfährt. Kurzerhand organisiert Ross eine Sondereinheit rund um den britischen Spezialagenten Emil Blonsky (Tim Roth) und macht sich auf den Weg nach Rio de Janeiro. Dort kann Banner dank Transformation zum Hulk entkommen und macht sich anschließend auf den Weg nach Amerika. Denn seine Internetbekanntschaft Mr. Blue bedarf für ein Gegenmittel der Daten von Banners Versuchsreihe, diese befinden sich jedoch auf seinem Universitätsrechner. Um endgültig ein normales Leben führen zu können, muss Banner die Daten zurückholen und dabei den suchenden Augen von Ross und Blonsky entgehen.

Mehr Action wollte Leterrier in seiner Hulk-Adaption haben und mehr Action hat der Film am Ende auch bekommen. Drei Mal kommt der Hulk zum Einsatz, drei Mal darf sich Emil Blonsky an ihm als Gegenspieler versuchen. Zu Lasten der Action scheint dabei allerdings jegliche Form von Handlung gegangen zu sein, denn eine Geschichte weiß der Film nicht wirklich zu erzählen. Banner strebt nach einer Heilung, das ist klar, aber hätte er sich nicht denken können, dass dies nur anhand seiner bisherigen Ergebnisse möglich ist? Warum ein Dr. Sterns (Tim Blake Nelson), den Banner nur aus dem Internet kennt, erfolgreicher an einer Heilung arbeitet, als dieser selbst, ist ebenso unverständlich, gehört Banner laut Marvel-Comics doch zu den schlausten Wissenschaftlern des Planeten.

Ohnehin schöpft The Incredible Hulk so gut wie nie das Potential aus, welches in der Comicvorlage steckt. Warum rennt Hulk zum Beispiel ständig, wo er doch kilometerweit springen kann? Und warum ist der Hulk die ganze Zeit über so winzig, armselige zweieinhalb Meter groß? Allein in der Campus-Szene wurde ein ganzes Waffenarsenal auf ihn abgefeuert, weshalb er locker fünf Meter groß werden müsste. Schließlich wird der Hulk je größer und stärker, desto wütender er wird. Das ist es ja, was ihn zur stärksten Figur des Marvel-Universums macht. Der Hulk von Ang Lee konnte kilometerweit springen, er wurde größer und stärker, je wütender man ihn machte. Von all dem ist Leterriers und Nortons Figur meilenweit entfernt, fehlt dem Hulk doch alles, was ihn in den Comics auszeichnet.

Charakterelemente finden sich immerhin im Finale, das zwei klassische Hulk-Momente liefert, wenn einerseits Feuer mit der Kraft eines Handschlags getilgt wird und Hulk anderseits sein “Hulk smash!“-Zitat liefert. Das war es dann aber im Grunde auch schon, bedenkt man, dass sich die erste Action-Sequenz so ziemlich mit der zweiten deckt und die dritte wiederum nur eine Aufbereitung des Finales aus Iron Man darstellt. Hinzu kommt, dass der Hulk, der nach Leterriers Wünschen bedrohlich wirken sollte, eher zum Lachen anmutet. Sicherlich war Ang Lees popelgrüner Hulk in seiner Flummi-Artigkeit auch wenig überzeugend, allerdings wirkte er dennoch homogener als dies bei Edward Nortons die Zähne zusammenbeißendem gräulich-grünem Alter Ego der Fall ist.

Dessen Hände sind größer als sein Kopf und sein Bizeps platzt fast vor Adern und Gefäßen. Die Neuinterpretation des Hulk will somit nicht überzeugen, weder von ihrer Optik noch ihrem Verhalten her. Etwas interessanter sieht da schon Hulks finaler Antagonist Abomination aus, auch wenn die Filmversion ebenfalls eine etwas freie Adaption der Comicfigur darstellt. Da es den Produzenten wohl zu umständlich war, den Reptil-Ursprung von Abomination zu erklären, wird er einfach zum Wirbelmonster mit ADS-Syndrom. Das sorgt dafür, dass der Gegenspieler zwar lustig aussieht und grundsätzlich auch vielversprechend für das Finale hätte sein können, nur entpuppt sich der uninspirierte Kampf zwischen Abomination und Hulk letztlich dann doch als viel Lärm um Nichts.

