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18. August 2017

Classic Scene: The Graduate – “I got it all right.”

DIE SZENERIE: Nachdem sich der 20-jährige Benjamin (Dustin Hoffman) und Mrs. Robinson (Anne Bancroft), eine Freundin seiner Eltern, in einer Hotelbar verabredet haben, ermutigt die ältere Frau ihn dazu, für ein Schäferstündchen ein Hotelzimmer zu organisieren. Etwas ungeschickt bewerkstelligt Benjamin dies unter dem Pseudonym “Mr. Gladstone”, der vorgibt, kein Gepäck dabei zu haben – außer seiner Zahnbürste im Auto. Nach der Zimmerbuchung kontaktiert Benjamin schließlich Mrs. Robinson per Telefon aus der Hotellobby, um sie über den Status zu informieren.

INT. VERANDA ROOM – NIGHT

MRS. ROBINSON sits, patiently and calmly. Her face betrays absolutely nothing as she stares ahead of her and sips her martini.


WAITER: Mrs. Robinson?

She looks up. A WAITER is standing next to the table with a telephone.

MRS. ROBINSON: Yes?

WAITER: For you.

MRS. ROBINSON: Thank you.

The waiter plugs the phone into the wall socket next to the table and hands her the receiver.

MRS. ROBINSON: Hello?

BEN’S VOICE: Mrs. Robinson?

MRS. ROBINSON (into phone): Yes?

BEN’S VOICE: It’s Benjamin. Benjamin Braddock.

MRS. ROBINSON: Benjamin, where are you?

BEN’S VOICE: Can you look through the glass?

Mrs. Robinson turns in her chair and looks through the glass into the lobby. BEN is in the phone booth no more than twenty feet away.

BEN’S VOICE: Can you see me now?

MRS. ROBINSON: Yes, I can.

Over Ben’s shoulder we can see his face reflected in the glass door and, through it, Mrs. Robinson sitting in the Veranda Room.

BEN: I got a single room.

MRS. ROBINSON: That’s fine.

BEN: But there’s one thing. The desk clerk seemed to be a little bit suspicious. Now I don’t know what their policy is but –

MRS. ROBINSON: Well, do you want to go up first?

BEN: Yes. I think that would be good.

MRS. ROBINSON: I’ll be up in five minutes.

BEN: Well… goodbye then.

MRS. ROBINSON: Benjamin?

BEN: Yes?

MRS. ROBINSON: Isn’t there something you want to tell me?

BEN: Tell you?

MRS. ROBINSON: Yes.

BEN: Well, I want you to know how much I appreciate this, really –

MRS. ROBINSON: The number.

BEN: What?

MRS. ROBINSON: The room number, Benjamin. I think you ought to tell me that.

BEN: Oh? You’re absolutely right. It’s 568.

MRS. ROBINSON: Thank you.

BEN: You’re welcome. Well… I’ll see you later, Mrs. Robinson.

He hangs up – so does Mrs. Robinson and calls for the waiter.

MRS. ROBINSON: Check please.

Ben leaves the phone booth and walks into the lobby. As he passes the desk on his way to the elevator, he pats his breast pocket.

BEN: I’ve got it.

The DESK CLERK looks over.

BEN: I say I’ve got it.

CLERK: Sir?

BEN: The toothbrush. I got it all right.

CLERK: Very good, sir.

BEN: Yes. Well -– goodnight.

CLERK: Goodnight, sir.

Ben walks out of shot while the desk clerk looks after him.

12. August 2008

As Time Goes By: Natalie Portman

To just be interested in doing films would limit my life.

