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30. Januar 2017

Christine

Yes, but...

Gleich zwei Filme befassten sich vergangenes Jahr mit dem Fernseh-Suizid der Reporterin Christine Chubbuck aus dem Jahr 1974. Während Robert Greene mit Kate Plays Christine eine avantgardistische Mockumentary-Annäherung wählte, folgt Antonio Campos’ Spielfilm-Drama Christine der klassischen Herangehensweise. Letztendlich versagen beide Werke jedoch darin, dem Mysterium hinter Chubbucks Selbsttötung während einer Live-Fernsehübertragung ein paar Antworten zu entlocken. Was genau die damals 29-jährige Journalistin aus Sarasota bewegte und in den Tod trieb, vermag Christine in seiner zweistündigen Laufzeit nicht wirklich auszuarbeiten. Dafür bewegt sich Campos’ Film die meiste Zeit viel zu sehr an der Oberfläche.

Christine Chubbuck soll von enormen Selbstzweifeln geplagt gewesen sein, sie war depressiv und hatte Probleme, sich sozial zu integrieren. Ihre Depressionen und Suizidgedanken kamen nicht von heute auf morgen, sondern waren ihrer Mutter bekannt, wie auch Chubbuck selbst seit jungen Jahren in psychotherapeutischer Behandlung war. Aspekte, für die sich Christine nicht allzu sehr interessiert, vielmehr manövriert sich Campos’ Film teils gefährlich in ein Fahrwasser, das versucht, den Suizid von Chubbuck mit dem verstärkten Sensationalismus im Fernsehjournalismus zu erklären. Was den Hintergründen für die tragische Entscheidung Chubbucks nicht nur nicht gerecht wird, sondern sie im Prinzip ohne gebührenden Respekt behandelt.

So sehen wir Christine Chubbuck (Rebecca Hall) zu Beginn als Reporterin, die von einem Interview mit Präsident Nixon träumt. Stattdessen schickt sie ihr Chef (Tracy Letts) zu einem Unfall, getreu dem Motto “if it bleeds, it leads”. Das eigene Nachrichtenprogramm kämpfe mit den Quoten, “we gotta lighten things up around here”. Christine dagegen will jedoch “issue orientated, character based pieces” produzieren – ihre Kollegen haben dies so oft gehört, sie sprechen es unisono mit ihr mit. Im Lauf der Wochen fügt sich Christine schließlich den neuen Wünschen ihres Sendeleiters. Auch, weil der Besitzer des Lokalsenders eine neue Nachrichtensendung in Baltimore plant und hierfür Moderatoren aus dem Sarasota-Sender sucht.

Christine lauscht nun nachts dem Polizeifunk, filmt Brandopfer und opfert ihre “positive think pieces” für “darker, juicier stories”. Alles für die Quote, alles für die Beförderung. Als dies alles nichts hilft, folgt dann eben der Ausweg zum Live-übertragenen Selbstmord. “In living color, you are going to see another first”, wie es Chubbuck 1974 selbst formulierte, ehe sie den Abzug drückte. Die Sensationsgier der Zuschauer, die “juicier stories” wollen und mit ihren Einschaltquoten Einfluss auf die journalistische Arbeit nehmen, wird so zum stillen Komplizen für Chubbucks Selbsttötung. Dass die 29-Jährige suizidal war, Wochen vorher bereits Selbstmordmethoden recherchierte, wird in Christine nicht thematisiert – und so letztlich negiert.

Was nicht heißt, es gibt keinen sozialen Einblick. Wir sehen Christines Besuche und Puppenspiele für Krankenhauskinder, wir erfahren von ihrer Schwärmerei für den Moderatoren-Kollegen George Peter Ryan (Michael C. Hall). Können uns ihren stillen Wunsch nach einer Beziehung denken und den Frust und Ärger verstehen, wenn ihre Mutter (J. Smith-Cameron), mit der sie zusammen lebt, einen Mann kennenlernt – während sie selbst Single ist. Aber selbst wenn George Peter Ryan mal Interesse an ihr zeigt, reagiert Christine abweisend-brüsk, ohne dass wir erfahren, wieso. Die Beziehung zu ihrer Umwelt und Kollegen (Maria Dizzia, Timothy Simons) bleibt unklar, noch sehr viel unklarer bleibt die Beziehung der Figur jedoch zu sich selbst.

Hinzu kommt, dass das Sensationalismus-Element selbst nicht wirklich fokussiert wird. Inwiefern das Programm boulevardesker gerät, welche Bestrebungen im Sinne der Quotenerhöhung erfolgen – der Film lässt den Zuschauer im Dunkeln. Bis auf Christines Bemühungen scheint sogar alles seinen bisherigen Verlauf zu nehmen, was es umso unverständlicher macht, wieso Campos dem Film eine derartige Richtung für Christines mögliche Motivation gibt. Ratsamer wäre es gewesen, die Depressionen Chubbucks mehr hervorzuheben, ihre Geschichte und ihr Ausmaß zum Beispiel mit ein, zwei Szenen bei ihrem Psychiater zu beleuchten. Genauso wie die zum Ende hin fortschreitenden Planungen für den bevorstehenden Selbstmord.

Über all diese Kritik erhaben ist Rebecca Hall, die eine starke Leistung abliefert, selbst wenn sie nur unmerklich mehr physikalische Ähnlichkeit mit Chubbuck besitzt als Kate Plays Christine’s Kate Lyn Scheil. Halls hingebungsvolles Spiel hält die Aufmerksamkeit hoch und ist letzten Endes das Haupt- wenn nicht sogar das einzige Kriterium für eine Sichtung von Antonio Campos’ Christine. Dass der als intensive Depressionsstudie weniger zugänglich für ein Massenpublikum wäre, ist klar, aber dieser subtile Ansatz einer Medienkritik à a Nightcrawler funktioniert irgendwie noch weniger. Somit sind die Zuschauer auch nach zwei Filmen und fast vier Stunden nicht schlauer, wer Christine Chubbuck war. Das Mysterium bleibt bestehen.