Hatte man Iron Man zuvor ob seiner wagemutigen Entscheidung gelobt, Charakterdarsteller Robert Downey Jr. als Superheld zu besetzen, ging die Rechnung mit Edward Norton bei The Incredible Hulk nicht auf. Denn neben der fehlenden Geschichte ist die Besetzung von Norton sicherlich das Seppuku des ganzen Projekts. Von Bruce Banner hat Norton so irgendwie gar nichts, erst recht nicht, wenn er ständig mit seiner Mimik aus Primal Fear und Baseballmütze durch die Gegend rennt. Von Leistungen wie in American History X und Fight Club ist dies weit entfernt. Zwar konnte auch Eric Bana nur bedingt schauspielerisch überzeugen, gegenüber einen absolut fehlbesetzten Norton wäre ihm jedoch klar der Vorzug zu geben. Ähnlich verhält sich für die übrigen Neubesetzungen.

Immerhin schlägt sich William Hurt sehr tapfer, jedoch kommt man nicht umhin, sich sehnsüchtigst sowohl nach Jennifer Connelly als auch Sam Elliott zu sehnen. War das Ensemble von Hulk eines der Überzeugendsten im Comic-Genre, wirken die Namen Norton, Tyler und Hurt wie eine „B-Movie“- oder „Direct-to-DVD“- Entscheidung. Lediglich Tim Roth weiß seiner Figur noch etwas abzugewinnen, nicht zu vergessen Tim Blake Nelson, der als hysterischer Forscher und potentieller The Leader in seinen wenigen Szenen durchaus Spaß macht, jedenfalls harmonischer ausfällt, als Downey Jr.’s Cameo kurz vorm Abspann als Appetizer zu The Avengers. Insgesamt befindet sich das Ensemble von The Incredible Hulk auf einem Lebel mit dem des Marvel-Kollegen The Fantastic Four.

Bedauerlich ist auch, dass bei all dem Versagen nicht einmal die Action-Szenen zu unterhalten wissen. Hier reicht kein fast zwei Stunden durch die Gegend rennender Edward Norton, der gelegentlich MG-Salven als Hulk auf seinem Rücken gewähren lässt. Insbesondere dann nicht, wenn das Ganze hierzulande auch noch geschnitten in den Kinos startet, sodass man sich nach Iron Man fragen muss, warum Concorde eigentlich überhaupt noch Filme vertreibt, wenn sie diese anschließend ohnehin beschneiden. Ausgemerzt werden sollte das durch eine ominöse Extended Version, von der in den Internetforen die Rede war. Daraus wurde allerdings nichts, sodass sich auf Special Editions der DVD oder eben der Blu-Ray lediglich 45 Minuten geschnittener oder erweiterter Szenen sehen lassen.

So gewöhnungsbedürftig manche der Spezialeffekte auch aussehen mögen, gebührt zumindest dem Hulk immer dann Lob, wenn man ihn im Dunkeln nicht richtig und nur schemenhaft sieht (was komischer klingt, als es ist). Auch die Verweise auf Iron Man, Nick Fury, S.H.I.E.L.D. oder Captain America sind ebenso wie die Verweise zur Fernsehserie ganz nett ausgefallen, ohne den Film jedoch vor dem Scheitern bewahren zu können. Viel zu sehr hadert The Incredible Hulk an seinen unfähigen Darstellern, der nicht existenten Handlung und langweiliger Action-Sequenzen. Mögen die 2011 anstehenden Captain America und Thor besser verfahren. The Incredible Hulk gehört jedenfalls in die Kategorie „Filme, die die Welt nicht braucht“. Oder in Hulks Worten: Puny humans.

2.5/10

10. Juni 2008

Hulk

You’re making me angry. You wouldn’t like me when I’m angry.

In das goldene Jahrzehnt der Marvel Comics gehört auch Bruce Banner alias der Hulk. Er entstammte wie die meisten populären Marvel Charaktere aus der Feder des genialen Stan Lee in Zusammenarbeit mit Jack Kirby und erlebte seine ersten Abenteuer im selben Jahr wie Spider-Man, nämlich 1962. In seiner Grundstruktur verkörpert die Geschichte Lees dabei eine Mischung aus Elementen von Frankenstein bis hin zum offensichtlichen Dr. Jekyll and Mr. Hyde. Dabei handelt es sich, wie so oft bei Lee, um eine Geschichte mit stark philosophischer Konnotation. Der Hulk erscheint dem unerfahrenen Leser zwar wie ein plumpes Wesen, welches sich nicht einmal richtig artikulieren kann, doch trügt der Schein. Man sollte den Hulk nicht als eigenständiges Wesen sehen, sondern immer im Zusammenhang mit seinem Alter Ego Bruce Banner. Banner ist ein genialer Wissenschaftler, innerhalb der Serie wird er sogar als einer der brillantesten Köpfe der Erde beschrieben. Da verwundert es auch nicht, dass Banner selbst für die Gammaexplosion sorgt, die ihn letztlich zu dem werden lässt, was den ziemlich eindeutigen Titel "Hulk" (dt. Koloss, Klotz) trägt.