Am 9. Juni 1981 erblickte Natalie Hershlag in Jerusalem, Israel, das Licht der Welt. Das einzige Kind des israelischen Arztes Avner Hershlag, auf Fruchtbarkeit und Reproduktion spezialisiert, und der amerikanischen Hausfrau Shelley Stevens lebte mit seinen Eltern drei Jahre in der heiligen Stadt. Kennen gelernt hatten sich die Eltern in einem jüdischen Zentrum in den Vereinigten Staaten von Amerika. Hershlags Großeltern väterlicherseits waren im Konzentrationslager von Auschwitz ums Leben gekommen. 1984 zog es die Familie dann zurück in die USA, wo sie sich nach einigen Aufenthalten letztlich 1990 in Long Island, New York, niederließ. Im Alter von zehn Jahren wurde Hershlag von einem Revlon Agenten angesprochen, der sie als Kindermodel gewinnen wollte. Doch sie lehnte ab und besuchte stattdessen in ihrem Schulferien Theater Camps. Ein Jahr später wurde sie in einem Pizzastand entdeckt und zum Vorsprechen für einen Film des französischen Regisseurs Luc Besson eingeladen. Ihre Rolle als junge femme fatale in Leon – The Professional sollte ihr 1994 den Weg in eine internationale Karriere ebnen. In ihrer neuen Funktion als Schauspielerin nahm sie nun den Mädchennamen ihrer Großmutter an, um sich etwas Privatsphäre zu sichern. Die aufstrebende Schauspielerin Natalie Portman war geboren und Leon – The Professional wurde zum Kultfilm. In den nächsten beiden Jahren würde Portman mit einigen namhaften Regisseuren zusammenarbeiten. Ihr nächstes Engagement trieb sie sie als suizidale Filmtochter von Al Pacino zu Michael Manns Meisterwerk Heat, anschließend spielte sie eine gewichtige Rolle in Beautiful Girls, dem Meisterwerk von Jonathan Demmes verstorbenem Bruder Ted. Im selben Jahr würde sie auch Nebenrollen in Everyone Says I Love You von Woody Allen und Mars Attacks! von Tim Burton übernehmen.

Ursprünglich geplant war auch, dass Portman als Julia in Baz Luhrmanns farbgewaltigem Romeo + Juliet an der Seite von Leonardo Di Caprio spielt. Doch letztlich war den Produzenten der Altersunterschied zwischen den beiden Darstellern zu groß und Claire Danes wurde an Portmans Stelle engagiert. Stattdessen spielte die Jungdarstellerin an der Seite von Susan Sarandon in Anywhere But Here. Nachdem Portman die Rolle wegen einer Sexszene ursprünglich abgelehnt hatte, setzte Sarandon beim Regisseur durch, dass sie besagte Szene gestrichen würde, damit Portman mitspielen konnte. Für ihre Darstellung der Ann August erhielt Portman 1999 ihre erste Golden Globe Nominierung als Beste Nebendarstellerin. Während sie im nächsten Jahr in Where the Heart Is eine weitere Coming-of-Age-Geschichte drehen würde, bereitete das Jahr 1999 wahrscheinlich Portmans größten Karrieresprung. In George Lucas’ neuer Star Wars-Trilogie würde sie die Rolle der Padmé Amidala übernehmen, der Mutter von Luke und Frau von Anakin Skywalker. Die zweite Trilogie würde weltweit an den Kinokassen 2,5 Milliarden Dollar einspielen und Portmans Namen endgültig in der Filmindustrie etablieren. Abgesehen von den Star Wars-Filmen partizipierte Portman zwischen 1999 und 2002 an keinen anderen Filmprojekten.

Stattdessen studierte sie an der Universität von Harvard das Fach Psychologie, welches sie 2003 mit einem Bachelor-Titel abschloss. In ihrer Studentenphase veröffentlichte Portman auch zwei wissenschaftliche Aufsätze, den einen als 17-jährige High School Studentin über die Enzymproduktion von Wasserstoff im Intel Science Talent Search und den anderen über Frontallappenaktivität während Objektbeständigkeit. Während ihrer Studienzeit war sich Portman auch nicht zu schade, als Laborassistentin zu arbeiten und am Studentenleben teilzunehmen. Zudem wirkte sie im Jahr 2001 in New York City an dem Theaterstück The Seagull mit, welches von Mike Nichols inszeniert wurde und Schauspielgrößen wie Meryl Streep und Philip Seymour Hoffman angelockt hatte. Nachdem sie 2003 eine Nebenrolle in Cold Mountain vom verstorbenen Oscarpreisträger Anthony Minghella übernommen hatte, zeigte sie, dass sie nicht nur auf große Projekte fixiert war. Sie komplettierte 2004 das ansehnliche Ensemble von Zach Braffs Regiedebüt Garden State und arbeitete im selben Jahr erneut mit Familienfreund Mike Nichols für dessen Closer zusammen. Für ihre Portraitierung der Alice in Closer würde Portman dieses Mal den Golden Globe als Beste Nebendarstellerin nach Hause nehmen können. Außerdem wurde sie in selbiger Kategorie auch für einen Academy Award nominiert.