6/10

1. November 2014

Filmtagebuch: Oktober 2014

ARUITEMO ARUITEMO [STILL WALKING]
(J 2008, Kore-eda Hirokazu)

8/10

BAI RI YAN HU [FEUERWERK AM HELLICHTEN TAG]
(CN 2014, Diāo Yìnán)

6/10

CHILD’S PLAY [CHUCKY – DIE MÖRDERPUPPE]
(USA 1988, Tom Holland)

2.5/10

DEUX JOURS, UNE NUIT [ZWEI TAGE, EINE NACHT]
(B/F/I 2014, Jean-Pierre Dardenne/Luc Dardenne)
6/10

DEXTER – SEASON 1
(USA 2006, Michael Cuesta u.a.)
8/10

DEXTER – SEASON 2
(USA 2007, Marcos Siega u.a.)
8/10

DEXTER – SEASON 3
(USA 2008, Marcos Siega u.a.)
8/10

THE DOUBLE
(UK 2013, Richard Ayoade)
3/10

EDGE OF TOMORROW (3D)
(USA/AUS 2014, Doug Liman)

7/10

ENEMY
(CDN/E 2013, Denis Villeneuve)
8/10

THE EXORCIST [DIRECTOR’S CUT]
(USA 1973, William Friedkin)

5/10

FED UP
(USA 2014, Stephanie Soechtig)
7/10

FRIENDS – SEASON 1
(USA 1994/95, James Burrows u.a.)
7.5/10

FROZEN
(USA 2010, Adam Green)
3/10

THE GIRL WITH THE DRAGON TATTOO [VERBLENDUNG]
(USA/S/N 2011, David Fincher)

4/10

GONE GIRL
(USA 2014, David Fincher)
5.5/10

THE INTERNET’S OWN BOY: THE STORY OF AARON SWARTZ
(USA 2014, Brian Knappenberger)
6/10

INTERSTELLAR
(USA/UK 2014, Christopher Nolan)
3.5/10

IVORY TOWER
(USA 2014, Andrew Rossi)
6/10

THE JUNGLE BOOK [DAS DSCHUNGELBUCH]
(USA 1967, Wolfgang Reitherman)

7/10

MICKEY BLUE EYES
(USA/UK 1999, Kelly Makin)
8.5/10

NIGHTBREED [CABAL – DIE BRUT DER NACHT]
(USA 1990, Clive Barker)

3/10

NIGHTCRAWLER
(USA 2014, Dan Gilroy)
8.5/10

OBVIOUS CHILD
(USA 2014, Gillian Robespierre)
4.5/10

OKTOBER NOVEMBER
(A 2013, Götz Spielmann)
6/10

THE SACRAMENT
(USA 2013, Ti West)
3/10

SE7EN [SIEBEN]
(USA 1995, David Fincher)

7/10

THE SIEGE [AUSNAHMEZUSTAND]
(USA 1998, Edward Zwick)

6/10

SOSHITE CHICHI NI NARU [LIKE FATHER, LIKE SON]
(J 2013, Kore-eda Hirokazu)

7/10

STROMBERG - DER FILM
(D 2014, Arne Feldhusen)
6/10

THEY CAME TOGETHER
(USA 2014, David Wain)
2.5/10

THOR
(USA 2011, Kenneth Branagh)
4.5/10

THOR: THE DARK WORLD [THOR – THE DARK KINGDOM]
(USA 2013, Alan Taylor)

3.5/10

TODA-KE NO KYŌDAI [DIE GESCHWISTER TODA]
(J 1941, Ozu Yasujirô)

5.5/10

TŌKYŌ MONOGATARI [DIE REISE NACH TOKIO]
(J 1953, Ozu Yasujirô)

7/10

THE TWO FACES OF JANUARY [DIE ZWEI GESICHTER DES JANUARS]
(UK/F/USA 2014, Hossein Amini)

5.5/10

UNDER SIEGE [ALARMSTUFE: ROT]
(USA/F 1992, Andrew Davis)

6.5/10

WEDDING CRASHERS [DIE HOCHZEITS-CRASHER]
(USA 2005, David Dobkin)

8/10

ZODIAC [DIRECTOR’S CUT]
(USA 2007, David Fincher)

8/10

15. Dezember 2010

Dexter - Season Five

Tic. Tic. Tic. That’s the sound of your life running out.

Seit 2005 läuft die Showtime-Serie Dexter im Fernsehen, doch erst im vergangenen Dezember ließen sich die Autoren zu einem für Drama-Formate gewöhnlich traditionellen Cliffhanger hinreißen. Am Ende der vierten Staffel brachte Serien(killer)held Dexter Morgan (Michael C. Hall) zwar seinen Gegenspieler Arthur (John Lithgow) um, fand jedoch anschließend Zuhause seine tote Ehefrau Rita (Julie Benz) und den gemeinsamen Sohn Harrison in einer Blutlache vor. Kein Happy End, kein zufriedenes Durchatmen nach zwölf strapaziösen Episoden. Dexters Welt würde im fünften Jahr nicht mehr dieselbe sein, so viel stand fest. Und mit dem Tod einer der zentralen Figuren eröffneten sich die Autoren nun die Möglichkeit, ihren Hauptprotagonisten in eine neue Richtung zu lenken.