Banner und Hulk sind ein und dieselbe Person, das grüne Monster – welches in seiner ersten Ausgabe noch grau war – verkörpert Banners dunkle, aggressive Seite. Jeder Mensch trägt einen grünen aggressiven Klotz in sich und immer wenn man eine Ungerechtigkeit hinunter schlucken muss, wird dieser Klotz genährt und gestärkt. Dieser Klotz aufgestauter Aggressionen ist der Hulk. In Stresssituationen oder wenn er wütend gemacht wird, mutiert Banner zum Hulk. Somit entsteht sein Alter Ego immer dann, wenn Banner selbst mit einer Situation überfordert scheint, dieses übernimmt man die jeweilige Konfliktlösung. Wie Spider-Man zählt auch der Hulk zu den populären Figuren des Comic-Universums und brachte es nicht nur auf 16 Comic-, sondern auch zu drei Animations- und zwei Fernsehfilmen. Diese wurden 1977 ausgestrahlt und mündeten in einer vierjährigen Serienauskopplung, die durch ihren Hulk-Darsteller Lou Ferrigno geprägt wurde. Gut vierzig Jahre nach seinem Entstehen schaffte es der Hulk 2003 nach 12 Jahren Entwicklung endlich die Kinoleinwand zu stürmen.

In den neunziger Jahren kam etwas Leben in die Bemühungen, 1994 wurde Joe Johnston als Regisseur verpflichtet und, wie bei Comicverfilmungen nicht ungewöhnlich, verschiedene Drehbuchentwürfe durchgearbeitet. Unter anderem verfassten Michael France (GoldenEye, The Punisher), Michael Tolkin (Deep Impact) und David Hayter (X-Men) verschiedene Entwürfe für Drehbücher. Hayters Version beinhaltete die Hulk-Bösewichter The Leader und The Absorbing Man und bildete die Grundlage für das finale Skript. Dieses wurde von James Schamus verfasst, dem Stammautoren von Ang Lee, der die Regie für das Projekt übernahm. Letztlich wurde auf die Verwendung der typischen Hulk-Gegner verzichtet und stattdessen erschuf man eine neue Variation, indem man Hayters Bösewichter gemeinsam mit Zzzax zu einem Bösewicht verschmelzen ließ, der im Finale als Hauptantagonist dient, indem er mit Bruce Banners Vater David Banner verschmilzt.

Für dessen Besetzung stand Nick Nolte fest, die beiden Hauptrollen von Bruce Banner und seiner großen Liebe und Arbeitskollegin Betty Ross hingegen brachten wieder einmal auf interessante Weise das Darstellerkarussell zum Drehen. Mitte der Neunziger war Johnny Depp als Banner vorgesehen, fraglos weil wie so oft der Burtonsche Name über dem Projekt schwebte. Aber auch Steve Buscemi, Tom Cruise, Jeff Goldblum und David Duchovny gehörten neben Edward Norton zu dem auserlesenen Kreis. Norton wiederum darf sich dieses Jahr in der Neuauflage unter Louis Letterier als Banner versuchen. Ang Lees Favorit auf die Rolle war Billy Crudup, der allerdings ablehnte, sodass schließlich der Australier Eric Bana engagiert wurde, der die Rolle seiner Darstellung in Chopper zu verdanken hatte. Lee selbst hatte für sein Herzensprojekt Hulk auf eine Involvierung im dritten Terminator-Abenteuer verzichtet und spickte seine Kinoadaption mit vielen Referenzen zur Fernsehserie The Incredible Hulk und dessen Darsteller Lou Ferrigno (der zu Beginn einen Cameo gemeinsam mit Schöpfer Stan Lee erhielt).

Im Jahre 1998 betrugen die Kosten für das Projekt, welches zu diesem Zeitpunkt noch keinen einzigen Drehtag hinter sich hatte, bereits zwanzig Millionen Dollar, allein aufgrund der Ausgaben für die Drehbuchentwürfe. Wenige Jahre später sollten die Arbeiten von ILM beginnen, um die Figur glaubwürdig auf die Leinwand zu zaubern. Für insgesamt 137 Millionen Dollar entstand der Film letztlich und spielte diese Summe in etwa auch wieder am amerikanischen Kinomarkt ein. Dabei verzeichnete Hulk eine traurige Bilanz, verlor er doch am zweiten Wochenende enorme 70% seines Debüteinspiels, sodass er am Ende die Hälfte seines US-Einspiels am ersten Wochenende eingespielt haben sollte. Mit weiteren 118 Millionen international ist der Erfolg von Hulk als äußerst bescheiden zu bezeichnen, allgemein wurde der Film als zu ernst aufgenommen, zu komplex. Doch dazu später mehr. Der kritischste Punkt im Projekt sollte die digitale Animation des Hulk werden, die von ILM in anderthalb Jahren betrieben wurde, über 2,5 Millionen Stunden und die Arbeit von 180 Technikern beanspruchen sollte.