Spätestens jetzt hatte sich die Israeli-Amerikanerin als ernstzunehmende Schauspielerin in Hollywood etabliert. Ein Jahr später würde sie mit Revenge of the Sith im erfolgreichsten Film 2005 zum letzten Mal ihre Rolle als Padmé spielen, ehe sie ein Jahr später mit Tom Tykwer ein Segment für den Episodenfilm Paris, je t’aime drehen sollte. Außerdem spielte Portman 2006 in dem kontrovers diskutierten V for Vendetta mit. Die Geschichte des Terroristen und Sympathieträgers V, nach der Comicvorlage von Alan Moore, sorgte fünf Jahre nach dem 11. September für Zündstoff. Diesbezüglich trat Portman im März 2006 an der Columbia Universität als Gastdozent auf und diskutierte in einem Kurs über Terrorismus und Terrorismusbekämpfung über V for Vendetta. Für den von den Wachowskis produzierten Sci-Fi-Actioner ließ sich Portman sogar eine Glatze schneiden. Ihr Aussehen hielt Regiegröße Milos Forman nicht davon ab ihr die weibliche Hauptrolle in seinem Goya’s Ghosts zu geben. Auch ihre nächsten beiden Kollaborationen würden sie mit namhaften Regisseuren zusammen bringen. Portman übernahm Nebenrollen in Wong Kar-Wais Amerikadebüt My Blueberry Nights und offerierte ihre erste Nacktrolle in Wes Andersons Kurzfilm Hotel Chevalier, der zu dessen The Darjeeling Limited hinführte.

Ebenfalls 2007 spielte sie dann noch die Hauptrolle in Zach Helms Regiedebüt Mr. Magorium’s Wonder Emporium. Dieses Jahr spielte Portman an der Seite von Scarlett Johansson in The Other Boleyn Girl die berühm-berüchtigte Anne Boleyn. Gegen Ende des Jahres wird sie gemeinsam mit Tobey Maguire und Jake Gyllenhaal in Brothers zu sehen sein, dem Remake von Susanne Biers Brødre zu sehen sein. Ebenfalls abgeschlossen sind die Dreharbeiten zu New York, I Love You, dem amerikanischen Gegenpart zu Paris, je t’aime. In jenem wird Portman nicht nur eine Rolle in einem der Segmente übernehmen, sondern zugleich auch ihr Regiedebüt geben. Während ihrer 14-jährigen Karriere konnte die 27-Jährige mit Regisseuren wie Woody Allen, Tim Burton, Michael Mann, George Lucas, Wong Kar-Wai und Milos Forman arbeiten und hat sich als viel versprechende Schauspielerin einen Namen gemacht. Entertainment Weekly führt sie auf Platz Zwei der Top 30 unter 30 Schauspielerinnen. Denselben Platz schrieb ihr das Empire Magazin in der Rubrik Sexiest Movie Stars ein Jahr zuvor zu. Inzwischen hat sich Portman nicht nur als Schauspielerin, sondern auch Stilikone etabliert. Neben Stella McCartney zählt auch Designer Zac Posen zu ihren Freunden, letzterer beschreibt sie sogar als seine Muse. Außerdem ist Portman mit Musiker Moby und Schriftsteller Jonathan Safran Foer befreundet, ebenso wie mit zahlreichen Schauspielkollegen wie Scarlett Johannson und Bryce Dallas Howard.