Plötzlich ist der gefühlskalte Serienkiller, der eine Patchwork-Familie nur deswegen gründete, um eine soziale Tarnung zu haben, auf Gefühle angewiesen. Der Tod von Rita führt bei Dexter - so sehr er seine Frau auch schätzen und „lieben“ lernte - mehr zu einem Verantwortungsschock, denn zu einem emotionalen Einbruch. Selbst der Nachbar betrauert Ritas Ableben mehr als Dexter, was schließlich auch dessen Kollegen Detective Quinn (Desmond Harrington) auffällt, der den Blutforensiker ohnehin auf dem Kieker hat. Für Dexter hingegen heißt es umzudenken, ist er, der die Familienpflichten seiner Frau anvertraute, um nachts Serienmörder zur Strecke zu bringen, doch nun selbst für seine Kinder verantwortlich (auch wenn Astor und Cody anschließend zu ihren Großeltern ziehen).    

Und wie immer, wenn Dexter unter Anspannungen leidet, müssen diese in seinen Mordgelüsten gelöst werden. Allerdings kommt alles anders, nachdem er bei einem seiner Morde von Lumen (Julia Stiles), einem der Opfer von Dexters Opfer, beobachtet wird. Hin- und hergerissen zwischen Harrys (James Remar) Code und seinem Gewissen, nimmt sich Dexter schließlich Lumens an. Die ist wiederum nur daran interessiert, jene Männer zur Strecke zu bringen, die sie entführt, vergewaltigt und fast umgebracht haben. Widerwillig bietet Dexter seine Hilfe an und warum auch nicht, lassen sich doch Lumens Rache- und Dexters Tötungsgelüste auf diese Weise geschickt kombinieren. Dumm nur, dass Quinns Recherchen in bester Doakes-Manier Dexter in die Ecke drängen.

In gewisser Hinsicht ist die fünfte Staffel eine Art „Best Of“ der Vorgänger. Hadert Dexter in den ersten Folgen damit, seiner Außenwelt glaubhaft zu vermitteln, dass ihn Ritas Tod trifft, so tritt anschließend mit Lumen eine Frau in sein Leben, in deren Gegenwart er wie bei Lila (Jaime Murray) so sei kann, wie er wirklich ist, und die zugleich - wie Miguel (Jimmy Smits) vor ihr - zu seiner Komplizin wird. Zudem bestärkt das Cliffhanger-Szenario Dexters Ängste, dass sein Sohn genauso werden könnte wie er selbst. Allerdings wäre Dexter nicht Dexter, würde er sich nicht weiterentwickeln. Eine besonders schöne Episode ist hierbei Teenage Wasteland, in der Dexter sogar so weit als sozialer Mensch und Vater reift, dass ihn selbst Harry respektive sein eigenes Unterbewusstsein dafür lobt.

Dass die Serienmacher viele der dieser Punkte eher zu Beginn aufgreifen und sie bei Tempo 50 der eigentlichen Handlung über Bord werfen, ist verzeihlich. So verschwindet die nach außen entstandene emotionale Leere nach Ritas Tod ebenso schnell, wie die Sorge, dass Harrison ein ernsthaftes Trauma erlitten hat. In charakterlicher Hinsicht ist diese persönliche Komponente von Dexter fraglos gut herausgearbeitet, jedoch auch in den ersten vier Episoden - obschon der Auftakt My Bad ausgesprochen gelungen ist - eine etwas langatmige Prozedur, die die Handlung zum Stehen bringt und sich im Seelen-Sightseeing verliert. Was die fünfte Staffel von Dexter nun zu etwas Besonderem macht, ist die Tatsache, dass anschließend ein wahres Feuerwerk abgebrannt wird.

Die fünfte Folge First Blood nimmt Anlauf, sowohl was die Handlung um den Rachefeldzug von Dexter und Lumen angeht, als auch bezüglich Quinns Involvierung des korrupten und entlassenen Cops Liddy (Peter Weller) in seine Ermittlungen gegen Dexter. In ihrer zweiten Hälfte gewinnt Dexter dann eine derartige Spannung, dass man sich an die guten alten Zeiten des Debütjahres erinnert fühlt. Dexters Recherchen nach den Tätern von Lumens Entführung führen schließlich zum Selbsthilfe-Guru Jordan Chase (Johnny Lee Miller) und dessen bizarrem Unternehmen. Und als einer von Chases Komplizen (zu denen Chris Vance, Scott Grimes und Shawn Hatosy zählen) einen Fehler begeht, wird Dexters „Fall“ auch zu einer Angelegenheit für seine Schwester Debra (Jennifer Carpenter).

Für Dexter selbst bedeutet dies, dass er alle Hände voll zu tun hat. Denn neben seinen Vaterpflichten gegenüber Harrison muss er sich auch noch Quinn vom Leib halten und auf Lumen aufpassen, während er gleichzeitig versucht, näher an Jordan Chase heranzukommen. All diese Szenarien werden so gekonnt ausbalanciert und zum Ende der Staffel gesteigert (die letzten beiden Folgen Hop a Freighter und The Big One dürfen als Highlights angesehen werden), dass sie selbst den nervigen Subplot um die Beziehung von Batista (David Zayas) und LaGuerta (Lauren Vélez) vergessen machen, sowie für die eher uninteressiert zu Beginn nebenbei laufende Santa Muerte Ermittlung entschädigen. Und natürlich ist sich auch Masuka (C.S. Lee) nicht zu schade, für comic relief zu sorgen.

Insgesamt waren die Besetzungen mit Julia Stiles, Johnny Lee Miller und Peter Weller in diesem Herbst ein Geschenk. Zwar wurde Dexter nicht in eine komplett neue Richtung gelenkt, eher alte Aspekte neu aufgegriffen und reformiert. Und selbst wenn man sich im Staffelfinale vielleicht die eine oder andere, die Serie auf eine neue Ebene hievende, Wendung gewünscht hätte, hat die fünfte Staffel von Dexter Laune gemacht und fasziniert. Dass es gelungen ist, qualitativ fast an das erste Jahr anzuknüpfen (lediglich der holprige Start verhinderte mehr) ist für eine fünfte Staffel ein großer Verdienst. Und man darf gespannt sein, welche Überraschungen die Autoren im nächsten Herbst für den beliebtesten Serienmörder der US-amerikanischen Fernsehlandschaft bereithalten.