Was anschließend auf Hulk einprasselte, waren Vergleich mit DreamWorks Shrek sowie Hohn und Spott. Dass es selbst fünf Jahre später nicht besser geht, beweist Leterrier mit seiner Neuauflage. Die digitale Umsetzung sollte die Techniker von ILM noch des Öfteren fordern, allen voran die umstrittene Kampfszene zwischen Hulk und den Hulk-Hunden. Jene Sequenz zählt zu den umfangreichsten Animationen, die ILM bis zu der damaligen Zeit vorgenommen hatte und wurde lediglich zu einem Drittel umgesetzt. Dabei ist die Animation des Hulk im Grunde nicht als schlechter anzusehen, wie die von Spider-Man im Jahr zuvor. Das knallige Grün ist dabei in der Serie ebenso verankert, wie die protzige Statur von Hulk, der in Lees Filmen dennoch praktisch nach dem Spitznamen „Stiernacken“ schreit. Hulk ist aber ein Fremdkörper in seiner Gesellschaft und trotz allem – bedenkt man die Umstände – gelungen animiert. Insbesondere die Momente der Metamorphose von Banner zu Hulk und vice versa lassen sich sehen und beeindrucken, wie allgemein die digitalen Effekte sich sehr gut in die von Lee angestrebte Inszenierung als wahrhaftige Comic-Adaption einfügen. Pate als Hulk beim Motion Capture stand Lee selbst.

Ein Novum und bisheriges Unikat im Genre der Comic-Adaptionen ist Lees Schnitttechnik. Diese orientiert sich fast durchweg an den gepinselten Vorlagen und strotzt nur so von Überblendungen sowie Zoom-ins und Zoom-outs. Besonders markant wird dies in Hulks Fluchszene eingesetzt, in welcher die Bilder fließend ineinander übergehen, aneinander vorbeifließen und sich praktisch die Hand reichen. Dieser explizit erzeugte Look eines bewegten Comics kam bedauerlicherweise bei den meisten Zuschauern nicht an, was mitunter dafür gesorgt haben dürfte, dass nachfolgende Kinoadaptionen wie Iron Man oder X-Men: The Last Stand auf diese Funktion verzichteten. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass das Publikum sich bei einer Kino-Comic-Version durch Comic-Stilmittel überfordert fühlte. Insgesamt zählt die Schnitttechnik von Tim Squyres allerdings zu den grandiosen Höhepunkten dieser Hulk-Verfilmung.

Lobend erwähnt werden muss auch der kongeniale Score von Danny Elfman, dessen fantastische Klänge bereits bei Spider-Man fokussiert wurden. Sein Hulk-Theme jedenfalls erzeugt die perfekte Stimmung und zugleich Tiefe. Elfman beweist auch hier, weshalb er zu den begnadensten Komponisten – vor allem im Fantasy-Genre – zählt. Sein Komposition wiederum ist selbst eine Referenz an seinen Kollegen Bernard Herrmann, der mit Altmeister Alfred Hitchcock zusammengearbeitet hatte. Nicht unterschätzen darf man auch das Casting des Filmes, für welches sinnbildlich die Besetzung von Todd Tesen steht, der als junger Verschnitt von Sam Elliotts Figur des General Ross in seinen Szenen die Leinwand für sich einnimmt, sodass sein ebenfalls gut gecastetes Pendant Paul Kersey absolut blass aussieht. Aber auch die Besetzungen von Sam Elliott (Gen. Ross), Josh Lucas (Major Talbot), Jennifer Connelly (Betty Ross) und Eric Bana (Bruce Banner) sind überaus gelungen und zählen zu den eindrucksvollsten im Bereich der Comic-Adaptionen.