Im Gegensatz zu anderen Jungstars wie Edward Furlong, Lindsay Lohan oder Brad Renfro konnte sich Natalie Portman im Filmgeschäft erfolgreich durchsetzen und blieb dabei skandalfrei. Ohnehin gehört Portman ähnlich wie Anna Paquin zu den Jungschauspielern, die ihre Beständigkeit im Kino wohl eben jener skandalfreien Freizeit zu verdanken haben. Keine Alkoholexzesse wie bei einer Kirsten Dunst oder Drogendelikte wie bei den Kollegen Haley Joel Osment und Konsorten sind bei ihr der Fall. Im Gegenteil. Portman, die seit ihrem achten Lebensjahr Vegetariern ist, setzt sich verstärkt für karikative und soziale Einrichtungen ein. Sie ist nicht nur ein Vertreter für Tierrechte, sondern ist auch eine Botschafterin der Hoffnung für FINCA. Hierbei handelt es sich um eine Mikrofinanz-Organisation, die sich gegen Armut einsetzt. Im Zuge dessen hat Portman unter anderem Guatemala, Uganda und Ekuador besucht. Ihr Engagement für ihre Umwelt reicht zurück in ihre Kindheit, wo sie Mitglied der Tanzgruppe World Patrol Kids war. Im Jahr 2004 zählte Portman zu den vielen Prominenten, welche die Präsidentschaftskandidatur des Demokraten John Kerry unterstützen.

Auch über ihr Privatleben ist in den Klatschspalten wenig zu finden. Vieles bewegt sich hier im Konjunktiv. Ihr werden Affären mit Jake Gyllenhaal und Adam Levine, Sänger der Band Maroon 5, nachgesagt, doch genaueres ist nicht bekannt. Im Gegensatz zu ihren Schauspielkollegen Luke Haas und Gael Garcia Bernal, mit denen sie beiden liiert war. Dennoch führt Portman kein exzessives Leben wie andere Schauspielerinnen der Klasse Kirsten Dunst oder Sienna Miller. Ihr Liebschaften mit Multimilliardär und Umweltschützer Nat Rothschild oder dem venezolanischen Folkssänger Devendra Banhart bleiben meist aus dem Feuilleton und somit Portmans Privatsache. Konflikte mit dem Gesetz, der Regierung oder Drogen hatte Portman noch nie. Durch ihr Bewusstsein und ihr schauspielerisches Talent dürfte Natalie Portman sich weiterhin einige Jahre in Hollywood halten, ein weitestgehend unbescholtenes und von der Öffentlichkeit abgeschiedenes Leben führen. Zwar spielt sie schauspielerisch noch nicht in einer Liga mit Kolleginnen wie Cate Blanchett oder Kate Winslet, jedoch dürfte auch Natalie Portman, bei weiterer überlegter Filmauswahl, eines Tages die Auszeichnung mit einem Academy Award nicht verwehrt bleiben. Mit ihrer Intelligenz, ihrem Talent und ihrem Aussehen steht Portman die Welt offen und noch größerer Ruhm sicherlich bevor.

10. Februar 2008

Charlie Wilson’s War

The Congressman has never been to rehab. They don’t serve whisky at rehab.

Las Vegas, die Stadt der Sünder, voller Betrüger, Geld und Prostituierten. Meist kulminiert alles am selben Ort, so zum Beispiel in einem Whirpool eines Apartments. Dort sitzen nicht nur zwei Stripperinnen, findet sich Alkohol und Kokain, sondern auch der texanische Abgeordnete Charlie Wilson (Tom Hanks). Doch er ist nicht ganz bei der Sache, denn im Fernsehen wird gerade ein Beitrag über die von den Russen unterdrückten Afghanen gezeigt. Wilson lässt sich vom Fernsehmoderator dazu überzeugen, den Etat für verdeckte geheime Subventionen von fünf auf zehn Millionen Dollar zu erhöhen. Doch damit tut er niemand einen Gefallen, im Gegenteil. Seine Gelegenheitsgeliebte und die sechsreichste Frau Texas, Joanne Herring (Julia Roberts), nötigt Wilson nun dazu sich aktiv für die Bekämpfung der Sowjets einzusetzen und eine Konsultation mit dem CIA führt ihn schließlich zu dem egozentrischen Agenten Gust Avrakotos (Philip Seymour Hoffman), der gemeinsam mit drei anderen versucht den Kalten Krieg zu amerikanischen Gunsten zu beenden.