8.5/10

15. Dezember 2009

Dexter - Season Four

Father of the freakin’ year.

Amüsanterweise startet in den USA diese Woche die neue Hugh-Grant-Komödie Did You Hear About the Morgans?. Ein Titel, der sich grundsätzlich auch auf die Titelfiguren der Showtime-Serie Dexter münzen ließe. Was Dexter (Michael C. Hall) und Deborah (Jennifer Carpenter) Morgan jede Staffel in Miami erleben, ist beachtlich. Dexter selbst verliebt sich in seine Tarn-Freundin Rita (Julie Benz), muss seinen eigenen Bruder umbringen, eine Stalkerin loswerden und sich mit einem mordgeilen Staatsanwalt auseinandersetzen. Und jetzt ist er auch noch Vater des kleinen Harrison geworden. Seine Adoptivschwester Deb erwischt es kaum besser. Vom Verlobten entführt und fast getötet, wird wiederum ihr nächster Freund entführt und fast getötet, ehe auch die große Liebe dieses Mal zwar nicht entführt, aber doch getötet wird. Nein, die Morgan-Geschwister haben kein leichtes Leben. Und auch das vierte Jahr, das sie mit dem Fernsehpublikum teilen, soll ihnen kaum ruhige Momente bescheren. Ganz im Gegenteil.

Harrison ist da und mit dem Baby auch all der Ärger, den ein Baby mit sich bringt. Dexter kriegt kaum noch Schlaf, seine Beruhigungsmorde leiden darunter. Als er eines Abends einem Mörder auflauert, schläft er vor Müdigkeit am Steuer ein. Ein anderes Mal verfällt er sogar während der Fahrt dem Sekundenschlaf. Da macht es die Sache auch nicht einfacher, dass in seiner neuen Nachbarschaft ein Randalierer sein Unwesen treibt. Deborah hingegen fühlt sich solange in ihrer Beziehung mit Anton (David Ramsey) wohl, bis ihr Ex, FBI-Agent Lundy (Keith Carradine), wieder in Miami auftaucht. Er bittet Dexter um dessen Hilfe bei der Suche nach dem Trinity-Mörder. Einen Serienkiller, der seit Jahrzehnten sein Unwesen treibt. Als die Ermittlungen gegen Trinity Lundy schließlich das Leben kosten und Dexter wiederum Trinitys Identität als die von Arthur Mitchell (John Lithgow) ausfindig macht, beginnt sich das eigentliche Handlungsgerüst erst in Bewegung zu setzen. „He’s like me“, stellt Dexter fest, als er Arthur zu seiner scheinbar glücklichen Familie verfolgt.

Fortan ist Dexter unentschlossen, ob er Arthur sofort töten soll oder nicht. Zwar ermuntert ihn Harry (James Remar) stets dazu, aber Arthur scheint so integriert in seine Familie, dass Dexter herausfinden will, wie man Serienmord und Familie unter einen Hut bekommt. Die nächtlichen Aktivitäten belasten jedoch die Ehe mit Rita und auch eine kleine Auseinandersetzung mit Quinn (Desmond Harrington) will nicht abebben. Als Deb schließlich mit knallhartem Ehrgeiz Lundys Ermittlungen übernimmt, sieht sich Dexter immer mehr in die Enge getrieben. Es beginnt wie jedes Jahr ein Spiel gegen die Zeit, welches sich jedoch erst in den finalen Folgen spannungsgeladen herauskristallisiert. Die ersten beiden Episoden der vierten Staffel sind hierbei doch etwas dröge geraten. Das neue Ambiente des dreifachen Familienvaters, der keine Zeit mehr findet, seinem dunklen Begleiter Aufmerksamkeit zu schenken, will hier noch nicht wirklich faszinieren. Die anfänglichen Morde sind einem irgendwie total egal und die offensichtliche Harmonie im Hause Morgan so befremdlich, dass man nicht recht bei der Sache ist.

Ähnlich verhalten sich die Folgen später, in denen Arthur und Dexter Zeit miteinander verbringen. Bisweilen ist dies überaus nett geraten, aber auch zu ausführlich. Ohnehin ist das Arthur-Dexter-Setting mehr ein Echo der Miguel-Geschichte des Vorjahres. So werden auch wieder absurd-komische Bilder heraufbeschworen, wie das Mordwaffen-Shopping in der dritten Staffel. Dieses Mal darf Dexter in Dex Takes a Holiday einen befreienden Mord in Harrisons Kinderzimmer verüben. Was ob der Umgebung und der Analogie zu seinem eigenen Leben reichlich perfide ist. Und zugleich das einzige Highlight der Folge bleibt. Die Macher nehmen sich in der Mitte der vierten Staffel viel zu viel Zeit für ihre Geschichte. Unglaubwürdig, dass Arthur nicht skeptisch wird, wenn Dexter Mal um Mal in seiner Einfahrt auftaucht und seine Ausreden kontinuierlich abstruser werden. Genauso wie die gesamte Trinity-Ermittlung von Deb, Quinn und Batista (David Zayas) zu langatmig ausfällt.

Wie schon in der letzten Staffel nimmt also erst das Finale richtig Tempo auf. In den letzten vier Folgen beginnt sich die Schlinge um Arthur zuzuziehen. Dexters Geduld ist am Ende und Dexter wandelt auf den Pfaden, die der Serie gut tun. Hungry Man und Lost Boys zählen neben dem Staffelfinale The Getaway zu den stärksten Episoden. Wobei sich The Getaway zu Schulden kommen lässt, dass sich wie schon in den vergangenen Jahren die Ereignisse plötzlich derart überschlagen, als hätten die Produzenten realisiert, dass man überraschenderweise schon in der letzten Folge angekommen ist und alles rasch zu Ende zu erzählen hat. Zudem wirkt die Schlusseinstellung reichlich harsch, da vollkommen unerwartet. Ein Bruch mit dem Rhythmus der Serie und ein gewagter, zugleich aber auch interessanter Wandel für die kommende Staffel. Grundsätzlich hätte es Dexter jedoch gut zu Gesicht gestanden, wenn man das Staffelfinale nicht schnell runtergespult hätte und stattdessen die Episoden in der Mitte ein bisschen flotter hätte voran schreiten lassen.

