25. Dezember 2007

Hitman

Do you think we have time for foreplay?

Zur Massenware Hollywoods zählen neben den derzeitigen Comicverfilmungen inzwischen auch die filmischen Umsetzungen von Spielzeug, bevorzugt Videospiele. Dass Dr. Boll auf diese kein Monopol zu besitzen scheint, beweist beispielsweise Hitman. Basieren tut der Action-Reißer auf der gleichnamigen Videospielserie rund um Agent 47, die im Jahr 2000 begann. Bereits 2003 traten die Schöpfer des Spiels mit Studiobossen bezüglich einer Verfilmung in Kontakt. Vin Diesel sicherte sich damals die Rechte und wollte auch die Hauptrolle übernehmen, entschied sich aber scheinbar anders und verblieb beim Projekt nur als ausführender Produzent. Die Regie übernahm Xavier Gens, der sich dieses Jahr bereits mit dem politischen Film Frontière(s) auszeichnen durfte, das Drehbuch stammt von Skip Woods, der bereits die Grundlage zu Swordfish geliefert hatte. Da es sich bei Hitman um ein indiziertes Spiel handelt, kann man sich denken, dass es in der Handlung nicht zimperlich zugeht. Um dennoch an den Kinokassen keine Miesen zu machen, engagierte das Studio gegen den Willen von Gens den Cutter Nicolas De Toth, welcher den Film wie zuvor schon Live Free or Die Hard auf eine niedrigere Jugendfreigabe herunterschnitt.

Der glatzköpfige Agent 47 (Timothy Olyphant) trägt nicht nur einen Barcode auf seinem Hinterkopf, sondern auch eine gehörige Menge Waffen an seinem Körper. Seines Zeichens Auftragskiller soll er den russischen Präsidenten Belicoff (Ulrich Thomsen) ausschalten. Gesagt getan, doch als er in sein Hotelzimmer zurückkehrt, erhält er die Mitteilung, dass es eine Zeugin gab. 47 macht sich auf, die hübsche Nika (Olga Kurylenko) aus dem Weg zu räumen, kann jedoch selbst zuvor nur knapp einem Attentat eines anderen Agenten ausweichen. Wie sich herausstellt, existiert ein Doppelgänger von Belicoff und da 47 und Olga die einzigen sind, die darüber Bescheid wissen, werden sie fortan nicht nur von anderen Agenten, sondern auch dem russischen Geheimdienst gejagt. Währenddessen ist Interpol Agent Michael Whittier (Dougray Scott) Agent 47 auf der Spur, wird in seinen Ermittlungen jedoch durchgehend vom FSB-Leiter Marklov (Robert Knepper) behindert. Für alle Parteien scheinen ihre Richtungen auf einen gemeinsamen Nenner raus zu laufen, welcher sie am Ende alle zusammenführen soll: ein weiteres Attentat auf Belicoff.

Das Hitman geschnitten ist, will man ihm zuerst nicht einmal anmerken, auch wenn natürlich manche Szene nicht so blutig sind, wie man erwarten könnte. Ob nun Kopfschüsse gezeigt werden oder nicht, tut letztendlich der Handlung keinen Abbruch und wenn man mit dem Computerspiel per se nicht vertraut ist, wird man auch nicht großartig etwas vermissen. Mut zur Selbstironie beweist Gens wenn er Agent 47 in einer Fluchtsequenz in ein Hotelzimmer stürzen lässt, in welchem gerade zwei Kinder dabei sind selbst die Hitman-Serie zu spielen. Auch sonst nimmt sich der Film nicht immer allzu ernst und weiß den negativen Eindruck des Trailers etwas weg zu wischen. Dem Konzept des Ballerspiels einen politischen Unterton zu geben, hilft im Gegensatz zu der anderen Spieleadaption Transformers eine gewisse glaubhafte Handlung zu etablieren. Bedauerlicherweise bleiben jedoch viele Dinge im Unklaren und werden im Laufe des Filmes auch nicht aufgeklärt (zumindest nicht in diesem Teil). Was genau sind die Agenten, woher kommen sie, für wen arbeiten sie, wie funktionieren sie? Diese Fragen werden nicht beantwortet, finden leider auch kaum Berücksichtigung. Dass dieses Wissen vorausgesetzt wird oder der Film lediglich für die Fans der Spielereihe konzipiert wurde ist dabei nicht sonderlich wahrscheinlich.

Gut möglich, dass die Antworten hierauf erst in einer Fortsetzung gegeben werden sollen, wobei man sich mit diesem Schachzug, sowie mit der gekürzten Fassung, bei den Fans und dem daraus resultierenden Einspiel keinen Gefallen gemacht haben dürfte. Am Ende hat man einen Film gesehen über einen Mann, dessen Herkunft unklar ist, genauso wie seine Motivation oder die Organisation für die er arbeitet. Ebenso wenig weiß man, wer der Belicoff-Doppelgänger und was seine Motivation und die seiner Komplizen gewesen ist. Dass der Film an diesen Fragen nicht gänzlich scheitert ist wohl der Regie von Gens zu verdanken, dem es gelingt trotz alledem eine für das Publikum interessante Geschichte zu erzählen, auch wenn deren Ende zu Beginn des Filmes vorweg genommen wird.

Obschon Vin Diesel für die Rolle wie maßgeschneidert schien, verleiht ihr Olyphant wohl einen menschlicheren Charakter, als es Diesel je gekonnt hätte. Zudem stimmt die Chemie zwischen ihm und Kurylenko. Die meisten anderen Darsteller spielen dagegen zumeist etwas steif, allen voran Dougray Scott, der sich den ganzen Film über nicht entscheiden kann, ob er seine Zigaretten nun anstecken soll oder nicht. Spielen die Darsteller nicht gerade steif, so betreiben sie oftmals overacting. Dennoch ist Hitman ein durchaus akzeptabler Actioner, der sich klar über andere Vertreter diesen Jahres wie Shoot ’Em Up oder Death Sentence heben kann, da seine Inszenierung trotz der inhaltlichen Fragen zu gefallen und zu unterhalten weiß. Dies liegt zu einem Großteil an der scharfen – hierbei handelt es sich um das passende Wort – Olga Kurylenko, neben der alles verblasst. Ein durchschnittlicher Action Film erhält daher von mir noch anderthalb Bonuspunkte, sowohl für die Kurylenko, als auch für den großartigen Henry Ian Cusick und dass sie Justice gespielt haben.

7/10

Kommentare:

  1. Wer sagt denn, dass HITMAN geschnitten ist? (oder meintest Du nur die Tatsache, dass man ihn etwas harmloser machte, indem man den Regisseur wechselte?)

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  2. Bei Filmstars hieß es, dass er auf ein R-Rating beschnitten wurde, also jugendfreundlicher gemacht, so wie Die Hard 4.0

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  3. Naja, aber R-Rated und PG-13 ist nochmal ein großer Unterschied. Christophe Gans' HITMAN wäre wohl auch nicht so viel brutaler gewesen...

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  4. Naja, aber R-Rated und PG-13 ist nochmal ein großer Unterschied.

    Auch wieder wahr :)

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