Die unglaublichsten Geschichten sind aus Erfahrung immer diejenigen, die sich tatsächlich ereignet haben. So auch die Geschichte vom Krieg des Charlie Wilson gegen die sowjetischen Besatzer in Afghanistan Ende der Achtziger. Wilson war das, was man ohne Umschweife als Schürzenjäger und Trinker bezeichnen könnte und das wäre wohl noch euphemistisch ausgedrückt. Der echte Charlie Wilson meinte nach der Premiere von Charlie Wilson’s War lediglich, dass die Macher gnädig mit ihm gewesen sein und mit ebenjenen Machern meinte er Produzent und Hauptdarsteller Tom Hanks sowie Regisseur Mike Nichols. Über Wilsons Aktivitäten schrieb Ende der Neunziger der 60 Minutes-Journalist George Crile, der das Thema schließlich 2003 zu dem Roman Charlie Wilson’s War ausarbeitet, was wiederum Tom Hanks auf den Plan rief sich die Filmrechte zu sichern. Für das Drehbuch engagierte er den Schöpfer der politischen Dramaserie The West Wing, Aaron Sorkin, und holte als Regisseur Mike Nichols an Bord, der bereits mit Primary Colors und Catch 22 Erfahrungen im politisch-zynischen Bereich gesammelt hatte.

Eine nette Anekdote rund um die Entstehung des Filmes ist ein Treffen zwischen Nichols und George Clooney, der an der Rolle von Wilson interessiert war, als er jedoch erfuhr, dass sich Hanks bereits die Rechte gesichert habe mit den Worten ausbrach „Ich hoffe er stirbt!“. Wer würde nicht gerne einen versoffenen Weiberhelden spielen, der im Alleingang den Kalten Krieg beendete? Hanks spielte die Hauptrolle kurzerhand selbst, erntete dafür auch vor wenigen Wochen eine Golden Globe Nominierung, ebenso wie sein Nebendarsteller Philip Seymour Hoffman, der sich auch Hoffnungen auf einen Oscar machen darf. Namhaft besetzt ist er, Charlie Wilson’s War, mit drei Oscarpreisträgern in den Hauptrollen und einer für den Oscar nominierten Dame in einer Nebenrolle. Kein Wunder also, dass der Film bei den Globes noch so zahlreich vertreten war. Dabei hat Hanks sicherlich schon besser gespielt, als es hier der Fall ist, aber das komödiantische Fach liegt im dennoch fraglos. Er ist sich nicht einmal zu schade dem Publikum zum ersten Mal seinen blanken Hintern zu zeigen.

Aber das Fazit bleibt, wirklich aufgehen tut er in seiner Rolle nicht, zu unbegeistert wirkt die Begeisterung, zu friedlich seine Aufreger. Damit ist er jedoch sehr viel besser bedient als die Roberts, die abgesehen von ihrer Nuttenhaften Schminke total blass bleibt. Auch wenn dahingestellt ist, ob sie überhaupt schauspielerisches Talent besitzt, lässt es sich zumindest in Nichols Film nicht finden. Man muss ihr zu Gute halten, dass ihre Rolle auch nicht sonderlich viel hergibt, lediglich hier und da kurz auftritt, nur um etwas mit den Augen zu klimpern und Hanks ins Gewissen zu reden. Besser spielen tut da schon Amy Adams als Wilsons persönliche Assistentin Bonnie Bach, doch auch diese Figur wird nicht sonderlich ausgeleuchtet, erscheint stets als ungeschilderter Schatten von Hanks Charakter. Ähnlich verhält es sich auch mit Philip Seymour Hoffman, über dessen Rolle man zu Beginn erfährt, dass sie nicht befördert wird, womit sich das Private auch in Grenzen hält.