Oder sie einfach anders genutzt. In Slack Tide agiert Dexter beispielsweise so unachtsam, dass er einen unschuldigen Mann tötet als er ihn für einen Mörder hält. Zum ersten Mal hat Dexter somit extrem gegen Harry’s Code verstoßen, doch der Mord wird anschließend nicht weiter thematisiert. Keine Auseinandersetzung mit dem Monster in sich selbst. Keine Weiterführung der Analogie zwischen Dexter und Arthur, um die Dexter zu diesem Zeitpunkt sonst so bemüht ist. Stattdessen die Flucht in die Redundanz, wie schon im Vorjahr. Als Ganzes betrachtet zeigt die vierte Staffel durchaus ein neues Gesicht. Mit dem Familienvater Dexter – auch wenn seine Beziehung zu Harrison erstaunlich neutral ist -, der in Arthur eine Art älteres Alter Ego zu entdecken scheint. Für sich genommen funktionieren jedoch gerade die Folgen der ersten Hälfte bisweilen nur mittelprächtig und sorgen schließlich für die qualitative Trübung des Gesamtbildes dieser vierten Staffel. Ein leicht enttäuschendes Jahr mit den Morgans geht zu Ende und es bleibt abzuwarten, welche Wege Dexter in seiner fünften Staffel unter den neuen Voraussetzungen beschreiten wird.

7.5/10

16. Dezember 2008

Dexter - Season Three

Liar liar pants on fire.

Man könnte die Werbemaßnahmen von RTL 2 ja durchaus diskutieren. „Keine Angst, der will nur töten“ als Plakat an Bushaltestellen zu hängen ist sicherlich ein Eyecatcher, ob es ethisch vertretbar ist so um Zuschauer zu buhlen wäre eine andere Frage. Doch das wichtigste ist, der sympathischste Serienkiller (so wirbt Showtime um seine Figur) ist wieder zurück. Gerne würde ich jetzt schreiben „Zurück - und wie!“, aber dem wird die dritte Staffel dann doch nicht so gerecht. Gerade der Beginn ist relativ schleppend, dafür die finalen Folgen wieder sehr gelungen. Grund hierfür ist ohne Frage auch der Wandel, denn die Figur und ihre Serie jedes Jahr durchgehen. Am Anfang war der Mord und Dexter (Michael C. Hall) sah, dass er gut war. Und so tat es auch der Zuschauer. Ein Serienmörder, der andere Serienmörder jagt und umbringt. Das moralische Gewissen der Stadt Miami. Der Mann, der den Müll raus bringt. Dabei immer mit einem amüsanten, da gefühlskalten Einzeiler auf den Lippen.

Für Staffeln wie die Erste von Dexter wurden Begriffe wie „Kult“ erfunden. Eine in sich geschlossene Geschichte über zwei Serienmörder, die dennoch unwahrscheinlich viel Platz für ihre zahlreichen Nebenfiguren offen gelassen hatte. Ein mehr als stimmiges Ende und ein Einstieg wie man ihn sich nur wünschen konnte. Die Prämisse der zweiten Staffel war zwar mehr als gelungen – Dexter insgeheim als neues Ziel seiner Einheit -, aber verlor sich speziell durch die Beziehungen von Dexter mit Lila und Deb mit Lundy etwas. Der Jäger wurde zum Gejagten und das war der Staffel nicht allzu zuträglich. Denn das Dexter davon kommen würde, war von vorneherein absehbar. Nichtsdestotrotz fügte sich auch die zweite Staffel gut in den Kanon ein und spielte weiterhin in der ersten Liga mit. Die Prämisse für die dritte Staffel ist dagegen etwas schwächer, die Charakterentwicklungen dafür umso stärker.

Bei einer nächtlichen Streiftour will sich Dexter des Drogendealers Freebo entledigen. Doch er wird bei der Arbeit gestört, ein Streit geht in Freebos Haus vor und während der Dealer flüchten kann, tötet Dexter den anderen Kontrahenten in Notwehr. Wie sich herausstellt, handelt es sich hierbei um den jüngsten Bruder von Staatsanwalt Miguel Prado (Jimmy Smits). Während dieser zuerst misstrauisch gegenüber Dexter ist, nimmt die Beziehung der beiden kurz darauf eine neue Wendung. Prado ertappt Dexter dabei, als dieser das Kapitel Freebo beschließt. Als die Katze aus dem Sack ist, stellt Dexter fest, dass auch Miguel einen dunklen Begleiter hat. Langsam aber sich lässt der Blutforensiker den Staatsanwalt in seinen inneren Kreis und ernennt ihn schließlich auch zu seinem Trauzeugen, als er seiner langjährigen Freundin Rita (Julie Benz) einen Heiratsantrag macht. Da diese zudem schwanger ist, muss sich Dexter einer völlig neuen Verantwortung stellen.

Vorbild in mehrfacher Funktion, ein Vater für sein ungeborenes Kind und ein Ausbilder für Miguel. Währenddessen treibt ein neuer Serienmörder sein Unwesen. Er ist auf der Suche nach Freebo, nur ist dieser tot und außer Dexter und Miguel weiß niemand davon. Angel (David Zayas) und Deb (Jennifer Carpenter) ermitteln im „Skinner“-Fall, der seinen Opfern bei vollem Bewusstsein die Haut abzieht. Für Deb stellen sich ebenfalls neue Weichen, verliebt sie sich doch in den Polizeispitzel Anton (David Ramsey) und wird bezüglich einer Beförderung von den internen Ermittlern aufgefordert ihren neuen Partner Quinn (Desmond Harrington) auszuspionieren. Während Deb sich zwischen Karriere und Gefühlen entscheiden muss, beginn Dexter sich von Harrys (James Remar) Code zu lösen und individuelle Entscheidungen zu treffen. Entscheidungen, die wie immer vielen Beteiligten das Leben kosten wird.