Neben der Vermischung von Elementen aus Frankenstein sowie Dr. Jekyll und Mr. Hyde wurde Lees Film stark beeinflusst von der griechischen Tragödie an sich, genauer gesagt von Ödipus. In Hollywood gehört es eigentlich zum guten Ton, in seine Filme eine gescheiterte Vater-Sohn-Beziehung einzubauen. Steven Spielberg kommt seit zwanzig Jahren in seinen Filmen gar nicht mehr ohne aus, und auch in Lees Hulk dreht sich alles um die Beziehung zwischen einem Vater und seinem Sohn. Im Gegensatz zum Comic ist Banners Mutation nicht eigenes Selbstverschulden, sondern genetisch bedingt. David Banner (Nick Nolte) experimentierte mit seinen eigenen Genomen und vererbte die Wirkung schließlich an seinen Sohn weiter, den er zum Testobjekt degradierte. Ein Unfall löst schließlich die Mutation aus, doch ehe das Publikum den Hulk zu sehen bekommt, vergehen beinahe 45 Minuten. Gerade in dieser Exposition ist Lees Film etwas zu lang geraten, die aufgesetzte Komplexität der Geschichte hätte man auch verkürzt darstellen können.

Zu den misslungen Szenen zählt sicherlich auch die Hulk-Hunde-Sequenz, die allgemein von den Fans missbilligend zur Kenntnis genommen wurde (selbst wenn sie auf einer Ausgabe der Serie basiert). Im Kampf zwischen Hulk und Pudel sei die Frage gestattet, weshalb die Tiere nicht über dieselben Fähigkeiten wie Hulk verfügen, doch vielleicht sollen sie dies auch gar nicht. Lächerlich wirken sie und die ganze Sequenz allemal, so gerne man sie auch versucht zu mögen, bedenkt man die Probleme, welche sie dem ILM Team bereitet hat. Die Actionsequenz in der Wüste mit Hulk und den Panzern ist jedoch weitaus gelungener und im Grunde auch das Highlight des Filmes, zumindest in der Action-Hinsicht. Das Finale wiederum zählt mit der Einleitung zu den etwas missratenen Punkten. Zu sehr legt Lee den Fokus auf David Banner und dessen Forschung, die im Grunde überhaupt nichts mit Banner/Hulk zu tun hat. Auch die Tatsache, dass man Banner zum Endgegner aufstachelte, indem man drei beliebte Hulk-Antagonisten in ihm vereinte, wirkt äußerst misslungen, ebenso wie das tatsächliche Ende.

Doch es ist nicht das Finale, an dem Lees Film für die Massen gescheitert scheint, sondern allgemein die Gewichtung der Familienbeziehung innerhalb des filmischen Kontextes. In einer ersten Hulk-Verfilmung hat eigentlich eine Familientragödie griechischen Ausmaßes nichts verloren, zumindest nicht in dieser Form und vor allem nicht in einem Piloten. Selbstverständlich, dass das den unbefleckten Kinozuschauer überforderte, nicht umsonst sind alle Piloten im Comic-Genre gleich gestrickt. Wer ist der Held, wie gewann er seine Kräfte und gegen wen muss er sich anschließend durchsetzen? All das hat Lee für seinen Hulk durchaus berücksichtigt, jedoch gelegentlich falsch ins Licht gerückt und zu sehr die Nebenfigur David Banner beleuchtet. Im Gegensatz dazu geht Talbot beispielsweise gänzlich unter, insbesondere seine Machtspielchen mit General Ross, die dem Zuschauer praktisch im Vorbeigehen serviert werden. Enttäuschend ist sicherlich auch die Tatsache, dass der Hulk hier tatsächlich zum bloßen Klotz verkommt und abgesehen von einer Traumsequenz überhaupt nicht sprechen darf (die finale Szene außen vor gelassen).

Wahrscheinlich befürchtete Lee, dass die Zuschauer den grünen Riesen aufgrund seiner fehlenden Artikulation in der von sich selbst oft in der dritten Person spricht („Hulk smash!“). Hier hätte die Gefahr bestanden, dass das Publikum Hulk für zurückgeblieben halten könnte, dabei gewinnen die Comics gerade durch Hulks oftmals unsinnigen Beschreibungen seiner eigenen Handlungen ihren humoristischen Charakter. Hauptdarsteller Bana zufolge vermied Lee jedoch konsequent eine amüsante Stimmung am Set, sah er sein Projekt doch verbissen als Superhelden-Drama. An dieser Ambition scheinen er und sein Film letztlich gescheitert zu sein, zumindest in den Augen des Massenpublikums, welches mit seinen Bewertungen und allem voran mit seinen damaligen Besucherzahlen Bände spricht (spielte der Film fast nur ein Viertel wie Spider-Man ein Jahr zuvor ein). Für den Fan ist Hulk hingegen weitaus gelungener und wer sich mit dem Genre respektive Produkt „Comic“ genauer beschäftigt, wird auch dem Drama-Schauwert dieser Verfilmung einiges abgewinnen können, auch wenn sie nicht frei von Fehlern ist.

8/10