Höhepunkt des Filmes ist allerdings eben Hoffmans Figur, der provokativ-ehrliche Gust Avrakotos, der durch seine Bemerkungen und Äußerungen für die Lacher im Film sorgt. Hoffman spielt den Amerikaner griechischer Herkunft köstlich und absolut authentisch, ist zugleich Glanz und Gloria von Nichols Film, der außer den Szenen zwischen Avrakotos und Wilson selten wirklichen Humor zelebrieren kann. Wie bereits The Hunting Party möchte Charlie Wilson’s War gerne ein neuer Lord of War sein, ohne dies auch nur ansatzweise zu schaffen. Wenn Afghanen vom sowjetischen Helikopterfeuer dahingemäht werden, kann man solche Szenen nicht in eine Komödie einbauen, auch nicht in die von Nichols gedachte Satire. Sein Film ist über die gesamte Zeit zu unernst, um tatsächlich ernst zu sein und er ist zugleich zu unlustig, um eine wirkliche Komödie zu sein. Problematisch könnte auch sein, dass man die besten lustigen Momente des Filmes bereits monatelang in die Trailer platziert, sodass man im Kino selbst lediglich ein müdes inneres Lächeln bewerkstelligen will.

Wenn Wilson in seinem dunklen Zimmer sitzt, mit verheulten Augen, da ihm die zerfetzten afghanischen Kinder so nahe gehen, ist dies völlig aus dem Zusammenhang gerissen, da dem Publikum zuvor kein innerer Kampf dargestellt wurde, keine Nuancen, wieso Wilson sich das so sehr zu Herzen nimmt. Viel, was man hätte erzählen müssen, um die Geschichte den Zuschauern nahe zu bringen, versäumt man: Wilson bleibt ebenso im Dunkeln wie all die anderen Figuren, ihre Motivation wird vorausgesetzt. In der Tat scheint der Trailer dem Film das Genick gebrochen zu haben, den nicht nur die lustigsten Szenen werden vorweg genommen, sondern auch alle Szenen mit Shiri Appleby hineingepackt. Dieser Superlativ zu sexy taucht nicht so häufig im Film auf, wie man sich das aus dem Trailer vielleicht herzuleiten vermag, was einen dann am Ende doch etwas enttäuscht. So bleibt von Charlie Wilson’s War neben dem tollen Schauspiel von Hoffman nur noch die heiße Appleby. Der Rest ist relativ ermüdend und zu gezwungen komisch.

Was fehlt ist neben der Liebe der Macher zu ihrem Produkt vor allem die fehlende Tiefe der Figuren. Wieso genau will Ms. Herring ihre Ziele verfolgen? Was exakt motiviert Wilson? Wie sieht das Innenleben der Charaktere aus? Inwiefern ließ sich das umsetzen, was Wilson schließlich umgesetzt hat? Auch die Tatsache, dass die USA durch ihre Unterstützung der Mudschaheddin praktisch den späteren islamischen Fundamentalismus direkt finanziert, bzw. durch die Unterlassung weiterer Fördermittel diesen genährt haben, ist ein zu großes Thema, um es in einer einzigen fünfminütigen Szene abzuhandeln. Auch hier sieht man wieder, dass er Film zu ernst sein will, um Komödie zu sein, und zu lustig ist, um als Drama durchzugehen. Die Darsteller, besonders natürlich Julia Roberts, wirken dabei verschenkt, bloße Staffage in einer leblosen Handlung, die wie ein Ballon aufgeblasenes Konstrukt umherfliegt und bei einer ernsthaften Festigkeitsprüfung schließlich explodiert. Charlie Wilson’s War möchte vieles sein und schafft es am Ende schließlich wenig davon tatsächlich auszufüllen.

6.5/10