Zu Beginn des Staffelauftakts wähnt man sich in Our Father wieder in guten alten Zeiten. Dexter auf der Pirsch. Schnell macht die Staffel dann eine Wende. Mit der Einführung von Miguel Prado nimmt die Serie eine völlig andere Zweigung, als man sich zuerst gewünscht hat. Die ersten drei Folgen sind dann auch etwas holprig, da ungewohnt. Man weiß nicht wohin das führt, was man da sieht und auch retrospektiv dreht sich die Serie hier etwas zu stark im Kreis. Richtig losgehen kann es dafür dann, als Miguel Dexters Geheimnis lüftet. Seinen Höhepunkt erreicht die dritte Staffel in The Damage a Man Can Do, wenn Miguel und Dexter gemeinsames „murder shopping“ betreiben und der lateinamerikanische Staatsanwalt wie ein kleines Kind durch den Spielzeugladen streift, um die besten Mordinstrumente auszuwählen. Ein kleiner Magic Moment innerhalb der Serie. Schon bald verdichtete sich jedoch die Freundschaft der beiden und die wahren Karten werden auf den Tisch gelegt. Jimmy Smits ist hier eine Bereicherung für die Serie und verleiht seinem Charakter genau den Charme, den dieser bedarf, um innerhalb der Handlung funktionieren zu können. Wie in den beiden Vorgängerstaffeln findet Dexter also auch dieses Mal einen „Seelenverwandten“, mit dem es letztlich aber doch nicht so klappen möchte, wie alle Beteiligten sich das zuvor ausgemalt haben. Es ist jene Beziehung zwischen Dexter und Miguel, die das Kernstück und somit das Herz der diesjährigen Staffel ausmachen.

Der fortlaufende Serienmord, der als Aufhänger dient, ist jedoch der des Skinners. Da dieser nun weder mit Dexter verbunden ist oder dieser selbst, tangiert der Fall unseren Forensiker nur peripher. Umso mehr Spielraum für die zweite Mannschaft der Serie, angeführt von Jennifer Carpenter. Während man von Laguerta (Lauren Vélez) nicht allzu viel sieht, ist es in allen Aspekten Angel, der die Funktion von Doakes übernimmt. Sehr nett, dass man auch Masuka (C.S. Lee) nicht aus den Augen verloren hat und ihm einige herrliche Momente schenkt. Einziger Störfaktor dieser Truppe ist der Einbezug von Quinn, der nicht so richtig stimmig sein möchte. Intern wird gegen ihn ermittelt, doch was genau es damit auf sich hat und wie es endet wird zu den finalen Folgen hin nicht mehr weiter verfolgt. Bisweilen vermutet man auch nicht zu Unrecht dass hinter Quinn der Skinner steckt oder zumindest die gegen ihn erbrachten Anschuldigungen begründet sind. Löblich lediglich, dass man ihn nicht zu einem von Debs „Betthäschen“ hat verkommen lassen.

Die darstellerischen Leistungen überzeugen, wobei gerade Julie Benz darunter zu leiden hat, dass ihre Figur eine positive Entwicklung durchgemacht hat. Von der abgefuckten Rita zu Beginn der Serie ist nicht mehr viel übrig, insofern kann Benz hinsichtlich einer normalen, geerdeten Figur nicht mehr so hervorstechen, wie sie es in den vorherigen Staffeln getan hat. Abgesehen von den ersten drei Folgen ist lediglich Easy as Pie auf einem durchschnittlichen Level angesiedelt. Die übrigen Episoden sind sehr stimmig, bisweilen mit enorm viel Tiefe und Atmosphäre ausgestattet. Auf ihre Art und Weise stechen hier Si Se Puede, About Last Night und I Had a Dream hervor, die gemeinsam mit The Damage a Man Can Do in Kurzfassung die Beziehung und Entwicklung von Dexter und Miguel charakterisieren. Alles in allem ging die dritte Staffel wieder einen Schritt in die richtige Richtung, verbesserte sich gegenüber der zweiten und lässt auf die vierte Staffel nächsten September hoffen. Denn wie das Staffelfinale zeigte, könnte nächstes Jahr die Blutsbande mit Deb für Dexter eine ganz neue Richtung einschlagen.

8.5/10

17. Dezember 2007

Dexter - Season Two

This is so much better than a prison cell.

Langsam überschlägt sich alles, ich weiß, wenn man sich meinen Blog so ansieht, könnte man meinen, ich hab nix besseres zu tun als ständig irgendwelche Filme oder Serien zu schauen. Dem ist aber an sich nicht so, theoretisch hätte ich eine Menge zu tun – ich tue es einfach nicht, bzw. so sporadisch wie möglich. Außerdem ist da noch der falsche Ehrgeiz bzgl. des Jahresrückblicks, es wird also in der nächsten Woche noch fast täglich Berichte regnen, aber da die Semesterferien theoretisch schon eingeläutet und die Abschlussarbeit geschrieben ist…Zeit muss man ja auch irgendwie nutzen. Zum Beispiel mit Dexter, von dessen erster Staffel ich ja geradezu euphorisch geschwärmt hab. Demnächst läuft Dexter auch im deutschen Fernsehen, allerdings vorerst nur auf Premiere, ab Frühjahr 2008 kann man damit denke ich rechnen, auf Premiere dann wohl auch ungeschnitten und mit der Möglichkeit es in der OV zu hören – was ich ja generell jedem, der des Englischen mächtig ist, empfehle. Wenn ich ab und zu Montags in Lost reinschaue, läufts mir kalt den Rücken runter, wenn ich die Synchro dort höre, ähnlich bei Heroes auf RTL 2.

Gestern ging die zweite Staffel in den USA zu Ende und die positive Nachricht folgt zugleich, denn Showtimes hat eine dritte geordert. Wollen wir mal hoffen, dass die bis zum Sommer abgedreht ist, denn mit dem diesjährigen (und wohl bis ins nächste Jahr fortdauernden) Streik der Autoren, welcher wenns ganz dumm läuft fast direkt in den der Schauspielergewerkschaft im Sommer mündet, sehe ich schwarz für eine geordnete Serienlandschaft in den nächsten zwei Jahren. Schon jetzt sind The Office, Scrubs, Grey’s Anatomy, Heroes und Prison Break ins Stocken geraten, ob Lost überhaupt wie geplant gezeigt wird bleibt noch abzuwarten. Zum Glück konnte man sich da noch auf Dexter verlassen, der fertig abgedreht und geschrieben war und ohne großes Tramtram gezeigt wurde. Da bei oben genannten Serien erstmal Pustekuchen ist, wird gerade schon fleißig Dirty Sexy Money angegangen. Theoretisch ist mit Mad Men und/oder The Tudors auch noch Raum nach hinten offen. Da kann man schon mal dankend auf die Knie fallen und dem amerikanischen TV-Wesen danken – wenn sie jetzt nicht voll in den Streik geraten wären.

Gleich zu Beginn der zweiten Staffel muss Dexter (Michael C. Hall) eine unangenehme Überraschung erleben, als er dachte, dass alles nun seinen geordneten Lauf nehmen könnte. Taucher finden seine Leichendeponie im Meer und somit wird der Ice Truck Killer abgelöst vom Bay Harbour Butcher. Obwohl er nicht so ganz mit seinem neuen Spitznamen leben kann, fühlt sich Dexter in der Tat geschmeichelt, als ihn Presse und Bevölkerung zum Gaunerschreck erkoren. Dumm nur, dass nun seine eigene Abteilung, darunter seine Adoptivschwester Deborah (Jennifer Carpenter) gegen ihn ermittelt. Der auf ihm lastende Druck äußert sich schließlich auch in einer – nennen wir es – Mordblockade und als Dexters Freundin Rita (Julie Benz) ihm eine Drogensucht unterstellt, sucht Dexter eben ein Suchtprogramm auf. Dort erhält er die extrovertierte Lila (Jaime Murray) als Sponsor und lernt mit seiner Sucht besser umzugehen. Währenddessen droht der Konflikt zwischen Sergeant Doakes (Erik King) und Dexter allmählich zu eskalieren, als das FBI mit Agent Lundy (Keith Carradine) einen externen Ermittler auf den Bay Harbour Butcher ansetzt.

Die zweite Staffel, welche nicht wie die erste auf der Romanvorlage von Jeff Lindsay beruht - aber dennoch von diesem geschrieben wurde – spielt sich folglich ganz unter dem Motto „Vom Jäger zum Gejagten“ ab und ist damit große Bühne für ein packendes Katz-und-Maus-Spiel zwischen Dexter und Agent Lundy. Dass er dabei auch nicht mit Doakes, Rita und Lila klarkommen muss, scheint ihn in manchen Momenten zu über-, dann aber auch wieder herauszufordern. Dexter lernt seine „Sucht“ besser kennen und besser zu verstehen, somit lernt er auch sich selbst besser kennen und Dinge aus seiner Vergangenheit. Hierbei spielt immer noch der Mord an seiner Mutter eine große Rolle und auch die Funktion die sein Adoptivvater Harry (James Remar) in der ganzen Sache gespielt hat. Gegen Ende der Staffel sieht sich Dexter mit einem Problem konfrontiert, aus dem es nur eine falsche und eine richtige Entscheidung gibt – damit auch unweigerlich der Frage, wie er sich entscheiden wird.

Die zweite Staffel weiß insbesondere durch das Psychoduell zwischen Doakes und Dexter zu begeistern, welches sich gegen Ende ins unermessliche steigert. Gerade Erik King spielt hier seine Rolle einfach nur wunderbar, aber auch die neu dazu gestoßene Jaime Murray – deren Vater zwar auch Bill Murray heißt, aber nicht der Bill Murray ist – weiß nicht nur mit nackten Tatsachen zu begeistern. Da sich die Staffel schon von Anfang an mit Dexter als Tatverdächtigen beschäftigt, bzw. seinen Sabotagen der Ermittlungen, dreht sich die eine oder andere Folge schon mal etwas im Kreis. Dafür nimmt die Serie besonders in den finalen Episoden an Intensität zu, wenn sich die Lage mehr und mehr zuspitzt. Im Vergleich zum Finale der ersten Staffel ist die letzte Folge dann jedoch ein mittleres Desaster und enttäuscht total. Hier wurde eine so immense Spannung aufgebaut, welche schließlich nicht mehr gehalten werden konnte und die Serie am Ende (da wieder einzeln bewertet) sogar einen halben Punkt runterzieht. In der Hoffnung, dass dies in der dritten Staffel wieder besser gemacht wird, zählt Dexter dennoch zu dem besten, was man im Fernsehen finden kann.

8/10

7. September 2007

Dexter - Season One

I can kill a man, dismantle his body and be home in time for Letterman.

Dexter basiert auf dem Roman Darkly Dreaming Dexter von Jeff Lindsay aus dem Jahr 2004. Dieser Kriminalroman war - einige Abweichungen abgesehen - die Vorlage nicht nur zu dieser Serie, sondern auch zu den Nachfolgern Dearly Devoted Dexter und Dexter in the Dark (erscheint in den USA nächsten Monat). Im Gegensatz zur ersten Staffel, wird die zweite Staffel (die beinah zeitgleich mit dem dritten Roman ausgestrahlt wird) eine vom zweiten Roman unabhängige Geschichte erzählen. Autor und Creator der Serie ist James Manos Jr., welcher bereits zwei Dutzend Folgen von The Shield produziert und für sein Drehbuch zu The Sopranos („College“) einen Emmy gewonnen hat. Ähnlich wie The Sopranos wurde auch von Dexter für die erste und zweite Staffel nur überschaubare zwölf Folgen angefordert.

Dexter Morgan (Michael C. Hall) arbeit als Spezialist für Blutanalysen in der forensischen Abteilung des Morddezernats von Miami. Dabei hegt Dexter sprichwörtlich eine Affinität zu Blut und hat dabei sein Hobby zum Beruf gemacht. Denn Dexter ist in seiner Freizeit ein Serienmörder, dies liegt im sozusagen…im Blut. Als Dreijähriger wurde Dexter in der Blutlache seiner Mutter gefunden und anschließend von dem Polizisten Harry Morgan (James Remar) adoptiert und aufgezogen. Jetzt, dreißig Jahre später, ist Harry tot und Dexter arbeitet gemeinsam mit seiner Adoptivschwester Debra (Jennifer Carpenter) für die Polizei von Miami, während er nachts die Fälle löst, für welche die Justiz kein Auge gehabt hat. Ganz nach dem Code seines Adoptivvaters, der als einziger sein mordlüsternes Geheimnis kannte, lebt Dexter seine Leidenschaft nämlich kanalisiert aus – an ebenjenen Vergewaltigern, Mördern und anderen, die der gerechten Strafe entgehen konnten. Bisher lief für Dexter alles glatt, bis zu dem Tag, an welchem er am Tatort eine Leiche ohne auch nur einen einzigen Tropfen Blut findet – stattdessen eine Einladung des Mörders zum Spielen.

Zu sagen Dexter ist eine normale oder durchschnittliche Serie wäre bei weitem untertrieben und auch wenn die Serie in Miami spielt hat sie nichts mit Miami Vice, Bad Boys oder CSI: Miami gemein. Kann man sich vorstellen, jede Woche einzuschalten, um mit Spannung einem Mann zuzuschauen, wie er ein Opfer findet und es tötet, geradezu hofft, dass er dies tut? Einem Serienmörder seine volle Sympathie entgegenzubringen? Sicherlich schwer vorstellbar und dennoch gelingt es Dexter in jedem einzelnen Moment. Dies würde ohne Frage niemanden mehr verwundern als Dexter selbst, der wie er selbst sagt, eine leere Hülle ist. Dexter kennt keine Emotionen, keine Trauer, keine Angst, keinen Hass und keine Liebe. Auch nicht zu seiner Freundin Rita (Julie Benz), die von ihrem Ex-Mann missbraucht worden ist. Genauer gesagt kommt dies Dexter gerade Recht, schließlich ist er von asexueller Natur und kann so den „Unannehmlichkeiten“ seiner Beziehung entgehen, aber dennoch ein normales Bürgerleben aufrechterhalten.

Wahrscheinlich funktioniert die Serie deshalb (so gut), da Dexter das Gesetz in die eigene Hand nimmt. Er hat die Indizien, aber keine wirklichen Beweise, doch wenn er sich der Schuld seines Opfers gewiss ist, hat dieses eben ausgedient. Und jemand der Mörder und Vergewaltiger aus dem Weg räumt, der ist an sich ja eigentlich ein Held, der unseren Dank verdient, beispielsweise durch eine Parade. Nehmen wir an, Dexter wäre ein sadistischer Kinderschänder – würde man über solch einen Menschen eine Serie machen, bzw. würde man eine solche Serie schauen? Die menschliche Lust am Voyeurismus täte sicherlich ein paar Kandidaten finden, aber in diesem Fall wären dann kaum bis gar keine Sympathien vorhanden. Dabei unterscheidet sich Dexter nicht sonderlich von einem solchen Mörder, er ist im Prinzip nur ein „dressierter“ Mörder, der eben nach einem Code vorgeht, wobei es ihm prinzipiell trotz allem allein ums Morden geht. Einem solchen Mörder ohne Codex begegnet Dexter zu Beginn der Serie und ist fasziniert von ihm. Dies beruht scheinbar auf Gegenseitigkeit, denn sein mörderisches Pendant lädt Dexter zum Spielen ein, dabei ist es vielmehr als ein Spiel, doch das wird Dexter erst am Ende feststellen.

Hier ist in der Tat eine hervorragende Serie entstanden, die - betrachtet man ihre erste Staffel konklusiv - sogar als Meisterwerk anzusehen ist und die es in der Form vorher noch nicht gegeben hat. Die Auflösung ist zwar zuerst etwas kitschig, wird dann aber noch brillant zu Ende geführt und egalisiert sich dadurch schließlich. Die ersten beiden Folgen der zweiten Staffel, die bereits im Internet zu sehen sind, versprechen im Gegensatz zur ersten Staffel einen eindringlicheren und persönlicheren Ton, nicht nur auf Dexter bezogen, sondern auch auf andere Figuren, beispielsweise Debra oder polizeiinterne Konkurrenzkämpfe. Mit seiner kühlen und zynischen Art hat sich Dexter – welcher gerne auch mal die vierte Wand durchbricht – zu einen der bemerkenswertesten Serien“helden“ gemeistert und wird durch den erprobten Michael C. Hall perfekt in Szene gesetzt, aber auch die anderen Darsteller um Erik King fügen sich bestens in ihre Figuren ein. Es bleibt zu hoffen, dass die Serie an das Flair der ersten Staffel schafft ab Oktober anzuknüpfen, zu wünschen wäre es ihr jedenfalls.

10/10